Kurzkritik: Legion (Serie)

Legion PosterEine der besten neuen Serien der letzten Zeit ist definitiv „Legion“, in Deutschland auf dem  Fox Channel zu sehen. Die Serie ist ein Ableger aus dem „X-Men“-Universum, und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens David, der an Schizophrenie leidet. Zumindest denkt er das, bis sich in der geschlossenen Psychatrie einige mehr als nur merkwürdige Dinge abspielen. Plötzlich findet sich David im Kreise einer Gruppe von Mutanten wieder, die ihn als einen der ihren erkannt haben.

„Legion“ erzählt von Parallel-Universen, persönlichen Dämonen, fährt ‚Mindfucks‘ aller Art auf, sowie eine Task Force der Menschheit, die sich verzweifelt bemüht die Mutanten im Zaum zu halten. Es ist nicht ganz leicht, dabei den Überblick zu behalten – aber es ist anders als a  „Twin Peaks“ möglich. Man muss ohnehin nicht jede Szene verstehen, um die Stärken der Serie würdigen zu können.

Optisch im Stile der 70er Jahre gehalten, mit starken Effekten, die im Dienste der Story stehen, und dazu hervorragend gespielt überzeugt „Legion“ vor allem durch den Mut, das Publikum herauszufordern, mit phantasievollen Bildern und überraschenden Entwicklungen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, darf aber durchaus ’speziell‘ genannt werden. Mit verantwortlich für diesen Humor ist eine von Jermaine Clement („Flight of the Conchords“) gespielte und für die Kreativität der Serie exemplarische Figur, die dem Geschehen spät, aber nachhaltig ihren Stempel aufdrückt.

Wer angesichts der vielen neue Serien nicht so recht weiss, wo er anfangen soll – „Legion“ ist mehr als nur einen Blick wert, und gehört zu den wenigen neuen Shows, auf deren Fortsetzung ich mich tatsächlich freue.

Kurzkritik: The Meyerowitz Stories (New & Selected)

Meyerowitz Stories FilmplakatDrama/Comedy, 2017

Regie: Noah Baumbach; Darsteller: Adam Sandler, Dustin Hoffman, Ben Stiller, Elizabeth Marvel

Worum gehts?

Ein grantiger, alternder Künstler (Hoffman) mit erwachsenen Kindern (Sandler, Stiller, Marvel) aus verschiedenen Ehen möchte sein Werk gewürdigt wissen und seinen Nachlass klären. Bei einem Zusammentreffen kommen Jahrzehnte alte Spannungen und Konflikte zutage, und schließlich auch noch ein paar neue dazu…

Was soll das?

Das Ensemble-Drama über eine Familie von völlig unterschiedlichen, aber durch die Bank spleenigen Charakteren macht keinerlei Anstalten, dass Rad des Genres neu zu erfinden. „The Meyerowitz Stories“ konzentriert sich ganz auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander, bei einem Minimum (wenig überraschender) Story-Entwicklung.

Taugt das was?

Durchaus. Der Film verlässt sich weitgehend auf seine Dialoge und Darsteller, gibt den Figuren genug Raum, sich zu entfalten und bietet viele starke Szenen. Zum ersten Mal seit langem ist Adam Sandler in einer ernsthaften Rolle zu sehen, der hier erneut zeigt dass er diese kann – wenn er will. So richtig übergesprungen ist der Funke bei mir dennoch nicht, „The Meyerowitz Stories“ ist ein guter und niveauvoller Film, an dem eigentlich nichts verkehrt ist. Ich meine es nicht böse, aber ich werde ihn trotzdem wohl bald vergessen haben.

3/5

American Gods – Season 1

American Gods PosterWorum gehts?

Um alte und neue Götter, Fabelwesen, ihr Verhältnis zur Menschheit, um ihre Geschichte … und Gegenwart. Aber auch um einen Ex-Häftling und seine (un)tote Frau, die sich plötzlich mitten unter diesen ominösen Gestalten wiederfinden und durch einen recht wirren, mit vielen Rückblenden ausgestatteten Plot jagen.

Taucht das was?

