Von wegen "Twilight – New Moon"…

Dass die Vampir-Seifenoper mit den vielen käsigen Teenies nicht unbedingt was fürs erwachsene Publikum ist, steht spätestens seit dem ersten „Twilight“-Film fest. Ein wenig Unterhaltung kann man aus dem ganzen Rummel auch so noch gewinnen, z. B. indem man sich diese Rezension des Films auf Aintitcoolnews.com durchliest. Der Autor der Zeilen steht für Teil drei übrigens nicht als Rezensent zur Verfügung…

Mal wieder eine kleine Trailershow

Wie ich das in ruhigen Stunden gerne tue habe ich mal wieder bei Apple.com gecheckt, was für Trailer aktuell sind. Zum Beispiel diese hier:

Green Zone Matt Damon und Regisseur Paul Greengrass haben bereits in den zwei letzten „Jason Bourne“-Filmen zusammengearbeitet, und gute Arbeit abgeliefert. In „Green Zone“ kommen sie nun erneut zusammen. Damon spielt einen US-Elite-Soldaten, der in eine heikle Undercover-Mission gerät, und dabei die geheimen Absichten seiner Vorgesetzten rausfindet. Ähnlich wie Jason Bourne, so scheint es im Trailer, ist er auch hier dann wieder als Einzelkämpfer im Kampf gegen die mächtigen Obrigen unterwegs. Auch Grenngrass‘ Faible für wacklige Handkameras ist zu erkennen, insgesamt sieht das nach einem spannenden Thriller aus – ich hoffe, der Trailer verspricht nicht zuviel. Deutschlandstart: 15. April. Zum Trailer…

Salt Regisseur Philip Noyce („The Quiet American“, „Die Stunde der Patrioten“) verfilmt ein Script zweier namhafter Drehbuchautoren (Kurt Wimmer und Brian Helgeland), in der Hauptrolle ist Angelina Jolie zu sehen. Passend zum Kinostart im Sommer ist „Salt“ eindeutig ein Action-Blockbuster, oder gibt sich wenigstens alle Mühe, einer zu sein. Jolie spielt eine US-Agentin, die laut einer russischen Quelle auch eine russische Agentin ist UND ein Attentat auf den US-Präsidenten plant. Und los geht die wilde Fahrt… Der Trailer sieht recht vielversprechend aus, bevor man allerdings die Story nicht bis zuende gesehen hat lässt sich unmöglich sagen, ob sie wirklich für Spannung sorgen und gleichzeitig überzeugen kann. Beides geht ja leider selten zusammen. Deutschlandstart: 26. August. Zum Trailer…

Prince of Persia – The Sands of Time Nachdem Jerry Bruckheimer für Paramount bzw. Dreamworks zuletzt das unselige zweite „Transformers“-Spektakel produzierte ist er nun wieder für Disney tätig geworden. „Prince of Persia“ basiert auf einer Computerspielreihe und soll an den Erfolg von „Pirates of the Caribbean“ anschließen. Dafür wurde mächtig was aufgefahren, im Trailer sind ein paar eindrucksvolle Special-Effects zu sehen. In der Hauptrolle des Fantasy-Spektakels, das um einen geheimnisvollen Degen mit magischen Kräften kreist, ist Jake Gyllenhaal zu sehen, außerdem mit dabei sind Gemma Arterton und Ben Kingsley. Für meinen Geschmack ist der Film eher nichts, Pixel-Armeen, Zauber und Zeitreisen ergeben im Kino wohl eher seichte Unterhaltung für Teenager als einen Film, der mich interessieren könnte. Deutschlandstart: 29. Juli. Zum Trailer…

Brothers Von Regisseur Jim Sheridan („Im Namen des Vaters“) kommt ein Drama mit Natalie Portman, Jake Gyllenhaal und Tobey Maguire. Sieht nach einem korrekten Film aus, könnte allerdings auch over-the-top sein. Und der Trailer verrät schon recht viel über die Story, also kann man sich den auch sparen, wenn einen die Handlung interessiert. Der Plot kreist um einen jungen Mann, der sich in der Familie seines Bruders allmählich in der Vaterrolle wiederfindet. Deutschlandstart: unklar. Zum Trailer…

