Kurzkritik: Small Axe („E01 – Mangrove“ & „E02 – Lover’s Rock“)

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Drama, 2020

Regie: Steve McQueen; Darsteller: Shaun Parkes, Letitia Wright, Malachi Kirby (Mangrove), Amarah-Jae St. Aubyn, Micheal Ward, Shaniqua Okwok (Lover’s Rock)

Mangrove“ ist in vieler Hinsicht das britische Pendant zu „The Trial of the Chicago Seven“. Im anno 1970 vor allem karibischstämmigen Einwanderen bevölkerten Londoner Stadtteil Notting Hill eröffnet ein neues Restaurant. Das „Mangrove“ wird zum Dreh- und Angelpunkt der Community, der Polizei ist der Laden ein Dorn im Auge. Nach einer Reihe von unbegründeten und brutalen Razzien kommt es zu Protesten, die alsbald eskalieren. Neun Menschen landen als angebliche „Anstifter“ vor Gericht.

Der Film erzählt seine Geschichte unaufgeregt und bedächtig. „Mangrove“ ist kein auftrumpfendes Star-Kino, sondern eine eindringliche Schilderung eines bemerkenswerten Prozesses, in dem der allgegenwärtige Rassismus der Gesellschaft verhandelt wird. Spannend (zumindest für all jene, die nie was von den ‚Mangrove 9‘ gehört haben), mitreißend gespielt und insgesamt absolut sehenswert.

Lover’s Rock„, der zweite Film der für die BBC & Amazon produzierten fünfteiligen „Small Axe“-Reihe, spielt im selben Milieu, allerdings etwa zehn Jahre später. Und anstelle einer Gerichtsverhandlung steht hier eine Party im Mittelpunkt. Tatsächlich spielt der Film in seinen knapp 70 Minuten Laufzeit fast ausschließlich auf dieser Party, bei der junge Menschen zu Reggae- und Diskoklängen tanzen, flirten, streiten, sich kennenlernen, Red Stripe trinken und in rauen Mengen Joints rauchen.

Man muss die Musik (u. a. Lee Perry, Sister Sledge, Bob Marley) schon mögen, sonst wird man wohl nicht viel Freude an „Lover’s Rock“ haben. Während man zunächst noch glaubt, die Vorbereitungen und die Party selbst wären Teil einer Exposition oder des ersten Akts, lädt der Film immer weiter dazu ein, sich mit den Figuren in die stimmungsvolle Party fallen zu lassen. Dabei ist es nicht so, dass ’nichts passiert‘. Doch das Geschehen ist eben kein Plot, vergleichbar eher mit Richard Linklaters „Dazed and Confused“ oder „Everbody Wants Some!!“, dabei aber wegen der räumlichen Einschränkung noch deutlich radikaler. Ich wusste nicht, worauf ich mich bei diesem Film eingelassen habe, und war ziemlich begeistert.

(beide:) 5/5

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