Apocalypto

Nachdem Mel Gibson im Sommer besoffen am Steuer festgenommen wurde und dabei auch noch antisemitische Äußerungen von sich gab schien seine Karriere einen endgültigen Tiefpunkt erreicht zu haben. Sein voriger Film „Passion Christi“, dem einige Kritiker ebenfalls eine Tendenz zum Antisemitismus vorwarfen, hatte sein Image als fundamental-christlicher Wirrkopf etabliert. Durch den Vorfall im Sommer jedoch wurde Gibson für viele führende Köpfe in Hollywood untragbar. Einen Verleih für sein neuestes Werk „Apocalypto“ hat er in Disneys Buena Vista trotzdem gefunden, produziert hat er den Film durch seine Firma Icon Productions selbst. So steht das Publikum vor einem schwierigen Dielmma. Kann man sich guten Gewissens einen Film ansehen, dessen Regisseur höchstwahrscheinlich judenfeindliche Ansichten hat? Wer Gibson aus diesem Grund boykottiert, tut dies mit gutem Recht. Es ist aber ebenso legitim, den Film zunächst eigenständig zu bewerten, ohne ihn dabei blind von seinem Schöpfer zu trennen. Und um es vorweg zu nehmen, der Film bietet eine Menge Stoff für Diskussionen. Aber er spielt zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Reich der Maya, und bietet wenig bis keine Angriffsfläche, ihn mit der Debatte um seinen Regisseur in Verbindung zu setzen. Gedreht mit gänzlich unbekannten (Laien-)Darstellern und in einer wohl authentischen indianischen Sprache lässt „Apocalypto“ das Reich der Maya in Mittelamerika auf der Leinwand auferstehen. Der Beginn ist – abgesehen von der erfolgreichen Jagd eines Tapirs – weitgehend friedlich. Gezeigt wird das Leben eines kleinen Stammes, der in einem Dorf tief im Urwald lebt. Zur Identifikationsfigur für den Zuschauer dient der junge Jäger Jaguarpfote, dem als Sohn eines Anführers eine besondere Verantwortung zukommt. Er wohnt mit seiner schwangeren Frau und seinem Sohn in einer kleinen Hütte, umgeben von einem Gemeinwesen, in dem auch der Humor nicht unbekannt ist.

Mit dem Frieden ist es bald vorbei. Eine Gruppe finsterer Krieger überfällt das Dorf im Morgengrauen und überwältigt und tötet alle seine Bewohner. Jaguarpfote kann grade noch seine Familie in ein Versteck bringen, muss dann aber mit ansehen, wie die Eindringlinge seinem Vater die Kehle durchschneiden. Die Kette von ineinandergreifenden Ereignissen ist damit in Gang gesetzt, der Rest des Films besteht im Wesentlichen aus drei Teilen. Zunächst werden die Einwohner gefesselt und in einem langen Gewaltmarsch durch den Urwald getrieben. Ihr Ziel ist eine beeindruckende Stadt, in der sich die herrschenden Klassen von Sklaven ihre Tempel bauen lassen. Finsterer Höhepunkt ist eine Zeremonie, in der ein Hohepriester dem Sonnengott mehrere Menschenopfer bringt. Eine Sonnenfinsternis beendet diesen zweiten Teil, es folgt in der letzten knappen Stunde des Films eine schier endlose Verfolgungsjagd auf Jaguarpfote, der es geschafft hat seinen sadistischen Peinigern zu entkommen.

Auf der Leinwand gibt es dabei immer etwas zu entdecken. Ohne viel Vorwissen und ohne bestimmte vorgefertigte Bilder im Kopf kann man diese unbekannte Welt vollständig neu entdecken, mit all ihren Rätseln, Traditionen und Ritualen. Das ist es, was „Apocalypto“ aus der Masse aller Filme dieses Jahres heraushebt. Wie sonst nur in Terence Malicks „The New World“ gibt es etwas völlig neues, im Kino so nicht dagewesenes zu sehen. Diese Faszination, mit der man sich den in überwältigenden Bildern gefilmten Eindrücken widmet, ist den Gang ins Kino allein bereits wert. Gleichzeitig muss jedoch gewarnt werden. Der Film ist extrem brutal und enthält einige schlichtweg widerliche Szenen, die sich manche Zuschauern ganz sicher nicht zumuten möchten. Abgeschlagene Köpfe, unzählige Leichen, noch schlagende menschliche Herzen, massenhaft Blut und auf jede erdenkliche Weise malträtierte Körper nehmen einen großen Teil des Geschehens ein.

Hier aber stellen sich auch kritische Fragen. Sind die sadistischen Exzesse authentisch? Oder benutzt Gibson diese untergegangene Zivilisation nur, um vor exotischer Kulisse einen eingeboren „Indiana Jones“ zum Actionhelden machen zu können? Soll das alles am Ende nur Unterhaltung sein? Fest steht, dass der Film sein Publikum herausfordert. Es bleibt eindeutig dabei, Mel Gibson philosophiert mit dem cineastischen Hammer. Vielleicht ist es auch schon ausgewachsener Größenwahnsinn, wenn sich ein Regisseur nach der Leidensgeschichte Christi gleich den Untergang eines ganzen Volkes vornimmt.

Auch die möglichen Querverweise des Films auf die Gegenwart sind vielfältig zu interpretieren. So macht der Film deutlich, dass die Hohepriester eigentlich Scharlatane sind, die ihrem Volk eine Sonnenfinsternis (die sie als solche erkannt und sogar auf die genaue Uhrzeit bestimmt haben) als göttliche Intervention verkaufen. Sklaverei und Expansion, sowie fehlender Respekt vor dem Individuum werden eindeutig als Gründe für den inneren Zerfall der Maya ausgemacht. Betrachtet Gibson also Freiheit, Bescheidenheit und Individualismus als die höchsten Werte jedes Gemeinwesens? Auch die Rolle der europäischen Eroberer lässt „Apocalypto“ offen, ihre Ankunft liegt am Ende zwar in der Luft, das Aufeinandertreffen der verschiendenen Kulturen ist aber nicht mehr Teil des Films.

Als Abenteuer- und Actionfilm verdient sich „Apocalypto“ zweifellos Bestnoten. Wer die grenzenlose Gewalt auszuhalten vermag bekommt einen lohnenswerten Ausflug in die Geschichte zu sehen, ein am Ende rasendes Spektakel, das, ob man es mag oder nicht, sicher niemandem langweilig wird. Über den (untertrieben gesagt nicht ganz unwichtigen) Realitätsgehalt müssen jedoch andere urteilen. Mein Interesse für die Zivilisation der Maya ist jedenfalls durch den Film eindeutig gestiegen. Und wenn es auch manchmal schwerfiel, hinzusehen, gehörte dieser Gang ins Kino zu den unvergesslichsten der letzten Jahre.

8/10

Casino Royale

Nach vier Filmen mit Pierce Brosnan als James Bond haben die Produzenten der 007-Reihe die Zusammenarbeit beendet. Etwas verdutzt nahm die Welt zur Kenntnis, daß fortan der Engländer Daniel Craig als Superagent die Welt retten sollte. Die Vorbehalte gegen Craig waren immens. Er ist blond, sieht nach herkömmlichen Standards nicht so gut aus wie Brosnan und hat sich bislang keineswegs einen Namen als Actionheld gemacht. Auch ich war einigermaßen skeptisch, andererseits aber auch schwer enttäuscht von Brosnans letztem Film „Die Another Day“. Zuviel irrwitziger Zirkus, zu vollgestellt und – für Brosnan ungewöhnlich – zu uncool. So ist die Neubesetzung der Hauptrolle auch eine Chance für die Produzenten, ein paar Änderungen vorzunehmen, und diese Chance haben sie erstaunlich konsequent genutzt.Der „neue“ Bond, der sich in „Casino Royale“ vorstellt, ist gerade erst zum 00-Agenten befördert worden. Zum Ärger seiner Vorgesetzten M (Judi Dench) nutzt Bond seine neuerworbene Lizenz zum Töten bei seinem zweiten Einsatz eine Spur zu Publicity-wirksam ein. Trotz ihrer Mißgunst schickt sie 007 zu einem gefährlichen Einsatz nach Montenegro, wo der verschlagene Geldwäscher Le Chiffre (Mads Mikkelsen) im „Casino Royale“ eine Pokerrunde mit monströsen Einsätzen veranstaltet. Dabei an seiner Seite ist die schöne Vesper Lynd (Eva Green), die in erster Linie auf die Bond anvertrauten 10 Millionen Dollar aufpassen soll.