Crazy Heart Jedermanns liebstes Knautschgesicht Jeff Bridges spielt einen alternden Country-Musik-Helden in diesem Regiedebut von Scott Cooper. Scheint ein feines kleines Indie-Drama zu sein, dem Trailer nach zu urteilen ohne den ganzen US-Flaggen und Patriotismus-Quatsch, der einem das Country-Genre sonst gerne vermiest. Und wie in Hollywood gemunkelt wird gilt der Film – und vor allem Jeff Bridges – als Oscarkandidat ohne überhaupt schon angelaufen zu sein. Außerdem dabei sind Maggie Gyllenhaal und Robert Duvall, Deutschlandstart: unklar, wenn die Oscarnominierung kommt sicher nicht vor Februar. Zum Trailer…

Extraordinary Measures Brendan Fraser spielt einen verzweifelten Vater, dessen zwei Kinder eine tödliche Krankheit haben, Harrison Ford einen exzentrischen Mediziner und Forscher, der vielleicht ein Mittel dagegen finden kann. Sieht nach pathetischem Mainstream-Drama (inklusive „based on a true story“-Einblendung) aus, die Tagline ist „Don’t wait for a miracle. Make one.“. Also, ganz ehrlich – da bin ich raus, will ich nicht sehen. Deutschlandstart: unklar. Zum Trailer…

Was macht eigentlich…Will Smith?

Die Karriere von Will Smith als „steil“ zu bezeichnen wäre eine krasse Untertreibung. Aus dem jungenhaften Star aus dem „Prinz von Bel Air“ wurde langsam aber sicher ein globaler Superstar und eine Ein-Mann-Charme-Offensive, der die ganze Welt erlegen ist. Erste Meilensteine in seiner Karriere als Kinoheld waren „Bad Boys“ und „Independence Day“, seit „Men in Black“ gehört er engültig zur sogenannten ‚A-List‘ der Hollywoodstars. Dass er dort gelandet ist hätte Anfang der Neunziger sicher kaum jemand geglaubt. Noch beeindruckender ist aber eigentlich die Tatsache, dass Smiths Karriere seit bald 15 Jahren stabil und erfolgreich verläuft – man denke etwa an die Herren Cruise und Gibson, denen das nicht so ganz gelungen ist.

Gründe dafür gibt es mehrere. Natürlich gehört Smiths Charme dazu, auch seine Vorzeige-Familie mit hübscher Frau und hübschen Kids, Skandale gibt es auch keine. Seine Karriere als Spaß-Rapper hat er quasi nebenbei beendet, was seinem Ruf als Schauspieler sicher nicht geschadet hat. Seine Rollenauswahl ist eine Klasse für sich, egal ob Smith das seiner Agentur (Creative Artists Agency) verdankt oder selbst richtig liegt. Die meisten seiner Filme sind Hits, und die wenigen kommerziellen Mißerfolge haben ihm Prestige und Sympathien eingebracht.

Ein gewisses Muster ist schon zu erkennen: neben Mainstream-Projekten wie „Staatsfeind Nr. 1“ oder „Hitch“ gibt es Fortsetzungen seiner größten Hits, und hin und wieder anspruchsvolle Rollen,  etwa in „Ali“, „The Pursuit of Happiness“ oder zuletzt in „Seven Pounds“. Das Phänomen Will Smith lässt sich vielleicht am besten an „I am Legend“ veranschaulichen: da gibt es über weite Strecken nur ihn, einen Hund und ein menschenleeres New York zu sehen, und statt einer Handlung wird – für einen geplanten Blockbuster ungewöhnlich – mehr auf die passende Stimmung gesetzt. Ergebnis: ein riesiger Erfolg an den Kinokassen und wohlwollende Rezensionen (trotz eines von der Vorlage leider deutlich abweichendes Endes).

