Neuer Stuff

Brothers GrimmTerry Gilliam hat es lange probiert, am Ende ist es nichts geworden mit seiner Verfilmung des Don Quichote. Naturkatastrophen, Krankheiten, es ging über Jahre alles schief beim Dreh. Deshalb hier erstmal die Empfehlung sich irgendwo den Dokumentarfilm Lost in La Mancha zu besorgen, der das Scheitern dieses Projekts eindrucksvoll dokumentiert.

Statt Windmühlen gibt es also nun Märchen. Dabei ist der Film weder eine Biographie der namensgebenden Brüder noch eine getreue Nacherzählung eines ihrer Märchen. Gilliam schmeißt seine Grimms, verkörpert von Matt Damon und Heath Ledger, ins von Napoleon besetzte Deutschland und zeigt sie zunächst als Scharlatane. Mit allerhand Gerät jagen sie Dorfbewohnern Angst ein, um sich dann als Retter in der Not zu verkaufen.

Damit ecken sie jedoch bei Hofe an und sehen sich bald genötigt einer wirklichen düsteren Mär auf den Grund zu gehen. Dabei spielt eine greise Königin ebenso eine Rolle wie andere Versatzstücke Grimmscher Bauart. Bei allem Einfallsreichtum und visueller Strahlkraft verläuft sich dabei leider die Handlung im Ungefähren und gerät, sicher nicht ganz unabsichtlich, zur Farce. In einer vortrefflichen Nebenrolle stiehlt Peter Stormare als kauziger italienischer Edelmann dem Rest der Darsteller weitgehend die Schau. Mal mit solidem Slapstick und auch Dialogwitz, mal mit einer Prise Horror und Action fließt der Plot so dahin. Wirklich überzeugen kann keines der zahlreichen Elemente, immerhin bleibt aber der Unterhaltungswert durchgehend hoch. Nach dem Desaster seines Traumprojektes sind hier wohl die Pferde mit Terry Gilliam durchgegangen, und wer will ihm das schon ernsthaft verübeln.

6/10

Neues auf DVD:

Wonderland

Val Kilmers Karriere ging seit Mitte der 90er Jahre den Bach runter, noch bevor sie richtig angefangen hatte. Nach seinem starken Jim Morrision in Stones The Doors gab er einen miesen Bruce Wayne in einem noch mieseren Batman. Seitdem mal Nebenrollen in besseren oder auch Hauptrollen in mäßigen Filmen. Doch seit The Shalton Sea und dem von mir so hoch geschätzten Spartan geht es bergauf. Kilmer ist in Würde ein wenig älter und dabei ein durch reine Körpersprache sehr ausdrucksstarker Schauspieler geworden, dem niemand mehr mangelnde Begabung attestiert. Seit dieser Woche ist er an der Seite von Robert Downey Jr. im hoch gelobten Kiss Kiss Bang Bang mal wieder im Kino zu sehen. Dazu demnächst mehr. Davor spielte er in diesem Film von James Cox den legendären Pornostar John Holmes.

Doch im Jahre 1981, zur Zeit der Handlung von Wonderland, ist Holmes kein Star mehr. Abgewrackt, drogensüchtig und haltlos irrt er durch die Halbwelt von Los Angeles und bekommt kein legales Bein mehr auf den Boden. Laut Vor und Abspann haben sich die Ereignisse, die hier erzählt werden, wirklich zugetragen. Im Zentrum des Geschehens steht ein Raubüberfall auf einen Gangster-Boss, den einige Jungs aus Holmes Bekanntenkreis um einen Batzen Kohle und einen Haufen Koks erleichtern. Die große Frage lautet nun: Wessen Idee war das, und wer hat welche Rolle dabei gespielt? Denn kurz nach dem Überfall sterben die ersten Beteiligten eines unnatürlichen Todes. Der Rest der Clique ist bald so besorgt um seine Haut, dass sogar ein klärendes Gespräch mit den Cops zur Alternative wird.

Als erster erzählt der Biker Lind seine Version der Geschichte, die der Film sogleich als Variante Nummer eins der Vorfälle anbietet. Die Polizisten haben so ihrer Zweifel. Dann ist Holmes selbst an der Reihe. Seine Ehefrau kommt ins Spiel, ebenso seine junge Geliebte. Natürlich liegt die Schuld im zweiten Anlauf ganz woanders. In einer Mischung aus Die üblichen Verdächtigen und Rashomon vermengen sich Dichtung und Wahrheit. Wonderland fordert schon einige Aufmerksamkeit von seinem Publikum bei der Suche nach dem wahren Hergang der Ereignisse. Doch das Puzzle ist sehr gut inszeniert, unterlegt mit einem wunderbar zeitgemäßen Soundtrack zieht der Film mit seiner ungestümen Art das Publikum mitten in die Geschichte herein. Selten kann man den Bildern vertrauen, immer schwingt ein bisschen Skepsis mit, doch passt diese Stimmung hervorragend zur rauschhaften, von zwielichtigen Typen bestimmten Geschichte. Ein Meisterwerk ist der Film deshalb noch nicht, ein atmosphärisch dichtes, wildes und gut gespieltes Stück Kino jedoch umso mehr.

