Gothika

Es gibt in der englischen Sprache einen Ausdruck, der auf „Gothika“ besser passt als jeder (mir bekannte) Begriff der deutschen Sprache: guilty pleasure. Ein mit leichten Schuldgefühlen verbundenes Vergnügen, im Falle von „Gothika“ hervorgerufen durch einen guten schlechten Film. Regie führt bei diesem Matthieu Kassovitz, der neben „Hass“ auch den definitiv schlechten schlechten Film „Die purpurnen Flüsse“ gedreht hat. Als Schauspieler kennt man ihn ebenfalls, am bekantesten wohl seine Rolle in „Amelie“ als deren Liebster.In der Hauptrolle ist Halle Berry als Psychologin Miranda Grey zu sehen, frisch verheiratet mit dem Chef jener Klapsmühle, in der sie arbeitet. Eines Abends ist Miranda gezwungen einen Umweg nach Hause zu nehmen und trifft dabei auf ein junges Mädchen, das nackt im Regen steht. Als Miranda sie ansprechen will, scheint sie Feuer zu fangen – Schnitt. In der nächsten Szene ist die Ärztin schon zur Patientin geworden. In einer Zelle ihres ehemaligen Arbeitsplatzes erfährt die verstörte Frau von ihrem Ex-Kollegen Pete (Robert Downey Jr.), dass ihr Mann auf brutale Art und Weise ermordet wurde. Hauptverdächtige ist sie selbst, da sie definitv am Tatort gewesen ist.

„Du kannst niemandem vertrauen, der dich für verrückt hält“, etwa in dieser Form bringt gleich am Anfang des Films Mirandas Patientin Chloe (Penelope Cruz) eine Wahrheit zum Ausdruck, die für die Handlung entscheidend ist. Während ihr Umfeld bemüht ist, ihre „Geisteskrankheit“ zu verstehen, muss Miranda alleine Licht ins mysteriöse Dunkel bringen. Das ist als Insassin einer geschlossenen Anstalt natürlich nicht ganz einfach. Überzeugt von ihrer eigenen Unschuld und heimgesucht von einigen wegweisenden Erscheinungen kommt sie der schrecklichen Wahrheit langsam auf die Schliche.

Entscheidend für eine solche doch sehr trashige Story ist die Art und Weise, auf die sie vermittelt wird. Kassovitz` düstere Bilder sorgen für eine angemessen gruselige Atmosphäre, in der Halle Berry eine gute, wenn auch nur bedingt anspruchsvolle Leistung zeigt. Im Gegensatz zu ambitionierten Irrenhaus-Filmen wie „Einer flog übers Kuckucksnest“ oder auch „Girl, Interrupted“ macht „Gothika“ keinen Hehl daraus, dass die Anstalt hier einfach der passende Schauplatz für eine anständige Psychothriller-Story ist. An erster Stelle steht die Unterhaltsamkeit des Geschehens, für die bekannte und gute Nebendarsteller ebenso sorgen wie das straffe Erzähltempo. Vorhandene Lücken der Story werden dadurch zwar nicht überdeckt, fallen aber weniger ins Gewicht, dasselbe gilt für die zwar durchaus zufriedenenstellende, aber etwas rätselhaft bleibende Auflösung. Wer genau was und warum getan hat ist mir jedenfalls nicht ganz klar geworden, gestört hat mich das aber wenig.

Man kann „Gothika“ nicht wirklich ernst nehmen, der konstruierte Plot und die rätselhaften Erscheinungen sind kein Material für ein seriöses Drama. Gut für den Film, dass dies alle Beteiligten offensichtlich verstanden haben. Das große Geheimnis, hinter das der Zuschauer natürlich ebenso kommen will wie die Figuren im Film, hinterläßt keinen zu faden Nachgeschmack, es trifft denselben Ton wie der Rest des Films. So vermeidet man einen sinnlosen und nervigen Schluss wie z. B. das „Planet der Affen“-Remake oder jüngst „Basic“. Deshalb gilt für Kassovitz‘ jüngste Arbeit, was ich über die beiden anderen Streifen nicht zu sagen wage: That`s entertainment.

7/10

Gegen die Wand

Fatih Akin hat sich in Deutschland mit Filmen wie „Kurz und Schmerzlos“, „Im Juli“ und zuletzt „Solino“ einen guten Ruf als Regisseur erworben. Wie das nun mal mit mir und heimischen Produktionen so ist, habe ich bis zu seinem neuesten Streifen und Berlinale-Gewinner „Gegen die Wand“ keinen dieser Filme gesehen. Doch Akins neuestes Werk macht nicht schlecht lust, sich mit seinem bisherigen Schaffen auseinanderzusetzen.Cahit (Birol Ünel) ist ein in Hamburg lebender Türke von ca. 40 Jahren. Seine Arbeit in einer alternativen Musik-Spelunke bringt ihm das nötige Geld ein, um sich ohne Rücksicht auf Verluste seinem auf der Grenze zum Pennertum balancierenden Leben hingeben zu können. Grenzenloser Bierdurst und schwelender Selbsthass veranlassen ihn bald dazu, mit seinem Wagen frontal „Gegen die Wand“ zu fahren. Nach dem großen Knall findet er sich im Krankenhaus wieder, Abteilung für Suizid-Gefährdete. Dort trifft er die junge Sibel (Sibel Kekilli), die sich per Freitod aus den engen Fesseln ihrer traditionsbewussten Familie befreien wollte. Die durchweg chronologisch präsentierte Handlung ist eingebettet in eine immer wiederkehrende Szenerie vor der Kulisse Istanbuls, in der eine mehrköpfige Band mit Sängerin das Geschehen musikalisch-poetisch kommentiert.

Bald präsentiert Sibel dem verblüfften Cahit eine Lösung für beider Probleme – in erster Linie jedoch für ihr eigenes: Cahit muss Sibel heiraten. Ihre Eltern würden ihn als Ehemann akzeptieren, schließlich ist er Türke. Es wäre ja nur zum Schein, sie würde ihm keinen Ärger bereiten. Als der das ablehnt, greift Sibel zu drastischen Maßnahmen. Sie meint es bitter ernst mit ihrem Wunsch nach Freiheit, und so sagt Cahit doch noch zu. Erst muss natürlich noch hochoffiziell um ihre Hand angehalten werden, bevor die beiden ihr eigenwilliges Eheleben voller Partys und Drogen verwirklichen können.

Die erste Stunde des Films bietet neben der packenden Geschichte auch jede Menge Lacher. Mit sicherer Hand führt Akin sein (deutsches) Publikum in eine Welt, die es meist nur von Aussen kennt. Aus der Sicht von Cahit, der seine türkischen Wurzeln bis zur Grenze der Selbstverleugnung aufgegeben hat, ergibt sich ein buntes Bild von türkischer (Groß)Familie, Tradition und Lebensweise. Da ist Sibels großer Bruder, der seine Schwester in guten Händen wissen will und die Ehre der Familie im Auge hat, der strenge Vater und die pragmatische Mutter. Mittendrin ist Cahit ein Fremdling, weder religiös noch traditionsbewußt, dafür mit Hang zum Drogenkonsum und Alkohol-Exzessen.

Die wilde Ehe der beiden läuft bald aus dem Ruder. Sibel nutzt ihre neue Freiheit durch einige One-Night-Stands, während Cahit sich langsam in seine Angetraute verliebt. Es kommt zu einer Katastrophe, die die beiden für Jahre trennen wird.. Nach der intensiven, von lauter Musik, Sex und Gewalt geprägten ersten Stunde nimmt Akin ein wenig das Tempo raus. Die Handlung verlässt Hamburg mit einem Paukenschlag und konzentriert sich auf Sibels Leben in Istanbul, wo sie dem geregelten Dasein als Zimmermädchen bald überdrüssig ist und sich in alter Manier ins Nachtleben stürzt. Erst nach einigen Jahren trifft sie in der „fremden“ Heimat ihren Ehemann wieder und sie stellen sich den Dämonen ihrer Beziehung.

