Kurzkritik: The Matrix Resurrections

Sci-Fi/Action, 2021

Regie: Lana Wachowski; Darsteller: Keanu Reeves, Carrie-Ann Moss, Neil Patrick Harris, Jessica Henwick, Jonathan Groff, Yahya Abdul-Mateen II

Worum gehts?
Neo ist als Thomas Anderson zurück in der Matrix, wo er – welch feine Ironie – für eine Computerspielfirma arbeitet, die eine Gaming-Version seiner eigenen Story herausbringt (und auch „Matrix“ genannt wurde). Mit einem Therapeuten arbeitet er zudem seine vermeintlichen Phantasien/Halluzinationen auf. Doch der Widerstand lebt – und entdeckt Neo erneut für sich.

Was soll das?
Warum genau jetzt die Zeit für eine weitere Fortsetzung der 2003 beendeten Trilogie gekommen ist, das könnte man sicher in Interviews nachlesen. Aber mir ist das ehrlich gesagt ziemlich egal. Mit Lana Wachowski ist eine Hälfte des ursprünglichen Regie- und Drehbuch-Duos dabei, auch so ziemlich alle Darsteller geben ein Comeback – mit Ausnahme von Hugo Weaving als Agent Smith (für den aber ein wie ich finde adäquater Ersatz gefunden wurde).

Storytechnisch geht es nicht komplett, aber doch ziemlich von vorne los, wobei in erster Linie der erste Teil der Reihe referenziert wird. Das ganze Geraffel um den Architekten/Merowinger/Schlüsselmeister scheint gemeinsam mit der ersten Software-Version der „Matrix“ weitgehend abgeräumt worden zu sein. In „Resurrections“ ist eine neue Matrix im Einsatz, die in ihren Grundzügen aber der alten offenbar stark ähnelt.

Taugt das was?
Das hängt sehr stark davon ab, was man erwartet hat. Der vierte Teil übernimmt große Teile des ersten Films, und erzählt sie (mit allerlei Variationen & Abweichungen) erneut, um dann ein etwas anderes Ende dranzuhängen. Dabei gliedert sich „Resurrections“ in fünf größere Teile, von denen mir drei ziemlich gut gefallen haben, zwei eher weniger.

In seinen starken Momenten gelingen witzige Referenzen an die Vorgänger, und sogar die an Paranoia grenzende, beklemmende Atmosphäre zweifelnd durch die Matrix wandelnder Bewohner klingt in einigen visuell brillianten Einstellungen wieder an.

Dem gegenüber stehen einige ziemlich dämliche Wiederholungen, unfreiwillig komische „Erklärungen“ und pseudo-philosophisches Gesülze. Letzteres gehört natürlich zu einem „Matrix“-Film dazu, da aber nicht viel Neues dabei ist, fällt das etwas störender auf als sonst. Es gibt überraschenderweise zudem weniger Tech-Gequatsche, als ich für zeitgeistig halten würde (‚Metaverse‘, anyone? Oder habe ich da einfach beim Blick in die Bierflasche einiges verpasst?).

Der Look des Films hat mir gut gefallen, er wurde auch nur ein wenig aufgefrischt. Die Effekte sind gut, aber in keiner Weise bahnbrechend, was im Film sogar selbstironisch thematisiert wird. Die neu ins Spiel gebrachte „reverse bullet time“ finde ich mißraten, die sieht irgendwie stark nach dem ungeliebten „soap opera effect“ von modernen Fernsehern aus – also vor allem fake und billig. Die Actionszenen steigern sich im Laufe des Films, bis zu einem unterhaltsamen Finale. Einige Sets der Reihe werden reaktiviert, von kurzen Einstellungen (Marmor-Lobby) bis zum Beinahe-Remake (Dach/Helikopter-Szene).

Ich kann nicht leugnen, dass ich den Film eher mögen als hassen wollte („Erwartungshaltung“), was auch ganz gut geklappt hat. Bei keinem anderem Revival einer alten Filmreihe ist mir das ‚gemeinsame‘ Älterwerden stärker durch den Kopf gegangen als hier, vielleicht weil meine Generation beim ersten Teil schon erwachsen war, und feststellen muss, dass trotzdem schon über 20 Jahre vergangen sind…

Wo kann ich das gucken?
Im Kino.

7/10

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