Death Proof

Die Beschwerden, Quentin Tarantino hätte aufgehört das Kino neu zu erfinden, oder wenigstens der Taktgeber der cineastischen Postmoderne zu sein, häufen sich schon länger. Sieht man nun sein neuestes Werk „Death Proof“ möchte man dem glatt zustimmen, und sollte es auch ohne Bedenken tun. Tarantino gefällt sich sichtlich darin, nur Filme zu drehen, die ihm mächtig Spaß machen, und es genügt ihm weiterhin die coolste Sau am Strand zu sein. Denn auch das beweist „Death Proof“ durchaus. Die vielen Tarantino-typischen Dialoge nerven zwar teilweise schon, trotzdem würde man es niemandem sonst überhaupt abkaufen. Die totale B-Movie-Ästhetik, der hippe Soundtrack, die übertriebene Gewalt, augenzwingernd angereichert mit etwas Feminismus und unterlegt von einer sinnfreien Story (Killer jagt scharfe Ladies mit seinem Muscle-Car, bringt alle um, jagt andere scharfe Ladies und kriegt gescheuert) – das alles sorgt für vergnügliches Trash-Kino. Gegen Ende scheint auch Tarantinos scharfer Blick für das richtige Ende einer Story noch mal durch, wenn sein Bösewicht Kurt Russell ganz ungewohnte Töne von sich gibt. So langsam gilt also für QT, was für Woody Allen schon lange gilt: seine Filme sind nicht mehr die Sensation, aber locker besser als 80% vom Rest. Wenn er sich dann noch angewöhnen könnte genau wie Kollege Allen mindestens einen Film pro Jahr zu machen: alles wäre gut.
8/10
PS: Wie der Film im Rahmen des ursprünglich geplanten Trash-Double-Features „Grindhouse“ zusammen mit Robert Rodriguez „Planet Terror“ rüber gekommen wäre ist unklar. Denn der läuft erst im Oktober hier an…

The Number 23 (DVD)

Ganz abgesehen von der Tatsache, dass es zum Thema „ominöse Zahl 23“ schon einen guten Thriller gibt, ist dieser Film keine gute Nachricht für potentielle Kinogänger. Jim Carrey ist fehlbesetzt und kann in der Hälfte der Szenen seinem Image als Grimassenschneider nicht entkommen – die andere Hälfte der Szenen stinkt sowieso zum Himmel. Ganz so schlimm wie es klingt ist der Film nun auch nicht, aber die Verschwörungsstory fällt sich recht zügig selbst auf die Füße und hinterlässt schlussendlich einen zwar streckenweise kurzweiligen und unterhaltsamen, aber wohl kaum bleibenden Eindruck. Guter Kandidat zum totschweigen, schade eigentlich.
5/10 (=0,5 mal 46 = 23…it’s magic!)

Next

Science Fiction Autor Philip K. Dick lieferte die Vorlagen für eine Menge Filme, darunter „Blade Runner“, „A Scanner Darkly“ oder den wenig rühmlichen „Paycheck“. Auch „Next“ basiert auf einer Story von Dick. Ein Illusionskünstler in Las Vegas (Nic Cage) ist mit der Gabe gesegnet, zwei Minuten in seine eigene Zukunft sehen zu können. Mit den Auswirkungen dieser Gabe beschäftigt sich natürlich auch die Story von „Next“, in der eine akute Bombendrohung das FBI (in Person von Julianne Moore) zu den letzten Mitteln greifen lässt. Der Zeitreisen-Aspekt des Films ist nur mäßig gut durchdacht und zuweilen schlicht unlogisch, aber der Film macht das durch seinen charmanten B-Movie-Charakter wieder wett. Es geht hier Schlag auf Schlag, fast wie bei Jack Bauers „24“, wer kümmert sich da noch um Feinheiten? Wäre da nicht ein arg mittelmäßiges Ende im Spiel wäre „Next“ ein Kandidat für „Guilty Pleasure des Jahres“ geworden, gern gesehen ward dieser sympathische Mumpitz aber allemal. 7/10

Lonely Hearts Killers (DVD)

Der Film von Todd Robinson kommt ein wenig daher wie eine Mischung aus „Black Dahlia“ und „Bonnie und Clyde“. Man schreibt das Jahr 1951, Jared Leto und Salma Hayek geben sich als Killer Martha Beck und Ray Fernandez die Ehre, John Travolta und James Gandolfini spielen die ermittelnden Cops. Die zentrale Romanze bleibt dabei leider unglaubwürdig, auch wenn sich die Darsteller alle Mühe geben. „Lonely Hearts“ hat seine Momente, stimmungsvolle und wilde, aber so richtig nimmt der Film nie Fahrt auf. Die immer im Wechsel gezeigten Handlungsstränge Killer/Cops sind auf Dauer etwas ermüdend, und auch einige der gängigen Kunstgriffe (Off-Kommentar, Beginn mit dem Ende) können nicht mehr viel rausholen. Vielleicht liegt es an mir, aber ähnlich wie schon bei „Die Hollywood-Verschwörung“ habe ich von diesem Film einfach mehr erwartet als einen gut gemeinten, X-ten Beitrag zum Genre. Da kann das alles auf so vielen wahren Begebenheiten basieren wie es will. 6/10

Clerks II

Um es kurz zu machen: Ich habe den ersten Teil von „Clerks“ nie gesehen. Macht aber nichts, denn soweit ich das überblicke ist das für das Verständnis von Teil 2 auch nicht unbedingt erforderlich. Im Mittelpunkt der Handlung (wenn man sie so nennen will) stehen Randal und Dante, beide Anfang 30 und Angestellte eines Fast-Food-Lokals. Die beiden sind alte Freunde, die eines verbindet: Sie haben sich einst ihr Leben mal völlig anders vorgestellt. Die gute Nachricht ist, dass Dante kurz vor seiner Hochzeit steht. Er will mit seiner Verlobten nach Florida ziehen, wo sich deren reiche Eltern um das Paar kümmern sollen. Das wiederum bringt Randal dazu, am letzten Arbeitstag seines Freundes für ein denkwürdiges Abschiedsgeschenk zu sorgen.

