Filmkritik: Contagion

ContagionEs geht mit einem Husten los. Dann kommen Kopfschmerzen dazu, man fühlt sich schlapp und kann sich kaum auf den Beinen halten. Schließlich macht das Herz schlapp – die Erkrankten sterben. So etwa ist der übliche Krankheitsverlauf bei den Menschen, die sich in Steven Soderberghs „Contagion“ mit dem fiktiven Virus MEV-1 anstecken. Der Film erzählt verstörend nüchtern vom Ausbruch einer globalen Seuche und dem Kampf von Medizinern und hohen Beamten, die Situation in den Griff zu bekommen.

Soderbergh hat für seinen Film eine Menge Stars verpflichtet, doch „Contagion“ ist alles andere als Starkino. Matt Damon spielt einen Familienvater, dessen Ehefrau zu den ersten Opfern gehört, Jude Law einen zwielichtigen Blogger, der die offizielle Berichterstattung über die Seuche anzweifelt, Kate Winslet eine Ärztin in Diensten der Anti-Seuchen-Einheit einer Gesundheitsbehörde, in der auch die Figur von Lawrence Fishburn arbeitet, ebenfalls dabei sind Marion Cotillard, Gwyneth Paltrow, John Hawkes und Bryan Cranston.

In kühlen und stylischen Bildern, unterlegt von einem ebenso kühlen, elektronischen Soundtrack fängt „Contagion“ die Katastrophe ein. Er konzentriert sich dabei aber nicht auf herzzerreißende Einzelschicksale, sondern beleuchtet die Situation aus der Sicht des inneren Zirkels des Krisenstabs. Welche Städte müssen abgesperrt werden? Was erzählt man der Bevölkerung? Wem gelingt es zuerst, ein Gegenmittel zu entwickeln? In welcher Reihenfolge sollte ein Gegenmittel verteilt werden? Dem Film gelingen dabei einige großartige, intensive Szenen, auch dank der sämtlich sehr zurückhaltend spielenden Darsteller.

„Contagion“ ist keine leichte Kost, denn auch wenn der Film nicht bewusst auf die Tränendrüse drückt ist sein Thema doch wenig erbaulich. Ein wenig erinnert Soderberghs Inszenierung dem Roman „Die Pest“ von Albert Camus, in dem ebenfalls eine Seuche als unkontrollierbare Naturgewalt über die Menschen hereinbricht und jedem Einzelnen nur die Hoffnung bleibt. Weil „Contagion“ so nüchtern und dokumentarisch ausfällt kann er sowohl als Warnung als auch (in Teilen) als Anleitung verstanden werden, was im Ernstfall zu tun sein könnte…

4/5

PS: Der Film ist (auch) in einer 3D-Fassung rausgekommen. Wie und ob die dritte Dimension bei einem Drama wie „Contagion“  eingesetzt werden kann würde mich schon sehr interessieren, leider lief er in Berlin nirgendwo im Original UND in 3D…

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