Filmkritik: Drive

DriveDer Däne Nicolas Winding Refn ist durch die Filme „Bronson“ und „Valhalla Rising“ bekannt geworden, die ich jedoch beide nicht gesehen habe. Wenn sie allerdings an die Virtuosität von Refns neuem Film „Drive“ herankommen, dann hole ich das sicher noch nach. Ryan Gosling spielt hier einen wortkargen Stunt-Fahrer und Kfz-Mechaniker, der seine Fahrkünste gegen entsprechendes Kleingeld auch Gaunern zur Verfügung stellt. Parallel will Werkstattbesitzer Shannon (Bryan Cranston) ihn als Fahrer in einem Stockcar-Team einsetzen. Doch dafür muss er sich erstmal von seinem zwielichtigen Partner Bernie (Albert Brooks) eine Stange Geld leihen…

„Drive“ beginnt langsam und atmosphärisch mit der namenlosen Hauptfigur hinter dem Steuer eines Fluchtwagens. Nur punktuell nehmen diese (trotzdem sehr spannenden) ersten Szenen mal richtig Fahrt auf, was insgesamt für die knappe erste Stunde des Films gilt. Wir sehen den ‚Driver‘ wie er stoisch und ein bißchen schüchtern seinen Jobs nachgeht, wie er seine neue, hübsche Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und ihren kleinen Sohn kennenlernt und mit den beiden einen kleine Ausflug macht.

Die sich andeutende zarte Romanze zwischen den beiden, von Gosling und Mulligan ganz wunderbar zurückhaltend, nur in Andeutungen und Blicken gespielt, bekommt jedoch bald einen Dämpfer. Irenes Ehemann (Oscar Isaac) wird recht plötzlich aus dem Gefängnis entlassen, und seine Ex-Gauner-Kollegen wollen eine alte „Schuld“ bei ihm eintreiben. Wohin das weitere Geschehen genau führt will ich hier mal offen lassen, wer den Trailer kennt weiss, dass sich die Situation recht dramatisch und actionreich zuspitzen wird.

Nachdem „Drive“ die Exposition der Story gemächlich und stimmungsvoll erzählt hat drückt er schließlich ganz mächtig auf das Gaspedal. Dass er dabei nicht den Faden verliert oder in zwei ungleiche Teile zerbricht ist die große Leistung von Drehbuch und Regie. Denn auch wenn der Film endgültig vom leisen Drama zum rasanten Thriller mit vielen explosiven Momenten geworden ist bleibt sich die Inszenierung mit dem Sinn für wenig Worte, großartigem Soundtrack und äußerst stylischen Bildern treu. Auch die Charaktere bleiben interessant und werden nicht zu Marionetten der Story – auch wenn hier die ein oder andere (glaubwürdige) Überraschung lauert…

Kühl, zurückhaltend, dabei aber sehr intensiv – ein wenig habe ich bei dem Film an Michael Manns „Collateral“ denken müssen, auch an Soderberghs „The Limey“, an „Bullitt“ (schon wegen der Autos) und „Le Samurai“ erinnert der Film hin und wieder. Trotzdem ist er ein originelles und eigenständiges Werk. Besonders der Ton des Films, aber auch die exzellenten Darsteller und das schlüssige, elegante Drehbuch heben „Drive“ aus der Masse der vielen kleinen Action- und Gangstergeschichten heraus.

Durch die ziemlich euphorischen Reaktionen aus Cannes im Frühjahr habe ich schon recht hohe Erwartungen gehabt, die der Film tatsächlich noch übertroffen hat. Für Menschen, die Gewalt im Kino nicht so gerne sehen, ist „Drive“ definitiv nicht geeignet. Für alle anderen gibt es einen visuell umwerfenden und packenden kleinen Thriller zu sehen, dem man nur zu gerne all die Zeit gibt, die er sich nimmt. Und das sind leider nur etwa 100 Minuten…

5/5

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