Kurzkritik: Mosaic (Serie)

Krimi/Drama, 2018

Regie: Steven Soderbergh; Darsteller: Garrett Hedlund, Sharon Stone, Frederick Weller, Jennifer Ferrin

Worum gehts?

Eine bekannte Kinderbuch-Autorin wird in ihrem luxuriösen Anwesen in den Bergen von Utah tot aufgefunden. An Verdächtigen mangelt es nicht, einer von ihne wird schnell verurteilt. Doch dann beginnen zwei Beteiligte, den Fall noch einmal neu aufzurollen…

Was soll das?

Regisseur Soderbergh hat „Mosaic“ als Smartphone-App konzipiert, in der die Nutzer selbst steuern können, welchen Hinweisen und Storylines sie folgen können. Fürs Fernsehen haben Soderbergh und sein Drehbuchautor eine lineare Fassung geschaffen, in der die Reihenfolge vorbestimmt ist.

Taugt das was?

Jawohl. Großartig gespielt, messerscharf beobachtet und geschrieben ist „Mosaic“ eine spannende und unterhaltsame Angelegenheit, den vielen Fährten, Personen und Motiven der Serie zu folgen. Wie bei Soderbergh üblich ist das Ganze eine kühle, analytische Angelegenheit geworden, aber sicherlich keine herzlose.

4/5

Kurzkritik: Justice League

Fantasy/Action, 2017

Regie: Zack Snyder; Darsteller: Gal Gagot, Ben Affleck, Jason Momoa

Worum gehts?

Erster gemeinsamer Weltrettungsauftrag von Batman, Wonder Woman, Aquaman, Flash & Konsorten. Die Story kreis um drei mystische Boxen, die ihrem gemeinsamen Besitzer zur Herrschaft über das Universum verhelfen (oder so ähnlich…).

Was soll das?

Nach Wonder Woman in „Batman vs Superman“ tauchen hier nun auch Aquaman, The Flash (der schon einen Auftritt in „Suicide Squad“ hatte) und weitere Gestalten aus dem DC-Universum auf. Die Show muss weitergehen und der Rubel rollen…

Taugt das was?

Als Popcorn-Spektakel funktioniert „Justice League“ einigermaßen. Der bombastische Pathos von „Batman vs Superman“ ist dem etwas beschwingterem Erzählton von „Wonder Woman“ gewichen. Die Effekte sind state-of-the-art, jedoch ohne größere Wow!-Momente. Von der „großen Überraschung“ des Films mal ganz zu schweigen ist der Film Fließband-Blockbuster-Kino zum vergessen.

2/5

PS: Ich bleibe bei meinee Meinung, dass zuletzt nur noch die ‚ersten‘ Filme von ’neuen‘ Superhelden („Dr. Strange“, „Ant-Man“) irgendwie überzeugen konnten, und hoffe dass „Black Panther“ diese Reihe fortsetzen kann…

Kurzkritik: Suburbicon

Drama/Komödie, 2017

Regie: George Clooney; Darsteller: Matt Damon, Julianne Moore, Oscar Isaac

Worum gehts?

In der fiktiven 50er-Jahre Kleinstadt „Suburbicon“ erschüttern zwei Ereignisse die heile Welt der Bewohner. Während das erste die Gemeinschaft als Ganzes auf die Probe stellt, sucht das zweite eine (vermeintlich) harmonische Familie

Was soll das?

„Suburbicon“ erzählt eine recht klassische schwarze Komödie der Coen-Brüder (die das Drehbuch geschrieben haben), in der sich ’normale Bürger‘ in der Welt des Verbrechens wiederfinden, vor dem Hintergrund einer sozialkritischen Satire.

Taugt das was?

Leider nur bedingt. Der eine Handlungsstrang erinnert an „Fargo“, jedoch ohne dessen liebevolle Figurenzeichnung. Der andere ist eher ein Szenario als eine Story, kann jedoch weder für sich stehen, noch dem anderen Teil mehr Tiefe oder Witz verleihen. „Suburbicon“ landet einige Treffer in Sachen Gesellschaftskritik, aber so richtig rund ist das Ganze nur im ersten Drittel.

3/5

Kurzkritik: Last Flag Flying

Drama/Komödie, 2017

Regie: Richard Linklater; Darsteller: Bryan Cranston, Steve Carell, Laurence Fishburne

Worum gehts?

