The Ghost Writer (DVD)

Roman Polanski war zuletzt sehr präsent in den Medien, gerade erst hat die Schweiz das Auslieferungsgesuch der USA endgültig abgelehnt. Der neueste Film des Regisseurs ging angesichts des ewigen Justiz-Hickhacks fast ein wenig unter, obwohl er im Februar auf der Berlinale seine Premiere feierte und nun bereits auf DVD zu haben ist. „The Ghost Writer“ erinnert daran, dass Polanski mal als „Hitchcocks Nachfolger“ gefeiert wurde. Denn elf Jahre nach dem stimmungsvollen aber inhaltsleeren „Die 9 Pforten“ hat er mit dem „Ghost Writer“ mal wieder einen Thriller gedreht. Die Story basiert auf Robert Harris‘ gleichnamigem Roman.

Die Exposition der Handlung ist folgende: Ein (im Film namenlos bleibender) Schriftsteller (Ewan McGregor) wird engagiert, um die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) fertig zu schreiben. Das Manuskript braucht noch eine professionelle Überarbeitung, die der vorige „Ghost Writer“ nicht zu ende bringen konnte – er kam unter mysteriösen Umständen ums Leben. Kaum auf Langs abgelegenen Domizil an der Atlantik-Küste in Cape Cod angekommen verkompliziert sich die Lage. Lang wird beschuldigt, im Anti-Terror-Kampf Folter befohlen zu haben, der Fall macht Schlagzeilen, eine Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof droht.

Lang ist bemüht, weiterhin den „elder statesman“ zu spielen, der sich keiner Schuld bewusst ist, aber dieses Bild beginnt zu bröckeln. Seine Frau Ruth (Olivia Williams) lebt scheinbar nur noch neben ihrem Gatten her, der eine innige Beziehung zu seiner persönlichen Assistentin Amelia (Kim Catrall) pflegt. Und der „Ghost Writer“ macht ein paar überraschende Entdeckungen bezüglich Langs Studien-Vergangenheit in Cambridge. Wohin die Geschichte führt bleibt relativ lange unklar – der Film stellt politische Verwicklungen neben persönliche, bis die Grenzen langsam verwischen…

Der Ton erinnert wie oben bereits erwähnt eindeutig an Hitchcock, den Meister des modernen Thrillers. Polanski konzentriert sich zunächst ganz auf die Exposition, erzählt ruhig und ohne unnötige Ablenkung. Dabei gewinnt der Film schnell, aber beinahe beiläufig, an Komplexität. Das moderne Haus in Cape Cod spielt ebenso eine heimliche Hauptrolle wie die verlassenen Strände und das schlechte Wetter. Nach etwa einem Drittel der Handlung kommt auch rein physikalisch Schwung in die Sache – große Explosionen oder wilde Verfolgungsjagden sollte man aber besser nicht erwarten.

Um zu erkennen, dass Tony Blair das „Vorbild“ für die Figur von Adam Lang war braucht man kein Politik-Diplom. Die Story ist eindeutig in der Realität verankert, funktioniert aber auch wenn man den Parallelen keinen so großen Stellenwert einräumt. Denn in erster Linie ist „The Ghost Writer“ kein politisches Statement, sondern gekonntes, spannendes und hervorragend gespieltes Spannungskino. Mal sehen ob Polanski – inzwischen 76 Jahre alt – seine neu gewonnene Freiheit nutzt um seinem Thriller-Portfolio noch einen Film dieses Kalibers hinzuzufügen. Ich hätte nichts dagegen.

4/5

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