The DaVinci Code

Was war das für ein außerordentliches Rauschen im Blätterwald vor dem Start dieser Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Dan Brown. Die katholische Kirche meldete sich zu Wort, zahlreiche Wissenschaftler hatten einiges beizutragen, die große Weltpremiere in Cannes, dazu noch der Plagiatsprozess gegen den Romanautoren, der mit einem Freispruch endete. Mir war das Ganze ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich habe Browns Buch gelesen, einen wie ich finde spannenden Thriller, der so seine Macken hat, aber trotzdem Spaß macht. Sowas lesen Geschäftsleute auf langen Flügen, oder auch Edzehards, die in der Videothek herumoxidieren. Nun haben viele Leser die religiösen Verschwörungstheorien recht ernst genommen, und die Debatte über den Wahrheitsgehalt der Story sorgte noch einmal für zig Millionen verkaufte Bücher. Aus atheistischem Blickwinkel betrachtet ist das alles vernachlässigenswert, denn wo kein Gott Platz hat, da gibt?s auch keinen Sohn desselben. Aber auch ohne dem religiösen Wahn zu verfallen las sich „Sakrileg“ (Dt. Titel) wie ein perfektes Drehbuch für einen spannenden Thriller. Nun ist dieser Film fertig, und ich frage mich folgendes: Ist das Buch schwerer zu verfilmen als ich nach der Lektüre angenommen hatte? Oder ist die fintenreiche Schnitzeljagd nach dem Gral, die Regisseur Ron Howard bietet, einfach keine gute Umsetzung des Stoffes?

Der Film beginnt mit dem rätselhaften Tod des Kurators des Pariser Louvre. Der amerikanische Professor für religiöse Symbolik Robert Langdon (Tom Hanks) wird zum Tatort im Museum um Hilfe gebeten. Bizarr ausgestreckt, mit einem Pentagramm aus Blut auf der Brust und neben mysteriösen Botschaften liegt Jaques Sauniere auf dem Parkett. Kurze Zeit später schon befindet sich Langdon mit Sophie (Audrey Tatou), der Enkeltochter des Verstorbenen, auf der Flucht vor der Polizei und gleichzeitig auf der Suche nach einem der größten Geheimnisse der menschlichen Geschichte. Das große Geheimnis involviert Maria Magdalena, die Templer, Isaac Newton und natürlich Leonardo DaVinci selbst. Es gilt Anagramme zu enträtseln, berühmte Gemälde umzudeuten, Hinweise zu finden und schließlich der nicht für möglich gehaltenen Wahrheit ins Auge zu sehen. Über Paris geht es aufs Land, später nach London und schließlich nach….aber Moment: Ich werd doch nicht verraten wo der Gral zu finden ist!

Doch was im Buch (welches stilistisch sicher keine Offenbarung ist) spannend und detailliert vor dem Leser ausgebreitet wird, funktioniert auf der Leinwand längst nicht so gut. Zumindest nicht, wenn man das Buch bereits kennt. Die Dialoge wirken häufig hölzern bis albern, was vor allem Howards Bestreben geschuldet ist, möglichst viele pseudohistorische Enthüllungen aus dem Roman in seiner Story unterzubringen. Dem Rhythmus des Films hätte eine Straffung/Kürzung der Handlung sicherlich gut getan.

Als ich vor einigen Monaten von der Besetzung des Films erfuhr, war ich sofort einverstanden. Hanks und Tatou sind auch keine schlechte Wahl, doch fehlt es den beiden im Zusammenspiel an Chemie und Persönlichkeit. Die beiden verbindet einzig und allein der Plot. Jean Reno macht sich recht gut als Polizist Bezu Fache, Alfred Molina spielt den finsteren Bischof im Schlaf, und auch Ian McKellen als großer Fachmann der Gralslegende macht wenig verkehrt und liefert gar einige Lacher. Einzige wirkliche Fehlbesetzung ist Paul Bettany als Albino-Mönch Silas, der im Roman um einiges bedrohlicher und körperlich kräftiger erscheint als dieser gutaussehende, blasse Engländer, der auch in romantischen Komödien spielt.

Vor allem aber hapert es mit der Story, die nur selten wahrlich interessant verkauft wird. Zu häufig stehen Hanks und Tatou mit gerunzelter Stirn vor ihren Aufgaben, woraufhin Hanks/Langdon einen kurzen Geschichtsexkurs feilbietet (zumeist noch durch grobe „historische“ Aufnahmen bebildert), worauf dann die Lösung des Rätsels folgt. Die Verfolgungsjagden sind lieblos bis unspektakulär und ohne ein Gefühl für die Gefahr der Hauptfiguren inszeniert, der Schluss zieht sich (wie schon im Buch) unnötig in die Länge. Bei aller Kritik an „The DaVinci Code“ muss aber auch gesagt werden, dass er für einen Zuschauer, der nach interessanter Unterhaltung ohne großen Tiefgang Ausschau hält, immer noch eine gute Wahl ist. Obwohl ich den Film nur bedingt empfehlen kann, hat mir der Kinobesuch Spaß gemacht. Keinen geringen Anteil daran hatten jedoch gleichgesinnte Sitznachbarn, die über „the greatest cover-up in human history“ auch mal beherzt grinsen konnten.

6/10

Code 46

Irgendwie sind es in letzter Zeit immer die eher kleinen, weniger aufwändigen Produktionen des Science-Fiction-Genres, die zu gefallen wissen. Los ging es vor zwei Jahren mit Equilibrium, es folgte der ebenfalls ansehnliche The Final Cut, und nun Michael Winterbottoms Code 46. Sein Film spielt in nicht allzu ferner Zukunft, was z. B. daran zu erkennen ist, dass die Menschen noch mit den gleichen Autos und Flugzeugen unterwegs sind wie wir heute auch. Raumschiffe und auch Aliens gibt es nicht zu sehen. Und doch ist man sofort überzeugt, dass die Welt des Films nicht die unsrige ist. Die Menschen sprechen ein Gemisch aus Englisch, Französisch und Spanisch (das Goethe-Institut hat versagt!), kommunizieren über hypermoderne Videoübertragung, und überall gibt es Kontrollen und Überwachung. Den neuen Menschen ist es verboten, sich untereinander fortzupflanzen, ohne vorher ermittelt zu haben, ob nicht eine zu enge Verwandtschaft ihrer Gene besteht. Dies ist, aus welchen Gründen wird nicht genannt, relativ wahrscheinlich. Ein Vergehen dieser Art wird als Code 46 bezeichnet.Tim Robbins spielt William, dessen Job es ist, Betrüger ausfindig zu machen. Seine Methode ist ungewöhnlich. Er steht unter dem Einfluss einer ominösen Empathie-Droge, und ist so in der Lage, nach einem kurzen Gespräch mit einem Menschen dessen Geheimnisse zu ergründen. Sein Auftrag führt William nach Shanghai. Die Stadt gleicht in etwa dem Tokio in Sofia Coppolas Lost in Translation, sie ist fremd, kalt und unheimlich. Von seinem Hotelzimmer fährt er zu dem Pharmakonzern, der seine Hilfe angefordert hat. Doch er lässt die junge Täterin Maria (Samantha Morton) ungestraft davon kommen, während er einen Unschuldigen zum Täter erklärt. In der U-Bahn trifft er die Frau wieder, die ihn ebenfalls durchschaut hat, und zwischen dem verheirateten William und der einsamen, verträumten Maria entwickelt sich eine kurze, aber heftige Romanze.