7/10

Unleashed – Entfesselt

In der europäischen Kinolandschaft ist Luc Besson ein Phänomen. Seit einigen Jahren produziert er Mainstreamkino amerikanischen Zuschnitts, jedoch meist in Europa spielend und mit einer multinationalen Besetzung. So brachte er den unseligen Transporter auf den Weg, der immerhin so erfolgreich war, dass Teil zwei demnächst anläuft. Ebenfalls auf den Mist des Regisseurs von Leon Der Profi gewachsen ist auch das neueste Actionvehikel des Martial-Arts-Stars Jet Li. Mit Morgan Freeman und Bob Hoskins sind zwei weitere prominente Namen dabei, die Geschichte spielt in Glasgow.

Das Szenario ist düster, zynisch und brutal. Gangsterboss Bart hält sich Danny (Jet Li) wie einen Kampfhund. Schon als Kind hat er ihn zur Killermaschine dressiert, nun hockt er stoisch vor sich hin blickend in seinem Käfig. Es sei denn, sein Herrchen muss mal wieder Schulden eintreiben, dann wird Danny the Dog von der Leine gelassen, vom Halsband befreit und metzelt mühelos Dutzende Gegner nieder. Ein Autounfall bringt die Dinge aus dem Gleichgewicht, Danny findet Unterschlupf im Hause des blinden Klavierstimmers Sam, gespielt von Morgan Freeman, und dessen Adoptivtochter Victoria.

Regisseur Louis Leterrier hat seine Actionsequenzen dynamisch und eindrucksvoll in Szene gesetzt, ohne sich jedoch in die erste Liga der Actionkünstler zu katapultieren. Li agiert gewohnt flink, die Schlägertypen brechen sich mal wieder alle Knochen. Doch dann kommt Dannys Verwandlung, seine verspätete Menschwerdung, und die birgt so ihre Probleme. Die Gesetze der Logik und der Realismus treten sehr arg in den Hintergrund zugunsten einer gut gemeinten, aber bemerkenswert naiven Story einer verlorenen Seele. Die muss natürlich entdeckt, gerettet und geheilt werden. Sam und Victoria bedienen sich der Musik und der Nächstenliebe um Danny zurück ins normale Leben zu holen. Jet Li tut nicht viel mehr als stumm und verstört dreinzublicken, sich all die wohlmeinenden Worte seiner Ersatzfamilie anzuhören, sie nachzusprechen und generell das Beste draus zu machen. Ein simpleres Menschenbild war selten auf der Leinwand zu sehen.

Bevor es aber zum Happy End kommen kann, funkt Bart noch einmal kräftig dazwischen. Obwohl Hoskins ein fähiger Schauspieler ist, ist seine Rolle ein klares Minus und fällt in die Kategorie Langweilige Bösewichter. Und zwar deshalb, weil er einfach nur böse ist. Als Danny ihm anfangs das Leben rettet, ist er ungehalten, dass er auf dem Weg dahin ein paar Schrammen kassieren muss. Schließlich lässt er ihn in illegalen Kämpfen auf eine Horde wilder Killer los, um noch ein bisschen Geld mit ihm zu verdienen, danach geht es zurück in den Käfig. Überzeugende Schurken aber sollten immer ein wenig menschlich sein, nur das macht sie plausibel und überzeugend. Wahrscheinlich ist auch den Machern dieses Films aufgefallen, dass ihr Szenario an Zynismus und Unmenschlichkeit eingangs kaum zu überbieten ist und steuerten dem dann mit allerlei Eisessen und Klavierspielen entgegen. Da geben sich die Schauspieler zwar alle Mühe, können aber gegen den B Movie Charakter des Streifens in letzter Konsequenz nichts ausrichten.

4/10

A history of violence


Liebende Familienväter, die durch tragische Umstände zu finsteren Killern werden gibt es reichlich im modernen Kino. Da wandert Nicolas Cage in Con Air in den Bau, wenn er seine Familie beschützt, Tom Jane wird zum Punisher, als die seine von Gangstern ausgelöscht wird. Die Familie ist eben heilig und ein Angriff auf die Liebsten rechtfertigt im Actionfilm nahezu jede drastische Anwendung von Gewalt. Nun haben diese Filme meist nur sehr wenig mit der Realität zu tun. In David Cronenbergs A History of Violence spielt Viggo Mortensen den sehr realen Kleinstadt-Dad, doch nichts deutet zunächst auf eine Bedrohung seiner Familie hin. Die Welt ist noch in Ordnung, die Familie intakt, wie der Film in den ersten Szenen der von Albträumen geplagten Tochter deutlich macht.

Es ist ein unglücklicher Zufall, der die heile Welt von Tom Stall, seiner Frau Edi und ihren beiden Kindern Jack und Sarah bedroht. Als Tom eines Abends sein Diner an der Hauptstrasse schließen will, kommen zwei fiese Gestalten herein, und mit ihnen bricht die rohe Gewalt ins Leben der Kleinstadt ein. Mit gezogenen Waffen und sadistischem Grinsen drohen sie den Laden auseinander zu nehmen. Nur Sekunden später liegen sie mausetot da, präzise und brutal getötet von Tom. Als Held in der Presse gefeiert kehrt er ins traute Heim zurück, doch eine Rückkehr zur Normalität findet nicht mehr statt. Stattdessen kreuzen, durch die Medien alarmiert, Mafiosi von der Ostküste im beschaulichen Idaho auf, die in Tom einen Ex-Gangster namens Joey Cusack auszumachen glauben.

