Seabiscuit

Die Oscar-Verleihung steht vor der Tür, am 29.02. ist es soweit. Zu den Nominierten in der Kategorie „Bester Film? gehört auch „Seabiscuit“, der vor ein paar Tagen hier auf DVD veröffentlich wurde. Grund genug, um sich mal ein Bild zu machen, und so stand der Film denn auch beim letzten Videoabend auf dem Programm. Und der erste Gedanke, der jedem im Raum sofort kam, war „Marlboro-Werbung!“. Kein Wunder eigentlich, angesichts des Themas. Erzählt wird die wahre Geschichte dreier Männer und eines Pferdes, Schauplatz ist der Westen der USA in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Story beginnt mit dem Erfolg des Unternehmers Charles Howard (Jeff Bridges), der zu großem Reichtum kommt. Ebenfalls auf einem guten Weg scheint der junge Red zu sein, seine in bescheidenem Wohlstand lebenden Eltern haben ihm gerade ein Pferd gekauft, weil er ein hervorragender Reiter ist. Dritter im Bunde ist der Pferde-Trainer und Ex-Cowboy Tom Smith (Chris Cooper), wie es scheint ein Mann der Vergangenheit, der mit der von Autos und Industrie geprägten Gegenwart nicht viel anfangen kann.

Es ist die große Wirtschaftskrise der späten 20er Jahre, die für Bewegung sorgt im Leben der Figuren. Reds Eltern geben ihren geliebten Spross bei einem Rennbahnbesitzer zur Obhut, um ihm ihr Elend und sich selbst seine Unterhaltskosten zu sparen. Der durch den Boom reich gewordene Howard verliert seinen einzigen Sohn durch einen Unfall, weil er sorglos mit der neuen Technik umgegangen ist, und auch seine Frau verlässt ihn. In Mexiko sucht er Entspannung und Vergessen, und dort begint seine Beschäftigung mit dem Pferderennsport. Den Rest dieser nicht ganz kurzen Geschichte lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Howard (inzwischen wieder neu verheiratet) trifft Smith, der Seabiscuit entdeckt, beide finden Red (mittlerweile gespielt von Tobey McGuire), der mit dem wilden Pferd perfekt umgehen kann. Das Team gewinnt Rennen, doch die große Anerkennung wird ihm versagt bleiben bis sie das im ganzen Land berühmte Rennpferd „War Admiral“ besiegen können. Leider geraten Pferd und Reiter in eine schwere Krise, doch beide geben nicht so schnell auf…

Die Probleme, die ich mit „Seabiscuit“ hatte, sind zahlreich. Der Film ist mit knapp zweieinhalb Stunden zu lang, die Story ist nicht spannend, und da ich kein Fan des Pferdesports bin, sind mir die ausführlichen Szenen auf der Rennbahn auch eher ein Dorn im Auge gewesen. Es ist nicht so, dass der Film einfach schlecht wäre – die teure und überzeugende Ausstattung ist beeindruckend und die Schauspieler bieten keinen Grund zur Beschwerde. Doch für einen Nicht-Amerikaner ist die in den USA so berühmte und beliebte Erfolgsgeschichte des zu kleinen Pferdes mit dem zu großen Jockey, so gut sie auch erzählt sein mag, nicht von besonderem Interesse. Doch ausser dieser Geschichte bietet der Film wenig Gelegenheiten, ihn zu mögen. Weder die Bilder noch die Dialoge bieten irgendwas Neues, die Figuren sind weder uninteressant noch sonderlich faszinierend. Die Geschichte von Außenseitern, die große Erfolge feiern, ist hinreichend bekannt und wird hier ohne irgendeinen besonderen Charme erzählt, zumindest keinem, der sich mir erschlossen hätte.

Wer also „nur“ an Filmen interessiert ist, nicht jedoch am Pferdesport oder an genau dieser Geschichte, der ist wohl besser beraten, „Seabiscuit“ zu meiden. Anders als bei „The Legend of Bagger Vance“, der sich mit einer ähnlichen Geschichte – hier gehts um Golf – in der gleichen Ära beschäftigt, ist der Funke bei mir nie übergesprungen. Obwohl mir vorher nur klar war, dass es sich um die Erfolgsgeschichte eines Pferdes in den Dreißiger Jahren handeln würde, war ich bereits nach einer halben Stunde bedient, hatte genug Pferde und Rennen und Verlierer gesehen, genug für eine lange, lange Zeit. Man stelle sich einfach vor, was ein US-amerikanischer Baseball-Fan dem „Wunder von Bern“ abgewinnen könnte. Nicht viel, schätze ich.
4/10

A Man Apart

Zwei Namen, ein üble Vorahnung. Unter der Regie von F. Gary Gray, der für „Set it Off“ und „Verhandlungssache“ verantwortlich zeichnet, spielt Vin Diesel („xXx“, „The Fast and the Furious“) hier den Action-Helden. Sowohl Regisseur als auch Hauptdarsteller stehen in meinem schwarzen Buch der Filmschaffenden, will sagen, ich habe für keinen der genannten Filme irgendwas über. Obwohl bereits vor „xXx“ fertiggestellt, haben sich die Produzenten entschieden ihn erst jetzt in die Kinos zu bringen, wohl in der Hoffnung, daß Diesels wachsende Star-Power zusätzliches Geld in die Kassen spülen wird.Aber zur Sache. Sean Vetter (Diesel) ist Mitglied einer Spezialeinheit zur Drogenbekämpfung. Gemeinsam mit Kumpel Hicks (Laranz Tate, besser bekannt als „O-Dog“ aus „Menace II Society“) ist er von der Straße weg rekrutiert worden, inzwischen sind die beiden perfekt ausgebildete Cops. Zu Beginn des Films nimmt Vetter mit seinen Kollegen den kolumbianischen Kartell-Boss Memo fest, was in den USA als bedeutender Schlag gegen den Kokainschmuggel gefeiert wird. Als ob es sowas überhaupt gäbe…

Doch wie von Memo prophezeit geht der Ärger für Vetter erst los. Zwei auf ihn angesetzte Killer verfehlen ihr Ziel nur knapp. Vetter wird nur verwundet, seine Frau hingegen überlebt den Anschlag nicht. Außer sich vor Wut macht er sich nun daran herauszufinden, wer hinter dem Anschlag steckt und trifft dabei auch den bereits inhaftierten Memo wieder.

