Ladies & Gentlemen, restart your engines: Neues aus dem Fledermausland

Star Wars – Revenge of the Sith hat den deutschen Kinosommer vor wenigen Wochen anständig eröffnet, nun drängen mit Per Anhalter durch die Galaxis und Batman Begins gleich zwei große Spektakel nach. Nun, den Anhalter muss ich demnächst nachreichen, aber zum neuesten Batman habe ich bereits eine Meinung! Just auf großer Leinwand und in beeindruckendem Surround-Sound gesehen – man könnte sogar sagen, ich weiß, wovon ich rede.

Nach den zwei verhunzten quietschbunten letzten Filmen von Joel Schumacher hat Warner Bros. dieses Mal Memento-Regisseur Christopher Nolan mit der Regie beauftragt. Und wie der Titel bereits verrät wird die Saga keinesfalls weitergesponnen und mit weiteren Batgirls und Robins voll gestellt ? der Fokus richtet sich auf den Ursprung der Superhelden-Geschichte. Es geht also mit dem kleinen Bruce Wayne los, der in seiner Kindheit durch einen Sturz in die Tiefe eine schreckliche Aversion gegen Fledermäuse entwickelt. Bruce`s wohlbehütete Kindheit als einziger Spross unermesslich reicher Eltern mit sozialer Ader ist sehr schnell vorbei, als diese bei einem Raubüberfall ermordet werden. Die Sorge ums Wohlergehen des Jungen übernimmt der stilsichere Butler Alfred (Arsch auf Eimer: Michael Caine).

Inzwischen erwachsen, rumort es tüchtig in Mr. Wayne, jetzt verkörpert von Christian Bale. Erst ein Aufenthalt im Gefangenenlager und die Bekanntschaft mit dem mysteriösen Ducard (Liam Neeson) führen ihn auf den Weg zum späteren Helden im Fledermaus-Kostüm. Nach einer knappen Stunde durchaus ansehnlicher Verwandlung kehrt Batman zurück in die Stadt, die einst R. Kelly so schmalzig besang: Gotham City. Oberverbrecher Carmine Falcone (Tom Wilkinson) hat alles fest im Griff, Drogen und Kriminalität wuchern ohne erkennbare Gegenwehr. Wenn überhaupt, dann sind es Menschen wie Rachel (Katie Holmes), einst Bruce`s Spielgefährtin aus glücklicheren Tagen, und ein junger Cop namens Gordon, die sich gegen die allgegenwärtige Korruption stemmen.

Doch von nun an haben sie einen mächtigen Verbündeten. Während er sich tagsüber als junger, an der Firma seines alten Herrn interessierter Jung-Milliardär zeigt, richtet sich Batman mit den gewohnten Gimmicks und Kostümen aus. Mit wohlmeinendem Rat steht ihm Lucius Fox (Morgan Freeman) zur Seite, und die beiden haben ordentlich Spaß bei der Sache. Auf geht es also in den Kampf, gegen Falcone und einen finsteren Schurken, der auf dem Wege ist, die ganze Stadt in den Wahnsinn zu treiben.

Meine Erwartungen an diesen fünften Film der Reihe waren recht hoch ? und sind nicht enttäuscht worden. Die Story zurück zu ihrem dunklen Anfang zu bringen tut Batman Begins ebenso gut, wie die Besetzung der Hauptfigur mit dem überzeugenden Christian Bale und der gekonnten Inszenierung eines gelungenen Drehbuchs durch Action-Neuling Nolan. Keine phantasievollen Bösewichts-Karikaturen werden hier mehr als Gegenspieler serviert ? man dringt vielmehr vor zum Kern der Figur, deren Doppelleben fantasievoll auf die Leinwand gebracht wurde. Zugleich funktioniert er als vorbildlicher Actionfilm, in dem es nicht nur ordentlich, sondern auf sehr hohem Niveau kracht. Stimmungsvoll wird der ewig düstere Moloch Gotham City präsentiert, und die psychologische Kriegsführung des Bösewichts funktioniert auch auf der Leinwand ganz grandios.

