Saw 2

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich fand schon den ersten Teil dieser Serienkiller-Reihe verdammt lau. Sicher gab es ein paar gruselige Schockeffekte, aber eine Vorliebe für Horrorfilme habe ich bekanntlich nie gehabt, und die Story (nicht die Idee) fällt bei genauerem Hinsehen auch auseinander. Das haben viele Leute anders gesehen, weshalb nun also Teil 2 im Kino anläuft. Aus dem ersten Film sind nur noch der Killer Jigsaw und das überlebende Opfer Kerry dabei, die Story ist jedoch dem Vorgänger sehr ähnlich.


Der krank vor sich hin siechende Jigsaw (Tobin Bell) hat ein halbes Dutzend junger Menschen in einen Raum gesperrt, unter ihnen der Sohn von Polizist Matthews (Donnie Wahlberg). Nun will er in bester B-Movie-Tradition „ein Spiel spielen“. Das Verließ der Opfer wird langsam mit Nervengas gefüllt, weshalb die Zeit drängt. Es gibt eine Möglichkeit, lebend zu entkommen, allerdings involviert das einige jener ekligen und schaurigen Prüfungen, die sich der Meister so gerne ausdenkt. Parallel zu den verzweifelten Versuchen der eingesperrten Versuchskaninchen lädt Jigsaw Matthews zum Gespräch, der vor Sorge um seinen Sohn kurz vor dem Ausrasten ist.
Wer an „Saw“ seinen Spaß hatte, dem wird wahrscheinlich auch dieser zweite Teil gefallen. Er ist ähnlich brutal, setzt recht gekonnt auf Schockeffekte und geht schnell vorbei. Mir selbst hat das ganze nicht so recht Spaß gemacht, aber das war auch nicht unbedingt zu erwarten. Die Handlung mag kompletter Blödsinn sein, die Charaktere austauschbar und die Dialoge platt und hohl, aber die Produzenten wollten mit „Saw 2“ auch keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern das gewonnene Publikum bei der Stange halten. Somit kann man den Film durchaus als Erfolg werten. Ich selber habe endgültig genug gesehen. Wenn bald der geplante dritte Teil anläuft spiele ich meine „Aus dem Gefängnis frei“-Karte und mache lieber einen ausgiebigen Spaziergang. 4/10

Syriana

Wer sich häufiger mal auf dieser Website umguckt, dem wird nicht entgangen sein, dass sich in letzter Zeit sehr viele politische Filme in den Kinos tummeln. „Der Ewige Gärtner“ machte den Anfang, gefolgt von „München“ und „Lord of War„. Weiter geht es nun mit „Syriana“, der sich dem internationalen Ölgeschäft ebenso widmet wie den politischen Realitäten dahinter. Und so kommt es auch, dass Stephen Gaghans Werk sehr kompliziert geworden ist. Zum Glück ist er aber auch richtig gut, weshalb man sich davon nicht abschrecken lassen sollte.


Die Handlung umfasst im Wesentlichen vier Erzählstränge. CIA-Mann Bob Barnes (George Clooney) ist undercover im Nahen Osten unterwegs, wobei er gelegentlich über das Ziel hinaus schießt und sich mit seinen Vorgesetzten überwirft. Bryan Woodman (Matt Damon) dient einem arabischen Prinzen als ökonomischer Berater. Seine guten Ratschläge allein, so viel ist bald klar, werden dem (namentlich nicht genannten) Emirat aber wohl keine rosige Zukunft bescheren können. Zwei junge Moslems, die ihren Job als Hilfsarbeiter in der Ölindustrie verloren haben, kommen mangels Alternativen in einer Koranschule unter. Die undurchsichtigste Story kreist um den Anwalt Bennet Holiday, der eine große Firmenfusion untersucht und sich dabei zwischen den politischen Fronten bewegt.
Das gelungene Drehbuch stammt vom Regisseur Gagham selbst, der auch die Vorlage für Soderberghs „Traffic“ schrieb. Ähnlichkeiten gibt es aber nicht nur bei der schwierigen Thematik, Gaghams Inszenierung gleicht in der ruhigen, intensiven Art durchaus Soderberghs Drogendrama. Ohne eine richtige Hauptrolle gibt der Film doch allen Figuren genug Raum, wenngleich die Vielzahl an grauhaarigen Machtpersonen in Washington nicht so leicht zu überblicken ist. Um vollständig zu kapieren, wie sehr die verschiedenen Episoden miteinander verflochten sind und sich gegenseitig beeinflussen muss man sich den Film mehr als einmal ansehen. Das mag nicht jedem gefallen, spricht aber für die Ernsthaftigkeit, mit der sich „Syriana“ seinem Thema nähert.

Es ist auch keinesfalls so, dass nicht auch ein hoher Unterhaltungswert zu messen wäre. Das hervorragende Schauspieler-Ensemble (neben Damon und Clooney sind u. a. Amanda Peet, Christopher Plumer und Chris Cooper dabei) sorgt für hohe Glaubwürdigkeit. Über die gesamte Laufzeit ist der Film nicht nur interessant, sondern auch überaus spannend, nicht ganz unwichtig für einen Politthriller. Und bei aller Komplexität der Inhalte kommt niemals das Gefühl auf, von oberschlauen Drehbuch-Nerds angeschmiert zu werden. All diese Pluspunkte sorgen dafür, dass „Syriana“ Vergleiche mit Spielbergs gelungenem „München“ oder auch „Lord of War“ nicht zu scheuen braucht. Im Gegenteil, nach dem „ersten Durchgang“ hat er sogar knapp die Nase vorn.

