Spiderman 2

Ja ja, die Comic-Verfilmungen. Geradezu inflationär erobern sie seit dem Erfolg von „X-Men? und „Spider-Man? die Leinwände dieser Welt. Von ziemlicher Grütze („Daredevil?) bis zu starkem Unterhaltungskino („X-Men?) ist einiges zu sehen gewesen. Zu den besseren Vertretern des Genres gehört auch der erste „Spider-Man? aus dem Jahre 2002. Einen erfrischend menschlichen Peter Parker (Tobey Maguire) ereilte damals der Ruf des Abenteuers. Mit Stärken in der Charakterzeichnung (haha!) und gelungenen Effekten wusste Regisseur Sam Raimi zu punkten, der Comic-typische Bösewicht-Plot mit dem giftgrünen Chemieabfall in Gestalt von Willem Dafoe hingegen kam über das gesunde Mittelmaß nicht wirklich hinaus. Mit dessen „Green Goblin? hat es, wir seit zwei Jahren wissen, ein böses Ende genommen, doch damit haben sich für Peter Parker längst nicht alle Probleme erledigt. Denn nicht mal seine engsten Freunde Maryjane und Harry (Kirsten Dunst und James Franco) wissen von seinem anstrengenden Doppelleben ? was den armen Kerl doch arg belastet.Das Sequel nimmt den Erzählfaden des Vorgängers ziemlich direkt wieder auf. Maryjane und Peter sind nur noch gute Freunde, Harry trägt derweil einen immensen Hass auf den armen Spidey mit sich rum, hält er ihn doch für den hinterhältigen Mörder seines Vaters Norman Osborn aka „Green Goblin?. Sein Superheldendasein ist zur großen Bürde geworden, Peter vernachlässigt sein Studium und verliert trotz größter Anstrengungen seinen Job als Pizzalieferant. Als ihn schließlich noch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten zeitweise im Stich lassen, seiner Tante die Zwangsräumung droht und Maryjane mit einem Verlobten um die Ecke biegt ist das Maß endgültig voll. Das Spinnenkostüm hat (erstmal) ausgedient.

Die Heerschar an Drehbuchautoren (laut imdb.com immerhin vier Leute), die für das Skript des Films verantwortlich zeichnet, hat ganze Arbeit geleistet. Gleich in den ersten Szenen taucht der Zuschauer wieder tief ein in die Welt von Spider-Man, dieser nahen und doch so fernen, weil comichaften Zukunft. Indem Parkers Probleme und die Zerrissenheit seiner Figur in den Vordergrund rücken vermeidet „Spider Man 2? (was für ein Segen eine Fortsetzung ohne beknackten Untertitel doch ist!) es, in die „Batman und Robin?-Falle der knallbunten Daueraction ohne Hirn zu laufen. Tobey Maguire beweist mit seiner hervorragenden Darstellung erneut, dass er die Action-Szenen problemlos meistern kann, seine Stärke jedoch in den ernsteren Momenten liegt. So ist der Weg zum Finale auch hier wieder besser als das große Spektakel am Ende. Die Rolle des Bösewichts fällt diesmal wieder einem Wissenschaftler zu, dem von Alfred Molina verkörperten Dr. Octavius. Nach einem schiefgelaufenen Experiment (ja genau, die alte Leier, zum Glück aber filmisch gut umgesetzt) mutiert er zum achtarmigen Ungetüm, besessen von der Idee, zum Wohle der Menschheit und zum Schaden New Yorks eine gewaltige „Was auch immer?-Fusion auf den Weg zu bringen.

Am Plot von „Spider-Man 2? könnte man natürlich herummäkeln, ganz frei von Fehlern ist er sicher nicht. Viel wichtiger aber ist die Tatsache, dass Sam Raimi wieder sehr viel mehr richtig als falsch macht. Sein Timing ist über weite Strecken beeindruckend, nur ganz selten erlaubt man sich einen Blick auf die Uhr, etwa wenn Tante May einen Tick zu ausführlich aus dem Nähkästchen plaudert. So unterhaltsam Peter Parkers Identitätskrise für den erwachsenen Zuschauer auch sein mag, die junge Zielgruppe muss bedient werden ? und so gesellen sich einige etwas kitschige und zuckrige Szenen in die ansonsten reibungslose Inszenierung. Mit viel Humor nimmt der Film seinen Helden in seinen schwachen Momenten auf die Schippe, ohne ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Viel Anklang beim Publikum des ersten Teils fand ganz offensichtlich der Chefredakteur des Revolverblattes, für das Parker nebenher arbeitete. Seine Rolle wurde ausgebaut und glänzt mit einer Vielzahl an markigen Sprüchen. Die Special-Effects sind auf der Höhe der Zeit und dienen der Story ? und nicht umgekehrt. Einige sehr wenige Einstellungen „glänzen? dann doch mit Computerspiel-Optiken, was die Überzeugskraft und Energie der anderen Effekte aber nicht beeinträchtigt.

Ohne zuviel verraten zu wollen, kann man getrost feststellen, dass wir „Spider-Man? nicht zum letzten Mal in Action gesehen haben. Obschon einige Handlungsfäden aus dem ersten Teil aufgelöst werden, bleibt genug Stoff für eine weitere Fortsetzung. Mit ein bisschen Glück lenkt Regisseur Raimi seine etablierten Figuren noch einmal mit so viel Geschick durch eine grundsolide Story und beweist Geschick bei der Einführung neuer Figuren. In den vielen Stories, die in unzähligen Comicheften erzählt wurden, steckt sicher noch die eine oder andere kinotaugliche Figur drin. Und vielleicht, es wäre schön, erleben wir den Spinnenmann dann im Kampf gegen einen gänzlich unmutierten Gegenspieler. Wenn es so etwas im Universum der Marvel-Comics überhaupt gibt. Ick weeß et nich.

8/10

The Punisher

Für Menschen, die von Comics soviel Ahnung haben wie ich, sei es gleich erwähnt: „The Punisher“ ist ein Superheld aus dem Universum von Marvel-Comics. Normalerweise sind solche ja leicht an klassischen Merkmalen wie Ganzkörper-Anzug oder übermenschlichen Fähigkeiten zu erkennen, aber im Falle von Frank Castle (Thomas Jane) liegen die Dinge ein wenig anders. Er hat zu Beginn der Geschichte einige recht herbe Todesfälle in der Familie zu verschmerzen, denn seine Arbeit als Undercover-Cop brachte ihm den Zorn des Verbrecherkönigs Howard Saint (John Travolta) ein.Auch so kann man also zum Superhelden werden – eine gewaltige Trotzreaktion, übermäßiger Ärger, überwältigende Trauer. Castle hat einen Waffendeal vereitelt, bei dem Saints Sohn zu Tode kommt. Deshalb löscht dieser, auf Anraten seiner Ehefrau, gleich die gesamte Familie des Cops aus. Eigentlich hätte der auch selber getötet werden sollen, aber er entkommt schwer verletzt und meiner nicht unbeträchtlichen Wut im Bauch. Zurück in Florida und wiederhergestellt muss er auch noch erkennen, dass die Polizei sich nicht eben ein Bein ausreißt, um Saint für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen.

So kann das natürlich nicht weitergehen, und so bezieht Frank eine heruntergekommene Wohnung und schmiedet finstere Pläne. Seine Nachbarn in dem verfallenen Mietshaus sind sein einziger sozialer Kontakt. Die drei sympathischen Verlierer schauen dem Treiben ihres neuen Nachbarn interessiert zu, und nach einiger Zeit und Nachbarschaftshilfe werden sie sogar in Castles Kampf mit Saints Schergen verstrickt. Es sind diese Szenen, in denen der Held endgültig vom Menschen zum „Punisher“ wird, da kann selbst die attraktive Joan (Rebecca Romijn-Stamos) nichts mehr dran ändern. Es sind ebenfalls diese Szenen, in denen der Film endgültig scheitert, weil er seine ernste Story und die obligatorischen Actionszenen nicht zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen kann. Für ein seriöses Drama bleibt die Hauptfigur in all ihrer Pein zu oberflächlich, für einen soliden Brutalinski-Schinken brennt wiederum zu selten die Luft.

Wie zur Erinnerung an des Punishers Superheldentum lässt Regisseur Hensleigh mal einen Over-the-top-Bösewicht den armen Castle vermöbeln, John Travolta so böse sein wie eben möglich – und erreicht doch nicht sein Ziel. Howard Saint ist als Bösewicht in etwa mit dem maßlos überzogenen Drogengangster vergleichbar, dem die „Bad Boys“ in ihrem zweiten Auftrag ans Leder wollten – die Grenze zwischen hirnloser Action und überzeichneten Comicgestalten ist hier zu fließend, die beiden Gangster sind austauschbar und somit weder realistisch noch phantasievolle Oberbösewichte. Sie sind schlicht langweilig, und das tut den Filmen sicher nicht gut. Natürlich braucht der „Punisher“ als ersten Gegner eine von Grund auf böse Figur, schließlich soll er ja seine Rolle als strafender Held ausfüllen können, Saint ist jedoch allzu beliebig geraten.

