Die Hochzeitscrasher (DVD)

Ich habe es ja nach all den Enttäuschungen des letzten Jahres nicht mehr für möglich gehalten. Nach den ganzen belang- und witzlosen Komödien aus Hollywood, man denke an „Be Cool“ oder „Meet the Fockers“, kommen mit den „Wedding Crashers“ tatsächlich mal wieder ein paar richtige Lacher über den großen Teich. Den größten Anteil am Erfolg dieses Projekts haben eindeutig Vince Vaughn und Owen Wilson, die sich im Laufe des Films immer wieder über- und unterbieten in Sachen Slapstick, Humor unter der Gürtellinie und sonstigen komischen Einlagen.Die beiden spielen Anwälte aus Washington, DC, deren liebstes Hobby darin besteht, auf fremden Hochzeiten mächtig abzufeiern, um dann mit schönen Frauen die Nacht ausklingen zu lassen. Um mehr als das geht es in den ersten zwanzig Minuten des Filmes überhaupt nicht, trotzdem stellt sich mit dem flott zusammen geschnittenen Material sofort gute Laune ein. Dann geht es ans Eingemachte: Gesellschaftlicher Höhepunkt ist die Hochzeit einer Tochter des Finanzministers Cleary, und die können John und Jeremy unmöglich verpassen. Als entfernte Verwandte machen sie das rauschende Fest unsicher, am Ende sind sie beide hinter den schönen Schwestern der Braut her.

Jeremy (Vaughn) hat schnell mehr Erfolg, als ihm lieb ist, John (Wilson) hingegen hat eine harte Nuss erwischt. Claire Cleary (Rachel McAdams) hat nämlich ihren Verlobten dabei, was John nicht daran hindert sein Glück zu probieren. Bevor sie sich versehen gehen die Schürzenjäger mit einem großen Teil der Familie auf einen Wochenendausflug, wo die Verwicklungen rasant zunehmen und immer haarsträubender werden. An dieser Stelle hätte der Film leicht langweilig und uninspiriert werden können. Zum Glück jedoch gibt es noch einiges zu lachen. Christopher Walken spielt gekonnt zurückhaltend das Familienoberhaupt, dessen bekloppte Frau ebenso für Lacher sorgt wie die grantige Oma, die ihren Enkel beim Abendessen als „Homo“ bezeichnet. Das Ganze ist nicht unbedingt niveauvoll, aber eben komisch. Fremdschämen ist ebenso angesagt wie gelegentliches Kopfschütteln.

Mit zwei Stunden Laufzeit gibt es die volle Dröhnung der Story, die auch ihre romantischen Fäden geschickt beisammen hält. Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen wunderbar, das Drehbuch variiert geschickt das Unausweichliche, ohne dabei zu sehr auf lahmen Running-Gags herum zu reiten. Wenn zum Ende auch noch Will Ferrell einen Gastauftritt als Urvater aller Hochzeitscrasher absolviert ist das Maß schon fast voll, am Gelingen des Films ändert das aber nichts mehr. Der Film ist kein zweiter Lebowski, aber er holt doch das Maximum aus seiner Story heraus. Owen Wilson erreicht dabei das Level von Zoolander, dass ich Vince Vaughn schon einmal derart lustig gefunden hätte wüsste ich so nicht. Obwohl?, hat irgendwer mal „Swingers“ gesehen?

7/10

An Deiner Schulter

Manchmal fragt man sich doch, was in den Köpfen jener Menschen vorgeht, die für die deutschen Übersetzungen von Filmtiteln verantwortlich sind. „In Good Company“ wurde hier mit dem langweiligen Titel „Reine Chefsache“ rausgebracht, „Rumor Has It“ bekam den etwas sülzigen Titel „Wo die Liebe Hinfällt“, und nun übersetzt sich „The Upside of Anger“ mit „An Deiner Schulter“. Why is it? Nun denn, man sollte sich davon nicht abschrecken lassen, der Film ist keine Standard-Romanze sondern hat einiges mehr zu bieten. Ein bißchen erninnert das Geschehen an „American Beauty“, wenn es auch nicht ganz dessen Klasse besitzt.Joan Allen spielt Terry Ann Wolfmeyer, Mutter von vier Töchtern und wohnhaft in einem noblen Vorort von Detroit. Ihr Ehemann hat sie gerade verlassen, wie man munkelt ist er mit seiner schwedischen Sekretärin durchgebrannt. Terry frönt zunächst kräftig dem Alkohol, während sie probiert ihr neues Leben allein mit ihren Töchtern, irgendwie auf die Reihe zu kriegen. Sie ist tief verletzt und wütend, gleichzeitig gewillt sich nicht unterkriegen zu lassen. In ihrem Nachbarn Denny Davies, einem ehemaligen Baseball-Star, gespielt von Kevin Costner, findet sie bald einen Trinkgenossen, der sich offensichtlich für das Leben im Hause Wolfmeyer interessiert. Zum Mißfallen von Terry verschafft er der ältesten noch zuhause lebenden Tochter Andrea (Erika Christensen) einen Job beim Radio, wo er täglich eine kurze Show moderiert.

Auch ansonsten ist einiges los in der schönen Vorstadt. Tochter Emily (Keri Russell) leidet unter Essstörungen, die augenscheinlich mit ihrem dringenden Wunsch, Balletttänzerin zu werden, zu tun haben. Nesthäkchen Popeye (Evan Rachel Wood) sucht sich als erste Liebe ausgerechnet einen hübschen Kerl aus, der sich für schwul hält. Und auch die sich anbahnende Romanze mit dem routiniert vor sich hin vegetierenden Denny kommt nur schleppend in Gang. Dominiert wird das Familienleben und auch der ganze Film jedoch von Terry selbst. Mit ihr auszukommen ist nicht ganz einfach, denn nach außen hin ist sie ein ziemlicher Besen. Mitunter gänzlich taktlos und grob, von Zweifeln und Unwissenheit gequält und dabei in einem permanten Alkoholrausch zwischen leicht angetrunken und rabenvoll, versucht sie mit dem großen Rückschlag fertig zu werden. Joan Allen ist dabei sehr überzeugend, hin und wieder schon an der Grenze zum Overacting. Auch Kevin Costner hat viel Spaß an seiner Rolle. Auf seine alten Tage entwickelt er sich noch zum sympathischen Nice Guy, der eine Figur wie Denny Davies lässig und glaubwürdig verkörpern kann.

