Fast Food Nation

Wer sich auch nur für einige Minuten mal Gedanken gemacht über die genauen Schritte von einer lebenden Kuh zu einem schmackhaften Burger, dürfte zu dem Schluss gekommen sein, dass man das so genau gar nicht wissen möchte. Ich selber habe es zumindest immer so gehalten. Nun zeigt uns Richard Linklaters „Fast Food Nation“ aber unter anderem genau das, und der Biss in meinen nächsten Burger ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Im Zentrum von Linklaters Geschichte steht die fiktive Schnellrestaurant-Kette ‚Mickeys‘. Unabhängige Forscher haben Koli-Bakterien im Fleisch des Flagschiff-Burgers ‚Big One‘ gefunden, oder anders formuliert: Es ist (zuviel) Scheiße im Fleisch.Der Chef der Firma beordert deshalb Marketing-Fachmann Don Henderson (Greg Kinnear), die Fleischfabrik in Colorado zu inspizieren. Parallel erzählt der Film die Story einiger illegaler Einwanderer, die in ihrer neuen Wahlheimat in eben dieser Fabrik anheuern. Im Mittelpunkt stehen Sylvia und Roberto, ein junges Paar mit großen Hoffnungen für die Zukunft. Ein dritter Erzählstrang zeigt das Leben der Schülerin Amber, die nach der Schule bei ‚Mickeys‘ jobbt um sich Geld für eine College-Ausbildung zu verdienen.

Die Einblicke in die Industrie kommen so von allen Seiten. Marketing, Produktion, Arbeitsbedingungen in Fertigung und Verkauf. Das Gesamtbild ist ähnlich trostlos, wie man es wohl erwarten musste. Sylvias und Robertos Start ins Berufsleben ist geprägt von miesen Arbeitsbedingungen und hohem Unfallrisiko, dazu sind sie als ‚Illegale‘ dem Schichtführer komplett ausgeliefert. Don Henderson betreibt ausführliche Recherchen, kommt dabei jedoch zu einem ähnlichen Schluss wie oben erwähnt – man will es einfach nicht wissen. Ambers Zeit bei ‚Mickeys‘ neigt sich derweil dem Ende zu, weil sie beginnt, ihren Arbeitgeber und seine Methoden zu hinterfragen.

Die Stories in „Fast Food Nation“ sind keine Offenbarungen, vom Leid von Einwanderern, schlecht bezahlten Jobs oder dem rücksichtslosen Geschäftsgebaren großer Konzerne haben schon viele andere Filme erzählt. Die Idee von Linklaters Film scheint nicht im Erzählen von persönlichen Geschichten zu liegen, es geht vielmehr (und teilweise auch überdeutlich) um eine Botschaft. Die stärksten Momente des Films sind deshalb jene, die mit großer Kraft eben das vermitteln, worum es dem Regisseur geht – Schweinereien und Ungerechtigkeiten an den Pranger zu stellen.

Das alles ist ehrenwert, aber manchem vielleicht für einen Gang ins Kino etwas zu wenig. Die Schauspieler, unter ihnen bekannte Gesichter wie Patricia Arquette, Ethan Hawke und Kris Kristofferson, stehen so sehr im Dienst der Story, dass keiner einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Story selbst ist glaubwürdig genug, aber sichtlich geprägt vom Bemühen, das Thema von allen Seiten zu beleuchten. „Fast Food Nation“ ist ein guter Film, der Gehör verdient hat, dem aber durch seinen fiktiven Charakter die ganz große Druchschlagskraft etwa einer Dokumentation verwehrt bleibt.

Ein letzter Hinweis noch. Einige Szenen in der Fleischfabrik sind derartig WIDERLICH, dass Menschen mit instabilen Mägen besser nicht hingucken sollten.

7/10