Wer es braucht – "Rambo 5" ist unterwegs…

Rein künstlerisch war „Rambo 4“ sicher kein großer Wurf, und wenn man von dem unglaublich brutalen Gemetzel absieht, blieb von dem Film auch sonst nicht viel hängen. Geld hat er den Produzenten offenbar trotzdem gebracht, sonst wäre wohl kaum bei Variety.com zu lesen, dass Teil fünf bereits vorbereitet wird. Statt durch Birma/Myanmar wird sich John Rambo nun irgendwie durch Mexiko ballern, offenbar geht es in der Story um Menschenhandel. Und, da muss man kein Prophet sein, eine Knappheit an toten Menschenhändlern ist gegen Ende des Films nicht zu erwarten…

Michael Moore mit neuem Film

Für einen polarisierenden linken Dokumentarfilmer wie Michael Moore ist die aktuelle Finanzkrise natürlich ein gefundes Fressen. Und deshalb hat er auch nicht lange gezögert, einen Film darüber zu drehen. Einen ersten Trailer zu „Capitalism – A Love Story“ gibt es nun bei Apple zu sehen. Ein paar entlarvende Szenen über die beängstigende Ahnungslosigkeit einiger Politiker sind schon zu sehen, generell aber habe ich keine großen Hoffnungen, dass der Film etwa an die Bissigkeit und ätzende Kritik von „Bowling for Columbine“ herankommt – schon weil die bescheuerten US-Waffengesetze ein leichteres Ziel sind als eine globale Finanzkrise.

Andererseits haben es die Broker, Manager und Politiker einfach verdient, dass jemand wie Moore mal vorbeischaut und unbequeme Fragen stellt. Denn auch wenn Moore gerne vereinfacht und verzerrt, sein grundliegendes Ansinnen  (neben der Selbstdarstellung natürlich) ist es, den Mächtigen dieser Welt auf die Finger zu hauen und sich nicht mit leeren Floskeln und Mitleidsbekundungen abspeisen zu lassen. Ob das für einen unterhaltsamen und auch irgendwie gehaltvollen Film ausreicht muss halt abgewartet werden. Kinostart ist hierzulande der 22. Oktober.

Oliver Stone dreht "Wall Street 2"

Wie Variety.com meldet wird Oliver Stone in Kürze ein Sequel von „Wall Street“ drehen. Wieder mit dabei sein wird Michael Douglas in seiner schon legendären Rolle als Geldhai Gordon Gekko. Die Hauptrolle übernimmt Shia „Milchgesicht“ LaBeouf („Transformers“), was mich ein wenig skeptisch stimmt. Bisher hat LaBeouf noch nicht zeigen können, dass er auch in ernsthaften Dramen überzeugen kann – sein Metier waren bisher reine Popcornfilme. Susan Sarandon steht gerade in Verhandlungen mit den Produzenten, ihr Part wäre wohl die der Mutter von LaBeoufs Figur. Ob Oliver Stone noch einmal in der Lage ist, so den Nerv der Zeit zu treffen wie mit dem Original von 1987 darf ebenfalls bezweifelt werden, ist aber nicht unmöglich…

Inglourious Basterds

Wenn Quentin Tarantino einen neuen Film macht ist das immer eine gute Nachricht. Der Hype um seinen jüngsten Film war vor allem hierzulande besonders groß, immerhin war neben Tarantino für die Zeit des Drehs auch das mediale Dauerspektakel „Brangelina“ in Berlin zu Gast, mit entsprechendem Rauschen im Blätterwald. Und es ist ja auch kein Zufall, dass Tarantino seinen Film in Deutschland gedreht hat – auch wenn die vielen deutschen Schauspieler, die darin mitspielen, sicher auch mit ihm auf Reisen gegangen wären. Seit Donnerstag ist der Film nun hier im Kino zu bewundern. Und trotz vorheriger großer Skepsis seitens des Autors dieser Zeilen ist ‚bewundern‘ wirklich das richtige Wort.

