Kurzkritik: Another Round (Der Rausch)

Drama/Komödie, 2021

Regie: Thomas Vinterberg; Darsteller: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Maria Bonnevie

Worum gehts?
Um vier Lehrer, die alle in ihrer eigenen ‚Midlife Crisis‘ stecken. Im Zentrum steht Martin (Mikkelsen), der über die Jahre zum Langweiler geworden ist, was ihm sowohl seine Schüler (ganz offen) als auch seine Frau (durch Abwesenheit) mitteilen. Die Kollegen beschließen, eine Theorie zu testen, wonach der Mensch immer 0,5 Promille Blutalkohol haben sollte. Tagsüber, wohlgemerkt, also einen Dauerschwips vom Frühstück bis zum Abendessen. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten, doch nach anfänglichen „Erfolgen“ treten bald auch unschöne „Nebenwirkungen“ auf…

Was soll das?
Das ist in diesem Fall eine spannende Fragen die nicht so leicht zu beantworten ist. Denn weder ist „Der Rausch“ eine Warnung vor dem Alkoholismus, noch feiert oder verharmlost er das Trinken. Das Szenario ist überspitzt, und der Film sich dessen bewusst. Seine Figuren und ihre Probleme aber nimmt er ernst. Die Grenze zwischen Drama und Humor verläuft fließend, zwischen den Charakteren, aber auch durch ihre individuellen Schicksale.

Taugt das was?
Unbedingt. Vinterbergs Film überzeugt durch seinen einfühlsamen Blick auf die Figuren. Unter den starken Darstellern ragt Mads Mikkelsen heraus, dessen Figur die emotionale Schnittstelle zum Publikum ist. Unbeschwerte Lebenslust, das Feiern von wiedergewonnener Freiheit und Freundschaftsrituale zwischen Seelenverwandtschaft und Gruppenzwang verbinden sich mit ernsten bis traurigen Tönen. Denn „Der Rausch“ schaut auch dahin, wo es richtig weh tut. Der Alkohol ist weder Teufel noch Heilsbringer, eher ein Brennglass, unter dem eine Reihe alltäglicher (aber nicht banaler) Probleme und Fragestellungen sichtbar gemacht werden.

Wo kann ich das gucken?
Irgendwann nach dem Lockdown im Kino.

9/10

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