Verglichen mit den jüngsten Brosnan-Filmen hat sich im Universum Bond einiges geändert. Es gibt keinen Q, und somit auch nur sehr wenige Gimmicks, es gibt keine extra lange Actionsequenz vor den Credits, und es gibt – zum Glück – auch keinen aberwitzigen Bösewicht, der die Welt beherrschen will. Die Story von „Casino Royale“ legt ihren Fokus eindeutig auf die Figur des Geheimagenten, der sich in der komplizierten Welt der internationalen Spionage zurecht finden muss. Daniel Craig ist als Bond weniger glatt als sein Vorgänger, und die Arbeit geht ihm weniger leicht von der Hand. In einer der schönsten Szenen des Films kommt kurz Bonds Herkunft als Waisenjunge ins Spiel, ein wichtiger Hinweis darauf, dass diese neue Bondfigur nicht als smarter Superheld und Frauenverführer auf die Welt gekommen ist. An anderer Stelle kommt gar die Frage auf, ob er sein Dasein als Spion nicht völlig aufgeben sollte.

Eva Green macht als Bonds Love-Interest eine sehr gute Figur. Im Gegensatz zu den allermeisten Bondgirls kann man die von ihr gespielte Vesper Lynd als Figur ernst nehmen. So schick Halle Berry auch sein mochte, ihre Rolle als toughe CIA-Agentin Jinx in „Die Another Day“ war letztlich nichts weiter als ein scheeles Zugeständnis an den Massengeschmack. Judy Dench ist als M wie immer überzeugend und sorgt für ein bißchen Kontinuität, Jeffrey Wright gibt einen guten Felix Leiter, während die Abwesenheit von Q nicht sonderlich schwer wiegt. Der originale Q-Darsteller Desmond Llewelyn ist ohnehin nicht zu ersetzen, auch wenn mir scheint, dass sich die Produzenten für den nächsten Film einen Nachfolger suchen werden.

Einer großen Tradition der Reihe bleibt man gleichwohl treu. Die Handlung umfasst locker ein halbes Dutzend Schauplätze, darunter Prag, die Bahamas, Miami, Montenegro und Venedig, Bösewicht Le Chiffre verschlägt es anfangs gar in den Dschungel Ugandas. Die Action hat sich dagegen stark gewandelt. Statt gigantischer Sets und wilden Effekten gibt es nun beinahe herkömmliche Schießereien und Verfolgungsjagden, die jedoch packend und mit viel Gespür fürs Material umgesetzt wurden. Bonds erste Großtat in „Casino Royal“ ist eine wahrlich beeindruckende Verfolgungsszene per pedes quer durch eine Großbaustelle samt der dazugehörigen Kräne. Gegen Ende zeichnet er verantwortlich für den Untergang eines kompletten Altbaus, der unzweifelhaft unter Denkmalschutz stand…

Ein paar Schwächen gibt es leider auch zu vermelden. So ist der Film locker eine Viertelstunde zu lang, und die Story nicht immer sonderlich schlüssig. Auch sind einige Szenen (Stichwort: Selbstwiederbelebung) etwas over-the-top geraten und lassen einen schon mal schmunzeln. Grundsätzlich aber ist dieser Neustart ein voller Erfolg geworden. Daniel Craig verleiht James Bond mit seiner ungeschliffenen, körperbetonten Art neue Facetten, ohne ihr damit zu schaden. Das Drehbuch enthält eine Vielzahl klassischer Szenen (Casino, Aston Martin, Vernaschen der Frauen von Bösewichtern), die dem Film den dringend benötigten Bond-Charakter verleihen, und darüber hinaus einige köstliche Dialoge. Regisseur Martin Campbell hat mit „Goldeneye“ schon einmal einen sehr guten Neustart der Reihe in Szene gesetzt, und ist auch in diesem Fall ganz klar die richtige Wahl. Vergessen wir also das ganze Gerede, daß Craig kein Bond sein kann – denn es ist, wie es bei Bondfilmen sein sollte: Man hat gerade einen gesehen und freut sich schon wie ein kleines Kind auf den nächsten.

9/10

Crank

„Crank“ ist ein wahres Monster von einem Film. Ein Minimum an Handlung, stereotype Charaktere, gepaart mit einer bestialischen Überdosis Action, Gewalt und Humor. Dabei ist der Film so politisch unkorrekt und brutal, dass sich eine Freigabe ab 18 Jahren von selbst versteht. Der Schlüssel zum Verständnis zu dieser cineastischen Höllengeburt des Regisseur-Duos Neveldine/Taylor liegt darin, „Crank“ nur an dem zu messen, was er sein will. Überlaute, blutige, übertriebene und keinesfalls ernst zu nehmende Unterhaltung für ein überwiegend männliches Publikum.

Dem Mafia-Hitman Chev Chelios (Jason Statham) wird zu Beginn ein tödliches Gift namens Beijing Cocktail injiziert. Seinen unausweichlichen Tod kann Chev durch Adrenalinschübe und die Einnahme von aufputschenden Drogen nur hinauszögern. Diese (völlig hanebüchene) Prämisse bestimmt die komplette Handlung, denn Chev wagt von nun an die halsbrecherischsten Stunts, um Adrenalin zu produzieren. Dass er dabei nicht viel Rücksicht nehmen kann, ist klar – jede Ruhepause würde seinen Tod bedeuten.

Den kompletten Film über ist Chev also in Bewegung. Mal rast er mit seinem Auto durch eine Shopping-Mall, dann klaut er einem Polizisten sein Motorrad oder legt sich mit einem Haufen übler Gangster an. Hauptsache Action, nur keinen Gang runterschalten. Um diesen irrsinnigen Kampf gegen die Zeit visuell stimmig umzusetzen, greifen die Regisseure zu Splitscreen-Aufnahmen, Handkameras, und einem rasanten Schnitttempo. Zum passenden Soundtrack gehört z. B. das grandios-lärmende „New Noise“ von The Refused.
Dieses wahnwitzige Szenario wird dem Publikum mit einer anständigen Portion Humor serviert, der Film kann gewissermaßen über sich selber lachen. Das Gelächter im Saal war jedenfalls groß, als Chev – zum Zwecke der Adrenalinproduktion versteht sich – in aller Öffentlichkeit seine Freundin (Amy Smart) vögelt, versehentlich einen Wellensittich erschießt oder einem Kontrahenten den Arm abhackt. Das alles ist sicher völlig geschmacklos, aber gerade diese anarchistische Ader macht hier den Reiz aus. Ein weiteres Beispiel: Um sein Taxi zu klauen wirft Chev den dunkelhaarigen Fahrer auf die Straße, zeigt mit dem Finger auf ihn, spricht die Worte „Al Qaida“ – und schon fallen die Passanten über ihn her.

Hauptdarsteller Jason Statham trägt den Film fast die komplette Spielzeit auf seinen Schultern. Ohne seine überzeugende Leistung würde „Crank“ implodieren, aber Statham bringt die komischen Szenen ebenso gut rüber wie die zahlreichen Stunts. Nebenbei lässt er das Publikum durch ein paar scheele Blicke wissen, dass er sich der Farce, in der er da mitspielt, voll und ganz bewusst ist. Der vergiftete Killer Chev hat über die gesamte Laufzeit nur ein Ziel, und das ist natürlich Rache. Die Schwierigkeit besteht darin, den Obergangster Ricky Verone rechtzeitig ausfindig zu machen, bevor bei Chev für immer die Lampen ausgehen. Es kommt nach wie im Flug vergangenen knapp 80 Minuten zum Showdown auf dem Sonnendach eines Wolkenkratzers, wo sich ein Riesenhaufen verfeindeter Gangster gegenüberstehen.

Schon wegen der dauerpräsenten Gewalt und seiner allgemeinen Mißachtung des guten Geschmacks ist „Crank“ sicher nicht jedermans Sache. Für seine konsequente Linie gebührt seinen Machern Respekt. Der Film steht jenseits von Gut und Böse, und wird spätestens auf DVD auch ein größeres Publikum finden.

