Folgendes ist es bitte

Es ist bitte Folgendes

Ich hadere zurzeit mit mir, ob ich wieder eine Sternvergabe anbieten soll oder nicht. Deshalb reiche ich die Frage an Euch weiter: Wie machen? Mit Sternen zwecks besserer Orientierung, oder einfach sein lassen? Oder gar: Scheiß drauf, ich lande immer nur aus Versehen auf Edzard ihm sein Filmriss, das könnte mir nicht egaler sein. Einfach Email an edzardo@web.de und eine kurze Ansage machen. Begründungen werden gelesen, sind aber nicht notwendig (Like I give shit?!). Wird ganz demokratisch entschieden, wobei ich im Fall einer Entscheidung zugunsten von Sternen wohl eine Skalierung wählen werde, die sich an der Internet Movie Data Base orientiert, will sagen Punkte von eins bis zehn.

Hadde Muruk

Constantine

In der streng katholischen Welt von „Constantine“ belauern sich Engel und Dämonen im Kampf um die Seele der Menschen. Als „Halbblute“ nehmen sie menschliche Gestalt an, doch völlig ins Diesseits überzutreten ist ihnen laut den „Spielregeln“ untersagt. Und die Regeln kommen immerhin von ganz oben“ John Constantine (Keanu Reeves) ist ein Dämonenjäger der besonderen Art (Bitte keine Fragen nach Dämonenjägern herkömmlicher Art, ja“). Nicht etwa Idealismus oder fester Glaube treiben ihn an “ ein lang zurückliegender Selbstmordversuch hat ihm den Eingang in den Himmel verbaut, und nun versucht er bei seinem Schöpfer ein paar Punkte gut zu machen, indem er für das Gute kämpft. Sein exzessiver Zigarettenkonsum bringt Constantine allerdings dem endgültigen Ableben (und damit der ewigen Verdammnis) von Tag zu Tag näher.

Ganz andere Sorgen hat die Polizistin Angela (Rachel Weisz). Ihre Zwillingsschwester ist vom Dach einer Psychiatrie gesprungen, offensichtlich geplagt von bösen Visionen. Bei der Rekonstruktion des Selbstmordes stößt sie auf eine Spur, die zu John Constantine führt. Zunächst widerwillig nimmt der doch noch die Chance wahr, der guten Frau zu helfen. Der Fall liegt nicht ganz unkompliziert, denn Anzeichen deuten daraufhin, dass sich ein recht bekannter Höllenbewohner auf der Erde einzurichten gedenkt. Doch auf welche Art und Weise?

Soweit klingt das alles arg nach „End of Days“ und anderen verkorksten Kirchenthrillern – und tatsächlich unterscheidet sich „Constantine“ von diesen auch weniger durch die Story, als durch die weitaus gelungenere Umsetzung des Ganzen. Das oben skizzierte Szenario hinzunehmen wird dem Zuschauer recht leicht gemacht, die Bibelzitate halten sich in Grenzen und unfreiwillige Komik konnte ebenfalls fast gänzlich verhindert werden, da sich der Film selbst nicht gar so ernst nimmt. Keanu Reeves überschaubare Gestikulierkunst ist hier richtig aufgehoben, und die geradlinige Erzählweise lässt kaum Langeweile aufkommen. Die wenigen Nebencharaktere sind schlüssig eingesetzt, doch der eigentliche Star des Films bleibt immer die stimmige Atmosphäre. Die eleganten, düsteren Bilder und die äußerst gelungene Ausstattung verhelfen dem Film zu vielen optischen Reizen, die die (geradezu zwangsläufig auftretenden) Storyunebenheiten problemlos ausbügeln können. Auch die mit Bedacht eingesetzten CGI-Effekte können überzeugen.

Nun machen all diese Pluspunkte „Constantine“ nicht zu einem großen Stück Kino, dafür mangelt es vor allem an Originalität und Szenen, die lange im Gedächtnis hängen bleiben. Für einen gediegenen, auf Unterhaltung ausgelegten DVD-Abend erfüllt er aber locker alle Kriterien. Nebenbei beweist er, dass nicht alle „großen“ Hollywood-Produktionen, die am Anfang des Kalenderjahres herauskommen, so verkorkster Mist wie „Basic“ sein müssen.