Damit befinden sich die zwei erst am Beginn ihrer Reise und Flucht vor der Unmöglichkeit ihrer Beziehung. Doch lebt der Film weniger von der Handlung als von der allgegenwärtigen, transzendenten Stimmung, die den Zuschauer langsam gefangen nimmt. Die beiden Hauptdarsteller agieren sehr zurückhaltend und lassen den befremdlich wirkenden Schauplätzen Raum, ihre Wirkung zu entfalten. Aus der Vergangenheit kommentiert Maria das Geschehen in einem Off-Kommentar und lässt die Ereignisse ihrer wenigen gemeinsamen Tage noch einmal Revue passieren. Code 46 verlangt die Bereitschaft des Publikums, das Szenario anzunehmen und sich auf die ungewöhnliche Liebe zwischen William und Maria einzulassen. Dafür bietet er eine einfallsreiche und wunderbar erzählte Geschichte in einem zwar action- aber keineswegs ereignislosen Science-Fiction-Film. Nur wer bei diesem Genre sofort wohlwollend an Riddick und Starship Troopers 2 denkt, sollte wahrscheinlich besser die Finger davon lassen.

7/10

Gesprengte Ketten, MGM Special Edition DVD

Den Film „The Great Escape“ (Originaltitel) zu empfehlen ist reine Formsache. Unter der Regie von John Sturges („Die Gloreichen Sieben“) gaben sich 1963 die großen Stars die Klinke in die Hand, unter ihnen Steve McQueen, Charles Bronson, James Garner, Donald Pleasance, Richard Attenborough und James Coburn. Der Film erzählt die Geschichte von allierten Offizieren, die aus einem deutschen Kriegsgefangenen-Lager des Zweiten Weltkriegs ausbrechen wollen. Ihr raffinierter Plan erfordert viel Geschick und Vorsicht, und so sind die ersten 80 Minuten dieses knapp drei Stunden langen Streifens geprägt von der Einführung der vielen Charaktere, der Vorbereitung und schrittweisen Ausführung des Plans. Die spektakuläre Flucht ist dann ebenso fesselnd und unterhaltsam inszeniert wie die folgenden Versuche der Ex-Insassen, den Deutschen nicht wieder in die Hände zu fallen. Nicht allen gelingt das, und so endet „Gesprengte Ketten“ auch auf einer eher traurigen Note, was den Film aber keineswegs zum bitterernsten Drama macht. Die Szenen, in denen Steve McQueen auf dem Motorrad in die Schweiz fliehen will, haben Filmgeschichte geschrieben, ebenso wie die ausführliche Ausbrecher-Story, die auf einer wahren Geschichte basiert.Bild (Format 2,35:1) und Ton sind, soweit ich das mit meiner bescheidenen Heimkino-Ausrüstung beurteilen kann, in Ordnung. Was die DVD zudem sehr empfehlenswert macht sind die Extras. Insbesondere die Dokumentationen zur Entstehung des Streifens und die kurzen Filme zu den wahren Geschehnissen sind wirklich interessantes Zusatzmaterial, dazu gibts den US-Kinotrailer sowie einige weitere kleine Extras. Alles in allem eine starke DVD (oder besser gesagt zwei) die im Handel um die 20 Euro kostet.

keine Bewertung

The Singing Detective

Es gibt Filme, die machen es dem Publikum absichtlich nicht ganz einfach, und dieser hier, mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle, gehört definitiv dazu. Da liegt Downey Jr. als Autor Daniel Dark von Detektivromanen im Krankenhaus, am ganzen Körper übersäht mit einem üblen, unappetitlichen Hautausschlag. Die ganze Szenerie hat etwas leicht unwirkliches, Dark redet wirres Zeug, halluziniert und diktiert sich selbst eine neue Krimistory, die der Film dann Stück für Stück zeigt. Es geht zurück in seine Vergangenheit, und dazu taucht seine Ehefrau auf, um ihn dazu zu bringen, die Filmrechte an seinem besten Roman zu verkaufen, The Singing Detective.Zwischen absurden Musicaleinlagen, den Therapiesitzungen mit einem nicht wieder zu erkennenden Mel Gibson (mit Halbglatze und daumendicker Brille) und dem langsam voranschreitenden Heilungsprozess setzt sich langsam ein Bild von der zerrissenen Hauptfigur und ihrer beklemmenden Situation zusammen. Dabei ist es wahrlich nicht leicht, dass Puzzle immer sofort zusammen zu setzen. Einige Charaktere schwirren wie auch Dark selber zwischen den verschiedenen narrativen Ebenen hin und her, während sich dessen verdrängte Vergangenheit allmählich offenbart und er sich seinen Dämonen stellen muss.

Keith Gordons Film ist ein kopflastiges Stück Kino, es handelt ebenso von der Entstehung von Geschichten wie von deren Ausführung und ähnelt darin Spike Jonzes Adaption. Visuell brillant sind die Szenen, in denen Downey Jr. tatsächlich einen Singing Detectiv in den 50ern gibt, in dunklen Gassen mit Klienten und zwielichtigen Gestalten zusammentrifft und auf der Bühne klassische Schnulzen zum Besten gibt. Überhaupt ist seine Leistung aller Ehren wert und deckt ein weites Spektrum menschlicher Abgründe ab, vom verunstalteten, wirren Krüppel über das traumatisierte kleine Kind im Manne bis zum imaginären coolen Privatdetektiv.

Der Film bleibt, auch durch die prominente Besetzung der Nebenrollen (u.a. Adrien Brody, Katie Holmes und Jon Polito), immer interessant, kann aber nur selten richtig mitreißen. Die Frage nach den wahren Identitäten und Realitäten bleibt zwar spannend, ersetzt aber keine in sich schlüssige, lineare Handlung. Es macht schon Spaß, seine Sehgewohnheiten auf die Probe zu stellen und sich auf diese wirre, sehr gut gespielte Geschichte einzulassen. Aber wenn schließlich der Abspann läuft ist man trotzdem fast dankbar, dass der Spuk ein Ende hat.