Regisseur Kevin Smith ist in seiner schon häufiger portraitierten Rolle als Silent Bob auch wieder dabei, ebenso wie Partner Jay. Hinzu kommt ein junger Jesus-Freak namens Elias und Becky (Rosario Dawson), die hübsche Chefin des Lokals. „Clerks II“ schaut diesen Losern mit großer Sympathie bei ihrem Tagwerk über die Schulter. Der schlagfertige Möchtegern-Komiker Randal reisst seine Witzchen über Fans der „Herr der Ringe“-Trilogie, Dante hat seine Chefin einen Tick zu gern, Jay und Silent Bob verticken Pot wie eh und je.

Der Film lebt komplett von seinen Dialogen sowie der Tatsache, dass sie – abgesehn von Rosario Dawson – ausschließlich von Laiendarstellern gesprochen werden. Da sind keine ehrgeizigen Jungschauspieler dabei, die zu Übertreibungen neigen könnten, sondern die alte Riege von Smiths Buddies, die schon im Vorgänger mehr oder weniger sich selbst gespielt hat. Fast ohne jegliche Dramaturgie zeigt der Film einen Tag im Leben seiner Charaktere, allerdings einen äußerst bedeutsamen, denn Dantes nahender Abschied hat sehr viel weitreichendere Folgen, als der arme Kerl zunächst glaubt.

Die Grenzen des guten Geschmacks sind seit jeher Verhandlungssache, trotzdem sollte man sich auf eine Vielzahl unanständiger bis absolut widerlicher Jokes einstellen, oder aber gleich wegbleiben. „Clerks II“ zielt eindeutig auf ein junges Publikum, das mit derben Späßen kein Problem hat. Darüber hinaus bietet der Film eine seltene Art witziger Unterhaltung, die sich selbst nur bedingt ernst nimmt. Die Figuren wirken echt genug um zu interessieren, gleichzeitig ist die Abwesenheit von Tiefgang und Dramatik eine Art Daseinsberechtigung dieser grenzdebilen Darstellung vom Leben im Niemandsland der USA. Auch diese mies bezahlten Burger-Brater müssen mal im Kino Erwähnung finden, und sie halten sich zumeist an die treffende Tagline des Films: „With No Power Comes No Responsibility“.
7/10

Schräger als Fiktion (DVD)

Der deutschstämmige Regisseur Marc Forster hat sich mit „Monster’s Ball“ und „Finding Neverland“ längst in Hollwood etabliert. Sein nächstes Projekt ist allen ernstes der nächste James-Bond-Film, die Dreharbeiten sind bereits im Gange. Mit „Stranger than Fiction“ (Originaltitel) hat er einen kleinen Film in der Tradition von „Being John Malkovich“ und „Adaptation“ gedreht, in dem der spießige und dröge Buchhalter Harold Crick (Will Ferrell) eine innere Stimme hört, die sein Leben kommentiert. Woher kommt diese Stimme? Liest da jemand aus einem Buch vor? Ist es ein gutes Buch? Wie wird die Story ausgehen? Alles gute Fragen, denen Harry unter anderem mit Hilfe des spleenigen Professors Hilbert (Dustin Hoffman) nachgeht. Jenseits aller Logik geht der Film seinen Weg recht konsequent zu Ende, und nimmt sich dabei u. a. noch Zeit für eine Love-Story und die intellektuellen Ladehemmungen einer Schrifstellerin. Vor allem die vielen herausragenden Darsteller (Emma Thompson, Maggie Gyllenhaal, etc.) machen „Schräger als Fiktion“ zu einem Vergnügen für Freunde der oben genannten Filme. 7/10

Black Snake Moan

Krude ist eigentlich gar kein Ausdruck für diesen Film, in dem ein alter Blues-Gitarrist eine junge Frau vor ihrem persönlichen Dämon heilen möchte. Tief im ländlichen Süden der USA landet Rae (Christina Ricci) übel zugerichtet bei Farmer Lazarus (Sam Jackson). Christina Ricci rennt zumeist halbnackt durch den Film, während Sam Jackson ihr den Teufel (in ihrem Fall die „Fleischeslust“) austreiben will – mit Hilfe des Blues und der Bibel. So richtig ernst nehmen kann (und soll) man das alles dabei nicht. Regisseur Craig Brewer lässt seine Figuren trotz aller Überteibungen (Tarantino lässt hin und wieder grüßen) zwar eine „echte “ Läuterung erleben, doch steckt in „Black Snake Moan“ zuviel Popkultur und „Exploitation„-Trash, als das er als Werbefilm für die christliche Rechte taugen würde. Exzellent sind vor allem die Darsteller, ohne Ricci und Jackson hätte das Projekt vermutlich eher kein grünes Licht bekommen – oder wäre nie auf hiesigen Leinwänden gelandet.

7/10