Neu auf DVD

Final Call

Seit einigen Wochen auf dem Markt ist dieser Thriller mit Kim Basinger und Chris Evans. Ähnlich wie Colin Farrell in „Nicht auflegen!“ an die Telefonzelle gefesselt war hängt hier ein junger Mann an seinem Mobiltelefon. Eine entführte Ehefrau und Mutter (Basinger) hat ihn über ein vermeintlich defektes Telefon an die Leitung bekommen. Reißt das Gespräch ab, ist die Entführte verloren…
Die rasante Hetzjagd quer durch Los Angeles involviert dann noch die üblichen Bösewichter und einen spleenigen, aber aufgeweckten Polizisten. Dank des flotten Tempos fallen Logikfehler nicht sonderlich auf, durch einige gelungene Kniffe gelingt es durchaus, Spannung aufzubauen und über fast die gesamt Spieldauer von 90 Min. zu halten. Eigentlicher Star des Films ist dabei das Drehbuch, dessen clevere Konstruktion einen anständigen Thriller auf den Weg bringt. Keine schlechte Wahl gegen aufkommende Langeweile im (bisherigen) Anti-Sommer.

Jersey Girl

Der neue Film von Kevin Smith („Dogma“, „Clerks“) bringt wie schon „Gigli“ die unheilige Schauspieler-Combo Bennifer, will sagen Ben Affleck und Jennifer Lopez, auf die Leinwand. Allerdings ist Lopez` Auftritt recht kurz, denn kaum hat sie (im Film) ihrem Angetrauten Ollie (Affleck) eine Tochter geboren, da verabschiedet sie sich ins Jenseits. Der New Yorker Medienmanager Ollie steht nun, da er sich auch noch seine Karriere durch den Baby-Stress nachhaltig versaut hat, vor dem Nichts. Oder besser: in New Jersey, wo er im Haus seines bodenständigen Arbeiter-Dads sein Jersey Girl aufzieht. Bergauf geht es für ihn, als er die hübsche Studentin Maya (Liv Tyler) kennen lernt, doch dann packt ihn noch mal der Ehrgeiz. Ollie will sein Upper West Side-Leben zurück, gegen den Willen seiner Liebsten…
Das hier eine recht formelhafte Geschichte übers „zweite“ Erwachsenwerden erzählt wird, dürfte den werten Lesern bereits aufgefallen sein. Bleibt anzumerken, dass die Story ihre hellen Momente hat und die Darsteller sich mit dem Material offenbar recht wohl fühlten. Ben Affleck-Fan werde ich wohl trotzdem nicht mehr werden. Macht aber nichts, denn die zuweilen sehr gelungenen Gags und der zum Glück nicht überbordende Kitschfaktor machen „Jersey Girl“ zu einem gelungenen Familienfilm mit einer sympathischen Sicht auf die – Vorsicht, abgestandene Floskel! – kleinen Leute im Herzen Amerikas.

Bad Santa

Billy Bob Thornton gibt in diesem Film von Terry Zwigoff („Ghost World“) den abgewracktesten Weihnachtsmann, der je im Kino zu sehen war. Versoffen, unhöflich, kriminell – ein richtiger Goldjunge. In der Vorweihnachtszeit nimmt er mit seinem kleinwüchsigen Partner Einkaufszentren aus, um sich den Rest des Jahres mit der erbeuteten Kohle irgendwo zu erholen. Doch, wie könnte es anders sein, der zynische, gefühlsresistente Kerl läutert sich ein wenig. Verantwortlich dafür zeichnet unter anderem ein dicker Junge, dessen Einsamkeit sogar zum Misanthropen im Weihnachtsmannkostüm durchdringt. Und auch die süße Bardame, die ihn ins Herz geschlossen hat, ist an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig.
Wie man auf die Idee zu so einem Film kommen kann ist für mich nicht im Ansatz nachvollziehbar. Irgendwo zwischen Satire, finsterer Komödie und reiner Anarchie entfaltet sich hier ein so absurde wie unterhaltsame Handlung, die der glänzend aufgelegte Hauptdarsteller Thornton vor dem Auseinanderfallen bewahrt. Ohne Rücksicht auf Verluste lässt Zwigoff seinen ewig mies gelaunten Weihnachtsmann auf die Besucher amerikanischer Shopping-Malls los, für junge Familien mit sonnigem Gemüt DER Alptraum schlechthin. Fast am schönsten ist „Bad Santas“ Ausraster, als er sich in seiner Mittagspause von einer Mutter mit Kind belästigt fühlt. In gewisser Weise scheint mir der Film beinahe absichtlich sinnlos zu sein, empfehlen kann ich ihn trotzdem!

Zach Braffs Garden State

Mit massig Vorschusslorbeeren kommt dieses unabhängig von den großen Studios finanzierte Filmdebut von Zach Braff in unsere Kinos. Soweit mir bekannt ist, hat der sich als Schauspieler in einer Serie namens ?Scrubs? einen Namen gemacht, wer jedoch genaueres wissen will, sollte lieber die Movie Data Base (imdb.com) zu Rate ziehen. Bei seinem ersten Kinofilm hat Braff nicht nur das Drehbuch verfasst, Regie geführt und die Hauptrolle übernommen, er konnte mit Ian Holm und Natalie Portman auch noch zwei bekannte Schauspieler für sein Projekt gewinnen.