Fast jedes Genre hat der Mann schon bedient, eine romantische Komödie mit „Hitch“, Science-Fiction mit „I, Robot“, großes Drama in „Seven Pounds“, leiseres Drama in „Die Legende von Bagger Vance“ (der zu Unrecht oft übersehen wird), Superhelden-Action in „Hancock“ oder auch als Stimme eines animierten Hais in Dreamworks „A Shark Tale“. Ein weiterer Baustein zum Erfolg ist die Ein-Film-pro-Jahr-Formel. Mit wenigen Ausnahmen hat sich Smith daran gehalten und so das Interesse an seiner Person besser steuern können als manch anderer Star (vergleiche etwa Jude Law, der anno 2004 in sechs Filmen dabei war).

Nun hat Smith also alles erreicht – bis auf einen Oscar, da stehen bisher „nur“ zwei Nominierungen zu Buche. Ich könnte wetten, dass Smith schon gern mal eine Dankesrede halten möchte… Seit „Seven Pounds“, der bei uns Anfang des Jahres anlief, ist es ruhig geworden um Will Smith. Bis heute gibt es keine konkreten Projekte, keine bereits abgedrehten Filme, auch keine bereits terminierten. Laut Branchendienst IMDB.com ist er als Produzent und Schauspieler bei vielen Filmen im Gespräch, konkret ist aber nichts.

Unter den konkreteren Projekten ist ein Prequel von „I am Legend“, dass Warner Bros. für 2011 angesetzt hat. Allerdings könnte das auch noch ein Sequel werden, wie Aintitcoolnews.com meldet. Verwirrung komplett, interessant klingt es aber allemal. Bereits für 2010 angedacht (will sagen unkonkret in der Planung) sind einige weitere Filme. „Time Share“ soll eine Komödie werden, in der Smith und Nic Cage sich als Väter im Urlaub gegenüberstehen. Ebenfalls auf dem Zettel  steht „Monster Hunter“, eine Horrorkomödie in der Smith angeblich nicht nur als Produzent, sondern auch als Hauptdarsteller eingeplant ist. Noch ist aber auch hier nichts in trockenen Tüchern.

Eine weitere Möglichkeit: ein Kino-Remake der Fernsehserie „It takes a thief“, in Deutschland als „Ihr Auftritt, Al Mundy“ bekannt. Ebenfalls noch mit in der Verlosung: Fortsetzungen von „Hancock“ und „I, Robot“, sowie ein halbes Dutzend weiterer Projekte in verschiedenen Stadien der Vorbereitung. Auf den ersten (und zweiten) Blick sieht es so aus, als konzentrierte sich Smith eher auf neue Blockbuster als auf den nächsten Anlauf zum Oscar für den besten Hauptdarsteller. Vielleicht geht es ihm dabei auch um den persönlichen Wettkampf mit Tom Cruise – die beiden führen nach Smiths Aussagen genau Buch über ihre Gesamt-Einspielergebnisse, und für Smith ist jetzt wohl die beste Zeit ein paar hundert Millionen auf seinen Kollegen gutzumachen…

Hier gibts eine Liste mit den erfolgreichsten Schauspielern, was das all-time Box Office angeht. Ob die Seite seriös ist kann ich NICHT garantieren!

2012

Es ist mal wieder soweit, Roland Emmerich lässt ein drittes Mal (nach „Independence Day“ und „The Day after Tomorrow“) die Welt untergehen. Nur geht er in „2012“ noch etwas weiter als in den vorherigen Filmen, denn hier gibt es keinen Zweifel – die Welt WIRD untergehen, da hilft auch kein Will Smith mehr. Warum geht sie unter? Wegen Eruptionen der Sonne, die das Erdinnere sprichwörtlich zum Kochen bringen. Oder so ähnlich…

Verantwortlich für das (pseudo-)wissenschaftliche Fundament der Story ist der US-Wissenschaftler Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor), der im Jahre 2009 mit einem indischen Kollegen entdeckt, dass das sprichwortliche Ende naht. Bald schon muss der US-Präsident (gespielt von „Lethal Weapon“-Star Danny Glover) den übrigen Staatsoberhäuptern der größten Nationen die schlechte Nachricht überbringen. Man einigt sich auf eine gemeinsame Strategie – doch der Zeitplan geht nicht auf, und so trifft die Katastrophe die Menschen weltweit bald recht unverhofft.