Die immense Wut im Bauch, die Castle über die Bestrafung seines persönlichen Feindes hinaus zum dauerhaften Einzelgänger und Vertreter der gepflegten Selbstjustiz macht, sie bleibt vage und muss eher vorausgesetzt werden. Ein psychologisch überzeugendes Coming-Out bietet die Story jedenfalls nicht. Von all den Comicverfilmungen der letzten Jahre ist der „Punisher“ eine der schwächeren, gescheitert wie vor einem Jahr der „Daredevil“. Dabei wäre durchaus mehr drin gewesen. Die wirklich interessanten Jahre hat der gute Bestrafer ja noch vor sich, wenn er abseits von persönlichen Gelüsten der Welt seinen Stempel aufdrücken will. Auf was für eine Klientel hat er es denn abgesehen, auf Politiker, Gangster oder Diktatoren? Und käme er vielleicht den Fledermaus- und Spinnenmännern dieser Welt mal in die Quere?
4/10

Elephant

Kaum ein Thema ist in den letzten Jahren so ausgeschlachtet worden wie die Highschool-Massaker von Littleton, Erfurt und all den anderen Orten, an denen Teenager in ihrer Schule Amok gelaufen sind. Vom schlechten Einfluß einiger Computer-Spiele war schnell die Rede, in den USA wurde Marylin Manson an den Pranger gestellt und natürlich bekam auch Hollywood für seine vielen Gewalt- und Horrorstreifen von selbsternannten Sittenwächtern einiges zu hören. Regisseur Gus Van Sant, bekannt geworden durch „My Private Idaho“ und mit „Good Will Hunting“ und „Forrester: Gefunden“ zuletzt auch im Mainstream aktiv, bringt mit „Elephant“ ein gewagtes Portrait einer solchen Tragödie auf die Leinwand.Mit minimalem Budget, Laiendarstellern und einer Finanzierung durch den amerikanischen Pay-TV-Sender HBO zeichnet der Film das Bild einer beliebigen US-Highschool und begleitet einige Schüler in der letzten Stunde vor dem Terror. Zwischen Mensa und Football-Training, Fotowerkstatt und Bücherei-Alltag verleben die Kids einen ganz normalen Schultag. In langen Kamerafahrten und mit wenigen Schnitten lernt der Zuschauer ein paar Schüler näher kennen, ohne dass allerdings eine absichtliche Dramaturgie den dokumentarischen Charakter zerstören würde.

Van Sant verzichtet auf einen Score ebenso wie auf die meisten anderen stilistischen Hilfsmittel, die das Bild eines teuer ausgestatteten Spielfilms prägen. Die weitläufigen Gänge der Schule, der große Sportplatz, all das wirkt völlig authentisch. Obwohl „Elephant“ unter den Schülern auch einige Außenseiter findet, zeichnet der Film ein durchaus positives Bild der Schule, weder Prügeleien noch Waffen oder Drogen haben den Alltag erobert, auch die wenigen Auftritte von Lehrern signalisieren keine Ohnmacht oder übertriebene Härte.

Parallel zum normalen Schultag zeigt der Film die Vorbereitung der beiden Attentäter Eric und Alex auf ihren grausamen Plan. Die beiden Jungen werden als eigenwillige Außenseiter portraitiert, jedoch ohne dabei ihre familiären und psychologischen Hintergrunde näher auszuleuchten. Während der eine auf dem Laptop mit einem Ego-Shooter beschäftigt ist spielt der andere Beethoven auf dem Klavier, schließlich sitzen sie eher gelangweilt vor einer Nazi-Dokumentation, um dann vom Postboten die im Internet bestellte automatische Handfeuerwaffe in Empfang zu nehmen. Obwohl durchaus mit einigen Klischees versehen, führt der Film die Täter nicht als verdorbene Psychopathen ein, denn wenngleich ihr Verhalten ein wenig ungewöhnlich ist, so liefert es noch längst keine schlüssige Erklärung für ihr späteres Tun.

Der Schrecken beginnt fast zufällig, wenn Alex und Eric schwer bewaffnet die Highschool durch einen Nebeneingang betreten und auf ihrem Weg durch das Gebäude wahllos das Feuer auf ihre Mitschüler eröffnen. Die Bilder wirken dabei umso eindringlicher, weil auch hier keine wilde Musik das Treiben unterstreicht, es gibt keinen Soundtrack des Todes, nur die grausam real klingenden Schüsse und das ungläubige Geschrei der Opfer. Kurz erscheint es, als wolle „Elephant“ doch noch mit einem Heldentypen aufwarten, doch auch diesen Gefallen tut Van Sant seinem Publikum nicht. So endet der Film wie er anfing aus der Perspektive der Opfer, die die Katastrophe fassungslos mit ansehen müssen – sofern sie sie überleben können.

Gerade weil „Elephant“ keine schnellen Erklärungen liefert, regt der Film sehr zum Nachdenken an. Die von den sensationslüsternen Medien vielfach verbreiteten Bilder von Polizei-Teams, Leichen und trauernden Angehörigen und die reißerischen Stories über die jugendlichen Täter werden um eine wichtige Perspektive ergänzt. Statt einer minutiösen Schilderung der Vorgänge entsteht ein rein betrachtendes Bild, das nicht kommentieren will und stattdessen die Sinn- und Wahllosigkeit dokumentiert, die das Geschehen so unfassbar macht. Die gedankenlose Gewaltbereitschaft ist ebenso verstörend wie vertraut, wobei die Ballerfreude der zwei Täter gar nicht mehr erklärt werden muss, so sehr hat man sich – in den USA – an den Gebrauch von Schusswaffen gewöhnt. Das Überschreiten der Schwelle vom Büchsenschießen zum Amoklaufen rückt ins Zentrum, und die Frage danach stellt „Elephant“ äußerst eindringlich.

5/5

In the Cut

Es ist nicht lange her, dass mit „Twisted“ und „Taking Lives“ gleich zwei Filme herauskamen, die mit Serienkillern und weiblichen Hauptcharakteren aufwarten konnten. Nun reiht sich mit „In the Cut“ der nächste Film ein, diesmal jedoch ist die zentrale weibliche Figur nicht Polizistin, sondern Zeugin und potentielles Opfer. Meg Ryan spielt die immer etwas abwesend wirkende Literaturprofessorin Frannie, ein durchaus ernstzunehmender Versuch dem Image von der ewigen Zuckerschnute mal für einen Moment zu entkommen. Dafür schreckte sie auch vor expliziten Sex- und Nacktszenen nicht zurück, die dem Film zu einem zweifelhaften Ruf als „Skandalfilm“ verhalfen.

Die neugierige, sexuell etwas orientierungslose Frannie beobachtet eingangs im dunklen Hinterzimmer einer Bar eine Fellatio-Szene, was auf sie einen starken, verwirrenden Eindruck macht. Anhand eines Tattoos erkennt sie in dem Mann dieser Szene Tage später den Polizisten Malloy (Mark Ruffalo) wieder, der sie um Auskunft in einem Mordfall bittet. Pikanterweise war das Opfer zuletzt in eben jener Bar an eben jenem Tag gesehen worden. Trotzdem lässt sich Frannie auf eine Affäre mit dem attraktiven, machohaften Detective ein. Während die Suche nach dem Mörder, der immerhin in der Nachbarschaft Frauen zerstückelt, in den Hintergrund tritt widmet sich der Film intensiv Frannies Leben zwischen ihren Studenten, ihrer kleinen Halbschwester Pauline (Jennifer Jason Leigh), ihrem Ex-Lover John (Kevin Bacon) und ihrer Beziehung zu dem geheimnisvoll-anziehenden Malloy.

Für den Plot unwichtige Szenen nehmen locker zwei Drittel des Films ein, was zu verschmerzen wäre, wenn nicht der ungeliebte Punkt kommen würde da man sich fragt: Wie wollt ihr aus der Nummer jemals wieder rauskommen? Nun, ?In the Cut? kommt nicht raus, sondern präsentiert ein lupenreines Schema-F Ende (siehe „Twisted“) und scheitert somit als Thriller auf der ganzen Linie. Trotzdem ist der Film immer dann spannend und interessant, wenn er bei seinen beiden Hauptdarstellern bleibt. Meg Ryan zeigt eine sehr gute Leistung und macht die zunehmende Verwirrung Frannies spürbar, ihre Neugier und Naivität. Mark Ruffalo gebührt großer Respekt für seine Leistung, sein Malloy ist eine „Larger Than Life“-Figur, ein komplexer Charakter hinter einer interessanten Polizisten-Fassade. Sein intensives, sehr physisches Spiel ist beeindruckend und überzeugend.