Wer also ist Tom Stall wirklich? Wer oder was war er vorher? Viggo Mortensens Spiel lässt anfangs darauf hoffen, er möge der friedliebende Kerl der ersten Filmminuten sein, und doch spricht sein Verhalten in Ausnahmesituationen eine ganz andere Sprache. Cronenberg setzt die kurzen, überfallartigen Actionsequenzen mit Verweisen auf die Polizei-Filme Takeshi Kitanos in Szene, ansatzlos, extrem blutig und ohne Untermalung von Filmmusik. Die Toten und Verwundeten sind grausam entstellt, mit schockierender Wirkung auf Augenzeugen und Publikum. Hier bringt die Gewalt keine bequeme Lösung, zu effizient und schnell werden die Menschenleben ausgelöscht, ohne dass sich danach je ein dauerhaftes Gefühl von Befreiung oder überstandener Not einstellen würde. Toms Bemühungen, den Schein aufrecht zu erhalten sind zum Scheitern verurteilt. Zu stark sind die Kräfte, die ihn mit seiner verdrängten Vergangenheit konfrontieren wollen. Seine Familie ist in Gefahr, eine Flucht unmöglich. Die Versuche des örtlichen Sheriffs, die Ordnung wieder herzustellen, wirken lächerlich angesichts der Entschlossenheit und kriminellen Energie der ungebetenen Besucher. Und selbst in Toms Familie kehren Gewalttaten ein, die noch Tage vorher undenkbar gewesen wären.

Durch die genaue und stimmige Inszenierung findet sich das Publikum hier auf der Seite eines unglaublich brutalen Killers wieder. Dass er dem Unterweltdasein abgeschworen hat, erhebt ihn über seine Gegner, aber viel wichtiger für sein Überleben ist, dass er der gefährlichere Killer ist. Wenn Tom am Schluss nur noch eine Möglichkeit sieht, seine Haut zu retten, nimmt das grotesk übersteigerte Gemetzel schon komische Züge an, so überspitzt entladen sich die Streitigkeiten vergangener Zeiten. Neben dem groß aufspielenden Mortensen agieren auch die anderen Darsteller, unter ihnen Maria Bello, Ed Harris und Wiliam Hurt, sehr überzeugend. Die von ihnen erzeugte Nähe zur Realität ist es, die das Szenario so ungeheuer spannend macht. Sicher hat Cronenberg hier kopflastiges Kino geschaffen, der Experimentcharakter von A History of Violence steht dabei aber der Unmittelbarkeit des Geschehens nicht im Weg. Der Film umgeht die Frage nach Toms/Joeys wahrer Vergangenheit und seiner Läuterung bis auf wenige Sätze. Er zeigt ihn vielmehr als positiv schizophrenen, der nur in der Not aus der Rolle des Normalbürgers ausbricht, um eben diese wieder spielen zu können. Dass dieser Spagat so gut wie unmöglich ist, machen die letzten Szenen auf prägnante Weise deutlich. Welcher der beiden Welten Tom letztendlich zuzurechnen ist lässt Cronenberg konsequenterweise offen.

9/10

The Punisher

Für Menschen, die von Comics soviel Ahnung haben wie ich, sei es gleich erwähnt: „The Punisher“ ist ein Superheld aus dem Universum von Marvel-Comics. Normalerweise sind solche ja leicht an klassischen Merkmalen wie Ganzkörper-Anzug oder übermenschlichen Fähigkeiten zu erkennen, aber im Falle von Frank Castle (Thomas Jane) liegen die Dinge ein wenig anders. Er hat zu Beginn der Geschichte einige recht herbe Todesfälle in der Familie zu verschmerzen, denn seine Arbeit als Undercover-Cop brachte ihm den Zorn des Verbrecherkönigs Howard Saint (John Travolta) ein.Auch so kann man also zum Superhelden werden – eine gewaltige Trotzreaktion, übermäßiger Ärger, überwältigende Trauer. Castle hat einen Waffendeal vereitelt, bei dem Saints Sohn zu Tode kommt. Deshalb löscht dieser, auf Anraten seiner Ehefrau, gleich die gesamte Familie des Cops aus. Eigentlich hätte der auch selber getötet werden sollen, aber er entkommt schwer verletzt und meiner nicht unbeträchtlichen Wut im Bauch. Zurück in Florida und wiederhergestellt muss er auch noch erkennen, dass die Polizei sich nicht eben ein Bein ausreißt, um Saint für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen.

