Kurzkritik: Suicide Squad (2D)

Suicide Squad FilmplakatFantasy/Action, USA 2016

Regie: David Ayer; Darsteller: Will Smith, Margot Robbie, Viola Davis, Jared Leto

Im Kino habe ich mir „Suicide Squad“ geschenkt, weil ich erstens die Nase weitgehend voll von Superhelden-Gedöns habe und zweitens der Trailer ziemlich mies war. Immerhin passt der Trailer zum kompletten Film, der ist auch ziemlich mies.

Im DC-Universum nach Supermans ‚Tod‘ suchen die Behörden nach Möglichkeiten, zukünftigen Bedrohungen durch „besondere Spezies“ etwas entgegen setzen zu können. Ihre Wahl fällt auf eine Horde einander bis dahin unbekannter Super-Verbrecher (Serienkiller, Brandschätzer, Bankräuber, Verrückte, Mutanten), die bis dahin in getrennten Hochsicherheitszellen verwahrt wurde.

Unter der Führung von der US-Agentin Waller (V. Davis) und dem Vorzeige-Major Flag (Joel Kinnaman) soll der wilde und widerspenstige Haufen eine tausende Jahre alte Hexe und ihren Bruder unschädlich machen. Klingt nicht nur bescheuert, ist es auch. Selbst für das Superhelden-Genre. Und dazu wird das alles recht ungeschickt und verwirrend erzählt.

„Suicide Squad“ ist der mißratene Versuch, aus den gigantischen Erfolgen von „Guardians of the Galaxy“ (und mit Abstrichen auch „Deadpool“) Kapital zu schlagen. Finanziell scheint das sogar zu klappen. Doch für das Publikum ist es eine recht zähe Veranstaltung geworden. Weder zünden die Witze (Ausnahmen bestätigen die Regel), noch beeindrucken die Effekte oder der immerhin etwas mutige trashige Neon-Style.

Die ‚Rückkehr‘ des Jokers (J. Leto) ist auch eher enttäuschend, die Figur hätte – nach Heath Ledgers großartiger Darstellung – noch ein paar Jahre Schonzeit vertragen. Und sie ist hier auch letztlich überflüssig. Die Mitglieder des „Suicide Squad“ sind nicht alle gänzlich daneben, Hailey Quinn (Margot Robbie) etwa macht durchaus Laune, Diablo, Captain Boomerang und Slipknot könnten taugen, wenn man ihren Figuren Platz gegeben hätte. Den bekommt allerdings stattdessen Will Smiths „Deadshot“, der als konventionellste Figur wiederum wenig spannend ist. Zudem spielt Smith hier in erster Linie eine klassische Will-Smith-Figur.

Zum davonlaufen ist der Film nun auch nicht, Schauwerte und Tempo reichen aus, um die zwei Stunden Laufzeit schnell vergehen zu lassen. Unter dem Strich aber ist „Suicide Squad“ ein gutes Beispiel, in welche Richtung dieses millardenschwere Genre besser nicht gehen sollte, wenn die Studios ihre “’Cash Cow“ noch ein paar Jahre länger auszuschlachten gedenken. Und davon gab es dieses Jahr bereits mehr als genug…

2/5

Am Rande erwähnt: „Tarzan“ und „Independence Day 2“

id4_2Es gibt Filme, die würde ich mir ums verrecken nicht im Kino anschauen. Und wenn sie dann zuhause verfügbar sind, kann ich es doch nicht lassen. “Independence Day 2” ist so ein Film. Kein Mensch braucht einen zweiten Teil der Reihe, der Star der Show (Will Smith, nicht gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere) ist ausgestiegen – und auch sonst findet sich keine Daseinsberechtigung.

Die Action – im Vorgänger wurden noch neue Maßstäbe gesetzt – ist solide, aber nicht wirklich spektakulär. Abgesehen davon, dass neue Maßstäbe im Actionbereich lange nicht gesetzt wurden (von welchem Film der letzten 5 Jahre könnte man das sagen?), krankt es in einem anderen Bereich. Das Schaulaufen der alten Helden (Jeff Glodblum, Bill Pullman) versucht mit Humor zu punkten, aber letztlich haben deren Figuren keine echte Strahlkraft. Das gilt auch für alle neuen Figuren, für die man sich kaum zu interessieren vermag. Insgesamt ist das alles sterbenslangweilig, die zwei Stunden Laufzeit wirken deutlich länger.