„A Man Apart“ ist kein besonders gelungener Film, zu simpel ist die Rache-Story, und zu unspektakulär die Action. Trotzdem ziehe ich den Streifen locker den beiden oben genannten Diesel-Outings vor. Der Film bietet nichts Außergewöhliches, variiert aber die Stilelemente des harten Polizeifilms (inklusive Buddy-Movie-Zutaten) einigermaßen gekonnt und läßt selten Langeweile aufkommen. Visuell wirkt der Film ein wenig wie eine Mischung aus „Traffic“ und „Collateral Damage“, ohne jedoch ähnlich ambitioniert zu sein wie „Traffic“.

Stattdessen setzt „A Man Apart“ auf seinen Star, der sich wie gewohnt mit tiefer Stimme und immenser „street credibility“ durch die Handlung murmelt, ohne dabei aber eine allzu schlechte oder lächerliche Figur zu machen. Den harten Cop nimmt man ihm locker ab, viel mehr allerdings nicht. Was bleibt, ist ein anständiger Action-Thriller, der in der Lage ist, dem geneigten Zuschauer die Zeit zu vertreiben. Wer mehr erwartet liegt falsch. Falsch? Völlig falsch!

4/10

Tränen der Sonne

Unangenehme Erinnerungen kommen unweigerlich auf beim Betrachten dieses Kriegsfilmes, wenn schon zu Beginn von den ‚Rules of Engagement‘ einer militärischen Rettungsaktion die Rede ist. Schließlich ist es nicht allzu lange her, dass ein Film eben jenes Namens einen neuen cineastischen Tiefpunkt im Genre des Militärthrillers setzte. Der unfassbar alberne, unstimmige und moralisch höchst fragwürdige Film mit Samuel L. Jackson und Tommy Lee Jones handelte von einer Rettungsoperation, bei der viele Zivilisten von US-Soldaten auf fremden Boden getötet werden. Auch „Tränen der Sonne“ wartet mit einem durchaus realistischem, aber frei erfundenen Szenario auf, anstelle eines Botschafters im Jemen gilt es hier für das mobile Einsatzkommando von Lt. Waters (Bruce Willis) die amerikanische Ärztin Dr. Kendricks (Monica Bellucci) aus einem Krisengebiet Nigerias zu befreien. Die Mission gestaltet sich äußerst schwierig. Denn die Ärztin weigert sich, ihre hilflosen Patienten in der Mission im Dschungel allein zu lassen, und so eskortieren Waters und seine Männer bald eine Gruppe von zwanzig Menschen – inklusive Frauen und Kindern – durch unwegbares Gebiet, in dem grausame Rebellen Angst und Schrecken verbreiten. Von nun an geht die Story einen relativ voraussehbaren Weg. Der harte Hund Waters, anfangs rein an seiner Mission interessiert, muss langsam feststellen, dass er es nicht über sein schon verloren geglaubtes Herz bringt, die hilflosen Zivilisten ihrem Schicksal zu überlassen. Stattdessen entschließt er sich, die Gruppe zur Grenze ins benachbarte Kamerun zu führen. Dramaturgisch steht Waters Beziehung zur schönen Dr. Kendricks im Mittelpunkt, zwei höchst unterschiedliche Charaktere, die sich langsam näher kommen – ohne dass am Ende geheiratet werden würde, glücklicherweise.

So wird auch die Frage nach den ‚Rules of Engagement‘ bald kurz und knapp mit dem Satz „We already are engaged“ beantwortet und die US-Soldaten bekämpfen eine Gruppe rebellischer Raubmörder, die ein Dorf plündern wollen. „Tränen der Sonne“ wäre ein langweiliger Film geworden, wenn Regisseur Antoine Fuqua die Geschichte nicht in sehr stimmungsvollen Bilder erzählen würde, die stark an Vietnamfilme wie „Platoon“ erinnern. Bruce Willis ist eine sehr gute Besetzung für Lieutenant Waters, seine Wandlung vom Söldner zum Beinahe-Idealisten ist einigermaßen überzeugend, wenn auch sehr simpel gestrickt. Monica Bellucci hat weniger zu tun, sie ist in nahezu jeder Szene eine ums Wohlergehen der Menschen um sie herum besorgte, praktische Frau, die in ihren Unterhaltungen mit Waters nur wenig Tiefe gewinnt.

Was genau eigentlich die Botschaft dieses Films sein soll, dass ist mir allerdings ein wenig schleierhaft. Ist es ein Appell an die westliche Welt – und vor allem an die USA – außenpolitisch aktiver zu werden und einige Nationen Afrikas nicht ihrem Schicksal zu überlassen? Möglich scheint das, aber andererseits ist dies nur die Geschichte einer einzigen – dazu fiktiven – Mission, und es wird nirgends angedeutet, dass die Erlebnisse den Standpunkt der USA zu ihrem eigenen Eingreifen beeinflussen würden. Hinzu kommt, dass, obwohl mit Fuqua ein Afroamerikaner auf dem Regiestuhl saß, die einheimische Bevölkerung doch recht einfallslos in „gute Menschen/Zivilisten? und „böse Menschen/Soldaten“ eingeteilt ist, da hilft auch ein spät eingeführter „rechtmäßiger“ Stammesführer nicht, der dem Volk – sehr häufig ist da von ‚my people‘ die Rede – ein gerechter Herrscher sein soll. Mit der Förderung von Demokratie hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Es wäre nicht ganz fair, den Produzenten vorzuwerfen, sie missbräuchten das Elend vieler Afrikaner für einen actiongeladenen Unterhaltungs-Kriegsfilm, ganz von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf dennoch nicht.
3/5

51st State

Samuel Jackson dreht seit „Pulp Fiction“ in einem beeindruckenden Tempo, doch bei der Auswahl seiner Rollen unterlaufen (auch) ihm beinharte Aussetzer. Ein solcher ist auch „51st State“. Jackson spielt einen Pharmakologen namens Elmo McElroy, der bereits kurz nach seinem Examen wegen Drogenkonsums die Arbeitserlaubnis verliert. Anno 2000 hat der Gute dann eine Droge entwickelt, die alles bisherige in den Schatten stellt, in punkto Rauschwirkung und überhaupt. Und die Zutaten sind allesamt legal! Elmo will die Formel für die Wunderdroge in L.A. für schlappe 20 Mio. Dollar an Gangster-Boss Gecko (Meat Loaf) verkaufen.Das läuft natürlich schief, Elmo flieht nach Liverpool, um seine Formel dort abzusetzen. Die Handlung involviert Robert Carlyle (den Bond-Bösewicht mit der Kugel im Schädel), der Elmo vom Flughafen abholt und ihn fortan begleitet, und eine von Gecko auf den Pharma-Gangster angesetzte Killerin, die mal mit dem Carlyle-Charakter liiert war. Der befindet sich im Derby-Fieber, denn Liverpool gegen Manchester United steht an, und er hat noch keine Karten. Es folgen die üblichen Schießereien und Wortgefechte. Doch was im Original vielleicht wenigstens mit ordentlich Wortwitz rüberkommt, ist im Deutschen ein völliger Fehlschlag. Der Film ist so trashig, daß es nicht überrascht, daß er sich am Kino vorbei direkt in die Videotheken geschlichen hat.