Der „Garden State“ des Titels steht für den so genannten US-Bundesstaat New Jersey, dem ein wenig das Image anhaftet, sehr durchschnittlich und gar langweilig zu sein. Dorthin kehrt Andrew Largeman (Braff) zum ersten Mal seit vielen Jahren zurück, als seine Mutter stirbt. Der Zuschauer erfährt zunächst nicht viel mehr über die Hintergründe des Todesfalls, sondern folgt dem seltsam apathisch dreinblickenden jungen Mann auf seinem Weg zur Beerdigung. Nur langsam lassen sich die wahren Probleme Andrews ausmachen, die mit einem gestörten Verhältnis zur Außenwelt und einem familiären Schicksalsschlag zusammenhängen.

Die cineastische Rückkehr in die Jugend/Kindheit des Protagonisten hat durchaus Tradition bei kleineren US-Produktionen, siehe etwa „Beautiful Girls“ oder „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“. Für Andrew allerdings ist sie fast mit einer Rückkehr ins wahre Leben zu vergleichen. Sein mäßig erfolgreiches Schauspieler- und Kellner-Dasein in L.A. erlebte er immer durch den Schleier einer Reihe von Medikamenten, die ihm sein als Psychiater tätiger Vater seit Jahren verschrieb. Warum er dies tut wird sich im Laufe des Films klären. Bei seinem Besuch in der alten Heimat beschließt Andrew unvermittelt, seine „Behandlung“ abzubrechen. Langsam findet er zurück in das kleinstädtische Leben seiner Vergangenheit, ständig in der Schwebe zwischen Neugier nach dem neuen, echten Leben und bloßer Fassungslosigkeit ob der Dinge, die sich in seiner alten Heimat abspielen. Richtig zurück ins Leben holt ihn erst die hübsche Sam (N. Portman), eine zwanghafte Lügnerin mit goldenem Herzen.

Obwohl „Garden State“ sicher Schwächen bei der Charakterzeichnung aufweist und auch sonst nicht ohne Fehler ist, kann man ihn getrost als äußerst gelungenes Erstlingwerk betrachten. Die großartigen Dialoge, viele kleine Lacher und einige herausragende Szenen machen den Film zu einer interessanten Zustandsbeschreibung des US-amerikanischen Alltags abseits vom 11. September und kulturellen oder politischen Grabenkämpfen. Ohne seine spleenigen Figuren platten Witzen zu opfern nähert er sich seinem leider etwas arg belehrenden Ende. Auf dem Weg dahin gibt es jedoch eine ganze Menge zu entdecken. Andrews alte Schulfreunde sind allein schon einen Blick wert, ganz zu schweigen von Sams umwerfender Erklärung, wie ein junger Afrikaner zu ihrem Bruder wurde.

Im Kern ist „Garden State“ jedoch die Geschichte eines jungen Menschen, der seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat, und hierin liegt eine große Stärke des Films – denn dieses Gefühl ist den meisten Zuschauern sicher vertraut. Auch wenn sich die Story nicht um alle Film-Klischees herumkommt, sie vermag die Zuschauer mitzunehmen auf eine lohnende Reise, in deren Verlauf eine Menge interessanter Themen und Tatsachen von der Leinwand blicken. Die psychologische Tiefenschärfe von etwa „In the Bedroom“ erreicht Braff mit seinem ersten Film nicht, aber der Erfolg seines Werks beweist eindeutig, dass seine Geschichte bei den (zumeist jüngeren) Zuschauern einen Nerv getroffen hat. Welchen genau, dass muss jeder für sich entscheiden.

8/10

Neuigkeiten/Versuch eines Posts

Star Wars Episode III – Revenge of the Sith

Nun ist es also soweit, George Lucas schlägt das letzte Kapitel seiner großen Geschichte auf. Doch natürlich, nicht etwa der Ausgang der Geschichte wird mit Spannung erwartet, denn der ist ja hinlänglich bekannt. Vielmehr geht es darum, die Jedi-Ritter in einem ihrer schwärzesten Momente zu beobachten, einen der ihren der dunklen Seite anheim fallen zu sehen – bis darüber die Republik vernichtet und das Imperium geschaffen ist. Die Lust auf die explizite Ausgestaltung des Unvermeintlichen wird im Trailer wunderbar angefacht, wenn der ehemalige Jedi Anakin Skywalker als Darth Vader „wiedergeboren“ wird und von seinem Meister einen wahrlich prägnanten Befehl erhält:

-Vader! -Yes, Master??.. -Rise!
So etwas lässt man sich ja nicht zweimal sagen.