9/10 Der Link zum Film:
Glaubt es mir oder auch nicht, der Regisseur dieses ausgezeicheneten Films ist tatsächlich mitverantwortlich für einen der schlechtesten Filme der letzten 20 Jahre. Die Antwort gibt?s hier.

Oscar-Tippspiel

Wie vor einigen Wochen angekündigt hier gibt es hier nun meine persönliche Liste der Oscar-Vorraussagen. Sie basiert nicht nur auf meinem immensen Sachverstand, sondern in mindestens gleichem Maße auf Listen anderer Filmkritiker, deren Sachverstand meinen im ungünstigsten Fall vielleicht sogar übersteigt.Aber genug der bösen Gerüchte: Wie gleich in der Rubrik „Best Motion Picture“ zu sehen, geht es hier um die wahrscheinlichsten Gewinner, und nicht um persönliche Favoriten. Dazu müsste man ja auch erstmal alle Filme gesehen haben, was auf mich nicht zutrifft. Immerhin, bis Sonntag werde ich vier der fünf „Best Picture“-Nominierungen gesehen haben. Da pell ich mir dann sofort ein Ei drauf, versprochen. Wer in dem Spiel eine Chance haben will sollte zweierlei tun.
1. Das Netz nach Listen mit Favoriten abgrasen
2. Dafür sorgen, dass die Übereinstimmungen mit den unten genannten Tipps nicht zu groß ist (sonst kann man schwerlich mehr Treffer landen als icke), gleichzeitig vermeintlich sichere Kandidaten (dieses Jahr z. B. Bester Hauptdarsteller) unbedingt mitnehmen

Da dieser Prestige-trächtige Wettbewerb zum ersten Mal stattfindet, bin ich jetzt mit meinem Latein auch schon wieder am Ende. Eure Tipps bitte an edzardo@web.de senden, wer möchte bekommt eine Liste zugesandt. Viel Erfolg!

Best Motion Picture of the Year
„Crash“

Best Director
Ang Lee, „Brokeback Mountain“

Best Actor in a Leading Role
Philip Seymour Hoffman in „Capote“

Best Actress in a Leading Role
Reese Witherspoon in „Walk the Line“

Best Actor in a Supporting Role
George Clooney in „Syriana“

Best Actress in a Supporting Role
Rachel Weisz in „The Constant Gardener“

Best Adapted Screenplay
„Brokeback Mountain“

Best Original Screenplay
„Crash“

Best Animated Feature
„Tim Burton?s Corpse Bride“ Tim Burton and Mike Johnson

Best Art Direction
„Harry Potter and the Goblet of Fire“

Best Cinematography
„Good Night, and Good Luck.“

Best Visual Effects
„King Kong“

Best Costume Design
„Pride & Prejudice“

Best Documentary Feature
„March of the Penguins“

Best Editing
„Crash“

Best Foreign Language Film
„Tsotsi“ (South Africa)

Best Make-Up
„The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe“

Music Score Written For A Motion Picture
„Brokeback Mountain“

Music Song Written For A Motion Picture
„Travelin‘ Thru“ from „Transamerica“

Best Sound Editing
„King Kong“

Best Sound Mixing
„The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe“

Die 10 grottigsten Fortsetzungen


Speed 2 – Cruise Control

Der Überraschungserfolg von „Speed“ machte eine Fortsetzung wohl unausweichlich, obwohl Keanu Reeves (völlig zurecht) absagte. Aber Sandra Bullock war immerhin just zum Star mutiert, weshalb als Reeve-Ersatz Jason Patric verpflichtet wurde. Wieder muss ein Gefährt mit mächtig Dampf irgendwo lang rasen, wobei sich die Produzenten doch tatsächlich für ein Kreuzfahrtschiff. entschieden. Trashig und hirnrissig, versehen mit einer Terrorstory zum abgewöhnen (Oder wars Lösegeld? Beides?) erreicht dieser erbärmliche Streifen sein lahmes Finale in einer Folge von abgrundtief schlechten Einstellungen, die das Schiff beim Auflaufen auf eine geruhsame Ferienküste zeigen. GAAANZ langsam bohrt sich dann das Schiffsmodell in das kleine Strandmodell. Der ganze Film ist schlichtweg eine niveaulose Frechheit.

Die Mumie 2
Es gibt einen sehr berechtigten Einwand gegen die Aufnahme des Films in diese Liste: schon „Die Mumie“ ist letztlich scheel. Aber als Einzelfall, als fehlgeschlagenes „Indiana Jones“-Surrogat kann man den Film ja einsehen. Einzig fortgesetzt hätte er wirklich nicht werden dürfen. Nicht nur, dass die Story scheisse ist, der Film ist auch noch zu lang und mit billig wirkenden Special-Effects ausgestattet. Alles in allem schlicht nicht auszuhalten. Immerhin sind seit dem Start des Films einige Jahre ohne eine weitere Fortsetzung vergangen…vielleicht bleibt das wirklich so!