Der Plot ist wirr und langweilig, die zahlreichen Nebenhandlungen sind bestenfalls ertragbar, und das Ende ist purer Hohn. Das Drehbuch ist einfach große Scheiße, leider hat das niemand bemerkt, bevor der Film fertig war. Sicher waren es u.a. Guy Ritchies Filme (natürlich abgesehen von „Swept Away“), die diesen Streifen mehr als offensichtlich inspiriert haben. Nun, die waren erfolgreich, aber sie waren auch ungleich besser, und zwar in allen Belangen. Fest steht auch, daß Jackson ordentlich Asche verdient hat. Möglich, daß von seiner Zusage als Hauptdarsteller das ganze Projekt abhing. In dem Fall wäre es sehr clever vom guten Samuel gewesen, uns diesen Müll zu ersparen!

3/10

2 Fast 2 Furious

Wer „The Fast and the Furious“ gesehen hat, der weiss, dass kein großes Kino zu erwarten ist, wenn John Singleton („Boyz N the Hood“) jetzt die zweite Runde einläutet. Vin Diesel, Co-Star des ersten Teils, ist nicht mehr mit von der Partie, dafür geht Tyrese Gibson als Knacki Roman Pearce an den Start, um an Brians O’Connors (Paul Walker) Seite in japanischen Flitzern durch Miami zu brausen. Die Szene der illegalen Autorennen steht nicht mehr im Zentrum des Films, stattdessen sind die illegalen Raser-Events nur noch ein Weg, um die beiden Helden bei Drogenboss Verone einzuschleusen, der hochdotierte Fahrerjobs zu vergeben hat.Letzten Endes bietet „2 Fast 2 Furious“ nichts anderes als einige bonbonfarbene Verfolgungsjagden, die allerdings sehr gut inszeniert sind. Abgesehen von einigen unnötigen Computereefekten übertreffen die Rennen locker die Qualität des Vorgängers. Wo dieser noch vages Interesse für seine Charaktere zeigte, kommt in der Fortsetzung schon wieder Action, einzig nenneswerte neue Figur neben Pearce ist die schöne Monica (Eva Mendes), die als Gangsterflittchen und Polizistin allerdings auch nicht viel mehr zu tun hat als einige Standard-Sätze zu sprechen und sich in Brian zu vergucken.

Ausgangspunkt für Drehbuch und Produktion des Streifens waren offensichtlich die Renn-Sequenzen, weswegen die Abwesenheit einer anständigen Story logisch erscheint, frei nach dem Motto: „Will ja sowieso keiner sehen.“. „2 Fast 2 Furious“ ist ein Film für Leute, die hypergetunte Mitsubishis durch die Gegend rasen sehen wollen, wer etwas anderes erwartet, wird somit definitiv enttäuscht. Immerhin ist der Film keine Mogelpackung, wer das DVD-Cover in der Hand hatte, der weiß, was ihn erwartet, und so können diese Zeilen denn sowohl als Warnung wie auch als (eingeschränkte) Empfehlung verstanden werden.

3/10

City of God

Bei seinem Kinostart im Mai hier in fast allen Kulturteilen der großen Zeituneng groß abgefeiert, erregte der „City of God“ – für eine brasilianische Produktion – ungewöhnlich viel Aufsehen. Nun, da der Film auf DVD erschienen ist, kann man sich also auch zuhause vor dem Fernseher ein Bild davon machen, ob der Film wirklich so gut ist, wie es von allen Seiten gesagt wurde. Sogar auf Platz 74 der Top 250 der Internet Movie Data Base ist er geklettert, damit liegt er vor „Blade Runner“ oder „The Big Sleep“.Der Film beginnt mit einigen kurzen Szenen, die sich in den frühen 80er Jahren in einem Armenviertel von Rio de Janeiro abspielen. Dann fängt die Handlung im Jahre 1968 mit einer dreiköpfigen Gang namens „Wild Angels“ an, die in der Nachbarschaft ihr Unwesen treibt. Die Nachbarschaft, das ist die „City of God“, eine von der Regierung am Rande Rios errichtete Siedlung von billigen Holzhäusern, welche die in die Städte wandernde bettelarme Landbevölkerung aufnehmen sollte. Erzählt wird im Wesentlichen die Story von Buscape, Bene und „Locke“, der zunächst noch „Löckchen“ heißt.

Während Buscape sich legal durchs Leben schlägt, starten Bene und Locke schon als Kinder eine Gangsterkarriere, und wenn die Handlung von 1968 in die späten 70er Jahre springt, sind die beiden Partner bereits mit 18 die Bosse des inzwischen um einige Neubauten bereicherten – Viertels und kontrollieren fast den gesamten Drogenhandel, während Buscapes Wunsch, Fotograf zu werden, daran zu scheitern droht, dass er schlicht keine vernünftige Kamera auftreiben kann. Nach einigen dramatischen Entwicklungen beginnt ein brutaler Bandenkrieg, ein nicht enden wollendes Blutbad, angezettelt von Locke und seinem Kontrahenten „Karotte“. Es passiert noch einiges mehr in diesem Film, aber weitere Inhaltsangaben würde hier schlicht den Rahmen sprengen.