Die vielen Ideen und Komponenten des Geschehens stehen sich ein leider selbst im Wege und machen dadurch die Glaubwürdigkeit der Story kaputt. Da ist das sündige Psychodrama in einer verruchten Großstadt, das plötzlich in das Leben von Frannie tretende abgründige Verbrechen, die vielen Anspielungen auf Poesie und eine Vielzahl an Nebenfiguren. Filme wie „Blue Velvet“ und „The Big Easy“ kommen einem da in den Sinn, doch schafft es „In the Cut“ nicht, mehr zu sein als die bloße Summe seiner Teile. Aufgrund der guten Darsteller und der über weite Strecken sehr guten Inszenierung sind dem Film seine Schwächen jedoch einigermaßen zu verzeihen. In all seinem Facettenreichtum und dem starken künstlerischem Ausdruck scheitert er letztlich (nur) an seiner Überambitioniertheit.

6/10

Das Vermächtnis der Tempelritter

Seit ca. drei Jahren macht das inzwischen bestätigte Gerücht die Runde, das Steven Spielberg und Harrison Ford einen vierten Teil von „Indiana Jones“ planen. Da sich aber bis heute kein anständiges Skript finden ließ, liegt das heiß erwartete Projekt weiter auf Eis. Gut für Action-Mogul Jerry Bruckheimer, der sich nicht lumpen ließ in der Zwischenzeit einen neuzeitlichen Indy-Klon ins Rennen zu schicken. In dem von ihm produzierten „Das Vermächtnis der Tempelritter“ jagt Nicolas Cage einem legendären Schatz von unschätzbarem Wert nach, mit freundlicher Unterstützung seiner Co-Stars Jon Voight, Harvey Keitel, Sean Bean und Diane Kruger.Ben Gates (Cage) ist von dem Gedanken an den „National Treasure“ (Originaltitel) seit seiner Kindheit besessen. Über Generationen kursiert in seiner Familie das Gerücht, auf einem kleinen Zettel in der Familientruhe befinde sich der Schlüssel zum Geheimnis. Die geschichtliche Herleitung involviert die Tempelritter, später dann die Freimauerer, von denen einige zu den Gründungsvätern der USA zählten. Um dem vagen Hinweis nachgehen zu können lässt sich der gute Ben mit dem bösen Millionär Ian Howe ein. Gemeinsam entdecken sie auf einem Schiff im ewigen Eis der Arktis einen neuen Hinweis, dann trennen sich ihre Wege wegen eines Streits. Howe will die originale Unabhängigkeitserklärung stehlen, um an die sagenhaften Reichtümer zu kommen, Ben sucht eben dies auf ungewöhnliche Weise zu verhindern.

Von nun an übernimmt endgültig die Action die Regie des Films, von der Library of Congress in Washington, DC geht es zum Staatsarchiv, weiter nach Philadelphia und auch da ist noch nicht Schluss. Auf der Seite der Guten finden sich die Bibliotheksbeamtin Abigail (Kruger) sowie Ben und sein Nerd-Partner Riley, den Bösewicht gibt Howe (Sean Bean) mit seinen finster dreinblickenden Schergen. Die endlose Hetzjagd legt ein hohes Tempo vor und folgt den klassischen Prinzipien eines Abenteuerfilms. Ohne Netz und doppelten Boden entfaltet sich die Geschichte in fast schon altmodischer Manier, die zahlreichen Logiklücken passen da viel zu gut ins Bild, um störend wirken zu können. Die pseudohistorische Story, die immer wieder auf den Gründungsprozess der Vereinigten Staaten zurückgreift, dient mal der Belustigung und mal eher der Ablenkung und darf getrost als hanebüchen bezeichnet werden.

Doch wen interessiert das schon, wenn der Ruf des Abenteuers einen Kinohelden ereilt hat. Wie ein moderner, naiverer Indiana Jones kaspert, trickst und rennt Nic Cage durch den Plot. Für die Ironie sind andere zuständig, Ben ist ein wahrer Held, ein nie wirklich erwachsen gewordenes Kind, das seinen großen Traum verfolgt. Jerry Bruckheimer hat ein Gespür für solches Material, und deshalb überrascht es nicht, dass sein „Vermächtnis der Tempelritter“ die geweckten Erwartungen mühelos erfüllt. Wenn der Hollywood-Produzent mit dem großen Ego einen Schatz ins Spiel bringt, dann gibt es auch einen zu sehen. Andererseits ist sein Film frei von wirklich bemerkenswerten Szenen oder Charakteren und löscht sich deshalb innerhalb von Sekunden nach dem Betrachten bereits fast vollständig wieder aus der Erinnerung.

Handwerklich ist alles grundsolide, angenehmerweise wurde fast vollständig auf CGI-Material verzichtet. Althergebrachte Actionelemente wie aus einem Siebziger-Jahre Bondfilm reichen aus, um die Story am Laufen und die Zuschauer bei Laune zu halten. Regisseur Jon Turteltaub hält gekonnt die Balance zwischen spannenden und amüsanten Szenen und findet auch in den etwas dramatischeren Szenen (meist) einen Weg, allzu derbe Platituden zu vermeiden. Der aufdringliche Standard-Thriller-Score fällt etwas negativ auf, gehört aber ebenso wie ganze Idiotie der Handlung quasi zum Konzept des Streifens dazu, von dem niemand mehr als stromlinienförmige Zerstreuung erwarten sollte.

6/10

Alfie

Die alten Sechziger-Jahre-Filme mit Michael Caine erfreuen sich hoher Beliebtheit in Hollywood. Ein Remake jagt das andere, nach „The Truth about Charlie“ und „The Italian Job“ ist jetzt „Alfie“ an der Reihe. Soweit ich vom Hörensagen weiß, spielte Caine darin einen aus der Arbeiterschicht stammenden, kaltherzigen Gigolo im Swinging London. Regisseur Charles Shyer („Vater der Braut“) hat die Handlung nun von England ins Manhattan der Gegenwart verlegt, doch der nun von Jude Law verkörperte Alfie ist immer noch Brite und damit auch ein wenig ein Außenseiter.Dass Jude Law gerade zum „Sexiest Man Alive“ gekürt wurde, kam den Produzenten des Films bestimmt nicht ganz ungelegen, spielt er hier doch einen Charmeur und Herzensbrecher sondergleichen. Alfie ist ein großer Freund und Verehrer der Damenwelt, lässt allerdings in seinen lakonischen, direkt ans Publikum gewandten Kommentaren sofort durchblicken, dass ihm an festen Bindungen nicht gelegen ist. „Wine & Women“ sind die Essenz seiner streunerischen Existenz. Durch seinen Job als Chauffeur eines Limousinenservices ist er ständig in Kontakt zur High Society Manhattans, und mit seinen perfektionierten Verführungskünsten gelingt es ihm mühelos, bei den wohlhabenden und schönen Damen zu landen.

Nach langen feucht-fröhlichen Abenden kehrt er dann gerne noch bei Julie (Marisa Tomei) ein, einer sympathischen allein erziehenden Mutter, die sich dem attraktiven Luftikus ebenso wenig entziehen kann wie die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen. Zu allem Überfluss, aber mit sichtlichem Vergnügen lässt sich Alfie dann auch noch mit der reifen Lebefrau Liz, wunderbar gespielt von Susan Sarandon ein. Alfies bester Freund und Kollege Marlon (Omar Epps) hingegen trauert der Kellnerin Lonette (Nia Long) nach, die ihm nach einer Affäre den Laufpaß gab. Und so bewegt sich der stets schick gekleidete, wie aus dem Ei gepellte Oberhedonist durch eine Gesellschaft, die sich ihm als vermeintlicher Selbstbedienungsladen zu Füßen legt. Doch dann kommen die Dinge ein wenig ins Rutschen, eine Affäre mit Lonette bringt selbst Schlitzohr Alfie in Erklärungsnöte, ein weitere wächst (welch ein Horrorszenario) zur ernsthaften Beziehung heran und recht bald muss der Schönling einigen schmerzhaften Erkenntnissen ins Auge sehen.

Regisseur Charles Shyer inszeniert einen wahren Tanz der Oberflächlichkeiten, einen Film voller schöner Bilder, schöner Frauen, sein Manhattan zeigt sich von seiner besten und gleichzeitig düstersten Seite. In all der Makellosigkeit fehlt seinen Charakteren stets die endgültige Bodenhaftung, der Wille zum Sesshaftwerden. Alfies „Kumpanei“ mit dem Publikum, dem er seine (bescheidene) Weltsicht veranschaulicht ist auf bittersüsse Weise witzig, trägt den Film aber nicht über seine gesamte Laufzeit. Dabei schwebt das Geschehen zwischen Ernst und Satire, leiser Ironie und offener Kritik, was unter dem Strich jedoch einen etwas unkonsequenten Eindruck hinterlässt. Dass Alfie die Weisheit nicht eben mit Löffeln gegessen hat stellt auch den Film mit zunehmender Dauer vor Probleme.