Die Charaktere haben alle Ecken und Kanten, und „The Upside of Anger“ führt den Zuschauer stilsicher und kurzweilig durch das Auf und Ab der chaotischen Familie. Amerikanische Vorstadt-Dramen sind wahrlich keine Seltenheit und können einem auch gerne mal langweilig werden. Nicht so in diesem Film, der mit seinem gelungenen Drehbuch und seinen starken Darstellern weitgehend überzeugen kann. Ob man sich für verlassene Ehefrauen, Sorgen und Nöten von amerikanischen Teenies und versoffene Ex-Baseballspieler interessiert, sollte man natürlich vorher mit sich abgemacht haben. Einzig das Ende geht völlig in die Hose, weil es die innere Logik komplett vernichtet und dem Geschehen sozusagen im Nachfassen die Beine wegzieht. Das hätte wahrlich nicht sein müssen.

7/10

Demnächt wieder mit Bewertung

Moinsen,

groß war das Echo zwar nicht, aber es scheint Euch mehrheitlich besser zu sein, wenn zu ner Rezension auch ne Punktwertung gehört. Demnächst also am Start, nach imdb.com-Manier sind 10 Punkte das Maximum, ein Punkt ist der ultimative Abpfiff. Siehe etwa Seagals The Patriot, wenn er mal wieder auf RTL 2 läuft.

Ich ab, viel Sass dabei!

Hotel Ruanda You`re not even a nigger, you`re an African

Es gibt da so Filme, da kommt man mit den üblichen Kategorisierungen und Beschreibungen nicht wirklich weiter. Ob Komödien lustig, Thriller spannend und Dramen glaubwürdig sind ? die Genres geben nicht nur einen Handlungsrahmen, sondern auch eine bestimmte Erwartungshaltung vor. Etwas anders liegt der Fall bei ?Hotel Ruanda?, der sich mit dem verheerenden Genozid in Ruanda vor gut zehn Jahren befasst. Wer von Euch etwas über diesen Film gehört hat, der ahnt vielleicht bereits, dass hier ein Musterbeispiel für so genannte ?schwere Kost? am Start ist. Und ja, sicher ist der Film kein Kinovergnügen, er lässt kein Abschalten zu. Kinos, die den Film zeigen, könnten Sitze ohne Sessel anbieten, denn so richtig zurücklehnen mag man sich beim Betrachten sowieso nicht.

Die Erwartungen des Publikums sind, sofern rudimentäres Vorwissen da ist, `grausam`. Schließlich geht es um eine üble Katastrophe, schlimmer noch, um Massenmord, der hätte verhindert werden können. Der Inhalt im Schnelldurchlauf: Nach einem Friedensvertrag mit Tutsi-Rebellen kommt der Präsident bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die durch Regierung und öffentliche Meinung angeheizten Massen von Hutus (vor allem Milizen und Militär) gehen innerhalb kurzer Zeit an ihr grausames Werk, die Minorität der Tutsis (von den ehemaligen Kolonialherren bevorzugt) auszurotten. Hotelmanager Paul (Don Cheadle), ein mit einer Tutsi verheirateter Hutu, kann seine Familie grade noch ins Hotel Milles Collines retten. Schon bald kommen weitere Flüchtlinge, die bei ihm Unterschlupf suchen und finden. Mit Schmiergeldern und Günstlingswirtschaft hält Paul den Laden am Laufen. Doch als klar wird, dass die Internationale Gemeinschaft (sprich UNO, NATO oder sonst irgendjemand) keine Friedenstruppen schicken werden, der Genozid weiter betrieben wird und ihm die Schmiergelder ausgehen, wird die Luft für die Flüchtlinge im Hotel Ruanda dünn.

Selten ist ein Stück Politik/Neuere Geschichte so überzeugend auf die Leinwand gebracht worden. Der an ?Schindlers Liste? erinnernde Kunstgriff eine ? einigermaßen ? optimistische Geschichte vor dem Hintergrund eines Völkermords zu erzählen funktioniert aus mehreren Gründen. Erstens ist das Grauen gerade noch erträglich, was Regisseur Terry George einem zumutet, zweitens ist die Geschichte wahr und belegt, drittens greift der – siehe Schindlers Liste – Vorwurf nicht, unermessliches Leid mit magersüchtigen Statisten aufgewogen zu haben. Die von berauschten Killern verübten Morde mit Macheten und anderen primitiven Waffen lassen sich darstellen, ohne Hinterbliebene zu verärgern. Dabei hält der Film die Balance, den Schrecken deutlich sichtbar zu machen, dabei aber den Magen des Zuschauers und die wirklich interessante Geschichte um die ?Gäste? des Hotels nicht aus den Augen zu verlieren.

Don Cheadle, bekannt etwa aus ?Boogie Nights? und Soderberghs ?Ocean?-Filmen, führt eine großartige Darstellerriege an, von denen die allermeisten hierzulande unbekannt sind. Mit Joaquin Phoenix, Nick Nolte und Jean Reno sind lediglich die Nebenrollen für Weiße mit prominenten Namen besetzt. Trotz des politisch brisanten Hintergrunds ist es gelungen, ein zutiefst menschliches Drama zu erzählen. Der Kontrast gegenüber schäbigen Gutmenschen-Schmonzetten wie ?Jenseits aller Grenzen? könnte nicht größer sein. Wenn irgendein Film der letzten Monate das veraltete Prädikat ?besonders wertvoll? verdient, dann ist es ?Hotel Ruanda?. Fesselndes, empörendes und überzeugendes Kino für alle, die sich zwei Stunden Zeit nehmen mögen, in eine erschreckend aktuelle Vergangenheit einzutauchen. Einziger Wehmutstropfen: auch ein international erfolgreicher Film wie dieser kann weitere Konflikte ? siehe Dafur ? weder verhindern noch hat er es geschafft, dieses Thema aus der ?traurige Nachrichten aus Afrika?-Nische heraus zu holen.