1/5

Legend of Tarzan PlakatBei “The Legend of Tarzan” war ich von mir selbst überrascht, dass ich irgendwie Lust hatte, mir das mal anzuschauen. Vielleicht weil es der erste “Tarzan”-Film war, den ich mir tatsächlich zu Gemüte geführt habe. Ganz großer Trash natürlich, immer an der Grenze zum unfreiwilligen Humor und voller bestenfalls zweifelhaftem afrikanischem Ethno-Kitsch.

Der Film bietet ein paar schöne Bilder – Außenausnahmen wurden in Gabun gedreht, alle Szenen mit Schauspielern wohl aber im Studio, wie es aussieht. Der künstliche Look und die zum Teil schwachsinnigen Action-Szenen (200 Meter lange Lianen, die an 300 Meter hohen Bäumen hängen – welche es aber gar nicht gibt…) sind gerade so zu ertragen. Die unfreiwillige Komik macht schon wieder Spaß, auch die Besetzung (abgesehen von Tarzan selbst, aber die Figur ist auch so bekloppt, ich weiss nicht wer das glaubwürdig hätte hinbekommen sollen) mit Christoph Waltz, Samuel L. Jackson und Margot Robie macht das Beste draus. Das ist aber immer noch nichts Gutes…

2/5

Filmkritik: Point Break

Point Break FilmplakatAction, USA/DE/CHN 2015

Regie: Ericson Core; Darsteller: Edgar Ramirez, Luke Bracy, Ray Winstone, Teresa Palmer

Dass ein Remake von „Point Break“ in die Hose gehen könnte war klar. Das Original mit Keanu Reeves und Patrick Swayze passte einfach perfekt in seine Zeit und macht – trotz zahlreicher Schwächen und beträchtlichem Trash-Faktor – bis heute Spaß.

Nun haben die Produzenten versucht, das Geschehen in die Gegenwart zu überführen, und sie machen dabei so ziemlich alles falsch. Los geht es mit der Fehlbesetzung der Hauptrolle, Luke Bracey als Johnny Utah hat genau keinen Charme und auch sonst außer einem durchtrainierten Körper nichts zu bieten. Das „Update“ der Story selbst ist noch bescheuerter und unglaubwürdiger als das Original, was gar nicht so leicht ist. Die pseudo-politische Dimension des ganzen ist einfach nur grottig.

Die Handlung ist dem neuen „Point Break“ aber auch total egal, der Film ist eine einzige Abfolge von Actionszenen in „Red Bull TV“-Optik. Es wir gesurft, Motocross und Snowboard gefahren, sogar „im-Flügelanzug-vom-Berge-hüpfen“ ist Teil des Plans. Doch weder findet eine Entwicklung der Figuren statt, noch ist das alles so spektakulär, dass es einem egal wäre. Einzig Edgar Ramirez als Bodhi kann halbwegs überzeugen, gegen das langweilige Script und seine minderbegabten Kollegen ist aber auch er machtlos.

Das Original hatte mit Keanu Reeves, Patrick Swayze, Gary Busy und Lori Petty vier in ihren Rollen überzeugende Schauspieler, der Film entwickelte trotz der bewussten Oberflächlichkeit Spannung. Die Macher dieses Remakes scheinen nicht verstanden zu haben, was an diesem Material funktioniert hat und warum. Das Resultat ist eine erbärmliche Fingerübung, von der man sich besser fernhält.

2/5

Kurzkritik: The Night Before (Die Highligen Drei Könige)

The Night Before FilmplakatComedy, USA 2015

Regie: Jonathan Levine; Darsteller: Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt, Anthony Mackie

In aller Kürze: Derbe Buddy-Komödie mit allzu vorhersehbarer Story und zu wenig guten Jokes.

Worum gehts? Drei Kerle zelebrieren zum letzten Mal die Tradition am Tag vor Weihnachten gemeinsam in NYC voll einen drauf zu machen.

