Mr. Brooks

Dieser Film hätte sehr mächtig daneben gehen können, wenn man sich nur mal die Story anhört: Ein schizophrener Killer (gespielt von Saubermann Kevin Costner) ist tagsüber ein finanziell erfolgreicher Vorzeige-Vater und treuer Ehemann, des Nachts geht er getrieben von seinem Alter Ego (gespielt von William Hurt) auf tödliche Streifzüge. Wind davon bekommt neben einer Polizistin (Demi Moore) auch ein Hobby-Fotograf, der sogleich darum bettelt, mal mitkommen zu dürfen. Tatsächlich verbindet Regisseur Bruce Evans all dies (und noch mehr) zu einem exzellenten Thriller. Mit schwarzem Humor und starken Dialogen ist die Aufmerksamkeit des Publikums geweckt, trotz des wahrlich dunklen Themas kommt der Film überraschend leichtfüßig daher. Kevin Costner liefert eine hervorragende Darstellung eines ebenso netten wie innerlich zerrissenen Geschäftsmannes, Kollege William Hurt spielt dessen dunkle Seite mit Routine und ohne den Bogen zu überspannen. Auch Demi Moore hat ein paar gute Szenen, wenngleich ihre Rolle vergleichsweise undankbar ist. Ein großer Publikumserfolg dürfte „Mr Brooks“ (den wirklich ernst zu nehmen sich übrigens verbietet) zumindest im Kino trotzdem nicht werden, die Darsteller ziehen eher wenig junges Mainstream-Volk an, und die Schock-Effekte und Actionszenen sind im Vergleich mit modernem Mist wie „Saw“ beinahe harmlos – entfalten in diesem feinen Thriller aber eine große Wirkung.
8/10

Neue Film-Projekte der naechsten Zeit

Die Buecher von Bret Easton Ellis waren bereits Grundlage fuer drei Filme, am bekanntesten ist sicher „American Psycho“. Eher durch die Hintertuer, aber sehr gelungen kam vor ein paar Jahren „The Rules of Attraction“ von Roger Avary („Killing Zoe“) heraus, und fast gaenzlich unbekannt ist die Verfilmung von Ellis Debut „Unter Null“ aus den spaeten Achtzigern, in denen Robert Downey, Jr. einen seiner ersten grossen Auftritte hatte. Trotzdem ist letzterer der schlechteste von allen dreien, weil er den nihilen Geist des Buches ignoriert und die Handlung auf Hollywood-Kompatibilitaet buerstet.

Demnaechst folgt mit „The Informers“ noch eine Ellis-Verfilmung, prominent besetzt mit Winona Ryder, Kim Basinger und Mickey Rourke. Leider ist „The Informers“ nicht eben das beste Buch des Autors, aber vielleicht steckt ja die ein oder andere gute Idee noch im Drehbuch. Interessant waere auch eine Verfilmung des pseudo-biographischen „Lunar Park“, aber das ist eine ganz andere Geschichte – im wahrsten Sinne des Wortes.

Seit Jahren geplant, in der Umsetzung aber weiter ungewiss ist „The Rum Diary“ mit Johnny Depp, basierend auf einem autobiographischen Roman von Kultautor Hunter S. Thompson („Fear & Loathing in Las Vegas“). Nachdem Kollege Benicio del Toro sich vom Gedanken, die Regie selbst zu uebernehmen, verabschiedet hat, ist nun Bruce Robinson vorgesehen – Depp allerdings dreht zwar einen Film nach dem anderen, aber eben nicht diesen. Warum auch immer.

Die Coen-Brueder haben nach dem in den USA in Kuerze und bei uns im naechsten Jahr anlaufenden „No Country for Old Men“ schon den naechsten Film in der Mache: „Burn After Reading„. Mal wieder mit von der Partie: Schorse Clooney, ebenso Brad Pitt und Tilda Swinton. Die Plotbeschreibung von IMDB.com liest sich einigermassen abenteuerlich: „A disk containing the memoirs of a CIA agent ends up in the hands of two unscrupulous gym employees who attempt to sell it.“ Na denn…

American Gangster

Wenn Ridley Scott einen Film namens „American Gangster“ dreht, und als Hauptdarsteller Denzel Washington und Russell Crowe praesentiert, dann sind die Erwartungen natuerlich recht hoch. Die auf der wahren Geschichte von Gangsterboss Frank Lucas (gespielt von Washington) beruhende Story zeigt den Aufstieg und Fall eines cleveren, skrupellosen Drogendealers – Parallelen zu „Scarface“ und anderen Filmen sind also unausweichlich. Doch „American Gangster“ erzaehlt parallel auch noch die Geschichte von Richie Roberts (Crowe), dem Ermittler der Drogenfahndung, der Lucas zu Fall bringen moechte.