Melinda and Melinda – Neues von Woody Allen

Er mag nicht mehr der Jüngste sein, aber Woody Allens künstlerischer Output ist immer noch beeindruckend. Jedes Jahr bringt der kleine Mann einen neuen Film heraus, und auch wenn hin und wieder mal ein schwächerer dabei ist ? die neunzig Minuten seiner Streifen vergehen in der Regel wie im Flug und hinterlassen keineswegs das Gefühl, man hätte seine Zeit vertan. Alles andere als Zeitverschwendung ist auch Allens neuestes Werk, ?Melinda and Melinda?. Mit der Gelassenheit eines alten Meisters hat er einen Film über Kreativität, Filmschaffen und ? natürlich ? über mit ihrem Leben irgendwie unzufriedene Einwohner Manhattans gedreht.

Die Rahmenhandlung bildet eine Tischrunde in einem chinesischen Restaurant, in der vier muntere Intellektuelle beisammen sitzen. Während einer als Freund der Komödie auftritt, ist sein Kollege eher der Tragödie zugeneigt, und dies trifft auch auf ihre Wahrnehmung des Lebens generell zu. Ein dritter schlägt ein Experiment vor: er erzählt den Anfang einer wahren Geschichte, die einer gewissen Melinda. Diese junge Frau platzt unangemeldet in die gesittete Dinnerparty eines Ehepaars herein. Was treibt sie dahin? Woher kommt sie? Wie reagiert die Gesellschaft? Feste Größen in den folgenden zwei Geschichten sind die Ehemänner der Dinnergastgeber, die beide Schauspieler sind, außerdem vom Ehepaar unternommene Kupplungsversuche und Bekanntschaften Melindas mit Pianisten.

Radha Mitchell verkörpert in beiden Erzählsträngen die Melinda. Einmal ist sie eine alte Freundin mit psychischen Problemen, die im Hause von Lee (Jonny Lee Miller) und Laurel (Chloe Sevigny) Unterschlupf sucht, um ihrer turbulenten Vergangenheit zu entkommen. In der zweiten Version der Geschichte ist sie die neue Nachbarin von Hobie (Will Ferrell) und Susan (Amanda Peet), und stört dort eine Runde, in der die Filmemacherin Susan Geld für ihren neuen Film sammeln will. Der Film schneidet nun zwischen den beiden Stories hin und her, und richtet seinen Fokus zunehmend auch auf die anderen Hauptdarsteller, für die Melindas plötzliches Erscheinen mitunter weitgehende Konsequenzen hat.

Ein wahrer Glücksfall ist die Besetzung von Will Ferrell als Hobie. Dem exzellenten Komiker, der bis jetzt meist in Klamotten wie ?Old School? verheizt wurde folgt die Kamera hier zeitweise sogar, wenn die Action ganz woanders spielt. Er ist mit seinem Unglück und seinem herrlichen Witz am ehesten ein ?Ersatz? für Woody Allen, der hier ausschließlich hinter der Leinwand fungiert. Radha Mitchell überzeugt in der schwierigen Doppelrolle, immerhin muss sie in zwei unterschiedlichen Filmen spielen, in der sie jeweils die meisten Szenen hat. Gekonnt bringt sie die Unterschiede der beiden Melindas zum Ausdruck.

Der Experiment-Charakter nimmt die Enden der beiden Erzählungen gewissermaßen vorweg, weshalb ?Melinda and Melinda? kein leidlich spannender Film geworden ist. Wohl aber einer, der dem Zuschauer eine Vielzahl interessanter Charaktere zu bieten hat, deren Taten und Motive durch den quasi zwangsläufigen Ablauf des Geschehens hin und wieder ein wenig gezwungen wirken. So lernt Melinda in der tragischen Episode einen sympathischen Pianisten namens Ellis kennen, der bald feststellt, dass ihre Freundin Laurel eine außergewöhnlich begabte Klavierspielerin ist? Die andere Melinda lernt ? nach einem brüllend komischen Verkupplungsversuch mit einem Milliardär – ebenfalls einen Pianisten kennen, sehr zum Missfallen von Hobie, der sich in seine neue Nachbarin verliebt hat, sich jedoch nicht traut, seiner Frau die Wahrheit zu sagen.

Woody Allen geht mit seiner Idee hohe Risiken ein, indem er dem Zuschauer vorführt, wie ihn das Medium Film manipuliert, und er ihm die Entstehung einer fiktiven Geschichte aus dem Nichts heraus verdeutlicht. Während der Regisseur selber in früheren Werken häufig mit den von ihm gespielten Figuren gleichgesetzt wurde, weil einige Anleihen bei der Realität nicht zu übersehen waren, gibt es in ?Melinda and Melinda? nur den realistischen Rahmen einer über Wesen und Sinn von Komödie und Tragödie diskutierenden Tischrunde, der Großteil des Films dagegen ist offensichtlich pure Fiktion und hat einen speziellen sekundären Charakter. Dass sein Film trotzdem nicht den unangenehmen Beigeschmack einer Stilübung hat, liegt an der meisterhaften, lakonischen Inszenierung und der sehr guten Besetzung. Nicht zu vergessen auch die vielen köstlichen Dialoge und der einzigartige Humor eines typischen Woody Allen Films. Und die Freude geht noch weiter, schließlich arbeitet der alte Herr schon wieder an einem neuen Werk.