Ganz ohne kleinere Schwächen kommt Batman Begins zwar nicht aus, aber trotz einiger Unebenheiten und der wenig überzeugenden Beinahe-Romanze zwischen Rachel und Bruce erfährt hier die Heldensaga eine sehenswerte cineastische Wiedergeburt. Die Produzenten haben recht viel investiert in diese Produktion, an die $ 160 Mio. stehen im Raum. So wie ich das sehe, haben sie die Sache ganz richtig angepackt. Dankeschön.

Folgendes ist es bitte

Es ist bitte Folgendes

Ich hadere zurzeit mit mir, ob ich wieder eine Sternvergabe anbieten soll oder nicht. Deshalb reiche ich die Frage an Euch weiter: Wie machen? Mit Sternen zwecks besserer Orientierung, oder einfach sein lassen? Oder gar: Scheiß drauf, ich lande immer nur aus Versehen auf Edzard ihm sein Filmriss, das könnte mir nicht egaler sein. Einfach Email an edzardo@web.de und eine kurze Ansage machen. Begründungen werden gelesen, sind aber nicht notwendig (Like I give shit?!). Wird ganz demokratisch entschieden, wobei ich im Fall einer Entscheidung zugunsten von Sternen wohl eine Skalierung wählen werde, die sich an der Internet Movie Data Base orientiert, will sagen Punkte von eins bis zehn.

Hadde Muruk

Constantine

In der streng katholischen Welt von „Constantine“ belauern sich Engel und Dämonen im Kampf um die Seele der Menschen. Als „Halbblute“ nehmen sie menschliche Gestalt an, doch völlig ins Diesseits überzutreten ist ihnen laut den „Spielregeln“ untersagt. Und die Regeln kommen immerhin von ganz oben“ John Constantine (Keanu Reeves) ist ein Dämonenjäger der besonderen Art (Bitte keine Fragen nach Dämonenjägern herkömmlicher Art, ja“). Nicht etwa Idealismus oder fester Glaube treiben ihn an “ ein lang zurückliegender Selbstmordversuch hat ihm den Eingang in den Himmel verbaut, und nun versucht er bei seinem Schöpfer ein paar Punkte gut zu machen, indem er für das Gute kämpft. Sein exzessiver Zigarettenkonsum bringt Constantine allerdings dem endgültigen Ableben (und damit der ewigen Verdammnis) von Tag zu Tag näher.

Ganz andere Sorgen hat die Polizistin Angela (Rachel Weisz). Ihre Zwillingsschwester ist vom Dach einer Psychiatrie gesprungen, offensichtlich geplagt von bösen Visionen. Bei der Rekonstruktion des Selbstmordes stößt sie auf eine Spur, die zu John Constantine führt. Zunächst widerwillig nimmt der doch noch die Chance wahr, der guten Frau zu helfen. Der Fall liegt nicht ganz unkompliziert, denn Anzeichen deuten daraufhin, dass sich ein recht bekannter Höllenbewohner auf der Erde einzurichten gedenkt. Doch auf welche Art und Weise?

Soweit klingt das alles arg nach „End of Days“ und anderen verkorksten Kirchenthrillern – und tatsächlich unterscheidet sich „Constantine“ von diesen auch weniger durch die Story, als durch die weitaus gelungenere Umsetzung des Ganzen. Das oben skizzierte Szenario hinzunehmen wird dem Zuschauer recht leicht gemacht, die Bibelzitate halten sich in Grenzen und unfreiwillige Komik konnte ebenfalls fast gänzlich verhindert werden, da sich der Film selbst nicht gar so ernst nimmt. Keanu Reeves überschaubare Gestikulierkunst ist hier richtig aufgehoben, und die geradlinige Erzählweise lässt kaum Langeweile aufkommen. Die wenigen Nebencharaktere sind schlüssig eingesetzt, doch der eigentliche Star des Films bleibt immer die stimmige Atmosphäre. Die eleganten, düsteren Bilder und die äußerst gelungene Ausstattung verhelfen dem Film zu vielen optischen Reizen, die die (geradezu zwangsläufig auftretenden) Storyunebenheiten problemlos ausbügeln können. Auch die mit Bedacht eingesetzten CGI-Effekte können überzeugen.