7/10

Crank

„Crank“ ist ein wahres Monster von einem Film. Ein Minimum an Handlung, stereotype Charaktere, gepaart mit einer bestialischen Überdosis Action, Gewalt und Humor. Dabei ist der Film so politisch unkorrekt und brutal, dass sich eine Freigabe ab 18 Jahren von selbst versteht. Der Schlüssel zum Verständnis zu dieser cineastischen Höllengeburt des Regisseur-Duos Neveldine/Taylor liegt darin, „Crank“ nur an dem zu messen, was er sein will. Überlaute, blutige, übertriebene und keinesfalls ernst zu nehmende Unterhaltung für ein überwiegend männliches Publikum. Dem Mafia-Hitman Chev Chelios (Jason Statham) wird zu Beginn ein tödliches Gift namens Beijing Cocktail injiziert. Seinen unausweichlichen Tod kann Chev durch Adrenalinschübe und die Einnahme von aufputschenden Drogen nur hinauszögern. Diese (völlig hanebüchene) Prämisse bestimmt die komplette Handlung, denn Chev wagt von nun an die halsbrecherischsten Stunts, um Adrenalin zu produzieren. Dass er dabei nicht viel Rücksicht nehmen kann, ist klar – jede Ruhepause würde seinen Tod bedeuten. Den kompletten Film über ist Chev also in Bewegung. Mal rast er mit seinem Auto durch eine Shopping-Mall, dann klaut er einem Polizisten sein Motorrad oder legt sich mit einem Haufen übler Gangster an. Hauptsache Action, nur keinen Gang runterschalten. Um diesen irrsinnigen Kampf gegen die Zeit visuell stimmig umzusetzen, greifen die Regisseure zu Splitscreen-Aufnahmen, Handkameras, und einem rasanten Schnitttempo. Zum passenden Soundtrack gehört z. B. das grandios-lärmende „New Noise“ von The Refused.

Dieses wahnwitzige Szenario wird dem Publikum mit einer anständigen Portion Humor serviert, der Film kann gewissermaßen über sich selber lachen. Das Gelächter im Saal war jedenfalls groß, als Chev – zum Zwecke der Adrenalinproduktion versteht sich – in aller Öffentlichkeit seine Freundin (Amy Smart) vögelt, versehentlich einen Wellensittich erschießt oder einem Kontrahenten den Arm abhackt. Das alles ist sicher völlig geschmacklos, aber gerade diese anarchistische Ader macht hier den Reiz aus. Ein weiteres Beispiel: Um sein Taxi zu klauen wirft Chev den dunkelhaarigen Fahrer auf die Straße, zeigt mit dem Finger auf ihn, spricht die Worte „Al Qaida“ – und schon fallen die Passanten über ihn her.

Hauptdarsteller Jason Statham trägt den Film fast die komplette Spielzeit auf seinen Schultern. Ohne seine überzeugende Leistung würde „Crank“ implodieren, aber Statham bringt die komischen Szenen ebenso gut rüber wie die zahlreichen Stunts. Nebenbei lässt er das Publikum durch ein paar scheele Blicke wissen, dass er sich der Farce, in der er da mitspielt, voll und ganz bewusst ist. Der vergiftete Killer Chev hat über die gesamte Laufzeit nur ein Ziel, und das ist natürlich Rache. Die Schwierigkeit besteht darin, den Obergangster Ricky Verone rechtzeitig ausfindig zu machen, bevor bei Chev für immer die Lampen ausgehen. Es kommt nach wie im Flug vergangenen knapp 80 Minuten zum Showdown auf dem Sonnendach eines Wolkenkratzers, wo sich ein Riesenhaufen verfeindeter Gangster gegenüberstehen.

Schon wegen der dauerpräsenten Gewalt und seiner allgemeinen Mißachtung des guten Geschmacks ist „Crank“ sicher nicht jedermans Sache. Für seine konsequente Linie gebührt seinen Machern Respekt. Der Film steht jenseits von Gut und Böse, und wird spätestens auf DVD auch ein größeres Publikum finden.

7/10

Underworld: Evolution

In den letzten Jahren sind vermehrt Versuche gestartet worden, weibliche Actionhelden im Kino zu etablieren. Gelungen ist dies unter anderem den „X-Men“, die mit Halle Berry, Rebecca Romijn und Famke Janssen gleich drei schlagkräftige „X-Women“ zu bieten haben, wenngleich in einem Ensemble, das auch Männer umfasst. Völlig mißraten sind dagegen die Versuche „Elektra“ und „Catwoman“ erfolgreich auf die Leinwand zu bringen. Etwas im Schatten dieser bekannten Namen startete 2003 das Vampir-Spektakel „Underworld“ in unseren Kinos, ebenfalls versehen mit einer hübschen Frau als zentrale Heldin. Kate Beckinsale spielt nun auch im zweiten Teil die Vampirin Selene und schlägt sich dabei wacker.Im Universum von „Underworld“ ist die Welt bevölkert von Menschen (nicht der Rede wert), Vampiren und Werwölfen. Der erste Teil hat das Publikum mit dem Leben und Wirken dieser beiden Rassen vertraut gemacht, nun gibt es, wie der Titel bereits sagt, etwas über die Entstehung der herrschenden Ordnung zu erfahren. Die Geschichte ist dabei gar nicht so unkompliziert, da die Akteure recht flink einen Haufen Namen nennen, deren Zuordnung nicht immer leicht fällt. Schon gar nicht, wenn einzelne Figuren zwischendurch ihre Gestalt verändern. Wer jedoch zu den Guten gehört und wer Böses im Schilde führt, das ist eigentlich immer ersichtlich.

Natürlich kämpft Selene auch dieses Mal wieder für die gute Sache. Im hautengen schwarzen Outfit unter ihrem wehendem, ebenso schwarzen Mantel macht sie im doppelten Sinne eine gute Figur. Unterstützt wird sie von dem „Hybriden“ Michael (Scott Speedman), einer Mischung aus Mensch, Vampir und Werwolf, der gleichzeitig ihr Liebhaber ist. Es geht sehr brutal zur Sache in „Underworld: Evolution“, was einige Kinogänger abschrecken könnte. Freunde von Vampirfilmen wird das weniger stören. Der Film ist ebenso düster wie sein Vorgänger, Tageslicht gibt es ebenso wenig wie hell erleuchtete Räume, was natürlich mit der Natur der Vampire zu tun hat. Es gibt eine ordentliche Portion Action und eine Vielzahl von ansprechenden Kämpfen zu sehen, die zwar nicht besonders aufregend sind, aber mindestens im Kino für ausreichend Thrill sorgen können. Der Film lebt von der Bewegung, und dürfte auf kleinen Bildschirmen einen beträchtlichen Teil seines Reizes verlieren.

So hat sich Regisseur Len Wiseman eine bequeme und erfolgreiche Nische geschaffen, um weiter Geschichten aus seiner dunklen Phantasie-Welt zu erzählen. Bei der Inszenierung des Plots ist durchaus Spielraum nach oben, denn spannende Stoffe können durchaus straffer erzählt werden. Wiseman hingegen bedient sich wie schon im ersten Teil lieber einer verschachtelten Erzählweise, die wie ich zu behaupten wage jedoch keinen Mehrwert einbringt. Letztlich sorgen aber auch weniger die Geschichten um alte Vampirhaudegen und Ur-Werwölfe für gelungene Unterhaltung, als vielmehr die kunstvoll ausgestatten, dynamischen Bilder. Hauptfigur Selene, gleichzeitig attraktiv, gefährlich und geheimnisvoll, passt wunderbar in diese Umgebung hinein, und so wird Kate Beckinsale wohl bald zum dritten Mal in der Rolle dieser Actionheldin zu sehen sein. Davon können „Catwoman“ Halle Bery und „Elektra“ Jennifer Garner nur träumen.

6/10

Vier Brüder (DVD)

In einem kleinen Lebensmittelgeschäft in Detroit erschießen maskierte Gangster eine gutmütige, etwa sechzigjährige Frau. Das ganze sieht wie ein Überfall aus, aber es gibt da einige junge Männer, die das nicht so ganz glauben können. Dabei handelt es sich um Bobby, Angel, Jeremiah und Jack, die vier Adoptivsöhne von Evelyn Mercer, die sich zu ihrer Beerdigung zusammenfinden. Die vier sind die einzigen Kids gewesen, für die Ms. Mercer, ehemalige Stiftungsmitarbeiterin, keine Adoptiveltern finden konnte. Alle waren schon in sehr jungen Jahren berüchtigte Problemfälle und Straftäter, und so musste die patente, gutherzige Frau sie eben selbst zu sich nehmen.Mark Wahlberg spielt Bobby, den Ältesten und daher natürlichen Anführer der Gruppe. Outkasts Andre Benjamin gibt den sesshaft gewordenen Jeremiah, Tyrese Gibson ist Angel, dazu kommt Nesthäkchen Jack (Garett Hedlund). Regisseur John Singleton, bekannt geworden durch „Boyz N The Hood“, inszeniert in der Folge eine andauernde Jagd der Brüder nach den Tätern, ihren Motiven und Hintermännern. Ähnlich wie schon in „8 Mile“ kommt dabei die Stadt Detroit nicht besonders gut weg, zu sehen ist ein endloses Ghetto voller gefrusteter, korrupter und krimineller Leute. Wer glaubt, das Geschehen wäre mit leiser bis hörbarer Sozialkritik gewürzt, liegt daneben, im Grunde ist der Geist des Films recht konservativ. Die zwei zuständigen Polizisten betrachten das rabiate Treiben der Mercers mit Sorge, können allerdings auch nicht überzeugend klarmachen, dass der Fall bei ihnen besser aufgehoben wäre. Aber schließlich ist „Vier Brüder“ auch ein Rache-Film, und da passt es gar nicht, wenn die Bullen die Verbrecher einfach wegsperren. Aus der Tatsache, dass zwei der Brüder weiss und zwei schwarz sind, wird eigentlich nichts Nennenswertes rausgeholt. Immerhin spricht man so ein breiteres Publikum an, was dem Erfolg (vor allem in den USA) sicher zuträglich war.