Die drei Vietnam-Veteranen Sal (Cranston), Richard (Fishburne) und Larry (Carell), die sich 30 Jahre lang nicht gesehen haben, finden im Jahr 2003 wieder zusammen, um Larrys im Irak gefallen Sohn zu beerdigen.

Was soll das?

„Last Flag Flying“ ist ein Roadmovie, das sich ganz auf seine drei Hauptfiguren konzentriert. Obwohl er ohne eine einzige Kampfszene auskommt ist es doch ein Film über den Krieg, die Rolle und Erfahrungen der Soldaten sowie ihr Verhältnis zum Staat und den Politikern, die für ihre Einsätze verantwortlich sind.

Taugt das was?

Richard Linklaters beste Filme („Boyhood“, „Dazed and Confused“, „Everbody Wants Some!!“) zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Authentizität aus. Leider ist das bei „Last Flag Flying“ nicht der Fall. Trotz der hochkarätigen Besetzung hat man hier nie das Gefühl, echte Figuren miteinander agieren zu sehen.

Sonst noch was?

Bis zu einem gewissen Punkt ist „Last Flag Flying“ ein ‚Antikriegsfilm‘, in dem (durch die Figuren) viel Wut auf die Mächtigen zu spüren ist. Doch so einfach ist die Message des Films dann doch nicht. Auf mich hat die Story (auf die Linklater normalerweise weitgehend verzichtet) insgesamt einen unfokussierten Eindruck gemacht.

3/5

TV-Serie: Ozark (Netflix)

Letzten Sommer ist „Ozark“ an mir vorbei gegangen, nun aber war Platz auf dem Serien-Speiseplan. Die Show dreht sich um einen „Finanzberater“ aus Chicago, der bei der Mafia (deren Geld er wäscht) in Ungnade fällt und mit seiner Familie im Hinterland der ‚Ozark Mountains‘ einen Neuanfang startet.

Einige Vorbilder bzw. Inspirationen sind „Ozark“ auf den ersten Blick anzusehen. Ein bisschen „Breaking Bad“ und „Sopranos“, dazu eine Prise „Weeds“ – doch zum Glück kann die Serie gut auf eigenen Beinen stehen. Das Szenario ist zwar wenig glaubwürdig, doch Handlung und Figuren sind stimmig entwickelt.

Zwischen Drama, Krimi und schwarzer Komödie angesiedelt ist „Ozark“ nicht nur unterhaltsam, sondern bietet auch einige bissige Kommentare zur generellen Lage der Dinge in den USA (und somit der westlichen Welt). In erster Linie aber ist den Machern gelungen, was für Netflix wohl das allerwichtigste ist – die Serie ist spannend und nimmt das Publikum schnell für sich ein.

Kurzkritik: Small Town Crime

Krimi, 2017

Regie: Eshom & Ian Nelms; Darsteller: John Hawkes, Octavia Spencer, Robert Forster

Worum gehts?

Ein Ex-Cop mit Alkoholproblem startet auf eigene Faust Ermittlungen, nachdem er die Leiche einer jungen Frau gefunden hat. Bald ist klar, dass es nicht nur ein Verbrechen aufzuklären gilt…

Was soll das?

Klassisches Independent-Kino zwischen Kleinstadt-Portrait, Außenseiter-Drama und Krimi.

Taugt das was?

„Small Town Crime“ verlässt sich komplett auf seinen Hauptdarsteller John Hawkes, der hier in der Tat groß aufspielt. Auch in den übrigen Rollen gut gespielt, sowie in sehenswerten Bildern inszeniert (gedreht wurde in Utah), bietet der Film eine gut gemachte, allerdings nicht sonderlich aufregende Story.

4/5

Kurzkritik: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Drama/Komödie, 2017

Regie: Martin McDonagh; Darsteller: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell

Worum gehts?

Die Mutter einer ermordeten Teenagerin (Frances McDormand) legt sich mit der örtlichen Polizei (u. a. Woody Harrelson & Sam Rockwell) an, weil die Ermittlungen seit Monaten keine Fortschritte machen. Die Behörde wiederum hat weitgehend mit sich selbst zu kämpfen, und scheint zudem von dem grausamen Mordfall schlicht überfordert.