Nun machen all diese Pluspunkte „Constantine“ nicht zu einem großen Stück Kino, dafür mangelt es vor allem an Originalität und Szenen, die lange im Gedächtnis hängen bleiben. Für einen gediegenen, auf Unterhaltung ausgelegten DVD-Abend erfüllt er aber locker alle Kriterien. Nebenbei beweist er, dass nicht alle „großen“ Hollywood-Produktionen, die am Anfang des Kalenderjahres herauskommen, so verkorkster Mist wie „Basic“ sein müssen.

Neu auf DVD

Final Call

Seit einigen Wochen auf dem Markt ist dieser Thriller mit Kim Basinger und Chris Evans. Ähnlich wie Colin Farrell in „Nicht auflegen!“ an die Telefonzelle gefesselt war hängt hier ein junger Mann an seinem Mobiltelefon. Eine entführte Ehefrau und Mutter (Basinger) hat ihn über ein vermeintlich defektes Telefon an die Leitung bekommen. Reißt das Gespräch ab, ist die Entführte verloren…
Die rasante Hetzjagd quer durch Los Angeles involviert dann noch die üblichen Bösewichter und einen spleenigen, aber aufgeweckten Polizisten. Dank des flotten Tempos fallen Logikfehler nicht sonderlich auf, durch einige gelungene Kniffe gelingt es durchaus, Spannung aufzubauen und über fast die gesamt Spieldauer von 90 Min. zu halten. Eigentlicher Star des Films ist dabei das Drehbuch, dessen clevere Konstruktion einen anständigen Thriller auf den Weg bringt. Keine schlechte Wahl gegen aufkommende Langeweile im (bisherigen) Anti-Sommer.

Jersey Girl

Der neue Film von Kevin Smith („Dogma“, „Clerks“) bringt wie schon „Gigli“ die unheilige Schauspieler-Combo Bennifer, will sagen Ben Affleck und Jennifer Lopez, auf die Leinwand. Allerdings ist Lopez` Auftritt recht kurz, denn kaum hat sie (im Film) ihrem Angetrauten Ollie (Affleck) eine Tochter geboren, da verabschiedet sie sich ins Jenseits. Der New Yorker Medienmanager Ollie steht nun, da er sich auch noch seine Karriere durch den Baby-Stress nachhaltig versaut hat, vor dem Nichts. Oder besser: in New Jersey, wo er im Haus seines bodenständigen Arbeiter-Dads sein Jersey Girl aufzieht. Bergauf geht es für ihn, als er die hübsche Studentin Maya (Liv Tyler) kennen lernt, doch dann packt ihn noch mal der Ehrgeiz. Ollie will sein Upper West Side-Leben zurück, gegen den Willen seiner Liebsten…
Das hier eine recht formelhafte Geschichte übers „zweite“ Erwachsenwerden erzählt wird, dürfte den werten Lesern bereits aufgefallen sein. Bleibt anzumerken, dass die Story ihre hellen Momente hat und die Darsteller sich mit dem Material offenbar recht wohl fühlten. Ben Affleck-Fan werde ich wohl trotzdem nicht mehr werden. Macht aber nichts, denn die zuweilen sehr gelungenen Gags und der zum Glück nicht überbordende Kitschfaktor machen „Jersey Girl“ zu einem gelungenen Familienfilm mit einer sympathischen Sicht auf die – Vorsicht, abgestandene Floskel! – kleinen Leute im Herzen Amerikas.