Die gute Nachricht: Ein paar Witze und Ideen zünden durchaus, die Schauspieler sind redlich bemüht.

Die schlechte Nachricht: Der „Plot“ ist arg bescheuert, ohne dass die Clownereien das hinreichend rechtfertigen. Der derbe Humor beisst sich mit der biederen Moral, insgesamt eine unausgegorene Fehlzündung.

3/5

 

Filmkritik: Jupiter Ascending (2D)

Jupiter Ascending FilmplakatFantasy/Action, USA 2015

Regie: The Wachoswkis; Darsteller: Mila Kunis, Channing Tatum, Eddie Redmayne, Sean Bean

Eigentlich muss man froh sein, wenn heute noch jemand den Mut aufbringt für mächtig viel Geld einen Film zu machen, der nicht zu einem der großen Franchises gehört. Bei “Jupiter Ascending” wird nicht mit altbewährten, extrem beliebten Figuren das Geld eingesammelt wie bei “Star Trek”, “Star Wars”, dem “Hobbit” oder den Zig Comicverfilmungen von Marvel und DC.

Aber froh sein fällt einem dann doch schwer, wenn man sich mit einer Mischung aus Langeweile, Ungläubigkeit und Verdruss mitten in der kruden Story wiederfindet, die sich die “Matrix”-Geschwister Wachowski ausgedacht haben. Die schillernden Außeridischen, die das Universum beherrschen, die auf der Erde gestrandete Auserwählte Weltenretterin, ein Held auf Power-Hover-Schuhen (quasi Eislaufen in der Luft) und alle möglichen weiteren Versatzstücke aus dem Baukasten des Fantasy/Science-Fiction Genres – das alles wird visuell opulent serviert.

Leider verlangt “Jupiter Ascending”, dass man sich auf Anhieb mit der Welt, in der das alles spielt, anfreundet, die Prämisse für bare Münze nimmt und sich in das flotte Geschehen fallen lässt. Das geht alles sehr schnell, weder für die äußere Handlung noch für die innere (will sagen für die Figurenentwicklung) bleibt genug Zeit. Blass und vage, angereichert mit ziemlich platten Dialogen und Motiven, nimmt die Story ihren vorhersehbaren Lauf.

Nun ist es sicher nicht leicht, eine frische, innovative Story ins Kino zu bringen, denn es müssen ja auch Finanziers gefunden werden. Und doch wundert es mich, dass “Jupiter Ascending” so komplett ohne Alleinstellungsmerkmal daherkommt. Bei “Matrix” waren Story und Effekte einigermaßen neu, und außerdem kunstvoll verbunden. Hier war die Hoffnung offenbar, dass man mit einem “Star Wars” für Arme irgendwie durchkommt. Gemessen am Einspielergebnis und dem IMDB-Rating von niedrigen 5,8 ergibt sich folgende Antwort: Nein. Fail.

2/5

Filmkritik: Mortdecai

Mortdecai FilmplakatComedy/Action, UK/USA 2015

Regie: David Koepp; Darsteller: Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Paul Bettany, Ewan McGregor

Ungläubiges Kopfschütteln ist die natürliche Reaktion auf das Trashfest namens „Mortdecai“. Selten habe ich einen A-List Hollywood-Film gesehen, der auf so vielen Ebenen versagt wie dieser. Da wäre etwa Johnny Depp als englischer Kunsthändler/Betrüger Mortdecai – die Titelfigur des Films fällt gleich in den ersten Szenen in sich zusammen. Die krude Mischung aus Weinerlichkeit, Snobismus und albernem Gekasper geht nicht auf. Das ist nicht komisch, sondern daneben.

Auch die von Gwyneth Paltrow (hochnäsige Ehefrau), Paul Bettany (unterwürfiger Butler und Casanova) und Ewan McGregor (schleimiger MI5-Agent) gespielten Rollen sind nicht viel besser. Die Story ist ebenfalls ein Desaster, wobei das ganz offensichtlich eingeplant war. „Mortdecai“ setzt auf den Spaß, den Figuren & Dialoge verbreiten sollen – was so vollends scheitert, dass es kaum zum Fremdschämen reicht. Die vielen Ortswechsel und Figuren verstärken den Eindruck der Ziellosigkeit noch.