Die Story kommt sehr schnell in Fahrt, zumindest in Bezug auf die Action. Mit Fragen hält sich hier keiner lange auf, dafür gibt es umso mehr Verfolgungsjagden und Schießereien. Damit das überschaubare Programm nicht zu schnell abgespult wird, bekommt der Fall der toten Lady gar noch politische und persönliche Verwicklungen verpasst. Für einen ernsthaften Thriller reicht das aber nicht. Die Figuren sind gar nicht sooo unglaubwürdig, passen aber in erster Linie gut ins Drehbuch und lassen ein paar lustige Sprüche hören. Die Handlung bietet genug Action, nimmt sich aber für das eher platte Gangster- und Machogehabe einiger Charaktere ein bißchen viel Zeit. Alles zusammen ergibt ein Ghetto-Märchen für ein junges, männliches Publikum, gewürzt mit einem ordentlichen Schuß Selbstjustiz. Als Popcorn-Unterhaltung geht das noch durch, dringend sehen muss den Film aber niemand.

6/10

Das Ende – Assault on Precinct 13

Die Ausgangssituation dieses Thrillers von Jean-Francois Richet ist B-Movie-Material vom Allerfeinsten. Die Polizeistation Nr.13 in Detroit steht kurz vor der Schließung. Notdürftig besetzt richtet sich das Personal auf die bevorstehende Schließung und einen geruhsamen letzten Abend ein. Die Aufsicht hat der ehemalige Undercover-Cop Jake Roenick (Ethan Hawke), der sich nach einem misslungenen Einsatz in einen Schreibtischjob geflüchtet hat. Die hübsche Sekretärin Iris verbreitet gute Laune, der alte Jasper feiert sein baldiges Rentnerdasein. Eher unfreiwillig gesellt sich Jakes Psychiaterin Dr. Sabian (Maria Bello) dazu, sie kann wegen des Schneetreibens die Wache nicht mehr verlassen. In den Nachrichten erfährt die muntere Gesellschaft von der Festnahme des fiesen Copkillers Bishop (Lawrence Fishburn). Dessen Gefangenentransport kann seine Fahrt wegen des schlechten Wetters nicht fortsetzen und landet, na klar, in unserer kleinen Wache. Wenig begeistert sperren Jake und die Wärter Bishop und seine drei Mitgefangenen in die alten Zellen. Kurz darauf gerät das Bullenkloster unter heftigen Beschuss. Doch handelt es sich bei den Angreifern keineswegs um Bishops Weggefährten. Die Belagerer sind korrupte Polizisten, die eine Aussage des Gangsters vor Gericht um ihre Karrieren bringen würde. Die bösen Cops, deren Anführer von Gabriel Byrne verkörpert wird, sind zu allem entschlossen und machen unseren Helden das Leben zur Hölle. Das Ende ? Assault on Precinct 13 basiert auf einem Film von John Carpenter von 1979, über den mir allerdings überhaupt nichts bekannt ist.

Mit Logik sollte man sich hier nicht lange aufhalten, das führt zu nix. Der Plot ist geeignet, den durchweg stark aufspielenden Schauspielern Raum für einige sehenswerte Szenen zu liefern, und nur das zählt. Das Erzähltempo ist flott und variiert gekonnt zwischen der äußeren Bedrohung durch die mörderischen Angreifer und den inneren Konflikten des zusammen gewürfelten Haufens im Revier. Denn natürlich haben Roenick, Bishop und Co nur eine Chance, wenn sie sich ? gegen alle Vorbehalte ? zusammentun und gemeinsam ums Überleben kämpfen. Die Gefangenen werden bewaffnet, was nicht ganz unproblematisch von Statten geht und die Sache ein wenig interessanter macht. Die Chemie zwischen den Alphatieren Ethan Hawke und Lawrence Fishburn stimmt zum Glück, und so tragen die beiden den Film die meiste Zeit auf ihren Schultern. Doch auch einige Nebencharaktere, vor allem John Leguizamo als durchgeknallter Gangster und Maria Bello als verängstigte Seelenklempnerin, tragen zum Gelingen des Projekts ihren Teil bei.

Es gibt in diesem Film nichts wirklich Neues oder sonderlich Originelles zu entdecken. Zu oft sind solcherlei Geschichten schon auf der Leinwand zu sehen gewesen. Das Ende funktioniert trotzdem, weil die Macher sich auf die Umsetzung, auf das Timing und die Darsteller konzentrieren und nicht auf überraschende Plotwendungen oder blutarme Stilübungen. Die zahlreichen Ballerszenen sind gelungen und wissen geschickt Spannung zu erzeugen. Die zum Teil sehr drastischen Bilder sind gewiss nicht jedermanns Sache, passen aber zu dieser beherzt und mit Sorgfalt inszenierten Straight-To-DVD-Produktion wie die Faust aufs Auge. Wenn sich die Überlebenden zum Finale des Streifens dann aus der Wache schleichen, und die Story in einem nahe gelegenen Waldstück ihr wohlverdientes Ende findet hat man freilich auch langsam genug gesehen. Das wahre Kunststück ist es angesichts der recht statischen Geschichte, das Interesse des Publikums zu wecken und über das Leben vieler handelnder Personen hinaus aufrecht zu halten. Das gelingt hier überraschend gut.

7/10

Neuer Stuff

Brothers GrimmTerry Gilliam hat es lange probiert, am Ende ist es nichts geworden mit seiner Verfilmung des Don Quichote. Naturkatastrophen, Krankheiten, es ging über Jahre alles schief beim Dreh. Deshalb hier erstmal die Empfehlung sich irgendwo den Dokumentarfilm Lost in La Mancha zu besorgen, der das Scheitern dieses Projekts eindrucksvoll dokumentiert.

Statt Windmühlen gibt es also nun Märchen. Dabei ist der Film weder eine Biographie der namensgebenden Brüder noch eine getreue Nacherzählung eines ihrer Märchen. Gilliam schmeißt seine Grimms, verkörpert von Matt Damon und Heath Ledger, ins von Napoleon besetzte Deutschland und zeigt sie zunächst als Scharlatane. Mit allerhand Gerät jagen sie Dorfbewohnern Angst ein, um sich dann als Retter in der Not zu verkaufen.

Damit ecken sie jedoch bei Hofe an und sehen sich bald genötigt einer wirklichen düsteren Mär auf den Grund zu gehen. Dabei spielt eine greise Königin ebenso eine Rolle wie andere Versatzstücke Grimmscher Bauart. Bei allem Einfallsreichtum und visueller Strahlkraft verläuft sich dabei leider die Handlung im Ungefähren und gerät, sicher nicht ganz unabsichtlich, zur Farce. In einer vortrefflichen Nebenrolle stiehlt Peter Stormare als kauziger italienischer Edelmann dem Rest der Darsteller weitgehend die Schau. Mal mit solidem Slapstick und auch Dialogwitz, mal mit einer Prise Horror und Action fließt der Plot so dahin. Wirklich überzeugen kann keines der zahlreichen Elemente, immerhin bleibt aber der Unterhaltungswert durchgehend hoch. Nach dem Desaster seines Traumprojektes sind hier wohl die Pferde mit Terry Gilliam durchgegangen, und wer will ihm das schon ernsthaft verübeln.

6/10

Neues auf DVD:

Wonderland

Val Kilmers Karriere ging seit Mitte der 90er Jahre den Bach runter, noch bevor sie richtig angefangen hatte. Nach seinem starken Jim Morrision in Stones The Doors gab er einen miesen Bruce Wayne in einem noch mieseren Batman. Seitdem mal Nebenrollen in besseren oder auch Hauptrollen in mäßigen Filmen. Doch seit The Shalton Sea und dem von mir so hoch geschätzten Spartan geht es bergauf. Kilmer ist in Würde ein wenig älter und dabei ein durch reine Körpersprache sehr ausdrucksstarker Schauspieler geworden, dem niemand mehr mangelnde Begabung attestiert. Seit dieser Woche ist er an der Seite von Robert Downey Jr. im hoch gelobten Kiss Kiss Bang Bang mal wieder im Kino zu sehen. Dazu demnächst mehr. Davor spielte er in diesem Film von James Cox den legendären Pornostar John Holmes.