Die Tiefseetaucher Hochsee-Nonsens bald auf DVD

Zwei wahrlich hoch gelobte Talente stecken hinter diesem Film, dessen Originaltitel „The Life Aquatic With Steve Zissou“ bereits ähnlich merkwürdig klingt, wie der Film letztlich selbst ist. Regisseur Wes Anderson lieferte zuletzt mit „The Royal Tenenbaums“ ein herrlich überspitztes, märchenhaftes Familienportrait, in dem auch der Hauptdarsteller seines neuen Films, Bill Murray, mitspielte. Der ist seit dem großen Erfolg von „Lost in Translation“ ebenfalls wieder obenauf, und so waren die Erwartungen an diesen Streifen nicht eben gering. Bis in die Nebenrollen hat Anderson seinen Streifen mit Anjelica Houston, Willem Dafoe, Cate Blanchett, Owen Wilson und Jeff Goldblum hochkarätig besetzt.

Als ich den ersten Trailer zum Film sah, fragte ich mich ernsthaft, ob die darin gezeigten kleinen Gags tatsächlich taugen sollten, den Film einem großen Publikum zu verkaufen – ich war mir sicher, dass der Trailer einfach schlecht gemacht ist. Nun bin ich da nicht mehr so sicher, denn die kleinen, leicht verständlichen Späße sind vielleicht noch das greifbarste, unmittelbarste ?Verkaufsargument? für dieses ungewöhnliche Machwerk. Angelehnt an den (Vorsicht: Klassiker!) mir völlig unbekannten Meeresbiologen Jacques Yves Cocteau geht hier die Mannschaft von Skipper Zissou (Murray) auf große Fahrt.

Dessen alter Gefährte wurde von einem Jaguar-Hai getötet, wie bereits im Vorspann zu erfahren ist. Dieser stellt zugleich ein Auszug aus Zissous jüngstem Dokumentarfilm dar und wird von Premierenpublikum mit einer Mischung aus Unglauben und Mitleid aufgenommen. Der kauzig-melancholische Biologe scheint am Ende seines einstigen Ruhmes zu sein und schwört dem Hai persönlich und auf offener Bühne Rache. Bevor die Mannschaft in ihren blauen Anzügen und roten Wollmützen jedoch aufbricht, gesellen sich zwei weitere Figuren hinzu. Der Pilot Ned (Owen Wilson) stellt sich Zissou als sein Sohn vor (wobei sich beide über die tatsächliche Vaterschaft nie so richtig klar zu werden scheinen) und wird sofort angeheuert. Ebenfalls mit von der Partie ist die schwangere Journalistin Jane (Cate Blanchett), der Zissou mit großer Skepsis begegnet.

Was nun folgt ist eine wahrhaft groteske cineastische Reise von großem Einfallsreichtum. Die unbezahlten Praktikanten, die auf der Belafonte ihren Dienst verrichten, tragen ebenso zur Erheiterung bei wie philippinische Piraten, die merkwürdige Dreiecksbeziehung zwischen dem Kapitän, Ned und Jane, die Filmproduzenten und Geldgeber, die Hochseekonkurrenz und Zissous eigenartig abwesend wirkend Ehefrau Eleanor (A. Houston). Da sitzt man ganz selbstverständlich mit der Taucherbrille im Whirlpool, begleiten zwei mit Kameras ausgerüstete Albino-Delphine das Schiff auf all seinen Wegen, und am Ende findet die bunte Crew tatsächlich den seltenen Jaguar-Hai. Nur, was mit ihm machen?

Wes Anderson hat also einiges zu bieten, jedoch nicht unbedingt das, was viele Zuschauer von einem Kinofilm erwarten: eine kohärente Story und plausible Charaktere. In bunten Bildern und mithilfe zahlreicher animierter (Meeres)Gestalten schafft er eine wunderschön anzusehende Zwischenwelt, die er mit skurrilen Typen, absurden Actionsequenzen und gelegentlich eingestreuten lakonischen Witzen bevölkert. Wirklich schlau wird man aus dem bunten Potpourri nicht. Zum Glück jedoch spielt Anderson mit offenen Karten und erweckt niemals den Anschein, als wolle für seine verrückte Welt eine umfassende Erklärung liefern. Unterlegt mit einem teils elektronischem, teils aus auf Portugiesisch vorgetragenen David Bowie-Songs bestehenden Score tagträumt er sich bis zum Finale des Films. Es gibt zwar Anleihen bei der Realität, aber nie ohne einen mitgelieferten Beweis für die komplette Fiktion des Geschehens, teils durch schlichtweg bescheuerte, kleine Brüche in der Erzählung oder einfach durch die überdeutlich als solche erkennbaren Kulissen. Übrig bleibt ein sicherlich verunsichertes, zum Teil bestens amüsiertes Publikum mit der einfachen Frage, was der veranstaltete Zauber eigentlich bezwecken sollte. Nun, ick wees et ooch nich. Aber Spaß hat es schon gemacht?

Ladies & Gentlemen, restart your engines: Neues aus dem Fledermausland

Star Wars – Revenge of the Sith hat den deutschen Kinosommer vor wenigen Wochen anständig eröffnet, nun drängen mit Per Anhalter durch die Galaxis und Batman Begins gleich zwei große Spektakel nach. Nun, den Anhalter muss ich demnächst nachreichen, aber zum neuesten Batman habe ich bereits eine Meinung! Just auf großer Leinwand und in beeindruckendem Surround-Sound gesehen – man könnte sogar sagen, ich weiß, wovon ich rede.

Nach den zwei verhunzten quietschbunten letzten Filmen von Joel Schumacher hat Warner Bros. dieses Mal Memento-Regisseur Christopher Nolan mit der Regie beauftragt. Und wie der Titel bereits verrät wird die Saga keinesfalls weitergesponnen und mit weiteren Batgirls und Robins voll gestellt ? der Fokus richtet sich auf den Ursprung der Superhelden-Geschichte. Es geht also mit dem kleinen Bruce Wayne los, der in seiner Kindheit durch einen Sturz in die Tiefe eine schreckliche Aversion gegen Fledermäuse entwickelt. Bruce`s wohlbehütete Kindheit als einziger Spross unermesslich reicher Eltern mit sozialer Ader ist sehr schnell vorbei, als diese bei einem Raubüberfall ermordet werden. Die Sorge ums Wohlergehen des Jungen übernimmt der stilsichere Butler Alfred (Arsch auf Eimer: Michael Caine).