Was soll das?

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist kein klassisches „Whodunnit“, konzentriert sich statt dessen auf die Handvoll von Figuren, die mit den Folgen des Verbrechens leben müssen. Der Ton ist scharf, in Sachen Humor ebenso wie durch einige dramaturgische Schläge in die Magenkuhle. Virtuos wandelt der Film auf dem schmalen Grat zwischen ernstem Drama und bitterböser Farce über das Hinterland in der Mitte der USA.

Taugt das was?

Oh ja. Timing, Dialoge, Figuren und Schauspieler sind absolut brillant, ebenso das Drehbuch, auch die handwerklichen Qualitäten überzeugen auf ganzer Linie. Über die Auflösung und die ‚Moral von der Geschichte‘ kann man sicher lange debattieren, und einige Story-Details von „Three Billboards…“ (u. a. die Zeichnung und Entwicklung von „Bad Cop“ Dixon, aber auch die ‚falsche Fährte‘ im Mordfall selbst) lassen sich durchaus als Schwächen bezeichnen. Eine fesselnde, witzige und eindringliche Erfahrung, wie sie das Kino viel zu selten bietet, ist er aber trotzdem.

Sonst noch was?

In den USA, wo „Three Billboards…“ gerade für 7 Oscars nominiert wurde, ist eine Debatte (vor allem) über die Darstellung der schwarzen Figuren entbrannt – hier scheint mir aber der Anspruch an den Film, in seiner Darstellung zu 100 Prozent politisch korrekt zu sein, doch arg überzogen…

5/5

Kurzkritik: Mudbound

Drama, 2017

Regie: Dee Rees; Darsteller: Jason Clarke, Garett Hedlund, Mary J. Blige, Carey Mulligan

Worum gehts?

Der Film erzählt die eng miteinander verbundenen Geschichten einer weissen und einer schwarzen Familie im ländlichen Mississippi zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Was soll das?

Das Familiendrama blickt auf Ungleichheit und Rassismus im Süden der USA, wobei besonders der Blick zweier aus dem Krieg zurückgekehrter Soldaten im Fokus steht.

Taugt das was?

Ja, der Film funktioniert als packendes Familiendrama ebenso wie als Gesellschaftskritik und Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte. Mit über zwei Stunden Laufzeit und angesichts der ernsten Thematik ist „Mudbound“ dabei natürlich keine leichte Kost, dafür visuell herausragend und sehr gut gespielt.

4/5

Kurzkritik: Thor – Ragnarok

Fantasy/Action, 2017

Regie: Taika Waititi; Darsteller: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett

Worum gehts?

Die „Avengers“ und kein Ende – der dritter „Alleingang“ von Thor tritt an, um an den Kinokassen abzuräumen. Die Story: böse Mächte wollen Asgard (und die ganze Welt) vernichten, Thor und Loki nehmen den Kampf auf.

Was soll das?

„Thor – Ragnarok“ ist ein Superhelden-Spektakel mit starkem Road Movie-Feeling. Aber noch viel mehr ist es eine Komödie. Das ist durchaus logisch, der Spaß-Faktor des Ganzen lässt sich am ehesten hoch halten, zu erzählen hat der Film ohnehin nichts. Und mit Taika Waititi („What We Do in the Shadows„) wurde auch sicher nicht zufällig ein Regisseur verpflichtet, der aus dem Comedy-Genre stammt.

Taugt das was?

Im Rahmen dessen, was man erwarten kann, ist „Thor – Ragnarok“ durchaus ein gelungener Film. Für viele wird aber die Tatsache, dass man außer Blödsinn und Effekten nichts zu erwarten hat, deutlich schwerer wiegen. Aber eine Neuigkeit ist das ja nun auch schon lange nicht mehr.

3/5

Kurzkritik: Hangman

Krimi, 2017

Regie: Johnny Martin; Darsteller: Al Pacino, Brittany Snow, Karl Urban

Worum gehts?

Zwei Cops und eine Reporterin jagen einen Serienkiller, der mit ihnen mit seinen Morden scheinbar irgendwas sagen will…

Was soll das?

Die Macher von „Hangman“ haben alle Zutaten für einen Serienkiller-Film, insbesondere eine fähige Besetzung – aber kein Rezept.