Denn was im Trailer noch wie ein wildes, brutales und schräges Guerilla-Kriegsfilmchen aussieht, in dem ein Horde Soldaten fleißig Nazi-Skalps einsammelt, entpuppt sich als vielfältiger, extrem witziger und subversiver Film. Die „Inglourious Basterds“, also die Bande US-Soldaten, die hinter feindlichen Linien Nazis jagt, ist schon mit drin im Film, bestimmt aber keineswegs voll und ganz das Geschehen oder die Erzählweise. Der Film ist in fünf Kapitel unterteilt, und beginnt mit einer einzigartigen Szene im ländlichen (und besetzten) Frankreich, in der gleich deutlich wird, was den Film über die gesamte Spielzeit ausmachen wird: Das Spiel mit Sprache. Oder besser mit mehreren Sprachen, als da wären Deutsch (sehr viel), Englisch (viel), Französisch (recht viel) und Italienisch (wenig, aber dann brüllend komisch).

Hans Landa, Oberst der SS und gespielt von Christoph Waltz, besucht eine Farm und beginnt die Konversation mit dem Hausherren in feinstem und feierlichem Französisch. Das Gespräch nimmt dann langsam eine dramatische Wendung, nachdem Landa (aus später plausibel werdenden Gründen) ins Englische wechselt. Tarantino spielt nicht nur in dieser Szene virtuos mit den Gefühlen des Publikums, indem er entscheidende Informationen lange zurückhält, um sie dann schleichend preiszugeben. Das Unbehagen im Publikum wächst in dieser Szene beträchtlich, und wäre man in einem Tarantino-Film nicht auf Tarantino-Momente (Stichwort „Bonny Situation) vorbereitet, wer weiss ob man nicht einfach das Weite suchen würde.

Nach der Vorstellung der „Basterds“ im zweiten Kapitel nimmt die Story dann richtig Fahrt auf. Im Mittelpunkt der Story steht die bevorstehende Premiere eines deutschen Propagandafilms in Paris. Der junge Kriegsheld und Hauptdarsteller Frederick Zoller (Daniel Brühl) macht einer jungen Französin und Theaterbesitzerin den Hof, und bemüht sich die Premiere in ihr kleines Kino zu verlegen. Was er nicht weiss, ist, dass die junge Dame Jüdin ist, und ihre eigenen Erfahrungen mit den Nazis gesammelt hat (zu sehen in Kapitel 1).

Auch die „Basterds“ kriegen Wind von der Veranstaltung, bei der neben Goebbels noch einige andere führende Nazis erwartet werden. Über eine Doppelagentin (Diane Kruger spielt den fiktiven Filmstar Bridget von Hammersmarck) wollen sich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und seine Waffenbrüder Zugang verschaffen und ihre ganz persönlichen Grüße ausrichten. Dagegen hat natürlich Oberst Landa etwas, der bei der ganzen Sache für Sicherheit sorgen soll… Und wie nebenbei sorgt auch der Film im Film „Stolz der Nation“ (ebenfalls mit Brühl in der Hauptrolle), eine groteske Ballerorgie um einen deutschen Scharfschützen, noch für ein paar ordentliche Lacher.

Bis hin zum infernalischen Finale des Films reiht Quentin Tarantino einige großartige Szenen aneinander, mischt derben Humor immer wieder mit unterschwelliger Spannung und zieht alle Register, um sein Publikum bei Laune zu halten. Die Erzählfäden laufen scheinbar mühelos auf den denkwürdigen Schluss zu. Tarantino, als Regisseur und Drehbuchautor quasi alleinverantwortlich für die Story, hat von dem 70er-Jahre-Streife des gleichen Namens nur den Titel und die Idee des Einsatzkommandos der besonderen Art übernommen.

Bemerkenswert und einzigartig ist die Darstellung der Nazis, die mit klassischen Historienkino nichts gemein hat. Christoph Waltz spielt den eloquenten mehrsprachigen Oberst und Charmeur Landa jenseits der bekannten „böser Nazi“-Klischees, als schillernden Bösewicht, der auch Überraschungen im Gepäck hat. Goebbels, gespielt von Sylvester Groth, ist eine überdrehte Karikatur seiner selbst. Auch Hitler kommt im Film vor, ebenfalls als Karikatur. Beiden Figuren dichtet der Film keine psychologischen Hintergründe an. Insgesamt hat Tarantino mit den üblichen Darstellungen der Nazis als entweder abgrundtief schlecht oder an der Massenhysterie der Zeit verderbte Schurken nichts am Hut. Den Gefallen, die Nazis verstehen zu wollen und ihren Irrsinn zu erklären tut ihnen der Regisseur wohlweisslich erst gar nicht. Wie schon in „Pulp Fiction“ und den „Kill Bill“-Filmen erschafft sich der Regisseur sein eigenes Universum, in dem eigene Regeln gelten.

