Californication/Dexter

Ich bin nicht sicher, ob bei der Übersetzung ins Deutsche nicht ne Menge Witz verloren geht, aber es sei dennoch drauf hingewiesen: Montagabend starten auf (ausgerechnet) RTL2 die Serien „Dexter“ und „Californication“. Und beide sind einen Blick wert, wenn auch vielleicht besser im Anschluss an den Fernsehstart auf DVD.

In letzerer ist David Duchovny als frustriert-versoffener Schriftsteller zu sehen, der in LA gestrandet ist um seine Ex-Frau zurück zu gewinnen. Dabei fährt er hauptsächlich mit dem Porsche durch die Gegend, legt unzählige Frauen flach und bemüht sich hin und wieder mit seiner Tochter einen entspannten Tag zu genießen. Das ganze ist politisch deutlich unkorrekt und mit zum Teil herrlichen satirischen Einlagen gesegnet – auch wenn unter dem Strich der Verlust der Familie das zentrale Thema ist. „Californication“ macht auf jeden Fall eine Menge Spaß – in den USA beginnt dieser Tage die zweite Staffel, die bei heimischem Erfolg wohl dann auch hier zu sehen sein dürfte.

Ebenso politisch unkorrekt kommt „Dexter“ daher – ein Gerichtsmediziner in Miami, mit einer heimlich ausgelebten Vorliebe für klinisch-perfekt ausgeführte Morde an frei herumlaufenden Bösewichtern. Klar, dass es da irgendwann zum Interessenkonflikt kommen muss. Es dauert nicht lange bis der bei Tageslicht sympathisch daherkommende Dexter die Order bekommt, sich selbst auf die Schliche zu kommen. Und spätestens dann kann das makabre Verwirrspiel losgehen… Ebenso wie „Californication“ pflegt die Serie einen beißenden Humor, entwickelt aber auch durch die Story einen ordentlichen Sog, der das Publikum bei Laune hält.

Beide Serien laufen in den USA auf dem Abo-Sender Showtime, und profitieren davon, dass sie sich anders als frei empfangbare Sendungen nicht an den strengen Jugendschutz halten müssen. Für den hiesigen Markt bedeutet dies eine recht späte Ausstrahlung – um 22:15 am Montag geht es mit „Californication“ los, im Anschluss packt dann „Dexter“ zum ersten mal Knochensäge und Skalpell aus…

The Incredible Hulk

Ang Lees erste Kinoversion von Hulk war nicht so der erhoffte Erfolg, da dachte sich das Studio: Dann machen wirs eben nochmal. Edward Norton ist als Hulk dabei, Liv Tyler als Tochter des bösen Generals und Tim Roth als überambitionierter Hulk-Jäger. Von den Effekten her sind tatsächlich Fortschritte zu sehen, ein paar gute Actionszenen fallen beim „Incredible Hulk“ jedenfalls ab. Das Problem des Films ist die lahme Story. Abgesehen von den bekannten Konflikten kommt hier nichts spannendes hinzu, schlimmer noch: Es wird nicht ersichtlich, was die Produzenten mit ihrem grünen Helden/Monster eigentlich anfangen wollen.

Hulks Dilemma im Film (er will nicht mehr so fürchterlich wütend werden) kann ja schon deshalb nicht gelöst werden, weil er dann nicht mehr Hulk wäre und seinen Reiz verlöre – dumm gelaufen auch. Schnell macht sich daher eine gewisse Teilnahmslosigkeit breit, die auch von ein paar Witzchen und anständigen Akteuren nicht verhindert werden kann. Wie es aussieht ist der Hulk ausschließlich deshalb wieder da, damit Kasse gemacht wird. Das wird wohl niemanden in eine tiefe Sinnkrise stürzen, man sollte es aber im Kopf behalten, bevor man hier übtriebene Erwartungen aufbaut.
6/10

