„The Dark Knight Rises“ – Erwartungen, Enttäuschungen, Ausblicke [SPOILERS]

The Dark Knight RisesDie Saga ist vorbei, und Batman ist nicht tot

Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis von „The Dark Knight Rises“. Christopher Nolan hat die Geschichte von Batman beendet, aber er hat Bruce Waynes Leben geschont. Ein eigentlich gelungenes Ende der Reihe, wie ich finde, doch die Sache hat einen kleinen Haken. Denn die Art und Weise, in der Nolan das inszeniert hat, ist in den finalen Szenen ziemlich gewöhnlich geraten. Batman fliegt mit einer Atombombe auf Meer hinaus, die letzte Einstellung vor der Explosion zeigt sein Fluggefährt „The Bat“, bevor es explodiert. Aber man sieht nicht, ob Batman noch drin gesessen hat. Der alte Witz…

Hat er natürlich nicht, und nachdem Butler Alfred an Bruce Waynes Grab bittere Tränen vergossen hat, taucht Wayne in bester Laune und an der Seite von Selina Kyle/Catwoman in einem Cafe in Florenz auf. Wayne lebt noch, doch seine Tage als Fledermausmann sind unweigerlich vorbei. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber der „überraschende“ Auftritt ganz am Ende ist aus unzähligen Filmen bekannt. Ich zumindest hatte tatsächlich gehofft, das Nolan einen anderen Ausweg finden würde als einen solch altbekannten. Ich hätte ihm zugetraut, dass Batman für Gotham City seine sterbliche Hülle hätte opfern müssen. Aber es gibt auch gute Gründe, die dagegen sprechen. Immerhin ist Batman ein Superheld, und im Vergleich mit den vielen Comic-Helden sicher nicht der schlechteste. Der kann doch nicht sterben, oder?

Von mir aus hätte er das tun können, aber er musste es nicht. Ein furioses Ende war es dennoch nicht ganz, aber im nicht-schulischen Sinne ausreichend war es allemal. Was ich von dieser und anderen Entwicklungen der Story halte, habe ich in der spoilerfreien Kritik nicht schreiben können – die sollen ja auch Leute lesen können, die den Film noch nicht gesehen haben. Deshalb hier mal nachgereicht meine Gedanken zum Film.

Bane und Miranda Tate

Fangen wir mal mit dem großem Kniff des Films an. Miranda Tate, so stellt sich bei Batmans finalem Kampf mit Bane heraus, ist Ra’s al Ghuls Tochter. Sie will dessen Tod rächen und sein Werk, die Zerstörung Gothams, vollenden. Keine schlechte Überraschung, wie ich finde, aber diese Wendung degradiert die Figur von Bane auf das Niveau eines monströsen Handlangers. Angesichts des großen Tamtams, das um diese Figur vor dem Film gemacht wurde ist das irgendwie enttäuschend. Es würde mich aber nicht wundern, wenn Nolan das genauso beabsichtigt hat. Denn der Hype um die Figur von Bane hat andere Spekulationen bezüglich der Storyline quasi im Keim erstickt.

Anders als der Joker (der das pure Chaos liebte) steht Bane nicht für ein Prinzip, er handelt aus Wut auf die Welt und aus Liebe zu Miranda. Keine schlechte Motivation, aber in Bezug auf Batman auch irgendwie recht unpersönlich. Ich finde trotzdem, dass Bane (bis zu dieser Offenbarung) als Bösewicht gut funktioniert. Tom Hardys Muskelberge in Verbindung mit der Maske und der verzerrten Stimme ergeben eine bedrohliche, physikalisch einschüchternde Figur. Seine Aufrufe an die Bürger Gothams, ihre Stadt zurück zu erobern sind durchaus als politischer Kommentar zu verstehen, auch wenn das ja ein falsches Spiel ist – die Bombe soll ja dann doch hochgehen.