Lucas bringt seine Handlung in drei Erzählsträngen zu Ende, das verbindende Element dabei ist Anakin. Seine Liebe zur Prinzessin und Senatorin Amidala bringt ihn in Konflikte mit seiner Jedi-Natur, seine zuweilen zügellose Art bringt Konflikte mit dem Rat der Jedi, und beides zusammen gerät in die Schieflage, als die Republik unter Kanzler Palpatine bereits beginnt, die Züge eines Imperiums zu tragen. Wenn man es genau nimmt, ist Anakin schon zu Beginn des Films kein wahrer Jedi mehr, verliert er doch die Kontrolle über sich, tötet und noch wichtiger: ist unfähig, dies ehrlich zu bereuen. Dass es ihm als Jedi versagt ist, eine Familie zu gründen ist ihm bewusst, doch seine Liebe zu Padme ist beträchtlich größer als seine, sagen wir mal, „Fraktionsdisziplin“. Kurzum, die Entscheidung für die dunkle Seite der Macht guckt von Beginn an um die Ecke.

Doch es braucht noch Intrigen, Machtpolitik und einige persönliche Prüfungen, bis zu guter letzt Darth Vader sein unansehnliches Haupt erhebt. Der Weg dorthin ist recht unterhaltsam, gesegnet mit brillanten Actionsequenzen und leider auch (wieder) reichlich abgestandenen Dialogen. Die omnipräsente Bluescreen-Technik hat Lucas hier zur Perfektion gebracht. So makellos künstlich, wunderbar und märchenhaft sieht der Film aus, dass einem reale Hintergründe wahrscheinlich Kopfschmerzen bereiten würden. Immer neue Raumschiffe, Planeten und Gestalten bevölkern die Weiten der Galaxie. Die alles entscheidenden Kämpfe zwischen Obi Wan und Anakin sowie dem Kanzler und Yoda präsentiert Lukas leider parallel in ständig wechselnden Einstellungen und reißt so das Geschehen etwas auseinander.

Ganz in der Tradition der ersten drei Filme der Reihe bleibt auch ?Revenge of the Sith? trotz aller Finsternis ein Märchen, voll und ganz kompatibel für Kinder ? mit Ausnahme des für ?Star Wars? ungewöhnlich brutalen Kampfes zwischen Obi Wan und Anakin gegen Ende. Für einen alten „Kostverächter“ wie mich (der keinen der vorigen Teile wirklich freiwillig gesehen hat) bedeutet dies eben auch eine – netto – ca. halbstündige Leidenszeit, in der der Schauwert des Geschehens nicht mehr in der Lage ist, die grenzenlos naive Personenzeichnung aufzufangen, in der man sich in „kopflastigere“ Sci-Fi-Ware a la „Blade Runner“ beamen möchte. Das muss der Vollständigkeit halber einfach gesagt werden. Über Hayden Christensens Darstellung des jungen Anakin Skywalker gehen die Meinungen weit auseinander – ist das beinahe geniales mimisches Understatement, oder schlichtes Unvermögen? Mich hat der böse dreinblickende Anakin immer ein wenig an Derek Zoolanders „Blue Steel“-Look erinnert, aber sei es drum. Der Gang ins Kino ist unter dem Strich definitiv anzuraten, schließlich findet hier eine der größten Kinogeschichten aller Zeiten gleichsam Anfang und Ende, und da will man doch dabei sein, gelle?

Einsehbares Abenteuerfilmchen

SaharaIch bringe es einfach nicht fertig über einen Abenteuerfilm zu schreiben, ohne Indiana Jones wenigstens erwähnt zu haben. Die drei von Steven Spielberg inszenierten Spektakel haben ein großes Publikum begeistert und die Latte für alle kommenden Produktionen des Genres sehr hoch gelegt. Wie bereits jüngst in Jerry Bruckheimers Vermächtnis der Tempelritter sind auch in Sahara alle Indy-typischen Versatzstücke zu finden. Mit Ausnahme des historischen Hintergrundes allerdings, denn der Film von Breck Eisner spielt hier und heute. Oder genauer in Afrika und heute.

Nach einem kurzen, aufwändigen Vorspann, der die Zuschauer mit einer vergessenen Anekdote aus dem US-Bürgerkrieg vertraut macht, geht es auch gleich zur Sache. Die UNO-Ärztin Eva, gespielt von Penelope Cruz, ist einer rätselhaften Seuche auf der Spur. Deren Ursprung vermutet sie in Mali, doch der örtliche Diktator ist an einer Aufklärung nur mäßig interessiert. Ganz andere Sorgen hat Matthew McConaughey als Schatzsucher Dirk Pitt. Er hat einen Hinweis erhalten, dass irgendwo entlang des Nigers sein größter Traum auf ihn wartet. Wo genau? Natürlich in Mali, und so sind Eva, Dirk und sein Kumpel Al schon bald auf wilder Reise durch Afrika, vereint im Kampf gegen industrielle Bösewichter und korrupte Herrscher, bemüht Katastrophen zu verhindern, und wenn es eben geht natürlich einen sagenhaften Schatz zu finden.