Mission:Impossible 2

Die Kombination des Schreckens liefern hier Script und Regisseur. Denn was die Drehbuchautoren offenbar von Anfang an verbockt haben (alter Schwede, ist die Handlung VERKORKST!!), reitet John Woo, der „Slow-Motion-Weltmeister auf Lebenszeit“, noch tiefer in die Scheisse. In protzigen, unglaublich künstlichen und sterilen Bildern präsentiert er den selbstgefälligen No-Brainer, und nicht mal die Action ist wirklich überzeugend. Gegenüber diesem Schrott war De Palmas Erstling der Reihe überaus anständiges Hollywoodkino. „M:I2“ geht also echt gar nicht – „Glotzen:Impossible“! Nichtsdestotrotz werde ich dem dritten Teil eine Chance geben. Kann ja nur besser werden.

Matrix 2&3

Schon klar, so schlimm wie etwa „Speed 2“ sind „Reloaded“ und „Revolutions“ nicht. Aber „Speed“ war ja auch ?nur? ein kurzweiliger Actionfilm, wohingegen „Matrix“ doch sehr viel mehr zu bieten hatte und folglich weitaus höhere Erwartungen geweckt hat. Leider, und da kann man noch soviel entgegenhalten, sind beide Filme letztlich verhunzt. Die düstere Atmosphäre des ersten Teils ist entweder beinahe weg (Reloaded) oder zum „Star Wars“-artigen Sci-Fi-Kitsch verkommen (Revolutions). Fernab von irgendwelchen Wirklichkeitstheorien, auf denen das alles nun fußen mag oder auch nicht, hangelt man sich über Drahtseilkämpfe und Dialogkadaver übelster Sorte zu allerlei Endkämpfen – bis einem das Schicksal der Menschheit (real oder auch nicht) am Allerwertesten vorbei geht. Wie war das noch gleich mit „Cause and Effect“? Boooooriiing!!!!!!!!

Hannibal

Es mag ja meintwegen ein wenig nach Arbeitsverweigerung klingen wenn ich „Hannibal“ hier präsentiere und gleichzeitig eingestehe, dass ich die Buchvorlage gar nicht gelesen habe. Aber hey, hier geht’s um Filme, und wenn Autor Thomas Harris keine anständige Vorlage für eine Fortsetzung vom „Schweigen der Lämmer“ liefern konnte, und auch zweihundert Drehbuchprofis und ein handwerklich großartiger Regisseur daran scheitern, dann fängt man a) nochmal von vorne an, oder b) schenkt sich das Ganze. Nun, die Kohle lag aber nunmal auf der Strasse, und Dino DeLaurentiis sammelt sie mit dem jämmerlichen Streifen auf, der „Hannibal“ dann letztlich geworden ist. Einzig Anthony Hopkins zeigt in einigen Szenen, warum er durch seine Rolle unsterblich geworden ist. Trauriger Höhepunkt des Films ist der breiige Bösewicht mit seinen verhorsteten Schweinen. Mein lieber Scholli! Scholli, mein Lieber!

Batman 3 & 4
Ohne ein großer Fan zu sein kann ich sagen, dass ich Tim Burtons „Batman“ und „Batman Returns“ für stilistisch einwandfreies Popcornkino halte. Ganz anders die unter der Regie von Joel Schumacher entstandenen Fortsetzungen „Batman und Robin“ und „Batman Forever“. Mit wechselnden Hauptdarstellern und einer immens teuren Riege an Bösewichtern (Schwarzenegger, Tommy Lee Jones, Uma Thurman, Jim Carrey) versehen sind beide Filme komplette Desaster. Die düstere Stimmung ist weg, stattdessen gibts knallbunte Hirnlos-Action und lieblos zusammengeschusterte Stories. Es mag ein wenig lächerlich klingen, einem „Batman“-Streifen Ausverkauf vorzuwerfen, aber hier ist einfach eine Grenze erreicht. Nur noch das Franchise ist wichtig, die Kohle bestimmt alles, mit ordentlich Werbung wirds schon ein Hit – nach dem Motto hat Warner Brs. zwei grottige, langweilige Actionstreifen geschaffen, die uns heute noch im Fernsehen auf den Zünder gehen. Shame on you, Mr. Wayne!

Rocky 4
Nicht dass der erste „Rocky“ großes Kino gewesen wäre, aber allein wegen Stallones erschöpfter ‚Adriaaaaan‘-Rufe am Ende muss man ihn doch lieb haben, oder? Nun, die ersten beiden Fortsetzungen sind schon eher überflüssig, aber noch weit von dem Geschmacksverbrechen „Rocky 4“ entfernt. Hier gibt es den Kalten Krieg im Kino, mit leichter ideologischer Einfärbung zugunsten der Amerikaner. Nachdem Kollege Apollo Creed den Kampf mit Sowjet-Kampfmaschine Ivan Drago nicht überlebt, schwört Balboa Rache und tritt seinem Kontrahenten auf feindlichem Territorium, will sagen Moskau, entgegen. Dabei gewinnt unser Tiger dann sogar die Herzen des russischen Publikums. Das ganze ist so abgrundtief schlecht, es ist fast schon wieder gut. Aber eben nur fast. Yuck!