Wirklich weh tut das „Alfie“ jedoch nicht, denn die durchweg fähigen Schauspieler verleihen ihren Figuren ein Mindestmaß an geistiger Schwere und verhindern so die totale Luftnummer. Sie alle erscheinen als kaum mehr als Stereotypen, und doch ist es gerade die leise Ahnung, dass dem nicht so ist, die einen beschäftigt. Jude Law glänzt in einer schwierigen Rolle, er erweckt mit „Alfie“ ein kleines Monster mit zutiefst menschlichem Kern zum Leben, dessen Entwicklung – über das Ende dieses Films hinaus – mich durchaus interessieren könnte. Denn bei aller demonstrativen Oberflächlichkeit birgt der Stoff doch einige sehr interessante Ideen und Ansätze, die einfach zu gut zum heutigen (Vorsicht: Unwort!) Zeitgeist passen wollen.

Für alle, die die Wahl haben, sei noch folgendes erwähnt: „Alfie“ ist in englischer Sprache eindeutig besser, denn der Synchronfassung kommt mit Jude Laws britischem Akzent auch ein großer Teil des Charmes seiner Hauptfigur abhanden. Das ist doppelt tragisch, denn die im Original ?besseren? Witze gehen ebenso verloren wie ein Teil des Interesses für das selbst gewählte Außenseiterdasein des großen Blenders Alfie.

7/10

Sideways

„Sideways“, der neue Film von „About Schmidt“-Regisseur Alexander Payne, hat alle Vorrausetzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwei kurze Kinowochen hinter sich zu bringen und dann in der Versenkung zu verschwinden. Der Hauptdarsteller ist beim besten Willen kein Adonis, es gibt keinen Plot, keine Action und keine Stars. Glücklicherweise gibt es so etwas wie Mund-zu-Mund-Propaganda, weshalb der Film trotzdem ein Erfolg geworden ist, und das völlig zu recht.Der erfolglose Schriftsteller Miles (Paul Giamatti) knabbert nach zwei Jahren immer noch an seiner Scheidung, schlägt sich als Lehrer durch und widmet sich hingebungsvoll dem Genuss edler Weine. Jack (Thomas Haden Chruch), ein alter Freund aus College-Zeiten, ist vom Fernsehschauspieler zum Werbesprecher abgestiegen. Anläßlich Jacks bevorstehender Hochzeit begeben sich die zwei ungleichen Männer auf eine Tour durch die Weinanbaugebiete Kaliforniens. In Miles altem Saab-Cabrio fahren sie durch die idyllische grüne Landschaft, von einer Weinprobe zur nächsten.

Während Miles zunächst vor allem die kulinarische Komponente des Trips abzufeiern gedenkt, macht Jack ziemlich schnell deutlich, dass für ihn zu einem echten Junggesellenabschied auch Frauenabenteuer dazugehören. Dabei erweist sich der optimistische, eher simpel gestrickte Jack als fähiger Aufreißer, der den beiden aus dem Stand eine Verabredung mit Winzerin Stephanie (Sandra Oh) und Kellnerin Maya (Virginia Madsen) besorgt. Miles kennt und schätzt die attraktive Maya bereits von seinen früheren Besuchen in ihrem Lokal, hat aber von weiteren Avancen unter immer neuen, mitunter recht fadenscheinigen Ausflüchten Abstand genommen. Beim Dinner – verbunden natürlich mit reichlich Wein – entdeckt man einige gemeinsame Interessen, doch auch das kann Miles nicht daran hindern, in nicht mehr ganz nüchternem Zustand bei seiner Ex-Frau anzurufen. Jack hingegen gelangt bei Stephanie sofort an sein Ziel, was den eher zart besaiteten Miles ein wenig mitnimmt. Immerhin steht doch dessen Hochzeit kurz bevor, zu der zu allem Überfluss auch noch seine ehemalige Gattin samt neuem Partner erwartet wird.

Die durchweg entspannte Stimmung des Films erzeugt Alexander Payne durch die gelungene Mischung aus komischen und ernsthaften Momenten, die sich zeitweise recht kurios überlagern. Begleitet von einem jazzigen, lockeren Score folgt die Kamera dem Treiben der Charaktere, beobachtet dabei sehr genau, ohne jedoch die Figuren (in letzter Konsequenz) bloßzustellen. Die Hauptdarsteller, allen voran Paul Giamatti, sind durchweg exzellent und spielen fernab jeder klischeehaften Darstellung vier gewöhnliche Menschen bei ihrem alltäglichen Kampf, das Leben zu meistern. Das markante, viereckige Gesicht von Thomas Haden Church wirkt hier wie ein bewusster Antipol zum unverwechselbaren Neurotiker-Antlitz des durch einfache Gesten und Blicke bestechenden Giamatti, dem seine depressiven Tendenzen in nahezu jeder Einstellung anzusehen ist, ebenso wie sein moderater, als Hobby getarnter Alkoholismus. Ähnlich wie Paynes vorigen Film „About Schmidt“ kann man „Sideways“ als Tragikomödie bezeichnen, allerdings setzt der Regisseur hier auf gänzlich anders gestrickte Charaktere als den verbiesterten Parade-Spießer auf Abwegen, dem Jack Nicholson seine Züge lieh. War der noch im Mittleren Westen der USA unterwegs sind diese Menschen fest mit ihrem Heimatstaat Kalifornien verbunden, und so wird die Tristesse von Nebraska durch ungleich schönere Aussichten abgelöst, die Weinberge und Landstrassen werden dabei beinahe zu Handlungsträgern.

Es ist eine ereignis- und aufschlussreiche Woche, die Miles und Jack auf Golfplätzen, ihrem Hotelzimmer, in Bars, Restaurants und in der Natur verleben. Trotzdem wirkt die Handlung niemals forciert, das Gefühl von Spontanität und Authentizität geht nicht verloren, auch nicht wenn gegen Ende noch einige fast schon Slapstick-artige Szenen geboten werden. Obwohl alle Charaktere gewisse Veränderungen durchmachen, bleiben sie sich selbst treu, hier sind keine fremden Mächte am Werk, die für Läuterungen und Wandlungen sorgen könnten. So werden große Themen wie Liebe, Midlife-Crisis und allgemeine Sinnsuche immer auch mit Humor und fast wie nebenbei abgehandelt. Es ist genau diese Unbekümmertheit, das vermeintlich Zufällige in diesem Film, was im Gedächtnis bleibt, wenn Jack und Miles ihren Ausflug beendet haben.

9/10

Wicker Park

Weniger wohlmeinende Menschen ordnen „Wicker Park“, dieses Zwitterwesen aus rätselhaftem Thriller und Romanze, vermutlich unter der Rubrik „Filme, die die Welt nicht braucht“ ein. Und sie liegen damit nicht einmal ganz falsch, wie ich eingestehen will. Doch hat mir der Film Spaß gemacht, trotz seiner Vorhersehbarkeit und der Tatsache, dass die Geschichte bei näherer Betrachtung auseinander fällt. Zunächst also, ohne zuviel zu verraten, ein paar Fakten zur Handlung.Bei einem Geschäftsessen glaubt der junge Werbefachmann Matthew (Josh Hartnett) seine große Liebe Lisa (Diane Kruger) wieder gesehen zu haben. Lisa hat ihn vor einiger Zeit ohne ein Wort des Abschieds verlassen, was dem inzwischen mit der schönen Rebecca verlobten Matthew immer noch sehr nahe geht. Anstatt die geplante Dienstreise nach China anzutreten entschließt er sich, noch einmal nach seiner Verflossenen zu suchen. In Rückblenden erfährt der Zuschauer nun nebenbei, wie sich die beiden im Schuhladen von Matthews bestem Kumpel Luke kennen lernten. Eben jener Luke, der selber gerade bis über die Ohren in eine gewisse Alex (Rose Byrne) verliebt ist, muss Matthew bei seiner Suche behilflich sein. Obwohl er einige Spuren finden kann, die auf Lisa hinweisen, hat Matthew kein Glück bei seiner Suche und findet sich bald „nicht ganz zufällig“ im Bett mit einer anderen jungen Frau wieder.

Zwischen der Suche nach Lisa in der Gegenwart und dem Auseinanderbrechen der Beziehung in der Vergangenheit springt „Wicker Park“ hin und her, enthüllt dabei langsam seine Rätsel, stellt Fallen, und jagt seine Figuren dabei durch einige äußerst unterhaltsame, wenn auch zuweilen arg gestellte Szenen. Wer hier ernsthafte Figurenentwicklung erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Allerdings weckt das Geschehen auch keine großen Erwartungen in diese Richtung. Die Vorzüge des Films liegen eher in seiner naiven Direktheit, mit der er beginnt seine, vorsichtig ausgedrückt, unglaubwürdige Geschichte zu erzählen. Mit hohem Tempo geht es hinein ins mysteriöse Treiben, und Regisseur Paul McGuigan legt ein gutes Gespür dafür an den Tag, seine jungen Mimen ohne größere Schiffbrüche durch eine Geschichte zu manövrieren, wie sie nur im Kino funktionieren kann. So fällt „Wicker Park“, ähnlich wie z.B. „Gothika“, durchaus in die oben genannte, wenig schmeichelhafte Kategorie. Die Frage ist letztlich, ob man gewillt ist, auch trashige Geschichten zu genießen, so sie denn gut gemacht sind. Meine Antwort, zumindest im Hinblick auf diese beiden Streifen, lautet „ja“.

