Salt

Ein Duell mit Sly Stallones Testosteron-Kracher „The Expendables“ hat der deutsche Verleih „Salt“ dann doch nicht zugemutet, der Film läuft eine Woche eher an und ist also bereits im Kino zu sehen. Irgendwie fast schade, es hätte mich interessiert, wer den Kampf um die Gunst des Publikums gewonnen hätte. Die Prämisse des Films ist sicher den meisten von den Trailern her bekannt. Ein ominöser Russe schaut beim CIA vorbei und erzählt dort seelenruhig, dass eine Doppelagentin namens Evelyn Salt ein Attentat auf den russischen Präsidenten plant.

Er erzählt das nicht etwa irgendwem, sondern einer CIA-Agentin namens Evelyn Salt (Jolie), die erst einigermaßen überrascht ist – und dann spektakulär die Flucht ergreift. Ihre Kollegen sind ihr bald auf der Spur. Unter ihnen ist Ted Winter (Liev Schreiber), ihr Vorgesetzter, der an ihre Unschuld glaubt. Weniger wohl gesonnen ist der für Gegenspionage zuständige Agent Peabody (Chiwetel Ejiofor), der sie im Zweifel auch erstmal erschießen würde, bevor Schlimmeres passieren könnte…

Nach wenigen Minuten entwickelt sich „Salt“ zu einer atemlosen Hetzjagd, in der die Heldin durch allerlei wagemutige Tricks ihren Jägern entkommt und immer einen Schritt voraus scheint. Bis zum Ende gibt Regisseur Phillip Noyce („Die Stunde der Patrioten“) Vollgas, es kracht, scheppert und ballert ohne Ende. Die Story ist ganz auf die Hauptdarstellerin zugeschnitten, Angelina Jolie füllt ihren Part dabei überzeugend aus. „Überzeugend“ in dem Sinne, dass sie als weiblicher James Bond (oder auch Jason Bourne) stets zuletzt lacht – und man es ihr das abnimmt. Das sich fast etwas altmodisch entwickelnde Szenario ist nur bedingt glaubwürdig. Stören tut das aber nicht, denn Film und Story wissen um ihre Stärken und Schwächen – letztere werden meist gekonnt überspielt, nur stellenweise ist die Grenze zum Trash in Sichtweite.

Fans von Agentenfilmen (und/oder Angelina Jolie) kommen definitiv auf ihre Kosten, wenn auch wenig bis keine neuen Ideen zum Zuge kommen. Bei der Inszenierung gibt es nichts zu bemängeln (Höhepunkt ist die Beerdigung des US-Vizepräsidenten), die Story macht Spaß und ist gut durchdacht. Nicht jede Szene ist in sich gelungen, insgesamt betrachtet hat mir die erste Hälfte von „Salt“ mehr Spaß gemacht als die zweite. Die Mischung aus pixelfreier Action, Spannung (bezüglich der Frage was genau Salt/Jolie denn im Schilde führt) und solide geschriebenen und gespielten Figuren stimmt – es reicht für einen Platz im oberen Mittelfeld der jüngsten Hollywood-Großproduktionen.

4/5

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