Catwoman und Blake

Anne Hathaway und die von ihr gespielte Selina Kyle aka Catwoman sind positive Überraschungen des Films. „TDKR“ verzichtet darauf, ihre Backstory zu erzählen, sie findet über einen kleinen Umweg in Story und ist keinesfalls nur ein nett anzusehender Sidekick. Hathaway überzeugt dabei nicht nur im sexy Kostüm, sie gibt der Figur auch etwas Geheimnisvolles und sogar Linkisches. Bis zum Ende des Films habe ich mich gefragt, ob die Produzenten mit ihr Pläne für einen eigenen „Catwoman“-Film haben, aber nachdem sie am Ende mit Bruce Wayne zu sehen ist darf man diesen Gedanken wohl getrost verwerfen…

Die Figur des Cops John Blake (Joseph Gordon-Levitt), so habe ich gelesen, ist Lesern der Comics bekannt. Dass die Figur am Ende als neuer Robin vorgestellt wird habe ich mir aber auch als nicht-Leser sehr bald denken können. Für die Story ist die Figur gut, denn Blake stammt aus dem normalen Volk und sorgt zwischen all den lebenden Legenden und Superhelden für irdische Bodenhaftung. Gordon-Levitt spielt überzeugend unspektakulär, wobei mich die Frage, ob er seinen eigenen „Robin“-Film bekommen wird, trotz seiner guten Leistung irgendwie nicht umtreibt.

Bane, Batman und die Flucht aus dem Gefängnis

Die Sache mit dem finstersten Gefängnis der Welt und der einen Person (angeblich Bane, in Wahrheit Miranda), die daraus flüchten konnte gehört in meinen Augen zu den weniger gelungenen Aspekten des Films. Das Gefängnis passt schon optisch nicht so richtig gut ins Batman-Universum der Trilogie (okay, zu den Locations am Anfang des ersten Teils schon, aber die passten ihrerseits schon nur bedingt). Das größere Problem ist aber, dass zum einen die Genesung und „Auferstehung“ von Bruce Wayne zu sehr nach Schema F vor sich geht und zum anderen sofort klar ist, worin der Trick bei der Flucht besteht. Schon beim ersten gezeigten Versuch ist deutlich sichtbar, dass das Sicherheitsseil zu kurz ist, um den finalen Sprung an die Kante zu erlauben. Dass Wayne dies über den Hinweis eines Insassen lernt, er müsse „frei von Furcht sein“, ist ziemlicher Quatsch angesichts der drei oder vier Versuche, die er bis dahin unternommen hat.

Auffällig ist, dass die beiden Kämpfe zwischen Bane und Batman ganz simpel und ohne jegliche Gimmicks per Faustkampf stattfinden. Das passt zu Banes Physis, ein wenig rätselhaft ist es dennoch, dass Batman nicht auf die Idee kommt, ein paar mehr Tricks aus dem Hut (oder besser seinem Umhang) zu zaubern. Immerhin kann man es durchaus logisch erklären: beim ersten Kampf kennte er Banes Stärke nicht und unterschätzt ihn daher, beim zweiten Mal ist es eine Sache der Ehre ihm ohne Gerät und nur mit purer Willenskraft entgegen zu treten.

Action und  Inszenierung

Die ganz großen Actionszenen haben mir persönlich ein wenig gefehlt. Natürlich sind die vielen Explosionen sehenswert, und auch die beiden großen Verfolgungsjagden haben schon ihre Klasse. Aber so richtig vom Hocker reißen sie eben nicht. Da hatte etwa „The Avengers“  – wenn auch mit einem völlig anderen Stil und in 3D – mehr zu bieten. Die Explosion im Football-Stadion ist da sicher der Höhepunkt, aber hier war die Exposition und die Ausführung deutlich besser als der Rahmen, in dem sie stattfindet. Da fehlten mir Bilder, die die Wucht und den Schrecken dieser Bilder auf die Einwohner Gothams verdeutlichen. Nicht, dass der Film nicht insgesamt ziemlich bildgewaltig ist…