Cahits Besuch in Istanbul führt die Geschichte zu einem Ende, das nicht wirklich eines ist, ohne aber dabei einen faden Nachgeschmack zu hinterlassen. Glaubwürdig geht das Drama dieser sonderbaren und heftigen Beziehung in die letzte Runde. Wäre der Film hier nur ein paar Minuten länger wäre die Grenze zur Behäbigkeit vielleicht überschritten. „Gegen die Wand“ vermeidet es geschickt, angestrengt oder aufgesetzt zu wirken. Großen Anteil daran haben die Hauptdarsteller. Ünel, der teils aussieht wie eine rauhe Straßenversion von Jürgen Drews, ist eine großartige Besetzung für den wilden, vom Leben enttäuschten Cahit. Eindringlich kehrt er das Innerste seiner Figur nach aussen, ohne sich dabei der Lächerlichkeit preiszugeben. Seine Partnerin Kekilli, hier in ihrer ersten ernsthaften Rolle, haucht dem Film durch ihre ungekünstelte Art jede Menge Authenzität ein. Dass ihre eigene Lebensgeschichte der ihrer Figur nicht ganz unähnlich ist, war ihrer Darstellung sicher nicht abträglich.

Fatih Akin hat ein sehenswertes Stück Kino geschaffen und zurecht viele Lorbeeren dafür kassiert. Sein Film ist frisch, voller Energie und Ideen, ohne dabei seine Charaktere zu vergessen. Mit einem starken Gespür für große Szenen, einem scharfen Blick auf das Milieu und der richtigen Portion Humor erzählt er eine Geschichte, die leicht in einer Überportion Sozialkritik hätte ertrinken können. Sein kritischer Blick auf bestehende Verhältnisse regt trotzdem zum nachdenken an, was „Gegen die Wand? nur um so wertvoller macht.

9/10

Aktuell in der Videothek

Bruce Allmächtig

Fernseh-Reporter Bruce (Jim Carrey) hegt den ehrgeizigen Wunsch, zum Anchorman der Nachrichten seines Senders zu werden, doch ihm will einfach nichts gelingen. Seinem Frust lässt er durch einige heftige Verbal-Attacken gegen den lieben Gott aus. Der jedoch ist das Gezeter bald leid und überträgt Bruce kurzerhand seine Macht – auf dass er doch alles besser machen möge! Natürlich weiss Bruce so einiges zu seinen Gunsten anzustellen und bald hat er sein Ziel scheinbar erreicht. Doch seine Beziehung zu Grace (Jennifer Aniston) scheint unter seinen neuen Kräften eher zu leiden.

Jim Carrey schneidet eifrig Grimassen in dieser durchaus mit einigen guten Gags gesegneten Komödie, die ihre blasphemische Grundidee so harmlos wie eben möglich vor dem Zuschauer ausbreitet. Das zuckersüße und vorhersehbare Ende ist bei Produktionen dieser Kragenweite zwar obligatorisch, deswegen aber nicht weniger langweilig. Letzten Endes bestätigt der Film alle Erwartungen, die man an ihn haben kann – die guten und auch die schlechten.
5/10

Voll Frontal

Steven Soderbergh hat in seinem letzten Film eine Menge Stars (u.a. Julia Roberts, Catherine Keener und David Duvochny) untergebracht, die sich vor ihrer Teilnahme an dem Projekt mit gewissen Regeln einverstanden erklären mussten. Da gab es auf dem Set z.B. keine Trailer, auch für Klamotten und Make-Up war jeder selbst verantwortlich. Der Film erzählt zwei Geschichten, von denen eine sozusagen ein Film im Film ist. In einem Erzählstrang interviewt eine hübsche Reporterin einen Schauspieler, in einem anderen will eine für „Human Resources“ zuständige Frau ihren Mann verlassen. Dazu kommen noch einige weitere Handlungsfäden, unter anderem eine erstmals aufgeführte Theaterinszenierung mit dem Protagonisten Adolf Hitler.

Soderbergh gelingen einige starke Momente in seinem Film, die Stories bleiben aber überwiegend eher blass. Die Schauspieler geben sich durchweg Mühe, doch da das Drehbuch ihnen eine klassische Entwicklung ihrer Rollen zumeist versagt, wird man die meisten Charaktere schon bald wieder vergessen. Insgesamt durchaus einen Versuch wert, aber kein großes Experimentalkino.
6/10

Serving Sara

Komödie mit „Friends“-Star Matthew Perry und Liz Hurley in den Hauptrollen. Der schwarze US-Starkomiker Cedric the Entertainer spielt den Chef einer Agentur, die sich auf das Zustellen von Scheidungspapieren spezialisiert hat. Die beiden Top-Zusteller sind Joe (Perry) und Tony, die beiden können sich jedoch nicht besonders gut leiden. Als Joe den wichtigen Auftrag bekommt, Sara Moore (Hurley) die Scheidungspapiere zuzustellen gibt Kollege Tony der ahnungslosen Sara einen Tip. Doch Joe schafft es schließlich noch, erhält aber ein Angebot, das er nicht ablehnen will: 1 Million Dollar verspricht ihm die Noch-Gattin des Millionärs Moore, wenn dieser die Papiere zuerst bekommt. So würde der Scheidungsprozess nicht im konservativen Texas geführt. „Serving Sara“ enthält lediglich eine Handvoll guter Jokes, ansonsten gibts Geschmacklosigkeiten und lahme Running-Gags. Die Love-Story zwischen Joe und Sara ist wenig originell, die Story vorhersehbar und voller Logik-Fehler. Der Film steht in den Videotheken warm und trocken und dort sollte er auch bleiben.
3/10

Donnie Darko
Es passieren seltsame Dinge im Leben des jungen Sonderlings Donnie (Jake Gyllenhaal). Sein neuer imaginärer Freund Frank ist ein merkwürdiges Etwas mit einer hässlichen Hasenfratze und eröffnet ihm, dass in wenigen Wochen das Ende der Welt gekommen ist. Dann schlägt eine Flugzeugturbine in Donnies Zimmer ein – doch zum Glück ist der Schlafwandler nicht zuhause. Und auch ansonsten ist im Oktober 1988 einiges los in der Kleinstadt. Donnies junge Lehrerin (Drew Barrymore) wird bezichtigt, unpassende Lehrstoffe zu behandeln, und seine Klasse muss das hirnrissige Therapie-Video eines Psycho-Quacksalbers (Patrick Swayze) ansehen, der auch noch persönlich zum Vortag in die Schule kommt. Thematisch bewegt sich der Film irgendwo zwischen realistischem (Teenager-)Drama und Science-Fiction, ist dabei überraschend frei von lästigen Klischees und baut in seiner dunklen Atmosphäre auch echte Spannung auf. Mit dem Budget von nur 4,5 Mio. Dollar konnten gar einige gelungene Spezial-Effekte finanziert werden. Regisseur Richard Kelly hat einen stimmigen Independent-Streifen inszeniert, gut besetzt und mit eigentümlichem Charme. Wegen der thematischen Vielschichtigkeit und mehreren Interpretationsmöglichkeiten auch ein zweites Mal zu genießen.
9/10

Das Leben des David Gale
Regisseur Alan Parker hat bereits mit „Mississippi Burning“ bewiesen, dass er starke Thriller drehen kann. Auch „Das Leben des David Gale“ funktioniert phasenweise sehr gut. Im Mittelpunkt steht eben jener Gale (Kevin Spacey), der in einem Gefängnis in Texas auf seine baldige Hinrichtung wartet. Angeklagt wegen Mordes und Vergewaltigung bietet der ehemalige College-Professor der jungen Journalistin Bitsy Bloom (Kate Winslet) ein exklusives Interview an. In Rückblenden erzählt der Film dann von Gales früherem Leben, und langsam gelangt Bitsy zu dem Entschluss, selbst noch ein paar Nachforschungen anzustellen, um den Tathergang von damals zu klären. Die handwerklich und schauspielerisch solide inszenierte Story hört sich sehr bekannt an, ist aber soweit ich weiss noch nie mit der finalen Wendung dieses Dramas versehen worden. Allerdings aus gutem Grund, denn obwohl das Ende auf eine gewisse Art Sinn ergibt hinterließ es bei mir einen äußerst faden Nachgeschmack.
6/10