Dass der Film an seinem Startwochenende u. a. in Deutschland und den USA mehr Geld eingespielt hat als jeder andere Film von Tarantino ist ihm zu gönnen, überrascht aber ein wenig. Immerhin müssen sich die Amerikaner zu rund zwei Dritteln mit Untertiteln herumplagen, was sie traditionell nicht gerne tun. Und mit gut zweieinhalb Stunden ist der Film auch recht lang geworden. Vielleicht war es die Starpower von Brad Pitt, die ein wenig nachgeholfen hat, vielleicht der seit der Premiere in Cannes bestehende Medienrummel. Vielleicht ist aber auch das Publikum von „Inglourious Basterds“ schlicht begeistert, und die Mund-und-Twitter-Propaganda tat ihr übriges. Dafür späche z. B., dass die IMDB-User den Film mit einer durchschnittlichen Bewertung von 8,7 bereits unter die Top 50 aller Zeiten gewählt haben.

5/5

"Inception" – erster Teaser online

Dass Christopher Nolan („Dark Knight“, „Memento“) einen neuen Film dreht habe ich hier vor ein paar Monaten bereits kundgetan. Nun gibt es einen ersten Teaser-Trailer zu sehen, der durchaus Lust auf mehr macht. Mit der Tagline „Your Mind is the Scene of the Crime“ und ein paar an „The Matrix“ erinnernden Szenen darf man auf einen guten Thriller hoffen. Zum Trailer hier unauffällig folgen… Release ist im Sommer 2010.

Horsemen

Spätestens seit dem „Schweigen der Lämmer“ und „Sieben“ erfreut sich das Serienkiller-Genre großer Beliebtheit. Hin und wieder sind da auch interessante Filme drunter, wie etwa der wenig bekannte Thriller „Suspect Zero“. Nun geht in „Horsemen“, dem neuen Film von Jonas Akerlund („Spun“) Dennis Quaid als Detective Breslan auf die Jagd nach einem Killer. Während der Witwer und Workaholic seine zwei Söhne, allen voran den Teenager Alex (Lou Taylor Pucci, aka „Thumbsucker“) sträflich vernachlässigt und ein ums andere Mal sitzen lässt entwickelt sich die Mordserie zu einem komplizierten Verwirrspiel. Denn offenbar gibt es nicht nur einen Mörder, sondern deren vier – und die beziehen sich mit ihren Taten auf die vier Reiter der Apokalypse.

Biblische Motive sind ja nichts neues in dem Genre, werden hier aber weit weniger effektiv verwurstet als etwa in „Sieben“. Die Story ist auch insgesamt die größte Schwäche des Films. Einige Nebenfiguren sind arg unrund gezeichnet und wenig überzeugend, darunter Zhang Ziyi als Adoptivtochter eines der Opfer, andere Figuren tauchen spät und recht unvermittelt auf (und wieder ab). Das Finale ist dann nur noch grotesk, auch wenn sich die Storyentwicklung in einigen Szenen bereits angekündigt hat.

Unguckbar ist „Horsemen“ trotz dieser Schwächen nicht, vor allem weil Dennis Quaid zu überzeugen weiß und die Inszenierung vieler Szenen für sich genommen sehr gelungen ist. Doch nach dem guten Beginn – gar mit einigen Lachern garniert – verpasst es der Film, das Publikum ausreichend für die Story zu interessieren, setzt zu sehr auf den Ekel-Faktor und Psychospielchen. Und wenn dann am Ende (so geschehen bei der Sneak-Preview Vorführung) die Leute nach dem dramatischen Finale anfangen ungläubig zu lachen ist endgültig klar, dass der Film letzten Endes scheitert – an seinem eigenen Anspruch, und an dem des Publikums.

2/5

Radio Rock Revolution (DVD)

Eigentlich klang die Prämisse dieses Films nicht schlecht. Mitte der 60er Jahre spielen ein paar junge Rockmusik-Fans auf einem Schiff in der Nordsee Piratensender (Originaltitel: „The Boat That Rocked“) und beschallen England mit der Musik, die jeder hören will – aber kein staatlicher Sender spielt. Als Schauspieler mit dabei sind u. a. Philip Seymour Hofmann und Bill Nighy, außerdem Emma Thompson und Sienna Miller. Das hätte ein lustiger Film mit gutem Soundtrack werden können.

