Heimkino – Michael Moores „Where To Invade Next“

Where To Invade Next FilmplakatJa, es gibt Michael Moore noch. Tatsächlich ist ihm mit „Where To Invade Next“ ein richtig guter Film gelungen, wenn auch vielleicht keiner, auf den die Filmwelt gewartet hat. Immerhin beschäftigt sich der Filmemacher hier nicht mit einer Katastrophe der jüngsten Vergangenheit. Oder besser gesagt mit keiner konkreten Katastrophe. Moore fährt – nach einer provokanten, witzig vorgetragenen Einleitung – in die alte Welt, um dort politische Ideen zu finden, die die USA voranbringen können.

Der Hintergedanke ist denkbar einfach. Die „City Upon A Hill“ ist längst in vielerlei Hinsicht kein leuchtendes Vorbild von Demokratie, Freiheit und Wohlstand mehr. Moore nimmt diesen Faden auf. Seine „Entdeckungsreise“ changiert zwischen gespielter Ungläubigkeit seinerseits und ernsthafter Fassungslosigkeit seitens der Polizisten, Politiker, Arbeiter und weiteren Personen, die Moore vor die Kamera bringt.

Dabei hat er wenig von seiner Kompromisslosigkeit verloren, schlägt aber einen insgesamt doch etwas versöhnlicheren Ton an. Zur Sprache kommen das Schulessen Frankreichs, die Gefängnisse Norwegens, die deutsche Erinnerungskultur und viele ähnliche Themen. Moore macht keinen Hehl daraus, dass er besonders positive Eigenheiten von anders tickenden Nationen präsentiert, keine simplen Lösungsansätze.

Natürlich ist diese Herangehensweise nicht wissenschaftlich, sondern politisch aufgeladen und pointiert. Doch es gibt viele Momente im Film (oft sind es die ruhigen, sorgfältig vorbereiteten) die im besten Sinne vor Augen führen, wie man anno 2016 noch einen relevanten politischen Dokumentarfilm drehen kann.

Moore gibt hier weniger den linken Demagogen als in früheren Filmen. Stattdessen verweigert er sich der negativen politischen Debatte der USA komplett, und führt positive Beispiele dafür an, was kluge Politik für seine Bürger leisten kann. Dass es überhaupt in einer Demokratie genau darum gehen sollte, gerät angesichts der alltäglichen Grabenkämpfe oft genug in Vergessenheit. „Where To Invade Next“ ist eine willkommene Erinnerung daran.

4/5

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