3 Engel für Charlie: Volle Power
Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu bekämpfen in aufreizenden Posen einen Verbrecherring, der US-Agenten enttarnen will. Weil die Story erstens nichts hergibt und sie zweitens auch keiner sehen will hat Regisseur McG ein Actionfeuerwerk inszeniert, das sich keine Pause könnt. Mal durchaus komisch, mal ein wenig zu albern und ohne jeden Tiefsinn prügeln, schießen und becircen sich die drei Hauptdarstellerinnen durch den Film, der nebenbei Demi Moore ein Comeback als runderneuerter Ex-Engel auf Abwegen beschert. Kurzweilig, unnötig und hirnlos kommt der Streifen daher, und bevor man es gemerkt hat ist er schon wieder vorbei. Weder langweilig noch spannend bereitet „Volle Power“ all denen Vergnügen, die von den genannten Mankos nicht abzuschrecken sind und die bunten Bilder grinsend über sich ergehen lassen können. Prädikat: „Wenn alle anderen Neuheiten weg sind.“
4/10

I Spy
Reine Formsache: Der Film ist mies. Mäßige Jokes, durchschnittliche Action und eine Story, die beides zusammenhalten soll. Eddie Murphy und Owen Wilson (Hansel aus „Zoolander“) haben beide großes komödiantisches Potential, aber in diesem Mainstream-Langweiler nützt das ebensowenig wie die Präsenz von Schönheit Famke Janssen (Xena Onatopp aus „Goldeneye“). „I Spy“ ist in den Staaten und, wie ich glaube auch hier, derbe gefloppt – bleibt zu hoffen, dass nun bald Schluss ist mit bekackten „2 ungleiche Partner“-Streifen wie „Bad Company“, „National Security“ oder eben diesem.

The Missing

Ron Howards „The Missing“ beginnt gleich in zweierlei Hinsicht untypisch für einen Western. Mit Cate Blanchett steht eine Frau im Mittelpunkt der Story, und die wird dazu eingangs noch auf dem S*****haus sitzend gezeigt. Blanchett spielt die robuste, selbstständige Ärztin Maggie Gilkeson, die mit ihren zwei Töchtern und ihrem Liebhaber Blake irgendwo im weiten Westen der USA lebt. Ihr Vater Samuel, gespielt von Tommy Lee Jones, verließ seine Familie, um eine Indianerin zu heiraten und mit ihr bei ihrem Stamm zu leben. So ist Maggie über sein plötzliches Auftauchen auf ihrem Farmhaus auch alles andere als erfreut.Den alten Mann treibt es schon bald weiter, aber trotzdem kehrt im Hause Gilkeson keine Normalität ein. Ein Ausflug in die nächste Stadt endet mit einer Tragödie, Indianer ermorden Brake (Aaron Eckhart) und kidnappen Lily (Evan Rachel Wood), die ältere der beiden Töchter. Verzweifelt bittet Maggie die Autoritäten um Unterstützung, doch die machen ihr nicht viel Hoffnung. Es bleibt der gottesfürchtigen Frau nichts anderes übrig als sich mit ihrem Vater zusammen zu tun. Bald machen sich Sam, Maggie und die kleine Dot auf den Weg. Sie müssen verhindern, dass die Kidnapper Mexiko erreichen, wo sie ihre menschliche Beute verhökern wollen.

Sam, der sich von Zivilisation und Glauben abgewandt und ganz zum Indianer geworden ist, führt sie bald auf die Spur von Lily. Bevor es aber zum Showdown kommen kann, gibt es für die drei viele Hindernisse zu überwinden, sie müssen mit Krankheiten, Sturzfluten und Voodoo-mäßigem Zauber kämpfen. Natürlich rückt auch die Vater/Tochter-Beziehung hin und wieder in den Vordergrund. Parallel dazu bekommt der Zuschauer auch die Bande von Indianern zu sehen, einem wilden und brutalen Haufen, der früher für die US-Armee gedient hat.

„The Missing? beginnt recht vielversprechend, führt geschickt seine Charaktere ein und entwickelt seine Story in starken Bildern und unterlegt von einem prägnanten Score. Leider geht dem ganzen ziemlich bald die Luft aus. Der Film kann die aufgebaute Spannung nicht halten, er verliert sich in vorhersehbaren kleinen Krisen und wenig originellen Szenen mit Pferd und Schießeisen. Cate Blanchett und Tommy Lee Jones sind dabei nicht das Problem, Blanchett spielt ihre Rolle überzeugend und Jones die seine angenehm zurückhaltend. Doch weder das Drama der Familie noch die Rahmenhandlung sind in der Lage, den Zuschauer zu fesseln.

So saß ich die letzte Stunde des Films doch recht teilnahmslos da, weder arg gelangweilt noch wirklich interessiert. Der große Showdown ist gar nicht verkehrt, zieht sich aber wie der Rest des Films ein wenig in die Länge. Am Ende ist „The Missing? ein sehr viel konventionellerer Western als der Anfang einen glauben machen will. Der Film ist nicht ganz verkehrt, aber empfohlen sei er nur ausgemachten Freunden des Genres.
6/10

Matrix: Revolutions

Die Erwartungen an die Matrix-Fortsetzungen „Reloaded“ und „Revolutions“ waren hoch, und schon der erstere hat viele verwirrte und gar enttäuschte Gesichter hinterlassen. Ich fand „Reloaded“ ganz in Ordnung, fragte mich allerdings genau wie jeder andere, was für ein Ende die hochkomplizierte Story nehmen würde. Hatte der Architekt recht, als er Neo am Ende vor die Wahl Zion oder Trinity stellt? Was ist aus Agent Smith geworden, wie passt der Merowinger ins Bild, seine Frau Persephone, das Orakel? „Revolutions“ konnte mir diese Fragen nicht beantworten. Der Merowinger hat einen Kurzauftritt, der nicht weiter wichtig ist, Persephone (Monica Bellucci) sagt einen einzigen Satz, und das Orakel orakelt kräftig vor sich hin. Einzig verstehe ich nicht, was sie sagt. Es ist schon ein wenig schade, dass die meisten dieser Programme/Figuren die Handlung so plötzlich verlassen wie sie sie betreten haben. Es ist spekuliert worden, der Kuss zwischen Neo und Persephone sei von größerer Bedeutung als es in „Reloaded“ schien, doch auch das darf getrost vergessen werden.Vielleicht ist die konfuse und zusammenhangslos scheinende Handlung von „Revolutions“ zu verstehen, wenn man die beiden erschienenen Videospiele durchgespielt und „Animatrix“ sorgfältig betrachtet hat. Fest steht, dass der Genuss der Filme allein nicht ausreicht, um den Plot zu kapieren. Ein Beispiel: Die Maschinen haben ihren Angriff auf Zion begonnen, die sich tapfer zwar wehrenden Menschen scheinen langsam am Ende zu sein. Neo fährt zur Quelle der Maschinen, ihrem Hauptsitz und schlägt einem Special-Effects-Etwas vor, er würde das Programm „Agent Smith“(.exe?) vernichten. Was er dann tut. Neo verwandelt sich in der Matrix in eine Lichtgestalt, Smith ist am Ende. Die Maschinen brechen ihre Attacke ab (warum haben sie eigentlich angegriffen?), Zion ist gerettet. Das zuvor von Smith vereinnahmte Orakel sitzt auf einer Bank (in der Matrix, nehme ich an), das Wetter ist wunderbar, der Architekt kommt kurz vorbei, um darauf hinzuweisen, dass er nicht menschlich ist. Das wars. Was ist denn nun mit den Millionen gefangenen Menschen, die den Maschinen als Batterien dienen? Was wird aus den Menschen in Zion, schließlich ist die Erdoberfläche immer noch verwüstet und die Stadt selbst sieht schlimmer aus als Detroit?!

Nun ja, ich glaube man könnte hundert Fragen stellen, aber mich würden die Antworten, selbst wenn sie schlüssig wären, wohl nur noch bedingt interessieren, denn es gibt noch ein anderes Problem mit „Revolutions“. Oder besser mehrere.

