Filmkritik: Wild Bill

Wild BillGangster-Drama, UK 2011

Regie: Dexter Fletcher; Darsteller: Charlie Creed-Miles, Will Poulter, Liz White

Das Regiedebut des englischen Schauspielers Dexter Fletcher („Bube, Dame, König, GrAS“) sieht auf den ersten Blick nach typisch britischem Gangster-Kino aus. Doch „Wild Bill“ ist weniger an Adrenalin, Testosteron, coolen Sprüchen und exzessiver Gewalt interessiert als es etwa das Poster vermuten lässt. Der Film erzählt seine Story ohne Ironie oder gar Zynismus, sondern mitfühlend und ernst. Der Ex-Koksdealer Bill kommt nach acht Jahren aus dem Knast. Seine beide Söhne Dean (15) und Jimmy (11) leben im Osten Londons in einem Sozialbau – allein, wie sich herausstellt, denn Wills Ex-Frau hat sich mit einem neuen Lover nach Spanien abgesetzt. Will, der eigentlich nicht vorhatte, lange bei seiner Familie zu bleiben, bekommt bald Ärger mit den Behörden und seinen ehemaligen „Kollegen“ – und schließt mit seinem älteren Sohn einen Pakt.

„Wild Bill“ wurde vor Ort im Osten Londons gedreht, was schon daran zu sehen ist, dass in vielen Außeneinstellungen das neue Olympiastadion zu sehen ist. Das Leben der kleinen und großen Gangster ist hier aber weniger glamourös, großspurig und verrückt als in Filmen wie „Layer Cake“ oder „Rock’nRolla“, es werden Kinder zu Drogendealern geschult und Frauen mißhandelt. Im Zentrum des Films stehen aber die Charaktere, die am Rande dieses Milieus ihr Auskommen suchen. So meint es Bill ernst damit, dem Verbrechen abzuschwören, er lässt sich auch nicht in „einen letzten großen Coup“ einspannen. Die Figurenzeichnung ist äußerst gelungen, alle zentralen Charaktere entsprechen keinen üblichen Klischees. In einem deutschen Film wäre das ganze sicher ein sehr schweres Melodram geworden, in den Händen von Dexter Fletcher aber gerät der Stoff zu einem überzeugenden, spannend inszeniertem Drama über einen Ex-Knacki auf der Suche nach Wiedergutmachung.

4/5

Einen (DVD-)Starttermin für Deutschland gibt es noch nicht, der Film kann bei amazon.co.uk bestellt werden.

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