4/5

The Cooler

Das „Shangri-La“ in Las Vegas ist eines der letzten Casinos der alten Schule, ohne Vergnügungspark und anderem Zirkus. Betrieben wird es von Shelly Kaplow, einem etwas altmodischen Gangster, gespielt von Alec Baldwin. Um seine Gewinne zu sichern setzt der, neben den üblichen Mafia-Mätzchen, auf den Einsatz des Coolers Bernie (William H. Macy). Der arme Kerl ist schon immer ein Verlierer gewesen, und seine bloße Anwesenheit am Tisch beendet auch die hartnäckigste Glückssträhne der Spieler. Dabei geht Bernie seinem Job keinesfalls freiwillig nach, er begleicht auf diese Weise alte Schulden bei seinem Boss.William H. Macy ist in Filmen wie „Fargo“ und „Boogie Nights“ zu dem Hollywood-Loser schlechthin geworden, und „The Cooler“ ist ganz eindeutig sein Film. Bernies Gesicht strahlt eine unglaubliche Hoffnungslosigkeit aus, er humpelt langsam und gebückt durchs Casino. Immer wenn er einen Kaffee bestellt, ist die Sahne alle, doch das wundert ihn schon lange nicht mehr, er kennt es nicht anders. Immerhin hat er wage Zukunftspläne, denn seine Schulden bei Shelly sind bald bezahlt, und dann möchte er weg aus Las Vegas und ein neues Leben beginnen.

Während Shelly ob seines angeblich überholten Führungsstils von Seiten seiner Partner unter Druck gerät, geschieht das Unfassbare. Die hübsche Kellnerin Natalie (Maria Bello) findet Gefallen an Jerry, und die beiden werden ein Paar. Jerry kann kaum glauben, dass ihm solches Glück wiederfahren kann, aber die Strafe dafür folgt auf dem Fuße – er verliert seine Qualitäten als Cooler und somit für Shelly seine Daseinsberechtigung. Als dann auch noch sein Sohn mit seiner hochschwangeren Freundin auftaucht, steht Bernies Leben völlig auf dem Kopf. Gerne möchte er mit Natalie aus der Stadt verschwinden, aber ganz so einfach ist das in der Branche eben nicht.

Regisseur Wayne Kramer hat mit „The Cooler“ einen gelungenen Film abgeliefert. Zwischen Komödie und ernstem Drama pendelnd lebt der Film in erster Linie von seinen hervorragenden Darstellern. Einen anderen Schauspieler als Macy in der Rolle des Coolers ist kaum vorstellbar, so perfekt verkörpert er den einsamen, desillusionierten Loser, der unerwartet sein spätes Glück findet. An seiner Seite überzeugt Maria Bello, deren Figur dem Geschehen eine ordentliche Portion Menschlichkeit aufdrückt. Alec Baldwin ist ebenfalls in Bestform und spielt Shelly als einen brutalen, aber meist fairen Mann der alten Schule. Dafür gabs immerhin eine Oscar-Nominierung für die beste Nebenrolle.

„The Cooler“ liefert ein schönes Portrait des alten Las Vegas, einer reinen Spielhölle für Erwachsene, in der es trotzdem noch ein wenig Platz für Menschlichkeit gibt. Ob diese Bilder der Wahrheit entsprechen vermag ich nicht zu sagen. Als Rahmen für diese Geschichte taugen sie allemal, ihnen schuldet der Film eine seiner besten Szenen, in der sich Shelly um den alternden Entertainer Buddy (Paul Sorvino, der Gangster-Boss aus „Goodfellas“) kümmert. Der soll bald ersetzt werden, statt ihm soll zukünftig Johnny Capella (N`Sync`s Joey Fatone) das Publikum begeistern. Aber noch hat Shelly ja ein Wörtchen mitzureden.

8/10

Out of Time

Matt Whitlock (Denzel Washington) ist Polizeichef in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Florida. Seit kurzen von seiner schönen Frau Alex (Eva Mendes) getrennt lebend, hat er eine Affäre mit der verheiratenen Ann (Sanaa Lathan). Doch dann der Schock ? Ann hat Krebs und nur noch wenige Monate zu leben, ihre einzige Chance ist eine Spezialbehandlung in der Schweiz. Die ist allerdings sehr teuer, doch Matt ist ein guter Kerl und besorgt das Geld.Nun fängt der richtige Ärger an, denn das konfiszierte Drogengeld, das Matt „ausborgte?, muss viel früher als geplant der Staatsanwaltschaft übergeben werden. Matts Chancen, es zurückzukriegen sind eher gering, denn Ann und ihr Mann sind offenbar bei einem Brand in ihrem Haus ums Leben gekommen. Zu allem Überfluss ermittelt in dem Fall der beiden Toten Matts Ex Alex, und die hat bald spitz gekriegt, dass Ann einen Lover hatte. Nun wirds richtig eng für Matt, der seine ganze Kraft aufbieten muss, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Nicht zu vergessen, dass er die Sache natürlich nebenbei noch aufklären muss.

Eröffnet vom schönsten Vorspann seit „Catch Me If You Can? beginnt „Out of Time? vielversprechend. Nach einer kurzen Einführung der Charaktere setzt schnell die Thrillerhandlung ein, wobei der Film sich selbst nicht zu ernst nimmt. Die Wendungen, die die Handlung nehmen wird, sind früh am Horizont zu erkennen. Entscheidend ist aber auch nicht, was passiert, sondern wie es passiert. Regisseur Carl Franklin präsentiert die Story ohne große Schnörkel, und verbindet viele gute Szenen mit nur sehr wenigen eher schlechten. „Out of Time? kommt mit einer sympathischen Lässigkeit daher, die auch von den Darstellern in dem unterhaltsamen und kurzweiligen Plot unterstützt wird. Die Sonne Floridas ist dabei heimlicher Hauptdarsteller, sie hat als natürliche Lichtquelle großen Anteil an der ansprechenden Optik des Films.

Getragen wird „Out of Time? eindeutig von Denzel Washington, sein Spiel ist überzeugend und stimmig. Ein bißchen wirkt es, als hätte ihm die ungewohnt „leichte? Rolle großen Spaß gemacht, so entspannt und souverän dominiert er die Story. An seiner Seite liefert Eva Mendes eine anständige Vorstellung ab. War sie bisher meist nur als Schmückwerk engagiert („Irgendwann in Mexiko?, „2 Fast 2 Furious?) kann sie hier tatsächlich beweisen, dass sie nicht frei von schauspielerischem Talent ist. Der Rest der Besetzung bietet ebenfalls keinen Grund zur Klage.

Charmant wie seine beiden Hauptdarsteller ist eigentlich der ganze Film. Man könnte kritisch einwerfen, dass er ein wenig zu stromlinienförmig daherkomme. Oder dass er wenig originell sei. Aus der Luft gegriffen wären solche Vorwürfe nicht, aber letzlich prallen sie an der Leichtigkeit von „Out of Time? ab. Der Film erreicht sein Ziel, das Publikum über die gesamte Laufzeit bei Laune zu halten. Mal recht spannend, hin und wieder komisch oder auch romantisch kommt das Geschehen daher, nicht immer fesselnd, aber auch niemals langweilig. Wer auf der Suche nach gelungener Unterhaltung ist, kann den Gang ins Kino bedenkenlos antreten.

4/5

Gothika

Es gibt in der englischen Sprache einen Ausdruck, der auf „Gothika“ besser passt als jeder (mir bekannte) Begriff der deutschen Sprache: guilty pleasure. Ein mit leichten Schuldgefühlen verbundenes Vergnügen, im Falle von „Gothika“ hervorgerufen durch einen guten schlechten Film. Regie führt bei diesem Matthieu Kassovitz, der neben „Hass“ auch den definitiv schlechten schlechten Film „Die purpurnen Flüsse“ gedreht hat. Als Schauspieler kennt man ihn ebenfalls, am bekantesten wohl seine Rolle in „Amelie“ als deren Liebster.In der Hauptrolle ist Halle Berry als Psychologin Miranda Grey zu sehen, frisch verheiratet mit dem Chef jener Klapsmühle, in der sie arbeitet. Eines Abends ist Miranda gezwungen einen Umweg nach Hause zu nehmen und trifft dabei auf ein junges Mädchen, das nackt im Regen steht. Als Miranda sie ansprechen will, scheint sie Feuer zu fangen – Schnitt. In der nächsten Szene ist die Ärztin schon zur Patientin geworden. In einer Zelle ihres ehemaligen Arbeitsplatzes erfährt die verstörte Frau von ihrem Ex-Kollegen Pete (Robert Downey Jr.), dass ihr Mann auf brutale Art und Weise ermordet wurde. Hauptverdächtige ist sie selbst, da sie definitv am Tatort gewesen ist.