Bad Santa

Billy Bob Thornton gibt in diesem Film von Terry Zwigoff („Ghost World“) den abgewracktesten Weihnachtsmann, der je im Kino zu sehen war. Versoffen, unhöflich, kriminell – ein richtiger Goldjunge. In der Vorweihnachtszeit nimmt er mit seinem kleinwüchsigen Partner Einkaufszentren aus, um sich den Rest des Jahres mit der erbeuteten Kohle irgendwo zu erholen. Doch, wie könnte es anders sein, der zynische, gefühlsresistente Kerl läutert sich ein wenig. Verantwortlich dafür zeichnet unter anderem ein dicker Junge, dessen Einsamkeit sogar zum Misanthropen im Weihnachtsmannkostüm durchdringt. Und auch die süße Bardame, die ihn ins Herz geschlossen hat, ist an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig.
Wie man auf die Idee zu so einem Film kommen kann ist für mich nicht im Ansatz nachvollziehbar. Irgendwo zwischen Satire, finsterer Komödie und reiner Anarchie entfaltet sich hier ein so absurde wie unterhaltsame Handlung, die der glänzend aufgelegte Hauptdarsteller Thornton vor dem Auseinanderfallen bewahrt. Ohne Rücksicht auf Verluste lässt Zwigoff seinen ewig mies gelaunten Weihnachtsmann auf die Besucher amerikanischer Shopping-Malls los, für junge Familien mit sonnigem Gemüt DER Alptraum schlechthin. Fast am schönsten ist „Bad Santas“ Ausraster, als er sich in seiner Mittagspause von einer Mutter mit Kind belästigt fühlt. In gewisser Weise scheint mir der Film beinahe absichtlich sinnlos zu sein, empfehlen kann ich ihn trotzdem!

Zach Braffs Garden State

Mit massig Vorschusslorbeeren kommt dieses unabhängig von den großen Studios finanzierte Filmdebut von Zach Braff in unsere Kinos. Soweit mir bekannt ist, hat der sich als Schauspieler in einer Serie namens ?Scrubs? einen Namen gemacht, wer jedoch genaueres wissen will, sollte lieber die Movie Data Base (imdb.com) zu Rate ziehen. Bei seinem ersten Kinofilm hat Braff nicht nur das Drehbuch verfasst, Regie geführt und die Hauptrolle übernommen, er konnte mit Ian Holm und Natalie Portman auch noch zwei bekannte Schauspieler für sein Projekt gewinnen.

Der „Garden State“ des Titels steht für den so genannten US-Bundesstaat New Jersey, dem ein wenig das Image anhaftet, sehr durchschnittlich und gar langweilig zu sein. Dorthin kehrt Andrew Largeman (Braff) zum ersten Mal seit vielen Jahren zurück, als seine Mutter stirbt. Der Zuschauer erfährt zunächst nicht viel mehr über die Hintergründe des Todesfalls, sondern folgt dem seltsam apathisch dreinblickenden jungen Mann auf seinem Weg zur Beerdigung. Nur langsam lassen sich die wahren Probleme Andrews ausmachen, die mit einem gestörten Verhältnis zur Außenwelt und einem familiären Schicksalsschlag zusammenhängen.

Die cineastische Rückkehr in die Jugend/Kindheit des Protagonisten hat durchaus Tradition bei kleineren US-Produktionen, siehe etwa „Beautiful Girls“ oder „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“. Für Andrew allerdings ist sie fast mit einer Rückkehr ins wahre Leben zu vergleichen. Sein mäßig erfolgreiches Schauspieler- und Kellner-Dasein in L.A. erlebte er immer durch den Schleier einer Reihe von Medikamenten, die ihm sein als Psychiater tätiger Vater seit Jahren verschrieb. Warum er dies tut wird sich im Laufe des Films klären. Bei seinem Besuch in der alten Heimat beschließt Andrew unvermittelt, seine „Behandlung“ abzubrechen. Langsam findet er zurück in das kleinstädtische Leben seiner Vergangenheit, ständig in der Schwebe zwischen Neugier nach dem neuen, echten Leben und bloßer Fassungslosigkeit ob der Dinge, die sich in seiner alten Heimat abspielen. Richtig zurück ins Leben holt ihn erst die hübsche Sam (N. Portman), eine zwanghafte Lügnerin mit goldenem Herzen.