Die Brutalität in der „Stadt Gottes“ ist ein zentrales Thema, und ihre Darstellung ist schonungslos. Es wird so häufig geraubt und gemordet, dass man am Ende beinahe den Überblick verlieren könnte, wer eigentlich noch lebt. Das ist nur deshalb nicht der Fall, weil sich der Film auf eine einigermaßen überschaubare Zahl von wichtigen Rollen begrenzt. Dabei ist Buscape eindeutig der einzige Charakter, mit dem sich der Zuschauer identifizieren kann (und wohl auch soll). Locke hingegen ist ein mordlüsterner Gangster, eine Bestie, die nur Gier und Hass kennt. Sein Partner Bene steht irgendwo dazwischen, ist ein netter Mensch, bei allen beliebt, und trotzdem auch Drogendealer. Zur besseren Orientierung gibts einen Off-Kommentar von Buscape, der seine persönliche Geschichte und parallel die seines Viertels erzählt.

Regisseur Fernando Meirelles blendet am Ende des Geschehens einen Hinweis ein, dass die Ereignisse des Films auf wahren Gegebenheiten basieren. Trifft das wirklich zu, ist die „Cidade de Deus“(Originaltitel) damit einer der schlimmsten Orte, die ich im Kino bis jetzt gezeigt bekommen habe, klammert man Kriegsschauplätze und ähnliches aus. Visuell ist der Film äußerst sehenswert, wobei Meirelles frühere Arbeit als Werbefilmer hin und wieder durchscheint. Obwohl „City of God“ ganz gut (mit allerlei Slang) ins Deutsche übersetzt wurde (man achte auf die Synchronstimme Buscapes) und auf diese Weise einfacher zu verstehen ist, wird die Originalfassung mit Untertiteln sicherlich einige Vorteile bieten, vor allem bei der Authenzität des Geschehens.

Einige Kritiker bemängelten, Mereilles übertreibe es mit der plakativen Gewalt, und liegen damit in gewisser Hinsicht gar nicht so falsch. So halte ich es für wahrscheinlich, dass einige jüngere Zuschauer nicht in der Lage sein werden, die Gewalt richtig zu deuten. Doch gilt hier, was auch für andere Gang-Filme wie z.B. „Menace to Society“ gilt: es kann nicht Aufgabe des Regisseurs sein, Jugendliche zu erziehen. Zudem wird jenen Zuschauern, die einigermaßen geradeaus denken können, wenig nachahmenswertes Verhalten geboten, mit Ausnahme von dem Buscapes. Das vielleicht wichtigste Ziel erreicht „City of God“ jedenfalls voll und ganz: Der Film lenkt(e) viel Aufmerksamkeit auf die Bewohner solcher Armenquartiere. Und vielleicht hilft das, die Dinge dort ein wenig zum Guten zu verändern. Schließlich kann es nur besser werden.

9/10

X-Men 2

Schon der erste Teil der „X-Men“ gefiel mir besser als die meisten anderen Comic-Verfilmungen. Da war ein ganzer Haufen von Helden und Bösewichtern mit den verschiedensten interessanten Fähigkeiten angetreten, es in einer anständigen Story ordentlich krachen zu lassen. Zudem waren und sind die Rollen sehr gut besetzt, von den beiden Masterminds Magneto und Professor Xavier (Ian McKellen und Patrick Stewart) bis zum Neuling Nightcrawler (Alan Cumming). Nicht zuvergessen Famke Janssen, Hugh Jackman, Halle Berry und Rebecca Romijn-Stamos, deren Mystique eine der schönsten Figuren im Mutanten-Ensemble ist.„X-Men2“ führt relativ früh einen neuen Bösewicht ein, General Stryker, dessen Ziel (selbstredend) die Vernichtung aller Mutanten ist. Stryker ist es gelungen, dem in einem Kunststoffgefängnis weggesperrten Magneto Informationen über Xaviers „Sonderschule“ zu entlocken. Schon bald rücken die Spezialkommandos vor, und es kostet Wolverine (Jackman) einige Mühe, die meisten der Bewohner durch einen geheimen Ausgang zu retten. Zusammen mit drei Schülern macht er sich auf den Weg nach Boston. Parallel erzählt der Film von Storms und Jeans (Berry u. Janssen) Suche nach dem Beinahe-Attentäter auf den US-Präsidenten, Nightcrawler, dessen zu Beginn des Films gezeigter Anschlag General Stryker äußerst gelegen kam, um ganz offiziell den Krieg gegen die Mutanten beginnen zu können.

Nightcrawler, ein dunkler, ständig aus der Bibel zitierender Geselle, gleicht in seinen Fähigkeiten verblüffend den bösen Zwillingen aus „Matrix:Reloaded“. Wer auch immer zuerst auf den Trick kam, er sieht gut aus. Professor Xavier, der mit Cyclops zu Magneto gereist ist, wurde von Stryker ausser Gefecht gesetzt und sieht sich einer grundlegenden Gehirnwäsche unterzogen, die in letzter Konsequenz den Tod aller Mutanten zufolge hätte. Magneto, dem mit Mystiques Hilfe die Flucht aus dem Knast gelungen ist, tut sich derweil mit den anderen X-Men zusammen, um dies zu verhindern. Dabei tun sich eine ganze Menge von Problemen auf, aber wer wäre besser geignet mit diesen fertig zu werden, als die multitalentierten „Übermenschen“.

Es bleibt ein großer Pluspunkt der „X-Men“-Reihe, dass sie ein solide Story erzählt. Es geht wie schon im ersten Teil um das Problem des Miteinanders von Menschen und Mutanten, und obwohl hier natürlich vereinfacht und übertrieben wird, bleibt die Geschichte doch immer glaubwürdig. Dabei gilt es keineswegs, besonders realistisch zu sein, sondern einfach weiter nach den selbst gemachten Regeln zu spielen. Unterhaltsam ist der Film allemal, die muntere Bilderflut bietet Action, Spannung und gar ein wenig Romantik. Und obwohl jeder Held/Bösewicht mit seiner übernatürlichen Fähigkeit mindestens einmal auf der Leinwand abgefeiert wird, entsteht nie der unangenehme Eindruck der Action als Selbstzweck.

Um eine Freigabe ab 16 (in den USA „R“) zu vermeiden, kommt „X-Men2“ ohne viel Blut aus, und dass, obwohl der gute Wolverine nicht wenige Polizisten aufschlitzt. Ob 12-Jährige sowas sehen müssen habe ich zum Glück nicht zu beurteilen. Fakt ist, dass die Freigabe ab zwölf Jahren den Film glücklicherweise nicht in einen kitschigen Kinderfilm verwandelt hat. Nicht zu vergessen auch, dass es sich hierbei um die gelungene Fortsetzung einer Comicverfilmung handelt. In Hollywood scheinen also auch Kräfte zu wirken, die nicht zwangsläufig unsinnigen Mist a la „Blade2“ produzieren. Bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten, von Regisseur Bryan Singer über die Schauspieler bis zu den Produzenten, beim dritten Teil wieder an einem Strang ziehen. Den wird es ohne Frage geben, und ich denke, es wird dann auch für mich mal an der Zeit an, den Mutanten bereits im Kino bei der Arbeit zuzusehen.


