Spartan (DVD)

Es ist immer ein besonderes Vergnügen, einen gut gemachten Thriller zu sehen. Die richtige Mischung aus Spannung, Action und überzeugenden Charakteren ist einfach ein Hochgenuss, wenn auch leider einer der etwas selteneren Art. Denn neben den „Collaterals“ und „Sevens“ dieser Welt schmeißt Hollywood viel zu häufig mit minderwertiger Ware um sich, siehe „Basic“, „Der Einsatz“, oder auch „Hostage – Entführt“. Einer der sich auf das Genre immer gut verstand ist David Mamet. Er schrieb – unter anderem – das Drehbuch zu dem großartigen „Wag the Dog“ und führte bei den beiden sehenswerten Thrillern „The Spanish Prisoner“ und „Heist“ auch selbst Regie. Nun meldet sich der Meister mit „Spartan“ zurück und krönt damit zumindest vorläufig seine Karriere als Regisseur.Special Agent Scott (Val Kilmer), ein Vollprofi und Einzelgänger, begleitet gerade die Ausbildung einer Spezialeinheit als er zu einem wichtigen Einsatz gerufen wird. Die Tochter des US-Präsidenten ist verschwunden pikanterweise während ihr Vater in der Stadt weilte. Auf dem Gelände der Universität stellen Scott und sein junger Partner Curtis (Derek Luke) deswegen zunächst nur eine Frage: „Where`s the girl?“. Rasant führt die Story von einer Spur zur nächsten, ein eiliger Wettlauf mit der Zeit führt scheinbar schon bald ans Ziel. Doch dann nimmt die Story (nicht zum letzten Mal) eine Wendung, und spätestens ab diesem Punkt sollte man nicht mehr über den Verlauf der packenden Geschichte erfahren.

Ein guter Thriller spielt mit den Erwartungen des Publikums ohne seine Handlung dabei zu verraten. Genau das gelingt in „Spartan“ und macht diesen zu einem außergewöhnlich gelungenen Film. David Mamet setzt konsequent auf seinen eindrucksvoll aufspielenden Hauptdarsteller Kilmer, der sich hier als ideale Besetzung erweist. Auf seine Figur ist auch der Titel des Films zurückzuführen, doch was es damit auf sich hat, findet man besser selbst heraus. Mag die zugrunde liegende Idee auch recht simpel gestrickt sein, die große Stärke von Mamets Drehbuch liegt darin, ihr eine äußerst spannende und überraschende Form zu geben. Dazu entwickelt er neben seinem Helden auch einige Nebencharaktere über die normalen Maße hinaus, was der Glaubwürdigkeit hilft und gleichzeitig zur Spannung beiträgt.

Die Inszenierung bleibt dabei immer recht kühl, getragen von einem energievollem Score entfaltet sich das Geschehen vor allem über die großartigen, auf den Punkt passenden Dialoge und die allgegenwärtige Möglichkeit weiterer Überraschungen und Wendungen. Dabei ist der Film auch bei Gewaltdarstellungen nicht eben zimperlich. Vorrang hat aber ganz klar die Story, von billigen Schockeffekten Marke „Bad Boys 2“ ist man weit entfernt. Über die zweite Hälfte und den Ausgang des Geschehens kann man sicher lange diskutieren, auch spart dieser Ausflug in die Welt von Politik und Geheimdiensten nicht mit recht drastisch geäußerter Kritik an beiden Welten. Doch bei allem Realismus ist „Spartan“ in erster Linie spannungsgeladenes Kino in Reinform und kein Vehikel um politische Überzeugungen zu verbreiten.

Der Film hätte eine Kinoauswertung mehr als verdient gehabt, leider ist ihm die zumindest in Deutschland verwehrt geblieben. Vielleicht lag es daran, dass der Film einem breitem Mainstreampublikum wohl nicht zugesagt hätte, und die Arthouse-Fraktion auf einen US-Geheimdienst-Thriller wohl kaum enthusiastisch reagiert hätte. Schwer zu vermarkten jedenfalls, und so gingen einige Jahre ins Land. Nun bringt Kinowelt „Spartan“ immerhin als DVD auf den Markt. Und verdient sich damit locker den Titel „Beste Videopremiere ever!“. Immerhin…

10/10

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