Rambo 2 & 3

Die Nennung dieser beiden cineastischen Missetaten ist keineswegs der blanke Hohn, denn ich zähle „First Blood“ aka „Rambo 1“ tatsächlich zu den besseren Filmen der 80er. Sicher ist er ideologisch bestenfalls tolerierbar, aber als Actionfilm funktioniert er bestens. Mit „Rambo 2“ ist das dann aber sofort vorbei – nun rückt die geschichtsverdrehende Heldenverehrung und der ganze widerliche Patriotismus-Mist in den Vordergrund, worunter vor allem die Spannung leidet. John Rambo wird dabei vom freidrehenden Außenseiter zur lächerlichen Rächerfigur, die Handlung in Vietnam (bzw. Afghanistan) ist gar so bescheuert, dass ich nicht drüber sprechen will. Höhepunkte sind der herzzereissend erbärmliche Schluss von Teil 2 sowie der berühmte Aphorismus über blaues Licht aus dem dritten und hoffentlich letzten Teil.

Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich
Nach dem gelungenen Erstling mit Ben Stiller und Robert De Niro hat man für die Fortsetzung noch Barbra Streisand und Dustin Hoffman ins Boot geholt, was sich ja gar nicht schlecht anhört. Fakt ist aber, dass der Film einfach nicht komisch ist. Auf dem Niveau von „American Pie 2?“ werden hier ein paar dämliche Witzchen mit Kalauern und Slapstick verrührt, das Ergebnis ist in etwa so erbauend wie die Tatsache, dass Bayern dieses Jahr schon wieder Meister wird. In der Liste hier hat er sich gegen „Reine Nervensache 2“ durchgesetzt, der zwar auch nichts taugt, aber irgendwie weniger ärgerlich ist.

Triple-Bond-Feature
Als großer Fan der Reihe muss ich hier mal kurz meinem Ärger über die drei schlechtesten Bondfilme loswerden. Aber bitte nicht falsch verstehen: Diese Filme sind um Längen besser als der oben genannte Dreck, mmkay?! Zunächst, dass wird niemanden groß überraschen, „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Roger Moore ist zwar noch recht jung, dem Film hilft das jedoch nicht. Die Handlung ist bekackt, die Action lahm, wär’s kein 007-Streifen würde ich vielleicht die Höchststrafe verhängen. Und noch ein Moore-Bond darf nicht fehlen: „A View To A Kill“. Bond ist hier eigentlich schon Rentner und humpelt nur mehr durch einen elenden Plot. Danach war Schluss mit Roger. Zu guter Letzt muss „Stirb an einem anderen Tag“ Erwähnung finden. Trotz aller gut gemeinten Verweise auf die vorigen Filme ist Bond von rechten Weg abgekommen. An Pierce Brosnan liegt es wie ich finde nicht, dass langweilige Action, die viel zu nah an Schrott a la „xXx“ dran ist, das Szenario bestimmt. Die erbärmlichen Bösewichter sind kaum auszuhalten, nach solchen Vollpfosten will man lieber Blofeld wiederhaben als sich weiter so einen Grind ansehen zu müssen.

Top Ten Neo-Noir

Noch immer diskutieren Fach- und Fankreise darüber, ob ‚Film Noir‘ nun ein eigenes Genre ist, oder, wie Drehbuchautor Paul Schrader glaubt, lediglich eine Stimmung, ein Rahmen, der Stil, Atmossphäre und typische Themen vorgibt. Dasselbe gilt logischerweise auch für den noch schwammigeren Begriff vom Neo-Noir. Meine kurze Definition: jene Filme die seit den 70er Jahren die Charakteristika der alten Noirs wieder aufgreifen und neu variieren. Noch Fragen?

LA Confidential (1997)
Obwohl, oder vielleicht gerade weil Regisseur Curtis Hanson in seiner Verfilmung von James Ellroys Roman einen der wichtigsten Handlungsfäden einfach weglässt, steht „LA Confidential“ in dieser Liste. Die Geschichte dreier Polizisten in einem von Korruption und Mißgunst geprägten Umfeld ist stimmig, spannend und sehr unterhaltsam. Die Besetzung der Hauptrollen ist ein wahrer Glücksgriff, selten zuvor waren Spacey, Crowe und Konsorten besser als in diesem nostalgisch-verruchten Krimi.

Body Heat (1981)
Vom Aufbau der Handlung her ganz klassisches Noir-Material gibt es in diesem kleinen Thriller von Bob Rafelson. Kathleen Turner treibt in der Hitze Floridas ihre Spielchen mit dem gutgläubigen William Hurt. Ohne große Effekte und teure Sets baut „Body Heat“ erfolgreich auf seine durchdachte Story und die durchweg glänzenden Schauspieler. Spannend bis zum Schluss beeindruckt vor allem die (damals nie vorher gesehene) Art und Weise, wie die Geschichte zu Ende geht.

The Last Seduction (1994)
Eigentlich fürs US-Kabelfernsehen gedreht hat dieser feine Film doch noch seinen Weg ins Kino gefunden. Im Mittelpunkt steht eine eiskalte Verführerin (Linda Fiorentino), die sich mit großem Geschick ihre finanzielle Freiheit ergaunert ? koste es, was es wolle. Düster und intensiv gespielt ist „The Last Seduction“ ein wunderbares Beispiel dafür, was aus seinem Genre noch alles rauszuholen ist, wenn man es nur ernsthaft probiert.

Chinatown (1974)
Was soll ich sagen, oder besser schreiben, was nicht schon irgendwo anders geschrieben stünde? Roman Polanskis „Chinatown“ ist so gut, dass sich sogar Bücher über den Film glänzend lesen lassen. Ende der Durchsage.