Die interessantesten Fragen sind bei dem Ganzen folgende: Wie konnte das Projekt jemals grünes Licht bekommen konnte? Und warum ist auch den Darstellern nicht aufgefallen, wie schlecht die Idee zum Film in allen Belangen ist? Ich würde was dafür geben, bei der ersten Vorführung dieses jämmerlichen Streifens vor den Geldgebern (Johnny Depp war selbst einer davon) dabei gewesen zu sein. Die haben sicher weinend ihre Buchhalter angewiesen, einen großen Batzen Kohle abzuschreiben…

1/5

Filmkritik: Transcendence

Transcendence PosterSci-Fi/Thriller, USA 2014

Regie: Wally Pfister; Darsteller: Johnny Depp, Morgan Freeman, Rebecca Hall

Technologie- und fortschrittskritische „Aktivisten“ verüben ein Attentat auf Internet-Guru Dr. Will Caster (Depp). Caster, der an einer Verschmelzung von künstlicher und menschlicher Intelligenz arbeitet, wird daraufhin kurz vor seinem sich anbahnenden Tod von seiner Frau Evelyn (Hall) ins Netz hochgeladen – nicht nur sein Wissen, auch sein Geist versteht sich. Dort, als leicht pixeliger Avatar und uneingeschränkter Herrscher über die digitale Welt, fühlt sich das Genie sichtlich wohl und erschafft im Handumdrehen neue Software und Technologien.

„Transcendence“ ist nach „Her“ der zweite Film des Jahres, in dem die Menschwerdung von Maschinen (oder besser Programmen) thematisiert wird. Doch während „Her“ sich mit den Auswirkungen der Technik auf den Alltag von Individuen auseinander setzte, geht es hier nun um das große Ganze. Hat die Menschheit die Kontrolle verloren? Führt uns der Fortschritt geradewegs in die Verdammnis? Ist das Machbare und Mögliche immer auch das Richtige?

Keine schlechten Fragen. Um sich aber adäquat damit beschäftigen zu können, hätte es ein schlüssiges Drehbuch, eine gute Geschichte geben müssen. Die fehlt in „Transcendence“ leider komplett. Entwicklungen und Ideen gibt es zuhauf, doch die Ausgestaltung ist ungenügend und zuweilen gar albern. Von Casters visionären Plänen, seiner Darstellung als „Ghost in the Machine“, bis zu den fadenscheinigen Leuten, die ihm auf der Spur sind und die wenig glaubwürdige Beziehung zwischen Caster und seiner Frau – nichts davon überzeugt, weder darstellerisch noch inszenatorisch, und schon gar nicht inhaltlich.

„Transcendence“ zerreisst es förmlich, weil der Spagat zwischen anspruchvollem Film-Essay und Mainstream-Entertainment misslingt. Man kann dem Film zu Gute halten, dass er es wenigstens ernst meint (ohne dabei auf plumpe Vereinfachungen von Zusammenhängen zu verzichten) und sich recht aufrichtig an seinen Themen abarbeitet. Helfen tut das aber kaum, weil die Handlung viel zu konstruiert daher kommt, als dass sie eine eigene Dynamik oder gar Spannung entwickeln könnte.

2/5

 

Filmkritik: R.I.P.D.

R.I.P.D. PosterFantasy/Comedy, USA 2013

Regie: Robert Schwentke; Darsteller: Jeff Bridges, Ryan Reynolds, Kevin Bacon, Mary-Louise Parker

Die Idee ist auf den ersten Blick durchaus witzig: im Dienst gestorbene Polizisten müssen auf der Erde weiter Dienst schieben. Das aus der Unterwelt gesteuerte „Rest in Peace Department“ braucht man sie, um auf der Erde lebende Tote (oder eher Untote) ausfindig zu machen. Doch damit aus einem witzigen Einfall ein sehenswerter Film wird braucht es schon noch ein paar mehr Zutaten. Ein stimmig entwickeltes Szenario etwa, interessante Figuren und am besten eine Story, die das Publikum irgendwie in das recht weit hergeholte Geschehen involviert.