Taugt das was?

Leider gar nicht. Figuren, Setting und Story sind schwach, auch handwerklich (z. B. beim Schnitt/Anschluss) hat der Film Schwächen. Die in diesem Genre ohnehin immer arg strapazierte Glaubwürdigkeit des Geschehens ist hier ein Totalausfall, selbiges gilt auch für die ‚Aufklärung‘ des Falles und das noch zusätzlich hinten dran geklatschte zweite Ende.

Sonst noch was?

Warum Al Pacino hier mitspielt bleibt ein Rätsel. Natürlich werden ihm sicher nicht mehr allzu viele großartige Projekte angeboten…aber ist das ein Grund bei so einem Mist mitzumachen?

1/5

Kurzkritik: Bright (Netflix)

Fantasy/Action, 2017

Regie: David Ayer; Darsteller: Will Smith, Joel Edgerton, Noomi Rapace

Worum gehts?

In der Welt von „Bright“ leben Menschen, Orks und Elfen mehr oder minder friedlich zusammen. Cop Ward (W. Smith) bekommt in einem Pilotprojekt Ork Jacoby (J. Edgerton) als Partner zugeteilt. Während sich die beiden noch aneinander gewöhnen müssen, geraten sie in einen finsteren Plot – und ihre Gegner scheinen dabei auch aus den eigenen Reihen zu kommen…

Was soll das?

„Bright“ ist ein „Cop Movie“ und eine „Buddy Comedy“, angereichert mit Anteilen von Fantasy & Science-Fiction und jeder Menge Action. Das Ganze scheint Will Smith einigermaßen auf den Leib geschrieben, der hier ordentlich ballern und Sprüche klopfen darf.

Taugt das was?

Unterhaltsam und kurzweilig ist „Bright“ geworden, visuell gelungen und gut inszeniert. Die Story ist allerdings wenig originell, das Fantasy-Setting inklusive Sozialkritik zudem aus recht grobem Holz geschnitzt. Für den Neujahrsabend war „Bright“ keine so schlechte Wahl…

3/5

Meine Top 10 Filme des Jahres 2017

Auch wenn der Trend zu mehr Serien als Filmen anhält: Für eine Top 10 Liste, die sich nicht verstecken muss, reicht es auch dieses Jahr noch. Wie üblich ist mir auch viel entgangen, gegebenenfalls wird hier also noch mal nachgebessert…

  1. Blade Runner 2049
  2. Die Taschendiebin
  3. Magical Mystery
  4. Nocturnal Animals
  5. Get Out
  6. Personal Shopper
  7. Manchester by the Sea
  8. Moonlight
  9. Silence
  10. Hell or High Water

Nah dran an den Top 10: Wind River, Marjorie Prime, Logan Lucky, The Killing of a Sacred Deer

 

Kurzkritik: The Killing of a Sacred Deer

Drama/Mystery/Thriller, 2017

Regie: Yorgos Lanthimos; Darsteller: Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan

Worum gehts?

Herzchirurg Steven stellt seiner Frau und den beiden Kindern den ominösen Teenager Martin vor. Was harmlos beginnt nimmt bald eine überraschende Wendung, die mit Stevens Vergangenheit zusammenhängt…

Was soll das?

Je weniger man über „The Killing of a Sacred Deer“ weiss, desto besser. Zwischen Drama, Thriller und Horror entfaltet sich eine faszinierende Geschichte, bei der man hinterher fast zwangsläufig mal nach den zugrunde liegenden Mythen und Geschichten googelt.

Taugt das was?

Der Film lebt – neben den großartigen Darstellern – von seiner Spannung, die zunächst durch Atmosphäre, Stimmung und Setting erzeugt wird, bevor die (hier absichtlich verschwiegenen) Überraschungen der Story dem ganzen einen sehr speziellen Drive geben. Wer als Zuschauer nicht gern während des Films (und auch danach) über die Handlung rätselt, sollte hier lieber Verzicht üben. Alle anderen bekommen stark inszenierte, ungewöhnliche Kost geboten. Durchaus vergleichbar in dieser Hinsicht war zuletzt „Mother!“ (der noch etwas extremer ist), wobei mir dieser Film insgesamt mehr Spass gemacht hat.

