Kurzkritik: Carrie

Drama/Fantasy/Horror, 2026

Creator: Mike Flanagan; Darsteller: Summer H. Howell, Samantha Sloyan, Siena Agudong, Amber Midthunder, Matthew Lillard

Ich erinnere mich sehr dunkel daran, dass ich Stephen Kings Roman „Carrie“ als Teenager gelesen habe. Und dass mir die erste Verfilmung (von Brian de Palma aus dem Jahre 1976), die ich kurz danach gesehen habe, irgendwie nicht gefallen hat. Alle weiteren Adaptionen sind an mir vorbeigegangen.

Nun ist der Stoff als Serie zurück, die Geschichte wurde dabei in die Gegenwart verlegt. Und muss daher einer nicht zu übersehenden Tatsache Tribut zollen: das Leben an einer High School hat sich in den letzten 50 Jahren mächtig verändert. Eine Geschichte über Bullying kann ohne Social Media nicht erzählt werden. Und so spielt ein Fake-Account bei Instagram eine tragende Rolle auf dem Leidensweg der Hauptfigur.

Wie so oft bei Filmen oder Serien über Schüler sind auch hier einige Darsteller dem Highschool-Alter schon ein paar Jahre entwachsen, was der ‚suspension of disbelief“ nicht gerade zuträglich ist. Die meisten Schauspieler – und insbesondere Summer H. Howell als Carrie – liefern aber starke Leistungen.

Die Serie ist genremäßig eher kein Horrorthriller, sondern ein psychologisches Coming-of-Age-Drama mit übernatürlichem Einschlag und überdeutlich vorgetragener Gesellschaftskritik. Gefallen hat mir immerhin, dass in den acht Folgen Zeit ist, auch einige Nebenfiguren etwas genauer auszuleuchten. Mit der dabei gewonnenen Glaubwürdigkeit kann die Story leider nicht sonderlich viel anfangen.

[SPOILER ALERT]

Die Serie nimmt sich generell einige Freiheiten bezüglich der Geschichte und ihrer Interpretation. Zum Beispiel bekommt Carrie hier eine ominöse Partnerin an die Hand, die besonders für das Finale von Bedeutung ist. Und für Puristen sicher auch keine gute Nachricht: Carrie überlebt das Blutbad am Ende, was der Erzählung die Katharsis nimmt. Oder mindestens verschiebt – denn natürlich wird dem Publikum direkt eine geplante zweite Staffel schmackhaft gemacht. Wie ich gelesen habe plant Creator Mike Flanagan insgesamt drei Staffeln.

Auch wenn die Weiterentwicklung der Story nicht ohne Reiz ist geht die Verfilmung für mich am Geist der Vorlage (soweit ich den erinnere) zu deutlich vorbei. Der Roman ist eine blutige Tragödie, bei dem das Übersinnliche eher als Metapher funktioniert. Die Serie will diesen Anteil scheinbar noch mächtig ausschlachten – was für einen Teil des Publikums bestimmt auch funktioniert. Ich habe mich dabei zwar jederzeit gut unterhalten gefühlt, aber um wirklich mitfühlen zu können fehlte es an innerer Logik und Fokus.

Wo kann ich das gucken?
Bei Amazon Prime.

5/10