Das klingt nicht nur bescheuert, es ist es auch. Doch das Unterhaltungskino hat seine eigenen Regeln, und da gelten Kurzweiligkeit, einfache Schauwerte und lustige Zerstreuung nicht zu unrecht mehr als tiefe Figurenzeichnung und ein logischer, am besten noch realistischer Plot. McConaughey, der schon aus dem Mainstream verschwunden schien, grinst und kalauert prächtig aufgelegt vor sich hin, das Tempo ist flott und die Action angenehm bodenständig. Die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern stimmt, und in Nebenrollen tauchen bekannte Gesichter wie William H. Macy und Delroy Lindo auf. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch, dass der gute alte Merowinger, mit bürgerlichem Namen Lambert Wilson, direkt aus der Matrix in die Sahara geflogen ist, um noch einmal den nicht ganz akzentfreien Schurken zu geben.

Kritische Stimmen mögen nörgeln, es gleiche einem Skandal, einen solchen Gute-Laune-Film im von Armut und Not geplagten Schwarzafrika spielen zu lassen. Ich vermag diese Ansicht nicht zu teilen. Es kann keine Rede davon sein, dass Bilder ungeheuren Elends hier als bloße Kulisse dienen, und bei aller Blauäugigkeit der Story wird die Lage nicht banalisiert. Anleihen bei der Realität sind zwar gegeben, doch begnügt sich der Film komplett mit seiner weitgehend unpolitischen Gut-gegen-Böse-Geschichte. Als Wurzel allen Übels präsentiert er übrigens die unheilige Allianz westlicher Konzerne mit korrupten Eliten. Das hört sich so verkehrt ja gar nicht an. Größere Mankos gibt?s auch ansonsten kaum, mit gut zwei Stunden Spielzeit ist man vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen, aber Langeweile kommt deswegen noch nicht auf. Naiv, altmodisch, nicht ohne Charme vertreibt Sahara seinem Publikum die Zeit, auf längere Sicht wird er dagegen wohlwollend vergessen werden.

6/10

War of the Worlds

Es ist doch immer wieder eine Freude, über Leinwand-Adaptionen berühmter Bücher zu schreiben, ohne diese gelesen zu haben. Man spart sich die Hälfte der Arbeit. Wir wollen aber nicht vergessen, dass Steven Spielberg mit seinem nun auf DVD erschienenen Krieg der Welten ganz sicher in erster Linie an sein Kino-Publikum gedacht hat. So spielt seine Version selbstverständlich in der Gegenwart und nicht am Ende des vorletzten Jahrhunderts. Meine bescheidene Weisheit sagt mir, dass der Film zu jener Sorte gehört, die man unbedingt im Kino sehen sollte. Zumindest sofern die eigene Heimkinoanlage einen Wert von 10 000 Euro nicht übersteigt. Ich habe es nicht ins Kino geschafft, und vermag mich nicht einmal mehr zu erinnern, warum nicht. Nun, für meinen Fernseher und DVD-Player wurde die Bezeichnung Heimkino sicher nicht erfunden, trotzdem machte es nicht wenig Laune, dem Spektakel beizuwohnen. Los geht es mit ein paar kurzen Szenen, die Ray Ferrier (Tom Cruise) und seine Familie vorstellen. Ray ist Kranführer im Hafen von New York, seine Ehe mit Mary Ann (Miranda Otto) vor langer Zeit gescheitert. Wie es der Zufall will hat er für ein Wochenende seine Kids zu Besuch, Teenager Robbie und die zehnjährige Rachel. Als Vater macht Ray keine berauschende Figur, intakte Familien sehen anders aus. Dann bricht auch schon die Katastrophe über die Drei hinein. Der Himmel verdüstert sich, zahllose Blitze schlagen ein und legen die komplette Elektrizität lahm. Während die Menschen sich noch benommen einen Reim darauf zu machen versuchen, erheben sich aus den Tiefen der Erde monströse, langbeinige Maschinen. Ohne Vorwarnung und weitere Erklärung machen sich diese Tripods an ihr finsteres Werk. Sie töten und zerstören alles, was sie auf der Erdoberfläche finden. Nur haarscharf entkommen Ray und seine Kinder dem sicheren Tod und machen sich auf den Weg Richtung Norden, zu Mary Ann und ihrem Lebensgefährten in Boston.