The Long Goodbye (1973)
Nicht so bekannt wie „Chinatown“ ist Robert Altmans in Deutschland unter dem Titel „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ erschienene Verfilmung dieses Romans von Raymond Chandler. Entgegen den Konventionen des Genres hat sein Phillip Marlowe keineswegs immer den Durchblick, dafür hält er sich umso strenger an seinen persönlichen Ehrenkodex. Ein großartiger Film.

Zero Effect (1998)
Noch unbekannter ist dieser Streifen mit Bill Pullman und Ben Stiller. Pullman spielt die ominöse Superspürnase Daryl Zero, die sich in einem undurchsichtigen Plot bestens zurecht findet. Zuweilen grotesk überzeichnet ist „Zero Effect“ sowohl komisch als auch spannend. Die Figur des Privatdetektivs seziert der Film, indem er statt eines coolen Tough Guys einen introvertierten spleenigen Computerfreak präsentiert, dessen Gehversuche in der Realität sich sehr schwierig gestalten. Großes Kino mit kleinem Budget.

Angel Heart (1987)
Mickey Rourkes vielleicht beste Rolle ist die des abgewrackten Detektivs Harold Angel in diesem stimmungsvollen Horror-Noir von Alan Parker. Für seinen Auftraggeber Louis Cypher (Robert De Niro) sucht er nach dem verschollenen Schlagersänger Johnny Favorite. Die Reise führt ihn von New York in den tiefen Süden, wo sich die Ereignisse (und Morde) langsam zu überschlagen beginnen. „Angel Heart“ ist gerade auf DVD erschienen, allerdings bin ich nicht sicher, ob in der originalen FSK-18-Fassung oder der leicht gekürzten Version ab 16.

Mulholland Drive (2001)
David Lynch erzählt in seinem Meisterwerk „Mulholland Drive“ von zwei jungen Frauen in Los Angeles. Die eine leidet an Amnesie (ein Klassiker), die andere hilft bei der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit. Der Film beinhaltet noch mehrere Nebenschauplätze, von denen einige erst nach dem zweiten oder dritten Betrachten so etwas wie einen Sinn ergeben. Viele herausragende Szenen helfen über den etwas zerklüfteten Charakter der Handlung hinweg. So machen.

Femme Fatale (2002)
Von der grandiosen Angangssequenz bei einer Filmpremiere bis zur finalen Auflösung des traumartigen Geschehens bietet Brian DePalma in seinem Thriller „Femme Fatale“ alles, was das Herz begehrt. Gleich zwei Mal beginnt der Film praktisch von vorne, ohne sich dabei in den Rücken zu fallen. Ganz nebenbei bedient und unterläuft er alle Erwartungen seines Publikums und überzeugt so letztlich auf der ganzen Linie. Das hat mir Spaß gemacht.

Blue Velvet (1986)
Mit dem Fund eines menschlichen Ohres beginnt David Lynchs Kleinstadt-Szenario, in dessen Verlauf ein junger Mann (und mit ihm die Zuschauer) die dunkle Seite der Provinz kennenlernt. Dennis Hopper gibt den durchgeknallten Bösewicht, Lynchs Ex-Frau Isabella Rosselini ist als Nachtclub-Sängerin dabei. Wenn „Blue Velvet“ aus heutiger Sicht nicht mehr so schockierend und perfide rüberkommt, liegt das vor allem daran, dass er unzählige Nachfolger inspiriert hat, die sich längst im Mainstream etabliert haben.

Land of the Dead (DVD)

Ein großer Fan von Zombiefilmen bin ich ja nie gewesen, aber George A. Romeros Fortsetzung der vor über 35 Jahren begonnenen „…of the Dead“-Reihe wollte ich dann schon gerne sehen. Die Grundidee ist dieselbe wie immer. Die Menschen sind von Untoten bedroht und umzingelt. Anders als in „Dawn of the Dead“ ist dieser Zustand im neuesten Metzel-Feature aber schon zur Gewohnheit geworden. Die Reichen haben sich in einem Fiddler’s Green genannten Luxus-Hochhaus eingerichtet, die Armen leben in Baracken drumherum. Hinter den Befestigungszäunen ist düsteres Zombie-Land. Mehr… 5/10

The Jacket

Im ersten Golfkrieg erleidet der Soldat Jack Starks (Adrien Brody) einen beinahe tödlichen Kopfschuss. Bereits für tot gehalten schlägt er im Feldlazarett die Augen wieder auf. Mit schwerem Trauma und Persönlichkeitsstörungen kehrt er ein Jahr später in die USA zurück. Jack scheint ein verstörter, aber liebenswerter Kerl zu sein, der hilfsbereit einem kleinen Mädchen und ihrer Mutter den Wagen repariert. Wenige Stunden später liegt er verletzt am Boden in der verschneiten Landschaft Vermonts, unter dringendem Verdacht, einen Polizisten getötet zu haben. Als „criminally insane“ eingestuft landet er in einer psychiatrischen Anstalt. Unter der Leitung von Dr. Becker (Kris Kristofferson) erhält er eine drastische Behandlung, die ihn immer wieder in eine Zwangsjacke gefesselt in eine sargähnliche Kammer führt.Wenn sich das bis hier hin auch schon recht wild anhört, damit fängt der Spaß in „The Jacket“ gerade erst an. Es folgen Sprünge in Zeit und Raum, in denen Starks immer wieder den anderen handelnden Personen begegnet, unter anderem Jackie Price, dem kleinen Mädchen vom Anfang des Films. Als junge Erwachsene wird die von Keira Knightley dargestellt, als eine vom Leben enttäuschte Alkoholikerin, die sich als Kellnerin durchschlägt. Auch die Ärztin Beth Lorenson (Jennifer Jason Leigh) spielt häufiger eine Rolle, unter anderem als Gegnerin von Starks‘ Leibarzt Dr. Becker. Ebenfalls dabei ist Neu-Bonddarsteller Daniel Craig als nervös-gestörter Mitinsasse Rudy MacKenzie.