Die Handlung setzt Ende der 60er Jahre in New York ein, wo Lucas dabei ist seinen verstorbenen Patron zu „beerben“. Richards macht sich derweil mit der vorschriftsmaessigen Konfiszierung von unmarkiertem Drogengeld unter seinen Kollegen extrem unbeliebt. Frank Lucas grosser Kniff ist das eigenhaendige Einkaufen von Heroin in Indochina und sein cleverer Weg, die Drogen in die USA zu bringen. Er ueberschwemmt den Markt mit hochwertiger Ware und steigt schnell zur Nr. 1 seiner Branche auf. Richards gruendet auf Geheiss seiner Vorgesetzten eine geheime Anto-Drogen-Einheit, die sich nur um die grossen Fische kuemmern soll.

Wunderbar gespielt und mit herrlichem 70’s-Feeling versehen hat „American Gangster“ aber auch klare Schwaechen: Der Film hat zu wenig Hoehepunkte, verliert sich zuweilen in einigen unnoetigen Subplots und findet keine angemessene Balance zwischen Jaeger und Gejagtem. Das Ganze ist Denzel Washingtons Show, der gross und ueberzeugend aufspielt, waehrend Crowes eher zurueckhaltendes Spiel zwar zu seiner Figur passt, das Publikum aber nicht wirklich zu packen vermag. So hinterlaesst „American Gangster“ trotz einiger grossatiger Szenen doch keinen nachhaltigen Eindruck, findet keinen Dreh um seiner Story die noetige Spannung zu verleihen. Im Vergleich etwa mit Scorseses „The Departed“ fehlt das gewisse Etwas, die Dramatik, die psychologische Tiefenschaerfe.

Ein schlechter Film ist Scotts Werk deshalb noch lange nicht, und den Gang ins Kino sicherlich Wert. Ernsthaft, intelligent und unterhaltsam, mit ueber 2 1/2 Stunden vielleicht ein bisschen zu lang, duerfte „American Gangster“ all jenen gefallen, die Gangsterdramen moegen und deren Erwartung diesseits des „Paten“ oder „Scarface“ liegt.
7/10

Shoot ‚Em Up

Im Grunde ist es ganz einfach: Wer sich mit ironisch-albernen, vulgären Ballerfilmen gerne die Zeit vertreibt ist ein Kandidat für „Shoot’em up“ und darf sich amüsieren – über das wie ein Football behandelte Baby, welches in einer grotesken Sturzgeburt das Licht der Welt erblickt, einen markigen Superhelden mit „unlimited ammo“, kranke Bösewichter, Monica Belluci als „hooker with a heart of gold“ und eine sinnlose Story mit 5-minütig wiederkehrenden Ballerszenen. Dazu gibts mehrere Karotten mit bislang unbekannten Heilkräften und laute Rockmusik im Soundtrack.

Das alles ist recht stumpf und nach bewährter „Crank„-Manier angerichtet – wer nachdenkt, verliert. Filme, die die Welt nicht braucht, und die trotzdem Spaß machen. Zu kritisieren gibt es entweder alles, oder eben nichts – Anspruch, Figurenentwicklung und plausible Dialoge sind schlichtweg nicht gefragt, dafür immer wieder Actionszenen, die zwar nicht gerade das Rad neu erfinden, aber doch von etwas Einfallsreichtum seitens der Filmschaffenden zeugen. So funktioniert zynisch-zeitgenössisches Testosteron-Kino nun mal, und so geht es auch wieder vorbei.

Technisch gut umgesetzt, garniert mit ein paar lakonischen Sprüchen und ganz sicher nicht für die Ewigkeit gemacht wird „Shoot’Em Up“ letztlich dem kollektiven Vergessen anheim fallen, und da spricht auch überhaupt nichts gegen.
7/10