Doch irgendwie haben die Macher des Films fast alles falsch gemacht. Fangen wir bei der Story an. Sie setzt zu spät ein und verschenkt die potentiell interessante Entstehung des Senders. Wer kam auf die Idee, woher kommt das Schiff? Wenn der Film anfängt läuft die Chose schon auf Hochtouren. Die Figuren werden unzureichend vorgestellt und bleiben trotz ein paar Eskapaden und Verwicklungen blass. Sie sind nicht sonderlich interessant, und keine Figur taugt als echter Sympathieträger.

Bei den Partys, Streitereien und Eifersüchteleien der Crew sitzt man recht unbeteiligt da, der Funke springt nicht über. Es reicht eben nicht ein paar anständige Schauspieler beim Faxen machen zu filmen. Das Outlaw-Gepose der DJs wirkt übertrieben und ist bestenfalls für Leute akzeptabel, die sich an ‚damals‘ noch erinnern können. Für alle anderen – egal ob mit Vorliebe für Sixties-Musik oder ohne – entfaltet sich die Story zäh und ohne Überraschungen. Einfach nur albern sind auch die Szenen, in denen Kenneth Brannagh als Vertreter der Obrigkeit den Rocksender endgültig verbieten will. Brannaghs Figur ist eine bräsige Hitler-Karikatur, seine Helfer langweilige Bürokraten. Wären sie nicht am Ende für die Story wichtig, man könnte sie einfach ersatzlos streichen.

Letzten Endes hat sich „The Boat that Rocked“ einfach im Ton vergriffen. Zwischen Komödie, Roadmovie und etwas Zeitgeist-Drama dämmert er so vor sich hin, ohne richtig in Tritt zu kommen. Der Film ist schlichtweg nicht sonderlich witzig, auch nicht fesselnd, und ohne Überraschungen. An Ausstattung und Soundtrack gibt es immerhin nichts. auszusetzen. Nach einer Stunde sehnt man bereits das Ende vorbei, muss aber nochmal eine Stunde warten, bevor es soweit ist. Es ist mir nicht begreiflich, wie man aus diesem Stoff einen so mauen Film machen kann. Verantwortlich dafür dürfte in erster Linie Richard Curtis sein – als Regisseur und Drehbuchautor hat er schon eine bessere Figur gemacht („Love Actually“, „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“), hier hat er beide Jobs in den Sand gesetzt.

2/5

Zerrissene Umarmungen (Los abrazos rotos)

Der spanische Regisseur Pedro Almodovar ist seit fast 20 Jahren eine der wenigen festen Größen des europäischen Films, dessen Filme konstant ein größeres Publikum finden. Seine Geschichten drehen sich gerne um Familiengeheimnisse, falsche Identitäten und ungewöhnliche Beziehungen schillernder Figuren. Auch in seinem neuesten Film „Zerrissene Umarmungen“ sind all diese Zutaten zu finden.

Die Story beginnt mit einem Off-Kommentar von Matteo Blanco (Lluis Homar), einem ehemaligen Regisseur und Drehbuchautor, der den Künstlernamen Harry Caine angenommen hat. Caine ist vor Jahren erblindet – woran, das erfährt das Publikum erst nach und nach in Rückblenden. Caines Produzentin Judit und ihr Sohn Diego stehen Caine im Alltag bei und fungieren als Ersatzfamilie. Bald steht in Person eines jungen Mannes ein fast vergessenes Kapitel aus Caines Vergangenheit vor der Tür, und seine Errinnerungen an den schwerreichen Finanzier Ernesto Martel und seine schöne Geliebte, die Schauspielerin Lena (Penelope Cruz) bestimmen das Geschehen.

Mit vielen Rückblenden und einem doppelten ‚Film im Film‘ (einer Komödie namens „Frauen und Koffer“ und einem Dokumentarfilm zu den Dreharbeiten, holt „Zerrissene Umarmungen“ erzählerisch weit aus. Die Geschichte dahinter bekommt, typisch für Almodovar, erst langsam schärfere Konturen, bietet aber auf dem Weg dahin einige wunderbare Szenen, die allein den Gang ins Kino lohnen. Neben den beiden großartigen Hauptdarstellern Penelope Cruz (hier wäre locker gleich der nächste Oscar verdient) und Lluis Homar sind auch die anderen Figuren des Films wunderbar gezeichnet, sind zuweilen skurril und witzig, aber im Kern immer zutiefst menschlich.