7/10

The Transporter

Um es gleich vorwegzunehmen: ich wußte überhaupt nichts über diesen Film, und hatte sehr bescheidene Erwartungen, die von „The Transporter“ sehr deutlich unterboten wurden. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der ultra-coole Frank Martin (Jason Statham), der mit seinem schwarzen Siebener-BMW gefährliche Fahrerjobs in Frankreich erledigt. Gleich in den ersten Szenen fährt der Film eine beachtliche Verfolgungsjagd auf, die sehr stark an „Taxi“ erinnert. Doch war wenigstens der erste Teil hiervon noch lustig und spritzig, ist hier nur noch albernes Gepose und Stress-Gequatsche übrig geblieben.In weiteren Verlauf der Handlung geht es dann um ominöse Menschenschmuggler, eine hübsche Asiatin und einen kumpelhaften Polizisten. Der Plot wird immer wieder in Richtung Action gestoßen, da den Dialog-Szenen doch arg schnell die Luft ausgeht. Jason Statham, bekannt vor allem aus Guy Ritchies „Lock, Stock and 2 Smoking Barrels“ und „Snatch“, mutiert hier zum Superhelden, der es locker mit xXx oder 007 aufnehmen könnte. Statham spielt nicht schlecht, aber auch er kann dem Eindruck, daß es sich letztlich um Trash handelt, nicht wirklich entgegen wirken. Zu diesem Eindruck passt, daß Martins BMW offensichtlich kein hochgezüchteter Sportwagen ist, als der er hier verkauft wird, da es unverkennbar (an Auspuff und Drehzahlmesser) nun mal ein Diesel ist.

Luc Besson war schon immer clever, und auch mit „The Transporter“, den er wie schon die „Taxi“-Filme produziert hat, wird er seinen Schnitt machen. Finanziell. Denn ansonsten bleibt wirklich nix über. Im Nachhinein kommt mir der Film vor wie ein noch ärgerlicherer „xXx“ – ganz anständige Action zwar, aber, und zwar in noch größerem Maße als bei „xXx“, völlig lieblos zusammengeschustert für ein Publikum, dem das egal zu sein hat. Wer sich das angucken soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht so richtig. Ich will jedenfalls nie wieder drüber sprechen müssen. Case closed.

1/5

Die Wutprobe

Dave Buznik, gespielt von Adam Sandler, ist Angestellter einer Firma für Haustier-Accessoires. Eines Tages steigt der eher schüchterne und stets höfliche Dave in ein Flugzeug, wo er sich neben dem kauzigen und taktlosen Buddy Rydell (Jack Nicholson) wiederfindet. Genervt von seinem anstrengenden Sitznachbarn bittet er die Stewardess, ihm einen Kopfhörer zu bringen um sich den Spielfilm ansehen zu können. Die Stewadess braucht ein bisschen sehr lange, weswegen Dave sie noch zweimal darauf anspricht. Nach kurzer Zeit taucht ein Security-Heini auf, der Dave auffordert, zur Ruhe zu kommen. Der ist zwar völlig ruhig, aber das sieht die Crew ganz anders.

Dave findet sich tatsächlich vor Gericht wieder, wo er zu 20 Stunden „Anger Management“ (Originaltitel) verdonnert wird. Sein Therapeut ist niemand geringeres als der kauzige Sitznachbar Buddy Rydell, ein Psychiater mit eben dem namensgebenden Spezialgebiet. In einer Gruppe voller Semi-Psychopathen soll Dave lernen seine – nicht vorhandenen – Wutattacken in den Griff zu bekommen. Rydell bestimmt den cholerischen Chuck (John Turturro) zu seinem Partner für den Alltag. Der zerstört mit einem Ausraster dann auch gleich den gemütlichen Abend von Dave und seiner Freundin Linda. Als Chuck völlig grundlos eine Schlägerei anzettelt, schlägt Dave versehentlich eine Kellnerin nieder – und landet wieder vor Gericht. Sein einzige Alternative zu einem Jahr Haft ist eine persönliche 30-Tage-Therapie in den Händen Dr. Rydells, der flugs bei ihm einzieht. Von nun an verschwimmt im Leben des harmlosen Mannes alles im Chaos, denn sein „Therapeut“ entpuppt sich als gestörter und aggressiver Psychopath.

Er zwingt Dave dazu auf der Broklyn Brigde Boradwaystücke zu singen, während ihn die anderen Autofahrer beschimpfen, schmeißt in Daves Wohnung Teller an die Wand und schrickt auch vor offenen Feindseligkeiten gegen Daves Chef Mr. Head nicht zurück. Es sind einige sehr komische Szenen und Dialoge zu finden, die bei dieser Schauspieler-Konstellation fast unausweichlich sind. Adam Sandler spielt – wie so oft – einen Durchschnittstypen, der in eine Ausnahmesituation gerät, er ist ein ganz netter Kerl, wenn auch ein bißchen langweilig. Nicholson spielt Dr. Rydell als bärtiges Monster, eine menschliche Katastrophe, die den armen Dave um den Verstand bringt mit seinen äußerst fragwürdigen Therapie-Methoden. Und dann scheint der Doc seinem Patienten auch noch seine Freundin auspannen zu wollen… So weit, so gut. An der Besetzung liegt es nicht, dass „Die Wutprobe“ nicht über das Mittelmaß hinauskommt.

Die Cameos von Heather Graham, John C. Reilly und John McEnroe sind ebenfalls nicht verkehrt. Das wirklich störende ist die obligatorische „Wendung“ des Films am Ende, die zwei Meilen geht den Wind zu riechen ist und so das Vergnügen am Geschehen doch arg schmälert. Die Tatsache, dass bereits die Gerichtsverhandlung zu Beginn völlig unsinnig ist und es in diesem Stile weitergeht wäre besser zu verschmerzen gewesen, wenn der Film nicht arg formelhaft daherkommen würde. Leider nimmt sich der Film die Freiheit „unrealistisch“ zu sein nur zu dem Zweck, ein kitschiges Großstadt-Märchen zu erzählen. Einigermaßen lustig und auch unterhaltsam bietet sich dem Zuschauer hier ein zwar solides, aber auch ärgerliches Filmvergnügen, das getrost schnell wieder vergessen werden darf.