Stylisch ist „American Gods“, produziert vom US-Sender Starz und hierzulande bei Amazon Video zu sehen, allemal. Den künstlichen Hochglanz-Look (irgendwo zwischen „300“ und „Thor“) voller Sex und Gewalt muss man allerdings mögen. Mir hat es durchaus gefallen, aber ob ich da noch eine Staffel von sehen will (es wird eine geben) wage ich zu bezweifeln…

Kurzkritik: El Clan

El Clan FilmplakatThriller/Drama, 2015

Regie: Pablo Trapero; Darsteller: Guillermo Francella, Peter Lanzani, Lili Popovich

Worum gehts?

Argentinien, Anfang der 80er Jahre. Die gutbürgerliche Familie Puccio betreibt ein knallhartes Geschäft mit Entführungen reicher Landsleute, bei dem auch die älteren Kinder unter der Fuchtel der eiskalten Eltern zu Mittätern werden. Als die Spannungen innerhalb des Clans zu groß werden spitzt sich die Situation bedrohlich zu.

Taugt das was?

Das taugt, ist allerdings keine leichte Kost, da „El Clan“ auf klassische Sympathieträger komplett verzichtet und dem Zuschauer für die Identifikation nur die Familienmitglieder selbst anbietet. Hier machen die Darsteller einen sehr guten Job, weil sie die perfide Gruppendynamik innerhalb der Familie glaubwürdig rüberbringen.

Sonst noch was?

Ein wenig Kenntnis der argentinischen Geschichte der 70er und 80er ist glaube ich ganz hilfreich beim Verständnis des Geschehens, welches (so habe ich es mit Grausen den Einblendungen im Abspann entnommen) auf einer wahren Geschichte basiert…

4/5

Kurzkritik: Wind River

Wind River FilmplakatThriller/Drama, 2017

Regie: Taylor Sheridan; Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Kelsey Asbille, Graham Greene

Worum gehts?

Die Ermittlungen zum Tod einer jungen Frau in einem Indianer-Reservat in Wyoming führen eine FBI-Agentin, einen lokalen Jäger und die Stammespolizei zusammen. Schlechtes Wetter und unklare Zuständigkeiten erschweren die Ermittlungen erheblich…

Taugt das was?

Jawohl. Neben den guten Darstellern und den wunderbaren (Natur-)Bildern überzeugt „Wind River“ vor allem formal. Der Film hat seine Story jederzeit souverän im Griff und löst in einer großartigen Rückblende, die den eigentlichen Showdown meisterhaft unterbricht, das zentrale Rätsel der Story auf, ohne dass es dadurch mit der Spannung vorbei wäre.

Sonst noch was?

Einziger Kritikpunkt ist die einfache, alttestamentarische Moral, in dieser Hinsicht hätte „Wind River“ ein wenig mehr Ambivalenz ganz gut gestanden.

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Winter’s Bone“ meets „Thunderheart“

4/5

Kurzkritik: The Dark Tower

The Dark Tower FilmplakatFantasy, 2017

Regie: Nikolaj Arcel; Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor

Worum gehts?

In mehreren Parallelwelten, deren Überleben von einem ominösen „Dark Tower“ garantiert wird, kämpfen das Gute (in Person des ‚Gunslingers‘ Roland) und das Böse (‚Man in Black‘ Walter) um die Vorherrschaft.

Was soll das?

„The Dark Tower“ erzählt soweit ich das verstanden habe erste Bruchstücke, vor allem das grundsätzliche Szenario, von Stephen Kings achtbändiger Fantasy-Saga. Der Film soll einen Einstieg in den Stoff geben, eine Serie und weitere Filme sollten folgen.

Taugt das was?

Nein. „The Dark Tower“ wirkt eher wie die Verfilmung einer Kurzgeschichte, in den knapp 90 Minuten lässt sich nur ganz selten erahnen, worin die Faszination der Vorlage bestehen könnte. McConaugheys Bösewicht kommt besonders ansatzlos (und dabei auch nicht im Ansatz überzeugend) daher, bei Elbas ‚Gunslinger‘ ist es nur etwas besser.

Sonst noch was?