„R.I.P.D.“ vom deutschen Regisseur Robert Schwentke („R.E.D.“) und seine fünf(!) Autoren scheitern leider in fast jeder Hinsicht bei dem Versuch, aus der spaßigen Abkürzung einen unterhaltsamen Film zu machen. Das ohnehin nicht ernst gemeinte Szenario ist arg albern geraten, dabei aber nur selten komisch. Die Figuren sind schon etwas besser gelungen, die Story ist absoluter Quatsch. Letzteres war zu erwarten, ist aber dennoch fatal – man bringt nach 20 Minuten kaum noch genug Interesse auf, um sich den Film zuende anzusehen.

Zu den wenigen guten Ideen gehört, dass die beiden Hauptfiguren Nick (Ryan Reynolds) und Roy (Jeff Bridges) von der Außenwelt als chinesischer Rentner (Nick) und sexy Blondine (Roy) gesehen werden. Die Chemie zwischen dem alten Haudegen und dem jungen Cop bleibt hingegen blass, die Spezial-Effekte sind gerade so als ausreichend zu bezeichnen. Ein paar unterhaltsame Szenen und gelungene Gags retten „R.I.P.D.“ vor dem Label „Totalausfall“. Aber mein lieber Scholli, dit war knapp jewesen…

2/5

Filmkritik: Passion

Passion FilmposterThriller, Deutschland/Frankreich 2012

Regie: Brian De Palma; Darsteller: Noomi Rapace, Rachel McAdams, Karoline Herfurth, Paul Anderson

Erst vor kurzem hat Steven Soderbergh mit „Side Effects“ gezeigt, wie man einen gelungenen Thriller mit B-Movie-Charakter macht. Nicht ganz ernst zu nehmen, aber gut gespielt, spannend und mit einem unterhaltsamen Twist am Ende. Mit „Passion“ versucht sich Brian De Palma („Scarface“, „The Untouchables“) im selben Genre, liefert aber eher einen Leitfaden ab, wie man es nicht machen sollte.

Der Film erzählt von der eskalierenden Rivalität zweier Karrierefrauen, die in der Berliner Dependance einer fiktiven, internationalen Werbeagentur arbeiten. Christine (McAdams) ist die Cheifin, Isabelle (Rapace) ihre aufstrebende und kreative Untergebene. „Passion“ mischt ihre berufliche Rivalität mit einer (völlig unglaubwürdigen) erotischen Anziehung und würzt den Plot zudem mit einem gelackten Leiter der Finanzen und Isabels treu ergebener Kollegin Dani (Herfurth).

Eine in London spielende Einstellung mit einer grottigen Rückprojektion von Themse und St. Paul’s am Fenster (gedreht wurde ausschließlich in Berlin) steht sinnbildlich für die mangelnde Sorgfalt, mit der „Passion“ realisiert wurde. Der Plot ist schlichtweg bescheuert, einige Szenen und Entwicklungen sind so dämlich, dass es schon fast wieder Spaß macht. Aber eben nur fast. Spätestens wenn gegen Ende Polizei und Staatsanwaltschaft ins Spiel kommen (deren Verhalten man nur grotesk nennen kann) ist unterstes Telenovela-Niveau erreicht.

1/5

Filmkritik: Stirb Langsam 5 – Ein Guter Tag zum Sterben

A Good Day to Die Hard PosterAction, USA 2013

Regie: John Moore; Darsteller: Bruce Willis, Jai Courtney, Sebastian Koch

Wenn man kränklich zuhause sitzt gibt man auch Filmen eine Chance, die man andernfalls links liegen gelassen hätte. Der mittlerweile fünfte „Die Hard“-Film ist so einer. Schon die Prämisse des Films ist problematisch. John McClane, so erfahren wir, hat einen Sohn (die Tochter ist ja bereits aus Teil vier bekannt). Dieser Sohn heisst Jack, ist ca. 30 Jahre alt und steht in Moskau wegen Mordes vor Gericht. Grund genug für John McClane nach Moskau zu fliegen, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Es dauert nicht lange bis sich Vater und Sohn in einer explosiven Verfolgungsjagd mit wilden Ballereien wiederfinden.