4/5

Die besten Serien des Jahres 2017

Mittlerweile gehört diese Liste ebenso zum Pflichtprogramm des Blogs wie die „Top 10 Filme“. Ich habe mal wieder eine Menge Serien gesehen, mehr als ich eigentlich wollte. Hier sind nun die „Top 5“, in Kategorien eingeteilt – einerseits die „Neuerscheinungen“ (sowohl Mini-Serien als auch erste Staffeln), andererseits die Fortsetzungen … und ein seltener „Sonderpreis“.

Die 5 besten neuen Serien des Jahres 2017

Twin Peaks The Return PosterTwin Peaks – The Return
Man muss David Lynchs Art und Weise, Geschichten zu erzählen schon mögen. Sonst wird man mit seiner „Twin Peaks“-Fortsetzung wenig anfangen können.

Ich war und bin begeistert, trotz aller losen Handlungsstränge und ungelösten Rätsel – eine unvergleichliche Serie, ein spätes Meisterwerk. [Gilt mir als „neu“, weil es keine klassische „nächste Staffel“ ist…]


Legion PosterLegion
Aus dem Superhelden-Genre habe ich keine große Serien-Unterhaltung erwartet, und doch gibt es sie mit „Legion“. Die Geschichte einer Untergrundtruppe von Mutanten, die in einem schizophrenen Insassen einer Psychiatrie einer der ihren erkennt, ist spannend, einfallsreich und visuell top.

Lohnt sich auch für Menschen, die mit Action à la „Avengers“ nix anfangen können.

 


The Deuce PosterThe Deuce
Die neue Serie von David Simon funktioniert nach einem ähnlichen Muster wie dessen „The Wire“. Schauplatz ist New York, genauer die Straßen um den damals heruntergekommenen Times Square. Prostitution, Drogen und schäbige Bars bestimmen die Szenerie, als die Handlung der Serie 1971 einsetzt. Mittendrin entwickelt sich die Schmuddelfilm-Branche zur Pornoindustrie.

Wie das ganze zusammenhängt, und wer die treibenden Kräfte sind, das rückt langsam, aber sicher in den Fokus der Erzählung. Wie schon „The Wire“ nichts für Ungeduldige, aber für alle anderen äußerst sehenswert.


Mindhunter PosterMindhunter
Mitte der 70er Jahre kommen zwei FBI-Agenten auf die Idee, Serienkiller als gesonderte Verbrecher-Spezies zu klassifizieren. Gegen einige interne Widerstände machen sie sich daran, deren Verhaltensmuster und Handlungen zu erforschen. David Fincher (als Produzent und Regisseur von 4 Folgen) und seine Kollegen machen aus dem Stoff ein fesselnde Serie, die glaubwürdige Figuren entwickelt.

„Mindhunter“ ist stylisch, aber nicht oberflächlich, und setzt eher auf psychologische Tiefenschärfe als auf Schockeffekte, um die Faszination und den Schrecken ihres Sujets sichtbar zu machen.


Taboo
London, anno 1812. Der aus dem Militärdienst zurückgekehrte Erbe eines reichen Reeders gerät zwischen die Fronten von Regierung und der mächtigen ‚East India Company‘.

Die düstere und brutale Serie mischt dabei politisches und soziales Drama mit einer Portion dunkler Magie.


  • Außerdem empfehlenswert:13 Reasons Why, The Handmaid’s Tale, Dark, The Sinner, 4 Blocks
  • Noch nicht gesehen: Babylon Berlin

Die 5 besten fortgesetzten Serien des Jahres 2017

Mr. Robot
Durch die zweite Staffel habe ich mich ziemlich durch gequält, mit der dritten dann einfach mal angefangen. Und siehe da, „Mr. Robot“ hat das Comeback des Jahres hingelegt. Die Sache hat neuen Schwung bekommen, insbesondere die Story ist wieder fesselnd statt verwirrend, und die Zukunftsvision der Show ist beängstigend nah an der Realität.

Vergleichsweise düster ist „Mr. Robot“ dabei geblieben, einige Folgen der dritten Staffel gehörten zum Besten, was das „TV-„Jahr 2017 zu bieten hatte.


The Leftovers
Wer die ersten Staffeln kennt, der weiss, dass es definitiv keine leichte Aufgabe war, diese Show sauber zu „landen“. „The Leftovers“ hat es geschafft, die dritte Staffel ist ein sehenswerter Abschluss einer ungewöhnlichen Show.