Spielberg liefert in der ersten Stunde einen beeindruckenden Horror- und Katastrophenfilm ab, der die Ausweglosigkeit der Menschenmassen auf der Flucht vor übermächtigen Gegnern hervorragend in Szene setzt. Die Flucht der Ferriers sorgt durch ihren Roadmovie-Charkater für ein flottes Tempo. Das apokalyptische Szenario bietet Stoff für einige großartige, ungewöhnlich düstere Szenen. Brennende Züge fahren durch das Bild, verzweifelte Menschen fallen wegen eines Autos übereinander her. Als die Massen versuchen, eine Fähre über den Hudson zu erreichen, kommt es zum Aufstand, doch nach wenigen Minuten haben die Tripods auch das große Schiff in einen Haufen Schrott verwandelt. Kurz darauf gleicht die Szenerie eher einem Kriegsfilm. Die überforderte Armee rückt den Eindringlingen mit Panzern und Kampfhubschraubern auf die Pelle. Doch diese Form von Widerstand scheint zwecklos.

Es herrscht ein Klima der Angst in diesen beeindruckenden Szenen, und der nackte Kampf ums Überleben fordert seine Opfer. Steven Spielberg, obwohl für grausame Szenen bisher nicht bekannt, findet dafür sehr gute, passende Bilder. Mit grandiosen Spezialeffekten und einem starken Gespür für Stimmung und Timing der Story kann War of the Worlds zunächst fast auf ganzer Linie überzeugen. Wenige schwächere Szenen und das doch sehr vorhersehbare Zusammenwachsen der Familie tun dem guten Gesamteindruck keinen Abbruch. Gerade als es am lautesten kracht und der Terror am größten ist nimmt Spielberg dann abrupt das Tempo raus. Es folgt eine ermüdende Viertelstunde Ausharren in einem Keller, bevor es noch einmal eine nicht sehr überzeugende Actionsequenz aufs Auge gibt. Danach klingt der Film (soweit mir bekannt ist in Übereinstimmung mit der Vorlage) nur mehr aus. Den finalen Kniff will ich hier deshalb auch nicht preisgeben, denn soweit ich weiß bin ich nicht der einzige Mensch, der mit dem Stoff bis jetzt nicht wirklich vertraut war. Die goldene Regel des Blockbusterkinos, wonach am Ende immer ein besonders lauter Knall stehen muss, ignoriert der Film schlicht und ergreifend. Damit tut er sich keinen Gefallen, zu gut hat die Geschichte begonnen, als dass man diese letzten gut 30 Minuten so einfach hinzunehmen gewillt ist.

So ist der Krieg der Welten, ähnlich wie schon A.I., ein Film, der im Wesentlichen aus verschiedenen, in sich geschlossenen Segmenten besteht, die durch eine vorherrschende Grundstimmung verbunden sind. Von denen ist jedoch zum Glück keine dermaßen bescheiden ausgefallen ist wie das berüchtigte, überlange Ende von A.I.. Nur wünscht man sich im Nachhinein die etwas schwächeren Szenen mehr Richtung Anfang. So hätte sich das Gefühl von packender und gelungener Unterhaltung um einiges länger gehalten. Insgesamt reicht es aber noch locker für das obere Drittel der großen Eventfilme, was den Stärken dieses Streifens ebenso geschuldet ist wie den Schwächen der Konkurrenz. Diese zweite Zusammenarbeit der Hollywood-Megastars Cruise und Spielberg erreicht nicht ganz das Niveau von Minority Report, von einer Enttäuschung zu sprechen wäre trotzdem übertrieben.

7/10

The DaVinci Code

Was war das für ein außerordentliches Rauschen im Blätterwald vor dem Start dieser Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Dan Brown. Die katholische Kirche meldete sich zu Wort, zahlreiche Wissenschaftler hatten einiges beizutragen, die große Weltpremiere in Cannes, dazu noch der Plagiatsprozess gegen den Romanautoren, der mit einem Freispruch endete. Mir war das Ganze ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich habe Browns Buch gelesen, einen wie ich finde spannenden Thriller, der so seine Macken hat, aber trotzdem Spaß macht. Sowas lesen Geschäftsleute auf langen Flügen, oder auch Edzehards, die in der Videothek herumoxidieren. Nun haben viele Leser die religiösen Verschwörungstheorien recht ernst genommen, und die Debatte über den Wahrheitsgehalt der Story sorgte noch einmal für zig Millionen verkaufte Bücher. Aus atheistischem Blickwinkel betrachtet ist das alles vernachlässigenswert, denn wo kein Gott Platz hat, da gibt?s auch keinen Sohn desselben. Aber auch ohne dem religiösen Wahn zu verfallen las sich „Sakrileg“ (Dt. Titel) wie ein perfektes Drehbuch für einen spannenden Thriller. Nun ist dieser Film fertig, und ich frage mich folgendes: Ist das Buch schwerer zu verfilmen als ich nach der Lektüre angenommen hatte? Oder ist die fintenreiche Schnitzeljagd nach dem Gral, die Regisseur Ron Howard bietet, einfach keine gute Umsetzung des Stoffes?