Doch im Jahre 1981, zur Zeit der Handlung von Wonderland, ist Holmes kein Star mehr. Abgewrackt, drogensüchtig und haltlos irrt er durch die Halbwelt von Los Angeles und bekommt kein legales Bein mehr auf den Boden. Laut Vor und Abspann haben sich die Ereignisse, die hier erzählt werden, wirklich zugetragen. Im Zentrum des Geschehens steht ein Raubüberfall auf einen Gangster-Boss, den einige Jungs aus Holmes Bekanntenkreis um einen Batzen Kohle und einen Haufen Koks erleichtern. Die große Frage lautet nun: Wessen Idee war das, und wer hat welche Rolle dabei gespielt? Denn kurz nach dem Überfall sterben die ersten Beteiligten eines unnatürlichen Todes. Der Rest der Clique ist bald so besorgt um seine Haut, dass sogar ein klärendes Gespräch mit den Cops zur Alternative wird.

Als erster erzählt der Biker Lind seine Version der Geschichte, die der Film sogleich als Variante Nummer eins der Vorfälle anbietet. Die Polizisten haben so ihrer Zweifel. Dann ist Holmes selbst an der Reihe. Seine Ehefrau kommt ins Spiel, ebenso seine junge Geliebte. Natürlich liegt die Schuld im zweiten Anlauf ganz woanders. In einer Mischung aus Die üblichen Verdächtigen und Rashomon vermengen sich Dichtung und Wahrheit. Wonderland fordert schon einige Aufmerksamkeit von seinem Publikum bei der Suche nach dem wahren Hergang der Ereignisse. Doch das Puzzle ist sehr gut inszeniert, unterlegt mit einem wunderbar zeitgemäßen Soundtrack zieht der Film mit seiner ungestümen Art das Publikum mitten in die Geschichte herein. Selten kann man den Bildern vertrauen, immer schwingt ein bisschen Skepsis mit, doch passt diese Stimmung hervorragend zur rauschhaften, von zwielichtigen Typen bestimmten Geschichte. Ein Meisterwerk ist der Film deshalb noch nicht, ein atmosphärisch dichtes, wildes und gut gespieltes Stück Kino jedoch umso mehr.

7/10

Unleashed – Entfesselt

In der europäischen Kinolandschaft ist Luc Besson ein Phänomen. Seit einigen Jahren produziert er Mainstreamkino amerikanischen Zuschnitts, jedoch meist in Europa spielend und mit einer multinationalen Besetzung. So brachte er den unseligen Transporter auf den Weg, der immerhin so erfolgreich war, dass Teil zwei demnächst anläuft. Ebenfalls auf den Mist des Regisseurs von Leon Der Profi gewachsen ist auch das neueste Actionvehikel des Martial-Arts-Stars Jet Li. Mit Morgan Freeman und Bob Hoskins sind zwei weitere prominente Namen dabei, die Geschichte spielt in Glasgow.

Das Szenario ist düster, zynisch und brutal. Gangsterboss Bart hält sich Danny (Jet Li) wie einen Kampfhund. Schon als Kind hat er ihn zur Killermaschine dressiert, nun hockt er stoisch vor sich hin blickend in seinem Käfig. Es sei denn, sein Herrchen muss mal wieder Schulden eintreiben, dann wird Danny the Dog von der Leine gelassen, vom Halsband befreit und metzelt mühelos Dutzende Gegner nieder. Ein Autounfall bringt die Dinge aus dem Gleichgewicht, Danny findet Unterschlupf im Hause des blinden Klavierstimmers Sam, gespielt von Morgan Freeman, und dessen Adoptivtochter Victoria.

Regisseur Louis Leterrier hat seine Actionsequenzen dynamisch und eindrucksvoll in Szene gesetzt, ohne sich jedoch in die erste Liga der Actionkünstler zu katapultieren. Li agiert gewohnt flink, die Schlägertypen brechen sich mal wieder alle Knochen. Doch dann kommt Dannys Verwandlung, seine verspätete Menschwerdung, und die birgt so ihre Probleme. Die Gesetze der Logik und der Realismus treten sehr arg in den Hintergrund zugunsten einer gut gemeinten, aber bemerkenswert naiven Story einer verlorenen Seele. Die muss natürlich entdeckt, gerettet und geheilt werden. Sam und Victoria bedienen sich der Musik und der Nächstenliebe um Danny zurück ins normale Leben zu holen. Jet Li tut nicht viel mehr als stumm und verstört dreinzublicken, sich all die wohlmeinenden Worte seiner Ersatzfamilie anzuhören, sie nachzusprechen und generell das Beste draus zu machen. Ein simpleres Menschenbild war selten auf der Leinwand zu sehen.

Bevor es aber zum Happy End kommen kann, funkt Bart noch einmal kräftig dazwischen. Obwohl Hoskins ein fähiger Schauspieler ist, ist seine Rolle ein klares Minus und fällt in die Kategorie Langweilige Bösewichter. Und zwar deshalb, weil er einfach nur böse ist. Als Danny ihm anfangs das Leben rettet, ist er ungehalten, dass er auf dem Weg dahin ein paar Schrammen kassieren muss. Schließlich lässt er ihn in illegalen Kämpfen auf eine Horde wilder Killer los, um noch ein bisschen Geld mit ihm zu verdienen, danach geht es zurück in den Käfig. Überzeugende Schurken aber sollten immer ein wenig menschlich sein, nur das macht sie plausibel und überzeugend. Wahrscheinlich ist auch den Machern dieses Films aufgefallen, dass ihr Szenario an Zynismus und Unmenschlichkeit eingangs kaum zu überbieten ist und steuerten dem dann mit allerlei Eisessen und Klavierspielen entgegen. Da geben sich die Schauspieler zwar alle Mühe, können aber gegen den B Movie Charakter des Streifens in letzter Konsequenz nichts ausrichten.

4/10

A history of violence


Liebende Familienväter, die durch tragische Umstände zu finsteren Killern werden gibt es reichlich im modernen Kino. Da wandert Nicolas Cage in Con Air in den Bau, wenn er seine Familie beschützt, Tom Jane wird zum Punisher, als die seine von Gangstern ausgelöscht wird. Die Familie ist eben heilig und ein Angriff auf die Liebsten rechtfertigt im Actionfilm nahezu jede drastische Anwendung von Gewalt. Nun haben diese Filme meist nur sehr wenig mit der Realität zu tun. In David Cronenbergs A History of Violence spielt Viggo Mortensen den sehr realen Kleinstadt-Dad, doch nichts deutet zunächst auf eine Bedrohung seiner Familie hin. Die Welt ist noch in Ordnung, die Familie intakt, wie der Film in den ersten Szenen der von Albträumen geplagten Tochter deutlich macht.

Es ist ein unglücklicher Zufall, der die heile Welt von Tom Stall, seiner Frau Edi und ihren beiden Kindern Jack und Sarah bedroht. Als Tom eines Abends sein Diner an der Hauptstrasse schließen will, kommen zwei fiese Gestalten herein, und mit ihnen bricht die rohe Gewalt ins Leben der Kleinstadt ein. Mit gezogenen Waffen und sadistischem Grinsen drohen sie den Laden auseinander zu nehmen. Nur Sekunden später liegen sie mausetot da, präzise und brutal getötet von Tom. Als Held in der Presse gefeiert kehrt er ins traute Heim zurück, doch eine Rückkehr zur Normalität findet nicht mehr statt. Stattdessen kreuzen, durch die Medien alarmiert, Mafiosi von der Ostküste im beschaulichen Idaho auf, die in Tom einen Ex-Gangster namens Joey Cusack auszumachen glauben.

Wer also ist Tom Stall wirklich? Wer oder was war er vorher? Viggo Mortensens Spiel lässt anfangs darauf hoffen, er möge der friedliebende Kerl der ersten Filmminuten sein, und doch spricht sein Verhalten in Ausnahmesituationen eine ganz andere Sprache. Cronenberg setzt die kurzen, überfallartigen Actionsequenzen mit Verweisen auf die Polizei-Filme Takeshi Kitanos in Szene, ansatzlos, extrem blutig und ohne Untermalung von Filmmusik. Die Toten und Verwundeten sind grausam entstellt, mit schockierender Wirkung auf Augenzeugen und Publikum. Hier bringt die Gewalt keine bequeme Lösung, zu effizient und schnell werden die Menschenleben ausgelöscht, ohne dass sich danach je ein dauerhaftes Gefühl von Befreiung oder überstandener Not einstellen würde. Toms Bemühungen, den Schein aufrecht zu erhalten sind zum Scheitern verurteilt. Zu stark sind die Kräfte, die ihn mit seiner verdrängten Vergangenheit konfrontieren wollen. Seine Familie ist in Gefahr, eine Flucht unmöglich. Die Versuche des örtlichen Sheriffs, die Ordnung wieder herzustellen, wirken lächerlich angesichts der Entschlossenheit und kriminellen Energie der ungebetenen Besucher. Und selbst in Toms Familie kehren Gewalttaten ein, die noch Tage vorher undenkbar gewesen wären.