Inzwischen erwachsen, rumort es tüchtig in Mr. Wayne, jetzt verkörpert von Christian Bale. Erst ein Aufenthalt im Gefangenenlager und die Bekanntschaft mit dem mysteriösen Ducard (Liam Neeson) führen ihn auf den Weg zum späteren Helden im Fledermaus-Kostüm. Nach einer knappen Stunde durchaus ansehnlicher Verwandlung kehrt Batman zurück in die Stadt, die einst R. Kelly so schmalzig besang: Gotham City. Oberverbrecher Carmine Falcone (Tom Wilkinson) hat alles fest im Griff, Drogen und Kriminalität wuchern ohne erkennbare Gegenwehr. Wenn überhaupt, dann sind es Menschen wie Rachel (Katie Holmes), einst Bruce`s Spielgefährtin aus glücklicheren Tagen, und ein junger Cop namens Gordon, die sich gegen die allgegenwärtige Korruption stemmen.

Doch von nun an haben sie einen mächtigen Verbündeten. Während er sich tagsüber als junger, an der Firma seines alten Herrn interessierter Jung-Milliardär zeigt, richtet sich Batman mit den gewohnten Gimmicks und Kostümen aus. Mit wohlmeinendem Rat steht ihm Lucius Fox (Morgan Freeman) zur Seite, und die beiden haben ordentlich Spaß bei der Sache. Auf geht es also in den Kampf, gegen Falcone und einen finsteren Schurken, der auf dem Wege ist, die ganze Stadt in den Wahnsinn zu treiben.

Meine Erwartungen an diesen fünften Film der Reihe waren recht hoch ? und sind nicht enttäuscht worden. Die Story zurück zu ihrem dunklen Anfang zu bringen tut Batman Begins ebenso gut, wie die Besetzung der Hauptfigur mit dem überzeugenden Christian Bale und der gekonnten Inszenierung eines gelungenen Drehbuchs durch Action-Neuling Nolan. Keine phantasievollen Bösewichts-Karikaturen werden hier mehr als Gegenspieler serviert ? man dringt vielmehr vor zum Kern der Figur, deren Doppelleben fantasievoll auf die Leinwand gebracht wurde. Zugleich funktioniert er als vorbildlicher Actionfilm, in dem es nicht nur ordentlich, sondern auf sehr hohem Niveau kracht. Stimmungsvoll wird der ewig düstere Moloch Gotham City präsentiert, und die psychologische Kriegsführung des Bösewichts funktioniert auch auf der Leinwand ganz grandios.

Ganz ohne kleinere Schwächen kommt Batman Begins zwar nicht aus, aber trotz einiger Unebenheiten und der wenig überzeugenden Beinahe-Romanze zwischen Rachel und Bruce erfährt hier die Heldensaga eine sehenswerte cineastische Wiedergeburt. Die Produzenten haben recht viel investiert in diese Produktion, an die $ 160 Mio. stehen im Raum. So wie ich das sehe, haben sie die Sache ganz richtig angepackt. Dankeschön.

Folgendes ist es bitte

Es ist bitte Folgendes

Ich hadere zurzeit mit mir, ob ich wieder eine Sternvergabe anbieten soll oder nicht. Deshalb reiche ich die Frage an Euch weiter: Wie machen? Mit Sternen zwecks besserer Orientierung, oder einfach sein lassen? Oder gar: Scheiß drauf, ich lande immer nur aus Versehen auf Edzard ihm sein Filmriss, das könnte mir nicht egaler sein. Einfach Email an edzardo@web.de und eine kurze Ansage machen. Begründungen werden gelesen, sind aber nicht notwendig (Like I give shit?!). Wird ganz demokratisch entschieden, wobei ich im Fall einer Entscheidung zugunsten von Sternen wohl eine Skalierung wählen werde, die sich an der Internet Movie Data Base orientiert, will sagen Punkte von eins bis zehn.

Hadde Muruk

Constantine

In der streng katholischen Welt von „Constantine“ belauern sich Engel und Dämonen im Kampf um die Seele der Menschen. Als „Halbblute“ nehmen sie menschliche Gestalt an, doch völlig ins Diesseits überzutreten ist ihnen laut den „Spielregeln“ untersagt. Und die Regeln kommen immerhin von ganz oben“ John Constantine (Keanu Reeves) ist ein Dämonenjäger der besonderen Art (Bitte keine Fragen nach Dämonenjägern herkömmlicher Art, ja“). Nicht etwa Idealismus oder fester Glaube treiben ihn an “ ein lang zurückliegender Selbstmordversuch hat ihm den Eingang in den Himmel verbaut, und nun versucht er bei seinem Schöpfer ein paar Punkte gut zu machen, indem er für das Gute kämpft. Sein exzessiver Zigarettenkonsum bringt Constantine allerdings dem endgültigen Ableben (und damit der ewigen Verdammnis) von Tag zu Tag näher.

Ganz andere Sorgen hat die Polizistin Angela (Rachel Weisz). Ihre Zwillingsschwester ist vom Dach einer Psychiatrie gesprungen, offensichtlich geplagt von bösen Visionen. Bei der Rekonstruktion des Selbstmordes stößt sie auf eine Spur, die zu John Constantine führt. Zunächst widerwillig nimmt der doch noch die Chance wahr, der guten Frau zu helfen. Der Fall liegt nicht ganz unkompliziert, denn Anzeichen deuten daraufhin, dass sich ein recht bekannter Höllenbewohner auf der Erde einzurichten gedenkt. Doch auf welche Art und Weise?