3/5

The Core

Erdbeben, Großfeuer, Vulkanausbrüche, Wirbelstürme, Meteoriteneinstürze, alle diese Katastrophen haben schon herhalten müssen für die unzähligen Katastrophenfilme, die Hollywood allein in den letzten 15 Jahre produziert hat. Nun kommt ein weiteres Desaster hinzu: In „The Core“ stockt die Rotation des inneren Erdkerns, was diverse Katastrophen auf der Oberfläche zufolge hat. Um es gleich vorweg zu nehmen: Jon Amiels („Verlockende Falle“) Film ist nicht ganz so kitschig und platt geraten wie etwa „Armageddon“, und das war ja durchaus zu befürchten.Nachdem die Tauben am Trafalgar Square Amok geflogen sind und in San Francisco einige Dutzend Träger von Herzschrittmachern ins Gras beißen, kommt Wissenschaftler Josh (Aaron Eckhart, „Erin Brockovich“) zu dem Ergebnis, dass die Rotation des Erdkerns im Begriff ist, zu stoppen, was verheerende Folgen für den Planeten hat. Nobelpreisträger Zimsky (Stanley Tucci), ein unsymphatischer und arroganter Superhirn-Schnösel, ist nach kurzer Zeit von Joshs These überzeugt. Das Problem, so scheint es, ist, dass man an den Erdkern schlicht nicht herankommt, um ihn mit Hilfe von einigen Atombomben wieder „anzuwerfen“.

Doch Zimskys Ex-Kollege Brazzelton hat seit einger Zeit an einem Gefährt gearbeitet, was dem Druck im Innern der Erde standhält, und mit vielen Milliarden Dollar Militär-Unterstützung ist das Gerät schon bald einsatzbereit. Die Crew besteht neben den drei Wissenschaftlern noch aus Serge, einem Bombenspezialist und den beiden Astronauten Iverson und Beck (Hilary Swank). Und los geht es ins Innere der Erde.

Von nun an übernehmen die Effekte mehr oder weniger den Part der Handlung. Optisch recht gelungen bohrt sich das Ungetüm aus Titan (oder so) in die Erde, bis in den äußeren Erdkern, wo eine nicht unbeträchtliche Hitze herrscht. Das größte Probleme an der Sache ist, dass keine Sekunde lang Spannung aufkommt, schließlich sind die Helden ja unterwegs, die Menschheit zu retten. Zwar muss die Crew einige Opfer bringen, doch das Gelingen der Mission steht für den Zuschauer nie in Frage, auch wenn einige Figuren hin und wieder Zweifel hegen, und auf der Erde „Plan B“ schon beinahe angelaufen ist.

Keine Sekunde wird in „The Core“ ein Zweifel daran gelassen, daß die Rettung unseres Planeten die Sache von Amerikanern und ihrem Militär ist. Abgesehen von ein paar Katastrophen, die als eine Art „Abfallprodukt“ z.B. in Rom ihren Lauf nehmen, gibt es keinen Hinweis darauf, dass sonst noch irgendwer einen Versuch unternimmt, die Lage in den Griff zu bekommen. Immerhin wird das Militär der USA nicht nur gefeiert, denn die Jungs in Uniform sind nicht ganz unschuldig an der Katastrophe, wie sich im Laufe des Films herausstellt.

Die Schauspieler spielen auf ordentlichem Niveau, wenn auch fast ausschließlich stereotypisch angelegte Figuren. Lediglich Josh und Beck sind einigermaßen interessant. So bleibt dann unterm Strich nicht viel über, was den Zuschauer begeistern könnte. Einzig nennenswert sind die Special-Effects, die allerdings bei weitem nicht in die Kategorie „Muss man gesehen haben“ fallen. „The Core“ empfiehlt sich nur für jene, die Zeit und Lust für zwei durchaus kurzweilige Stunden Mainstream-Action aufbringen können.

4/10

Femme Fatale

„Mission:Impossible“ von 1996 war Brian DePalmas letzter Hit. Seitdem ist seine Karriere ein wenig ins Stocken geraten, und auch mit seinem neuesten Film ist er – zumindest in den USA – kommerziell baden gegangen. Was schade ist, aber auch nicht wirklich überrascht, wenn man „Femme Fatale“ gesehen hat. Der Titel spielt ganz offensichtlich auf die Noir-Filme der 40er und 50er Jahre an, und so beginnt der Film auch mit Szenen aus einem der alten Klassiker, Billy Wilders „Double Indemnity“. Den guckt sich Diebin Laure (Rebeca Romijn-Stamos) im Fernsehen an, während ihr Auftraggeber ihr letzte Anweisungen gibt. Darauf beginnt eine der schönsten Diebstahl-Szenen der letzten Jahre und es wird klar, daß der Meister solcher Filme wie „Dressed to Kill“, „Blow-Out“ und „The Untouchables“ sein Handwerk nicht verlernt hat.

Bei einer Filmpremiere der Festspiele von Cannes trägt die Freundin des anwesenden Regisseurs ein sündhaft teures Schmuck-Etwas anstelle eines Oberteils. Auf eben dieses haben es Laure und ihre Partner abgesehen. Zur wunderbaren Musik von Ryuichi Sakamoto („Der letzte Kaiser“) machen sich die Diebe an ihr Werk. Laure verführt die Trägerin der Beute auf dem luxuriösen Damenklo, während ihre Partner die Wärter an der Nase herumführen. Doch, wie sollte es anders sein, im letzten Moment geht etwas schief und Laure macht sich allein mit der Beute aus dem Staub.

Sie flüchtet nach Paris, wo sie mit einer jungen Frau namens Lily verwechselt wird, die sich kurz darauf umbringt. Laura steigt unter dem Namen der Verstorbenen in ein Flugzeug nach Amerika, wo sie den reichen Ex-Unternehmer Watts kennen lernt. Nach 30 Minuten Film und der Einblendung „Sieben Jahre später“ ist Watts Botschafter in Paris, Laure (jetzt Lily) seine Frau und die Story beginnt erneut – mit einem Foto, daß Paparazzi Nicolas (Antonio Banderas) im Auftrag ominöser Hintermänner von Laura/Lily schießt. Klingt kompliziert? Ist es auch – und auch wieder nicht. DePalma hat mit „Femme Fatale“ eine herausragend inszenierte Stilübung absolviert. Seine Hauptdarstellerin ist eine Variante der von Kim Novak gespielten Madeleine aus Hitchcocks Meisterwerk „Vertigo“.