Die Story des Films kreist um zwei alte Rivalen aus der Sowjet-Elite mit zwielichtiger Vergangenheit. Einer von Ihnen hat Karriere gemacht, der andere droht nun mit der Veröffentlichung heiklen Materials – wie McClane Junior da ins Bild passt ist auch bald klar. „A Good Day To Die Hard“ ist ein geradliniger Actionfilm geworden, solide, ohne Durchhänger, aber auch ohne große Höhepunkte. Wie ein „Stirb Langsam“-Film fühlt er sich allerdings überhaupt nicht an. Die Vater/Sohn-Beziehung im Zentrum sorgt zwar für ein paar Lacher, aber Ernst nehmen kann man sie nicht. Schon weil sie so unvermittelt für den fünften Teil aus dem Hut gezaubert wurde. Bruce Willis gibt sich Mühe, aber auch er kann dem Film nicht den Charme der ersten drei Teile verleihen, dazu ist er selbst mittlerweile zu alt. Und das Drehbuch viel zu schwach.

2/5

Hansel & Gretel – Witch Hunters

Hansel & Gretel – Witch Hunters PosterUm eine irgendwie legitime Kritik zu schreiben sollte man den Film ganz gesehen haben. Deshalb kann ich über „Hansel & Gretel – Witch Hunters“ keine schreiben. Nach knapp 20 Minuten musste einfach der Stecker gezogen werden. Es ging nicht mehr.

Die Idee des Films ist simpel. Hansel und Gretel machen ganz wie im Märchen als Kinder eine Hexe alle. Fortan verdingen sie sich – ganz anders als im Märchen – als professionelle Hexenjäger. Der Vorspann erzählt diese „Story“ halb in Realbildern, halb als Comic-Strip. Dann beginnt der eigentliche Plot, in dem das Geschwisterpaar vom Bürgermeister eines Dorfes angeheuert wird, in dem ein Haufen Kinder entführt wurde. Während Hansel & Gretel in der Schankwirtschaft ihre Pläne machen reisen ein paar dümmliche Schergen auf Geheiß des Sheriffs in den dunklen, dunklen Wald, wo sie von einer bösen Hexe fürchterlich verdroschen werden.

Zu diesem Zeitpunkt, wie gesagt nach etwa 20 Minuten, hingen mir schon Sabberfäden der Langeweile im Mundwinkel. Und ich konnte mir absolut KEINE Entwicklung der Story vorstellen, die das unwürdige Spektakel irgendwie guckbar gemacht hätte. Die Idee zum Film ist dünn, platt und zudem bar jeden erzählerischen Fundaments auf die Leinwand geklatscht worden. Spezialeffekte und Kostüme kann man bestenfalls einfallslos nennen. Warum Jeremy Renner und Gemma Arterton bei dem Mist mitgemacht haben ist mir schleierhaft. Wer sein Konto für die Finanzierung dieses Blödsinns geplündert hat ist auch egal. Ausmachen hat ganz wunderbar gegen alle Schwächen des Films geholfen.

 

 

Filmkritik: Immer Äger mit 40 (This is 40)

Immer Äger mit 40 (This is 40)Comedy/Drama, USA 2012

Regie: Judd Apatow; Darsteller: Paul Rudd, Leslie Mann, Albert Brooks, Megan Fox

Zwei Kinder, Haus mit Garten und Pool, schicke Autos, eigene Firma – Pete (P. Rudd) und Debbie (L. Mann) geht es kurz bevor sie beide 40 werden eigentlich blendend. „Immer Ärger mit 40“, die neue Komödie von Judd Apatow, beschäftigt sich mit den Tücken der Existenz von Eltern um die vierzig, die zwischen beruflichen Sorgen sowie den Launen und Nöten ihrer Kinder aufgerieben werden. Und dabei auch gern noch glücklich verheiratet wären, wenn sie denn mal Zeit hätten, an ihrer Beziehung zu arbeiten.

Zwar mit ein paar guten Ansätzen und witzigen Szenen gesegnet scheitert der Film dramaturgisch früh und vollständig. Der Versuch, wirklich alle Aspekte des Familienlebens und den individuellen Ängsten und Träumen von Pete und Debbie unter die Lupe zu nehmen, gerät zu einer überlangen, mäßig unterhaltsamen Nummernrevue. Dabei hilft es natürlich auch nicht, dass die wenigen Konflikte, die für etwas Spannung hätten sorgen können, absolut voraussehbar auflösen.