Vom komödiantischen Beginn über viele tragische und dramatische Momente bis hin zum alle Erzählstränge vereinenden Ende ist „Zerrissene Umarmungen“ großartiges Erzählkino, vom Regisseur meisterhaft und souverän inszeniert. Almodovar, der hier wie für die meisten seiner Filme auch das Drehbuch geschrieben hat, versteht es wie kein anderer Anspruch und Ernst mit Unterhaltung und herrlichem Witz zu verbinden, und dabei die Glaubwürdigkeit seiner Figuren zu wahren. Neben seinen übrigen, großartigen Filmen wie „Alles über meine Mutter“, „Sprich mit ihr“ oder „Volver“ braucht sich „Zerrissene Umarmungen“ nicht zu verstecken, und fügt dem ohnehin beeindruckenden Schaffen Almodovars eine weitere Perle hinzu.

5/5

Der Überraschungshit des Jahres…

könnte der Science-Fiction-Alien-Thriller „District 9“ werden. Die Trailer sehen schon mal richtig gut aus (www.apple.com/trailers/sony_pictures/district9/). Und die ersten Stimmen nach Screenings (der Film läuft in den USA in Kürze an) sprechen eine deutliche Sprache: Vergiss „Terminator 4“, SO geht gute Science Fiction. Ende Oktober werden wird dann auch hierzulande erfahren können, oder Film wirklich so gut ist wie sein Ruf.

Public Enemies

Bereits seit über einem Jahr ist bekannt, dass Michael Mann („Collateral“, „Heat“) einen Film über bekannte US-Gangster der 30er Jahre drehen würde, und dass Johnny Depp und Christian Bale dabei die Hauptrollen übernehmen. Angesichts dieser Besetzung vor und hinter der Kamera waren die Erwartungen an den Film von allen Seiten sehr hoch. Doch „Public Enemies“ ist wohl nicht der Film geworden, den die meisten Zuschauer (wie auch der Autor dieser Zeilen) erwartet haben. Eine Enttäuschung im klassischen Sinne ist er allerdings auch nicht, denn er versucht erst gar nicht sich mit dramaturgischen Meisterleistungen und teurer Ausstattung in die Reihe der größten Gangster-Epen einzureihen. Stattdessen wählt der Film einen anderen Weg, der ihn gewissermaßen zwischen allen Stühle setzt.

„Public Enemies“ startet mit einer kurzen Beschreibung zur Lage der Nation. Die große Depression wütet, Arbeitslosigkeit grassiert, die Banken stehen öffentlich in der Kritik. Johnny Depp spielt den legendären Bankräuber John Dillinger, der bei seinen Überfällen stets darauf bedacht ist nur das (versicherte) Geld der Banken zu rauben – und nicht etwa noch die Brieftaschen der Anwesenden zu leeren. Das verhilft ihm zu einem Image als eine Art Robin Hood des mittleren Westens. An Dillingers Seite versammelt der Film weitere bekannte Gangster aus der Zeit, nimmt sich aber im einzelnen eine Menge Freiheiten, was die Details angeht.

Auf Seiten der Behörden ist Melvin Purvis (Christian Bale) den Ganoven auf den Fersen. Unter der Anleitung des berüchtigten ersten FBI-Chefs J. Edgar Hoover (Billy Crudup) stellt er eine Taskforce zusammen, die – erstmals in den USA – mit staatenübergreifenden Befugnissen ausgestattet ist.  Doch so leicht lässt sich Dillinger nicht unterkriegen, schließlich gehört es für ihn zum guten Ton, aus Gefängnissen auch gleich wieder auszubrechen.

Obwohl die Ausstattung des Films keine Wünsche übrig lässt ist „Public Enemies“ kein ‚period piece‘ im klassischen Sinne. Durch den Einsatz von wackligen digitalen Handkameras sehen die Bilder von der Ästhetik her häufig eher nach Fernsehen oder Dokumentation aus als nach großem Gangsterdrama a la „Der Pate“. Wie schon in „Collateral“ und „Miami Vice“ nutzt Michael Mann hier einen extrem kühlen und künstlichen Look, der einen Kontrast zum Inhalt der Bilder mit ihren alten Autos und Maschinengewehren darstellt. So richtig gut passen tut das wie ich finde aber nicht, wobei die Kombination möglicherweise auch einfach so ungewöhnlich ist, dass man sich noch dran gewöhnen muss.