So ist es z. B. im Kopf nicht auszuhalten, was Morpheus, das Orakel, Neo, Smith und Konsorten den ganzen Film über von sich geben. Zwei Beispiele:

Trinity: „If you tell me we`ll make it, I`ll believe you.“
Neo: „We`ll make it.“

Morpheus: „You`ve never believed in The One“
Niobe: „I still don`t. I believe in him.“(gemeint ist Neo)

Was zu Hölle soll das? Inflationär prasseln Worte wie „Destiny“, „Fate“, „Purpose“ und „Belief“ auf den Zuschauer ein, ständig ist von „Prophecy“ und „Choice“ die Rede. Offensichtllich wissen auch die Figuren nicht so recht, was eigentlich Sache ist und reden deshalb lieber in Rätseln. Oder sagen einfach mal nebenbei, dass Kekse Liebe brauchen, und dass Liebe aber nur ein Wort sei, genau wie Karma. Es ist zuweilen geradezu lächerlich. War im ersten Teil von „The Prophecy“ oder „The One“ die Rede, glaubte man wenigstens zu wissen, um was es geht. Jetzt kann ich nicht es nicht fassen, was die Charaktere da für Sachen sagen.

Der Großteil der Handlung spielt nicht mehr in der Matrix (das Verhältnis drohte bereits in „Reloaded“ zu kippen), sonder in der „echten“ Welt. Die Schlacht um Zion dauert viel zu lange, von bahnbrechenden Effekten kann nur noch vereinzelt gesprochen werden. Beim Anblick der riesigen Kampf-Roboter, die aus irgendwelchen Gründen nicht ferngesteuert werden, konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen. Ein Mensch spricht vor der Schlacht von der Infanterie, die dann aber später offenbar nur aus einem halben Dutzend Leuten besteht. Die zahlreichen Fahrten mit den Raumschiffen sind zu lang geraten und wenig beeindruckend, man hat das immerhin schon diverse Male gesehen.

Ein Beispiel für die Schwäche der Inszenierung: Agent Smith, der sich im zweiten Teil in die reale Welt eingeschleust hat, steht in Person von Bane Neo gegenüber. Unverständlicherweise erkennt dieser ihn nicht, obwohl Schauspieler Ian Bliss recht gekonnt spricht und gestikuliert wie Agent Smith. Während der Zuschauer längst weiss, was los ist, hat der gute Auserwählte schlicht Ladehemmung, obschon Smith ja sein einziger Feind ist (hat ihn irgendwer sonst jemals Mr. Anderson genannt?). Irgendwann schnallt er es dann doch, macht Bane kalt, verliert dabei sein Augenlicht. Das wiederum führt aber nicht dazu, dass er nun blind wäre. Er sieht nun aber „anders“. Na wunderbar.

Was „Revolutions“ ebenso abgeht wie sinnvolle Dialoge ist Spannung, denn der Film lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass Neo die Welt retten kann und wird. Neo steht am Ende ein letztes Mal in der Matrix Erzfeind Smith gegenüber, und die beiden liefern sich einen ganz ansehnlichen Zweikampf. Diese Szenen sind so ziemlich die einzigen, die noch einmal überzeugen können, die optisch herausragen und sogar ein wenig absichtliche Komik enthalten, denn irgendwas stimmt nicht mit dem gefräßigen Agenten…

Ich hatte gehofft, dass mir „Reloaded“ besser gefallen würde, nachdem ich „Revolutions“ gesehen habe. Und tatsächlich sehe ich ihn jetzt in einem positiveren Licht. Leider nicht deshalb, weil nun das Puzzle zusammen gefügt wäre und die Handlungstränge einen Sinn ergeben hätten, sondern weil dieser (hoffentlich) letzte Teil so wenig unterhaltsam und fesselnd ist, dafür aber stellenweise unfreiwillig komisch oder schlicht langweilig. „Reloaded“ ist vielleicht verwirrend, aber sicher nicht langweilig und bietet auch die sehenswerteren Action-Sequenzen. Nun, man darf gespannt sein, ob die Wachowski-Brüder, die für Drehbücher und Regie verantwortlich sind, ihr langes Schweigen brechen werden und sich zu einigen Bemerkungen zu ihrem Werk hinreißen lassen.

3/10

The Dreamers

Bernardo Bertolucci, Regisseur von „1900“ und „Little Buddha“, begibt sich mit seinem neuesten Werk zurück in das Paris des Jahres 1968. Vor dem Hintergrund wachsender Studentenproteste, Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und einer allgemeinen Aufbruchsstimmung erzählt er die Geschichte einer besonderen Freundschaft. Der junge Amerikaner Matthew (Michael Pitt) ist eigentlich zum studieren in Paris, aber viel lieber verbringt er seine Zeit im Kino. Seine Filmbegeisterung teilen auch die Zwillinge Theo (Louis Garrel) und Isabelle (Eva Green), deren Eltern gerade eine mehrwöchige Reise antreten wollen. Eingeladen von seinen neuen Freunden bezieht Matthew in der geräumigen Wohnung der Zwillinge Quartier. Die drei genießen ihre Freiheit, diskutieren über Filme, trinken Rotwein und lassen sich treiben.

Matthew, der sich vom ersten Moment an in Isabelle verliebt hat, ist von dem wilden Leben fasziniert, wenn er auch langsam feststellen muss, dass die innige Beziehung der Zwillinge auch seine Schattenseiten hat. Nachdem er ? unter den Augen ihres Bruders ? mit Isabelle geschlafen hat, sind die letzten Barrieren gefallen. Quasi abgeschottet von der Aussenwelt verleben sie ihre Tage. Die drei zelebrieren ihre Verschworenheit, müssen aber schließlich ? jeder auf seine Art – erkennen, dass sie keine gemeinsame Zukunft zu erwarten haben. Die komplizierte Dreiecksbeziehung im Zentrum von „The Dreamers“ erinnert ein wenig an Philip Kaufmans sehenswerten „Henry & June“, wobei Bertolucci in Sachen Nackheit noch um einiges weiter geht als sein Kollege. Präsentiert wird die Geschichte geradeheraus, versehen mit einem gelegentlich wiederkehrenden Off-Kommentar von Matthew.

Einen Plot im klassischen Sinne hat „The Dreamers“ nicht zu bieten, es genügen die Figuren und ihre kurze, gemeinsame Zeit. Zu den wenigen weiteren Figuren von Bedeutung zählen die Eltern der Geschwister, deren Szenen am Anfang und am Ende zu den stärksten des Films zählen. Große Bedeutung kommt auch der großen, verwinkelten Altbauwohnung zu, in der sich fast das gesamte Geschehen abspielt. Begleitet von einem herrlichen Soundtrack bringt Bertolucci hier die Sechziger Jahre auf die Leinwand. Die Studentenunruhen und das zunehmende Chaos in der Stadt, auch das Produktionsdesign, alles wirkt echt und hat nichts requisitenhaftes. Die Hauptdarsteller überzeugen ebenfalls allesamt, wobei sie auch die kniffligen, teils äußerst freizügigen Szenen meist problemlos spielen.

Die größte Stärke des Films ist jedoch die nuanciert erzählte Geschichte. Sie reflektiert Überlegungen zu Kino, Zeitgeist, Krieg und Moral ohne den Zuschauer damit zu überfordern oder überhaupt anzustrengen. Die genau portraitierte Welt der bürgerlichen Wohlstandskinder, die die Freiheit ihrer Generation genießen wollen, ist keine bloße Seligsprechung der Vergangenheit. Im Spannungsfeld zwischen Kino und wahrem Leben suchen die Figuren ihre eigenen Wege. Ihnen dabei zuzusehen ist nicht immer angenehm, doch stets interessant im besten Sinne und dabei niemals langweilig. Insbesondere für Filmfreunde ist „The Dreamers“ sicher zu empfehlen, wobei man keineswegs alle der zitierten Filme kennen muss – die Begeisterung von Matthew, Isabelle und Theo für das Kino versteht man auch so.
10/10

Underworld

Es gibt Filme, die sind einfach zu dunkel für die kleine Heimkinoanlage. „Feardotcom“ war so einer, und auch die düstere Stimmung von „Underworld“ kommt auf der großen Leinwand sicher besser zur Geltung als zuhause. Denn auf einem mittelgroßen Fernseher ist die anhaltende Dunkelheit auf dem Bildschirm auf die Dauer doch ein wenig nervig. Zwei Herzen schlagen da in des Publikums Brust. Eines, dass die atmosphärische Finsternis gerne in Kauf nimmt, denn schließlich haben wir es hier fast ausschließlich mit Vampiren und Wehrwölfen zu tun. Das andere Herz würde dann doch gerne etwas mehr sehen wollen, von all den fiesen Sachen, die sich da im Dunkeln abspielen.Im Zentrum der cineastischen Dunkelheit des Films steht die ausgesprochen hübsche Vampirin Selene (Kate Beckinsale). Irgendwann, in nicht so ferner Zukunft, in einer nicht so fernen europäischen Stadt, wird die Welt von drei Spezies bewohnt: von Vampiren, Werwölfen und Menschen – die in etwa Status und Prestige von wandelndem Hackfleisch genießen. In Übereinstimmung mit den Traditionen der Bluttlinien hat Kraven (Shane Brolly) die Führung der Vampire für einige Zeit übernommen. In die Zeit seiner Herrschaft fällt Selenes Beobachtung, daß die Werwölfe – ohne ersichtlichen Grund – menschlichen Wesen mit dem Nachnamen Corvin nachjagen. Zunächst noch ohne Wissen über die Motive der Menschenjagd stellt sie ein paar Nachforschungen an, die sie zu äußerst interessanten und folgenreichen Erkenntnissen führen.