So kann das natürlich nicht weitergehen, und so bezieht Frank eine heruntergekommene Wohnung und schmiedet finstere Pläne. Seine Nachbarn in dem verfallenen Mietshaus sind sein einziger sozialer Kontakt. Die drei sympathischen Verlierer schauen dem Treiben ihres neuen Nachbarn interessiert zu, und nach einiger Zeit und Nachbarschaftshilfe werden sie sogar in Castles Kampf mit Saints Schergen verstrickt. Es sind diese Szenen, in denen der Held endgültig vom Menschen zum „Punisher“ wird, da kann selbst die attraktive Joan (Rebecca Romijn-Stamos) nichts mehr dran ändern. Es sind ebenfalls diese Szenen, in denen der Film endgültig scheitert, weil er seine ernste Story und die obligatorischen Actionszenen nicht zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen kann. Für ein seriöses Drama bleibt die Hauptfigur in all ihrer Pein zu oberflächlich, für einen soliden Brutalinski-Schinken brennt wiederum zu selten die Luft.

Wie zur Erinnerung an des Punishers Superheldentum lässt Regisseur Hensleigh mal einen Over-the-top-Bösewicht den armen Castle vermöbeln, John Travolta so böse sein wie eben möglich – und erreicht doch nicht sein Ziel. Howard Saint ist als Bösewicht in etwa mit dem maßlos überzogenen Drogengangster vergleichbar, dem die „Bad Boys“ in ihrem zweiten Auftrag ans Leder wollten – die Grenze zwischen hirnloser Action und überzeichneten Comicgestalten ist hier zu fließend, die beiden Gangster sind austauschbar und somit weder realistisch noch phantasievolle Oberbösewichte. Sie sind schlicht langweilig, und das tut den Filmen sicher nicht gut. Natürlich braucht der „Punisher“ als ersten Gegner eine von Grund auf böse Figur, schließlich soll er ja seine Rolle als strafender Held ausfüllen können, Saint ist jedoch allzu beliebig geraten.

Die immense Wut im Bauch, die Castle über die Bestrafung seines persönlichen Feindes hinaus zum dauerhaften Einzelgänger und Vertreter der gepflegten Selbstjustiz macht, sie bleibt vage und muss eher vorausgesetzt werden. Ein psychologisch überzeugendes Coming-Out bietet die Story jedenfalls nicht. Von all den Comicverfilmungen der letzten Jahre ist der „Punisher“ eine der schwächeren, gescheitert wie vor einem Jahr der „Daredevil“. Dabei wäre durchaus mehr drin gewesen. Die wirklich interessanten Jahre hat der gute Bestrafer ja noch vor sich, wenn er abseits von persönlichen Gelüsten der Welt seinen Stempel aufdrücken will. Auf was für eine Klientel hat er es denn abgesehen, auf Politiker, Gangster oder Diktatoren? Und käme er vielleicht den Fledermaus- und Spinnenmännern dieser Welt mal in die Quere?
4/10

Das Vermächtnis der Tempelritter

Seit ca. drei Jahren macht das inzwischen bestätigte Gerücht die Runde, das Steven Spielberg und Harrison Ford einen vierten Teil von „Indiana Jones“ planen. Da sich aber bis heute kein anständiges Skript finden ließ, liegt das heiß erwartete Projekt weiter auf Eis. Gut für Action-Mogul Jerry Bruckheimer, der sich nicht lumpen ließ in der Zwischenzeit einen neuzeitlichen Indy-Klon ins Rennen zu schicken. In dem von ihm produzierten „Das Vermächtnis der Tempelritter“ jagt Nicolas Cage einem legendären Schatz von unschätzbarem Wert nach, mit freundlicher Unterstützung seiner Co-Stars Jon Voight, Harvey Keitel, Sean Bean und Diane Kruger.Ben Gates (Cage) ist von dem Gedanken an den „National Treasure“ (Originaltitel) seit seiner Kindheit besessen. Über Generationen kursiert in seiner Familie das Gerücht, auf einem kleinen Zettel in der Familientruhe befinde sich der Schlüssel zum Geheimnis. Die geschichtliche Herleitung involviert die Tempelritter, später dann die Freimauerer, von denen einige zu den Gründungsvätern der USA zählten. Um dem vagen Hinweis nachgehen zu können lässt sich der gute Ben mit dem bösen Millionär Ian Howe ein. Gemeinsam entdecken sie auf einem Schiff im ewigen Eis der Arktis einen neuen Hinweis, dann trennen sich ihre Wege wegen eines Streits. Howe will die originale Unabhängigkeitserklärung stehlen, um an die sagenhaften Reichtümer zu kommen, Ben sucht eben dies auf ungewöhnliche Weise zu verhindern.

Von nun an übernimmt endgültig die Action die Regie des Films, von der Library of Congress in Washington, DC geht es zum Staatsarchiv, weiter nach Philadelphia und auch da ist noch nicht Schluss. Auf der Seite der Guten finden sich die Bibliotheksbeamtin Abigail (Kruger) sowie Ben und sein Nerd-Partner Riley, den Bösewicht gibt Howe (Sean Bean) mit seinen finster dreinblickenden Schergen. Die endlose Hetzjagd legt ein hohes Tempo vor und folgt den klassischen Prinzipien eines Abenteuerfilms. Ohne Netz und doppelten Boden entfaltet sich die Geschichte in fast schon altmodischer Manier, die zahlreichen Logiklücken passen da viel zu gut ins Bild, um störend wirken zu können. Die pseudohistorische Story, die immer wieder auf den Gründungsprozess der Vereinigten Staaten zurückgreift, dient mal der Belustigung und mal eher der Ablenkung und darf getrost als hanebüchen bezeichnet werden.