Um diese herum entwirft der Regisseur eine traumhafte Welt voll von Betrug, Sex und Gewalt. Keine schöne Welt, aber eine, die schön anzusehen ist. Auch wenn der Film sein – wohl wenig zahlreiches – Publikum sehr wahrscheinlich spalten wird, so werden die Bilder und die Eindrücke, die er hinterläßt, jedem Zuschauer wohl länger im Gedächnis bleiben, ganz gleich ob wohlwollend oder widerwillig. „Femme Fatale“ erinnert in seiner mysteriösen Traumhaftigkeit zuweilen ein wenig an David Lynchs „Mulholland Drive“. Doch im Gegensatz zu Lynch läßt DePalma letztlich wenige Fragen offen, was die Einen enttäuschen und die Anderen zufriedenstellen mag.

Darüber, ob die Aufklärung und das Ende einen zu hohen Preis für die „Glaubwürdigkeit“ oder einen gelungenen Abschluß des Films darstellen, werden Cineasten wohl noch lange diskutieren. Ich persönlich kann gut damit leben – und ich habe das Gefühl, Brian DePalma ist das sowieso völlig egal. Irgendwo zwischen Hommage und Persiflage angesiedelt schrammt sein Film manchmal hart an der Grenze des guten Geschmacks vorbei – und vielleicht auch darüber hinaus. Was bleibt, sind 110 äußerst kurzweilige Minuten, die so ziemlich alles beinhalten, was Kino faszinierend macht.

5/5

Daredevil

Unzählige Comic-Verfilmungen hat uns Hollywood in den letzten Jahren bereits beschert, doch nach dem immensen Erfolg von „Spider-Man“ legen die Studios noch eine Schippe drauf, was die Anzahl der Filme angeht. „Daredevil“ wurde bereits im Frühjahr in die Kinos gebracht, und ist nun bereits auf DVD erhältlich. Ich habe in meinem Leben nicht ein einziges Comicheft gelesen, dessen Protagonist es zu auf die Kinoleinwand gebracht hat. Will sagen: ich habe keine Ahnung, inwiefern „Daredevil“ und andere Verfilmungen ihrem „Original“ entsprechen, was geändert wurde, und so weiter. Deshalb bitte keine erbosten Zuschriften der Marke „Daß war doch im Comic alles anders!“, die nicht der Aufklärung dienen, wenn ich bitten darf. Darf ich? Doch nun zum Film. Matt Murdock ist 14 Jahre alt, als er durch einen Unfall sein Augenlicht verliert. Sein Vater, ein Ex-Boxer, ist nicht ganz unschuldig an dem Unfall gewesen, und so schwören sich Vater und Sohn, niemals mehr aufzugeben und sich gegenseitig immer zu unterstützen. Während Jack Murdock seine Karriere wieder aufnimmt, stellt Matt fest, daß seine übrigen vier Sinne so extrem geschärft sind, daß er seine Umgebung genauer wahrnehmen kann, als je zuvor. Sein Hörvermögen ermöglicht es ihm, die Welt vor seinem geistigen Auge wieder sichtbar zu machen. Kurzum: Matt ist nun ein „Superhero“.

Als sich sein Vater eines Tages weigert, einen manipulierten Kampf zu verlieren, wird er von den Hintermännern kurzerhand ermordet. Matt schwört Rache, und geistert von nun an des nachts durch New York City, um das Unrecht zu bekämpfen. „Daredevil“, als Erwachsener nun dargestellt von Ben Affleck, ist ein düsterer Held, ein „Loner“, der sich, um schlafen zu können, in einen schalldichten Wassertank zurückziehen muss. Tagsüber arbeitet er als Anwalt, der laut seinem Partner Foggy zuviele unschuldige und arme Klienten vertritt.

Wie die meisten Comicverfilmungen ist „Daredevil“ ein optisch beeindruckender Film, mit schönen Kamerafahrten, großartigen Kulissen, schöner Farbgebung und anständiger Action. Doch leider funktioniert die Story nicht besonders gut. Ein Grund hierfür ist, daß der der Film schlicht zu kurz ist. Nur eine knappe Stunde dauert die eigentliche Handlung, zuvor werden lediglich die Handelnden Person eingeführt. Zu diesen gehören Gangsterboss „Kingpin“ (Michael Clarke Duncan), dessen Hitman „Bullseye“ (Colin Farrell) und die schöne Elektra (Jennifer Garner), Tochter eines Milliardärs. Mit Ausnahme einer zwar lustigen, aber völlig deplatzierten Kampfszene zwischen Matt und Elektra scheint „Daredevil“ zunächst den richtigen Erzählton zu treffen, doch geht es dann mit großer Geschwindigkeit in die Richtung eines allzu simplen Standard-Comic-Plots, der wirklich keinen Zuschauer überraschen dürfte.

Was eigentlich sehr schade ist, denn die Figur des Daredevils ist weitaus interessanter, als viele seiner Comic-Kollegen, und so steckt in dem Material das Potential für einen richtig guten Film. An einigen Stellen, etwa wenn unser Superheld zur Beichte eine Kirche besucht, ist dies dem Film anzumerken, doch das ist leider zu selten. Die Tatsache, dass das Ende nach einer Fortsetzung geradezu schreit, kann ich bei einem solchen Film locker verschmerzen, was aber nicht heißt, daß der Weg zu diesem Ende der richtige war.

Kurz bevor „Daredevil“ in den USA anlief, war irgendwo zu lesen, daß wegen des „Spider-Man“-Erfolges noch einmal einige Millionen Dollar ausgegeben wurden, um die Special-Effects ein wenig aufzumöbeln. Eigentlich, so hieß es, sollte der Film billiger und länger sein, wirklich düster dazu, und mit einer „R“-Freigabe versehen. Schaut man sich den fertigen Film an, kann man dies durchaus glauben. Wenn es stimmt, dann ist es schade um das verlorene Material, aber vielleicht setzen sich die Beteiligten ja demnächst mal daran, an einen ausführlichen Director`s Cut zu schneiden. Ich wäre dabei.