7/10

Fahrenheit 9/11

George W. Bush ist nicht rechtmäßig Präsident der USA geworden, er pflegt zweifelhafte Geschäftsfreundschaften mit den Saudis, er ist als Geschäftsmann stets gescheitert, er hat den Irak zur Ablenkung, aus alter Feindschaft und natürlich wegen des Öls angegriffen. So sieht es aus in Michael Moores Köpfchen, und wer dem oben genannten nicht zustimmen mag, der wird „Fahrenheit 9/11“ höchstwahrscheinlich nicht viel abgewinnen können. Moore richtet sich mit seinem neuen Film gezielt an das urbane und gebildete Publikum, das seit Jahren die Basis seines Erfolgs bildet. Mehr als 100 Mio. Dollar trugen US-Amerikaner bereits nach drei Wochen an die Kinokassen, womit Moores Abrechnung mit der ersten Amtszeit Bush Juniors in den USA schon jetzt der bei weitem erfolgreichste Dokumentarfilm aller Zeiten ist.Es ist kein so stimmiger Film wie der Vorgänger „Bowling for Columbine“ geworden, vor allem, weil Moore sehr häufig grausame Bilder und unvorstellbare Sachverhalte mit derben, wenn auch häufig gelungenen Lachern mischt. In der kurzen Einführung wird die Posse der Wahl in Florida und die Proteste gegen Bushs Amtseinführung noch einmal amüsant zusammengefasst und Bush als ständig urlaubender Stümper-Präsident dargestellt. Der Ton ist schon beißend, aber bereitet den Zuschauer nur auf die Hauptattraktion vor ? die Angriffe des 11.09.01 und all das, was die Regierung Bush darauf folgen lies. Es geht nun hin und her, Bushs persönliche Geschichte und die seiner Kollegen Cheney, Rumsfeld und Konsorten wird thematisiert, die Lage im Irak nach der „Mission Accomplished“-Rede auf dem Flugzeugträger, es kommen Angehörige gefallener Soldaten ebenso zu Wort wie ein „Marine“, der sich weigert, noch einmal im Irak zu kämpfen.

Trotz einiger Längen und einigen sehr plumpen Vereinfachungen gelingen Moore einige starke Momente, etwa die Anhörung des Senats vor dem Amtsantritt Bushs, bei der 10 Mitglieder des Repräsentantenhauses ihren (wirkungslosen) Protest gegen die Wahl kundtun. Geschickt nutzt Moore die ohnehin schon beträchtliche Kraft der Nachrichtenbilder vom täglichen Krieg im Irak, die er im Kino auf der großen Leinwand noch einmal steigern kann. Im Kern sind es aber weniger die Bilder, sondern einige der relativ bekannten Fakten, die einen manchmal einfach nur koppfschüttelnd dasitzen lassen. Dass die Angehörigen von Kongressmitgliedern ihre Kinder vor dem hochpatriotischen Heldentod im Irak (oder anderswo) lieber bewahren wollen ist hinlänglich bekannt. Pikant wird diese Information aber erst dann, wenn man einen Blick auf die Soldaten und ihre Familien bekommt, die tatsächlich für die „gute Sache“ kämpfen und ihren Kopf hinhalten. Dazu präsentiert Moore immer wieder Interview-Fetzen mit Bush, Cheney und Rumsfeld, die Fakten verdrehen, erfinden und teilweise einfach nur noch Mist erzählen. Die drastischen Bilder von Verletzten und toten Zivilisten in Baghdad, kontrastiert mit Rumsfelds Geschwafel über die „menschliche Dimension der Kriegsführung“ erreichen die gewollte Wirkung problemlos.

Was können die Angehörigen der Soldaten, die im Irak eine massive Bedrohung für die Nation bekämpfen sollen, von einem Verteidigungsminister erwarten, der auf die Frage nach den herbeigeredeten „Weapons of Mass Destruction“ antwortet: „We know where they are, in and around Baghdad, Basrar, east, west, north and south.“? Setzen, sechs. Auch Bush Juniors Image als Freund der Soldaten bekommt Risse, wenn man erfährt, dass er für die Kürzung des Soldes seiner Truppe eintritt. Auch nicht gut macht es sich, dass der Familie eines gefallenen Soldaten dessen letzter Sold abzüglich des Lohnes von fünf Tagen ausbezahlt wird ? schließlich fiel er am 26. Mai, fünf Tage vor Monatsende. Moore lässt ausgewählte Soldaten selbst zu Wort kommen und auch ihre Aussagen sind häufig erschütternd. So antwortet ein Offizier auf die Frage, was er Herrn Verteidigungsminister Rumsfeld sagen würde, wenn der da wäre, mit „Ich würde ihn auffordern, zurückzutreten.“. Ebenfalls unter Beschuss nimmt der Film die Medien, neben den Anschuldigungen gegen die Regierung der vielleicht bedeutendste Vorwurf, der leider für meinen Geschmack erheblich zu kurz kommt. Dafür wird der Ratifizierung des „Patriot Act“ (in neuer Weltrekordzeit) ein interessantes und komisches Kapitel gewidmet.

Weniger überzeugend ist „Fahrenheit 9/11“ in der Darstellung eines völlig friedlichen Vorkriegs-Irak und einigen weiteren unnötigen Verzerrungen der Wirklichkeit. Trotz dieser Mängel ist der Film jedoch eine ernstzunehmende Anklageschrift geworden, der sich die Regierung Bush im Falle einer Widerwahl stellen werden muss. Reizthema ist vor allem der Irak, und die Frage nach der Dauer des „Abenteuers“. Dem politisch interessierten Publikum bietet sich eine interessante Grundlage für endlose Diskussionen, und durch die zahlreichen Slapstick-Einlagen wird für die Unterhaltsamkeit des Ganzen ausreichend gesorgt. Wer müsste nicht lachen, wenn zwischen all den erschreckenden Erkenntnissen über die Fehler der Regierung plötzlich die Barbie-Puppe Britney Spears auftaucht, mit dem hemmungslos unbedarften Kommentar, man solle dem Präsidenten bei allem, was er so tut, einfach vertrauen. Doch neben dem Gelächter macht sich da noch etwas anderes breit – schiere Fassungslosigkeit.
5/5