„Du kannst niemandem vertrauen, der dich für verrückt hält“, etwa in dieser Form bringt gleich am Anfang des Films Mirandas Patientin Chloe (Penelope Cruz) eine Wahrheit zum Ausdruck, die für die Handlung entscheidend ist. Während ihr Umfeld bemüht ist, ihre „Geisteskrankheit“ zu verstehen, muss Miranda alleine Licht ins mysteriöse Dunkel bringen. Das ist als Insassin einer geschlossenen Anstalt natürlich nicht ganz einfach. Überzeugt von ihrer eigenen Unschuld und heimgesucht von einigen wegweisenden Erscheinungen kommt sie der schrecklichen Wahrheit langsam auf die Schliche.

Entscheidend für eine solche doch sehr trashige Story ist die Art und Weise, auf die sie vermittelt wird. Kassovitz` düstere Bilder sorgen für eine angemessen gruselige Atmosphäre, in der Halle Berry eine gute, wenn auch nur bedingt anspruchsvolle Leistung zeigt. Im Gegensatz zu ambitionierten Irrenhaus-Filmen wie „Einer flog übers Kuckucksnest“ oder auch „Girl, Interrupted“ macht „Gothika“ keinen Hehl daraus, dass die Anstalt hier einfach der passende Schauplatz für eine anständige Psychothriller-Story ist. An erster Stelle steht die Unterhaltsamkeit des Geschehens, für die bekannte und gute Nebendarsteller ebenso sorgen wie das straffe Erzähltempo. Vorhandene Lücken der Story werden dadurch zwar nicht überdeckt, fallen aber weniger ins Gewicht, dasselbe gilt für die zwar durchaus zufriedenenstellende, aber etwas rätselhaft bleibende Auflösung. Wer genau was und warum getan hat ist mir jedenfalls nicht ganz klar geworden, gestört hat mich das aber wenig.

Man kann „Gothika“ nicht wirklich ernst nehmen, der konstruierte Plot und die rätselhaften Erscheinungen sind kein Material für ein seriöses Drama. Gut für den Film, dass dies alle Beteiligten offensichtlich verstanden haben. Das große Geheimnis, hinter das der Zuschauer natürlich ebenso kommen will wie die Figuren im Film, hinterläßt keinen zu faden Nachgeschmack, es trifft denselben Ton wie der Rest des Films. So vermeidet man einen sinnlosen und nervigen Schluss wie z. B. das „Planet der Affen“-Remake oder jüngst „Basic“. Deshalb gilt für Kassovitz‘ jüngste Arbeit, was ich über die beiden anderen Streifen nicht zu sagen wage: That`s entertainment.

7/10

Gegen die Wand

Fatih Akin hat sich in Deutschland mit Filmen wie „Kurz und Schmerzlos“, „Im Juli“ und zuletzt „Solino“ einen guten Ruf als Regisseur erworben. Wie das nun mal mit mir und heimischen Produktionen so ist, habe ich bis zu seinem neuesten Streifen und Berlinale-Gewinner „Gegen die Wand“ keinen dieser Filme gesehen. Doch Akins neuestes Werk macht nicht schlecht lust, sich mit seinem bisherigen Schaffen auseinanderzusetzen.Cahit (Birol Ünel) ist ein in Hamburg lebender Türke von ca. 40 Jahren. Seine Arbeit in einer alternativen Musik-Spelunke bringt ihm das nötige Geld ein, um sich ohne Rücksicht auf Verluste seinem auf der Grenze zum Pennertum balancierenden Leben hingeben zu können. Grenzenloser Bierdurst und schwelender Selbsthass veranlassen ihn bald dazu, mit seinem Wagen frontal „Gegen die Wand“ zu fahren. Nach dem großen Knall findet er sich im Krankenhaus wieder, Abteilung für Suizid-Gefährdete. Dort trifft er die junge Sibel (Sibel Kekilli), die sich per Freitod aus den engen Fesseln ihrer traditionsbewussten Familie befreien wollte. Die durchweg chronologisch präsentierte Handlung ist eingebettet in eine immer wiederkehrende Szenerie vor der Kulisse Istanbuls, in der eine mehrköpfige Band mit Sängerin das Geschehen musikalisch-poetisch kommentiert.

Bald präsentiert Sibel dem verblüfften Cahit eine Lösung für beider Probleme – in erster Linie jedoch für ihr eigenes: Cahit muss Sibel heiraten. Ihre Eltern würden ihn als Ehemann akzeptieren, schließlich ist er Türke. Es wäre ja nur zum Schein, sie würde ihm keinen Ärger bereiten. Als der das ablehnt, greift Sibel zu drastischen Maßnahmen. Sie meint es bitter ernst mit ihrem Wunsch nach Freiheit, und so sagt Cahit doch noch zu. Erst muss natürlich noch hochoffiziell um ihre Hand angehalten werden, bevor die beiden ihr eigenwilliges Eheleben voller Partys und Drogen verwirklichen können.

Die erste Stunde des Films bietet neben der packenden Geschichte auch jede Menge Lacher. Mit sicherer Hand führt Akin sein (deutsches) Publikum in eine Welt, die es meist nur von Aussen kennt. Aus der Sicht von Cahit, der seine türkischen Wurzeln bis zur Grenze der Selbstverleugnung aufgegeben hat, ergibt sich ein buntes Bild von türkischer (Groß)Familie, Tradition und Lebensweise. Da ist Sibels großer Bruder, der seine Schwester in guten Händen wissen will und die Ehre der Familie im Auge hat, der strenge Vater und die pragmatische Mutter. Mittendrin ist Cahit ein Fremdling, weder religiös noch traditionsbewußt, dafür mit Hang zum Drogenkonsum und Alkohol-Exzessen.

Die wilde Ehe der beiden läuft bald aus dem Ruder. Sibel nutzt ihre neue Freiheit durch einige One-Night-Stands, während Cahit sich langsam in seine Angetraute verliebt. Es kommt zu einer Katastrophe, die die beiden für Jahre trennen wird.. Nach der intensiven, von lauter Musik, Sex und Gewalt geprägten ersten Stunde nimmt Akin ein wenig das Tempo raus. Die Handlung verlässt Hamburg mit einem Paukenschlag und konzentriert sich auf Sibels Leben in Istanbul, wo sie dem geregelten Dasein als Zimmermädchen bald überdrüssig ist und sich in alter Manier ins Nachtleben stürzt. Erst nach einigen Jahren trifft sie in der „fremden“ Heimat ihren Ehemann wieder und sie stellen sich den Dämonen ihrer Beziehung.

Cahits Besuch in Istanbul führt die Geschichte zu einem Ende, das nicht wirklich eines ist, ohne aber dabei einen faden Nachgeschmack zu hinterlassen. Glaubwürdig geht das Drama dieser sonderbaren und heftigen Beziehung in die letzte Runde. Wäre der Film hier nur ein paar Minuten länger wäre die Grenze zur Behäbigkeit vielleicht überschritten. „Gegen die Wand“ vermeidet es geschickt, angestrengt oder aufgesetzt zu wirken. Großen Anteil daran haben die Hauptdarsteller. Ünel, der teils aussieht wie eine rauhe Straßenversion von Jürgen Drews, ist eine großartige Besetzung für den wilden, vom Leben enttäuschten Cahit. Eindringlich kehrt er das Innerste seiner Figur nach aussen, ohne sich dabei der Lächerlichkeit preiszugeben. Seine Partnerin Kekilli, hier in ihrer ersten ernsthaften Rolle, haucht dem Film durch ihre ungekünstelte Art jede Menge Authenzität ein. Dass ihre eigene Lebensgeschichte der ihrer Figur nicht ganz unähnlich ist, war ihrer Darstellung sicher nicht abträglich.

Fatih Akin hat ein sehenswertes Stück Kino geschaffen und zurecht viele Lorbeeren dafür kassiert. Sein Film ist frisch, voller Energie und Ideen, ohne dabei seine Charaktere zu vergessen. Mit einem starken Gespür für große Szenen, einem scharfen Blick auf das Milieu und der richtigen Portion Humor erzählt er eine Geschichte, die leicht in einer Überportion Sozialkritik hätte ertrinken können. Sein kritischer Blick auf bestehende Verhältnisse regt trotzdem zum nachdenken an, was „Gegen die Wand? nur um so wertvoller macht.

9/10

Aktuell in der Videothek

Bruce Allmächtig

Fernseh-Reporter Bruce (Jim Carrey) hegt den ehrgeizigen Wunsch, zum Anchorman der Nachrichten seines Senders zu werden, doch ihm will einfach nichts gelingen. Seinem Frust lässt er durch einige heftige Verbal-Attacken gegen den lieben Gott aus. Der jedoch ist das Gezeter bald leid und überträgt Bruce kurzerhand seine Macht – auf dass er doch alles besser machen möge! Natürlich weiss Bruce so einiges zu seinen Gunsten anzustellen und bald hat er sein Ziel scheinbar erreicht. Doch seine Beziehung zu Grace (Jennifer Aniston) scheint unter seinen neuen Kräften eher zu leiden.