Soweit klingt das alles arg nach „End of Days“ und anderen verkorksten Kirchenthrillern – und tatsächlich unterscheidet sich „Constantine“ von diesen auch weniger durch die Story, als durch die weitaus gelungenere Umsetzung des Ganzen. Das oben skizzierte Szenario hinzunehmen wird dem Zuschauer recht leicht gemacht, die Bibelzitate halten sich in Grenzen und unfreiwillige Komik konnte ebenfalls fast gänzlich verhindert werden, da sich der Film selbst nicht gar so ernst nimmt. Keanu Reeves überschaubare Gestikulierkunst ist hier richtig aufgehoben, und die geradlinige Erzählweise lässt kaum Langeweile aufkommen. Die wenigen Nebencharaktere sind schlüssig eingesetzt, doch der eigentliche Star des Films bleibt immer die stimmige Atmosphäre. Die eleganten, düsteren Bilder und die äußerst gelungene Ausstattung verhelfen dem Film zu vielen optischen Reizen, die die (geradezu zwangsläufig auftretenden) Storyunebenheiten problemlos ausbügeln können. Auch die mit Bedacht eingesetzten CGI-Effekte können überzeugen.

Nun machen all diese Pluspunkte „Constantine“ nicht zu einem großen Stück Kino, dafür mangelt es vor allem an Originalität und Szenen, die lange im Gedächtnis hängen bleiben. Für einen gediegenen, auf Unterhaltung ausgelegten DVD-Abend erfüllt er aber locker alle Kriterien. Nebenbei beweist er, dass nicht alle „großen“ Hollywood-Produktionen, die am Anfang des Kalenderjahres herauskommen, so verkorkster Mist wie „Basic“ sein müssen.

Neu auf DVD

Final Call

Seit einigen Wochen auf dem Markt ist dieser Thriller mit Kim Basinger und Chris Evans. Ähnlich wie Colin Farrell in „Nicht auflegen!“ an die Telefonzelle gefesselt war hängt hier ein junger Mann an seinem Mobiltelefon. Eine entführte Ehefrau und Mutter (Basinger) hat ihn über ein vermeintlich defektes Telefon an die Leitung bekommen. Reißt das Gespräch ab, ist die Entführte verloren…
Die rasante Hetzjagd quer durch Los Angeles involviert dann noch die üblichen Bösewichter und einen spleenigen, aber aufgeweckten Polizisten. Dank des flotten Tempos fallen Logikfehler nicht sonderlich auf, durch einige gelungene Kniffe gelingt es durchaus, Spannung aufzubauen und über fast die gesamt Spieldauer von 90 Min. zu halten. Eigentlicher Star des Films ist dabei das Drehbuch, dessen clevere Konstruktion einen anständigen Thriller auf den Weg bringt. Keine schlechte Wahl gegen aufkommende Langeweile im (bisherigen) Anti-Sommer.

Jersey Girl

Der neue Film von Kevin Smith („Dogma“, „Clerks“) bringt wie schon „Gigli“ die unheilige Schauspieler-Combo Bennifer, will sagen Ben Affleck und Jennifer Lopez, auf die Leinwand. Allerdings ist Lopez` Auftritt recht kurz, denn kaum hat sie (im Film) ihrem Angetrauten Ollie (Affleck) eine Tochter geboren, da verabschiedet sie sich ins Jenseits. Der New Yorker Medienmanager Ollie steht nun, da er sich auch noch seine Karriere durch den Baby-Stress nachhaltig versaut hat, vor dem Nichts. Oder besser: in New Jersey, wo er im Haus seines bodenständigen Arbeiter-Dads sein Jersey Girl aufzieht. Bergauf geht es für ihn, als er die hübsche Studentin Maya (Liv Tyler) kennen lernt, doch dann packt ihn noch mal der Ehrgeiz. Ollie will sein Upper West Side-Leben zurück, gegen den Willen seiner Liebsten…
Das hier eine recht formelhafte Geschichte übers „zweite“ Erwachsenwerden erzählt wird, dürfte den werten Lesern bereits aufgefallen sein. Bleibt anzumerken, dass die Story ihre hellen Momente hat und die Darsteller sich mit dem Material offenbar recht wohl fühlten. Ben Affleck-Fan werde ich wohl trotzdem nicht mehr werden. Macht aber nichts, denn die zuweilen sehr gelungenen Gags und der zum Glück nicht überbordende Kitschfaktor machen „Jersey Girl“ zu einem gelungenen Familienfilm mit einer sympathischen Sicht auf die – Vorsicht, abgestandene Floskel! – kleinen Leute im Herzen Amerikas.

Bad Santa

Billy Bob Thornton gibt in diesem Film von Terry Zwigoff („Ghost World“) den abgewracktesten Weihnachtsmann, der je im Kino zu sehen war. Versoffen, unhöflich, kriminell – ein richtiger Goldjunge. In der Vorweihnachtszeit nimmt er mit seinem kleinwüchsigen Partner Einkaufszentren aus, um sich den Rest des Jahres mit der erbeuteten Kohle irgendwo zu erholen. Doch, wie könnte es anders sein, der zynische, gefühlsresistente Kerl läutert sich ein wenig. Verantwortlich dafür zeichnet unter anderem ein dicker Junge, dessen Einsamkeit sogar zum Misanthropen im Weihnachtsmannkostüm durchdringt. Und auch die süße Bardame, die ihn ins Herz geschlossen hat, ist an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig.
Wie man auf die Idee zu so einem Film kommen kann ist für mich nicht im Ansatz nachvollziehbar. Irgendwo zwischen Satire, finsterer Komödie und reiner Anarchie entfaltet sich hier ein so absurde wie unterhaltsame Handlung, die der glänzend aufgelegte Hauptdarsteller Thornton vor dem Auseinanderfallen bewahrt. Ohne Rücksicht auf Verluste lässt Zwigoff seinen ewig mies gelaunten Weihnachtsmann auf die Besucher amerikanischer Shopping-Malls los, für junge Familien mit sonnigem Gemüt DER Alptraum schlechthin. Fast am schönsten ist „Bad Santas“ Ausraster, als er sich in seiner Mittagspause von einer Mutter mit Kind belästigt fühlt. In gewisser Weise scheint mir der Film beinahe absichtlich sinnlos zu sein, empfehlen kann ich ihn trotzdem!

