The American

Der Anfang von „The American“ erinnert ein wenig an die Bondfilme der 60er und 70er. In einer Blockhütte im Schnee, irgendwo in Schweden, relaxt ein Mann mittleren Alters (gespielt von George Clooney) mit einer schönen halbnackten Frau vor dem Kamin. Doch was dann folgt ist nicht so ganz Bond-konform, obwohl der Bodycount durchaus passen würde. Der Mann – der sich im Laufe der Handlung Jack oder Edward genennt – ist offenbar ein Auftragskiller, und irgendwer will ihm ans Leder.

Er sucht seinen Kontaktmann/Auftraggeber in Rom auf, einen drahtigen, faltigen Mann namens Pavel. Der verspricht, sich der Sache anzunehmen und rät Jack/Edward, in der Provinz unterzutauchen. Hier, in einem beschaulichen Ort in den Abruzzen, beginnt die eigentliche Handlung, die sich sehr gemächlich entfaltet.

„The American“ ist kein typischer Hollywood-Thriller, eher eine Mischung aus Independent-Kino wie Jim Jarmuschs stoischem „The Limits of Control“ und europäischem Gangsterkino wie „Der Eiskalte Engel“. Landschaftsaufnahmen und lange Einstellungen bestimmen über weite Strecken die Inszenierung, es wird wenig gesprochen, wenig erklärt, und es gibt auch keine großen Actionszenen.

Die Geschichte wird komplett aus Jack/Edwards Perspektive erzählt, ohne parallele Erzählstränge, allein sein Aufenthalt und sein Schicksal sind zentrales Thema. Die Nebenfiguren – darunter ein alter Priester und eine Prostituierte – spielen nur in ihrer Beziehung zur Hauptfigur eine Rolle. Die anderen für den Plot relevanten Personen und Kräfte sind meist unsichtbar und kommen erst sehr spät aus der Deckung.

An das fast meditative, langsame Erzähltempo gewöhnt man sich recht schnell, die schönen Bilder helfen dabei ebenso wie die sich unterschwellig immer wieder aufdrängenden Fragen nach dem „Was?“ und „Wieso?“ der Handlung. Es geht zwar nur langsam voran, aber wegen der guten Darsteller (abgesehen von Clooney allesamt Europäer) und des effektiven Szenarios möchte man einfach wissen, wie es weiter geht.

4/5

PS: Für die Musik des Films zeichnet übrigens Herbert Grönemeyer verantwortlich, der einen pointierten Soundtrack liefert. Einige Anspielungen auf bekannte Filmmelodien unterstreichen, dass „The American“ sich ganz bewusst auf andere Filme bezieht und (auch) als Stilübung zu verstehen ist.

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