Doch wen interessiert das schon, wenn der Ruf des Abenteuers einen Kinohelden ereilt hat. Wie ein moderner, naiverer Indiana Jones kaspert, trickst und rennt Nic Cage durch den Plot. Für die Ironie sind andere zuständig, Ben ist ein wahrer Held, ein nie wirklich erwachsen gewordenes Kind, das seinen großen Traum verfolgt. Jerry Bruckheimer hat ein Gespür für solches Material, und deshalb überrascht es nicht, dass sein „Vermächtnis der Tempelritter“ die geweckten Erwartungen mühelos erfüllt. Wenn der Hollywood-Produzent mit dem großen Ego einen Schatz ins Spiel bringt, dann gibt es auch einen zu sehen. Andererseits ist sein Film frei von wirklich bemerkenswerten Szenen oder Charakteren und löscht sich deshalb innerhalb von Sekunden nach dem Betrachten bereits fast vollständig wieder aus der Erinnerung.

Handwerklich ist alles grundsolide, angenehmerweise wurde fast vollständig auf CGI-Material verzichtet. Althergebrachte Actionelemente wie aus einem Siebziger-Jahre Bondfilm reichen aus, um die Story am Laufen und die Zuschauer bei Laune zu halten. Regisseur Jon Turteltaub hält gekonnt die Balance zwischen spannenden und amüsanten Szenen und findet auch in den etwas dramatischeren Szenen (meist) einen Weg, allzu derbe Platituden zu vermeiden. Der aufdringliche Standard-Thriller-Score fällt etwas negativ auf, gehört aber ebenso wie ganze Idiotie der Handlung quasi zum Konzept des Streifens dazu, von dem niemand mehr als stromlinienförmige Zerstreuung erwarten sollte.

6/10

Underworld

Es gibt Filme, die sind einfach zu dunkel für die kleine Heimkinoanlage. „Feardotcom“ war so einer, und auch die düstere Stimmung von „Underworld“ kommt auf der großen Leinwand sicher besser zur Geltung als zuhause. Denn auf einem mittelgroßen Fernseher ist die anhaltende Dunkelheit auf dem Bildschirm auf die Dauer doch ein wenig nervig. Zwei Herzen schlagen da in des Publikums Brust. Eines, dass die atmosphärische Finsternis gerne in Kauf nimmt, denn schließlich haben wir es hier fast ausschließlich mit Vampiren und Wehrwölfen zu tun. Das andere Herz würde dann doch gerne etwas mehr sehen wollen, von all den fiesen Sachen, die sich da im Dunkeln abspielen.Im Zentrum der cineastischen Dunkelheit des Films steht die ausgesprochen hübsche Vampirin Selene (Kate Beckinsale). Irgendwann, in nicht so ferner Zukunft, in einer nicht so fernen europäischen Stadt, wird die Welt von drei Spezies bewohnt: von Vampiren, Werwölfen und Menschen – die in etwa Status und Prestige von wandelndem Hackfleisch genießen. In Übereinstimmung mit den Traditionen der Bluttlinien hat Kraven (Shane Brolly) die Führung der Vampire für einige Zeit übernommen. In die Zeit seiner Herrschaft fällt Selenes Beobachtung, daß die Werwölfe – ohne ersichtlichen Grund – menschlichen Wesen mit dem Nachnamen Corvin nachjagen. Zunächst noch ohne Wissen über die Motive der Menschenjagd stellt sie ein paar Nachforschungen an, die sie zu äußerst interessanten und folgenreichen Erkenntnissen führen.

Zu den wichtigen handelnden Personen gehören dann bald auch der totgeglaubte Werwolf Lucian, der vorzeitig von Selene erweckte weise Vampir Viktor und ein Mensch namens Michael Corvin (Scott Speedman). In dieser „Aufstellung“ bewegt sich „Underworld“ dann auf die Auflösung seines etwas verwirrenden Plots hin. Nun ist es nicht so, daß die Grundzüge der Story unverständlich wären. Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, das ein etwas gradlinigerer Erzählansatz der Geschichte gut getan hätte. Gerade am Anfang des Films wirkt doch vieles ein wenig wirr und unnötig kompliziert. Wenn etwa ein Autounfall von Selene und Corvin beinahe böse ausgeht und sich dann innerhalb eines Schnittes die Rollen von Retter und Gerettetem vertauschen, mag man sich ein wenig aufs Glatteis geführt vorkommen. Letztlich lösen sich solche Widersprüche meist wieder auf, weil sie eben nicht einfach unlogisch sind, sondern der verschachtelten Inszenierung geschuldet sind. Für Freunde des gepflegten Vampirfilms gibt es jedoch auch Positives zu berichten. So sehen die Kostüme und das Set-Design schon sehr ordentlich aus, und auch die Special-Effects sind up-to-date.