Zu den wichtigen handelnden Personen gehören dann bald auch der totgeglaubte Werwolf Lucian, der vorzeitig von Selene erweckte weise Vampir Viktor und ein Mensch namens Michael Corvin (Scott Speedman). In dieser „Aufstellung“ bewegt sich „Underworld“ dann auf die Auflösung seines etwas verwirrenden Plots hin. Nun ist es nicht so, daß die Grundzüge der Story unverständlich wären. Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, das ein etwas gradlinigerer Erzählansatz der Geschichte gut getan hätte. Gerade am Anfang des Films wirkt doch vieles ein wenig wirr und unnötig kompliziert. Wenn etwa ein Autounfall von Selene und Corvin beinahe böse ausgeht und sich dann innerhalb eines Schnittes die Rollen von Retter und Gerettetem vertauschen, mag man sich ein wenig aufs Glatteis geführt vorkommen. Letztlich lösen sich solche Widersprüche meist wieder auf, weil sie eben nicht einfach unlogisch sind, sondern der verschachtelten Inszenierung geschuldet sind. Für Freunde des gepflegten Vampirfilms gibt es jedoch auch Positives zu berichten. So sehen die Kostüme und das Set-Design schon sehr ordentlich aus, und auch die Special-Effects sind up-to-date.

Mit Kate Beckinsale eine Frau in den Mittelpunkt eines Untoten-Spektakels zu stellen war durchaus eine mutige Entscheidung der Produzenten, die ihnen die knackige Britin dann auch mit einer soliden Darstellung dankt. Wahrscheinlich um das Risiko eines Kassenflops möglichst zu minimieren, bekam ansonsten nur eine weitere Frau eine nennenswerte Sprechrolle, alle weiteren Schlüsselpositionen der Story besetzen hier männliche Unwesen. Wer den ersten „Blade“ mochte, wird sich „Underworld“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ansehen können ohne größeren Schaden zu nehmen. Klassischer „Gothic-Look“, blutige Gefechte und allerlei unterhaltsames Vampir-Gedöns sorgen für einen insgesamt recht anständigen Film, der sich allerdings bei den meisten Betrachtern schon nach kurzer Zeit von selbst aus der Erinnerung löschen wird. Ist aber ja halb so wild.
5/10

Confidence

Es passiert nicht wirklich häufig, dass man in der Videothek einen Glückstreffer landet. Mir jedenfalls nicht. Um so schöner, dass sich James Foleys charmanter Gaunerfilm als solcher erwiesen hat. Denn gehört hatte ich von „Confidence“ noch gar nichts, und besonders überzeugt von meiner Wahl bin ich auch nicht nach Hause gegangen. Schon wieder ein Film über kleine Gauner, die einen großen Gauner beklauen und irgendein Ding drehen müssen – eigentlich ist so ein Plot inzwischen (leider) zum cineastischen Unheilsbringer verkommen. Die Besetzung hat mich wohl letztlich überzeugt, die kleine Hoffnung, dass sich die prominenten Namen nicht für totalen Mist hergegeben haben. Erzählt wird in Rückblenden, eingerahmt in ein Verhör zwischen einem unbekannten Gangster und Hauptfigur Jake, das (logischerweise) am Ende der Story steht.Edward Burns, bekannt geworden als Soldat in Spielbergs „Saving Private Ryan“, spielt den cleveren Abzocker Jake Vig. Gleich zu Beginn führt er dem Zuschauer am Beispiel von Lionel Dolby mal vor, nach welchem immergleichen Schema er zusammen mit seinem Team arglose Menschen um ihr Geld bringt. Der Plan funktioniert wie üblich, doch es gibt einen Haken an der Sache. Denn die Kohle gehört Obergangster „King“ (Dustin Hoffman), und nach kurzer Zeit kommen dessen Schergen den Jungs auf die Spur. Um schlimmeres zu verhindern trifft sich Jake mit ihm, und handelt einen Vergleich aus. Er erklärt sich bereit, für King j auszunehmen, wen immer der behumst sehen wolle. Kings Wahl fällt auf den skrupellosen Großbanker Morgan Pryce, weshalb Jake es nicht leicht hat, seinen Kumpels und Mittätern Gordo und Miles (Paul Giammatti und Brian Van Holt) die Sache schmackhaft zu machen.

Zu den Dreien gesellt sich noch Lupo, der als Kings Aufpasser fungieren soll und die schöne Taschendiebin Lily (Rachel Weisz). Außerdem spielen in dem folgenden Coup noch zwei Polizisten mit, sowie ein zwielichtiger FBI-Agent namens Gunther Butan, gespielt von einem fast nicht wieder zu erkennenden Andy Garcia. All diese Charaktere sind nicht eben glaubwürdig, wirken aber echt genug, um interessant zu sein und die vertrackte Story mit Leben zu füllen. Entscheidend für den Erfolg des Films ist nicht das WAS passiert, sondern WIE es passiert. Elegant und leichtfüßig inszeniert Foley das Geschehen, und kommt dabei niemals aus dem Tritt. Mit den Erwartungen seines Publikums spielt „Confidence? ganz selbstverständlich, und möglicherweise können besonders smarte Zuschauer den Braten schon früh riechen. Der Witz dabei ist jedoch, dass beinahe jede Szene genug Schau- und Unterhaltungswerte enthält und so niemals Langeweile aufkommen kann, die dazu verführen könnte, über alles mal ganz genau nachzudenken. Dieses Lob gebührt sicher auch dem Drehbuchautoren, Doug Jung.

Gemessen an dem, was an doppelten Böden und Falltüren in Hollywood zur Zeit zu finden ist, nimmt sich „Confidence“ gar ein wenig altmodisch aus. In einem Gaunerstück wie diesem dürfen ein paar Kniffe und Überraschungen nicht fehlen, aber zum Glück übertreibt man es nicht. Die Erzählstruktur erinnert an alte Noir-Klassiker wie „Out of the Past?, aber Zitate oder Anspielungen gibts es nur wenige. Insgesamt ergibt das keinen wirklich außergewöhnlichen Film, wie etwa jüngst Neil Jordans „The Good Thief“ oder Stephen Frears „Grifters“, aber der Film erreicht mit bescheidenen Mitteln, woran zahlreiche Großproduktionen (siehe S.W.A.T.) scheitern – er unterhält und amüsiert sein Publikum über die gesamte und angemessene Laufzeit von 92 Min.. Deswegen muss man den Film sicher nicht gesehen haben, aber man macht bestimmt auch nichts falsch damit.
7/10

S.W.A.T. – Die Spezialeinheit

Ich weiß nicht, ob irgendjemand die alte Fernsehserie „SWAT“ (noch) kennt, mir zumindest ist sie komplett unbekannt. Macht aber nix, denn soweit es Story und Charaktere betrifft, ist garantiert kein Vorwissen nötig um den Film zu kapieren. Es geht dabei um gute und schlechte Cops, Gangster und die üblichen Actionfilm-Beilagen. Der ehrgeizige junge Jim Street, gespielt von Colin Farrell („Nicht auflegen!“), ist bei der Special Weapons and Tactics Truppe SWAT unter Druck geraten, weil sein leichtsiniger Partner Gamble mal wieder übers Ziel hinausgeschossen ist. Gamble verlässt den Laden im Streit mit seinem Ex-Partner, der schiebt gefrustet Dienst in der Waffenkammer.Auftritt Sgt. Hondo, ein von Samuel L. Jackson verkörpertes SWAT-Urgestein. Er soll ein neues Team zusammenstellen, dass auch die kniffligsten Aufgaben zu lösen weiß. Es vergeht schon eine Stunde Film, bis das Team versammelt ist und seinen letzten Test erfolgreich abschließen kann. Die Mannschaft besteht aus Vorzeige-Cop T.J. (Josh Charles, bekannt geworden als Knox Overstreet in „Club der toten Dichter), dem South Central-Tough Guy Deke (LL Cool J), der smarten Latina Chris (Michelle Rodriguez), dem handfesten Pornobalkenträger „Boxer“ (Brian Van Holt) und natürlich Street. Lange Zeit plätscherte das Geschehen nun bereits so vor sich hin, mit ein paar markigen Sprüche hier und ein paar Trainingseinheiten da.