Obwohl „Garden State“ sicher Schwächen bei der Charakterzeichnung aufweist und auch sonst nicht ohne Fehler ist, kann man ihn getrost als äußerst gelungenes Erstlingwerk betrachten. Die großartigen Dialoge, viele kleine Lacher und einige herausragende Szenen machen den Film zu einer interessanten Zustandsbeschreibung des US-amerikanischen Alltags abseits vom 11. September und kulturellen oder politischen Grabenkämpfen. Ohne seine spleenigen Figuren platten Witzen zu opfern nähert er sich seinem leider etwas arg belehrenden Ende. Auf dem Weg dahin gibt es jedoch eine ganze Menge zu entdecken. Andrews alte Schulfreunde sind allein schon einen Blick wert, ganz zu schweigen von Sams umwerfender Erklärung, wie ein junger Afrikaner zu ihrem Bruder wurde.

Im Kern ist „Garden State“ jedoch die Geschichte eines jungen Menschen, der seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat, und hierin liegt eine große Stärke des Films – denn dieses Gefühl ist den meisten Zuschauern sicher vertraut. Auch wenn sich die Story nicht um alle Film-Klischees herumkommt, sie vermag die Zuschauer mitzunehmen auf eine lohnende Reise, in deren Verlauf eine Menge interessanter Themen und Tatsachen von der Leinwand blicken. Die psychologische Tiefenschärfe von etwa „In the Bedroom“ erreicht Braff mit seinem ersten Film nicht, aber der Erfolg seines Werks beweist eindeutig, dass seine Geschichte bei den (zumeist jüngeren) Zuschauern einen Nerv getroffen hat. Welchen genau, dass muss jeder für sich entscheiden.

8/10

Neuigkeiten/Versuch eines Posts

Star Wars Episode III – Revenge of the Sith

Nun ist es also soweit, George Lucas schlägt das letzte Kapitel seiner großen Geschichte auf. Doch natürlich, nicht etwa der Ausgang der Geschichte wird mit Spannung erwartet, denn der ist ja hinlänglich bekannt. Vielmehr geht es darum, die Jedi-Ritter in einem ihrer schwärzesten Momente zu beobachten, einen der ihren der dunklen Seite anheim fallen zu sehen – bis darüber die Republik vernichtet und das Imperium geschaffen ist. Die Lust auf die explizite Ausgestaltung des Unvermeintlichen wird im Trailer wunderbar angefacht, wenn der ehemalige Jedi Anakin Skywalker als Darth Vader „wiedergeboren“ wird und von seinem Meister einen wahrlich prägnanten Befehl erhält:

-Vader! -Yes, Master??.. -Rise!
So etwas lässt man sich ja nicht zweimal sagen.

Lucas bringt seine Handlung in drei Erzählsträngen zu Ende, das verbindende Element dabei ist Anakin. Seine Liebe zur Prinzessin und Senatorin Amidala bringt ihn in Konflikte mit seiner Jedi-Natur, seine zuweilen zügellose Art bringt Konflikte mit dem Rat der Jedi, und beides zusammen gerät in die Schieflage, als die Republik unter Kanzler Palpatine bereits beginnt, die Züge eines Imperiums zu tragen. Wenn man es genau nimmt, ist Anakin schon zu Beginn des Films kein wahrer Jedi mehr, verliert er doch die Kontrolle über sich, tötet und noch wichtiger: ist unfähig, dies ehrlich zu bereuen. Dass es ihm als Jedi versagt ist, eine Familie zu gründen ist ihm bewusst, doch seine Liebe zu Padme ist beträchtlich größer als seine, sagen wir mal, „Fraktionsdisziplin“. Kurzum, die Entscheidung für die dunkle Seite der Macht guckt von Beginn an um die Ecke.

