Kinovorschau Januar bis März 2012

Das Kinojahr 2011 ist beinahe vorbei, Zeit einen Blick nach vorn zu werfen. In den ersten drei Monaten von 2012 laufen eine Menge Filme an, auf die ich mich sehr freue. Schon im Januar geht es mit Finchers Version von „The Girl with the Dragon Tattoo“ los, außerdem laufen Filme von Steven Soderbergh, Martin Scorsese, Alexander Payne und Clint Eastwood an. Im folgenden also mal ein kleiner und unvollständiger Blick auf den Spielplan der nächsten Monate…

Übrigens: Die Hunter S. Thompson-Verfilmung „The Rum Diary“ mit Johnny Depp hat weiterhin keinen deutschen Starttermin…

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Hereafter – Das Leben danach

Ähnlich wie bei „Black Swan“ hatte ich auch bei „Hereafter“ grundsätzliche Bedenken, was das Thema des Films angeht. Denn das Leben nach dem Tod ist meist Stoff für bestenfalls mäßige Streifen, in denen tote Eltern mit ihren Kindern in Kontakt treten oder dergleichen. Doch wie schon bei dem Oscar-nominierten Ballettfilm hat auch hier die Neugier gewonnen, denn immerhin ist der Film von Clint Eastwood, von dem man mehr als einen lauen Thriller mit übernatürlichen Untertönen erwarten darf.

Einen solchen hat der alte Haudegen auch nicht gedreht, wenngleich die Parapsychologie eine wichtige Rolle spielt. „Hereafter“ folgt drei Figuren, die eigene Erfahrungen mit dem (Nah-)Tod machen, und deren Wege sich am Ende kreuzen. Fernsehjournalistin Marie aus Paris (Cecile de France) kommt bei dem Tsunami von 2004 beinahe ums Leben, den Eastwood in beeindruckenden Bildern – die Effekte sind für den Oscar nominiert – auf die Leinwand bringt. Dabei hat sie eine near death experience, die sie nicht mehr loslässt. Ihre Rückkehr in den gewohnten Beruf gestaltet sich schwierig.

In London verliert Schuljunge Marcus seinen Zwillingsbruder bei einem Unfall, und ist fortan besessen davon noch einmal mit ihm in Kontakt zu treten. In San Francisco hat George (Matt Damon) sein Dasein als Medium, das mit Toten in Kontakt tritt, ad acta gelegt. Sein ‚Talent‘ empfindet er nur noch als Fluch, seine Brötchen verdient er sich lieber als Staplerfahrer.

Eastwood konzentriert sich zunächst auf seine Figuren und die Veränderungen, die ihre Erfahrungen in ihnen auslösen. Marcus, inzwischen bei Pflegeeltern untergebracht, zieht sich in sein Schneckenhaus zurück, ohne die Suche aufzugeben. Marie beginnt ein Buch zu schreiben, hat aber bald etwas anderes im Sinn als die ursprünglich geplante Biographie von Francois Mitterand. George, der bei einem Kochkurs eine nette Frau kennenlernt, wird immer wieder von seinen Fähigkeiten eingeholt.

Das „Hereafter“ des Titels verbindet die drei Stränge, zunächst nur thematisch, gegen Ende auch dramaturgisch. Der Film wirft einen durchaus kritischen Blick auf die Welt der selbsternannten Jenseitsforscher und Scharlatane, stellt dem aber eine – in einer Szene gar wissenschaftlich untermauerte – Theorie entgegen, nach der es tatsächlich ein Jenseits gibt. Lehnt man diese Vorstellung kategorisch ab wird man dem Geschehen nichts abgewinnen können.

Getragen wird die Story von den sehr guten Hauptdarstellern, die zurückhaltend aber eindringlich das Innenleben der Figuren erlebbar machen. Ohne klassischen Hollywood-Glanz und schmeichelnde Beleuchtung kommt auch die Inszenierung aus, die Schauplätze in London und San Francisco sind rustikal bis heruntergekommen, lediglich von Paris sind auch schöne und moderne Ecken zu sehen.

Über die Story kann nicht viel mehr gesagt werden, ohne zuviel zu verraten, selbst wenn es keinen „großen Kniff“ gibt, der am Ende alles in neuem Licht erscheinen lässt. Wer sich für das Thema – oder wie der Autor dieser Zeilen eher für die filmische Umsetzung – interessiert, der wird sicher nicht enttäuscht werden. Wobei man keine ausgefallen Visualisierungen des Jenseits erwarten sollte: „Hereafter“ findet zwar stimmige Bilder, überlässt die Details aber der Phantasie des Publikums. Wie gewohnt hat Regisseur Eastwood dabei seine Geschichte fest im Griff. Lediglich ganz kurz vor dem Abspann gehen die Pferde (oder besser die Geigen) mit ihm durch, was den Film als ganzes aber nur leicht ‚beschädigt‘.

4/5

Clint Eastwoods „Hereafter“ – Trailer online

Nachdem ich mit „Invictus“ zum ersten mal seit langer Zeit einen Film von Eastwood ignoriert habe (Sportfilme sind ja mal gar nicht meins, ein absolut überflüssiges Genre!) bin ich gespannt, wie das nächste Werk des Altmeisters ausfallen wird. Den Trailer von „Hereafter“ gibt es hier zu sehen, meine Eindrücke sind gemischt.