Zach Braffs Garden State

Mit massig Vorschusslorbeeren kommt dieses unabhängig von den großen Studios finanzierte Filmdebut von Zach Braff in unsere Kinos. Soweit mir bekannt ist, hat der sich als Schauspieler in einer Serie namens ?Scrubs? einen Namen gemacht, wer jedoch genaueres wissen will, sollte lieber die Movie Data Base (imdb.com) zu Rate ziehen. Bei seinem ersten Kinofilm hat Braff nicht nur das Drehbuch verfasst, Regie geführt und die Hauptrolle übernommen, er konnte mit Ian Holm und Natalie Portman auch noch zwei bekannte Schauspieler für sein Projekt gewinnen.

Der „Garden State“ des Titels steht für den so genannten US-Bundesstaat New Jersey, dem ein wenig das Image anhaftet, sehr durchschnittlich und gar langweilig zu sein. Dorthin kehrt Andrew Largeman (Braff) zum ersten Mal seit vielen Jahren zurück, als seine Mutter stirbt. Der Zuschauer erfährt zunächst nicht viel mehr über die Hintergründe des Todesfalls, sondern folgt dem seltsam apathisch dreinblickenden jungen Mann auf seinem Weg zur Beerdigung. Nur langsam lassen sich die wahren Probleme Andrews ausmachen, die mit einem gestörten Verhältnis zur Außenwelt und einem familiären Schicksalsschlag zusammenhängen.

Die cineastische Rückkehr in die Jugend/Kindheit des Protagonisten hat durchaus Tradition bei kleineren US-Produktionen, siehe etwa „Beautiful Girls“ oder „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“. Für Andrew allerdings ist sie fast mit einer Rückkehr ins wahre Leben zu vergleichen. Sein mäßig erfolgreiches Schauspieler- und Kellner-Dasein in L.A. erlebte er immer durch den Schleier einer Reihe von Medikamenten, die ihm sein als Psychiater tätiger Vater seit Jahren verschrieb. Warum er dies tut wird sich im Laufe des Films klären. Bei seinem Besuch in der alten Heimat beschließt Andrew unvermittelt, seine „Behandlung“ abzubrechen. Langsam findet er zurück in das kleinstädtische Leben seiner Vergangenheit, ständig in der Schwebe zwischen Neugier nach dem neuen, echten Leben und bloßer Fassungslosigkeit ob der Dinge, die sich in seiner alten Heimat abspielen. Richtig zurück ins Leben holt ihn erst die hübsche Sam (N. Portman), eine zwanghafte Lügnerin mit goldenem Herzen.

Obwohl „Garden State“ sicher Schwächen bei der Charakterzeichnung aufweist und auch sonst nicht ohne Fehler ist, kann man ihn getrost als äußerst gelungenes Erstlingwerk betrachten. Die großartigen Dialoge, viele kleine Lacher und einige herausragende Szenen machen den Film zu einer interessanten Zustandsbeschreibung des US-amerikanischen Alltags abseits vom 11. September und kulturellen oder politischen Grabenkämpfen. Ohne seine spleenigen Figuren platten Witzen zu opfern nähert er sich seinem leider etwas arg belehrenden Ende. Auf dem Weg dahin gibt es jedoch eine ganze Menge zu entdecken. Andrews alte Schulfreunde sind allein schon einen Blick wert, ganz zu schweigen von Sams umwerfender Erklärung, wie ein junger Afrikaner zu ihrem Bruder wurde.

Im Kern ist „Garden State“ jedoch die Geschichte eines jungen Menschen, der seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat, und hierin liegt eine große Stärke des Films – denn dieses Gefühl ist den meisten Zuschauern sicher vertraut. Auch wenn sich die Story nicht um alle Film-Klischees herumkommt, sie vermag die Zuschauer mitzunehmen auf eine lohnende Reise, in deren Verlauf eine Menge interessanter Themen und Tatsachen von der Leinwand blicken. Die psychologische Tiefenschärfe von etwa „In the Bedroom“ erreicht Braff mit seinem ersten Film nicht, aber der Erfolg seines Werks beweist eindeutig, dass seine Geschichte bei den (zumeist jüngeren) Zuschauern einen Nerv getroffen hat. Welchen genau, dass muss jeder für sich entscheiden.

8/10

Neuigkeiten/Versuch eines Posts

Star Wars Episode III – Revenge of the Sith

Nun ist es also soweit, George Lucas schlägt das letzte Kapitel seiner großen Geschichte auf. Doch natürlich, nicht etwa der Ausgang der Geschichte wird mit Spannung erwartet, denn der ist ja hinlänglich bekannt. Vielmehr geht es darum, die Jedi-Ritter in einem ihrer schwärzesten Momente zu beobachten, einen der ihren der dunklen Seite anheim fallen zu sehen – bis darüber die Republik vernichtet und das Imperium geschaffen ist. Die Lust auf die explizite Ausgestaltung des Unvermeintlichen wird im Trailer wunderbar angefacht, wenn der ehemalige Jedi Anakin Skywalker als Darth Vader „wiedergeboren“ wird und von seinem Meister einen wahrlich prägnanten Befehl erhält:

-Vader! -Yes, Master??.. -Rise!
So etwas lässt man sich ja nicht zweimal sagen.

Lucas bringt seine Handlung in drei Erzählsträngen zu Ende, das verbindende Element dabei ist Anakin. Seine Liebe zur Prinzessin und Senatorin Amidala bringt ihn in Konflikte mit seiner Jedi-Natur, seine zuweilen zügellose Art bringt Konflikte mit dem Rat der Jedi, und beides zusammen gerät in die Schieflage, als die Republik unter Kanzler Palpatine bereits beginnt, die Züge eines Imperiums zu tragen. Wenn man es genau nimmt, ist Anakin schon zu Beginn des Films kein wahrer Jedi mehr, verliert er doch die Kontrolle über sich, tötet und noch wichtiger: ist unfähig, dies ehrlich zu bereuen. Dass es ihm als Jedi versagt ist, eine Familie zu gründen ist ihm bewusst, doch seine Liebe zu Padme ist beträchtlich größer als seine, sagen wir mal, „Fraktionsdisziplin“. Kurzum, die Entscheidung für die dunkle Seite der Macht guckt von Beginn an um die Ecke.

