Fernsehapparat

Im TV innen drin läuft am Donnerstag um 20:15 auf Pro7 „Herr Lehmann„. Keiner Überfilm, aber eines der entspanntesten Stücke deitschen Kinos wo gibt. Großer Sport, auch für Nicht-Kreuzberger! In der Werbung bitte Beck’s aus dem Kühlschrank holen oder Pullern gehen. Am besten beides. Wer das nicht hinkriegt, der sollte lieber auf Vox umschalten. Da läuft „Dirty Dancing“. Und Strafe muss sein…

Film im Fernsehen

Tach auch!

An sich geht es mir mit dieser Website auch weiterhin um neuere und neueste Filme, also Kino und DVD. Aber von nun an wird es jeden Montag einen kurzen Filmtipp geben, der sich auf das Fernsehprogramm bezieht. Ich selber gucke so gut wie nie Filme im Fernsehen, aber es soll ja Menschen geben, die das tun. Und das ja nicht zu unrecht.

Für Filmfans interessant ist diese Woche vor allem der Italo-Western-Themenabend, der Sonntag bei arte läuft. Um 20:45 gehts los mit dem ersten „Django“, den ich selbst auch gern mal wieder sehen will. Es folgt eine Dokumentation zum Thema mit dem schönen Titel „Denn sie kennen kein Erbarmen“. Wer von Spaghetti-Western keinen Schimmer hat, der kann sich sicher ein gutes Bild davon machen. Bestimmt ist die Doku aber interessanter, wenn man ein paar der Filme gesehen hat. Aber „Für eine Handvoll Dollar“, „Nobody“ oder „Zwei Glorreiche Halunken“ hat man doch irgendwann schon mal gesehen, oder nicht?

Nun denn. Ich bemühe mich die Privatsender bei den Tipps aussen vor zu lassen, wer will schon gerne Werbung sehen. Ich glaub „Der Herr der Ringe“ dauert bei RTL zwei Tage oder so… Ausnahmen sind aber immer drin.

Running Scared

Eine echte Überraschung ist dieser neueste Film mit dem „Fast and the Furious“-Star und Anti-Schauspieler Paul Walker. Was zunächst nach einem stereotypen B-Film aussieht, in dem Mal wieder ein einsamer Held gegen die Unterwelt kämpfen muss entpuppt sich als unterhaltsamer und cleverer Thriller, der seine paar Schwächen geschickt überdecken kann. Walker spielt den Mafia-Handlanger Joey, der nach einer Schießerei beauftragt wird, die Tatwaffen zu verstecken. Leider gelangt einer der Revolver in die Hände des Nachbarsohns Oleg, der damit auf seinen brutalen Stiefvater schießt und dann flüchtet.Joey ist zum Handeln gezwungen. Seine Mafia-Kumpel dürfen keinesfalls erfahren, dass der Revolver noch im Umlauf ist, und die Polizei sollte auf keinen Fall auf den Trichter kommen, wo der kleine Oleg die Knarre her hat. Mit seinem Sohn Nicky, Olegs bestem Freund, setzt er sich in seinen Mustang und macht sich auf die Suche. Nun dreht Regisseur Wayne Kramer den Temporegler fast bis zum Anschlag und hetzt seine Charaktere knappe zwei Stunden lang quer durch die nächtliche Großstadt. Kinderschänder, die Russenmafia, korrupte Cops und ein widerwärtiger Zuhälter sind nur einige der Stationen, die es auf dem Weg zum blutigen Finale zu durchlaufen gilt.

Wie oben bereits angedeutet bin ich kein ausgesuchter Anhänger von Paul Walker. Doch in „Running Scared“ macht der gute seinen Schauspiel-Freischwimmer. Dazu gibt er keinesfalls den Charakter-Mimen, sondern spielt schnörkellos und ungezwungen seinen Part und nimmt dabei ähnlich viel Fahrt auf wie der Plot selber. Wie bei Thrillern üblich kommt auch dieser Film nicht ohne Logikschwächen aus. Aber die fallen ohnehin nur ins Gewicht, wenn sie einem während des Films ins Auge springen, und dafür ist hier einfach zuviel los. Es gibt zwei oder drei größere Wendungen, von denen mich lediglich eine nicht überzeugen konnte. Die anderen sind glaubwürdig genug und lassen gar einige zuvor vernachlässigte Details in neuem Licht erscheinen. Bis ich den Rest des aktuellen Videothekenprogramms durchgeglotzt habe wird es noch dauern, aber dieser Streifen ist auf jeden Fall eine Empfehlung. Und auf weitere Filme von Wayne Kramer darf man ebenfalls gespannt sein, denn mit „The Cooler“ und „Running Scared?“ hat er sich in Hollywood inzwischen einen Namen gemacht. Gut möglich, dass er demnächst mal einem Blockbuster seinen Stempel aufdrücken darf.