Vielleicht funktioniert der Film für Menschen/Paare, die in derselben Situation stecken wie die Hautdarsteller von „Immer Ärger mit 40“. Immerhin gibt sich der Film zumindest Mühe, ihre Sorgen heraus zu arbeiten. Regisseur und Drehbuchautor Apatow, dessen Frau Leslie Mann und die zwei gemeinsamen Kinder drei Viertel der Film-Familie spielen, erzählt hier ganz offensichtlich auch aus dem eigenen Leben.

Tiefpunkt des ganzen ist übrigens – wie eigentlich immer bei Hollywood-Komödien – das große Finale. Tränenrührig, zuckersüß und heillos übertrieben findet der Film für alles eine Lösung, wie unwahrscheinlich und bekloppt sie auch sein mag. Und genau diese je nach Sichtweise entweder verlogene oder mindestens platte Botschaft macht jede scharfe und treffende Beobachtung, die „Immer Ärger mit 40“ in seinen weit über zwei Stunden macht, gleich wieder hinfällig.

2/5

 

Filmkritik: Taken 2

Taken 2Action/Thriller, Frankreich 2012

Regie: Olivier Megaton; Darsteller: Liam Neeson, Famke Janssen, Maggie Grace

Ich gebe zu, mir war ziemlich langweilig, sonst hätte ich mir „Taken 2“ nicht angesehen. Zwar halte ich den ersten Teil nach wie vor für ein unterhaltsames Stück geradliniger Action, aber noch eine Entführung, damit Liam Neeson als Ex-Agent Bryan nochmal markige Sprüche raushauen und dutzendweise Leute umbringen darf? Lieber nicht.

Genau das bietet nun aber bietet der Film, zur Abwechslung diesmal in Istanbul. Dort will Bryan mit Töchterchen Kim (M. Grace) und Ex-Frau Lenore (F. Janssen) ein wenig abspannen, als die Schergen von einem der Obergangster aus dem Vorgänger-Film auftauchen und auf Rache sinnen. Trotz aller Gegenwehr finden sich Bryan und Lenore bald in der Gewalt der Bösewichter wieder, während Kim ihren Häschern knapp entkommen kann.

Interessanterweise hat „Taken 2“ streng genommen keinen Plot (selbst im Vergleich zum ersten Teil), weil die Gangster irgendwie nicht in die Gänge kommen und ihn einfach mal abmurksen. Sie warten, bis er wieder frei ist und lassen sich dann weitgehend ohne größere Gegenwehr abmetzeln, bis die Familie zum Abspann fröhlich wieder in Los Angeles am Ozean diniert. Auf dem Weg dahin knallt es zwar ordentlich, aber wenig spektakulär. Bryans Ansagen an seine Tochter („Listen! I need you to focus.“) sind schon wieder komisch, so abgestanden klingen sie.

Neeson und seine Schauspiel-Kollegen sind im Autopilot unterwegs, zuweilen scheinen sie genau zu wissen, in was für einen Murks sie da involviert sind. Bryans Kampf-Moves erinnern oft an den Steven Seagal der frühen Neunziger, falls das jemanden interessiert. Maggie Grace gibt mit inzwischen 29 Jahren immer noch die keusche Teenagerin – als wäre sie dafür nicht schon im ersten Teil viel zu alt gewesen. Für ein Publikum ohne jeden Anspruch (ein Publikum etwa, das auch an „The Cold Light of Day“ Freude gehabt hat) mag das Gebotene ausreichen, alle anderen können sich diese Fortsetzung wenig überraschend sehr gut sparen.

2/5

Filmkritik: The Factory

The Factory

The Factory

Thriller, USA 2011

Regie: Morgan O’Neill; Darsteller: John Cusack, Jennifer Carpenter, Dallas Roberts

Für Serienkiller habe ich ja durchaus eine Schwäche, muss ich zugeben – auch wenn sie aus der ‚zweiten Reihe‘ kommen. Doch im Falle von „The Factory“ ist es mit der Freude am Genre schnell vorbei. Denn nach gediegenem Beginn macht der Film so ziemlich alles falsch, was er falsch machen kann. John Cusack spielt Detective Mike Fletcher, der in Buffalo, New York mit seiner Kollegin Kelsey (Jennifer Carpenter) seit Jahren einen Serienkiller sucht, der es auf Prostituierte abgesehen hat. An der Heimatfront hat er es gemeinsam mit seiner Frau vor allem mit seiner 17-jährigen Tochter zu tun.