Los Angeles versinkt im Meer, der Yellowstone Nationalpark wird zum gigantischen Vulkan, weltweit sorgen mächtige Erdbeben und immense Flutwellen für nie dagewesene Zerstörungen. „2012“ präsentiert die Apocalypse im wesentlichen in zwei Erzählsträngen. Der eine zeigt den erfolglosen Schriftsteller Jackson Curtis (John Cusack), der mit seiner Familie (Ex-Frau mit Neu-Ehemann und zwei Kinder) der Katastrophe zu entfliehen versucht. Die spektakuläre Flucht per Auto und Flugzeug sorgt für die vielleicht besten Actionszenen des Films.

Der zweite Strang verfolgt Helmsleys Schicksal, der im Zentrum der Macht mitansehen muss, wie die Katastrophe schneller als erwartet alle Pläne über den Haufen wirft. Nur für wenige ausgewählte Personen weltweit existiert so etwas wie ein Fluchtplan, der Rest guckt in die Röhre – was dem Wissenschaftler gar nicht behagt. An seiner Seite kämpft bald auch die Tochter des Präsidenten (Thandie Newton), den Bösewicht gibt der zynische Stabschef des Weißen Hauses, gespielt von Oliver Platt.

Dass „2012“ nicht durch feines Drama besticht versteht sich quasi von selbst. Die Handlung darf immerhin als „völlig ausreichend“ bezeichnet werden, und mehr ist ja bei einem Katastrophenfilm ohnehin nicht gefragt. Ein paar kleine Länge gibt es zu Beginn, aber spätestens nach 45 Minuten fängt es an ordentlich zu krachen. Der Film muss sich an seinen Actionszenen messen lassen, und schneidet dabei sehr gut ab. Alle Formen der Zerstörung sind beeindruckend gemacht, sehen großartig und äußerst realistisch aus. Ein paar kleine Ausnahmen bestätigen die Regel. Detailreich und ohne merkbares Pixel-Feeling gehen die digitalen Welten ebenso digital unter – aussehen tut es aber äußerst realistisch.

Das größte Manko des Films ist das Ende. Hier greift Emmerich noch einmal auf etwas altbackenes Katastrophenkino zurück, in dem die bekannten Charaktere NOCHMAL vor dem sicheren Tod gerettet werden müssen. Die Szenen sind weder spektakulär genug noch irgendwie notwendig, schließlich hat „2012“ bis dahin schon genug sehenswerte Actionszenen geboten. Und nach gut zwei Stunden hat das Publikum auch langsam genug von dem Budenzauber, ein etwas flotteres Finale wäre also wünschenswert.

Letzten Endes ist „2012“ so etwas wie Emmerichs Meisterstück. Auf der Höhe der neuesten Technik beschwört er hier das Ende der Welt und lässt Städte, Landschaften, Schiffe und Flugzeuge untergehen. Ohne ein Mindestmaß an Pathos kommt man in so einer Story nicht aus, aber Emmerich überspannt den Bogen in dieser Hinsicht nicht. Ein paar Lacher sorgen für gelegentliche Entkrampfung, die Figuren sind überzeugend genug um nicht unangenehm aufzufallen. Muss man sich das zweieinhalbstündige Getöse also wirklich angucken? Man muss nicht, aber wenn man es tut, sollte man es im Kino und auf der größtmöglichen Leinwand tun.

3/5

"Donnie Darko"-Regisseur Richard Kelly…

..hat nach seinem Überraschungserfolg kein glückliches Händchen bewiesen. Nachdem schon sein zweiter Film „Southland Tales“ nur wenig Anhänger fand scheint es auch mit seinem neuesten Werk ähnlich zu laufen. Der Mystery-Thriller „The Box“, immerhin mit Cameron Diaz in der Hauptrolle, ging an den US-Kinokassen mit nur knapp $ 8 Mio. baden. Und für Deutschland ist erst gar kein Kinostart angedacht, der Film wird im Februar direkt auf DVD/BluRay erscheinen – nicht gerade die Norm für Filme mit einer derart bekannten Hauptdarstellerin. Wie man hier nachlesen kann ist die Abneigung des Publikums vor allem auf das Ende des Films zurückzuführen. Den Trailer gibts wie üblich bei Apple.com

The Informant!

