Filmkritik: Bernie

Bernie FilmposterComedy/Drama, USA 2012

Regie: Richard Linklater („Dazed & Confused“); Darsteller: Jack Black, Shirley MacLaine, Matthew McConaughey

Was für ein merkwürdiger Film. „Bernie“ erzählt eine auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte, das ist nichts sonderlich neues. Doch der Film wählt eine ungewöhnliche Herangehensweise. Er lässt ein beeindruckendes Ensemble von Hollywood-Darstellern die wichtigsten Szenen der Story nachspielen, während echte Zeitzeugen parallel ihre Meinung zu den Geschehnissen kund tun – und die hat es ziemlich in sich. Titelfigur Bernie Tiede (J. Black) arbeitet im örtlichen Bestattungsunternehmen des osttexanischen Kaffs Carthage. Immer freundlich, nett und zuvorkommend macht er die Toten zurecht und führt singend und mit vollem Herzen durch die Trauerfeiern.

[Spoilers]

Der ganze Ort, aber besonders die älteren Damen liegen ihm zu Füßen. Auch die extrem grantige und reiche Witwe Marjorie (S. MacLaine), deren ständiger Begleiter Bernie bald ist – bis er sie nach einigen Jahren ermordet. Jack Black brilliert als Bernie, einem etwas schmierigen, dabei aber auch extrem charmanten Mann von Ende 30, der mit vielen Talenten gesegnet ist. Man ist sich nie so recht sicher, ob hinter der fröhlichen, akkuraten und herzlichen Fassade nicht vielleicht doch ein Abgrund lauert, und genau das lässt „Bernie“ funktionieren.

Die Schuldfrage ist hier absolut geklärt, aber die Bewohner von Carthage halten weiter zu ihm. Sooo nett sei er schließlich immer zu Ihnen gewesen, und sooo grausam die Verstorbene. Auf Bernie lassen sie nichts kommen. Sogar der Prozess wird auf Bitten des Staatanwaltes (M. McConaughey) verlegt, weil sonst – trotz Bernies Geständnis – ein Freispruch zu befürchten steht. Bei einer Anklage wegen Morder eingentlich undenkbar. Aber in Texas urteilt eben kein Richter, sondern eine Jury von Zivilisten.

Linklaters Film erzählt in ungefähr einer Stunde sehr überzeugend die Geschichte eines guten(?) Menschen, der zum Mörder wird. Weil sein Hauptdarsteller die Rolle des selbstlosen Gutmenschen (der Marjories Geld im Ort ausgibt) so überzeugend ausfüllt ist man als Zuschauer geneigt, sich auf seine Seite zu stellen. Verstärkt und dabei ironisch kommentiert wird das durch die eingespielten Kommentare der damaligen Bekannten und am Rande Beteiligten. Sie verteufeln Marjorie, die zurückgezogen lebte und ansonsten nicht durch Feingefühl auffiel, sie lieben und unterstützen Bernie.

„Bernie“ ist ein faszinierender Film geworden, der eine äußerst verschrobene Story auf eine clevere Art und Weise erzählt. Auf das Geschehen kann sich jeder selbst einen Reim machen – oder auch nicht. Dabei sollte auf jeden Fall der Abspann bis zum Ende geguckt werden, wenn auf Fotos der wahre Bernie Tiede (der bis heute im Gefängnis sitzt) zu sehen ist. Denn dann überkommt einen das seltsame Gefühl der Gewißheit, das sich dieser Fall wirklich so (oder so ähnlich) abgespielt hat.

4/5

Einen deutsche Kino- oder DVD-Start gibt es bisher nicht.

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