Durch die genaue und stimmige Inszenierung findet sich das Publikum hier auf der Seite eines unglaublich brutalen Killers wieder. Dass er dem Unterweltdasein abgeschworen hat, erhebt ihn über seine Gegner, aber viel wichtiger für sein Überleben ist, dass er der gefährlichere Killer ist. Wenn Tom am Schluss nur noch eine Möglichkeit sieht, seine Haut zu retten, nimmt das grotesk übersteigerte Gemetzel schon komische Züge an, so überspitzt entladen sich die Streitigkeiten vergangener Zeiten. Neben dem groß aufspielenden Mortensen agieren auch die anderen Darsteller, unter ihnen Maria Bello, Ed Harris und Wiliam Hurt, sehr überzeugend. Die von ihnen erzeugte Nähe zur Realität ist es, die das Szenario so ungeheuer spannend macht. Sicher hat Cronenberg hier kopflastiges Kino geschaffen, der Experimentcharakter von A History of Violence steht dabei aber der Unmittelbarkeit des Geschehens nicht im Weg. Der Film umgeht die Frage nach Toms/Joeys wahrer Vergangenheit und seiner Läuterung bis auf wenige Sätze. Er zeigt ihn vielmehr als positiv schizophrenen, der nur in der Not aus der Rolle des Normalbürgers ausbricht, um eben diese wieder spielen zu können. Dass dieser Spagat so gut wie unmöglich ist, machen die letzten Szenen auf prägnante Weise deutlich. Welcher der beiden Welten Tom letztendlich zuzurechnen ist lässt Cronenberg konsequenterweise offen.

9/10

The Punisher

Für Menschen, die von Comics soviel Ahnung haben wie ich, sei es gleich erwähnt: „The Punisher“ ist ein Superheld aus dem Universum von Marvel-Comics. Normalerweise sind solche ja leicht an klassischen Merkmalen wie Ganzkörper-Anzug oder übermenschlichen Fähigkeiten zu erkennen, aber im Falle von Frank Castle (Thomas Jane) liegen die Dinge ein wenig anders. Er hat zu Beginn der Geschichte einige recht herbe Todesfälle in der Familie zu verschmerzen, denn seine Arbeit als Undercover-Cop brachte ihm den Zorn des Verbrecherkönigs Howard Saint (John Travolta) ein.Auch so kann man also zum Superhelden werden – eine gewaltige Trotzreaktion, übermäßiger Ärger, überwältigende Trauer. Castle hat einen Waffendeal vereitelt, bei dem Saints Sohn zu Tode kommt. Deshalb löscht dieser, auf Anraten seiner Ehefrau, gleich die gesamte Familie des Cops aus. Eigentlich hätte der auch selber getötet werden sollen, aber er entkommt schwer verletzt und meiner nicht unbeträchtlichen Wut im Bauch. Zurück in Florida und wiederhergestellt muss er auch noch erkennen, dass die Polizei sich nicht eben ein Bein ausreißt, um Saint für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen.

So kann das natürlich nicht weitergehen, und so bezieht Frank eine heruntergekommene Wohnung und schmiedet finstere Pläne. Seine Nachbarn in dem verfallenen Mietshaus sind sein einziger sozialer Kontakt. Die drei sympathischen Verlierer schauen dem Treiben ihres neuen Nachbarn interessiert zu, und nach einiger Zeit und Nachbarschaftshilfe werden sie sogar in Castles Kampf mit Saints Schergen verstrickt. Es sind diese Szenen, in denen der Held endgültig vom Menschen zum „Punisher“ wird, da kann selbst die attraktive Joan (Rebecca Romijn-Stamos) nichts mehr dran ändern. Es sind ebenfalls diese Szenen, in denen der Film endgültig scheitert, weil er seine ernste Story und die obligatorischen Actionszenen nicht zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen kann. Für ein seriöses Drama bleibt die Hauptfigur in all ihrer Pein zu oberflächlich, für einen soliden Brutalinski-Schinken brennt wiederum zu selten die Luft.

Wie zur Erinnerung an des Punishers Superheldentum lässt Regisseur Hensleigh mal einen Over-the-top-Bösewicht den armen Castle vermöbeln, John Travolta so böse sein wie eben möglich – und erreicht doch nicht sein Ziel. Howard Saint ist als Bösewicht in etwa mit dem maßlos überzogenen Drogengangster vergleichbar, dem die „Bad Boys“ in ihrem zweiten Auftrag ans Leder wollten – die Grenze zwischen hirnloser Action und überzeichneten Comicgestalten ist hier zu fließend, die beiden Gangster sind austauschbar und somit weder realistisch noch phantasievolle Oberbösewichte. Sie sind schlicht langweilig, und das tut den Filmen sicher nicht gut. Natürlich braucht der „Punisher“ als ersten Gegner eine von Grund auf böse Figur, schließlich soll er ja seine Rolle als strafender Held ausfüllen können, Saint ist jedoch allzu beliebig geraten.

Die immense Wut im Bauch, die Castle über die Bestrafung seines persönlichen Feindes hinaus zum dauerhaften Einzelgänger und Vertreter der gepflegten Selbstjustiz macht, sie bleibt vage und muss eher vorausgesetzt werden. Ein psychologisch überzeugendes Coming-Out bietet die Story jedenfalls nicht. Von all den Comicverfilmungen der letzten Jahre ist der „Punisher“ eine der schwächeren, gescheitert wie vor einem Jahr der „Daredevil“. Dabei wäre durchaus mehr drin gewesen. Die wirklich interessanten Jahre hat der gute Bestrafer ja noch vor sich, wenn er abseits von persönlichen Gelüsten der Welt seinen Stempel aufdrücken will. Auf was für eine Klientel hat er es denn abgesehen, auf Politiker, Gangster oder Diktatoren? Und käme er vielleicht den Fledermaus- und Spinnenmännern dieser Welt mal in die Quere?
4/10

Das Vermächtnis der Tempelritter

Seit ca. drei Jahren macht das inzwischen bestätigte Gerücht die Runde, das Steven Spielberg und Harrison Ford einen vierten Teil von „Indiana Jones“ planen. Da sich aber bis heute kein anständiges Skript finden ließ, liegt das heiß erwartete Projekt weiter auf Eis. Gut für Action-Mogul Jerry Bruckheimer, der sich nicht lumpen ließ in der Zwischenzeit einen neuzeitlichen Indy-Klon ins Rennen zu schicken. In dem von ihm produzierten „Das Vermächtnis der Tempelritter“ jagt Nicolas Cage einem legendären Schatz von unschätzbarem Wert nach, mit freundlicher Unterstützung seiner Co-Stars Jon Voight, Harvey Keitel, Sean Bean und Diane Kruger.Ben Gates (Cage) ist von dem Gedanken an den „National Treasure“ (Originaltitel) seit seiner Kindheit besessen. Über Generationen kursiert in seiner Familie das Gerücht, auf einem kleinen Zettel in der Familientruhe befinde sich der Schlüssel zum Geheimnis. Die geschichtliche Herleitung involviert die Tempelritter, später dann die Freimauerer, von denen einige zu den Gründungsvätern der USA zählten. Um dem vagen Hinweis nachgehen zu können lässt sich der gute Ben mit dem bösen Millionär Ian Howe ein. Gemeinsam entdecken sie auf einem Schiff im ewigen Eis der Arktis einen neuen Hinweis, dann trennen sich ihre Wege wegen eines Streits. Howe will die originale Unabhängigkeitserklärung stehlen, um an die sagenhaften Reichtümer zu kommen, Ben sucht eben dies auf ungewöhnliche Weise zu verhindern.

Von nun an übernimmt endgültig die Action die Regie des Films, von der Library of Congress in Washington, DC geht es zum Staatsarchiv, weiter nach Philadelphia und auch da ist noch nicht Schluss. Auf der Seite der Guten finden sich die Bibliotheksbeamtin Abigail (Kruger) sowie Ben und sein Nerd-Partner Riley, den Bösewicht gibt Howe (Sean Bean) mit seinen finster dreinblickenden Schergen. Die endlose Hetzjagd legt ein hohes Tempo vor und folgt den klassischen Prinzipien eines Abenteuerfilms. Ohne Netz und doppelten Boden entfaltet sich die Geschichte in fast schon altmodischer Manier, die zahlreichen Logiklücken passen da viel zu gut ins Bild, um störend wirken zu können. Die pseudohistorische Story, die immer wieder auf den Gründungsprozess der Vereinigten Staaten zurückgreift, dient mal der Belustigung und mal eher der Ablenkung und darf getrost als hanebüchen bezeichnet werden.

