Filmkritik: Moneyball

MoneyballUm es gleich vorweg zu sagen: wer mit Mannschaftssport im weiteren Sinne nichts am Hut hat, der kann sich „Moneyball“ getrost sparen. Der Film kreist nur um ein Thema, und das ist Baseball – hierzulande nicht gerade ein Volkssport. Er erzählt based on a true story die Geschichte eines Team-Managers, der mithilfe eines unbekannten Statistik-Genies den Sport für immer verändern will. Als charismatischer Chef der Oakland Athletics ist Brad Pitt zu sehen, Philip Seymour Hoffman spielt den Trainer (mit eindrucksvoller Killer-Plautze) und Jonah Hill den Yale-Absolventen, dessen Theorien und Formeln das Spiel revolutionieren.

Billy Beane (Pitt) hat mit seinem Team gerade eine erfolgreiche Saison hinter sich. Doch seine drei besten Spieler sind nun Free Agents geworden – und suchen sich neue Arbeitgeber, bei denen mehr Geld zu verdienen ist als bei den chronisch klammen „Athletics“. Mit dem bescheidenen Budget neue Spieler von ähnlicher Qualität zu holen ist eine Illusion, was Beane mächtig frustriert. Bei Verhandlungen über einen Spieler-Tausch mit den Cleveland Indians lernt er den jungen Spiel-Analytiker Peter Brand (Jonah Hill) kennen und verpflichtet ihn als Assistenten– der Beginn einer aufregenden Saison.

„Moneyball“ wurde von Regisseur Bennett Miller („Capote“) zurückhaltend inszeniert, nicht die Spiele selbst stehen im Vordergrund (auch wenn es durchaus einige Baseball-Szenen zu sehen gibt), sondern die Macher im Hintergrund. Der Film wirft einen recht gnadenlosen – aber nicht bösartigen – Blick auf das Geschäft hinter den Kulissen, auf Spieler, die wie Vieh hin und her verkauft und getauscht werden. Beane selbst ist da keine Ausnahme, er hat nur einen anderen Plan als seine Kollegen. Ein paar Szenen, die ihn mit seiner Tochter und Ex-Frau zeigen sind eindeutig dazu gedacht, der Figur ein ’normales‘, menschliches Antlitz zu geben – von großem Belang sind sie letztlich aber nicht.

Wie eingangs bereits erwähnt: ohne Interesse und am besten Begeisterung für Mannschaftssport im Allgemeinen funktioniert der Film nicht. Da kann man sich genau so gut eine Live-Übertragung eines Spiels angucken. Für Sportfreunde sieht das schon ganz anders aus, denn erstens ist die Geschichte von „Moneyball“ historisch interessant, zweitens gelingt es dem Film hervorragend die Emotionen, die im Spiel sind, einzufangen. Als erklärter Nicht-Fachmann im Bereich Baseball kann ich anmerken, dass man die Regeln des Spiels nur ungefähr kennen muss, um zu verstehen, worin die Sensation besteht, die Brandt aus seinen Daten herausliest.

Bei der Besetzung hat „Moneyball“ ebenfalls alles richtig gemacht. Pitts jungenhafter Charme passt wunderbar zum ambitionierten Team-Manager, Jonah Hill – sonst eher im Komödienfach zuhause – überzeugt als stilles, schüchternes Genie in einer etwas fremden Welt von Alpha-Tieren. Philip Seymour Hoffman spielt den wortkargen Trainer der Mannschaft (der von Beanes Plan alles andere als überzeugt ist) mit stoischer Ruhe und dabei am Rande einer Parodie. Der Film erfindet in keiner Weise das Rad neu, aber er findet einen weitgehend unprätentiösen Weg, seine Geschichte zu erzählen. Wer sich für diese interessiert, der wird nicht enttäuscht.

4/5

 

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