Die eigentliche Story kommt erst spät ins Spiel, wenn Drogenbaron Alex (Oliver Martinez) im Fernsehen eine Belohnung von 100 Mio. Dollar (ca. 83,45 Mio. Euro, hihi) für denjenigen gelobt, der ihn aus der Obhut des SWAT-Teams befreien kann. Kein schlechter Preis für einen Tag Arbeit, und so haben unsere frisch etablierten Helden ein Menge zu tun, als sie Alex sicher in ein Hichsicherheitsgefängnis eskortieren wollen. Ihre Gegenspieler (wer mag das wohl sein?!) machen ihnen ordentlich Feuer unter dem Hintern, aber dazu sind sie ja schließlich ausgebildet.

Charakterzeichnung ist ganz sicher keine Stärke des Films, was umso schwerer wiegt als dass er auch im Kernkompetenzbereich Action nur sehr wenig zu bieten hat. Street und seine Kollegen sind ganz nette Kerle, aber kaum in der Lage den Film zu tragen. Schade eigentlich, denn die Story schafft das auch nicht. Konsequenz: Langeweile. Es gibt Verfolgungsjagden und Schießereien, nur leider keine bemerkenswerten. Ein bißchen ist es, als nähme sich der Film, trotz einiger Gags, am Ende ein wenig zu ernst mit seinem Teamgeist und Elite-Gerede. Wie so viele Actionfilme der letzten Jahre vermeidet es „SWAT“ dazu auch noch konsequent, so etwas wie Spannung aufzubauen. Stattdessen bekommt man mehrere Male vorgeführt, warum die Truppe denn nun so gut ist, warum Street so ein toller Hecht ist und derlei abgestandenes Gewäsch. Das alles wirkt nicht etwa lächerlich wie in Jacksons großer Nullnummer „Shaft“, es ist einfach uninspiriert und schablonenhaft dargeboten.

Im Gegensatz zu „Bad Boys 2“, der mir mit seiner grauenhaft überdrehten und hektisch inszenierten Over-the-Top-Action massiv auf die Ketten ging, lullt einen „SWAT“ in die Hülle eines aufregenden Reißers ein, ohne sie irgendwann einmal auszufüllen. Ich glaube es war Bruce Willis, der die typischen Actionfilme der letzten Jahre mal als sinnlos und überholt bezeichnet hat. Was diesen angeht hat er damit recht behalten. Selbst mit der guten Besetzung und einem ansehnlichen Budget von 80 Mio. Dollar fällt den Machern nichts ein, was andere Filme nicht schon besser gemacht hätten. Dass sie damit finanziell keinen Schiffbruch erleiden liegt vielleicht daran, dass die Prämisse eines teuren Actionfilms über Cops in L.A. immer noch die Strahlkraft aus den Zeit von „Stirb Langsam“ und „Last Boy Scout“ hat und der Trailer tatsächlich ein wenig Adrenalin zu versprechen schien. Anders ist der nicht geringe Erfolg dieser Mogelpackung nicht zu erklären. Was bleibt, ist ideenloses Mainstream-Kino, dessen Schauspieler durchaus ein besseres Script verdient hätten. Zum Beispiel eins, in dem was von Interesse passiert.

4/10

FeardotCom

Alle Jahre wieder wage ich mich an einen Film aus der Horrorecke, mit wechselndem Erfolg. Der japanische „Ring“ hat mir ganz gut gefallen, und irgendwie scheint „FeardotCom“ diesem und seinem US-Remake seine Existenz zu Schulden. War es in „Ring“ ein Video, was den Tod mit sich brachte, ist es nun eine Website, deren Besucher binnen 48 Stunden ins Gras beißen müssen. In den Hauptrollen ermitteln Detective Reilly (Stephen Dorff) und Terry Huston (Natasha) McElhone in einigen rätselhaften Todesfällen. Die Website wird bald als gemeinsamer Link der Opfer identifiziert, und so klinkt sich auch Reilly dort mal ein.Der Deal der Seite, soweit ich das zu vorgerückter Stunde mitbekommen habe, ist, das jeder Besucher an seinen schlimmsten Alpträumen stirbt. Außerdem foltert der Oberbösewicht vor laufender Webcam eines seiner Opfer. Nun ist also auch Reilly auf dem besten Weg ins Jenseits, was seine Partnerin verzweifelt verhindern will.

„FeardotCom“ ist der vielleicht düsterste Film, den ich je gesehen habe. David Finchers „Seven“ ist gegen diesen Streifen mit Flutlicht ausgeleuchtet. In dunklen Kellern, U-Bahnschächten und in der Nacht entfaltet sich die Handlung, natürliches Licht ist ebenso Mangelware wie Glühbirnen über 30 Watt. Der düstere Look steht dem Geschehen ganz gut, leider steht dem Look das Geschehen nicht. Die Story wird kompliziert und verzerrt vor dem Zuschauer ausgebreitet, dazu kommen die Charaktere alle ein wenig hohl rüber, was für die schlecht bis gar nicht entwickelte Love-Story nicht eben förderlich ist.

Wer die unselige Seite nun gestartet und programmiert hat, oder auch warum, das weiß ich nicht. Entweder ich hab es nicht verstanden oder der Film lässt es offen. Letzteres erscheint durchaus möglich, denn „FeardotCom“ ist eindeutig dem sichtbaren Grauen mehr verpflichtet als der psychologischen Seite. Meine Aufmerksamkeit ist allerdings gegen Ende doch sehr hart gesunken, gut möglich das ich die alles erklärenden Dialogfetzen überhört habe. Wie auch immer, der Film ist nicht zu empfehlen . Irgendwie haben das Internet und die neuen Kommunikationsmedien bislang eher für schlechte als für gute Filme getaugt, siehe „Start-Up“ oder „Das Netz“. Nun also auch „FeardotCom“, meine persönliche Ausrede dafür, die nächsten paar Wochen das Horrorregal in der Videothek wieder geschickt zu umschiffen.

2/5

The Truth About Charlie

Eine hübsche junge Witwe kommt in den Besitz von Millionen von Dollar. Ihr toter Exmann (jener namensgebende Charlie) war nicht nur Kunsthändler, sondern wie sich herausstellt auch Elitesoldat. Jetzt ist seine damalige Einheit hinter der Kohle her, dazu die CIA und ein symphatischer Unbekannter. So ungefähr liest sich der Klappentest dieser Verleih-DVD. Achso, der Film spielt in Paris, Regie führt Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) und die Hauptdarsteller sind Mark Wahlberg, Tim Robbins und Thandie Newton („M:I2“). Verglichen mit dem, was sonst noch in den Regalen von „Berolina Multimedia“ stand, hörte sich das nach einem anständigen Deal an.Und als solchen würde ich den Film auch bezeichnen. Das Leben der jungen Witwe Regina steht Kopf, als sie eines Tages aus dem Urlaub zurückkehrt und ihre Wohnung komplett leergeräumt vorfindet, hinzu kommen die oben genannten Enthüllungen, mit denen sie bald konfrontiert wird. In schönen Bildern aus der schönen französischen Hauptstadt schildert Demme sein Verwirrspiel, in dem viele undurchsichtige Personen mit noch undurchsichtigeren Motiven hinter 6 Mio. Dollar her sind, von denen die arme Regina gar nicht weiß, wo sie denn eigentlich sind.