Nicht zu 100 Prozent überzeugt hat mich der Beginn des Films, da wurde einiges Potential verschenkt wie ich finde. Selina Kyles etwa spricht zu Bruce Wayne diese bemerkenswerten Worte: „There’s a storm coming, Mr. Wayne. You and your friends better batten down the hatches, because when it hits, you’re all gonna wonder how you ever thought you could live so large and leave so little for the rest of us.“ Aber der Zeitpunkt stimmt nicht, diese schönen Sätze stehen für etwa 20 weitere Minuten ziemlich leer im Raum, bevor sie sich bewahrheiten. Und wieso sagt sie ihm das überhaupt, wenn sie ihn anschließend Bane zum Fraß vorwirft? Da fehlt die innere Logik.

Ähnliches gilt für Waynes achtjähriges Exil im eigenen Hause. Man gesteht ihm ja sicher eine Trauerphase zu, aber acht Jahre!? Und nach acht Jahren reichen die kleinen Sticheleien von Blake und Catwoman aus, dass er selbiges Exil von heute auf morgen verlässt? Auch dass Alfred sich das Elend acht Jahre anschaut, statt Bruce die Wahrheit zu erzählen – dass Rachel sich gegen ihn und für Harvey Dent entscheiden hat – ist nicht wirklich nachvollziehbar. Oder die Szene, in der vermeintlich die Bombe entschärft wird, dann aber nur genau 11 Minuten Zeit gewonnen werden. 11 Minuten, weil der Film noch 15 Minuten gehen soll, oder woher kommt diese Zahl? Man weiss es nicht.

Ausblick

Insgesamt bin ich dennoch sehr zufrieden mit dem Film, und werde ihn mir im Herbst/Winter auch sicher noch einmal zuhause ansehen. Vielleicht entpuppen sich dann auch einige gefühlt unsaubere Übergänge als auf ihre Weise schlüssig. Auch ansonsten ist das hier zum größten Teil Gejammer auf hohem Niveau gewesen. „TDKR“ beendet eine großartige Filmreihe und die bisher beste Comic-Reihe überzeugend, aber nicht überragend. Angesichts der riesigen Erwartungen war letzteres vielleicht auch unmöglich.

Ich könnte wetten, dass es in fünf Jahren von vorne losgeht mit einer neuen „Batman“-Reihe. Und ich bin gespannt, welche Richtung das Studio und der Regisseur dann einschlagen werden. Viel düsterer als Nolans Filme kann es kaum werden, ohne dass man das Massenpublikum vergrault. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass es in absehbarer Zeit einen neuen Joker geben wird, aber an Bösewichter und Sidekicks mangelt es ja ohnehin nicht. Schöne wäre es in jedem Fall, wenn man sich ein Beispiel an Nolans Ansatz nimmt und einen ganz klaren Plan hat, wann und wie die Geschichte enden soll. Und nicht in alte Muster verfällt, jeden Film einen neuen Batman-Darsteller präsentiert und irgendwelchen Superstars Millionen hinterschmeisst, damit sie uns als Riddler oder Mr. Freeze auf den Geist gehen. Aber das ist unwahrscheinlich. Meinetwegen könnte auch für 50 Jahre Schluss mit Batman sein, aber angesichts des gewaltigen Box-Office-Potentials darf diese Option wohl ausgeschlossen werden.

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PS: Zur „Vorbereitung“ auf diesen Film habe ich mir die beiden vorigen noch einmal angesehen. Und ich finde immer noch, dass die letzten 30 Minuten (VOR dem Ende) von „The Dark Knight“ zu den schwächsten Szenen der Reihe gehören. Das Ende des Jokers, die Sache mit der Fähre (die einfach abgeschenkt wird) und das viel zu schnelle Verheizen des Bösewichts Two-Face verhindern den perfekten Comic-Film.