Ob aus der Serie und den weiteren Kinofilmen was wird ist wohl eher unklar, weil der Film die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Als Nicht-Fan der Reihe ist mir das relativ egal (ich hab mir den Film angesichts der miesen Kritiken eher aus mitleidigem Interesse angesehen), und ich könnte wetten dass sich die Fans der Bücher insgesamt auch eher über einen komplett neuen Anlauf in ein paar Jahren freuen würden..

2/5

Kurzkritik: Blade Runner 2049

Blade Runner 2049 Filmplakat - Ryan Gosling VersionSci-Fi, 2017

Regie: Denis Villeneuve; Darsteller: Ryan Gosling, Ana de Armas, Robin Wright, Sylvia Hoeks, Jared Leto, Harrison Ford

Worum gehts?

In der Fortsetzung von Ridley Scotts Klassiker von 1982 stösst Blade Runner ‚K‘ (Gosling) auf ein gefährliches Geheimnis mit dem Potential, die postapokalyptische Welt von Menschen und (neu aufgelegten) Androiden anno 2049 kräftig durcheinander zu wirbeln.

Was soll das?

Als Fan des Originals habe ich mir eher keine Fortsetzung gewünscht, doch offenbar waren sowohl das Studio als auch die Kreativen (neben Ridley Scott als Produzent ist mit Hampton Fancher auch einer der Original-Drehbuchautoren wieder dabei) überzeugt davon, dass es hier noch weitergehen soll.

Taugt das was?

Absolut. In Sachen Ästhetik und Bildgewalt lässt „Blade Runner 2049“ nichts zu wünschen übrig. Die Weiterentwicklung des Szenarios ist glaubhaft und aus einem Guss, die Darsteller (inklusive der ‚Rückkehrer‘) überzeugen. Die visuellen Effekte in Kombination mit dem mächtigen Soundtrack sowie den eindrucksvollen Soundeffekten sind allein den Gang ins Kino wert. Die vom Original in den Raum gestellten Fragen nach Natur, Verhältnis sowie Bestimmung von und zwischen Mensch und Maschine verhandelt der Film souverän weiter, ohne diese (nur) zu wiederholen. Regisseur Denis Villeneuve („Sicario„, „Arrival„) erzählt mit einer betonten Langsamkeit, die zum Fallenlassen in die düstere Welt des Film einlädt.

Sonst noch was?

„Blade Runner 2049“ sieht so verdammt cool aus und verneigt sich an so vielen Stellen vor dem Original, dass es schon fast übertrieben wirkt. Doch angesichts der grandiosen Opulenz und dem unglaublich wohltuenden Verzicht auf hektisch geschnittene moderne Blockbuster-Action (Kein einziger Energiestrahl ins Weltall! KEINER!) will man da nicht wirklich meckern. Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich die arg konstruierte Story, die trotzdem gut funktioniert, vielleicht jedoch einen Tick zu sehr nach einer weiteren Fortsetzung verlangt.. Gut möglich auch, dass man bei erneutem Betrachten neue Facetten findet und dieser Kritikpunkt relativiert werden muss.

5/5

Wer sich mit der Story und ihrer Bedeutung genauer auseinandersetzen möchte, dem sei dieser Artikel von Screenrant empfohlen.

Kurzkritik: The Beguiled

The Beguiled FilmplakatDrama, 2017

Regie: Sofia Coppola; Darsteller: Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Colin Farrell, Elle Fanning

Worum gehts?

Während des US-Bürgerkriegs pflegen Lehrerinnen und Schülerinnen einer kleinen Mädchenschule in Virginia einen verwundeten Soldaten der Union gesund. Als der wieder zu Kräften kommt entstehen Spannungen und Konflikte.

Was soll das?

„The Beguiled“ ist eine offensichtliche Versuchsanordnung, ein ambivalentes Kammerspiel um Geschlechterrollen, sexuelle Anziehung, Verrat und Vertrauen.

Taugt das was?

Es ist zumindest nichts verkehrt an „The Beguiled“, die Figuren sind gut entwickelt, die Handlung ist plausibel, und wie immer bei Sofia Coppola sind Atmosphäre und Stimmung ein große Stärke des Films. In dem eng gesteckten Korsett der Handlung fehlt mir jedoch ein überraschendes Moment, ebenso wie die erzählerische Leichtigkeit von Coppolas besten Filmen.

3/5