Underworld

Es gibt Filme, die sind einfach zu dunkel für die kleine Heimkinoanlage. „Feardotcom“ war so einer, und auch die düstere Stimmung von „Underworld“ kommt auf der großen Leinwand sicher besser zur Geltung als zuhause. Denn auf einem mittelgroßen Fernseher ist die anhaltende Dunkelheit auf dem Bildschirm auf die Dauer doch ein wenig nervig. Zwei Herzen schlagen da in des Publikums Brust. Eines, dass die atmosphärische Finsternis gerne in Kauf nimmt, denn schließlich haben wir es hier fast ausschließlich mit Vampiren und Wehrwölfen zu tun. Das andere Herz würde dann doch gerne etwas mehr sehen wollen, von all den fiesen Sachen, die sich da im Dunkeln abspielen.Im Zentrum der cineastischen Dunkelheit des Films steht die ausgesprochen hübsche Vampirin Selene (Kate Beckinsale). Irgendwann, in nicht so ferner Zukunft, in einer nicht so fernen europäischen Stadt, wird die Welt von drei Spezies bewohnt: von Vampiren, Werwölfen und Menschen – die in etwa Status und Prestige von wandelndem Hackfleisch genießen. In Übereinstimmung mit den Traditionen der Bluttlinien hat Kraven (Shane Brolly) die Führung der Vampire für einige Zeit übernommen. In die Zeit seiner Herrschaft fällt Selenes Beobachtung, daß die Werwölfe – ohne ersichtlichen Grund – menschlichen Wesen mit dem Nachnamen Corvin nachjagen. Zunächst noch ohne Wissen über die Motive der Menschenjagd stellt sie ein paar Nachforschungen an, die sie zu äußerst interessanten und folgenreichen Erkenntnissen führen.

Zu den wichtigen handelnden Personen gehören dann bald auch der totgeglaubte Werwolf Lucian, der vorzeitig von Selene erweckte weise Vampir Viktor und ein Mensch namens Michael Corvin (Scott Speedman). In dieser „Aufstellung“ bewegt sich „Underworld“ dann auf die Auflösung seines etwas verwirrenden Plots hin. Nun ist es nicht so, daß die Grundzüge der Story unverständlich wären. Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, das ein etwas gradlinigerer Erzählansatz der Geschichte gut getan hätte. Gerade am Anfang des Films wirkt doch vieles ein wenig wirr und unnötig kompliziert. Wenn etwa ein Autounfall von Selene und Corvin beinahe böse ausgeht und sich dann innerhalb eines Schnittes die Rollen von Retter und Gerettetem vertauschen, mag man sich ein wenig aufs Glatteis geführt vorkommen. Letztlich lösen sich solche Widersprüche meist wieder auf, weil sie eben nicht einfach unlogisch sind, sondern der verschachtelten Inszenierung geschuldet sind. Für Freunde des gepflegten Vampirfilms gibt es jedoch auch Positives zu berichten. So sehen die Kostüme und das Set-Design schon sehr ordentlich aus, und auch die Special-Effects sind up-to-date.

Mit Kate Beckinsale eine Frau in den Mittelpunkt eines Untoten-Spektakels zu stellen war durchaus eine mutige Entscheidung der Produzenten, die ihnen die knackige Britin dann auch mit einer soliden Darstellung dankt. Wahrscheinlich um das Risiko eines Kassenflops möglichst zu minimieren, bekam ansonsten nur eine weitere Frau eine nennenswerte Sprechrolle, alle weiteren Schlüsselpositionen der Story besetzen hier männliche Unwesen. Wer den ersten „Blade“ mochte, wird sich „Underworld“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ansehen können ohne größeren Schaden zu nehmen. Klassischer „Gothic-Look“, blutige Gefechte und allerlei unterhaltsames Vampir-Gedöns sorgen für einen insgesamt recht anständigen Film, der sich allerdings bei den meisten Betrachtern schon nach kurzer Zeit von selbst aus der Erinnerung löschen wird. Ist aber ja halb so wild.
5/10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.