Doch es braucht noch Intrigen, Machtpolitik und einige persönliche Prüfungen, bis zu guter letzt Darth Vader sein unansehnliches Haupt erhebt. Der Weg dorthin ist recht unterhaltsam, gesegnet mit brillanten Actionsequenzen und leider auch (wieder) reichlich abgestandenen Dialogen. Die omnipräsente Bluescreen-Technik hat Lucas hier zur Perfektion gebracht. So makellos künstlich, wunderbar und märchenhaft sieht der Film aus, dass einem reale Hintergründe wahrscheinlich Kopfschmerzen bereiten würden. Immer neue Raumschiffe, Planeten und Gestalten bevölkern die Weiten der Galaxie. Die alles entscheidenden Kämpfe zwischen Obi Wan und Anakin sowie dem Kanzler und Yoda präsentiert Lukas leider parallel in ständig wechselnden Einstellungen und reißt so das Geschehen etwas auseinander.

Ganz in der Tradition der ersten drei Filme der Reihe bleibt auch ?Revenge of the Sith? trotz aller Finsternis ein Märchen, voll und ganz kompatibel für Kinder ? mit Ausnahme des für ?Star Wars? ungewöhnlich brutalen Kampfes zwischen Obi Wan und Anakin gegen Ende. Für einen alten „Kostverächter“ wie mich (der keinen der vorigen Teile wirklich freiwillig gesehen hat) bedeutet dies eben auch eine – netto – ca. halbstündige Leidenszeit, in der der Schauwert des Geschehens nicht mehr in der Lage ist, die grenzenlos naive Personenzeichnung aufzufangen, in der man sich in „kopflastigere“ Sci-Fi-Ware a la „Blade Runner“ beamen möchte. Das muss der Vollständigkeit halber einfach gesagt werden. Über Hayden Christensens Darstellung des jungen Anakin Skywalker gehen die Meinungen weit auseinander – ist das beinahe geniales mimisches Understatement, oder schlichtes Unvermögen? Mich hat der böse dreinblickende Anakin immer ein wenig an Derek Zoolanders „Blue Steel“-Look erinnert, aber sei es drum. Der Gang ins Kino ist unter dem Strich definitiv anzuraten, schließlich findet hier eine der größten Kinogeschichten aller Zeiten gleichsam Anfang und Ende, und da will man doch dabei sein, gelle?

Einsehbares Abenteuerfilmchen

SaharaIch bringe es einfach nicht fertig über einen Abenteuerfilm zu schreiben, ohne Indiana Jones wenigstens erwähnt zu haben. Die drei von Steven Spielberg inszenierten Spektakel haben ein großes Publikum begeistert und die Latte für alle kommenden Produktionen des Genres sehr hoch gelegt. Wie bereits jüngst in Jerry Bruckheimers Vermächtnis der Tempelritter sind auch in Sahara alle Indy-typischen Versatzstücke zu finden. Mit Ausnahme des historischen Hintergrundes allerdings, denn der Film von Breck Eisner spielt hier und heute. Oder genauer in Afrika und heute.

Nach einem kurzen, aufwändigen Vorspann, der die Zuschauer mit einer vergessenen Anekdote aus dem US-Bürgerkrieg vertraut macht, geht es auch gleich zur Sache. Die UNO-Ärztin Eva, gespielt von Penelope Cruz, ist einer rätselhaften Seuche auf der Spur. Deren Ursprung vermutet sie in Mali, doch der örtliche Diktator ist an einer Aufklärung nur mäßig interessiert. Ganz andere Sorgen hat Matthew McConaughey als Schatzsucher Dirk Pitt. Er hat einen Hinweis erhalten, dass irgendwo entlang des Nigers sein größter Traum auf ihn wartet. Wo genau? Natürlich in Mali, und so sind Eva, Dirk und sein Kumpel Al schon bald auf wilder Reise durch Afrika, vereint im Kampf gegen industrielle Bösewichter und korrupte Herrscher, bemüht Katastrophen zu verhindern, und wenn es eben geht natürlich einen sagenhaften Schatz zu finden.