Mike Whitacre (Matt Damon) ist leitender Angestellter bei ADM, einem US-Großkonzern aus der Lebensmittelindustrie. Eines Tages steht das FBI bei ADM auf der Matte, um bei der Suche nach einem Erpresser und/oder Maulwurf zu helfen. Whitacre wähnt sich bald zwischen den Fronten, weil ADM illegale Geschäfte tätigt, und arbeitet fortan als Informant für das FBI. Stets mit einem Mikrophon verkabelt soll er Beweise liefern, um die Chefetage zu belasten.

Steven Soderberghs neuer Film „The Informant!“ ist (ähnlich wie zuletzt „Moon“) nur schwer zu rezensieren, weil ein Großteil des Plots nicht verraten werden sollte und deshalb lasse ich ihn hier auch mal weg. Ein paar Dinge dürfen natürlich trotzdem gesagt werden, z.B. dass der 70er-Jahre-mäßige Soundtrack des Films eher zu einer Komödie passt als zu einem Thriller und die Handlung ironisch kommentiert.

Oder dass Matt Damon eine Glanzleistung hinlegt. Vom Superagenten Jason Bourne ist in seinem Spiel nichts zu finden, übergewichtig und mit Schnauzer spielt er Whitacre als einen zwischen Minderwertigkeitskomplexen, großer Intelligenz und  grenzenloser Naivität schwankenden Familienvater mit einer Schwäche für schicke (deutsche) Autos. Per Off-Kommentar erfährt das Publikum hin und wieder, was in seinem Kopf gerade so vorgeht. Und das sind andere Dinge als man vermuten würde – etwa sinnfreie Anekdoten („The german word for pen is ‚Kugelschreiber‘..all those syllables just for ‚pen‘!“) sowie Halb- und Binsenwahrheiten aus aller Welt.

Welchen Weg die Story nimmt mag der eine oder andere im Laufe des Films sogar erahnen, ich bin nicht sicher wieviel der Trailer zum Film bereits verrät. Doch die originelle Erzählweise mit einigen Zeitsprüngen und entscheidenden Informationen knapp außerhalb der Sichtweite machen den Film zu einer witzigen, ungewöhnlichen Mischung aus Drama, Thriller und Komödie bzw. Farce. Verantwortlich für einige brüllend komische Momente sind neben dem guten Drehbuch die hervorragenden Schauspieler (u. a. Scott Bakula als Agent Shepard), allen voran Matt Damon. Der beweist ein feines Gespür für komödiantisches Timing, ohne dabei den komplizierten Charakter seiner Figur zu zerstören.

„The Informant“ ist kein Meisterwerk, aber ein (im positiven Sinne) interessanter Film, der die bekannten Pfade des Mainstreams verlässt und sich eine eigene Nische schafft. Es ist Regisseur Soderbergh hoch anzurechnen, dass er im bekannten Genre des Enthüllungsthrillers neue Wege gehen kann, ohne sein Publikum zu verlieren. Wie so häufig gilt hier wohl, dass nur derjenige erfolgreich die Regeln brechen kann, der sie verdammt gut kennt.

4/5

Weiter im Text…

Nach der viel zu langen Filmflaute in den hiesigen Kinos geht es hier demnächst wieder weiter. Heute steht Soderberghs „The Informant!“ auf dem Programm, in einer Woche dann Roland Emmerichs neuester Weltuntergang „2012“. Mal sehen, ob ich es auch noch in Mchael Moore Kapitalismus-Film schaffe…

Am 19.11. läuft dann „Paranormal Activity“ der große Überraschungshit aus den USA an. Ob ich allerdings über meinen Schatten springe und mir einen Horrofilm im Kino anschaue ist unklar. Wobei mich schon interessieren würde, ob der No-Budget-Film die ganze Aufregung auch verdient. Außerdem läuft „Das Gesetz der Rache“ an, ein wie man hört sehr brutaler, nicht sonderlich aufregender Rache-Thriller. Und dann war es das auch schon wieder für November, die neue Sandra-Bullock Rom-Com werde ich ebenso umfahren wie die „Twilight“-Fortsetzung.