Spiderman 2

Ja ja, die Comic-Verfilmungen. Geradezu inflationär erobern sie seit dem Erfolg von „X-Men? und „Spider-Man? die Leinwände dieser Welt. Von ziemlicher Grütze („Daredevil?) bis zu starkem Unterhaltungskino („X-Men?) ist einiges zu sehen gewesen. Zu den besseren Vertretern des Genres gehört auch der erste „Spider-Man? aus dem Jahre 2002. Einen erfrischend menschlichen Peter Parker (Tobey Maguire) ereilte damals der Ruf des Abenteuers. Mit Stärken in der Charakterzeichnung (haha!) und gelungenen Effekten wusste Regisseur Sam Raimi zu punkten, der Comic-typische Bösewicht-Plot mit dem giftgrünen Chemieabfall in Gestalt von Willem Dafoe hingegen kam über das gesunde Mittelmaß nicht wirklich hinaus. Mit dessen „Green Goblin? hat es, wir seit zwei Jahren wissen, ein böses Ende genommen, doch damit haben sich für Peter Parker längst nicht alle Probleme erledigt. Denn nicht mal seine engsten Freunde Maryjane und Harry (Kirsten Dunst und James Franco) wissen von seinem anstrengenden Doppelleben ? was den armen Kerl doch arg belastet.Das Sequel nimmt den Erzählfaden des Vorgängers ziemlich direkt wieder auf. Maryjane und Peter sind nur noch gute Freunde, Harry trägt derweil einen immensen Hass auf den armen Spidey mit sich rum, hält er ihn doch für den hinterhältigen Mörder seines Vaters Norman Osborn aka „Green Goblin?. Sein Superheldendasein ist zur großen Bürde geworden, Peter vernachlässigt sein Studium und verliert trotz größter Anstrengungen seinen Job als Pizzalieferant. Als ihn schließlich noch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten zeitweise im Stich lassen, seiner Tante die Zwangsräumung droht und Maryjane mit einem Verlobten um die Ecke biegt ist das Maß endgültig voll. Das Spinnenkostüm hat (erstmal) ausgedient.

Die Heerschar an Drehbuchautoren (laut imdb.com immerhin vier Leute), die für das Skript des Films verantwortlich zeichnet, hat ganze Arbeit geleistet. Gleich in den ersten Szenen taucht der Zuschauer wieder tief ein in die Welt von Spider-Man, dieser nahen und doch so fernen, weil comichaften Zukunft. Indem Parkers Probleme und die Zerrissenheit seiner Figur in den Vordergrund rücken vermeidet „Spider Man 2? (was für ein Segen eine Fortsetzung ohne beknackten Untertitel doch ist!) es, in die „Batman und Robin?-Falle der knallbunten Daueraction ohne Hirn zu laufen. Tobey Maguire beweist mit seiner hervorragenden Darstellung erneut, dass er die Action-Szenen problemlos meistern kann, seine Stärke jedoch in den ernsteren Momenten liegt. So ist der Weg zum Finale auch hier wieder besser als das große Spektakel am Ende. Die Rolle des Bösewichts fällt diesmal wieder einem Wissenschaftler zu, dem von Alfred Molina verkörperten Dr. Octavius. Nach einem schiefgelaufenen Experiment (ja genau, die alte Leier, zum Glück aber filmisch gut umgesetzt) mutiert er zum achtarmigen Ungetüm, besessen von der Idee, zum Wohle der Menschheit und zum Schaden New Yorks eine gewaltige „Was auch immer?-Fusion auf den Weg zu bringen.

Am Plot von „Spider-Man 2? könnte man natürlich herummäkeln, ganz frei von Fehlern ist er sicher nicht. Viel wichtiger aber ist die Tatsache, dass Sam Raimi wieder sehr viel mehr richtig als falsch macht. Sein Timing ist über weite Strecken beeindruckend, nur ganz selten erlaubt man sich einen Blick auf die Uhr, etwa wenn Tante May einen Tick zu ausführlich aus dem Nähkästchen plaudert. So unterhaltsam Peter Parkers Identitätskrise für den erwachsenen Zuschauer auch sein mag, die junge Zielgruppe muss bedient werden ? und so gesellen sich einige etwas kitschige und zuckrige Szenen in die ansonsten reibungslose Inszenierung. Mit viel Humor nimmt der Film seinen Helden in seinen schwachen Momenten auf die Schippe, ohne ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Viel Anklang beim Publikum des ersten Teils fand ganz offensichtlich der Chefredakteur des Revolverblattes, für das Parker nebenher arbeitete. Seine Rolle wurde ausgebaut und glänzt mit einer Vielzahl an markigen Sprüchen. Die Special-Effects sind auf der Höhe der Zeit und dienen der Story ? und nicht umgekehrt. Einige sehr wenige Einstellungen „glänzen? dann doch mit Computerspiel-Optiken, was die Überzeugskraft und Energie der anderen Effekte aber nicht beeinträchtigt.

Ohne zuviel verraten zu wollen, kann man getrost feststellen, dass wir „Spider-Man? nicht zum letzten Mal in Action gesehen haben. Obschon einige Handlungsfäden aus dem ersten Teil aufgelöst werden, bleibt genug Stoff für eine weitere Fortsetzung. Mit ein bisschen Glück lenkt Regisseur Raimi seine etablierten Figuren noch einmal mit so viel Geschick durch eine grundsolide Story und beweist Geschick bei der Einführung neuer Figuren. In den vielen Stories, die in unzähligen Comicheften erzählt wurden, steckt sicher noch die eine oder andere kinotaugliche Figur drin. Und vielleicht, es wäre schön, erleben wir den Spinnenmann dann im Kampf gegen einen gänzlich unmutierten Gegenspieler. Wenn es so etwas im Universum der Marvel-Comics überhaupt gibt. Ick weeß et nich.

8/10

The Punisher

Für Menschen, die von Comics soviel Ahnung haben wie ich, sei es gleich erwähnt: „The Punisher“ ist ein Superheld aus dem Universum von Marvel-Comics. Normalerweise sind solche ja leicht an klassischen Merkmalen wie Ganzkörper-Anzug oder übermenschlichen Fähigkeiten zu erkennen, aber im Falle von Frank Castle (Thomas Jane) liegen die Dinge ein wenig anders. Er hat zu Beginn der Geschichte einige recht herbe Todesfälle in der Familie zu verschmerzen, denn seine Arbeit als Undercover-Cop brachte ihm den Zorn des Verbrecherkönigs Howard Saint (John Travolta) ein.Auch so kann man also zum Superhelden werden – eine gewaltige Trotzreaktion, übermäßiger Ärger, überwältigende Trauer. Castle hat einen Waffendeal vereitelt, bei dem Saints Sohn zu Tode kommt. Deshalb löscht dieser, auf Anraten seiner Ehefrau, gleich die gesamte Familie des Cops aus. Eigentlich hätte der auch selber getötet werden sollen, aber er entkommt schwer verletzt und meiner nicht unbeträchtlichen Wut im Bauch. Zurück in Florida und wiederhergestellt muss er auch noch erkennen, dass die Polizei sich nicht eben ein Bein ausreißt, um Saint für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen.