Das klingt nicht nur bescheuert, es ist es auch. Doch das Unterhaltungskino hat seine eigenen Regeln, und da gelten Kurzweiligkeit, einfache Schauwerte und lustige Zerstreuung nicht zu unrecht mehr als tiefe Figurenzeichnung und ein logischer, am besten noch realistischer Plot. McConaughey, der schon aus dem Mainstream verschwunden schien, grinst und kalauert prächtig aufgelegt vor sich hin, das Tempo ist flott und die Action angenehm bodenständig. Die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern stimmt, und in Nebenrollen tauchen bekannte Gesichter wie William H. Macy und Delroy Lindo auf. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch, dass der gute alte Merowinger, mit bürgerlichem Namen Lambert Wilson, direkt aus der Matrix in die Sahara geflogen ist, um noch einmal den nicht ganz akzentfreien Schurken zu geben.

Kritische Stimmen mögen nörgeln, es gleiche einem Skandal, einen solchen Gute-Laune-Film im von Armut und Not geplagten Schwarzafrika spielen zu lassen. Ich vermag diese Ansicht nicht zu teilen. Es kann keine Rede davon sein, dass Bilder ungeheuren Elends hier als bloße Kulisse dienen, und bei aller Blauäugigkeit der Story wird die Lage nicht banalisiert. Anleihen bei der Realität sind zwar gegeben, doch begnügt sich der Film komplett mit seiner weitgehend unpolitischen Gut-gegen-Böse-Geschichte. Als Wurzel allen Übels präsentiert er übrigens die unheilige Allianz westlicher Konzerne mit korrupten Eliten. Das hört sich so verkehrt ja gar nicht an. Größere Mankos gibt?s auch ansonsten kaum, mit gut zwei Stunden Spielzeit ist man vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen, aber Langeweile kommt deswegen noch nicht auf. Naiv, altmodisch, nicht ohne Charme vertreibt Sahara seinem Publikum die Zeit, auf längere Sicht wird er dagegen wohlwollend vergessen werden.

6/10

War of the Worlds

Es ist doch immer wieder eine Freude, über Leinwand-Adaptionen berühmter Bücher zu schreiben, ohne diese gelesen zu haben. Man spart sich die Hälfte der Arbeit. Wir wollen aber nicht vergessen, dass Steven Spielberg mit seinem nun auf DVD erschienenen Krieg der Welten ganz sicher in erster Linie an sein Kino-Publikum gedacht hat. So spielt seine Version selbstverständlich in der Gegenwart und nicht am Ende des vorletzten Jahrhunderts. Meine bescheidene Weisheit sagt mir, dass der Film zu jener Sorte gehört, die man unbedingt im Kino sehen sollte. Zumindest sofern die eigene Heimkinoanlage einen Wert von 10 000 Euro nicht übersteigt. Ich habe es nicht ins Kino geschafft, und vermag mich nicht einmal mehr zu erinnern, warum nicht. Nun, für meinen Fernseher und DVD-Player wurde die Bezeichnung Heimkino sicher nicht erfunden, trotzdem machte es nicht wenig Laune, dem Spektakel beizuwohnen. Los geht es mit ein paar kurzen Szenen, die Ray Ferrier (Tom Cruise) und seine Familie vorstellen. Ray ist Kranführer im Hafen von New York, seine Ehe mit Mary Ann (Miranda Otto) vor langer Zeit gescheitert. Wie es der Zufall will hat er für ein Wochenende seine Kids zu Besuch, Teenager Robbie und die zehnjährige Rachel. Als Vater macht Ray keine berauschende Figur, intakte Familien sehen anders aus. Dann bricht auch schon die Katastrophe über die Drei hinein. Der Himmel verdüstert sich, zahllose Blitze schlagen ein und legen die komplette Elektrizität lahm. Während die Menschen sich noch benommen einen Reim darauf zu machen versuchen, erheben sich aus den Tiefen der Erde monströse, langbeinige Maschinen. Ohne Vorwarnung und weitere Erklärung machen sich diese Tripods an ihr finsteres Werk. Sie töten und zerstören alles, was sie auf der Erdoberfläche finden. Nur haarscharf entkommen Ray und seine Kinder dem sicheren Tod und machen sich auf den Weg Richtung Norden, zu Mary Ann und ihrem Lebensgefährten in Boston.