Doch es braucht noch Intrigen, Machtpolitik und einige persönliche Prüfungen, bis zu guter letzt Darth Vader sein unansehnliches Haupt erhebt. Der Weg dorthin ist recht unterhaltsam, gesegnet mit brillanten Actionsequenzen und leider auch (wieder) reichlich abgestandenen Dialogen. Die omnipräsente Bluescreen-Technik hat Lucas hier zur Perfektion gebracht. So makellos künstlich, wunderbar und märchenhaft sieht der Film aus, dass einem reale Hintergründe wahrscheinlich Kopfschmerzen bereiten würden. Immer neue Raumschiffe, Planeten und Gestalten bevölkern die Weiten der Galaxie. Die alles entscheidenden Kämpfe zwischen Obi Wan und Anakin sowie dem Kanzler und Yoda präsentiert Lukas leider parallel in ständig wechselnden Einstellungen und reißt so das Geschehen etwas auseinander.

Ganz in der Tradition der ersten drei Filme der Reihe bleibt auch ?Revenge of the Sith? trotz aller Finsternis ein Märchen, voll und ganz kompatibel für Kinder ? mit Ausnahme des für ?Star Wars? ungewöhnlich brutalen Kampfes zwischen Obi Wan und Anakin gegen Ende. Für einen alten „Kostverächter“ wie mich (der keinen der vorigen Teile wirklich freiwillig gesehen hat) bedeutet dies eben auch eine – netto – ca. halbstündige Leidenszeit, in der der Schauwert des Geschehens nicht mehr in der Lage ist, die grenzenlos naive Personenzeichnung aufzufangen, in der man sich in „kopflastigere“ Sci-Fi-Ware a la „Blade Runner“ beamen möchte. Das muss der Vollständigkeit halber einfach gesagt werden. Über Hayden Christensens Darstellung des jungen Anakin Skywalker gehen die Meinungen weit auseinander – ist das beinahe geniales mimisches Understatement, oder schlichtes Unvermögen? Mich hat der böse dreinblickende Anakin immer ein wenig an Derek Zoolanders „Blue Steel“-Look erinnert, aber sei es drum. Der Gang ins Kino ist unter dem Strich definitiv anzuraten, schließlich findet hier eine der größten Kinogeschichten aller Zeiten gleichsam Anfang und Ende, und da will man doch dabei sein, gelle?

Einsehbares Abenteuerfilmchen

SaharaIch bringe es einfach nicht fertig über einen Abenteuerfilm zu schreiben, ohne Indiana Jones wenigstens erwähnt zu haben. Die drei von Steven Spielberg inszenierten Spektakel haben ein großes Publikum begeistert und die Latte für alle kommenden Produktionen des Genres sehr hoch gelegt. Wie bereits jüngst in Jerry Bruckheimers Vermächtnis der Tempelritter sind auch in Sahara alle Indy-typischen Versatzstücke zu finden. Mit Ausnahme des historischen Hintergrundes allerdings, denn der Film von Breck Eisner spielt hier und heute. Oder genauer in Afrika und heute.

Nach einem kurzen, aufwändigen Vorspann, der die Zuschauer mit einer vergessenen Anekdote aus dem US-Bürgerkrieg vertraut macht, geht es auch gleich zur Sache. Die UNO-Ärztin Eva, gespielt von Penelope Cruz, ist einer rätselhaften Seuche auf der Spur. Deren Ursprung vermutet sie in Mali, doch der örtliche Diktator ist an einer Aufklärung nur mäßig interessiert. Ganz andere Sorgen hat Matthew McConaughey als Schatzsucher Dirk Pitt. Er hat einen Hinweis erhalten, dass irgendwo entlang des Nigers sein größter Traum auf ihn wartet. Wo genau? Natürlich in Mali, und so sind Eva, Dirk und sein Kumpel Al schon bald auf wilder Reise durch Afrika, vereint im Kampf gegen industrielle Bösewichter und korrupte Herrscher, bemüht Katastrophen zu verhindern, und wenn es eben geht natürlich einen sagenhaften Schatz zu finden.

Das klingt nicht nur bescheuert, es ist es auch. Doch das Unterhaltungskino hat seine eigenen Regeln, und da gelten Kurzweiligkeit, einfache Schauwerte und lustige Zerstreuung nicht zu unrecht mehr als tiefe Figurenzeichnung und ein logischer, am besten noch realistischer Plot. McConaughey, der schon aus dem Mainstream verschwunden schien, grinst und kalauert prächtig aufgelegt vor sich hin, das Tempo ist flott und die Action angenehm bodenständig. Die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern stimmt, und in Nebenrollen tauchen bekannte Gesichter wie William H. Macy und Delroy Lindo auf. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch, dass der gute alte Merowinger, mit bürgerlichem Namen Lambert Wilson, direkt aus der Matrix in die Sahara geflogen ist, um noch einmal den nicht ganz akzentfreien Schurken zu geben.

Kritische Stimmen mögen nörgeln, es gleiche einem Skandal, einen solchen Gute-Laune-Film im von Armut und Not geplagten Schwarzafrika spielen zu lassen. Ich vermag diese Ansicht nicht zu teilen. Es kann keine Rede davon sein, dass Bilder ungeheuren Elends hier als bloße Kulisse dienen, und bei aller Blauäugigkeit der Story wird die Lage nicht banalisiert. Anleihen bei der Realität sind zwar gegeben, doch begnügt sich der Film komplett mit seiner weitgehend unpolitischen Gut-gegen-Böse-Geschichte. Als Wurzel allen Übels präsentiert er übrigens die unheilige Allianz westlicher Konzerne mit korrupten Eliten. Das hört sich so verkehrt ja gar nicht an. Größere Mankos gibt?s auch ansonsten kaum, mit gut zwei Stunden Spielzeit ist man vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen, aber Langeweile kommt deswegen noch nicht auf. Naiv, altmodisch, nicht ohne Charme vertreibt Sahara seinem Publikum die Zeit, auf längere Sicht wird er dagegen wohlwollend vergessen werden.

6/10

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