So kann das natürlich nicht weitergehen, und so bezieht Frank eine heruntergekommene Wohnung und schmiedet finstere Pläne. Seine Nachbarn in dem verfallenen Mietshaus sind sein einziger sozialer Kontakt. Die drei sympathischen Verlierer schauen dem Treiben ihres neuen Nachbarn interessiert zu, und nach einiger Zeit und Nachbarschaftshilfe werden sie sogar in Castles Kampf mit Saints Schergen verstrickt. Es sind diese Szenen, in denen der Held endgültig vom Menschen zum „Punisher“ wird, da kann selbst die attraktive Joan (Rebecca Romijn-Stamos) nichts mehr dran ändern. Es sind ebenfalls diese Szenen, in denen der Film endgültig scheitert, weil er seine ernste Story und die obligatorischen Actionszenen nicht zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen kann. Für ein seriöses Drama bleibt die Hauptfigur in all ihrer Pein zu oberflächlich, für einen soliden Brutalinski-Schinken brennt wiederum zu selten die Luft.

Wie zur Erinnerung an des Punishers Superheldentum lässt Regisseur Hensleigh mal einen Over-the-top-Bösewicht den armen Castle vermöbeln, John Travolta so böse sein wie eben möglich – und erreicht doch nicht sein Ziel. Howard Saint ist als Bösewicht in etwa mit dem maßlos überzogenen Drogengangster vergleichbar, dem die „Bad Boys“ in ihrem zweiten Auftrag ans Leder wollten – die Grenze zwischen hirnloser Action und überzeichneten Comicgestalten ist hier zu fließend, die beiden Gangster sind austauschbar und somit weder realistisch noch phantasievolle Oberbösewichte. Sie sind schlicht langweilig, und das tut den Filmen sicher nicht gut. Natürlich braucht der „Punisher“ als ersten Gegner eine von Grund auf böse Figur, schließlich soll er ja seine Rolle als strafender Held ausfüllen können, Saint ist jedoch allzu beliebig geraten.

Die immense Wut im Bauch, die Castle über die Bestrafung seines persönlichen Feindes hinaus zum dauerhaften Einzelgänger und Vertreter der gepflegten Selbstjustiz macht, sie bleibt vage und muss eher vorausgesetzt werden. Ein psychologisch überzeugendes Coming-Out bietet die Story jedenfalls nicht. Von all den Comicverfilmungen der letzten Jahre ist der „Punisher“ eine der schwächeren, gescheitert wie vor einem Jahr der „Daredevil“. Dabei wäre durchaus mehr drin gewesen. Die wirklich interessanten Jahre hat der gute Bestrafer ja noch vor sich, wenn er abseits von persönlichen Gelüsten der Welt seinen Stempel aufdrücken will. Auf was für eine Klientel hat er es denn abgesehen, auf Politiker, Gangster oder Diktatoren? Und käme er vielleicht den Fledermaus- und Spinnenmännern dieser Welt mal in die Quere?
4/10

Elephant

Kaum ein Thema ist in den letzten Jahren so ausgeschlachtet worden wie die Highschool-Massaker von Littleton, Erfurt und all den anderen Orten, an denen Teenager in ihrer Schule Amok gelaufen sind. Vom schlechten Einfluß einiger Computer-Spiele war schnell die Rede, in den USA wurde Marylin Manson an den Pranger gestellt und natürlich bekam auch Hollywood für seine vielen Gewalt- und Horrorstreifen von selbsternannten Sittenwächtern einiges zu hören. Regisseur Gus Van Sant, bekannt geworden durch „My Private Idaho“ und mit „Good Will Hunting“ und „Forrester: Gefunden“ zuletzt auch im Mainstream aktiv, bringt mit „Elephant“ ein gewagtes Portrait einer solchen Tragödie auf die Leinwand.Mit minimalem Budget, Laiendarstellern und einer Finanzierung durch den amerikanischen Pay-TV-Sender HBO zeichnet der Film das Bild einer beliebigen US-Highschool und begleitet einige Schüler in der letzten Stunde vor dem Terror. Zwischen Mensa und Football-Training, Fotowerkstatt und Bücherei-Alltag verleben die Kids einen ganz normalen Schultag. In langen Kamerafahrten und mit wenigen Schnitten lernt der Zuschauer ein paar Schüler näher kennen, ohne dass allerdings eine absichtliche Dramaturgie den dokumentarischen Charakter zerstören würde.

Van Sant verzichtet auf einen Score ebenso wie auf die meisten anderen stilistischen Hilfsmittel, die das Bild eines teuer ausgestatteten Spielfilms prägen. Die weitläufigen Gänge der Schule, der große Sportplatz, all das wirkt völlig authentisch. Obwohl „Elephant“ unter den Schülern auch einige Außenseiter findet, zeichnet der Film ein durchaus positives Bild der Schule, weder Prügeleien noch Waffen oder Drogen haben den Alltag erobert, auch die wenigen Auftritte von Lehrern signalisieren keine Ohnmacht oder übertriebene Härte.

Parallel zum normalen Schultag zeigt der Film die Vorbereitung der beiden Attentäter Eric und Alex auf ihren grausamen Plan. Die beiden Jungen werden als eigenwillige Außenseiter portraitiert, jedoch ohne dabei ihre familiären und psychologischen Hintergrunde näher auszuleuchten. Während der eine auf dem Laptop mit einem Ego-Shooter beschäftigt ist spielt der andere Beethoven auf dem Klavier, schließlich sitzen sie eher gelangweilt vor einer Nazi-Dokumentation, um dann vom Postboten die im Internet bestellte automatische Handfeuerwaffe in Empfang zu nehmen. Obwohl durchaus mit einigen Klischees versehen, führt der Film die Täter nicht als verdorbene Psychopathen ein, denn wenngleich ihr Verhalten ein wenig ungewöhnlich ist, so liefert es noch längst keine schlüssige Erklärung für ihr späteres Tun.