Eines der wenigen Dinge, die „The Factory“ richtig macht, ist die düstere, winterlich Stimmung. Die ist aber auch nicht sonderlich originell für das Genre. Weniger richtig ist leider die unnötig zugespitzte Handlung (der Killer hält Mikes Tochter für eine Nutte und entführt sie).  Auch das übertriebene Szenario, die schleppende Dramaturgie (bei der das Publikum Mike immer einen Schritt voraus ist) und die absolut beknackte Wendung am Ende fallen negativ auf. „The Factory“ ist ein düsterer, harter und unsinniger Film, dessen Drehbuch für einen guten Thriller einfach nicht ausreicht. Daran kann auch John Cusack mit einer routinierten Leistung nichts ändern.

2/5

Filmkritik: Abraham Lincoln – Vampirjäger

Abraham Lincoln – VampirjägerAction/Fantasy, USA 2012

Regie: Timur Bekmambetov; Darsteller: Benjamin Walker, Dominic Cooper, Rufus Sewell

Abraham Lincoln – Vampirjäger“ ist die Verfilmung eines Romans von Seth Grahame-Smith, der gerne Geschichte oder Literatur-Klassiker mit Zombie-Stories anreichert („Pride & Prejudice and Zombies“). So erzählt der Film von US-Präsident Lincoln, dessen Mutter durch einen Vampir ermordet wird, als er noch ein Kind ist. Jahre später, inzwischen erwachsen, trifft Lincoln auf seinen Mentor Henry (D. Cooper), der ihn zum Vampirjäger ausbildet. Ausgestattet mit einem mächtigen Beil sowie übermenschlichen Kräften und Reflexen bietet er den überall in der Gesellschaft lauernden Vampiren die Stirn. Quasi nebenbei wird der junge Mann zum Anwalt, Politiker und schließlich zum Präsidenten – der mit (und in) einem Bürgerkrieg zu kämpfen hat.

Viel gutes lässt sich über den Film von „Wanted“-Regisseur Timur Bekmambetov leider nicht sagen. In der Hauptrolle krass fehlbesetzt kommt „Abraham Lincoln – Vampirjäger“ von Anfang an wie ein schlechter Scherz daher, und das trifft es ganz gut. Man darf ja gerne mit Ex-Präsidenten der USA Schabernack treiben und auch die Geschichte umschreiben (siehe Tarantino in „Inglourious Basterds“), aber man sollte das bitte auf unterhaltsame, originelle Art und Weise tun. Hier wird eine eher beliebige Vampir/Horror-Geschichte auf durchschnittlichem  B-Movie-Niveau geboten, und eine der Figuren soll eben ein berühmter Präsident sein. Leider nimmt man Benjamin Walker den großen Staatsmann nie ab, schlimmer noch, auch seine Anfänge als zorniger Jungspund sind schlicht peinlich.

Vor allem erzählerisch ist das „Abraham Lincoln – Vampirjäger“ sehr schmale Kost, was man mit guten Ideen und Witz hätte auffangen müssen. Die vielen schnellen, aber oft sinnlosen und chaotisch bis lächerlich choreographierten Action-Szenen hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck. Von Figurenzeichnung kann ohnehin keine Rede sein, die darf man auch nicht ernsthaft erwarten. Aber so platt und willenlos wie hier hat man das schon lange nicht mehr gesehen (oder doch: in den „Twilight“-Filmen! Und ähnlich mau auch in „Jonah Hex“.) Das wirkt alles einfach nur uninspiriert, ist ziemlich niveaulos und kann nicht einmal visuell überzeugen. Die Effekte sind günstig produziert (oder sehen so aus), die Ästhetik gleicht oft billigen Fernsehserien der 80er. Fehlerhaft in allen Teilen.

1/5

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