Der Film beginnt mit dem rätselhaften Tod des Kurators des Pariser Louvre. Der amerikanische Professor für religiöse Symbolik Robert Langdon (Tom Hanks) wird zum Tatort im Museum um Hilfe gebeten. Bizarr ausgestreckt, mit einem Pentagramm aus Blut auf der Brust und neben mysteriösen Botschaften liegt Jaques Sauniere auf dem Parkett. Kurze Zeit später schon befindet sich Langdon mit Sophie (Audrey Tatou), der Enkeltochter des Verstorbenen, auf der Flucht vor der Polizei und gleichzeitig auf der Suche nach einem der größten Geheimnisse der menschlichen Geschichte. Das große Geheimnis involviert Maria Magdalena, die Templer, Isaac Newton und natürlich Leonardo DaVinci selbst. Es gilt Anagramme zu enträtseln, berühmte Gemälde umzudeuten, Hinweise zu finden und schließlich der nicht für möglich gehaltenen Wahrheit ins Auge zu sehen. Über Paris geht es aufs Land, später nach London und schließlich nach….aber Moment: Ich werd doch nicht verraten wo der Gral zu finden ist!

Doch was im Buch (welches stilistisch sicher keine Offenbarung ist) spannend und detailliert vor dem Leser ausgebreitet wird, funktioniert auf der Leinwand längst nicht so gut. Zumindest nicht, wenn man das Buch bereits kennt. Die Dialoge wirken häufig hölzern bis albern, was vor allem Howards Bestreben geschuldet ist, möglichst viele pseudohistorische Enthüllungen aus dem Roman in seiner Story unterzubringen. Dem Rhythmus des Films hätte eine Straffung/Kürzung der Handlung sicherlich gut getan.

Als ich vor einigen Monaten von der Besetzung des Films erfuhr, war ich sofort einverstanden. Hanks und Tatou sind auch keine schlechte Wahl, doch fehlt es den beiden im Zusammenspiel an Chemie und Persönlichkeit. Die beiden verbindet einzig und allein der Plot. Jean Reno macht sich recht gut als Polizist Bezu Fache, Alfred Molina spielt den finsteren Bischof im Schlaf, und auch Ian McKellen als großer Fachmann der Gralslegende macht wenig verkehrt und liefert gar einige Lacher. Einzige wirkliche Fehlbesetzung ist Paul Bettany als Albino-Mönch Silas, der im Roman um einiges bedrohlicher und körperlich kräftiger erscheint als dieser gutaussehende, blasse Engländer, der auch in romantischen Komödien spielt.

Vor allem aber hapert es mit der Story, die nur selten wahrlich interessant verkauft wird. Zu häufig stehen Hanks und Tatou mit gerunzelter Stirn vor ihren Aufgaben, woraufhin Hanks/Langdon einen kurzen Geschichtsexkurs feilbietet (zumeist noch durch grobe „historische“ Aufnahmen bebildert), worauf dann die Lösung des Rätsels folgt. Die Verfolgungsjagden sind lieblos bis unspektakulär und ohne ein Gefühl für die Gefahr der Hauptfiguren inszeniert, der Schluss zieht sich (wie schon im Buch) unnötig in die Länge. Bei aller Kritik an „The DaVinci Code“ muss aber auch gesagt werden, dass er für einen Zuschauer, der nach interessanter Unterhaltung ohne großen Tiefgang Ausschau hält, immer noch eine gute Wahl ist. Obwohl ich den Film nur bedingt empfehlen kann, hat mir der Kinobesuch Spaß gemacht. Keinen geringen Anteil daran hatten jedoch gleichgesinnte Sitznachbarn, die über „the greatest cover-up in human history“ auch mal beherzt grinsen konnten.