Am Ende überwiegt ganz deutlich die Faszination gegenüber der (befürchteten) Frustration, weil die Macher sich und ihren Figuren treu geblieben sind.


Hap and Leonard Season 2Hap & Leonard
Hierzulande weitgehend unbekannt (läuft bei Amazon „Prime“) hat sich „Hap & Leonard“ in seiner zweiten Staffel noch einmal kräftig gesteigert. Die Show ist ernster geworden, und verpackt ihre deutlicher hervortretende Gesellschaftskritik im Gewand einer düsteren Krimi-Story.

Geblieben ist dagegen der Charme der beiden Hauptfiguren und das Setting im Osten von Texas in den 80er Jahren.


Fargo
Zum dritten und vorerst letzten Mal erzählt „Fargo“ eine krude Geschichte von mehr oder weniger durchschnittlichen Menschen, die in einen verbrecherischen Plot geraten, und sich darin ziemlich derbe darin verirren.

Auf dem schmalen Grad zwischen fesselndem Thriller/Drama und absurder Komik wandelt Staffel 3 souverän bis ins Ziel.


Stranger Things
Wie schon die erste Staffel überzeugt „Stranger Things“ auch dieses Jahr mit Atmosphäre und Spannung, nimmt sich dabei recht viel Zeit für die Figuren (vor allem in den ersten 6 Folgen), bevor die Story am Ende mächtig Fahrt aufnimmt.


Knapp dahinter: Better Call Saul, Sherlock

Sonderpreis: Beste (und einzige von mir gesehene) Doku-Serie des Jahres 2017

The Vietnam War
Ich bin nicht so der Doku-Fan, aber hier mache ich gerne eine Ausnahme. 18 Stunden lang erzählt die Serie die Vorgeschichte, den Verlauf, die Hintergründe und nicht zuletzt auch die Geschehnisse innerhalb der USA – ohne Vietnamkrieg keine Hippie-Kultur. Nicht alle Originalaufnahmen und -aussagen sind neu, trotzdem liefert „The Vietnam War“ nicht nur interessante Informationen, sondern stellt auch die vielen kleinen Tragödien des Konflikts heraus. Hierzulande bei arte nur in einer gekürzten Version zu sehen.

Kurzkritik: Star Wars – Die letzten Jedi

Sci-Fi/Fantasy, 2017

Regie: Rian Johnson; Darsteller: Mark Hamill, Daisy Ridley, Adam Driver, Carrie Fisher

Worum gehts?

Die neue Garde der Rebellen (Rey, Finn, Poe) will gemeinsam mit Leia die totale Machtergreifung des „Supreme Leaders“ und seinen Truppen verhindern. Dabei soll Luke Skywalker weiterhelfen, der in seinem Exil von der Wiederaufnahme des Kampfes allerdings schwer zu überzeugen ist. Für die Crew im Kommandoschiff wird es derweil mächtig eng, einzige Hoffnung ist ein ominöser neuer Verbündeter, der jedoch erst auf einem dekadenten Kasino-Planeten rekrutiert werden muss…

Was soll das?

Nach „Das Erwachen der Macht“ der zweite Teil der Trilogie, die die Original-Saga fortschreibt. Nicht zu verwechseln also mit der anderen neuen Reihe, die mit „Rogue One – A Star Wars Story“ letztes Jahr anlief.

Taugt das was?

Als notorischer „Star Wars“-Nörgler muss ich sagen: ja. Der Film ist kein Quasi-Remake wie „Das Erwachen der Macht“, hat eine grundsolide Story (im Rahmen dessen was man erwarten kann), viel Humor, Tempo, fähige Darsteller (die hier mehr zeigen können und müssen als im Vorgänger) sowie gewohnt brillante Effekte. Die meisten neu eingeführten Kreaturen sind solide eingebaut – dass sie in erster Linie den Verkauf von Merchandise ankurbeln sollen ist bei „Star Wars“ (und anderen Reihen) ja nichts neues…

Der inzwischen schon fast traditionelle vorweihnachtliche Gang in einen neuen „Star Wars“ hat mir dieses Jahr deutlich mehr Spaß gemacht als in den beiden Vorjahren.

4/5

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