Jim Carrey schneidet eifrig Grimassen in dieser durchaus mit einigen guten Gags gesegneten Komödie, die ihre blasphemische Grundidee so harmlos wie eben möglich vor dem Zuschauer ausbreitet. Das zuckersüße und vorhersehbare Ende ist bei Produktionen dieser Kragenweite zwar obligatorisch, deswegen aber nicht weniger langweilig. Letzten Endes bestätigt der Film alle Erwartungen, die man an ihn haben kann – die guten und auch die schlechten.
5/10

Voll Frontal

Steven Soderbergh hat in seinem letzten Film eine Menge Stars (u.a. Julia Roberts, Catherine Keener und David Duvochny) untergebracht, die sich vor ihrer Teilnahme an dem Projekt mit gewissen Regeln einverstanden erklären mussten. Da gab es auf dem Set z.B. keine Trailer, auch für Klamotten und Make-Up war jeder selbst verantwortlich. Der Film erzählt zwei Geschichten, von denen eine sozusagen ein Film im Film ist. In einem Erzählstrang interviewt eine hübsche Reporterin einen Schauspieler, in einem anderen will eine für „Human Resources“ zuständige Frau ihren Mann verlassen. Dazu kommen noch einige weitere Handlungsfäden, unter anderem eine erstmals aufgeführte Theaterinszenierung mit dem Protagonisten Adolf Hitler.

Soderbergh gelingen einige starke Momente in seinem Film, die Stories bleiben aber überwiegend eher blass. Die Schauspieler geben sich durchweg Mühe, doch da das Drehbuch ihnen eine klassische Entwicklung ihrer Rollen zumeist versagt, wird man die meisten Charaktere schon bald wieder vergessen. Insgesamt durchaus einen Versuch wert, aber kein großes Experimentalkino.
6/10

Serving Sara

Komödie mit „Friends“-Star Matthew Perry und Liz Hurley in den Hauptrollen. Der schwarze US-Starkomiker Cedric the Entertainer spielt den Chef einer Agentur, die sich auf das Zustellen von Scheidungspapieren spezialisiert hat. Die beiden Top-Zusteller sind Joe (Perry) und Tony, die beiden können sich jedoch nicht besonders gut leiden. Als Joe den wichtigen Auftrag bekommt, Sara Moore (Hurley) die Scheidungspapiere zuzustellen gibt Kollege Tony der ahnungslosen Sara einen Tip. Doch Joe schafft es schließlich noch, erhält aber ein Angebot, das er nicht ablehnen will: 1 Million Dollar verspricht ihm die Noch-Gattin des Millionärs Moore, wenn dieser die Papiere zuerst bekommt. So würde der Scheidungsprozess nicht im konservativen Texas geführt. „Serving Sara“ enthält lediglich eine Handvoll guter Jokes, ansonsten gibts Geschmacklosigkeiten und lahme Running-Gags. Die Love-Story zwischen Joe und Sara ist wenig originell, die Story vorhersehbar und voller Logik-Fehler. Der Film steht in den Videotheken warm und trocken und dort sollte er auch bleiben.
3/10

Donnie Darko
Es passieren seltsame Dinge im Leben des jungen Sonderlings Donnie (Jake Gyllenhaal). Sein neuer imaginärer Freund Frank ist ein merkwürdiges Etwas mit einer hässlichen Hasenfratze und eröffnet ihm, dass in wenigen Wochen das Ende der Welt gekommen ist. Dann schlägt eine Flugzeugturbine in Donnies Zimmer ein – doch zum Glück ist der Schlafwandler nicht zuhause. Und auch ansonsten ist im Oktober 1988 einiges los in der Kleinstadt. Donnies junge Lehrerin (Drew Barrymore) wird bezichtigt, unpassende Lehrstoffe zu behandeln, und seine Klasse muss das hirnrissige Therapie-Video eines Psycho-Quacksalbers (Patrick Swayze) ansehen, der auch noch persönlich zum Vortag in die Schule kommt. Thematisch bewegt sich der Film irgendwo zwischen realistischem (Teenager-)Drama und Science-Fiction, ist dabei überraschend frei von lästigen Klischees und baut in seiner dunklen Atmosphäre auch echte Spannung auf. Mit dem Budget von nur 4,5 Mio. Dollar konnten gar einige gelungene Spezial-Effekte finanziert werden. Regisseur Richard Kelly hat einen stimmigen Independent-Streifen inszeniert, gut besetzt und mit eigentümlichem Charme. Wegen der thematischen Vielschichtigkeit und mehreren Interpretationsmöglichkeiten auch ein zweites Mal zu genießen.
9/10

Das Leben des David Gale
Regisseur Alan Parker hat bereits mit „Mississippi Burning“ bewiesen, dass er starke Thriller drehen kann. Auch „Das Leben des David Gale“ funktioniert phasenweise sehr gut. Im Mittelpunkt steht eben jener Gale (Kevin Spacey), der in einem Gefängnis in Texas auf seine baldige Hinrichtung wartet. Angeklagt wegen Mordes und Vergewaltigung bietet der ehemalige College-Professor der jungen Journalistin Bitsy Bloom (Kate Winslet) ein exklusives Interview an. In Rückblenden erzählt der Film dann von Gales früherem Leben, und langsam gelangt Bitsy zu dem Entschluss, selbst noch ein paar Nachforschungen anzustellen, um den Tathergang von damals zu klären. Die handwerklich und schauspielerisch solide inszenierte Story hört sich sehr bekannt an, ist aber soweit ich weiss noch nie mit der finalen Wendung dieses Dramas versehen worden. Allerdings aus gutem Grund, denn obwohl das Ende auf eine gewisse Art Sinn ergibt hinterließ es bei mir einen äußerst faden Nachgeschmack.
6/10

3 Engel für Charlie: Volle Power
Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu bekämpfen in aufreizenden Posen einen Verbrecherring, der US-Agenten enttarnen will. Weil die Story erstens nichts hergibt und sie zweitens auch keiner sehen will hat Regisseur McG ein Actionfeuerwerk inszeniert, das sich keine Pause könnt. Mal durchaus komisch, mal ein wenig zu albern und ohne jeden Tiefsinn prügeln, schießen und becircen sich die drei Hauptdarstellerinnen durch den Film, der nebenbei Demi Moore ein Comeback als runderneuerter Ex-Engel auf Abwegen beschert. Kurzweilig, unnötig und hirnlos kommt der Streifen daher, und bevor man es gemerkt hat ist er schon wieder vorbei. Weder langweilig noch spannend bereitet „Volle Power“ all denen Vergnügen, die von den genannten Mankos nicht abzuschrecken sind und die bunten Bilder grinsend über sich ergehen lassen können. Prädikat: „Wenn alle anderen Neuheiten weg sind.“
4/10

I Spy
Reine Formsache: Der Film ist mies. Mäßige Jokes, durchschnittliche Action und eine Story, die beides zusammenhalten soll. Eddie Murphy und Owen Wilson (Hansel aus „Zoolander“) haben beide großes komödiantisches Potential, aber in diesem Mainstream-Langweiler nützt das ebensowenig wie die Präsenz von Schönheit Famke Janssen (Xena Onatopp aus „Goldeneye“). „I Spy“ ist in den Staaten und, wie ich glaube auch hier, derbe gefloppt – bleibt zu hoffen, dass nun bald Schluss ist mit bekackten „2 ungleiche Partner“-Streifen wie „Bad Company“, „National Security“ oder eben diesem.

The Missing

Ron Howards „The Missing“ beginnt gleich in zweierlei Hinsicht untypisch für einen Western. Mit Cate Blanchett steht eine Frau im Mittelpunkt der Story, und die wird dazu eingangs noch auf dem S*****haus sitzend gezeigt. Blanchett spielt die robuste, selbstständige Ärztin Maggie Gilkeson, die mit ihren zwei Töchtern und ihrem Liebhaber Blake irgendwo im weiten Westen der USA lebt. Ihr Vater Samuel, gespielt von Tommy Lee Jones, verließ seine Familie, um eine Indianerin zu heiraten und mit ihr bei ihrem Stamm zu leben. So ist Maggie über sein plötzliches Auftauchen auf ihrem Farmhaus auch alles andere als erfreut.Den alten Mann treibt es schon bald weiter, aber trotzdem kehrt im Hause Gilkeson keine Normalität ein. Ein Ausflug in die nächste Stadt endet mit einer Tragödie, Indianer ermorden Brake (Aaron Eckhart) und kidnappen Lily (Evan Rachel Wood), die ältere der beiden Töchter. Verzweifelt bittet Maggie die Autoritäten um Unterstützung, doch die machen ihr nicht viel Hoffnung. Es bleibt der gottesfürchtigen Frau nichts anderes übrig als sich mit ihrem Vater zusammen zu tun. Bald machen sich Sam, Maggie und die kleine Dot auf den Weg. Sie müssen verhindern, dass die Kidnapper Mexiko erreichen, wo sie ihre menschliche Beute verhökern wollen.

