Bank Job

Filme über Banküberfälle kann man getrost als ausgelutschtes Genre bezeichnen. Hin und wieder aber kann so ein Film gelingen, wenn er noch ein wenig mehr im Gepäck hat als einen sorgsam vorbereiteten Einbruch. In „Bank Job“ steht die vordergründig einfache Story des Safeknackens im Zentrum von vielerlei Interessen, Intrigen und Machtspielchen. Denn gleich mehrere Leute haben immenses Interesse an Teilen der Beute – unter ihnen der britische Geheimdienst, ein Gangsterboss und ein Aktivist der Black-Power-Bewegung. Das ganze basiert auf einigen wahren Begebenheiten und spielt im London der späten 60er Jahre. Regisseur Roger Donaldson verbindet die vielen Rahmenhandlungen mit sicherer Hand zu einem spannenden und unterhaltsamen Thriller, der ein paar gelungene Überraschungen parat hat, einen interessanten Blick auf eine vergangene Ära wirft und sich dabei trotz allerlei politischem Ballast nie zu ernst nimmt. Sein Hauptdarsteller Jason Statham spielt routiniert den englischen Proleten mit dem Herz am rechten Fleck, und auch der Rest des Ensembles funktioniert ausgezeichnet. „Bank Job“ ist sicher nicht der Film, der am Ende des Jahres in Top-10-Listen auftaucht, macht dafür aber richtig Spaß – wer dieser Tage ins Kino geht sollte den Film auf dem Zettel haben.
8/10

Charlie Bartlett

Coming-of-age-Dramen werden in den USA reihenweise produziert, doch leider haben längst nicht alle Filme die Klasse von „Thumbsucker“ oder „Igby Goes Down“. Titelfigur Charlie Bartlett, Teenager aus reichem Hause, fliegt zu Beginn des Films von der Privatschule, weil er gefälschte Führerscheine verkauft. Nun muss er sich in der öffentlichen Highschool herumplagen, wo die üblichen Probleme auf ihn warten. Thematisch nimmt der Film eigentlich alles mit, die Verschreibungswut von Psychologen, die überforderten Eltern, die unsicheren Teens zwischen Selbstverwirklichung und Herdentrieb. Nicht ohne gelungenen Witz und mit durchweg guten Schauspielern besetzt klaut letztlich Robert Downey Jr. (als trinkfreudig-melancholischer Schulleiter und Vater von Charlies Freundin Susan) der jüngeren Generation die Show. Der Film verschenkt leider eine Menge Potential, und ist nicht mutig genug einige Pfade abseits der bekannten „Wir müssen uns alle einfach respektieren und lieb haben“-Romantik zu betreten.
6/10

Ein einziger Augenblick (Reservation Road)

Der neue Film von Terry George („Hotel Ruanda“) ist ein Drama um den Verlust eines Kindes und die Wege damit umzugehen. Ethan und Grace Learner (Joaquin Phoenix und Jennifer Connelly) verlieren ihren Sohn bei einem Autounfall, der Täter begeht Fahrerflucht. Die Chancen stehen nicht sonderlich gut, dass die Polizei den Täter finden wird, und so schalten sie noch einen Anwalt zur Vertretung ihrer Interessen ein. Dieser Anwalt, gespielt von Mark Rufallo, ist exakt jener Fahrer eines dunklen Jeeps, der auf der Rückfahrt vom Baseballspiel mit seinem Sohn einen kleinen Augenblick unachtsam ist – und den Jungen überfährt. Diese (recht unwahrscheinliche) Konstellation gibt den Rahmen für ein persönliches Drama um Verantwortung, Rache und Trauer vor, welches zwar gut gespielt ist, aber gleichzeitig sehr konstruiert und dabei trotzdem voraussehbar daher kommt. Aus der großen Reihe von Filmen, die von ähnlichen Themen handeln sticht „Ein einziger Augenblick“ nicht hervor, es fehlt einfach eine besondere Note.
6/10

Interview

Kinofilme in denen sich im wesentlichen zwei Figuren ein Psychoduell liefern kann man wohl als Kammerspiele bezeichnen. Die meisten dieser Filme kranken an einer gewissen Unglaubwürdigkeit, da angesichts der bescheidenen Mittel ja die Story am Laufen gehalten werden muss. Und so geschehen dann gerne völlig unvorhergesehe Dinge, oder es gibt plötzliche Wendungen von bescheidener Qualität (zuletzt in „Sleuth“). „Interview “ ist ein interessantes Machwerk, dass die Wechselbeziehungen von Berühmtheiten und Medien in Person von einem frustrierten Politjournalist Pierre (Steve Buscemi) und Schauspielsternchen Katya (Sienna Miller) thematisiert. Der arrogant wirkende Journalist und das vordergründig oberflächliche Flittchen verbringen einen Abend mit sehr eigener Dynamik, nicht ohne große Szenen, aber letztlich leider doch zu sehr von Experimentcharakter durchdrungen um wirklich begeistern zu können. Miller und Buscemi ist das nicht anzulasten, ihnen zuzusehen sorgt für genug Unterhaltungswert für die 90 Minuten Laufzeit.
7/10