Auch was die Story angeht unterläuft „Public Enemies“ einige Erwartungen. Die Love-Story zwischen Dillinger und Billie Frechette (Marion Cotillard) entwickelt keine echte Dramatik, statt auf durchgehende Spannung setzt der Film eher auf  einige einprägsame, große Momente. Auch die beiden Hauptfiguren werden nicht sonderlich tief ausgeleuchtet, sie stehen eher für Ideen, als dass sie als Charaktere lebendig werden. Dillingers Part ist der des cleveren Gesetzlosen, der sich um seine Zukunft keine Gedanken macht, Purvis ist der ehrgeizige Verbrecherjäger, der mit seinen modernen Methoden für den anonymen, aber mächtigen Staatsapparat steht.

Für ein klassisches Gangsterdrama ist „Public Enemies“ also zu wenig an den Figuren interessiert. Denn auch wenn Dillingers ‚Kollegen‘ Pretty Boy Floyd, Babyface Nelson oder Homer Van Meter allsamt im Film auftauchen – wirklich interessant für die Story sind sie nur in ihrer Funktion als Gesetzlose. Eine echte ‚Biographie‘ ist der Film aber auch nicht geworden, dafür nimmt er sich zuviele Freiheiten, was die bekannten Fakten angeht. Immerhin zeigt er die interessante Wachablösung zwischen berühmten Gangstern a la Dillinger und weniger öffentlichkeitswirksam agierenden kriminellen Kartellen, die neue illegale Wege aufgetan haben, einen Haufen Geld zu verdienen. Auf Seiten des Ermittlungsapparats tritt die neu enstandene Bundesbehörde FBI auf den Plan, die sich den ganz schweren Jungs annimmt und die Gangsterjagd von der Provinz nach Washington holt.

Letzten Endes bietet „Public Enemies“ genug Action und Unterhaltung, um sein Publikum bei der Stange zu halten. Das vor allem zu Beginn recht gemächliche Erzähltempo ist etwas störend, die Ballerszenen zuweilen so wild, dass man die Orientierung verliert. Johnny Depps Portrait von Dillinger ist überzeugend, aber nicht sonderlich aufregend – die charismatische Ader des Gangsters bringt er glaubwürdiger rüber als seine eiskalte Bereitschaft sich jederzeit den Weg freizuschießen. Christian Bale ist ebenfalls gut, wirkt aber – wenn auch nicht so schlimm wie bei „Terminator Salvation“ – zuweilen eher unterfordert mit seiner Rolle. Ob sich die vielen Facetten des Films nach mehrmaligem Sehen zu einem stimmigeren Ganzen zusammenfügen oder nicht bleibt abzuwarten.

3/5

Dorfpunks

Alle Jubeljahre verirre auch ich mich mal in einen deutschen Film. Der letzte war glaube ich der „Baader Meinhof Komplex“. Diesen Sommer stand „Dorfpunks“ auf dem Programm, die Verfilmung von Rocko Schamonis gleichnamigem Roman. Und der Film hat mir tatsächlich richtig Spaß gemacht, wozu ein wenig wahrscheinlich auch das perfekte Setting beigetragen hat – lauer Sommerabend, entspanntes Open-Air Kino im Volkspark.

Die „Dorfpunks“ sind ein paar Jugendliche, die sich in Schleswig-Holstein (gemeint ist hier der Ort Lütjenburg nahe der Ostsee) Mitte der 80er Jahre weitgehend langweilen, und sich dem Punk verschrieben haben. Mit zerrissenen Klamotten und wilden Frisuren verbringen sie ihre Sommerferien auch gerne mit ein paar Palletten Dosenbier im Wald. Im Fokus des Geschehens steht Roddy Dangerblood (Cecil von Renner), der natürlich eigentlich ganz anders heisst, aber was macht das schon.