Keinohrhasen

Der geneigte Leser weiss, dass mein Interesse an deutschen Filmen, romantischen Komödien zumal, überschaubar ist. Den größten Kassenerfolg dieses Genres anno 2008 habe ich mir nun mal angesehen – und darf berichten, dass der Film zu unterhalten vermag und ein paar gelungene Scherze parat hat. Der arrogante Berliner Gossip-Journalist Ludo (Til Schweiger) muss wegen eines „Betriebsunfalls“ Sozialarbeit leisten. Und dies ausgerechnet im Kindergarten der hübschen, romantisch glücklosen Anna (Nora Tschirner). Natürlich funkt es da auch bald zwischen den beiden… Glaubwürdigkeit ist in dieser Art Film ohnehin eine zu vernachlässigende Größe, wie man allerdings auf die Idee kommen kann die beiden Hauptdarsteller (immerhin 18 Jahre auseinander) als „ungefähr gleichaltrig“ aufzubieten (gemeinsame Schulerlebnisse inklusive) bleibt ein Rätsel. Zumal die Chemie zwischen beiden okay ist und keine Not bestand, aus der Altersungleichheit ein Problem zu machen. Sei es drum, „Keinohrhasen“ ist kein ganz schlechter Film für den Start in den Herbst und gleichzeitig eine gute Entschuldigung für den Autor dieser Zeilen, die deutschen „Mainstream“-Streifen wieder ne Weile zu meiden. Es sei denn der „Baader-Meinhof“-Hype verirrt sich nach Kreuzberg, dann geh ich sogar vielleicht mal wieder ins Kino.
4/10

Redbelt

Filme von David Mamet waren immer ein recht spezielles Vergnügen. Speziell ist sicher auch sein neuestes Werk „Redbelt“. Mike Terry (Chiwetel Ejiofor) ist Jiu-Jitsu-Meister und betreibt eine Kampfsportschule, in der sich unter anderem Cops hilfreiche Nahkampftechniken antrainieren. Doch unglückliche Zufälle und einige seltsame Begegnungen meinen es nicht sonderlich gut mit Terry, der bald vor den Trümmern seines Lebens steht und mitansehen muss wie ein paar schmierige Geschäftsleute ein unwürdiges Spektakel aus seinem noblen Kampfsport machen. Die Story von „Redbelt“ kann man eigentlich kaum ernst nehmen, und doch gelingt es Mamet eine Welt zu schaffen, in der das alles beinahe plausibel erscheint. Ein wenig erinnert der Film an Tarantino, denn einige Charaktere können einfach nur im Kino zum Leben erwachen. Der wiederum bezeichnete „Kill Bill“ mal als einen Film, den Jules und Vincent aus „Pulp Fiction“ gerne sehen würden – und ich glaube, die beiden Gangster hätten auch an „Redbelt“ ihre Freude. Nichts für die Massen also, aber für Freunde einer etwas anderen Unterhaltung der stilvollen Art ein sicherer Tipp.
7/10

Iron Man

Wie versprochen werden die verpassten Sommerblockbuster rechtzeitig vor DVD-Start nachgeholt. Den Anfang macht „Iron Man“. Um diesen Superhelden auf die Leinwand zu bringen haben die Produzenten ungewöhnliche Entscheidungen getroffen – auf dem Regiestuhl nahm Jon Favreau Platz, eher als Schauspieler denn als Regieseur bekannt, die Hauptrolle spielt Robert Downey, Jr., den die meisten Menschen eher wegen seiner zahlreichen Drogebabstürze kennen denn als ‚Leading Man“ eines Films dieser Größenordnung. Unbestritten ist immerhin, dass beide ausreichend Talent haben, und so ist ihr „Iron Man“ ein vergnüglicher Streifen geworden, der sich sein Stück vom Kuchen ehrlich verdient hat.

Downey Jr. gibt Waffenmogul und Technikgenie Tony Stark, der bei einer Präsentation seiner neuesten Hightech-Wumme in Gefangenschaft gerät. Heraus kommt er aus der Notlage nur mit einem selbst „gebastelten“ Anzug aus Metall und Flammenwerfer. Zurück in LA befallen Stark Zweifel, ob der Verkauf von Waffen dauerhaft Lebensinhalt sein kann. Zurückgezogen perfektioniert er seine Erfindung, während die Situation um ihn herum geradezu nach einem Superhelden schreit. Nicht nur in der Hauptrolle ist der Film gut besetzt, mit Jeff Bridges, Terrence Howard und Gwyneth Paltrow ist grundsolider Backup am Start – in Rollen zumal, die wohlüberlegt ihren Weg ins Script fanden.

Die Actionszenen (quasi komplett CGI) sind überzeugend und dosiert eingesetzt, Tempo und Witz der Geschichte wissen ebenfalls zu gefallen. Ohne seine zahlreichen Anspielungen auf die Weltpolitik zu ernst zu nehmen ist „Iron Man“ weit entfernt von hirnlosem Müll a la „Fantastic Four“, unter anderem weil der Film (nicht die Figur) die Bodenhaftung nicht verliert und seinem Publikum keine unsäglich beknackten Dialoge zumutet. Der Erfolg ist also verdient, man darf gespannt sein, wohin die Reise noch geht. Einen Hinweis nach dem Abspann gab es ja schon, wenngleich ich den darin ins Spiel kommenden Schauspieler eigentlich ums Verrecken nicht mehr in Actionfilmen sehen will…
8/10