Doch wen interessiert das schon, wenn der Ruf des Abenteuers einen Kinohelden ereilt hat. Wie ein moderner, naiverer Indiana Jones kaspert, trickst und rennt Nic Cage durch den Plot. Für die Ironie sind andere zuständig, Ben ist ein wahrer Held, ein nie wirklich erwachsen gewordenes Kind, das seinen großen Traum verfolgt. Jerry Bruckheimer hat ein Gespür für solches Material, und deshalb überrascht es nicht, dass sein „Vermächtnis der Tempelritter“ die geweckten Erwartungen mühelos erfüllt. Wenn der Hollywood-Produzent mit dem großen Ego einen Schatz ins Spiel bringt, dann gibt es auch einen zu sehen. Andererseits ist sein Film frei von wirklich bemerkenswerten Szenen oder Charakteren und löscht sich deshalb innerhalb von Sekunden nach dem Betrachten bereits fast vollständig wieder aus der Erinnerung.

Handwerklich ist alles grundsolide, angenehmerweise wurde fast vollständig auf CGI-Material verzichtet. Althergebrachte Actionelemente wie aus einem Siebziger-Jahre Bondfilm reichen aus, um die Story am Laufen und die Zuschauer bei Laune zu halten. Regisseur Jon Turteltaub hält gekonnt die Balance zwischen spannenden und amüsanten Szenen und findet auch in den etwas dramatischeren Szenen (meist) einen Weg, allzu derbe Platituden zu vermeiden. Der aufdringliche Standard-Thriller-Score fällt etwas negativ auf, gehört aber ebenso wie ganze Idiotie der Handlung quasi zum Konzept des Streifens dazu, von dem niemand mehr als stromlinienförmige Zerstreuung erwarten sollte.

6/10

Underworld

Es gibt Filme, die sind einfach zu dunkel für die kleine Heimkinoanlage. „Feardotcom“ war so einer, und auch die düstere Stimmung von „Underworld“ kommt auf der großen Leinwand sicher besser zur Geltung als zuhause. Denn auf einem mittelgroßen Fernseher ist die anhaltende Dunkelheit auf dem Bildschirm auf die Dauer doch ein wenig nervig. Zwei Herzen schlagen da in des Publikums Brust. Eines, dass die atmosphärische Finsternis gerne in Kauf nimmt, denn schließlich haben wir es hier fast ausschließlich mit Vampiren und Wehrwölfen zu tun. Das andere Herz würde dann doch gerne etwas mehr sehen wollen, von all den fiesen Sachen, die sich da im Dunkeln abspielen.Im Zentrum der cineastischen Dunkelheit des Films steht die ausgesprochen hübsche Vampirin Selene (Kate Beckinsale). Irgendwann, in nicht so ferner Zukunft, in einer nicht so fernen europäischen Stadt, wird die Welt von drei Spezies bewohnt: von Vampiren, Werwölfen und Menschen – die in etwa Status und Prestige von wandelndem Hackfleisch genießen. In Übereinstimmung mit den Traditionen der Bluttlinien hat Kraven (Shane Brolly) die Führung der Vampire für einige Zeit übernommen. In die Zeit seiner Herrschaft fällt Selenes Beobachtung, daß die Werwölfe – ohne ersichtlichen Grund – menschlichen Wesen mit dem Nachnamen Corvin nachjagen. Zunächst noch ohne Wissen über die Motive der Menschenjagd stellt sie ein paar Nachforschungen an, die sie zu äußerst interessanten und folgenreichen Erkenntnissen führen.

Zu den wichtigen handelnden Personen gehören dann bald auch der totgeglaubte Werwolf Lucian, der vorzeitig von Selene erweckte weise Vampir Viktor und ein Mensch namens Michael Corvin (Scott Speedman). In dieser „Aufstellung“ bewegt sich „Underworld“ dann auf die Auflösung seines etwas verwirrenden Plots hin. Nun ist es nicht so, daß die Grundzüge der Story unverständlich wären. Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, das ein etwas gradlinigerer Erzählansatz der Geschichte gut getan hätte. Gerade am Anfang des Films wirkt doch vieles ein wenig wirr und unnötig kompliziert. Wenn etwa ein Autounfall von Selene und Corvin beinahe böse ausgeht und sich dann innerhalb eines Schnittes die Rollen von Retter und Gerettetem vertauschen, mag man sich ein wenig aufs Glatteis geführt vorkommen. Letztlich lösen sich solche Widersprüche meist wieder auf, weil sie eben nicht einfach unlogisch sind, sondern der verschachtelten Inszenierung geschuldet sind. Für Freunde des gepflegten Vampirfilms gibt es jedoch auch Positives zu berichten. So sehen die Kostüme und das Set-Design schon sehr ordentlich aus, und auch die Special-Effects sind up-to-date.

Mit Kate Beckinsale eine Frau in den Mittelpunkt eines Untoten-Spektakels zu stellen war durchaus eine mutige Entscheidung der Produzenten, die ihnen die knackige Britin dann auch mit einer soliden Darstellung dankt. Wahrscheinlich um das Risiko eines Kassenflops möglichst zu minimieren, bekam ansonsten nur eine weitere Frau eine nennenswerte Sprechrolle, alle weiteren Schlüsselpositionen der Story besetzen hier männliche Unwesen. Wer den ersten „Blade“ mochte, wird sich „Underworld“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ansehen können ohne größeren Schaden zu nehmen. Klassischer „Gothic-Look“, blutige Gefechte und allerlei unterhaltsames Vampir-Gedöns sorgen für einen insgesamt recht anständigen Film, der sich allerdings bei den meisten Betrachtern schon nach kurzer Zeit von selbst aus der Erinnerung löschen wird. Ist aber ja halb so wild.
5/10

S.W.A.T. – Die Spezialeinheit

Ich weiß nicht, ob irgendjemand die alte Fernsehserie „SWAT“ (noch) kennt, mir zumindest ist sie komplett unbekannt. Macht aber nix, denn soweit es Story und Charaktere betrifft, ist garantiert kein Vorwissen nötig um den Film zu kapieren. Es geht dabei um gute und schlechte Cops, Gangster und die üblichen Actionfilm-Beilagen. Der ehrgeizige junge Jim Street, gespielt von Colin Farrell („Nicht auflegen!“), ist bei der Special Weapons and Tactics Truppe SWAT unter Druck geraten, weil sein leichtsiniger Partner Gamble mal wieder übers Ziel hinausgeschossen ist. Gamble verlässt den Laden im Streit mit seinem Ex-Partner, der schiebt gefrustet Dienst in der Waffenkammer.Auftritt Sgt. Hondo, ein von Samuel L. Jackson verkörpertes SWAT-Urgestein. Er soll ein neues Team zusammenstellen, dass auch die kniffligsten Aufgaben zu lösen weiß. Es vergeht schon eine Stunde Film, bis das Team versammelt ist und seinen letzten Test erfolgreich abschließen kann. Die Mannschaft besteht aus Vorzeige-Cop T.J. (Josh Charles, bekannt geworden als Knox Overstreet in „Club der toten Dichter), dem South Central-Tough Guy Deke (LL Cool J), der smarten Latina Chris (Michelle Rodriguez), dem handfesten Pornobalkenträger „Boxer“ (Brian Van Holt) und natürlich Street. Lange Zeit plätscherte das Geschehen nun bereits so vor sich hin, mit ein paar markigen Sprüche hier und ein paar Trainingseinheiten da.

Die eigentliche Story kommt erst spät ins Spiel, wenn Drogenbaron Alex (Oliver Martinez) im Fernsehen eine Belohnung von 100 Mio. Dollar (ca. 83,45 Mio. Euro, hihi) für denjenigen gelobt, der ihn aus der Obhut des SWAT-Teams befreien kann. Kein schlechter Preis für einen Tag Arbeit, und so haben unsere frisch etablierten Helden ein Menge zu tun, als sie Alex sicher in ein Hichsicherheitsgefängnis eskortieren wollen. Ihre Gegenspieler (wer mag das wohl sein?!) machen ihnen ordentlich Feuer unter dem Hintern, aber dazu sind sie ja schließlich ausgebildet.