Moon (DVD-Import)

Unsere Welt in naher Zukunft: Wasserstoffreserven, die auf der dunklen Seite des Mondes gewonnen werden, haben das globale Energieproblem klimafreundlich gelöst. Von einer Mondbasis werden die Energieträger zur Erde geschickt. Einziger Angestellter der Basis ist Sam Bell (Sam Rockwell), dem ein mobiler Computer (oder besser eine künstliche Intelligenz) namens GERTY Gesellschaft leistet. Sams Dienst auf dem Mond ist fast vorbei, nach drei Jahren freut er sich auf ein Wiedersehen mit seiner Familie.

Soweit die Ausgangssituation von „Moon“, viel mehr kann über die Story nicht verraten werden, ohne zuviel vorweg zu nehmen. Dass Sam einen Unfall mit einem der Mond-Vehikel hat sei noch gesagt, und GERTY ihn gesund pflegen muss. Und dass nach diesem Unfall die Gesamtsituation in einem völlig anderen Licht erscheint. Der Film folgt dabei einer stringenten inneren Logik, die sich dem Publikum Stück für Stück erschließt.

Für Sam Rockwell ist „Moon“ eine One-Man-Show, bis auf ein paar Figuren, die in Videobotschaften auftauchen ist er der einzige Charakter. Der Schauspieler, der in vielen Filmen mitspielte („The Green Mile“, „Matchstick Men“, „Confessions of a Dangerous Mind“) ohne je wirklich zum Star zu werden, spielt Sam in allen Nuancen überzeugend. Sam ist kein Held oder Genie, sondern ein einfacher Kerl in einem außergewöhnlichen Job. GERTY wird von Kevin Spacey gesprochen, der dem Computer mit seiner angenehmen, mitfühlenden Stimme so etwas wie eine Persönlichkeit verleiht.

Für einen Science-Fiction-Film hat „Moon“ nur wenige Special-Effects, kommt ohne Aliens und mit einem Minimum an Raumschiffen aus. Dafür bietet er eine gute Story. Das sagt sich zwar leicht, ist aber gerade im Sci-Fi-Bereich selten. Neben der Story ist auch die Umsetzung sehr gelungen, das Timing stimmt ebenso wie die Dialoge und das Set-Design (ein Großteil des Films spielt im bewohnbaren Teil der Mondbasis). Einen Kinostart abgesehen vom Fantasy Filmfest wird der Film hierzulande leider nicht mehr erleben [Update:  im September 2010 ist doch noch eine Kinoauswertung geplant], einen regulären DVD-Release wird es aber irgendwann geben. Die UK-Version ist bereits über Amazon Deutschland direkt zu bestellen, als DVD und BluRay.

4/5

Was macht eigentlich..Kevin Spacey

Es ist schon eine Weile her, dass Kevin Spacey im Kino einen größeren Hit gelandet hat. Der aus New Jersey stammende Schauspieler wurde Mitte der 90er Jahre bekannt, nach Nebenrollen in Filmen wie „Henry and June“ oder „Glengarry Glen Ross“ nahm seine Karriere mit „The Usual Suspects“, „Die Jury“ und „LA Confidential“ richtig Fahrt auf. Schließlich folgte mit seiner Rolle als Lester Burnham in „American Beauty“ von 1999 der vorläufige Höhepunkt, komplett mit Oscar und allem Pipapo.

Schon kurz nach diesem Erfolg allerdings wurde klar, dass Spacey nicht im Sinn hatte, das größstmögliche Kapital aus seinem Erfolg zu schlagen. Seine nächsten Projekte („The Shipping News“, „K-PAX“) zielten nicht auf das ganz große Publikum, erst der – wie ich finde – inhaltlich problematische Thriller „The Life of David Gale“ war 2003 wieder ein (geplanter) Erfolg. 2006 gab er in „Superman Returns“ den Nemesis Lex Luthor, keine ganz schlechte Rolle, aber schon mit dem Beigeschmack, dass die Kasse gefüllt werden muss…