Mit Kate Beckinsale eine Frau in den Mittelpunkt eines Untoten-Spektakels zu stellen war durchaus eine mutige Entscheidung der Produzenten, die ihnen die knackige Britin dann auch mit einer soliden Darstellung dankt. Wahrscheinlich um das Risiko eines Kassenflops möglichst zu minimieren, bekam ansonsten nur eine weitere Frau eine nennenswerte Sprechrolle, alle weiteren Schlüsselpositionen der Story besetzen hier männliche Unwesen. Wer den ersten „Blade“ mochte, wird sich „Underworld“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ansehen können ohne größeren Schaden zu nehmen. Klassischer „Gothic-Look“, blutige Gefechte und allerlei unterhaltsames Vampir-Gedöns sorgen für einen insgesamt recht anständigen Film, der sich allerdings bei den meisten Betrachtern schon nach kurzer Zeit von selbst aus der Erinnerung löschen wird. Ist aber ja halb so wild.
5/10

S.W.A.T. – Die Spezialeinheit

Ich weiß nicht, ob irgendjemand die alte Fernsehserie „SWAT“ (noch) kennt, mir zumindest ist sie komplett unbekannt. Macht aber nix, denn soweit es Story und Charaktere betrifft, ist garantiert kein Vorwissen nötig um den Film zu kapieren. Es geht dabei um gute und schlechte Cops, Gangster und die üblichen Actionfilm-Beilagen. Der ehrgeizige junge Jim Street, gespielt von Colin Farrell („Nicht auflegen!“), ist bei der Special Weapons and Tactics Truppe SWAT unter Druck geraten, weil sein leichtsiniger Partner Gamble mal wieder übers Ziel hinausgeschossen ist. Gamble verlässt den Laden im Streit mit seinem Ex-Partner, der schiebt gefrustet Dienst in der Waffenkammer.Auftritt Sgt. Hondo, ein von Samuel L. Jackson verkörpertes SWAT-Urgestein. Er soll ein neues Team zusammenstellen, dass auch die kniffligsten Aufgaben zu lösen weiß. Es vergeht schon eine Stunde Film, bis das Team versammelt ist und seinen letzten Test erfolgreich abschließen kann. Die Mannschaft besteht aus Vorzeige-Cop T.J. (Josh Charles, bekannt geworden als Knox Overstreet in „Club der toten Dichter), dem South Central-Tough Guy Deke (LL Cool J), der smarten Latina Chris (Michelle Rodriguez), dem handfesten Pornobalkenträger „Boxer“ (Brian Van Holt) und natürlich Street. Lange Zeit plätscherte das Geschehen nun bereits so vor sich hin, mit ein paar markigen Sprüche hier und ein paar Trainingseinheiten da.

Die eigentliche Story kommt erst spät ins Spiel, wenn Drogenbaron Alex (Oliver Martinez) im Fernsehen eine Belohnung von 100 Mio. Dollar (ca. 83,45 Mio. Euro, hihi) für denjenigen gelobt, der ihn aus der Obhut des SWAT-Teams befreien kann. Kein schlechter Preis für einen Tag Arbeit, und so haben unsere frisch etablierten Helden ein Menge zu tun, als sie Alex sicher in ein Hichsicherheitsgefängnis eskortieren wollen. Ihre Gegenspieler (wer mag das wohl sein?!) machen ihnen ordentlich Feuer unter dem Hintern, aber dazu sind sie ja schließlich ausgebildet.

Charakterzeichnung ist ganz sicher keine Stärke des Films, was umso schwerer wiegt als dass er auch im Kernkompetenzbereich Action nur sehr wenig zu bieten hat. Street und seine Kollegen sind ganz nette Kerle, aber kaum in der Lage den Film zu tragen. Schade eigentlich, denn die Story schafft das auch nicht. Konsequenz: Langeweile. Es gibt Verfolgungsjagden und Schießereien, nur leider keine bemerkenswerten. Ein bißchen ist es, als nähme sich der Film, trotz einiger Gags, am Ende ein wenig zu ernst mit seinem Teamgeist und Elite-Gerede. Wie so viele Actionfilme der letzten Jahre vermeidet es „SWAT“ dazu auch noch konsequent, so etwas wie Spannung aufzubauen. Stattdessen bekommt man mehrere Male vorgeführt, warum die Truppe denn nun so gut ist, warum Street so ein toller Hecht ist und derlei abgestandenes Gewäsch. Das alles wirkt nicht etwa lächerlich wie in Jacksons großer Nullnummer „Shaft“, es ist einfach uninspiriert und schablonenhaft dargeboten.

Im Gegensatz zu „Bad Boys 2“, der mir mit seiner grauenhaft überdrehten und hektisch inszenierten Over-the-Top-Action massiv auf die Ketten ging, lullt einen „SWAT“ in die Hülle eines aufregenden Reißers ein, ohne sie irgendwann einmal auszufüllen. Ich glaube es war Bruce Willis, der die typischen Actionfilme der letzten Jahre mal als sinnlos und überholt bezeichnet hat. Was diesen angeht hat er damit recht behalten. Selbst mit der guten Besetzung und einem ansehnlichen Budget von 80 Mio. Dollar fällt den Machern nichts ein, was andere Filme nicht schon besser gemacht hätten. Dass sie damit finanziell keinen Schiffbruch erleiden liegt vielleicht daran, dass die Prämisse eines teuren Actionfilms über Cops in L.A. immer noch die Strahlkraft aus den Zeit von „Stirb Langsam“ und „Last Boy Scout“ hat und der Trailer tatsächlich ein wenig Adrenalin zu versprechen schien. Anders ist der nicht geringe Erfolg dieser Mogelpackung nicht zu erklären. Was bleibt, ist ideenloses Mainstream-Kino, dessen Schauspieler durchaus ein besseres Script verdient hätten. Zum Beispiel eins, in dem was von Interesse passiert.