7/10

Good Night, and Good Luck

Schon mit seiner ersten Regiearbeit „Confessions of a Dangerous Mind“ hat George Clooney sein Talent hinter der Kamera bewiesen. So verwundert es kaum, dass es nicht bei dem einen Film geblieben ist. „Good Night, and Good Luck“ ist eine kleine Produktion, die laut imdb.com mit einem Budget von nur 7,5 Mio. US-Dollar auskam. Auf das große Publikum zielt man so sicher nicht, dazu ist der Film auch noch komplett in SchwarzWeiss gedreht. Dem dokumentarischen Charakter der in den 50er Jahren spielenden Handlung ist dies hingegen sehr förderlich.Die Fernseh- und Kinowelt der USA ist im Jahre 1953 geprägt von der gnadenlosen Hatz gegen vermeintliche Kommunisten unter den Kreativen. Senator McCarthy wittert überall in der Medienwelt sowjetische Spione, es herrscht ein von Denunziationen, Angst und Machtlosigkeit geprägtes Klima. Auftritt des TV-Journalisten Edward Murrow, gespielt von David Strathairn (bekannt als Pierce Pratchett in „LA Confidential“). Eine kleiner Artikel einer Zeitung aus Detroit vermeldet die Entlassung eines jungen Air Force Piloten. Die Gründe dafür sind offenbar die politischen Ansichten von Familienangehörigen, keine Verfehlungen des Lieutenants selbst. Veranlasst wiederum wurde sie aus dem Umfeld des von McCarthy geführten Komittees gegen „unamerikanische Aktivitäten“. Murrow bringt den Fall in seiner wöchentlichen Politshow an die Öffentlichkeit, wohl wissend, dass er sich damit nicht nur Freunde machen wird. Schon kurz vor der ersten Sendung bekommt sein Produzent Fred Friendly (Clooney) Besuch zweier Militärs, die eine Ausstrahlung verhindern wollen.

Fast wie ein Kammerspiel (Schauplatz sind ausschließlich die Räumlichkeiten des Senders CBS) entwickelt sich der Film von da an wie eine sehr gelungene Mischung aus „The Insider“ und „Quiz Show“. Der Einfluß großer Sponsoren und Konzerne auf die Freiheit der Medien ist ebenso ein Thema wie die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten gegenüber ihren Verbündeten in der Welt. Zitat: „We cannot defend freedom abroad by deserting it at home“. Natürlich schwingt da auch ein aktueller Kommentar auf den „Patriot Act“ der Bush-Regierung mit.

Das Schauspieler-Ensemble besteht aus vielen bekannten Gesichtern. Neben George Clooney sind Robert Downey Jr., Jeff Daniels und Ray Wise (Laura Palmers Vater in „Twin Peaks“) in Nebenrollen zu sehen. Sie alle glänzen mit zumeist unspektakulären, aber überzeugenden Leistungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Produktionen der letzten Zeit hat „Good Night, and Good Luck“ einen ganz klaren Fokus, eine fesselnde Geschichte, der keine weiteren Schauwerte mehr beigemengt werden müssen. Die Konfrontation zwischen Ed Murrow und Senator McCarthy ist das Zentrum des Films. Dabei verzichtet Clooney auf einen Darsteller für den umstrittenen Politiker und verwendet stattdessen Originalaufnahmen aus Fernsehauftritten und Anhörungen des Komittees. Inwiefern jedoch hier die Ereignisse von 1953 wahrheitsgetreu nachgestellt sind, und was man im Nachhinein verändert hat, darüber kann ich nur spekulieren. Klar ist nur, dass deutlich Eindrücke von Authenzität und Detailtreue vorherrschen.

Die Anti-Raucher-Lobby in den USA wird den Film sicherlich verteufeln, denn die zentrale Figur Murrows quarzt sogar noch, wenn sie live auf Sendung geht. Dazu gibt es einen herrlichen Werbespot für Zigaretten der Marke Kent. Insgesamt muss ich aber zugeben, dass jeder Zuschauer schon ein ordentliches Stück Interesse und am besten Vorwissen mitbringen sollte, um an dieser Geschichtsstunde Spaß haben zu können. Ein Kinoerlebnis ist „Good Night, and Good Luck“ jedenfalls nur für den Kopf, nicht aber für die Sinne.