Der Schrecken beginnt fast zufällig, wenn Alex und Eric schwer bewaffnet die Highschool durch einen Nebeneingang betreten und auf ihrem Weg durch das Gebäude wahllos das Feuer auf ihre Mitschüler eröffnen. Die Bilder wirken dabei umso eindringlicher, weil auch hier keine wilde Musik das Treiben unterstreicht, es gibt keinen Soundtrack des Todes, nur die grausam real klingenden Schüsse und das ungläubige Geschrei der Opfer. Kurz erscheint es, als wolle „Elephant“ doch noch mit einem Heldentypen aufwarten, doch auch diesen Gefallen tut Van Sant seinem Publikum nicht. So endet der Film wie er anfing aus der Perspektive der Opfer, die die Katastrophe fassungslos mit ansehen müssen – sofern sie sie überleben können.

Gerade weil „Elephant“ keine schnellen Erklärungen liefert, regt der Film sehr zum Nachdenken an. Die von den sensationslüsternen Medien vielfach verbreiteten Bilder von Polizei-Teams, Leichen und trauernden Angehörigen und die reißerischen Stories über die jugendlichen Täter werden um eine wichtige Perspektive ergänzt. Statt einer minutiösen Schilderung der Vorgänge entsteht ein rein betrachtendes Bild, das nicht kommentieren will und stattdessen die Sinn- und Wahllosigkeit dokumentiert, die das Geschehen so unfassbar macht. Die gedankenlose Gewaltbereitschaft ist ebenso verstörend wie vertraut, wobei die Ballerfreude der zwei Täter gar nicht mehr erklärt werden muss, so sehr hat man sich – in den USA – an den Gebrauch von Schusswaffen gewöhnt. Das Überschreiten der Schwelle vom Büchsenschießen zum Amoklaufen rückt ins Zentrum, und die Frage danach stellt „Elephant“ äußerst eindringlich.

5/5

In the Cut

Es ist nicht lange her, dass mit „Twisted“ und „Taking Lives“ gleich zwei Filme herauskamen, die mit Serienkillern und weiblichen Hauptcharakteren aufwarten konnten. Nun reiht sich mit „In the Cut“ der nächste Film ein, diesmal jedoch ist die zentrale weibliche Figur nicht Polizistin, sondern Zeugin und potentielles Opfer. Meg Ryan spielt die immer etwas abwesend wirkende Literaturprofessorin Frannie, ein durchaus ernstzunehmender Versuch dem Image von der ewigen Zuckerschnute mal für einen Moment zu entkommen. Dafür schreckte sie auch vor expliziten Sex- und Nacktszenen nicht zurück, die dem Film zu einem zweifelhaften Ruf als „Skandalfilm“ verhalfen.

Die neugierige, sexuell etwas orientierungslose Frannie beobachtet eingangs im dunklen Hinterzimmer einer Bar eine Fellatio-Szene, was auf sie einen starken, verwirrenden Eindruck macht. Anhand eines Tattoos erkennt sie in dem Mann dieser Szene Tage später den Polizisten Malloy (Mark Ruffalo) wieder, der sie um Auskunft in einem Mordfall bittet. Pikanterweise war das Opfer zuletzt in eben jener Bar an eben jenem Tag gesehen worden. Trotzdem lässt sich Frannie auf eine Affäre mit dem attraktiven, machohaften Detective ein. Während die Suche nach dem Mörder, der immerhin in der Nachbarschaft Frauen zerstückelt, in den Hintergrund tritt widmet sich der Film intensiv Frannies Leben zwischen ihren Studenten, ihrer kleinen Halbschwester Pauline (Jennifer Jason Leigh), ihrem Ex-Lover John (Kevin Bacon) und ihrer Beziehung zu dem geheimnisvoll-anziehenden Malloy.

Für den Plot unwichtige Szenen nehmen locker zwei Drittel des Films ein, was zu verschmerzen wäre, wenn nicht der ungeliebte Punkt kommen würde da man sich fragt: Wie wollt ihr aus der Nummer jemals wieder rauskommen? Nun, ?In the Cut? kommt nicht raus, sondern präsentiert ein lupenreines Schema-F Ende (siehe „Twisted“) und scheitert somit als Thriller auf der ganzen Linie. Trotzdem ist der Film immer dann spannend und interessant, wenn er bei seinen beiden Hauptdarstellern bleibt. Meg Ryan zeigt eine sehr gute Leistung und macht die zunehmende Verwirrung Frannies spürbar, ihre Neugier und Naivität. Mark Ruffalo gebührt großer Respekt für seine Leistung, sein Malloy ist eine „Larger Than Life“-Figur, ein komplexer Charakter hinter einer interessanten Polizisten-Fassade. Sein intensives, sehr physisches Spiel ist beeindruckend und überzeugend.

Die vielen Ideen und Komponenten des Geschehens stehen sich ein leider selbst im Wege und machen dadurch die Glaubwürdigkeit der Story kaputt. Da ist das sündige Psychodrama in einer verruchten Großstadt, das plötzlich in das Leben von Frannie tretende abgründige Verbrechen, die vielen Anspielungen auf Poesie und eine Vielzahl an Nebenfiguren. Filme wie „Blue Velvet“ und „The Big Easy“ kommen einem da in den Sinn, doch schafft es „In the Cut“ nicht, mehr zu sein als die bloße Summe seiner Teile. Aufgrund der guten Darsteller und der über weite Strecken sehr guten Inszenierung sind dem Film seine Schwächen jedoch einigermaßen zu verzeihen. In all seinem Facettenreichtum und dem starken künstlerischem Ausdruck scheitert er letztlich (nur) an seiner Überambitioniertheit.

6/10

Das Vermächtnis der Tempelritter

Seit ca. drei Jahren macht das inzwischen bestätigte Gerücht die Runde, das Steven Spielberg und Harrison Ford einen vierten Teil von „Indiana Jones“ planen. Da sich aber bis heute kein anständiges Skript finden ließ, liegt das heiß erwartete Projekt weiter auf Eis. Gut für Action-Mogul Jerry Bruckheimer, der sich nicht lumpen ließ in der Zwischenzeit einen neuzeitlichen Indy-Klon ins Rennen zu schicken. In dem von ihm produzierten „Das Vermächtnis der Tempelritter“ jagt Nicolas Cage einem legendären Schatz von unschätzbarem Wert nach, mit freundlicher Unterstützung seiner Co-Stars Jon Voight, Harvey Keitel, Sean Bean und Diane Kruger.Ben Gates (Cage) ist von dem Gedanken an den „National Treasure“ (Originaltitel) seit seiner Kindheit besessen. Über Generationen kursiert in seiner Familie das Gerücht, auf einem kleinen Zettel in der Familientruhe befinde sich der Schlüssel zum Geheimnis. Die geschichtliche Herleitung involviert die Tempelritter, später dann die Freimauerer, von denen einige zu den Gründungsvätern der USA zählten. Um dem vagen Hinweis nachgehen zu können lässt sich der gute Ben mit dem bösen Millionär Ian Howe ein. Gemeinsam entdecken sie auf einem Schiff im ewigen Eis der Arktis einen neuen Hinweis, dann trennen sich ihre Wege wegen eines Streits. Howe will die originale Unabhängigkeitserklärung stehlen, um an die sagenhaften Reichtümer zu kommen, Ben sucht eben dies auf ungewöhnliche Weise zu verhindern.

