Ein verlockendes Spiel – Leatherheads

Schorse Clooney hat einen Run, ähnlich wie Kollege Johnny Depp. Beiden sei es gegönnt, kommt ja nicht von ungefähr, hier ist Talent im Spiel. Nach dem starken Thriller „Michael Clayton“ ist Clooney nun wieder als Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion zu sehen. „Leatherheads“ behandelt die Anfänge des professionellen American Foorballs in den 20er Jahren. Clooney ist Dodge Connelly, Captain einer der Gurkentruppen, die das Bild des Sports bestimmen – während die College-Football-Meisterschaften riesige Zuschauermengen anziehen sind die Ligaspiele eine belustigende Farce, die niemanden recht interessiert. Das ändert sich, als Carter Rutherford, Kriegsheld und Star seiner College-Mannschaft, das Team bereichert und die Liga plötzlich massive öffentlichte Aufmerksamkeit verbuchen kann.

Im Kern ist der Film eine romantische Komödie, in der sich Dodge um die schnippische Reporterin Lexie (Renee Zellweger) bemüht, die dem neuen Star des Sports aber auch nicht abgeneigt scheint. Als charmante Mischung aus historischem Sportfilm und Rom-Com funktioniert der Film über weite Strecken gut. Clooney hat ein gutes Gespür für seine Story – dass „Leatherheads“ aber eben niemanden so richtig aus den Socken haut wird er sich gedacht haben. Ein grundsolides Vergnügen also, vorrausgesetzt, man steht auf die enthaltenen Zutaten. Angemerkt sei noch, dass der Film auch funktioniert, wenn man Renee Zellweger überhaupt nicht leiden kann.
7/10

Re-animator (1985)

Nein, das hier ist kein Eintrag meiner Top-100. Mehr oder weniger zufällig habe ich mir neulich diesen Splatter-Horror-Trashfilm reingezogen. Eher weniger zufällig – in „American Beauty“ schallern sich Spacey und sein kiffender Nachbar weg wegen einer Szene in diesem Film, und ich mags ja nicht, wenn ich den Film dann nicht kenne. Nun habe ich diese cineastische Bildungslücke also geschlossen. Was gibts zu berichten…, der Film ist arg trashig, Effekte und Darsteller sind mies, sorgen aber trotzdem auch für freiwillige Lacher neben den zahlreichen unfreiwilligen, die der allgemeinen Grottigkeit des Geschehens geschuldet sind. Worum gehts? Ein grundsolider, junger „Mad Scientist“ glaubt ein Mittel gefunden zu haben, das Tote wieder zum Leben erweckt. An einer Uniklinik führt er seine Experimente durch, und schon bald sind einige Leichen/Zombies unterwegs. Schönstes Zitat: „He’s not insane. He’s dead!“ (über eine arme Sau, die in den Genuss des Wundermittels gekommen ist).

So herrlich anarchistisch wie „Braindead“ ist das ganze leider nicht, dafür reichen u. a. die schäbigen Effekte und die formelhafte Story nicht aus. Immerhin vergehen die 85 Minuten recht schnell – wobei sich das auf die internationale Version des Films bezieht, wie ich lese ist die deutsche Verleihversion etwas gekürzt und dem entsprechend wahrscheinlich um einige haarsträubende „Kopflose-Zombies“-Szenen ärmer. Nun weiss ich also, worüber die Jungs in „American Beauty“ so gelacht haben, und bin zufrieden mit mir. Übrigens haben sie Geschmack bewiesen, die betreffende Szene ist tatsächliche eine der besten (=sick und völlig bescheuert).

Es tut sich (ein bißchen) was…

Zugegeben, viel ging hier nicht in den vergangenen Wochen. Die ersten Blockbuster des Sommers habe ich allesamt nicht gesehen, es wird aber sicher bis zur DVD-Veröffentlichung hier was zu „Indy 4“, „Iron Man“ und Konsorten stehen. Bei genauerer Betrachtung war ich dieses Jahr überhaupt nur zweimal im Kino. Im Januar „My Blueberry Nights“, vor ein paar Wochen „Schmetterling und Taucherglocke“ im Freiluftkino. Letzteren habe ich hier auch noch nicht ausreichend gewürdigt – der Film verbindet Unterhaltung und Anspruch auf wunderbare Weise und lohnt sich in jedem Fall.

Mein nächster Pflichttermin im Kino wird dann wohl „The Dark Knight“ sein. Der neue Batman-Streifen wird in den USA bereits als Meisterwerk gefeiert, das den Bubblegum-Touch von bunten Comicverfilmungen endgültig zu Grabe trägt (und laut IMDB.com nebenbei mit einem Einspielergebnis von ca. 155 Mio. $ am ersten WE einen neuen Rekord aufgestellt hat). Klingt soweit gut, vieleicht sogar besser. Besonders viele gelungene Filme sind mir ansonsten nicht untergekommen.

Boarding Gate“ ist ein trashiger, kleiner Thriller, passend besetzt mit den Trash-Ikonen Michael Madsen und Asia Argento in den Hauptrollen. Macht auf gehobenem B-Film-Niveau Spaß, kann anschließend auch wieder vergessen werden.

I’ll Sleep When I’m Dead“ ist bereits ein paar Tage älter. Mit Clive Owen und Jonathan Rhys Meyers in den Hauptrollen gut besetzt ist der Film ein solider Vertreter des modernen britischen Gangsterfilms, ohne groß zu begeistern.

The Other Boleyn Girl“ wiederum setzt im Bereich Kostümdrama auch keine neuen Maßstäbe, der Film ist in allen Belangen mittelmäßig und darf getrost geskippt werden.

Vantage Point“ erzählt von einem fiktiven Attentat auf den US-Präsident, und das gleich aus mehreren Perspektiven, die dem Zuschauer langsam vermitteln, was sich da eigentlich genau zugetragen hat. Als Thriller durchaus gelungenen mit spannenden Momenten. Glaubwürdigkeit ist nicht so die Stärke des Films, aber das darf vernachlässigt werden – der Film ist nicht politisch und will uns keine großen Weisheiten näherbringen.

Große Enttäuschung des Jahres: Francis Ford Coppolas „Jugend ohne Jugend“ ist tatsächlich so wirr, anstrengend und überambitioniert wie es in fast allen Kritiken zu lesen war. Sollte niemanden davon abhalten, es zu versuchen. Vielleicht schnallt ja irgendwer, um was es in der Geschichte um ewige Jugend, Liebe und Zeitsprünge EIGENTLICH geht.

Nicht zu vergessen auch das andauernde „Snake Eater„-Revival, das ganz Deutschland fest im Griff hat. Die entsetzlich miese C-Film-Trilogie mit „Renegade“-Hauptdarsteller Lorenzo ‚Lame-ass“ Lamas überzeugt auf ganzer Linie mit grottigen Dialogen und auffällig bekackten Effekten. Für Freunde des gepflegten Scheissfilm-Videoabends sind alle drei Teile große Leckerbissen – not be missed!