Charakterzeichnung ist ganz sicher keine Stärke des Films, was umso schwerer wiegt als dass er auch im Kernkompetenzbereich Action nur sehr wenig zu bieten hat. Street und seine Kollegen sind ganz nette Kerle, aber kaum in der Lage den Film zu tragen. Schade eigentlich, denn die Story schafft das auch nicht. Konsequenz: Langeweile. Es gibt Verfolgungsjagden und Schießereien, nur leider keine bemerkenswerten. Ein bißchen ist es, als nähme sich der Film, trotz einiger Gags, am Ende ein wenig zu ernst mit seinem Teamgeist und Elite-Gerede. Wie so viele Actionfilme der letzten Jahre vermeidet es „SWAT“ dazu auch noch konsequent, so etwas wie Spannung aufzubauen. Stattdessen bekommt man mehrere Male vorgeführt, warum die Truppe denn nun so gut ist, warum Street so ein toller Hecht ist und derlei abgestandenes Gewäsch. Das alles wirkt nicht etwa lächerlich wie in Jacksons großer Nullnummer „Shaft“, es ist einfach uninspiriert und schablonenhaft dargeboten.

Im Gegensatz zu „Bad Boys 2“, der mir mit seiner grauenhaft überdrehten und hektisch inszenierten Over-the-Top-Action massiv auf die Ketten ging, lullt einen „SWAT“ in die Hülle eines aufregenden Reißers ein, ohne sie irgendwann einmal auszufüllen. Ich glaube es war Bruce Willis, der die typischen Actionfilme der letzten Jahre mal als sinnlos und überholt bezeichnet hat. Was diesen angeht hat er damit recht behalten. Selbst mit der guten Besetzung und einem ansehnlichen Budget von 80 Mio. Dollar fällt den Machern nichts ein, was andere Filme nicht schon besser gemacht hätten. Dass sie damit finanziell keinen Schiffbruch erleiden liegt vielleicht daran, dass die Prämisse eines teuren Actionfilms über Cops in L.A. immer noch die Strahlkraft aus den Zeit von „Stirb Langsam“ und „Last Boy Scout“ hat und der Trailer tatsächlich ein wenig Adrenalin zu versprechen schien. Anders ist der nicht geringe Erfolg dieser Mogelpackung nicht zu erklären. Was bleibt, ist ideenloses Mainstream-Kino, dessen Schauspieler durchaus ein besseres Script verdient hätten. Zum Beispiel eins, in dem was von Interesse passiert.

4/10

Tränen der Sonne

Unangenehme Erinnerungen kommen unweigerlich auf beim Betrachten dieses Kriegsfilmes, wenn schon zu Beginn von den ‚Rules of Engagement‘ einer militärischen Rettungsaktion die Rede ist. Schließlich ist es nicht allzu lange her, dass ein Film eben jenes Namens einen neuen cineastischen Tiefpunkt im Genre des Militärthrillers setzte. Der unfassbar alberne, unstimmige und moralisch höchst fragwürdige Film mit Samuel L. Jackson und Tommy Lee Jones handelte von einer Rettungsoperation, bei der viele Zivilisten von US-Soldaten auf fremden Boden getötet werden. Auch „Tränen der Sonne“ wartet mit einem durchaus realistischem, aber frei erfundenen Szenario auf, anstelle eines Botschafters im Jemen gilt es hier für das mobile Einsatzkommando von Lt. Waters (Bruce Willis) die amerikanische Ärztin Dr. Kendricks (Monica Bellucci) aus einem Krisengebiet Nigerias zu befreien. Die Mission gestaltet sich äußerst schwierig. Denn die Ärztin weigert sich, ihre hilflosen Patienten in der Mission im Dschungel allein zu lassen, und so eskortieren Waters und seine Männer bald eine Gruppe von zwanzig Menschen – inklusive Frauen und Kindern – durch unwegbares Gebiet, in dem grausame Rebellen Angst und Schrecken verbreiten. Von nun an geht die Story einen relativ voraussehbaren Weg. Der harte Hund Waters, anfangs rein an seiner Mission interessiert, muss langsam feststellen, dass er es nicht über sein schon verloren geglaubtes Herz bringt, die hilflosen Zivilisten ihrem Schicksal zu überlassen. Stattdessen entschließt er sich, die Gruppe zur Grenze ins benachbarte Kamerun zu führen. Dramaturgisch steht Waters Beziehung zur schönen Dr. Kendricks im Mittelpunkt, zwei höchst unterschiedliche Charaktere, die sich langsam näher kommen – ohne dass am Ende geheiratet werden würde, glücklicherweise.

So wird auch die Frage nach den ‚Rules of Engagement‘ bald kurz und knapp mit dem Satz „We already are engaged“ beantwortet und die US-Soldaten bekämpfen eine Gruppe rebellischer Raubmörder, die ein Dorf plündern wollen. „Tränen der Sonne“ wäre ein langweiliger Film geworden, wenn Regisseur Antoine Fuqua die Geschichte nicht in sehr stimmungsvollen Bilder erzählen würde, die stark an Vietnamfilme wie „Platoon“ erinnern. Bruce Willis ist eine sehr gute Besetzung für Lieutenant Waters, seine Wandlung vom Söldner zum Beinahe-Idealisten ist einigermaßen überzeugend, wenn auch sehr simpel gestrickt. Monica Bellucci hat weniger zu tun, sie ist in nahezu jeder Szene eine ums Wohlergehen der Menschen um sie herum besorgte, praktische Frau, die in ihren Unterhaltungen mit Waters nur wenig Tiefe gewinnt.

Was genau eigentlich die Botschaft dieses Films sein soll, dass ist mir allerdings ein wenig schleierhaft. Ist es ein Appell an die westliche Welt – und vor allem an die USA – außenpolitisch aktiver zu werden und einige Nationen Afrikas nicht ihrem Schicksal zu überlassen? Möglich scheint das, aber andererseits ist dies nur die Geschichte einer einzigen – dazu fiktiven – Mission, und es wird nirgends angedeutet, dass die Erlebnisse den Standpunkt der USA zu ihrem eigenen Eingreifen beeinflussen würden. Hinzu kommt, dass, obwohl mit Fuqua ein Afroamerikaner auf dem Regiestuhl saß, die einheimische Bevölkerung doch recht einfallslos in „gute Menschen/Zivilisten? und „böse Menschen/Soldaten“ eingeteilt ist, da hilft auch ein spät eingeführter „rechtmäßiger“ Stammesführer nicht, der dem Volk – sehr häufig ist da von ‚my people‘ die Rede – ein gerechter Herrscher sein soll. Mit der Förderung von Demokratie hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Es wäre nicht ganz fair, den Produzenten vorzuwerfen, sie missbräuchten das Elend vieler Afrikaner für einen actiongeladenen Unterhaltungs-Kriegsfilm, ganz von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf dennoch nicht.
3/5

2 Fast 2 Furious

Wer „The Fast and the Furious“ gesehen hat, der weiss, dass kein großes Kino zu erwarten ist, wenn John Singleton („Boyz N the Hood“) jetzt die zweite Runde einläutet. Vin Diesel, Co-Star des ersten Teils, ist nicht mehr mit von der Partie, dafür geht Tyrese Gibson als Knacki Roman Pearce an den Start, um an Brians O’Connors (Paul Walker) Seite in japanischen Flitzern durch Miami zu brausen. Die Szene der illegalen Autorennen steht nicht mehr im Zentrum des Films, stattdessen sind die illegalen Raser-Events nur noch ein Weg, um die beiden Helden bei Drogenboss Verone einzuschleusen, der hochdotierte Fahrerjobs zu vergeben hat.Letzten Endes bietet „2 Fast 2 Furious“ nichts anderes als einige bonbonfarbene Verfolgungsjagden, die allerdings sehr gut inszeniert sind. Abgesehen von einigen unnötigen Computereefekten übertreffen die Rennen locker die Qualität des Vorgängers. Wo dieser noch vages Interesse für seine Charaktere zeigte, kommt in der Fortsetzung schon wieder Action, einzig nenneswerte neue Figur neben Pearce ist die schöne Monica (Eva Mendes), die als Gangsterflittchen und Polizistin allerdings auch nicht viel mehr zu tun hat als einige Standard-Sätze zu sprechen und sich in Brian zu vergucken.

Ausgangspunkt für Drehbuch und Produktion des Streifens waren offensichtlich die Renn-Sequenzen, weswegen die Abwesenheit einer anständigen Story logisch erscheint, frei nach dem Motto: „Will ja sowieso keiner sehen.“. „2 Fast 2 Furious“ ist ein Film für Leute, die hypergetunte Mitsubishis durch die Gegend rasen sehen wollen, wer etwas anderes erwartet, wird somit definitiv enttäuscht. Immerhin ist der Film keine Mogelpackung, wer das DVD-Cover in der Hand hatte, der weiß, was ihn erwartet, und so können diese Zeilen denn sowohl als Warnung wie auch als (eingeschränkte) Empfehlung verstanden werden.

3/10

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