6/10

Code 46

Irgendwie sind es in letzter Zeit immer die eher kleinen, weniger aufwändigen Produktionen des Science-Fiction-Genres, die zu gefallen wissen. Los ging es vor zwei Jahren mit Equilibrium, es folgte der ebenfalls ansehnliche The Final Cut, und nun Michael Winterbottoms Code 46. Sein Film spielt in nicht allzu ferner Zukunft, was z. B. daran zu erkennen ist, dass die Menschen noch mit den gleichen Autos und Flugzeugen unterwegs sind wie wir heute auch. Raumschiffe und auch Aliens gibt es nicht zu sehen. Und doch ist man sofort überzeugt, dass die Welt des Films nicht die unsrige ist. Die Menschen sprechen ein Gemisch aus Englisch, Französisch und Spanisch (das Goethe-Institut hat versagt!), kommunizieren über hypermoderne Videoübertragung, und überall gibt es Kontrollen und Überwachung. Den neuen Menschen ist es verboten, sich untereinander fortzupflanzen, ohne vorher ermittelt zu haben, ob nicht eine zu enge Verwandtschaft ihrer Gene besteht. Dies ist, aus welchen Gründen wird nicht genannt, relativ wahrscheinlich. Ein Vergehen dieser Art wird als Code 46 bezeichnet.Tim Robbins spielt William, dessen Job es ist, Betrüger ausfindig zu machen. Seine Methode ist ungewöhnlich. Er steht unter dem Einfluss einer ominösen Empathie-Droge, und ist so in der Lage, nach einem kurzen Gespräch mit einem Menschen dessen Geheimnisse zu ergründen. Sein Auftrag führt William nach Shanghai. Die Stadt gleicht in etwa dem Tokio in Sofia Coppolas Lost in Translation, sie ist fremd, kalt und unheimlich. Von seinem Hotelzimmer fährt er zu dem Pharmakonzern, der seine Hilfe angefordert hat. Doch er lässt die junge Täterin Maria (Samantha Morton) ungestraft davon kommen, während er einen Unschuldigen zum Täter erklärt. In der U-Bahn trifft er die Frau wieder, die ihn ebenfalls durchschaut hat, und zwischen dem verheirateten William und der einsamen, verträumten Maria entwickelt sich eine kurze, aber heftige Romanze.

Damit befinden sich die zwei erst am Beginn ihrer Reise und Flucht vor der Unmöglichkeit ihrer Beziehung. Doch lebt der Film weniger von der Handlung als von der allgegenwärtigen, transzendenten Stimmung, die den Zuschauer langsam gefangen nimmt. Die beiden Hauptdarsteller agieren sehr zurückhaltend und lassen den befremdlich wirkenden Schauplätzen Raum, ihre Wirkung zu entfalten. Aus der Vergangenheit kommentiert Maria das Geschehen in einem Off-Kommentar und lässt die Ereignisse ihrer wenigen gemeinsamen Tage noch einmal Revue passieren. Code 46 verlangt die Bereitschaft des Publikums, das Szenario anzunehmen und sich auf die ungewöhnliche Liebe zwischen William und Maria einzulassen. Dafür bietet er eine einfallsreiche und wunderbar erzählte Geschichte in einem zwar action- aber keineswegs ereignislosen Science-Fiction-Film. Nur wer bei diesem Genre sofort wohlwollend an Riddick und Starship Troopers 2 denkt, sollte wahrscheinlich besser die Finger davon lassen.

7/10

Gesprengte Ketten, MGM Special Edition DVD

Den Film „The Great Escape“ (Originaltitel) zu empfehlen ist reine Formsache. Unter der Regie von John Sturges („Die Gloreichen Sieben“) gaben sich 1963 die großen Stars die Klinke in die Hand, unter ihnen Steve McQueen, Charles Bronson, James Garner, Donald Pleasance, Richard Attenborough und James Coburn. Der Film erzählt die Geschichte von allierten Offizieren, die aus einem deutschen Kriegsgefangenen-Lager des Zweiten Weltkriegs ausbrechen wollen. Ihr raffinierter Plan erfordert viel Geschick und Vorsicht, und so sind die ersten 80 Minuten dieses knapp drei Stunden langen Streifens geprägt von der Einführung der vielen Charaktere, der Vorbereitung und schrittweisen Ausführung des Plans. Die spektakuläre Flucht ist dann ebenso fesselnd und unterhaltsam inszeniert wie die folgenden Versuche der Ex-Insassen, den Deutschen nicht wieder in die Hände zu fallen. Nicht allen gelingt das, und so endet „Gesprengte Ketten“ auch auf einer eher traurigen Note, was den Film aber keineswegs zum bitterernsten Drama macht. Die Szenen, in denen Steve McQueen auf dem Motorrad in die Schweiz fliehen will, haben Filmgeschichte geschrieben, ebenso wie die ausführliche Ausbrecher-Story, die auf einer wahren Geschichte basiert.Bild (Format 2,35:1) und Ton sind, soweit ich das mit meiner bescheidenen Heimkino-Ausrüstung beurteilen kann, in Ordnung. Was die DVD zudem sehr empfehlenswert macht sind die Extras. Insbesondere die Dokumentationen zur Entstehung des Streifens und die kurzen Filme zu den wahren Geschehnissen sind wirklich interessantes Zusatzmaterial, dazu gibts den US-Kinotrailer sowie einige weitere kleine Extras. Alles in allem eine starke DVD (oder besser gesagt zwei) die im Handel um die 20 Euro kostet.

keine Bewertung

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