In der Zwischenzeit aber hat sich Spaceys Arbeitsschwerpunkt verändert. Seit 2003 ist er künstlicher Leiter des ‚Old Vic‘-Theaters in London, und offenbar glücklich mit dem Job. Hin und wieder macht er mal in einem Film mit, etwa 2008 im Pokerthriller „21“, sicher nicht schlecht bezahlt – aber auch kein ganz schlechter Film. Dieses Jahr war Spacey wieder etwas aktiver, allerdings ist das in Deutschland noch nicht angekommen. „Moon“, in dem er einem Hal-9000-artigen Computer seine Stimme leiht, hat gute Kritiken gekriegt in der Welt, aber noch keinen deutschen Starttermin. Ähnliches gilt für die Indie-Produktion „Shrink“, in dem Spacey einen unglücklichen, dauerbekifften Psychiater spielt, dem seine eigenen, in Bestseller-Form gegossenen Anleitungen zum Glücklichsein nicht mehr weiterhelfen.

Und dann ist da noch die mit einigem Aufwand beworbene Militär-Farce/Komödie „The Men Who Stare At Goats“, in dem Spacey an der Seite von George Clooney, Ewan McGregor und Jeff Bridges spielt – in den USA und andernorts bereits diesen Herbst, bei uns leider erst im Februar 2010. Wenn Spacey als Schauspieler wieder ins Rampenlicht zurückkehrt, dann sicher mit dem letztgenannten Film. Doch ob er das überhaupt will, darf ernsthaft bezeifelt werden.

Offenbar macht er sich nichts aus dem Hollywood-Ruhm – was natürlich immer gerne mal gesagt wird, aber auf jemanden, der außer Landes wohnt und nur alle paar Jahre einen Film mit Mainstream-Potential dreht, durchaus zutreffen dürfte. Einerseits ist das schade, andererseits geht Spacey wenigstens nicht dieselben Wege wie etwa Samuel L. Jackson (Spaceys Co-Star in „Verhandlungssache“ und einige Jahre lang gefühlt in jedem zweiten Film am Start) oder Al Pacino (eine gute Rolle höchstens alle fünf Jahre). Für 2010 hat Spacey mit „Father of Invention“ und „Casino Jack“ laut IMDB.com schon zwei Filme abgedreht – ein Funke scheint also noch zu brennen in Kevin Spacey, dem Hollywoodschauspieler… Gut zu wissen.

Toy Boy (DVD)

Der US-Schauspieler Ashton Kutcher ist hierzulande eher als deutlich jüngerer Ehemann von Demi Moore und begeisterter Twitter-Nutzer bekannt. Einige kennen ihn vielleicht noch von der MTV-Show ‚Punk’d‘. Sein Image als ‚Boy toy‘ ist Teil des Konzepts von „Spread“ (Originaltitel), in dem Kutcher einen mittellosen, aber charmanten Jüngling namens Nikki spielt, der sich in L.A. von reichen Frauen aushalten lässt. Zu Beginn des Films macht er seine neueste Eroberung, eine reiche Anwältin (Anne Heche) mit schicker Villa in den Hollywood Hills.

Was folgt ist leider sehr vorhersehbar. Nikki nutzt seinen geliehenen Reichtum schamlos aus, erlebt nach ein paar weiteren Abenteuern die wahre Liebe, nur um dann festzustellen, dass die nicht so einfach zu haben ist – und er auch nicht mehr in sein bisheriges Leben zurückkehren kann. Kutcher schafft zwar den Spagat zwischen oberflächlichem Verführer und verlorener Seele, trotzdem hat seine Figur nicht genug Tiefe. Kein Wunder auch, denn statt einer schlüssigen Vergangenheit der Figur hat der Film nur einen Off-Kommentar zu bieten, in dem Nikki dem Publikum erklärt, wie das so genau zu laufen hat mit seinen vielen Eroberungen.

Statt einer interessanten oder bissigen Satire auf eine geldgeile, hedonistische und zynische Gesellschaft gibt es ein – von den für US-Verhältnisse sehr freizügigen und zahlreichen Sexszenen abgesehen – recht braves Drama, mit einer Mainstream-tauglichen Moral. Ein paar interessante Szenen fallen dabei ab, und das flotte Erzähltempo lässt „Spread“ auch kurzweilig vorüberziehen. Nur hängen bleiben tut leider nicht viel, und das ist so gut wie nie ein gutes Zeichen.

2/5