Um dem ätzenden Alltag auf dem Dorf ein paar Highlight abzutrotzen gründen die „Dorfpunks“ bald eine Band, wobei sie mehr Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Bandnamen verbringen als mit dem Proben von Songs – mit dem entsprechenden Ergebnis, wie sich auf ihrem ersten Konzert rausstellt. Abseits der Band trifft Roddy außerdem auf die hübsche Maria, deren Geburtstagsfeier einer der Höhepunkte des Films ist. Einen dramaturgisch ausgefeilten Plot hat „Dorfpunks“ nicht zu bieten, er folgt seinen Figuren einfach für ein paar Monate durch ihr Leben und beobachtet amüsiert, was die Jungs da so treiben.

Ein großes Plus des Film sind die Dialoge, die bis auf wenige Ausnahmen ehrlich und authentisch klingen und mit reichlich norddeutsch-trockenem Humor angereichert sind („Aber WIE scheisse wir waren..das war schon wieder geil!“). Man nimmt auch den jungen Darstellern ihre Figure ohne jeden Zweifel ab. Dabei ist es hilfreich, dass nicht die üblichen Verdächtigen des deutschen Kinos mitspielen, sondern junge und unbekannte Schauspieler. Ebenso gut hat mir gefallen, dass der Film keinen Absolutheitsanspruch stellt, keine übertriebenen Ambitionen hat ein finales Generationenportrait zu zeichen, sondern recht zurückgenommen seinen „Helden“ ihre 90 Minuten Ruhm auf der Leinwand zugesteht. Damit ist der Film sicher nicht prädestiniert für einen Filmpreis, macht aber eine Menge Spaß und zeichnet ein stimmiges und witziges Bild vom Leben auf dem Land aus der Sicht der Jugend.

4/5

Observe and Report (Shopping Center King)

Der Schauspieler Seth Rogen ist etwa seit zwei Jahren ‚everybody’s darling‘, wenn es um Komödien geht. Mit „Superbad“ und vor allem „Knocked Up“ wurde er zum Star zahlreicher Filme aus dem Umfeld von Regisseur und Produzent Judd Apatow. Für „Pineapple Express“ und „Superbad“ schrieb er auch an den Drehbüchern mit. Und tatsächlich ist Rogen echt komisch. Oder besser: kann komisch sein. Denn in seinem letzten Film „Observe and Report“ gibt es eigentlich überhaupt nichts zu lachen, und das ist für eine selbsterklärte Komödie nicht so gut.

Rogen spielt Ronnie, den ‚Head of Security‘ in einer großen Mall. Ronnie träumt von einer glorreichen Karriere als Cop, und wie es scheint ist die Gelegenheit günstig – erst macht ein Exhibitionist die Mall unsicher, indem er ungefragt Frauen seinen Schniedel zeigt, dann wird auch noch eingebrochen. Ronnie setzt alles daran, die Täter zu fassen.

„Oberserve and Report“ macht bei der ganzen Sache leider einen grundlegenden Fehler. Denn Ronnie ist kein liebenswerter Loser, sondern schlichtweg ein erbärmliches und dummes Arschloch. Seine primitive Art, seine verzerrte Wahrnehmung der Realität, sein abstoßender Umgang mit anderen – alles nicht komisch. Wenn aber die Hauptfigur unsympathisch ist, und sich auch sonst keine Sympathieträger finden, dann stellt sich die Frage worüber man lachen soll. Ray Liotta etwa ist als echter Cop dabei, und seine Rolle hätte durchaus als (lustiger) Gegenpart zu Ronnie angelegt werden können. So aber ist er nur eine von vielen ätzenden Figuren, die lustlos überzeichnet sind und keinerlei Interesse wecken. Man möchte all diese Gestalten einfach nicht sehen.

Es gibt andere Filme, in denen die Figuren allesamt eher negativ gezeichnet sind, und die trotzdem funktionieren. Siehe etwa „Rules of Attraction“ – aber das war auch eher ein satirisches Drama als eine Komödie. „Oberserve and Report“ hat zwar ebenfalls durchaus satirische Tendenzen (etwa in der Figur von Ronnies Mutter), kommt aber vom Ton her doch wie eine normale Komödie rüber. Mit dem Ergebnis, dass dem Publikum statt Lachern eine Überportion Fremdschämen serviert wird, die aber nicht mal Fans von „American Pie“ und Konsorten erfreuen wird. Ausnahmen bestätigen in Form einiger lustiger Szenen die traurige Regel. Insgesamt: „Thema verfehlt, setzen, sechs!“.

1/5