Von nun an übernimmt endgültig die Action die Regie des Films, von der Library of Congress in Washington, DC geht es zum Staatsarchiv, weiter nach Philadelphia und auch da ist noch nicht Schluss. Auf der Seite der Guten finden sich die Bibliotheksbeamtin Abigail (Kruger) sowie Ben und sein Nerd-Partner Riley, den Bösewicht gibt Howe (Sean Bean) mit seinen finster dreinblickenden Schergen. Die endlose Hetzjagd legt ein hohes Tempo vor und folgt den klassischen Prinzipien eines Abenteuerfilms. Ohne Netz und doppelten Boden entfaltet sich die Geschichte in fast schon altmodischer Manier, die zahlreichen Logiklücken passen da viel zu gut ins Bild, um störend wirken zu können. Die pseudohistorische Story, die immer wieder auf den Gründungsprozess der Vereinigten Staaten zurückgreift, dient mal der Belustigung und mal eher der Ablenkung und darf getrost als hanebüchen bezeichnet werden.

Doch wen interessiert das schon, wenn der Ruf des Abenteuers einen Kinohelden ereilt hat. Wie ein moderner, naiverer Indiana Jones kaspert, trickst und rennt Nic Cage durch den Plot. Für die Ironie sind andere zuständig, Ben ist ein wahrer Held, ein nie wirklich erwachsen gewordenes Kind, das seinen großen Traum verfolgt. Jerry Bruckheimer hat ein Gespür für solches Material, und deshalb überrascht es nicht, dass sein „Vermächtnis der Tempelritter“ die geweckten Erwartungen mühelos erfüllt. Wenn der Hollywood-Produzent mit dem großen Ego einen Schatz ins Spiel bringt, dann gibt es auch einen zu sehen. Andererseits ist sein Film frei von wirklich bemerkenswerten Szenen oder Charakteren und löscht sich deshalb innerhalb von Sekunden nach dem Betrachten bereits fast vollständig wieder aus der Erinnerung.

Handwerklich ist alles grundsolide, angenehmerweise wurde fast vollständig auf CGI-Material verzichtet. Althergebrachte Actionelemente wie aus einem Siebziger-Jahre Bondfilm reichen aus, um die Story am Laufen und die Zuschauer bei Laune zu halten. Regisseur Jon Turteltaub hält gekonnt die Balance zwischen spannenden und amüsanten Szenen und findet auch in den etwas dramatischeren Szenen (meist) einen Weg, allzu derbe Platituden zu vermeiden. Der aufdringliche Standard-Thriller-Score fällt etwas negativ auf, gehört aber ebenso wie ganze Idiotie der Handlung quasi zum Konzept des Streifens dazu, von dem niemand mehr als stromlinienförmige Zerstreuung erwarten sollte.

6/10

Alfie

Die alten Sechziger-Jahre-Filme mit Michael Caine erfreuen sich hoher Beliebtheit in Hollywood. Ein Remake jagt das andere, nach „The Truth about Charlie“ und „The Italian Job“ ist jetzt „Alfie“ an der Reihe. Soweit ich vom Hörensagen weiß, spielte Caine darin einen aus der Arbeiterschicht stammenden, kaltherzigen Gigolo im Swinging London. Regisseur Charles Shyer („Vater der Braut“) hat die Handlung nun von England ins Manhattan der Gegenwart verlegt, doch der nun von Jude Law verkörperte Alfie ist immer noch Brite und damit auch ein wenig ein Außenseiter.Dass Jude Law gerade zum „Sexiest Man Alive“ gekürt wurde, kam den Produzenten des Films bestimmt nicht ganz ungelegen, spielt er hier doch einen Charmeur und Herzensbrecher sondergleichen. Alfie ist ein großer Freund und Verehrer der Damenwelt, lässt allerdings in seinen lakonischen, direkt ans Publikum gewandten Kommentaren sofort durchblicken, dass ihm an festen Bindungen nicht gelegen ist. „Wine & Women“ sind die Essenz seiner streunerischen Existenz. Durch seinen Job als Chauffeur eines Limousinenservices ist er ständig in Kontakt zur High Society Manhattans, und mit seinen perfektionierten Verführungskünsten gelingt es ihm mühelos, bei den wohlhabenden und schönen Damen zu landen.

Nach langen feucht-fröhlichen Abenden kehrt er dann gerne noch bei Julie (Marisa Tomei) ein, einer sympathischen allein erziehenden Mutter, die sich dem attraktiven Luftikus ebenso wenig entziehen kann wie die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen. Zu allem Überfluss, aber mit sichtlichem Vergnügen lässt sich Alfie dann auch noch mit der reifen Lebefrau Liz, wunderbar gespielt von Susan Sarandon ein. Alfies bester Freund und Kollege Marlon (Omar Epps) hingegen trauert der Kellnerin Lonette (Nia Long) nach, die ihm nach einer Affäre den Laufpaß gab. Und so bewegt sich der stets schick gekleidete, wie aus dem Ei gepellte Oberhedonist durch eine Gesellschaft, die sich ihm als vermeintlicher Selbstbedienungsladen zu Füßen legt. Doch dann kommen die Dinge ein wenig ins Rutschen, eine Affäre mit Lonette bringt selbst Schlitzohr Alfie in Erklärungsnöte, ein weitere wächst (welch ein Horrorszenario) zur ernsthaften Beziehung heran und recht bald muss der Schönling einigen schmerzhaften Erkenntnissen ins Auge sehen.

Regisseur Charles Shyer inszeniert einen wahren Tanz der Oberflächlichkeiten, einen Film voller schöner Bilder, schöner Frauen, sein Manhattan zeigt sich von seiner besten und gleichzeitig düstersten Seite. In all der Makellosigkeit fehlt seinen Charakteren stets die endgültige Bodenhaftung, der Wille zum Sesshaftwerden. Alfies „Kumpanei“ mit dem Publikum, dem er seine (bescheidene) Weltsicht veranschaulicht ist auf bittersüsse Weise witzig, trägt den Film aber nicht über seine gesamte Laufzeit. Dabei schwebt das Geschehen zwischen Ernst und Satire, leiser Ironie und offener Kritik, was unter dem Strich jedoch einen etwas unkonsequenten Eindruck hinterlässt. Dass Alfie die Weisheit nicht eben mit Löffeln gegessen hat stellt auch den Film mit zunehmender Dauer vor Probleme.

