Slumdog Millionaire

Einer der großen Erfolge bei Publikum und Kritikern auf zahlreichen Festivals des letzten Jahres ist nun auch hier angekommen. Ist natürlich reiner Zufall, dass das NACH den vielen Oscars passiert, die der Film jüngst einheimsen konnte. Regisseur Danny Boyle („Trainspotting“) beschert dem Publikum eine ungewöhnliche Mischung. Der Film spielt in Mumbai, wurde auf englisch und hindi mit unbekannten Darstellern gedreht. Den dramaturgischen Rahmen gibt eine Folge der indischen Version von „Wer wird Millionär?“ vor.

„Slumdog Millionaire“ ist aber vor allem eine packende und temporeiche, in teils drastischen Bildern erzählte Geschichte, die das Heranwachsen dreier armer muslimischer Kinder in Indien erzählt. Zu Beginn des Films sitzt Jamal auf dem bekannten Stuhl im Fernsehstudio und beginnt mit der 1000-Rupien-Frage. In Rückblenden wird dann Schritt für Schritt der ungewöhnliche Weg geschildert, der Jamal auf diesen Stuhl geführt hat. Dabei lässt der Film nichts aus, bittere Armut, religiöse Gewalt, brutale Gangster, Flucht von zuhause, Betteln und Betrügen, bitterer Zwist unter Geschwistern – und eine Lovestory, die all das immer begleitet. „Slumdog Millionaire“ besticht in erster Linie durch die ergreifende Geschichte und die wunderbar mitreißenden Schauspieler.

Die drei Hauptfiguren werden dabei von jeweils drei verschiedenen Darstellern verkörpert, im Alter von ca. 6, 11 und 18 Jahren – und die Kids spielen ganz groß auf. Dazu kommt, dass Regisseur Boyle sich wirklich auf die fremde Kultur Indiens einläßt, was sich an den übrigen Beteiligten (Co-Regisseur, Score) ebenso ablesen lässt wie an dem (wie ich vermute) typisch indischen Ende der Story. Dass der Film dabei den Spagat schafft, sowohl als kritische Betrachtung einer Gesellschaft als auch als Gute-Laune-Märchen zu funktionieren ist ebenfalls eine bemerkenswerte Leistung. Es gibt ja Filme, die einfach jeder mag, etwa „Amelie“ oder „American Beauty“. Dieses Jahr werden alle „Slumdog Millionaire“ mögen, und das völlig zurecht.

5/5

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