Filmkritik: Premium Rush

Premium RushThriller, USA 2012

Regie: David Koepp; Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Michael Shannon

Die Subkultur (wenn man sie so nennen mag) der Fahrradkuriere hat ihren ersten eigenen Film: In „Premium Rush“ spielt Joseph Gordon-Levitt den New Yorker Bike Messenger Wilee, der ohne es zu ahnen eine extrem gefährliche Fracht befördert. Der unscheinbare Umschlag, den eine junge Asiatin ihm mit dem Ziel Chinatown auf den Weg gibt, weckt Begehrlichkeiten. Schon bevor er seine Tour richtig beginnt hat er den spielsüchtigen, mehr als nur aufbrausenden Cop Bobby Monday (Michael Shannon) im Rücken.

Es wird in „Premium Rush“ gesprintet, gesprungen, waghalsig manövriert, dazu werden dutzende Hindernisse überwunden. Aber weil die Actionszenen des Films recht einseitig fahrradlastig sind wirkt das alles – nach kurzweiligem Beginn – bald (und vor allem in den finalen, actionreichsten dreißig Minuten) eher unfreiwillig komisch. Unzählige, aber wirklich unzählige Autos bremsen in letzter Sekunde, wenn Wilee todesmutig und starren Blickes über rote Ampeln hechelt. Ähnlich vielen Fahrzeugen weichen die Helden auf zwei Rädern in einer Tour aus.

Hier bedient sich „Premium Rush“ gern des Kunstgriffes, dem Zuschauer alternative, zu Unfällen führende Fahrtrouten zu präsentieren, um die blitzschnellen Entscheidungen der Fahrer zu betonen. Das sieht meist gut aus, die Stunts sind flott und schick inszeniert – aber sie wiederholen sich schier endlos und transportieren sehr bald keine Spannung mehr.

Nun will „Premium Rush“ natürlich kein sonderlich ernster Film sein, sondern Bewegungskino in Reinform. Zudem bescheidet er sich mit anderthalb Stunden Laufzeit, die dazu knapp zu etwa einem Drittel aus Rückblenden bestehen. Doch erzählerisch ist er leider dennoch einfach zu dünn geraten, die Story ist nie mehr als ein notdürftiges Gerüst, dass Wilee, seinen Kollegen und einem ungeschickten Fahrrad-Bullen den Rahmen bietet, um in hohem Tempo durch die Straßenschluchten Manhattans zu düsen.

Michael Shannon ist keine schlechte Wahl als Bösewicht, er bringt seine gewohnte Präsenz und bedrohliche Ausstrahlung mit. Doch es ist offenkundig, dass ihm die Fahrrad-Meute letztlich auf der Nase rumtanzen wird. Der Film nutzt Shannons Potential nicht, weil dessen Figur zu eindimensional und die Story (trotz einiger Haken) schlicht zu vorhersehbar geraten ist. Gordon-Levitt ist ebenfalls nicht fehlbesetzt, kann aber aus seiner Rolle als Adrenalin-Junkie mit großer Abneigung gegen Schreibtischjobs nicht mehr machen als das Drehbuch ihr zugedacht hat.

So ist „Premium Rush“ ein geradliniger Thiller geworden, der in hohem Tempo seinem Finale entgegen eilt, dabei aber nur zu Beginn Interesse für Figuren und Szenario wecken kann. Ich habe keine Ahnung, ob er unter den Fahrradkurieren der Metropolen dieser Welt vielleicht Kultstatus erlangen wird. Mich beschleicht das Gefühl, dass auch echte Kuriere eher schmunzeln müssen, wenn sie ihre Hollywood-„Kollegen“ hier in die Pedale treten sehen…aber vielleicht sehe ich das auch einfach zu kritisch.

2/5

 

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