Der Film ist ein Remake von „Charade“, von dem ich Folgendes berichten kann: Gedreht 1963, mit Cary Grant und Audrey Hepburn in den Hauptrollen. Die Story wurde sicher aktualisiert, aber wen kümmerts, solange man das Original nicht gesehen hat (Hat irgendwer?). Ein Plot wie dieser kann von mittelmäßigen Filmschaffenden leicht in den Sand gesetzt werden. Dass Demme dies vermeiden konnte ist wenig überraschend, der Mann ist schließlich vom Fach. Die Besetzung spielt dabei eine wichtige Rolle, ebenso die gekonnte Vermischung von Spannung und Leichtigkeit, die den Film unterhaltsam macht. Auch zeigt sich hier mal wieder, dass ein gelungener Thriller nicht von einer Schießerei in die nächste hetzen muss, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Es geht zum Glück auch anders.

Große Filmkunst bietet „The Truth About Charlie“ nicht, dafür gelungene und stilvolle Unterhaltung, eine Hauptdarstellerin, für die man das Wort „süß“ dringend erfinden müsste, wenn es das nicht schon längst gäbe. Tim Robbins spielt eine kleine, aber feine Rolle. Als Nebendarsteller ist der Mann zur Zeit echt ein Hit, siehe auch und vor allem seine Steven Seagal-Persiflage in „High Fidelity“. Als Hauptdarsteller hat er wohl gerade eine Schwäche bei der Filmauswahl (siehe, oder besser siehe AUF KEINEN FALL „Start-Up“). Gute Mischung also, und gut angelegte 2 Euro für alle Freunde des gepflegten Thriller-Potpourris.

7/10

Basic

Unter der Regie von John McTiernan hat sich in „Basic“ eine namhafte Schar von Schauspieler zusammengetan: John Travolta, Samuel L. Jackson, Giovanni Ribisi und Connie Nielsen sind die bekanntesten Namen. Schauplatz der Geschichte ist eine Militärbasis in Panama. Von einer Übung im Dschungel kehren nur zwei von sieben Soldaten zurück, unter den Vermissten ist der als brutale Schleifer bekannte West (Jackson). Ermittlerin Osborne (Nielsen) kann den Soldaten Kendall und Dunbar nichts Brauchbares über den Verbleib der übrigen Truppe entlocken, weshalb der Kommandant des Stützpunktes den Ex-Ranger Hardy (Travolta) zuhilfe holt.Hardy erzielt sofort Fortschritte, doch was die Soldaten erzählen deckt sich nur in einem Punkt – die anderen sind alle tot. Der verletzte Kendall, Sohn eines Generals, beschuldigt Dunbar, der ihn aus dem Dschungel gerettet hat, die anderen erschossen zu haben. Dunbar bestreitet alles und erzählt seine Version der Geschichte, in der unter anderem von Drogen die Rede ist. Immer neue Enthüllungen führen zu immer neuen Rätseln, die Hardy und Osborne beschäftigen, von einer geheimen Organisation von ehemaligen Absolventen ist auch noch die Rede. Die Ermittler gehen jeder Spur nach.

Der Dauerregen, der wie ein Schleier über dem Geschehen liegt, ist ebenso von Kurosawas Klassiker „Rashomon“ übernommen wie die wiederholten Darstellungen des Tathergangs aus verschiedenen Perspektiven. Zudem liefert „Basic“ noch einige Rückblenden, in denen die Charaktere ein wenig Farbe gewinnen sollen. Jackson bietet in seiner Rolle eine solide Variante des Army-Schleifers, Travolta wiederholt bis zu einem gewissen Zeitpunkt seine Darstellung aus „Wehrlos – Die Tochter des Generals“, Nielsen kann mit ihrer Rolle nicht viel anfangen, zu sehr ist sie als Mitläuferin angelegt, als Quotenfrau gewissermaßen.

So ist die größte Schwäche des Films eindeutig das Drehbuch; nach einer knappen Stunde beginnt das Enthüllungsgewitter schlicht, den Zuschauer zu langweilen. Trotzdem geht es noch eine Weile so weiter, bis schließlich die ganz große Wendung unweigerlich alles auf dem Kopf stellt. Geradezu erbärmlich nimmt die Story eine Ausfahrt, die einen – im negativen Sinne – fassungslos dasitzen läßt. McTiernan hat den Film ein recht ordentliches Äußeres gegeben, doch der Inhalt ist der pure Hohn.

Ich will das sich ausbreitende Phänomen dieser einen „letzten großen Wendung“ zum Ende gar nicht ausschließlich negativ bewerten, schließlich hat sowas in „Die übligen Verdächtigen“ oder „Femme Fatale“ auch schon wunderbar funktionieren können. Hier aber steht das Ergebnis der Überraschung am Schluß in keinem Verhältnis zu dem, was man sich 90 Minuten lang ansehen muss. Denn anstatt zum Verständnis der Handlung beizutragen, wird man hier nur an der Nase herumgeführt – von einem Drehbuchautor, der sich bestimmt für mächtig clever hält. Die Produzenten waren übrigens so clever, im Trailer mit ihrem beknackten „Osterei“ hausieren zu gehen – wer den gesehen hat, der kann sich „Basic“ also gleich sparen. Das gilt aber auch für alle anderen.

3/10

Irreversible

Beim Betrachten von „Irreversible“ drängt sich mir der Vergleich mit zwei der besten Filme der letzten Jahre auf: Christopher Nolans „Memento“ und Darren Aronofskys „Requiem for a Dream“. Vom Ersteren entleiht sich Gaspar Noès Film die rückwärtsgewandte Erzählstruktur, und so beginnt er mit dem chronologischen Ende, einem blutigen Racheakt, verübt von Marcus (Vincent Cassel) und Pierre (Albert Dupontel) an einem Zuhälter namens „La Tenia“. Schauplatz dieses finsteren Geschehens ist ein zwielichtiger Schwulenclub namens „Rectum“. Die nächste Szene zeigt Marcus und Pierre auf der Suche nach La Tenia, die Ereignisse laufen dann weiter zurück bis zu jener Tat, die die beiden zu ihren Gewaltätigkeiten getrieben hat.In einer einzigen, scheinbar unendlich langen Kameraeinstellung zeigt Noè die überaus brutale Vergewaltigung von Alex (Monica Belucci) durch einen Zuhälter. Auch weil die Szene überzeugend gespielt ist, sind die grausamen Bilder nur schwer zu ertragen. Die schonungslose Intensität errinert dabei an „Requiem for a Dream“, der zwar chronologisch, aber ähnlich drastisch seine düstere Geschichte erzählt. Dass „Irreversible“ überhaupt auszuhalten ist liegt vor allem daran, dass die Erzählung nicht nur das Geschehen zwischen Tat und Rache schildert, sondern noch weiter zurückblickt. So erfährt der Zuschauer, dass Marcus, Pierre und Alex eine Party besucht haben, dass sie gelacht, getrunken, getanzt und sich auch gestritten haben. Zuvor sind sie gemeinsam mit der Metro zur Feier gefahren, und am Ende des Films (und damit am chronologischen Anfang) zeigt der Film, wie Marcus und Alex friedlich im Bett liegen, zwei Verliebte, deren Nacktheit die Unschuld symbolisiert, die sie später verlieren werden.

