Glück in kleinen Dosen

Seit „American Beauty“ sind die namenlosen, wohlhabenden Vorstädte der USA zu einem der beliebtesten Schauplätze des Kinos geworden. In den letzten Wochen waren das z. B. „Brick“ und „Happy Endings“, allein in dieser Woche laufen mit „Glück in kleinen Dosen“ und „Thumbsucker“ zwei weitere Filme an. Regisseur Arie Posin hat für seinen Film eine Menge bekannter Schauspieler gewinnen können, unter ihnen Carrie-Ann Moss, Ralph Fiennes und Glenn Close. Im Mittelpunkt aber stehen die recht unbekannten Darsteller der 17-jährigen Schüler Dean, Billy, Lee und Crystal.

Eltern und Kinder, so das zentrale Thema des Films, leben im beschaulichen Hillside komplett aneinander vorbei. Das wird gleich in der ersten Szene deutlich. Der introvertierte Dean findet seinen Freund Troy, der sich in seinem Zimmer erhängt hat. Troys Mutter (Glenn Close) bekommt nicht viel davon mit, sie ist damit beschäftigt sich mit Freunden am Pool einen hinter die Binde zu kippen. Troys Tod ist Auslöser der weiteren Handlung, denn er war der größte Pillen-Dealer der Schule, und seine Ware wird dringend benötigt. Troys ehemalige „Kollegen“ Billy und Lee bauen dabei ganz auf Dean, der mit Hilfe der hübschen Crystal zum Komplizen werden soll.Es folgen mehrere Handlungsstränge, in denen ein Kidnapping, eine Hochzeit und eine Beerdigung miteinander verwoben werden. Im Kern jedoch zeichnet „The Chumscrubber“ (Originaltitel) ein desillusioniertes Gesellschaftsportrait, in dem von ihrem Job besessene, egomanische Eltern ihre Kinder lieber mit Happy-Pillen versorgen als sich ernsthaft um sie zu kümmern. In diesem sterilen Suburbia ist sich jeder selbst der Nächste. Crystals Mutter Jerri (Moss) turtelt mit deren Schulfreunden, Deans Vater verwurstet dessen Leben in seinen pseudo-psychologischen Bestsellern, und die Eltern vom kleinen Charly bekommen dessen Verschwinden (er wird von Billy als Geisel genommen) gar nicht erst mit.

Mit großer Lust an der Übertreibung inszeniert Posin die neurotische Elterngeneration, wobei die vielen vorzüglichen Darsteller für den hohen Unterhaltungswert sorgen. Dieser Satire steht ein etwas ernsthafteres Bild der Jugend gegenüber, die alle Freiheiten genießt, weil sich schlichtweg niemand um sie kümmert. Außer Drogenkonsum fällt den Kids jedoch auch nicht viel ein. Obwohl die jungen Schauspieler (unter ihnen Camille Belle aus „The Ballad of Jack & Rose“ und Lou Taylor Pucci aus „Thumbsucker“) nichts verkehrt machen sind es doch eher die älteren Semester, deren Figuren im Gedächnis bleiben. „Glück in kleinen Dosen“ funktioniert aber ohnehin weniger als ernstes Charakterdrama, sondern als bitterböses Portrait der amerikanischen Mittelklasse. In all dem materiellen Wohlstand sind die menschlichen Bindungen entweder ganz verschwunden oder zu sinnentleerten, immergleichen Ritualen verkommen. Auf einer Stufe mit „American Beauty“ steht der Film dabei zwar nicht, sehenswert ist er allemal.

7/10

PS: Der Titel „Chumscrubber“ ist sicher schwer zu übersetzen, wenngleich er sich im Film von selbst erklärt. Wörtlich übersetzt er sich mit „Kumpelbürste“. Anyways, der deutsche Titel des Films ist einfach daneben, und das wollte ich noch schnell gesagt haben.

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