4/10

Tränen der Sonne

Unangenehme Erinnerungen kommen unweigerlich auf beim Betrachten dieses Kriegsfilmes, wenn schon zu Beginn von den ‚Rules of Engagement‘ einer militärischen Rettungsaktion die Rede ist. Schließlich ist es nicht allzu lange her, dass ein Film eben jenes Namens einen neuen cineastischen Tiefpunkt im Genre des Militärthrillers setzte. Der unfassbar alberne, unstimmige und moralisch höchst fragwürdige Film mit Samuel L. Jackson und Tommy Lee Jones handelte von einer Rettungsoperation, bei der viele Zivilisten von US-Soldaten auf fremden Boden getötet werden. Auch „Tränen der Sonne“ wartet mit einem durchaus realistischem, aber frei erfundenen Szenario auf, anstelle eines Botschafters im Jemen gilt es hier für das mobile Einsatzkommando von Lt. Waters (Bruce Willis) die amerikanische Ärztin Dr. Kendricks (Monica Bellucci) aus einem Krisengebiet Nigerias zu befreien. Die Mission gestaltet sich äußerst schwierig. Denn die Ärztin weigert sich, ihre hilflosen Patienten in der Mission im Dschungel allein zu lassen, und so eskortieren Waters und seine Männer bald eine Gruppe von zwanzig Menschen – inklusive Frauen und Kindern – durch unwegbares Gebiet, in dem grausame Rebellen Angst und Schrecken verbreiten. Von nun an geht die Story einen relativ voraussehbaren Weg. Der harte Hund Waters, anfangs rein an seiner Mission interessiert, muss langsam feststellen, dass er es nicht über sein schon verloren geglaubtes Herz bringt, die hilflosen Zivilisten ihrem Schicksal zu überlassen. Stattdessen entschließt er sich, die Gruppe zur Grenze ins benachbarte Kamerun zu führen. Dramaturgisch steht Waters Beziehung zur schönen Dr. Kendricks im Mittelpunkt, zwei höchst unterschiedliche Charaktere, die sich langsam näher kommen – ohne dass am Ende geheiratet werden würde, glücklicherweise.

So wird auch die Frage nach den ‚Rules of Engagement‘ bald kurz und knapp mit dem Satz „We already are engaged“ beantwortet und die US-Soldaten bekämpfen eine Gruppe rebellischer Raubmörder, die ein Dorf plündern wollen. „Tränen der Sonne“ wäre ein langweiliger Film geworden, wenn Regisseur Antoine Fuqua die Geschichte nicht in sehr stimmungsvollen Bilder erzählen würde, die stark an Vietnamfilme wie „Platoon“ erinnern. Bruce Willis ist eine sehr gute Besetzung für Lieutenant Waters, seine Wandlung vom Söldner zum Beinahe-Idealisten ist einigermaßen überzeugend, wenn auch sehr simpel gestrickt. Monica Bellucci hat weniger zu tun, sie ist in nahezu jeder Szene eine ums Wohlergehen der Menschen um sie herum besorgte, praktische Frau, die in ihren Unterhaltungen mit Waters nur wenig Tiefe gewinnt.

Was genau eigentlich die Botschaft dieses Films sein soll, dass ist mir allerdings ein wenig schleierhaft. Ist es ein Appell an die westliche Welt – und vor allem an die USA – außenpolitisch aktiver zu werden und einige Nationen Afrikas nicht ihrem Schicksal zu überlassen? Möglich scheint das, aber andererseits ist dies nur die Geschichte einer einzigen – dazu fiktiven – Mission, und es wird nirgends angedeutet, dass die Erlebnisse den Standpunkt der USA zu ihrem eigenen Eingreifen beeinflussen würden. Hinzu kommt, dass, obwohl mit Fuqua ein Afroamerikaner auf dem Regiestuhl saß, die einheimische Bevölkerung doch recht einfallslos in „gute Menschen/Zivilisten? und „böse Menschen/Soldaten“ eingeteilt ist, da hilft auch ein spät eingeführter „rechtmäßiger“ Stammesführer nicht, der dem Volk – sehr häufig ist da von ‚my people‘ die Rede – ein gerechter Herrscher sein soll. Mit der Förderung von Demokratie hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Es wäre nicht ganz fair, den Produzenten vorzuwerfen, sie missbräuchten das Elend vieler Afrikaner für einen actiongeladenen Unterhaltungs-Kriegsfilm, ganz von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf dennoch nicht.
3/5