Sam, der sich von Zivilisation und Glauben abgewandt und ganz zum Indianer geworden ist, führt sie bald auf die Spur von Lily. Bevor es aber zum Showdown kommen kann, gibt es für die drei viele Hindernisse zu überwinden, sie müssen mit Krankheiten, Sturzfluten und Voodoo-mäßigem Zauber kämpfen. Natürlich rückt auch die Vater/Tochter-Beziehung hin und wieder in den Vordergrund. Parallel dazu bekommt der Zuschauer auch die Bande von Indianern zu sehen, einem wilden und brutalen Haufen, der früher für die US-Armee gedient hat.

„The Missing? beginnt recht vielversprechend, führt geschickt seine Charaktere ein und entwickelt seine Story in starken Bildern und unterlegt von einem prägnanten Score. Leider geht dem ganzen ziemlich bald die Luft aus. Der Film kann die aufgebaute Spannung nicht halten, er verliert sich in vorhersehbaren kleinen Krisen und wenig originellen Szenen mit Pferd und Schießeisen. Cate Blanchett und Tommy Lee Jones sind dabei nicht das Problem, Blanchett spielt ihre Rolle überzeugend und Jones die seine angenehm zurückhaltend. Doch weder das Drama der Familie noch die Rahmenhandlung sind in der Lage, den Zuschauer zu fesseln.

So saß ich die letzte Stunde des Films doch recht teilnahmslos da, weder arg gelangweilt noch wirklich interessiert. Der große Showdown ist gar nicht verkehrt, zieht sich aber wie der Rest des Films ein wenig in die Länge. Am Ende ist „The Missing? ein sehr viel konventionellerer Western als der Anfang einen glauben machen will. Der Film ist nicht ganz verkehrt, aber empfohlen sei er nur ausgemachten Freunden des Genres.
6/10

Matrix: Revolutions

Die Erwartungen an die Matrix-Fortsetzungen „Reloaded“ und „Revolutions“ waren hoch, und schon der erstere hat viele verwirrte und gar enttäuschte Gesichter hinterlassen. Ich fand „Reloaded“ ganz in Ordnung, fragte mich allerdings genau wie jeder andere, was für ein Ende die hochkomplizierte Story nehmen würde. Hatte der Architekt recht, als er Neo am Ende vor die Wahl Zion oder Trinity stellt? Was ist aus Agent Smith geworden, wie passt der Merowinger ins Bild, seine Frau Persephone, das Orakel? „Revolutions“ konnte mir diese Fragen nicht beantworten. Der Merowinger hat einen Kurzauftritt, der nicht weiter wichtig ist, Persephone (Monica Bellucci) sagt einen einzigen Satz, und das Orakel orakelt kräftig vor sich hin. Einzig verstehe ich nicht, was sie sagt. Es ist schon ein wenig schade, dass die meisten dieser Programme/Figuren die Handlung so plötzlich verlassen wie sie sie betreten haben. Es ist spekuliert worden, der Kuss zwischen Neo und Persephone sei von größerer Bedeutung als es in „Reloaded“ schien, doch auch das darf getrost vergessen werden.Vielleicht ist die konfuse und zusammenhangslos scheinende Handlung von „Revolutions“ zu verstehen, wenn man die beiden erschienenen Videospiele durchgespielt und „Animatrix“ sorgfältig betrachtet hat. Fest steht, dass der Genuss der Filme allein nicht ausreicht, um den Plot zu kapieren. Ein Beispiel: Die Maschinen haben ihren Angriff auf Zion begonnen, die sich tapfer zwar wehrenden Menschen scheinen langsam am Ende zu sein. Neo fährt zur Quelle der Maschinen, ihrem Hauptsitz und schlägt einem Special-Effects-Etwas vor, er würde das Programm „Agent Smith“(.exe?) vernichten. Was er dann tut. Neo verwandelt sich in der Matrix in eine Lichtgestalt, Smith ist am Ende. Die Maschinen brechen ihre Attacke ab (warum haben sie eigentlich angegriffen?), Zion ist gerettet. Das zuvor von Smith vereinnahmte Orakel sitzt auf einer Bank (in der Matrix, nehme ich an), das Wetter ist wunderbar, der Architekt kommt kurz vorbei, um darauf hinzuweisen, dass er nicht menschlich ist. Das wars. Was ist denn nun mit den Millionen gefangenen Menschen, die den Maschinen als Batterien dienen? Was wird aus den Menschen in Zion, schließlich ist die Erdoberfläche immer noch verwüstet und die Stadt selbst sieht schlimmer aus als Detroit?!

Nun ja, ich glaube man könnte hundert Fragen stellen, aber mich würden die Antworten, selbst wenn sie schlüssig wären, wohl nur noch bedingt interessieren, denn es gibt noch ein anderes Problem mit „Revolutions“. Oder besser mehrere.

So ist es z. B. im Kopf nicht auszuhalten, was Morpheus, das Orakel, Neo, Smith und Konsorten den ganzen Film über von sich geben. Zwei Beispiele:

Trinity: „If you tell me we`ll make it, I`ll believe you.“
Neo: „We`ll make it.“

Morpheus: „You`ve never believed in The One“
Niobe: „I still don`t. I believe in him.“(gemeint ist Neo)

Was zu Hölle soll das? Inflationär prasseln Worte wie „Destiny“, „Fate“, „Purpose“ und „Belief“ auf den Zuschauer ein, ständig ist von „Prophecy“ und „Choice“ die Rede. Offensichtllich wissen auch die Figuren nicht so recht, was eigentlich Sache ist und reden deshalb lieber in Rätseln. Oder sagen einfach mal nebenbei, dass Kekse Liebe brauchen, und dass Liebe aber nur ein Wort sei, genau wie Karma. Es ist zuweilen geradezu lächerlich. War im ersten Teil von „The Prophecy“ oder „The One“ die Rede, glaubte man wenigstens zu wissen, um was es geht. Jetzt kann ich nicht es nicht fassen, was die Charaktere da für Sachen sagen.

Der Großteil der Handlung spielt nicht mehr in der Matrix (das Verhältnis drohte bereits in „Reloaded“ zu kippen), sonder in der „echten“ Welt. Die Schlacht um Zion dauert viel zu lange, von bahnbrechenden Effekten kann nur noch vereinzelt gesprochen werden. Beim Anblick der riesigen Kampf-Roboter, die aus irgendwelchen Gründen nicht ferngesteuert werden, konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen. Ein Mensch spricht vor der Schlacht von der Infanterie, die dann aber später offenbar nur aus einem halben Dutzend Leuten besteht. Die zahlreichen Fahrten mit den Raumschiffen sind zu lang geraten und wenig beeindruckend, man hat das immerhin schon diverse Male gesehen.

Ein Beispiel für die Schwäche der Inszenierung: Agent Smith, der sich im zweiten Teil in die reale Welt eingeschleust hat, steht in Person von Bane Neo gegenüber. Unverständlicherweise erkennt dieser ihn nicht, obwohl Schauspieler Ian Bliss recht gekonnt spricht und gestikuliert wie Agent Smith. Während der Zuschauer längst weiss, was los ist, hat der gute Auserwählte schlicht Ladehemmung, obschon Smith ja sein einziger Feind ist (hat ihn irgendwer sonst jemals Mr. Anderson genannt?). Irgendwann schnallt er es dann doch, macht Bane kalt, verliert dabei sein Augenlicht. Das wiederum führt aber nicht dazu, dass er nun blind wäre. Er sieht nun aber „anders“. Na wunderbar.

Was „Revolutions“ ebenso abgeht wie sinnvolle Dialoge ist Spannung, denn der Film lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass Neo die Welt retten kann und wird. Neo steht am Ende ein letztes Mal in der Matrix Erzfeind Smith gegenüber, und die beiden liefern sich einen ganz ansehnlichen Zweikampf. Diese Szenen sind so ziemlich die einzigen, die noch einmal überzeugen können, die optisch herausragen und sogar ein wenig absichtliche Komik enthalten, denn irgendwas stimmt nicht mit dem gefräßigen Agenten…

Ich hatte gehofft, dass mir „Reloaded“ besser gefallen würde, nachdem ich „Revolutions“ gesehen habe. Und tatsächlich sehe ich ihn jetzt in einem positiveren Licht. Leider nicht deshalb, weil nun das Puzzle zusammen gefügt wäre und die Handlungstränge einen Sinn ergeben hätten, sondern weil dieser (hoffentlich) letzte Teil so wenig unterhaltsam und fesselnd ist, dafür aber stellenweise unfreiwillig komisch oder schlicht langweilig. „Reloaded“ ist vielleicht verwirrend, aber sicher nicht langweilig und bietet auch die sehenswerteren Action-Sequenzen. Nun, man darf gespannt sein, ob die Wachowski-Brüder, die für Drehbücher und Regie verantwortlich sind, ihr langes Schweigen brechen werden und sich zu einigen Bemerkungen zu ihrem Werk hinreißen lassen.

3/10

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