8/10

Capote

Eines steht ja mal fest: wenn die Academy Philip Seymour Hoffman in der Nacht zum Sonntag einen Oscar verleihen sollte, dann geschähe das völlig zu recht. Seine Darstellung des exaltierten, sensiblen Schriftstellers Truman Capote geht wahrhaftig unter die Haut. Und auch ganz schön auf die Ohren, denn offenbar sprach Capote mit einer hohen, nasalen und weinerlichen Stimme. Bis man sich an die gewöhnt hat, ist locker eine halbe Stunde vergangen. Über die Titelfigur des Films von Bennett Miller war mir vor dem Film wenig bekannt, ein bißchen mehr Vorwissen hätte das Vergnügen sicher nicht geschmälert.Die Handlung des Films setzt 1959 ein. Capote ist bereits ein bekannter Schriftsteller und eine schillernde Persönlichkeit. Ein Zeitungsartikel über den Mord an einer vierköpfigen Familie im Mittleren Westen weckt sein Interesse, und so fährt er an der Seite seiner Kollegin Harper Lee (Catherine Keener) in die Kleinstadt Halcomb in Kansas. Sein Plan ist es zunächst, einen Artikel für den „New Yorker“ zu verfassen. Kaum ist er in dem vom Verbrechen geschockten Ort angekommen, werden zwei junge Männer als Täter dingfest gemacht. Fasziniert vom grausamen Verbrechen und insbesondere einem der Täter, Perry Smith (Clifton Collins, Jr.), entschließt sich Capote, ein ganzes Buch über die Sache zu schreiben.

„Capote“ befasst sich ausschließlich mit den gut fünf Jahren im Leben seines Helden, in denen er an „In Cold Blood“ arbeitete, und ist somit keine im Ansatz vollständige Filmbiographie. Der Entstehung des Buches beizuwohnen, ebenso den Gesprächen mit den inzwischen inhaftierten und zum Tode verurteilten Killern, ist eine äußerst spannende und psychologisch interessante Angelegenheit. Regisseur Bennett setzt dabei auf eine zurückhaltende Inszenierung, die sich eher durch Andeutungen als durch plakative Zurschaustellungen auszeichnet. Dies gilt vor allem für das besondere Verhältnis zwischen dem schwulen Schriftsteller und dem einsamen, verlorenen Killer Smith.

In vielerlei Hinsicht ähnelt der Film George Clooneys „Good Night, and Good Luck“. Ohne Sensationslust und Interesse an Polarisierungen erzählt er mit einer großartigenen Besetzung ein Kapitel jüngerer amerikanischer Geschichte. Beide Filme sowie ihre Hauptdarsteller sind für einen Oscar nominiert, wenngleich sie kommerziell in den USA nur mäßig erfolgreich waren. Und beide Filme konnten, zumindest bei mir persönlich, Interesse wecken. Im Falle von „Capote“ liegt der Fall sehr einfach: das Buch, dessen Entstehung und Inhalt hier das Thema sind, werde ich sicher lesen.

8/10

Scary Movie 4

Seit dem dritten Teil sind nicht mehr die Wayans-Brüder und ihr Teenie-Kiffer-Humor zuständig für die höchstalberne Filmreihe. Mit dem Effekt, dass sie von David Zucker zu einer Art Hollywood-Komplett-Verarsche umgebaut wurde. Im neuesten Teil geht es vor allem „Krieg der Welten“, „The Village“, „The Grudge“ und „Saw“ an den Kragen, aber auch ernsthaftes Kino wie „Million Dollar Baby“ und „Brokeback Mountain“ wird kompromisslos umgedeutet. Zur Story braucht man eigentlich nicht viel wissen, vom im positiven Sinne beknackten Vorspann bis zum Schluss gibt es genug zu lachen, alles andere interessiert sowieso nicht. Einige bekannte Gast-Stars wie Mike Tyson und Bill Pullman waren sich nicht zu schade für diese Farce. Es erfordert schon die Bereitschaft des Zuschauers, über jedweden Blödsinn lachen zu können und auch eine (leider zu große) Portion Fäkalhumor auszuhalten. Wer sich das aber zutraut, der sollte sich diese knapp 90-minütige Albernheit nicht entgehen lassen.

7/10