4/10

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Quelle: anwalt-seiten.de

Jackass: The Movie

Johnny Knoxville und seine Schergen haben es mit ihren Anarcho-Scherzen bis ins Kino gebracht, was Einige freuen und Andere beunruhigen wird. Allerdings kann man das Werk beim besten Willen nicht als Kinofilm betrachten. Freunde der MTV-Show sollten sich das lieber so vorstellen, als liefe aus irgendwelchen Gründen eine lange Sonderfolge im Kino. Alle anderen, bei genauerer Betrachtung, übrigens auch.

So ist der Grund für den Film natürlich kein überzeugendes Drehbuch, sondern die Tatsache, daß der Film todsicher Kohle machen wird. Was Steve-O, Knoxville und co in die angenehme Situation brachte, ihren Schabernack auf der Basis eines 20-Mio.$ Budgets zu treiben. Mit dem Geld wurden offensichtlich eine Japanreise, mehrere Autos, Golfwagen und ein Ausflug für ein ausgewachsenes Krokodil bezahlt.

Und so geht es dann auch ordentlich zur Sache, wobei schon der Vorspann die Lachmuskeln strapaziert. Darauf folgt das, was man von der Fernsehshow gewohnt ist. Knoxville setzt sich völlig unnötig großen Schmerzen aus, ebenso der Rest der Truppe. Teilweise extrem gefährlich, wie die Nummer mit den Golfwagen, teilweise extrem unappetitlich, wie die Nummer mit dem Matchboxauto im Rektum, gehen die Dingen ihren gewohnten Gang.

Der Film erfüllt mehr oder weniger alle Erwartungen, die man an ihn haben konnte. Er ist lustig, brutal und überflüssig. Vom Feinsten also, für alle Freunde des schlechten Geschmacks. Denen sei ???Jackass: The Movie? denn auch empfohlen. Dem Autor dieser Zeilen hats über weite Strecken ganz gut gefallen.

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Good Bye, Lenin!

Es ist schon eine große Überraschung, dass dieser Film mit ca. 6 Mio. Besuchern bis jetzt der erfolgreichste Film des Jahres in Deutschland ist. Allein deshalb, weil mit „Matrix: Reloaded? oder „Terminator 3? einige hockkarätige Blockbuster angetreten sind, diese Position für sich zu beanspruchen. „Good Bye, Lenin!?, gedreht mit einem Budget von 4,8 Mio. Euro, hat bis Ende August über 36 Mio. eingespielt und ist somit ein großer finanzieller Erfolg, der allen Beteiligten zu gönnen ist. Schön, dass auch wirklich gute Filme hierzulande Geld einspielen können. Schade, dass es davon immer nocht nicht sehr viele gibt.Aber zur Sache jetzt, mit dem deutschen Kino der Gegenwart kenne ich mich sowieso nicht aus. Wolfgang Beckers („Das Leben ist eine Baustelle?) Film spielt in den Jahren 1989/90 in Ostberlin. Eingeführt durch eine Rückblende, unterlegt mit dem Off-Kommentar von Alexander Kerner (Daniel Brühl), erfährt der Zuschauer davon, dass Robert Kerner seine Frau Christiane verließ, um mit einer West-Frau im benachbarten Kapitalismus glücklich zu werden. Christiane (Katrin Saß) ist todunglücklich und stürzt sich zur Überwindung ihrer Trauer voll ins sozialistische Leben, überzeugt von der guten Sache, und bemüht, sie noch ein bißchen besser zu machen. Dafür schreibt sie „Eingaben?, in denen die Parteiführung um Verbesserungen im alltäglichen Leben gebeten wird. Mit „sozialistischem Gruß?, versteht sich. Ihre Kinder Alex und Ariane (Maria Simon) haben sich an ein Leben ohne Vater gewöhnt, Ariane hat bereits ein Kind – und die DDR steht kurz vor dem Zusammenbruch.

Gerade zu Beginn jener Demonstrationen, die die Wende einläuteten, fällt Christiane Kerner beim Anblick ihres Sohnes inmitten einer Schar von Demonstranten ins Koma. Als sie wieder aufwacht, ist nichts mehr wie es wahr. Aufgrund ihres immer noch kritischen Zustandes (der Arzt instruiert Alex, sie von jedweder Aufregung fernzuhalten) können Alex und Ariane ihrer Mutter von der Wende nichts erzählen, denn dies könnte ihren Tod bedeuten. Und so macht sich vor allem Alex daran, im Krankenzimmer seiner Mutter die DDR am Leben zu erhalten. Das geht natürlich nicht ohne Probleme, schließlich wechselt im Supermarkt die Produktpallette äußerst drastisch, Arianes neuer Freund Rainer ist waschechter Wessi, und Christianes Wunsch nach ein wenig Fernsehen kann Alex erst nachkommen, als er zusammen mit seinem Freund und Kollegen Denis, einem Hobby-Regisseur, eigene Folgen von der „Aktuellen Kamera? produzieren kann.

Doch zusammen mit seiner Freundin Lara meistert Alex die Sache ganz gut, und es ist eine Freude, ihm bei seinem kreativen Treiben zuzuschauen. Der Film balanciert gekonnt auf einem schmalen Grat zwischen Humor und Tragik, zwischen Ostalgie und kritischer Auseinandersetzung, und wirkt dabei (fast) immer völlig glaubwürdig. Wenn am Ende Christiane, die von ihren Kindern seit Monaten hinters Licht geführt wird, gesteht, sie über die wahren Trennungsgründe von ihrem Mann gelogen zu haben, schafft es „Good Bye, Lenin!?, auch diese dramaturgische Wendung ohne Gefühlsduselei und mit viel Feingefühl zu erzählen.

Alle Hauptdarsteller spielen überzeugend und mitreißend, und so kommt in den zwei Stunden, die der Film dauert, keine Langeweile auf. Grund dafür ist natürlich auch das exzellente Drehbuch, das die Geschichte seiner Figuren wunderbar mit der Geschichte Deutschlands verknüpft. Lediglich an einigen wenigen Stellen wird der Bogen dann doch leicht überspannt, wird einiges wiederholt, aber dem Gesamteindruck schadet das nicht. Ein gelungenes Stück Kino, mal zum lachen und mal zum weinen wird hier geboten, weshalb ich jedem, der nicht zu den 6 Mio. Kinogängern gehört, empfehle, sich „Good Bye, Lenin!? nicht entgehen zu lassen.

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