Submarine

Die Hauptfigur von „Submarine“, der 15-jährige Oliver (Craig Roberts), steht in der Tradition von jungen (Anti-)Helden, die sich mit dem Problem des Erwachsen-werdens rumschlagen müssen. Oliver tut dies in Wales, sein Dasein ist geprägt von seinem Stand als Außenseiter in der Schule, einer sich entwickelnden Romanze mit der launischen Klassenkameradin Jordana und seinem Plan, die Ehe seiner Eltern zu retten. Letzterer wird durch das Auftauchen eines Jugendfreundes seiner Mutter in der Nachbarschaft denkbar kompliziert.

Mit vielen schönen visuellen Einfällen und einer humorvollen, aber trotzdem ernsten und mitfühlenden Erzählweise erfindet „Submarine“ das Rad des Coming-of-Age-Dramas nicht unbedingt neu. Er bietet aber interessante Figuren, denen man gerne zuguckt – auch wenn es nicht immer angenehm ist. Olivers Phantasien – die der Film immer auch gleich ‚verfilmt‘ – driften auch schon mal zu seinem eigenen Tod und den Reaktionen seiner Umwelt. Für Fans von Wes Anderson sicher eine Empfehlung, wobei „Submarine“ weniger ironisch und dafür herzlicher daherkommt.

4/5

Greenberg (DVD)

Dass sich einer der großen Hollywood-Komödianten in einem Independent-Drama sehen lässt ist nichts wirklich Neues. Bei Adam Sandler war es 2002 „Punch-Drunk Love“, Jim Carrey überzeugte zwei Jahre später in „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“. Jetzt ist es also in „Greenberg“ an Ben Stiller, der zuletzt eine Menge Comedy-Hits hatte, aber seit den „Royal Tenenbaums“ keine nennenswerte Rolle im ernsthaften Fach gespielt hat.

Er spielt die Hauptfigur Roger Greenberg, einen Ex-Musiker und Tischler, der in Los Angeles für ein paar Wochen die Villa seines Bruders hütet. Nach einem jüngst erlittenen Nervenzusammenbruch hat Roger nicht viel mehr vor, als eine Hundehütte zu bauen und sich mit ein paar alten Freunden aus College-Zeiten wiederzutreffen. Doch sein Aufenthalt in LA ist geprägt von seiner Bekanntschaft mit der jungen Florence (Greta Gerwig), die sich als Haushälterin um die Familie seines Bruders kümmert.

Roger Greenberg ist kein wirklicher Sympathieträger, er ist egomanisch, missmutig und uneinsichtig (oder doch nicht?). Und doch mag man ihn menschlich nicht abschreiben – er ist einer von diesen Typen, die Potential haben, sich aber immer selbst im Weg stehen. Stiller spielt ihn zurückgenommen und ohne in die Nähe des „overacting“ zu geraten. Einen wirklichen Plot hat der Film nicht zu bieten, „Greenberg“ setzt eher auf die behutsame Entwicklung der Charaktere. Böse Zungen mögen das Tempo schleppend nennen, zum Ende nimmt das Geschehen aber noch einmal Fahrt auf.

Die Inszenierung ist dabei zurückhaltend, wie man es von Independent-Dramen und auch vom Regisseur Noah Baumbach („Der Tintenfisch und der Wal„) gewohnt ist. So richtig vom Hocker hauen wird der Film wohl trotzdem niemanden, dafür fehlen die ganz großen Szenen. Angenehm fällt dagegen auf, dass in „Greenberg“ vergleichsweise ‚echte‘ Menschen mit ‚echten‘ Problemen zu sehen sind. Was Ben Stiller betrifft, so kann man sich schon wünschen er würde demnächst ein paar alberne Komödien weniger und ein paar ernste Filme mehr drehen. Was nicht heißen soll, dass ich zu „Zoolander 2“ nein sagen würde.

3/5

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Paper Man (DVD-Import)

Jeff Daniels spielt den mental instabilen Schriftsteller Richard, der sich in einem abgelegenen Haus an der Küste an seinem zweiten Roman versucht. Von seiner Frau entfremdet widmet er seine Zeit dem imaginären Freund „Captain Excellent“ (ein blondierter Ryan Reynolds in billigem Superman-Kostüm) und der realen Teenagerin Abby (Emma Stone). Zwischen Richard und Abby entwickelt sich eine Art Freundschaft, die beiden einsamen Seelen teilen bald ihre Geheimnisse miteinander.

Den beiden Hauptdarstellern ist es zu verdanken, dass „Paper Man“ seine gelungenen Momente hat. Sie spielen ihre Figuren mit einer gewissen Leichtigkeit und Sinn für Humor, und umspielen soweit möglich die Tücken des Drehbuchs. Die liegen vor allem darin, dass die Story kein echtes Fundament besitzt. Die Charaktere scheinen nur für den Film zu existieren, ohne eine Vergangenheit und Verbindungen zur Realität. Wie etwa Richard über zwanzig Jahre mit einer Ärztin verheiratet sein und dabei seinen imaginären Freund geheimhalten konnte ist schwer vorstellbar.

Auf dem Papier klingt die Story besser, als sie wirklich ist. Richards kleine Aussetzer und seine Marotten sind nett anzusehen, aber sie ergeben kein stimmiges Bild. Abbys Vergangenheit – die langsam ans Licht kommt – erklärt ihr Verhalten auch nur bedingt. Die doppelte „Coming-of-Age“-Geschichte, in der beide Figuren sich dem Ernst des Lebens stellen müssen findet kein überzeugendes Ende, nur einen schönen Ausweg. Es macht gar weitgehend Spaß, sich das ganze anzusehen, aber überzeugen kann der Film letztlich weder als Drama noch als Komödie.

3/5