Spielberg liefert in der ersten Stunde einen beeindruckenden Horror- und Katastrophenfilm ab, der die Ausweglosigkeit der Menschenmassen auf der Flucht vor übermächtigen Gegnern hervorragend in Szene setzt. Die Flucht der Ferriers sorgt durch ihren Roadmovie-Charkater für ein flottes Tempo. Das apokalyptische Szenario bietet Stoff für einige großartige, ungewöhnlich düstere Szenen. Brennende Züge fahren durch das Bild, verzweifelte Menschen fallen wegen eines Autos übereinander her. Als die Massen versuchen, eine Fähre über den Hudson zu erreichen, kommt es zum Aufstand, doch nach wenigen Minuten haben die Tripods auch das große Schiff in einen Haufen Schrott verwandelt. Kurz darauf gleicht die Szenerie eher einem Kriegsfilm. Die überforderte Armee rückt den Eindringlingen mit Panzern und Kampfhubschraubern auf die Pelle. Doch diese Form von Widerstand scheint zwecklos.

Es herrscht ein Klima der Angst in diesen beeindruckenden Szenen, und der nackte Kampf ums Überleben fordert seine Opfer. Steven Spielberg, obwohl für grausame Szenen bisher nicht bekannt, findet dafür sehr gute, passende Bilder. Mit grandiosen Spezialeffekten und einem starken Gespür für Stimmung und Timing der Story kann War of the Worlds zunächst fast auf ganzer Linie überzeugen. Wenige schwächere Szenen und das doch sehr vorhersehbare Zusammenwachsen der Familie tun dem guten Gesamteindruck keinen Abbruch. Gerade als es am lautesten kracht und der Terror am größten ist nimmt Spielberg dann abrupt das Tempo raus. Es folgt eine ermüdende Viertelstunde Ausharren in einem Keller, bevor es noch einmal eine nicht sehr überzeugende Actionsequenz aufs Auge gibt. Danach klingt der Film (soweit mir bekannt ist in Übereinstimmung mit der Vorlage) nur mehr aus. Den finalen Kniff will ich hier deshalb auch nicht preisgeben, denn soweit ich weiß bin ich nicht der einzige Mensch, der mit dem Stoff bis jetzt nicht wirklich vertraut war. Die goldene Regel des Blockbusterkinos, wonach am Ende immer ein besonders lauter Knall stehen muss, ignoriert der Film schlicht und ergreifend. Damit tut er sich keinen Gefallen, zu gut hat die Geschichte begonnen, als dass man diese letzten gut 30 Minuten so einfach hinzunehmen gewillt ist.

So ist der Krieg der Welten, ähnlich wie schon A.I., ein Film, der im Wesentlichen aus verschiedenen, in sich geschlossenen Segmenten besteht, die durch eine vorherrschende Grundstimmung verbunden sind. Von denen ist jedoch zum Glück keine dermaßen bescheiden ausgefallen ist wie das berüchtigte, überlange Ende von A.I.. Nur wünscht man sich im Nachhinein die etwas schwächeren Szenen mehr Richtung Anfang. So hätte sich das Gefühl von packender und gelungener Unterhaltung um einiges länger gehalten. Insgesamt reicht es aber noch locker für das obere Drittel der großen Eventfilme, was den Stärken dieses Streifens ebenso geschuldet ist wie den Schwächen der Konkurrenz. Diese zweite Zusammenarbeit der Hollywood-Megastars Cruise und Spielberg erreicht nicht ganz das Niveau von Minority Report, von einer Enttäuschung zu sprechen wäre trotzdem übertrieben.

7/10