Zunächst kamen mir die Szenen auf der Party und auch davor ein wenig überflüssig vor, schließlich weiss man, was passieren wird. Doch die Szenen haben eine wichtige Funktion – sie ermöglichen es dem Film auf einer positiven Note zu enden. Man lernt die drei Hauptdarsteller noch einmal neu kennen, nicht als Täter und Opfer, sondern als normale Menschen. Anders als „Requiem for a Dream“ fährt „Irreversible“ deshalb den Zuschauer nicht am Ende gemeinsam mit seinen Figuren brutal gegen die Wand. Trotzdem bleibt der Film schwer verdauliche Kost. Schon auf dem Fernsehschirm – ich habe ihn bei Incredibly Strange Video auf Dvd leihen können – entfalten die Bilder eine große Wirkung, die ich auf der Kinoleinwand nicht (noch) einmal erleben möchte. Kinovergnügen ist „Irreversible? ganz sicher nicht. Doch lohnt sich Noès Film für jeden, der bereit und gewillt ist sich ihm auszusetzen. Somit haben „Requiem…“ und dieser Streifen eine weitere Gemeinsamkeit – beide sind gelungene Werke, die ich kein zweites mal sehen möchte.
7/10

Tricks

Vorbei sind sind offenbar die Zeiten, in denen uns Nicolas Cage mit ätzenden Action-Streifen „verwöhnt“ hat, denn in letzter Zeit ist der Mann wieder häufiger in anspruchsvolleren Filmen zu sehen. Für seine Doppelrolle in „Adaption“ heimste er völlig zurecht eine Oscar-Nominierung ein, und auch der Film als Ganzes wusste sehr zu überzeugen. Nun spielt Cage unter der Regie des eher für High-Budget-Filme bekannten Ridley Scott („Gladiator“, „Hannibal“).Roy Waller (Cage) ist ein von zahlreichen Neurosen und Spleens geplagter Mensch. Jede Tür öffnet er drei Mal, bevor er hindurch geht, seine Wohnung ist klinisch sauber und der Anblick von Schmutz auf seinem Teppich fügt ihm körperliche Schmerzen zu. Zusammen mit seinem Partner Frank (Sam Rockwell) geht Roy seinem Geschäft nach, der Trickbetrügerei. Auf intelligente Weise nehmen die Beiden ihre Opfer aus, indem sie ihnen Gewinne versprechen oder Steuerfreiheit, geben sich als Steuerfahnder oder Banker aus und machen dabei einen ordentlichen Schnitt.

Die Szenerie ändert sich, als Roy seine Medizin verliert und einen neuen Arzt aufsuchen muß. Dieser kommt schnell dahinter, daß Roy eine Tochter aus seiner geschiedenen Ehe haben könnte und hält es für eine gute Idee, die beiden zusammen zu bringen. Roy muß sich mit Angela (Alison Lohman) auseinandersetzen und über seinen Schatten springen, was ihm auch einigermaßen gelingt. Trotz seiner unzähligen Macken schafft er es, sowas wie ein Vater für die Kleine zu sein. Die hat allerdings schnell gemerkt, daß ihr „neuer“ Daddy keineswegs Antiquitätenhändler ist, wie er zunächst erzählt hat, und möchte unbedingt ein paar „Tricks“ von ihm lernen.

Nicolas Cage bringt mit Roy einen lustigen und überzeugenden Neurotiker auf die Leinwand. Es ist große Unterhaltung, ihm dabei zuzusehen, wie er aus seiner spießigen Routine gerissen wird, wie er mit sich kämpfen muss, sich langsam verändert. Auch Youngster Alison Lohmann spielt sehr ordentlich, ihre Angela ist liebenswert und intelligent, aber nicht eben eine Musterschülerin. Sam Rockwells Rolle des Frank ist als krasses Gegenteil von Roy angelegt, Frank ist spontan und ohne Tischmanieren, und stärker als Roy an mehr Profit interessiert.

„Tricks“ vermischt mehrere Genres (Krimi/Drama/Komödie/Morality Play), und tut dies äußerst geschickt. Allerdings wirkt der Film aufgrund dieser Tatsache manchmal nicht ganz stimmig, was jedoch nur unwesentlich stört. Wie bei fast jedem Film heutzutage bewegt sich der Plot auf eine große Wendung zu, die man vielleicht gar frühzeitig erraten könnte. Ich gestehe, die ersten 80 Minuten etwas mehr genossen zu haben als den Rest. Trotzdem wird „Matchstick Men“(Originaltitel) als Verleih-DVD noch einmal den Weg in meinen Player antreten, nicht auszuschließen, dass es beim zweiten Ansehen Neues zu entdecken gibt. Und wenn nicht, ist immer noch ein guter und zuweilen äußerst komischer Film zu sehen.
8/10

Seabiscuit

Die Oscar-Verleihung steht vor der Tür, am 29.02. ist es soweit. Zu den Nominierten in der Kategorie „Bester Film? gehört auch „Seabiscuit“, der vor ein paar Tagen hier auf DVD veröffentlich wurde. Grund genug, um sich mal ein Bild zu machen, und so stand der Film denn auch beim letzten Videoabend auf dem Programm. Und der erste Gedanke, der jedem im Raum sofort kam, war „Marlboro-Werbung!“. Kein Wunder eigentlich, angesichts des Themas. Erzählt wird die wahre Geschichte dreier Männer und eines Pferdes, Schauplatz ist der Westen der USA in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Story beginnt mit dem Erfolg des Unternehmers Charles Howard (Jeff Bridges), der zu großem Reichtum kommt. Ebenfalls auf einem guten Weg scheint der junge Red zu sein, seine in bescheidenem Wohlstand lebenden Eltern haben ihm gerade ein Pferd gekauft, weil er ein hervorragender Reiter ist. Dritter im Bunde ist der Pferde-Trainer und Ex-Cowboy Tom Smith (Chris Cooper), wie es scheint ein Mann der Vergangenheit, der mit der von Autos und Industrie geprägten Gegenwart nicht viel anfangen kann.

Es ist die große Wirtschaftskrise der späten 20er Jahre, die für Bewegung sorgt im Leben der Figuren. Reds Eltern geben ihren geliebten Spross bei einem Rennbahnbesitzer zur Obhut, um ihm ihr Elend und sich selbst seine Unterhaltskosten zu sparen. Der durch den Boom reich gewordene Howard verliert seinen einzigen Sohn durch einen Unfall, weil er sorglos mit der neuen Technik umgegangen ist, und auch seine Frau verlässt ihn. In Mexiko sucht er Entspannung und Vergessen, und dort begint seine Beschäftigung mit dem Pferderennsport. Den Rest dieser nicht ganz kurzen Geschichte lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Howard (inzwischen wieder neu verheiratet) trifft Smith, der Seabiscuit entdeckt, beide finden Red (mittlerweile gespielt von Tobey McGuire), der mit dem wilden Pferd perfekt umgehen kann. Das Team gewinnt Rennen, doch die große Anerkennung wird ihm versagt bleiben bis sie das im ganzen Land berühmte Rennpferd „War Admiral“ besiegen können. Leider geraten Pferd und Reiter in eine schwere Krise, doch beide geben nicht so schnell auf…

Die Probleme, die ich mit „Seabiscuit“ hatte, sind zahlreich. Der Film ist mit knapp zweieinhalb Stunden zu lang, die Story ist nicht spannend, und da ich kein Fan des Pferdesports bin, sind mir die ausführlichen Szenen auf der Rennbahn auch eher ein Dorn im Auge gewesen. Es ist nicht so, dass der Film einfach schlecht wäre – die teure und überzeugende Ausstattung ist beeindruckend und die Schauspieler bieten keinen Grund zur Beschwerde. Doch für einen Nicht-Amerikaner ist die in den USA so berühmte und beliebte Erfolgsgeschichte des zu kleinen Pferdes mit dem zu großen Jockey, so gut sie auch erzählt sein mag, nicht von besonderem Interesse. Doch ausser dieser Geschichte bietet der Film wenig Gelegenheiten, ihn zu mögen. Weder die Bilder noch die Dialoge bieten irgendwas Neues, die Figuren sind weder uninteressant noch sonderlich faszinierend. Die Geschichte von Außenseitern, die große Erfolge feiern, ist hinreichend bekannt und wird hier ohne irgendeinen besonderen Charme erzählt, zumindest keinem, der sich mir erschlossen hätte.

Wer also „nur“ an Filmen interessiert ist, nicht jedoch am Pferdesport oder an genau dieser Geschichte, der ist wohl besser beraten, „Seabiscuit“ zu meiden. Anders als bei „The Legend of Bagger Vance“, der sich mit einer ähnlichen Geschichte – hier gehts um Golf – in der gleichen Ära beschäftigt, ist der Funke bei mir nie übergesprungen. Obwohl mir vorher nur klar war, dass es sich um die Erfolgsgeschichte eines Pferdes in den Dreißiger Jahren handeln würde, war ich bereits nach einer halben Stunde bedient, hatte genug Pferde und Rennen und Verlierer gesehen, genug für eine lange, lange Zeit. Man stelle sich einfach vor, was ein US-amerikanischer Baseball-Fan dem „Wunder von Bern“ abgewinnen könnte. Nicht viel, schätze ich.
4/10

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