Durch die ständigen Verschiebungen der Story muss der Zuschauer bei „The Jacket“ wirklich aufpassen. Doch selbst dem aufmerksamen Betrachter mögen einige Details entgehen, denn das Spiel mit der wahren Identität von Jack Starks ist ebenso kompliziert wie ambivalent in Szene gesetzt. Unterlegt von einem stimmigen, rätselhaften Score von Soundtüftler Brian Eno baut der Film langsam seine Spannung auf und weiß den interessierten Zuschauer für sich einzunehmen. Dem Regisseur John Maybury sind zwar einige Übergänge etwas holprig geraten, grundsätzlich aber hat er ein gutes Gespür für die Stärken der Geschichte. Sein Hauptdarsteller Adrien Brody ist eine ideale Besetzung für den immer etwas abseitig wirkenden, aber durchaus charmanten Starks. Keira Knightleys Rolle ist weniger anspruchsvoll, wird von ihr aber gekonnt ausgefüllt. Sprachlich nimmt man ihr die waschechte Amerikanerin jedoch nicht ab.

Mit all seiner Rätselhaftigkeit und den verschiedenen Deutungsvarianten ist „The Jacket“ durchaus mit Filmen wie „Donnie Darko“ oder auch „Mulholland Drive“ vergleichbar, wenn er auch keine so intensive und beklemmende Stimmung zu erzeugen vermag. Wer Zweideutigkeiten und etwas wirre Geschichten ohnehin eher nervig findet, wird hier kaum auf seine Kosten kommen. Eine spannende, gut gespielte Geschichte gibt es aber allemal zu sehen, wenn man denn bereit ist, sich auf die metaphysischen Inhalte einzulassen. Um ein Prädikat des von mir sehr geschätzten ‚Filmdienst‘ zu Rate zu ziehen: Der Film ist mindestens „Diskussionswert“.

7/10

Ein Duke kommt selten allein (DVD)

Ich erinnere mich dunkel, vor vielen Jahren mal ein paar Folgen der US-Fernsehserie „Ein Duke kommt selten allein“ gesehen zu haben. Hängen geblieben ist, dass ein dicker Fiesling den zwei Cousins Bo und Luke Duke ans Leder wollte, weshalb die dauernd mit ihrem Dodge vor dessen Schergen davon gebrackert sind. Zudem war noch die langbeinige Daisy Duke dabei. Nun frischt die Hollywood-Version der Serie ungefragt meine Erinnerung weiter auf. Mit Johnny Knoxville und Seann William Scott in den Hauptrollen, Jessica Simpson als Daisy und der Country-Legende Willie Nelson als Onkel Jessie geht die Chose nun auf der großen Leinwand in die letzte Runde. Mehr… 3/10

Lord of War

Vor wenigen Wochen erst warf Ferando Moreilles „Der Ewige Gärtner“ einen Blick auf die fadenscheinigen Machenschaften internationaler Pharmakonzerne. Sicher hatte der ein oder andere schon vorher im Hinterkopf, dass die Herren von der Industrie sich (nicht nur) in Afrika nicht ausschließlich mit Ruhm bekleckern. Trotzdem machte das Thema den Film nicht nur spannend sondern auch über das reine Sehvegnügen hinaus interessant. Ganz ähnlich liegt jetzt der Fall bei „Lord of War“. Diesmal geht es um die Machenschaften eines skrupellosen Waffenhändlers, der auf der halben Welt seinen finsteren Geschäften nachgeht. Mehr… 8/10

The Matador

Es kommt immer mal vor, dass Schauspieler mit ihren Rollen verwechselt werden. Oder sich zumindest nie ganz von einer emanzipieren können. So geht es mir mit Ex-Bond Pierce Brosnan. Ein Problem ist das eigentlich nicht, denn Brosnan spielte in den letzten Jahren charmante Kunsträuber, schmierige Agenten oder einfach gewitzte Einbrecher. In keiner der Rollen ist die Entfremdung von 007 so groß, dass die Glaubwürdigkeit gelitten hätte. Da entfernt er sich mit „The Matador“ doch ein Stück weiter vom gewohnten Terrain, wenn er als kauziger und versoffener Auftragskiller Julian Nobles die Welt bereist. An seiner Seite spielt Greg Kinnear den glücklosen Geschäftsmann Danny Wright, dessen Haus zu Beginn des Films von einem Unwetter verwüstet wird. Mehr…
7/10