Einerseits sieht es nach großem Drama aus – und mit Matt Damon, Cecile De France und anderen stimmt auch die Besetzung -, andererseits ist das Thema (der Tod und das mögliche Leben danach) durchaus ein Kandidat für mächtig rührseliges, schlimmstenfalls gar übertrieben sentimentales Kino. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Eastwood schon weiss, was er da macht. Bei uns soll der Film übrigens im Januar 2011 anlaufen.

Was machen eigentlich … meine Lieblingsregisseure?!

Statt Filmkritiken gab es hier zuletzt eher News und Trailer – und ein paar Beschwerden meinerseits. Eine dieser Beschwerden ist die Tatsache, dass immer mehr gute Filme im Winter anlaufen – der Rest des Jahres bietet dann entweder Sommer-Blockbuster oder Winter-Blockbuster. Zwischendurch noch ein Film von Woody Allen, einer von Almodovar und ein Überraschungshit wie „District 9“ – mehr ist nicht.

Da ich mich – wie die meisten meiner Leser wissen oder ahnen – für Deutsches Kino nicht wirklich interessiere, geht es dabei vor allem um Filme aus den USA. Die Flaute im letzten Herbst wird sich dieses Jahr offenbar wiederholen. Und nach heutigem Stand nicht etwa deshalb, weil die Filme hier später ins Kino kommen. Es gibt einfach nicht viele Filme, auf die man sich freuen kann. Zwischen den Animations-Abenteuern, 3D-Möchtergern-Blockbustern, „Harry Potter“ und „Twilight“-Filmen ist offenbar kein Platz mehr für mittelgroße Filme mit ein wenig Anspruch.

Es sind vielleicht ein gutes Dutzend bekannte Regisseure, die ernsthaftes oder interessantes, irgendwie anspruchsvolles Kino machen. Wenn sich von denen einige eine Pause gönnen macht sich das sofort bemerkbar. Denn nur auf Clint Eastwood und Woody Allen ist Verlass, wenn es um den regelmäßigen Output neuer Filme mindestens einmal im Jahr geht. Wer wann mit welchem Film mal wieder auf der Leinwand zu sehen sein wird, das habe ich mal versucht zu recherchieren.

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Neue Filme von bekannten Namen

In das gerade beginnende Sommerloch (für Menschen denen „Shrek“ und „Sex & the City“ furzlattenegal sind) hier mal eine kleine Vorschau, was im Laufe der kommenden Monate – hoffentlich – noch so kommt. Was im Sommer noch auf uns wartet (wenn die WM vorbei ist) kann hier nachgelesen werden.

Darren Aronofsky hat nach seinem „Wrestler“ von 2008 einen neuen Film gedreht. „Black Swan“ ist ein Thriller aus dem Ballett-Milieu(!), unter anderem sind Natalie Portman, Winona Ryder und Vincent Cassel dabei. Ich bin gespannt auf den Trailer, den ich hier auch verlinken würde, wenn es ihn denn schon gäbe…

Jedes Jahr mit einem neuen Film ist wie üblich Woody Allen dabei, dessen „You Will Meet a Tall Sark Stranger“ gerade in Cannes Premiere feierte. Man braucht kein Prophet zu sein um vorrauszusagen, dass er für nicht-Fans uninteressant sein dürfte, die US-Kritiker ihn zerreissen und ich dann denke „besser als der meiste Rest ist er allemal“. Im Dezember wird „You Will Meet …“ bei uns anlaufen – „nur“ drei Monate nach US-Start. Mit dabei sind u.a. Anthony Hopkins und Naomi Watts, Antonio Banderas und Josh Brolin.

Terrence Malick („The Thin Red Line“) hat auch mal wieder einen Film gedreht – seinen sechsten in 37 Jahren. Die Hauptrollen von „Tree of Life“ sind mit Sean Penn und Brad Pitt besetzt, die Synopsis bei der IMDB klingt nach einem großen Familien-Epos auf zwei Zeitebenen. Und wenn ich das richtig gesehen habe spielt Pitt den Vater von Sean Penn – nur eben in der anderen Zeitebene. Sonst wärs ziemlicher Quatsch. Trailer ist noch nicht raus, anlaufen soll er bei uns Anfang Januar 2011.

Clint Eastwood, dessen „Invictus“ ich auf DVD nachholen muss, hat gerade „Hereafter“ abgedreht. Der Film ist ein übersinnliches Drama, bei dem drei Menschen auf die ein oder andere Weise mit dem Tod in Berührung kommen. Matt Damon spielt eine Hauptrolle, den hat Eastwood von „Invictus“-Dreh wohl gleich dabehalten. Außerdem dabei sind Bryce Dallas Howard und Cecile De France, Kinostart in den USA soll im Oktober sein, sollte der Film – wie fast alle Eastwood-Filme – für einen Oscar in Frage kommen wird er bei uns sicher erst zur Verleihung im Februar laufen…