2 Fast 2 Furious

Wer „The Fast and the Furious“ gesehen hat, der weiss, dass kein großes Kino zu erwarten ist, wenn John Singleton („Boyz N the Hood“) jetzt die zweite Runde einläutet. Vin Diesel, Co-Star des ersten Teils, ist nicht mehr mit von der Partie, dafür geht Tyrese Gibson als Knacki Roman Pearce an den Start, um an Brians O’Connors (Paul Walker) Seite in japanischen Flitzern durch Miami zu brausen. Die Szene der illegalen Autorennen steht nicht mehr im Zentrum des Films, stattdessen sind die illegalen Raser-Events nur noch ein Weg, um die beiden Helden bei Drogenboss Verone einzuschleusen, der hochdotierte Fahrerjobs zu vergeben hat.Letzten Endes bietet „2 Fast 2 Furious“ nichts anderes als einige bonbonfarbene Verfolgungsjagden, die allerdings sehr gut inszeniert sind. Abgesehen von einigen unnötigen Computereefekten übertreffen die Rennen locker die Qualität des Vorgängers. Wo dieser noch vages Interesse für seine Charaktere zeigte, kommt in der Fortsetzung schon wieder Action, einzig nenneswerte neue Figur neben Pearce ist die schöne Monica (Eva Mendes), die als Gangsterflittchen und Polizistin allerdings auch nicht viel mehr zu tun hat als einige Standard-Sätze zu sprechen und sich in Brian zu vergucken.

Ausgangspunkt für Drehbuch und Produktion des Streifens waren offensichtlich die Renn-Sequenzen, weswegen die Abwesenheit einer anständigen Story logisch erscheint, frei nach dem Motto: „Will ja sowieso keiner sehen.“. „2 Fast 2 Furious“ ist ein Film für Leute, die hypergetunte Mitsubishis durch die Gegend rasen sehen wollen, wer etwas anderes erwartet, wird somit definitiv enttäuscht. Immerhin ist der Film keine Mogelpackung, wer das DVD-Cover in der Hand hatte, der weiß, was ihn erwartet, und so können diese Zeilen denn sowohl als Warnung wie auch als (eingeschränkte) Empfehlung verstanden werden.

3/10

Passwort: Swordfish

Bei uns mit Verspätung ins Kino gekommen, lief „Swordfish“, so der Originaltitel, in den USA bereits vor dem 11. September 2001. John Travolta spielt darin Gabriel Shear, eine schillernde Figur der Unterwelt mit Verbindung zum Geheimdienst, dessen Monolog zu Beginn mit schlechten Hollywood-Filmen abrechnet. Shear plant einen gigantischen Coup, für den er noch einen Top-Hacker braucht. Seine Wahl fällt auf Stanley Jobson (Hugh Jackman), und so schickt er seine sexy Komplizin Ginger (Halle Berry), um diesen zu engagieren.

Aussteiger Jobson weigert sich zunächst, steigt dann aber doch in den undurchsichtigen Multi-Millionen-Raub ein. Nach Travoltas Monolog beginnt der Film mit dem zentralen Raubüberfall und überwältigender Action, um dann seine Geschichte chronologisch bis zu diesem Punkt zu erzählen. Dabei geht es vor allem um die Planung des Coups, aber auch über die Rolle von Ginger bei dem Ganzen und um Jobsons Wunsch, nach dem Raub seine Tochter von deren Mutter (einer Pornodarstellerin) zurück zu gewinnen. Gabriels Intentionen und seine wahren Pläne für den Überfall kommen ans Tageslicht, doch Jobson – der inzwischen realisiert hat, dass es sich nicht um einen reinen Diebstahl handelt – kann nicht mehr zurück.

Nach dem Überfall treten die Mitglieder der Bande eine wahrlich spektakuläre Flucht an, in der ein Bus sich auf eine etwas ungewöhnliche Weise von seinen Verfolgern zu befreien versucht. Als unterhaltsamer Actionfilm funktioniert „Passwort:Swordfish“ durchaus, auch wenn der einzige Held (Hacker Jobson) nur mäßig überzeugend und als Travoltas Gegenspieler ein wenig blass bleibt. Die große Schwäche ist jedoch die künstlich aufgebauschte Story. Zwar ist das Ganze einigermaßen spannend, doch kommt am Ende nicht so richtig raus, was genau sich eigentlich abgespielt hat – war es ein raffinierter Zug von Gabriel, um sich Feinde vom Hals zu schaffen und Geld zu erbeuten? Oder die reine Ausführung eines Regierungs- oder Geheimdienstauftrags? Und Gingers Verhalten macht auch wenig bis keinen Sinn, obwohl sie am Ende eindeutig auf einer Seite steht.In der Deutung der Geschehnisse ist durchaus Diskussionswürdiges zu entdecken, aber all das geht in einem oberflächlichen Actionfilm wie diesem unter.

Denn der Film will keine moralischen Fragen aufwerfen, sondern mit schillernder Action unterhalten und überzeugen. Nun ja, unterhalten tut er. Überzeugen nicht. Bleibt die Frage, was Regisseur und Drehbuchautor über das Geschehen zu sagen haben. Sollte ich was finden, wird es an dieser Stelle nachgereicht.

2/5

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