Lord of War

Vor wenigen Wochen erst warf Ferando Moreilles „Der Ewige Gärtner“ einen Blick auf die fadenscheinigen Machenschaften internationaler Pharmakonzerne. Sicher hatte der ein oder andere schon vorher im Hinterkopf, dass die Herren von der Industrie sich (nicht nur) in Afrika nicht ausschließlich mit Ruhm bekleckern. Trotzdem machte das Thema den Film nicht nur spannend sondern auch über das reine Sehvegnügen hinaus interessant. Ganz ähnlich liegt jetzt der Fall bei „Lord of War“. Diesmal geht es um die Machenschaften eines skrupellosen Waffenhändlers, der auf der halben Welt seinen finsteren Geschäften nachgeht. Nicolas Cage spielt Yuri Orlov, einen Emigranten aus der Ukraine, den es mit seiner Familie nach New Jersey verschlagen hat. Die blutigen Auseinandersetzungen lokaler Gangsterbanden bringen ihn auf die Idee, mit dem Verkauf von Schusswaffen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Im äußerst zynischen Off-Kommentar gibt Orlov seine Geschäftsphilosophie zum besten, die man getrost als turboliberal bezeichen darf. Der Film folgt Orlovs Karriere von seinen Anfängen mit seinem jüngeren Bruder Vitali (Jared Leto) bis zu den ganz großen Deals, die durch den Zusammenbruch der Sowjetunion möglich werden. Schlussendlich aber landen er und seine Ware meist in Afrika, wo korrupte Herrscher seine tödlichen Lieferungen schon mal mit Diamanten bezahlen.

Während Orlov stolz verkündet, die halbe Welt mit Waffen aller Art zu beliefern, hat er sich in New York City ein trautes Heim geschaffen. Mit seiner Frau Ava, einem Ex-Model, und einem kleinen Sohnemann bewohnt er ein teures Appartment mit allem erdenklichen Luxus. Seiner Frau gegenüber spielt er die Rolle eines internationalen Geschäftsmannes, wodurch sich prima die zahlreichen Trips ins Ausland erklären lassen. Doch ganz ungefährlich ist das Leben für Orlov nicht. Da wären zum einen die unberechenbaren Diktatoren, mit denen Geschäfte zu machen nicht ganz ohne ist. Zudem macht mit Jack Valentine (Ethan Hawke) auch noch ein Gesetzeshüter Jagd auf ihn, wenn sich die Beweislage doch meist als recht dürftig herausstellt.„Lord Of War“ ist kein Film ohne Schwächen. Einige persönliche Konflikte und Motive der Figuren wirken etwas aufgesetzt, selbiges gilt für einzelne Waffendeal-Szenen. Für einige Zuschauer mag schon der Erzählton jedes Vergnügen im Keim ersticken, denn es wird kein Blatt vor den Mund genommen, wenn es um die trostlosen Realitäten des Geschäfts geht. Genau diese Kompromisslosigkeit ist es jedoch, die für Glaubwürdigkeit sorgt. Hier geht es nicht um die hilflosen Opfer, die Kindersoldaten und Milizen. Hier geht es um die Umstände, die deren Existenz erst möglich machen, wobei eben westliche Rüstungskonzerne und lax bewachte russische Arsenale eine zentrale Rolle spielen. Den großen US-Filmstudios war die Sache dann auch zu heikel, das Budget des Films entstammt hauptsächlich europäischen Quellen, wie etwa dem umtriebigen VIP 3 Medienfond aus Deutschland. Selbst den Verleih übernahm in den USA mit Lions Gate Pictures ein von den Majors unabhängiger Anbieter.

Nicolas Cage legt eine überzeugende Leistung hin, wenngleich die persönliche Motivation und Geschichte seiner Figur ein wenig kurz kommen. Immerhin beginnt der Film mit Orlov als Endzwanziger, dessen bisherige Lebensträume, An- und Einsichten nur mehr schraffiert werden. Bridget Moynahan füllt ihre Nebenrolle gekonnt aus, ebenso wie die meisten anderen Nebendarsteller, unter ihnen auch Ian Holm. Jared Leto, dessen beste Rolle bisher die eines Junkies in „Requiem for a Dream“ war, ist als Schauspieler die richtige Wahl für Vitali Orlov. Leider ist die nicht unwichtige Figur des kleinen Bruders im Ganzen nicht sehr stimmig.

Wer in den nächsten Tagen Lust auf Kino mit einer großen Portion (unbequemer) Realität verspürt sollte sich den Film nicht entgehen lassen. Für den etwas beschwingteren Filmabend sei dagegen nochmals „The Matador“ empfohlen.
8/10

München

Der Jahresbeginn 2006 ist eindeutig schwer durch Polit-Kino geprägt. „Der Ewige Gärtner“ prangerte das Zusammengehen von Industrie und Geheimdiensten in Afrika an, „Lord Of War“ wirft einen kalten Blick auf die Realitäten internationalen Waffenhandels. Mit „Syriana“ läuft demnächst noch ein Film an, der die Ölindustrie unter die Lupe nimmt. Ebenfalls allein durch sein Thema ein politischer Film ist Steven Spielbergs „München“, der allerdings nicht so ganz in diese Reihe passen will. Der Film thematisiert die Folgen des Attentats auf israelische Sportler bei den olympischen Spielen 1972 in München. Wer mit den Hintergründen des Anschlags und der folgenden Vergeltungsmaßnahmen nicht vertraut ist, der kann sich unter diesem Link bei der deutschsprachigen Ausgabe der Wikipedia ein Bild machen. Sicher lassen sich im Netz aber noch viele weitere Darstellungen des Geschehens finden. Wer den Film lieber ohne Vorwissen auf sich wirken lasen möchte, sollte hier nicht mehr weiterlesen. Mehr… 8/10

