Filmkritik: Our Idiot Brother

Our Idiot BrotherPaul Rudd ist hierzulande kein sonderlich bekannter Schauspieler. In Filmen wie „The 40 Year Old Virgin“ spielte er Nebenrollen, im gar nicht so verkehrten (und von ihm selbst geschriebenen) „Role Models“ auch mal eine Hauptrolle. In „Our Idiot Brother“, einer charmanten Independent-Komödie um einen unverbesserlichen Gutmenschen, ist er nun in seiner bisher besten Rolle zu tun – als Idiot.

Böse ist das Wort hier allerdings nicht gemeint, eher wie bei Dostojewskis „Der Idiot“; auch da ist es ein Mann mit reinem Herzen und Gewissen, der seine Umwelt genau damit verrückt macht. Rudd spielt Ned, einen Hippie und Hänger, etwa Anfang/Mitte 30, mit Dude-Frisur, der auf einer Farm im Bundesstaat New York lebt. Ned sieht immer nur das Gute in den Menschen – auch wenn das gar nicht da ist. So etwa im Falle des netten Streifenpolizisten, der Ned mit dem Hinweis, er habe eine harte Woche hinter sich und wolle relaxen, dazu bringt ihm selbst angebauten Pot zu verkaufen. Also landet Ned im Bau.

Kaum ist er wieder draußen hat seine Freundin keinen Platz mehr für ihn. Nicht in ihrem Leben und auch nicht auf ihrer Farm. So muss der Gute zurück zu seiner Mutter nach New York City ziehen, wo auch seine drei Schwestern leben. Die haben allesamt mit ihren Beziehungen, Kindern und/oder Jobs genug zu tun, nehmen ihren Bruder aber letztlich natürlich auf.

[Vorsicht: kleinere Spoilers]

Für seine älteste Schwester Liz (Emily Mortimer) spielt er den Babysitter, und assistiert zudem deren Mann Dylan (Steve Coogan) bei seinem Dokumentarfilm über eine junge russische Ballerina. Für Miranda (ELizabeth Banks), eine Journalistin, springt er bei einem wichtigen Termin als Fahrer ein. Mit Nesthäkchen Natalie (Zooey Deschanel) und deren Lebenspartnerin versteht er sich am besten. Doch mit seiner „unkomplizierten“ und gutgläubigen Art schafft er es spielend, im Leben seiner Geschwister für Unheil zu sorgen. Wobei die Probleme der drei Frauen natürlich nicht – oder nur sehr bedingt – Neds Schuld sind. Sie kommen nur durch ihn ans Tageslicht.

Dass „Our Idiot Brother“ so gut funktioniert liegt am sehr guten Drehbuch, das es mit viel Gespür für die Charaktere vermeidet, aus dem Film einen Versuchsaufbau zu machen. Zum anderen sind es die hervorragend besetzten Schauspieler, die der Story die nötige Glaubwürdigkeit geben. Beschwingt und munter, mal extrem komisch, mal mit gebührendem Ernst entfaltet sich das Geschehen. Langeweile kommt dabei nie auf, auch wenn relativ bald klar ist, worauf die Geschichte hinauslaufen wird.

Wie schon erwähnt gebührt Paul Rudd ein Sonderlob. Er spielt Ned als eine – in der Realität verankerte – Mischung aus dem schon erwähnten Dude aus „The Big Lebowski“ und der von Jason Lee gespielten Titelfigur von „My Name is Earl“. Trotz dieser Anleihen ist Ned ein origineller und eigenständiger Charakter. Man muss ihn einfach mögen, wenn er seinem Bewährungshelfer aufrichtig dankt, seinen Hund zurückgewinnen will oder mit seinem Neffen auf dem Trampolin herumhüpft. „Our Idiot Brother“ erzählt seine Geschichte mit viel Witz und Herz – und mit dem richtigen Gespür, wann sie zu ende sein muss.

4/5

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