Filmkritik: Total Recall (Extended Cut)

Total Recall (2012)

Sci-Fi/Action, USA 2012

Regie: Len Wiseman; Darsteller: Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biel, Bryan Cranston, Bill Nighy

Ich muss sagen, ich habe mich auf diesen Film gefreut. Denn wie immer, wenn eine Story von Sci-Fi Kultautor Philip K. Dick verfilmt wird, habe ich die Hoffnung, es könnte ein großer Wurf werden. Leider ist das nicht der Fall bei „Total Recall„, der zweiten – sehr freien – Adaption von Dicks Kurzgeschichte „We Can Remember It For You Wholesale“.

Die Story spielt in einer düsteren Zukunft, in der nur noch zwei Territorien der Erde bewohnbar sind. Ein Teil von Europa (genannt United Federation of Britain, UFB) sowie dessen „Kolonie“ in Australien, wo deutlich schlechtere Lebensbedingungen herrschen. Douglas Quaid (Farrell) ist einer von vielen Arbeitern, die täglich durch einen Fahrstuhl in der Erde zur UFB pendeln. Zur Flucht vor seinem öden Dasein lässt er sich bei der ominösen Firma Rekall die Erinnerungen eines Geheimagenten einpflanzen. Kaum ist die medizinische Prozedur gestartet läuft etwas gehörig schief, Quaid wird zum Gejagten – stellt aber zu seiner großen Verwunderung fest, dass er dafür gut gewappnet ist. Er mäht reihenweise Cops nieder, menschliche wie auch ihre Roboter-Kollegen.

Ist er also wirklich ein Agent im Kampf für die gute Sache des Widerstands gegen UFB-Diktator Cohaagen (Cranston)? Oder spielt sein Gehirn ihm nur genau den Trip vor, für den er Rekall bezahlt hat? Die großen Probleme des Films liegen in Dramaturgie und Herangehensweise. „Total Recall“ ist ein temporeicher Actionfilm, der die Story lediglich als Gerüst betrachtet. Dabei versäumt es das Drehbuch, den Plot in Ruhe zu erzählen, Spannung aufzubauen, und das zentrale Motiv der miteinander konkurrierenden Realitäten/Erinnerungen bleibt blass und unglaubwürdig.

Das ist wirklich schade, denn rein visuell ist der Film großartig geworden, die Sets und Effekte (mit wenigen Ausnahmen) sind state-of-the-art, die finstere Zukunftsversion überzeugt – zumindest am Anfang. Doch während die Story an sich schon nicht sonderlich rund läuft verirrt sich „Total Recall“ in einer Handvoll Szenen auch noch im Detail. Da bremst sich der Film selbst aus, oder flüchtet holprig vor Widersprüchen, die er nicht auflösen kann.

Total Recall“ muss sich natürlich auch dem Vergleich mit der gleichnamigen Schwarzenegger-Version von 1990 stellen. Die neue Version ist weniger blutig und brutal, hat überlegene Effekte und Schauspieler – funktioniert aber unter dem Strich nicht wirklich besser. An den Schauspielern liegt es weniger, neben Farrell machen im Remake Jessica Biel und Kate Beckinsale gute Figuren als Action-Heldinnen. Als Bösewichter machen Bryan Cranston und Bill Nighy nichts falsch, aber alle Figuren bleiben blass, weil der Film sie nicht ernsthaft entwickelt und zu Ende denkt. Dass Paul Verhoevens plakative Verfilmung eine überzeugendere Vision des Stoffes bietet als diese Neufassung sollte Regisseur Len Wiseman und seinem Team zu denken geben.

3/5

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