Entgleist

Ja, der Titel ist nicht ganz verkehrt gewählt. Bei dem Bockmist, der einem da geboten wird, können einem schon mal die Gesichtszüge entgleisen. Entschuldigt den Kalauer, aber er passt zu diesem Film, den man selbst als zweistündigen Dauer-Kalauer bezeichnen kann. „Derailed“(Originaltitel) ist einer dieser Filme, in denen nichts so richtig zusammen passt. Und trotzdem geht es immer weiter, bis zum bitteren Ende. Der konstruierte Beginn lässt Böses erahnen, der solide unlogische Mittelteil gibt alles, um die beknackten Wendungen und Taschenspieler-Tricks des Endes vorzubereiten. Ich kann nicht mal behaupten, den großen Kniff exakt vorher gesehen zu haben. Der Fisch stank vielmehr vom Kopfe her…Charles Shine (Clive Owen) lebt mit Frau und Kind in einem hübschen Vorort Chicagos. Seine Tochter hat Diabetes, die Rechnungen für ihre Arzneien nagen am Familienkonto, seine Ehe ist nur mehr Routine. Im Zug zur Arbeit begegnet Charles Lucinda Harris (Jennifer Aniston), die ihm aus der Patsche hilft, als er ohne Ticket erwischt wird. Die beiden flirten ein bißchen, nicht viel später landen sie in einem Hotel abseits der City. Doch aus dem netten Seitensprung zwischen dem Werbe-Manager und der feschen Bankerin wird nichts. Der Schrecken kommt in Person von Phillip LaRoche (Vincent Cassel) zur Tür herein.

Von nun an wird Charles erpresst, und wie Erpresser nun mal so sind quetschen sie ihr Opfer kräftig aus. Doch dabei bleibt es keineswegs, vielmehr wird das Leben des armen Kerls wirklich zur Hölle. Bald läuft die ganze Sache endgültig aus dem Ruder, ein Inspektor stellt seine Fragen, Leichen werden gefunden. Nach etwa zwei Dritteln Laufzeit gibt es dann eine Überraschung, nur eben keine gelungene. Und wo alles nichts mehr hilft geht es noch gut 20 Minuten weiter.

Clive Owen ist ein guter Schauspieler, der jedoch (wie die meisten seiner Zunft) bei Rollenauswahl auch gerne mal irrt. So geschehen bei „Entgleist“, denn obwohl er seine Figur anständig spielt kommt nichts Nennenswertes dabei rum. Charles Shine und seine unwahrscheinliche Geschichte sind das Problem, nicht Owens mangelnde Schauspielkunst. Auch Jennifer Aniston muss sich handwerklich nichts vorwerfen lassen. Vielleicht sollten sie einfach beide den Agenten wechseln. Zugegeben, ganz soooo schlecht ist der Film auch nicht. Es gibt eine Menge miese Thriller, und dieser bricht keine Rekorde. Das macht diesen Haufen mäßiger bis grottiger Charaktere und die vermurkste Handlung aber nicht erträglicher.

3/10

Aeon Flux/ Ein Ungezähmtes Leben (DVD)

Ein ungezähmtes Leben

Für Freunde des gepflegten Melodrams hat „Gilbert Grape“-Regisseur Lasse Hallström seinen neuen Film „An Unfinished Life“ parat. Darin schlägt sich Jennifer Lopez mit ihrer kleinen Tochter zum ungeliebten Schwiegervater Robert Redford in Wyoming durch. Dort gilt es einiges an Familiengeschichte aufzuarbeiten, sich neuen Herausforderungen zu stellen, usw. und so fort. Es ist keine schlechte Geschichte, die der Film erzählt, aber auch keine ganz unbekannte. Lopez und Redford sind gut und überzeugend, ebenso Morgan Freeman. Redford gibt den starrsinnigen Kauz, Lopez die unglückliche, hart arbeitende Kellnerin, Freeman ist der weise Mann im Hintergrund. Positiv gesehen ist der Film entspannt, weniger wohlmeinend langweilig und/oder vorhersehbar. Mir hat er durchaus gefallen, wobei auch ich mir ein bis zwei mehr Überraschungsmomente gewünscht hätte. Man kann nicht alles haben.
6/10

Aeon Flux

Ja, da schau her! Lief der eigentlich gar nicht im Kino, fragt sich so mancher. Doch, aber irgendwie wollte im Februar kein Mensch diese Comic-Verfilmung dort genauer betrachten. Oscar-Gewinnerin Charlize Theron spielt die Heldin der MTV-Serie, die ich – Ehrensache – nie gesehen habe. Natürlich ist das kein Problem, denn das Szenario wird den Zuschauern ausgiebig erklärt. Um ehrlich zu sein habe ich wenig Einzelheiten zur Handlung parat, aber die ist sowieso
nebensächlich. Die Set-Designs sehen toll aus, ebenso die Hauptdarstellerin. Die Tricks sind okay, wenngleich man ihnen am ehesten ansieht, dass das Budget nicht viel höher war als Arnies Gage für „Terminator 3“. Nun, immerhin nervt der Film selten bis nie, dauert nicht zu lange und bietet anständige Unterhaltung.
6/10

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