Red Rock West (DVD)

Neo-Noirs aus den 80er, 90er und 00er Jahren finde ich von der Idee her schon solange gut, wie ich den Begriff überhaupt kenne. Von „Blood Simple“, dem urigen Erstling der Coen-Brüder, über den unterschätzten „Devil in a blue Dress“ bis hin zu mainstreamigen Filmen wie „Basic Instinct“ oder dem komödiantischen „Kiss Kiss Bang Bang“ sind eine Menge sehenswerter Filme dabei. Zu den weniger bekannten Filmen des Genres gehört John Dahls „Red Rock West“ von 1993. Die DVD ist hierzulande vergriffen, in guten Videotheken aber sicher noch zu finden. Grund genug, sich das gute Stück noch einmal anzusehen…

Das Setting ist von klassischer Schlichtheit. Der einsame Ex-Soldat Michael (Nic Cage) ist auf der Suche nach einem Job in den Ölfeldern Wyomings, und gerät dabei ohne eigenes Zutun in eine schwierige Lage. Der schmierige Barbesitzer Wayne (J.T. Walsh) hält ihn fälschlicherweise für den von ihm bestellten Auftragskiller, der seine Frau Suzanne (Lara Flynn Boyle, bekannt als Donna Hayward in „Twin Peaks“) umbringen soll. Ehe er sich versieht hat Michael $ 5000 in der Tasche und ist auf dem Weg zu Suzanne.

Doch statt sie wirklich zu töten warnt er sie nur davor, dass bald tatsächlich ein Killer kommen könnte – und will „Red Rock West“, so der Name des verlassenen Kaffs, danach sofort verlassen. Weil das aber den Gesetzen des (Neo-)Noir widerspräche wird daraus leider nichts. Einen Unfall und etwa fünf Filmminuten später findet sich Michael in einer beinahe ausweglosen Situation wieder. Der Sheriff hat ihm auf dem Kiecker, der  echte Killer taucht auf (gespielt von Dennis Hopper), sein Auto wird konfisziert.

Es sind in „Red Rock West“ alle typischen Elemente zu finden, die das Genre ausmachen. Der einsame, von Natur aus rechtschaffene (Anti-)Held, die schöne Femme Fatale, die Intrigen, die Versuchungen und die verdrängten dunklen Geheimnisse der Vergangenheit. Was den Film dabei ausmacht ist die Lässigkeit, mit der er die bekannten Zutaten mixt. Nic Cage spielt angenehm zurückhaltend, ohne Grimassen und Posen, auch seine Kollegen lassen ihren Figuren und deren – meist überzeugenden – Motiven den Vortritt. Dennis Hopper gibt seinem Killer Charme und einen kleinen Schuss abgründigen Irrsinn.

Der Plot ist nicht sonderlich innovativ, der Film versucht das Publikum nicht zu überraschen wie „The Usual Suspects“, „Fight Club“ oder „Memento“. Die Story schlägt zwar Haken, hat aber keinen – oder besser nur einen – doppelten Boden. Regisseur Dahl ist inzwischen meist im TV zuhause, dreht Episoden von „Dexter“, „Californication“ oder „True Blood“. Sein letzter Kinofilm war „You Kill Me“ mit Ben Kingsley von 2007, der zwar zu unterhalten wusste, mich aber irgendwie nicht so recht vom Hocker riss. Vor und nach „Red Rock West“ hat Dahl allerdings zwei weitere herrliche Neo-Noirs gedreht: anno 1989 „Kill Me Again“, mit Val Kilmer und Michael Madsen(!), sowie anno 1994 „The Last Seduction“ mit Linda Fiorentino und Bill Pullman. Auch die müssten in guten Videotheken noch zu finden sein…

8/10

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