Kurzkritik: Marty Supreme

Drama, 2026

Regie: Josh Safdie; Darsteller: Timothee Chalamet, Odessa A’zion, Gwyneth Paltrow, Tyler The Creator

Pünktlich vor den Oscars habe ich nun auch noch „Marty Supreme“ gesehen. Timothee Chalamet ist seit Monaten im Gespräch für seinen ersten Oscar, der Film spielt in den 50er Jahren und kreist um einen jungen Mann, der ein großer Star in einer im Westen noch nicht sonderlich startauglichen Sportart werden will – im Tischtennis.

Gleich zu Beginn spielt Marty ein großes internationales Turnier in London. Doch sein Stern geht nicht so auf, wie er sich das vorgestellt hat. Und zuhause warten ganz andere Probleme auf ihn…

Als Drama ist „Marty Supreme“ einigermaßen überzeugend. Und es hilft auch, dass der Film ein Milieu beleuchtet, an dem man sich nicht schon in zahlreichen anderen Indie-Dramen sattgesehen hat. Zutiefst von sich überzeugt (= fürchterlich arrogant) und besessen davon, zu Ruhm und Geld zu kommen, schlägt Marty einen sehr egoistischen Pfad ein. Das bekommen eindringlich alle Menschen zu spüren, die ihm nahe stehen.

Was mir dabei gar nicht gefallen hat sind die sportlichen Aspekte des Stoffes. Handwerklich sind die Tischtennis-Szenen zwar durchaus schick. Aber bei genauerem Hinsehen ist der Ball meist computeranimiert, und die Figuren betreiben quasi letztlich Schattenboxen. Das leuchtet zwar irgendwie ein (wie sollten die Schauspieler Weltklasse-Sport darstellen?), stört aber trotzdem.

Problematisch fand ich auch, dass Marty im Verlaufe der Handlung plötzlich einen Gegner schlagen kann, der ihm vorher vollkommen überlegen war. Leider macht sich der Film nicht die Mühe zu erklären, wie das möglich sein soll. Obwohl „Marty Supreme“ also insgesamt in Sachen Tischtennis-Historie (ich kenne mich da null aus, aber es macht den Eindruck) seine Hausaufgaben gemacht zu haben scheint – an der Stelle wird klar, dass der Sport nicht wirklich ernst genommen wird. Was mich als großen Ballsport-Fan dann doch enttäuscht hat.

Für zweieinhalb Stunden Laufzeit fühlt sich der Film ziemlich fluffig an, so richtig überzeugen konnte er mich aber letztlich nur in der ersten halben Stunde. Der ambitionierte Genre-Mix hat eine Menge Elan und ist handwerklich top umgesetzt, aber emotional gepackt hat er mich nicht.

Wo kann ich das gucken?
Im Kino.

6/10