Kurzkritik: T2 Trainspotting

T2 Trainspotting FilmplakatDrama/Komödie, UK 2017

Regie: Danny Boyle; Darsteller: Ewan McGregor, Jonny Lee Miller, Robert Carlisle, Ewen Bremner

Die Fortsetzung von Danny Boyles Kultfilm von 1996 kommt irgendwie überraschend. Andererseits hat Irvine Welsh, Autor der Romanvorlage, die Story bereits 2002 mit „Porno“ fortgesetzt. Da ich dieses Buch nie gelesen habe kann ich nur vermelden, was ich darüber gelesen habe – die Handlung um Renton, Sick Boy, Spud & Begby wird zehn Jahre nach „Trainspotting“ weitergeführt.

Allerdings ist „T2 Trainspotting“ wie man liest keine Adaption dieser Fortsetzung, sondern basiert nur sehr vage darauf. Die ‚Neuen Helden‘ (na, erinnert sich noch jemand an den beknackten Untertitel des Originals?) sind hier nicht 10, sondern 20 Jahre älter geworden, leben noch (bzw. in Rentons Fall wieder) in Edinburgh und sind recht leicht wiederzuerkennen.

Im Vergleich zum Vorgänger gibt es relativ viel Handlung, was aber ja nur bedeutet, dass überhaupt eine solche erkennbar ist. Diese wiederum gehört nicht zu den Stärken des Films, was aber kein großes Problem darstellt – wegen eines ausgefeilten Plots geht hier sicher kaum jemand ins Kino.

Im Vordergrund steht aber ganz wie im Original das Interesse für die Figuren und alles, was sie den lieben langen Tag lang so tun. Dazu gehören wieder einige absurd zugespitzte Situationen, und auch das erste Wiedersehen (man ging ja damals nicht gerade in Freundschaft auseinander) bringt ordentlich Konfliktpotential mit sich.

Der Soundtrack ist noch ein wenig lauter und wilder geworden (sie haben im Kino International vielleicht auch einfach ungewöhnlich laut aufgedreht), das Tempo ist hoch, auch wenn „T2 Trainspotting“ gegen Ende recht ungehemmt die eigene ‚Vergangenheit“ abfeiert und sogar einige Szenen des Originals zeigt.

Es darf, soll und wird viel gelacht werden, wobei es Boyle und seine gut aufgelegten Darsteller (es sind alle wichtigen wieder dabei) hier insgesamt fast ein bißchen übertreiben, zumal nicht alle Tumulte überzeugen. Der Ton bzw. die Stimmung des Originals war ernster, doch das hatte auch mit dem Zeitgeist und dem erzählerischen Ansatz zu tun. Beides hat sich ganz offensichtlich gewandelt.

Unter dem Strich ist „T2 Trainspotting“ eine würdige und gelungene Fortsetzung, die den Faden auf hohem Niveau weiterspinnt. Ein Wiedersehen, das tatsächlich Freude macht. Ob man darauf euphorisiert gewartet hat, den Film eher wohlwollend und amüsiert zur Kenntnis nimmt, oder – aus Prinzip – als kommerzielle Ausschlachtung komplett ablehnt, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

4/5

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