Wirklich weh tut das „Alfie“ jedoch nicht, denn die durchweg fähigen Schauspieler verleihen ihren Figuren ein Mindestmaß an geistiger Schwere und verhindern so die totale Luftnummer. Sie alle erscheinen als kaum mehr als Stereotypen, und doch ist es gerade die leise Ahnung, dass dem nicht so ist, die einen beschäftigt. Jude Law glänzt in einer schwierigen Rolle, er erweckt mit „Alfie“ ein kleines Monster mit zutiefst menschlichem Kern zum Leben, dessen Entwicklung – über das Ende dieses Films hinaus – mich durchaus interessieren könnte. Denn bei aller demonstrativen Oberflächlichkeit birgt der Stoff doch einige sehr interessante Ideen und Ansätze, die einfach zu gut zum heutigen (Vorsicht: Unwort!) Zeitgeist passen wollen.

Für alle, die die Wahl haben, sei noch folgendes erwähnt: „Alfie“ ist in englischer Sprache eindeutig besser, denn der Synchronfassung kommt mit Jude Laws britischem Akzent auch ein großer Teil des Charmes seiner Hauptfigur abhanden. Das ist doppelt tragisch, denn die im Original ?besseren? Witze gehen ebenso verloren wie ein Teil des Interesses für das selbst gewählte Außenseiterdasein des großen Blenders Alfie.

7/10

Sideways

„Sideways“, der neue Film von „About Schmidt“-Regisseur Alexander Payne, hat alle Vorrausetzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwei kurze Kinowochen hinter sich zu bringen und dann in der Versenkung zu verschwinden. Der Hauptdarsteller ist beim besten Willen kein Adonis, es gibt keinen Plot, keine Action und keine Stars. Glücklicherweise gibt es so etwas wie Mund-zu-Mund-Propaganda, weshalb der Film trotzdem ein Erfolg geworden ist, und das völlig zu recht.Der erfolglose Schriftsteller Miles (Paul Giamatti) knabbert nach zwei Jahren immer noch an seiner Scheidung, schlägt sich als Lehrer durch und widmet sich hingebungsvoll dem Genuss edler Weine. Jack (Thomas Haden Chruch), ein alter Freund aus College-Zeiten, ist vom Fernsehschauspieler zum Werbesprecher abgestiegen. Anläßlich Jacks bevorstehender Hochzeit begeben sich die zwei ungleichen Männer auf eine Tour durch die Weinanbaugebiete Kaliforniens. In Miles altem Saab-Cabrio fahren sie durch die idyllische grüne Landschaft, von einer Weinprobe zur nächsten.

Während Miles zunächst vor allem die kulinarische Komponente des Trips abzufeiern gedenkt, macht Jack ziemlich schnell deutlich, dass für ihn zu einem echten Junggesellenabschied auch Frauenabenteuer dazugehören. Dabei erweist sich der optimistische, eher simpel gestrickte Jack als fähiger Aufreißer, der den beiden aus dem Stand eine Verabredung mit Winzerin Stephanie (Sandra Oh) und Kellnerin Maya (Virginia Madsen) besorgt. Miles kennt und schätzt die attraktive Maya bereits von seinen früheren Besuchen in ihrem Lokal, hat aber von weiteren Avancen unter immer neuen, mitunter recht fadenscheinigen Ausflüchten Abstand genommen. Beim Dinner – verbunden natürlich mit reichlich Wein – entdeckt man einige gemeinsame Interessen, doch auch das kann Miles nicht daran hindern, in nicht mehr ganz nüchternem Zustand bei seiner Ex-Frau anzurufen. Jack hingegen gelangt bei Stephanie sofort an sein Ziel, was den eher zart besaiteten Miles ein wenig mitnimmt. Immerhin steht doch dessen Hochzeit kurz bevor, zu der zu allem Überfluss auch noch seine ehemalige Gattin samt neuem Partner erwartet wird.

Die durchweg entspannte Stimmung des Films erzeugt Alexander Payne durch die gelungene Mischung aus komischen und ernsthaften Momenten, die sich zeitweise recht kurios überlagern. Begleitet von einem jazzigen, lockeren Score folgt die Kamera dem Treiben der Charaktere, beobachtet dabei sehr genau, ohne jedoch die Figuren (in letzter Konsequenz) bloßzustellen. Die Hauptdarsteller, allen voran Paul Giamatti, sind durchweg exzellent und spielen fernab jeder klischeehaften Darstellung vier gewöhnliche Menschen bei ihrem alltäglichen Kampf, das Leben zu meistern. Das markante, viereckige Gesicht von Thomas Haden Church wirkt hier wie ein bewusster Antipol zum unverwechselbaren Neurotiker-Antlitz des durch einfache Gesten und Blicke bestechenden Giamatti, dem seine depressiven Tendenzen in nahezu jeder Einstellung anzusehen ist, ebenso wie sein moderater, als Hobby getarnter Alkoholismus. Ähnlich wie Paynes vorigen Film „About Schmidt“ kann man „Sideways“ als Tragikomödie bezeichnen, allerdings setzt der Regisseur hier auf gänzlich anders gestrickte Charaktere als den verbiesterten Parade-Spießer auf Abwegen, dem Jack Nicholson seine Züge lieh. War der noch im Mittleren Westen der USA unterwegs sind diese Menschen fest mit ihrem Heimatstaat Kalifornien verbunden, und so wird die Tristesse von Nebraska durch ungleich schönere Aussichten abgelöst, die Weinberge und Landstrassen werden dabei beinahe zu Handlungsträgern.

Es ist eine ereignis- und aufschlussreiche Woche, die Miles und Jack auf Golfplätzen, ihrem Hotelzimmer, in Bars, Restaurants und in der Natur verleben. Trotzdem wirkt die Handlung niemals forciert, das Gefühl von Spontanität und Authentizität geht nicht verloren, auch nicht wenn gegen Ende noch einige fast schon Slapstick-artige Szenen geboten werden. Obwohl alle Charaktere gewisse Veränderungen durchmachen, bleiben sie sich selbst treu, hier sind keine fremden Mächte am Werk, die für Läuterungen und Wandlungen sorgen könnten. So werden große Themen wie Liebe, Midlife-Crisis und allgemeine Sinnsuche immer auch mit Humor und fast wie nebenbei abgehandelt. Es ist genau diese Unbekümmertheit, das vermeintlich Zufällige in diesem Film, was im Gedächtnis bleibt, wenn Jack und Miles ihren Ausflug beendet haben.

9/10

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