 

5 Kommentare

  • Pingback: Filmkritik: The Dark Knight Rises [keine Spoiler] | Edzards Filmriss

  • Csonty

    Da ich den Film nun selber gesehen habe, darf ich dich – obwohl ich in vielen deiner Ansichten übereinstimme – in folgenden Dingen korrigieren:
    Die Lazarus Grube (so der Name des Gefängnisses) schlägt sehr viele Brücken zum ersten Teil, aber was Du anscheinend falsch verstanden hast, ist, dass um zu entkommen man nicht „frei vor Furcht sein muss“, sondern im GEGENTEIL Angst haben muss. Angst vorm Sterben, Mut zum Leben…was Bruce Wayne ja fehlte, da er keine Angst vor dem Tod hatte. Erst durch seinen Willen zu Leben und die Angst vor dem Tod, welche ihm sozusagwen den letzen KICK gibt, konnte er entkommen.
    Deshalb macht das Ende auch im Nachhinein Sinn: der neugewonnene Wille zu Leben lässt ihn ein neues Leben beginnen.
    Und die Bombe wurde von Gordon nicht entschärft, sondern lediglich der Sender des Auslösers blockiert, so daß die 11 Minuten lediglich die verbleibende Zeit bis zur Explosion waren.
    Das unspektakuläre Ende der Bösewichte is absolut gewollt, den in den Filmen ging es nicht um den Bösewicht sondern immer um Batman und seine Entwicklung (auch wenn der Joker der absolute Szene-Stealer war).

    Was deinen Ausblick angeht, ein Catwoman Spinn-Off schwebt laut Gerüchten in der Luft (ein Robin/Nightwing eher nicht). Und mit deinen Befürchtungen um einen REBOOT (cineastisches Unwort des Jahrhunderts) sind durchaus gerechtfertigt, da bereits über ein Jahr vor TDKR solche Tendenzen an die Oberfläche kamen…

    Bleibt zu sagen, dass TDKR durchaus einen guten Abschluss der Trilogie bietet.
    TDK bleibt aber mein Favorit der drei Filme: in sich runder und mit einem überragenden Joker – möge er in frieden ruh’n

  • edzehard

    Moin!
    Die Sache mit dem Seil ergibt aber dann keinen Sinn. Das Seil symbolisiert das Überleben im Falle des Scheiterns, also die Furcht vor dem Tod. Ohne Seil könnte es sofort vorbei sein. Ich finde, der Film verschluckt sich da an seinen eigenen Metaphern. Und die Sache mit dem Seil ist filmisch einfach schlecht gelöst und ein – UNWORT! – anticlimax.

    Um Batman ging es (leider) die ganze Trilogie nicht, sondern immer nur um Bruce Wayne und seine Leiden mit seinem alter ego. Erst mit dem „anyone could be Batman“ am Ende schlägt der diese Richtung ein – was, wenn jemand anders einen auf Fledermausmann macht? Da sehe ich Potential. Bruce Wayne als Hülle, Batman als zentrale Figur.

    PS: Nimmmal einfach immer dieselbe Mailadresse, wenn Du kommentierst, worüber ich mich sehr freue. Jeden Kommentar einer neuen Mailadresse muss ich manuell freischalten, und sie wird eh nur mir angezeigt!

    Peace,
    E

  • Csonty

    Ich glaube da mutest Du dem Film zu viel Metaphern zu. Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre…und ein Seil nur ein Seil. Das Seil sichert das Überleben…man riskiert nichts…man hat also auch keine Furcht vor dem Tod, da man ja nicht sterben kann…es ist in dem Sinne mehr eine Fessel. Erst ohne Seil riskiert man was, ist man sich der Todesgefahr bewusst, und gibt wirklich ALLES beim Sprung.

    Sorry, wusste nicht mehr welche email ich sonst angegeben hatte…

    CYA
    C.

  • edzehard

    So kann man das auch sehen. Zuviel interpretieren kann man in der Tat. Nolan selber sagte im Interview, er suche sich interessante Themen und Motive und daddelt dann damit rum. Sowas wie ein Sittengemälde oder eine politische Aussage hat er also nur bedingt im Sinn.

    Zum Seil: Symbol hin oder her, es ist zu kurz für den Sprung. Kann man auf DVD im Winter sicher in Zeitlupe besser sehen…

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