The King’s Speech

So kann man sich täuschen. Ich hatte „The King’s Speech“ schon innerlich als konventionelles Kostüm-Kino abgeheftet, das von der Oscar-Academy traditionell so gerne mit Preisen überhäuft wird. Tatsächlich erklären sich die 12 Nominierungen des Films aber dadurch, dass er einfach großartig gemacht ist. Der Film ist sowohl ein ganz wunderbares Drama wie auch ein interessanter Historienfilm und dazu eine niveauvolle, sehr sehr witzige Komödie. Da darf und wird es dann auch gerne Preise hageln…

Wie wohl die meisten meiner Leser habe ich nie einen anderen britischen Monarchen erlebt als Königin Elizabeth II.. Die macht den Job ja nun auch schon ein paar Jahre. In „The King’s Speech“ geht es um ihren Vater, George VI., der anno 1936 den Thron bestieg, weil sein älterer Bruder lieber eine geschiedene Frau heiraten wollte – einem König war das aber untersagt.

George VI. (gespielt von Colin Firth) hat seit seinen Kindertagen einen Sprachfehler. Oder vereinfacht gesagt: er stottert. Schon als er „nur“ der Duke of York ist versucht er diesen für den Hochadel doch sehr lästigen Makel zu korrigieren. Doch alle Versuche schlagen fehl, zunächst auch der des mit unkonventionellen Methoden arbeitenden Australiers Lionel Logue (Geoffrey Rush). Als sich abzeichnet, dass George König werden wird und zudem ein Krieg mit Deutschland am Horizont aufzieht hat er dann keine Wahl mehr. Egal wie, das Stottern muss ein Ende haben, wenn sich die Briten in Kriegszeiten hinter ihren König stellen sollen.

Was nach ernsten, historisch aufgeladenem Drama klingt verpackt der Film in eine flüssige, heitere Erzählung, die immer wieder mit treffenden und lustigen Dialogen punktet. Das Geschehen gerät darüber keineswegs zur Farce. Die Leichtigkeit der Erzählung nimmt dem Film die Schwere und macht die Story wie auch die Figuren zugänglicher und menschlicher. Ohne die meisterlichen Darsteller (in erster Linie Firth und Rush, aber auch der Rest des Ensembles ist stark) würde das nicht funktionieren. Insbesondere die Szenen zwischen George und seinem „Sprachtherapeuten“ Logue sind wahrlich großes Kino, voller Witz und Spielfreude, dabei immer überzeugend.

Regisseur Tom Hooper (mir bisher völlig unbekannt) inszeniert die Story mit viel Gefühl für das richtige Timing, von der ersten bis zur letzten Szene fügt sich alles zu einem großen Ganzen zusammen. Man muss auch nicht sonderlich bewandert in der jüngeren britischen Geschichte sein, die wichtigen Informationen vermittelt „The King’s Speech“ ganz nebenbei und lässt so unter anderem auch Winston Churchill auftreten. Wohl auch, weil (zumindest den Briten) das Ende der Story ohnehin bekannt ist legt der Film den Fokus eher auf die Hintergründe und Figuren. Das heisst aber nicht, dass sich die Rede am Schluss nicht auch zu den vielen großen Szenen des Films gehören würde.

5/5

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