Kurzkritik: The Girl On The Train

The Girl On The Train FilmplakatThriller, USA 2016

Regie: Tate Taylor; Darsteller: Emily Blunt, Haley Bennett, Rebecca Ferguson, Justin Thereaux, Luke Evans

Da ich den Roman gelesen habe (ideale Kost für Langstreckenflüge) war für mich klar, welche Überraschungen und Wendungen „The Girl On The Train“ zu bieten hat. Die Frage war, wie der Film die fragmentierte, in der Zeit springende Erzählung abbilden bzw. abwandeln würde. Die Antwort ist leider: mehr schlecht als recht…

Natürlich war die in der Vorlage verwendete Mischung aus unzuverlässigen Erzählern und dem Vorenthalten von entscheidenden Fakten/Geschehnissen keine große Neuheit. Aber sie hat ganz gut funktioniert – auch wenn man den Braten nach etwa der Hälfte schon ganz gut riechen konnte.

Der Film versucht, sich diese Machart weitgehend zu eigen zu machen. Die Perspektiven springen hin und her, was aber in einem Film nicht im Ansatz so funktioniert wie in einem Roman – da helfen auch die Off-Kommentare nicht. Was fehlt, ist eine bessere, eigene Idee, für Spannung und Überraschungsmomente zu sorgen.

Es entwickelt sich nurmehr ein „Guessing Game“, das für sich nicht ausreicht als Spaßfaktor. Die Schauspieler mühen sich, bekommen aber allesamt – auch wegen der nonlinearen Erzählung – zu wenig Möglichkeiten, ihre Rollen und Konflikte glaubwürdig zu entwickeln. Ein Vorbild des Films war sicher „Gone Girl“, dessen Klasse „The Girl On The train“ aber nicht im Ansatz erreicht.

2/5

Kurzkritik: Die Taschendiebin

Die Taschendiebin FilmplakatDrama, Südkorea 2016

Regie: Park Chan-Wook; Darsteller: Kim Min-Hee, Kim Tae-Ri, Ha Jung-Woo

Mit Anleihen und Zitaten von Hitchcocks „Vertigo“ und Kurosawas „Rashomon“, in Verbindung mit der Regisseur Park („Oldboy“, „Thirst“) eigenen Lust an psychologisch etwas abseitigen, brutalen und dabei merkwürdig eleganten Geschichten ist „Die Taschendiebin“ ein mehr als würdiger Start ins Kinojahr 2017.

Der Film handelt von einer Intrige, in der ein südkoreanischer Hochstapler mithilfe einer Kammerdienerin (die „Taschendiebin“ des Titels) ein reiche junge Japanerin heiraten und um ihr Vermögen bringen will. Im Spiel ist dabei auch deren böser Onkel, sowie dessen sonderbare Vorlieben, spielen tut das Ganze in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.

„Die Taschendiebin“ ist in drei großartige Akte unterteilt, wobei es Park gelingt, trotz vieler Wendungen und Kniffe eine psychologisch stimmige Story mit glaubwürdigen Figuren zu erzählen. In wunderbar komponierten Bildern – darunter auch explizite Gewalt- und Sexszenen – entspannt sich ein spannendes, doppelbödiges Spiel um Liebe, Lust und blutige Rache. Getragen von den Charakteren entwickelt sich vom ersten Moment an ein mitreißender Erzählfluss, dessen Faszination in den knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit nie wirklich nachlässt.

5/5

Kurzkritik: Inferno

Inferno FilmplakatThriller, USA 2016

Regie: Ron Howard; Darsteller: Tom Hanks, Felicity Jones, Omar Sy

Tom Hanks spielt zum dritten Mal Prof. Robert Langdon, der diesmal mit leichtem Gedächtnisverlust in einem Krankenhaus in Florenz erwacht. An der Seite der Ärztin Sienna (F. Jones) befindet er sich bald auf der Flucht vor dunklen Mächten. Und stellt fest, dass er den Ausbruch eines tödlichen Virus verhindern muss, den ein bekloppter Milliardär auf die Menschheit loslassen will.

Die erste Stunde von „Inferno“ ist pures Bewegungskino, in Verbindung mit den für Brown typischen (Kunst-)Geschichtsstunden und einigen gelungenen apokalyptischen Bildern, die Langdon – anstelle der Erinnerung an die letzten zwei Tage – im Kopf hat. Die Story ist nicht unbedingt plausibel (nach den Wendungen am Ende eher noch weniger als vorher), weiss aber zu unterhalten.

Nach gut der Hälfte der Laufzeit geht „Inferno“ etwas vom Gas, um sowohl seiner Story als auch einigen Figuren mehr Raum zu geben. Das geht leider nach hinten los, denn eine zentrale Romanze ist dabei wenig überzeugend, die großen „Überraschungen“ der Story bringen die Handlung nicht wirklich voran – das hat in der parallelen Erzählung der Romanvorlage besser funktioniert.

Wie immer bei Stoffen von Dan Brown ist der Weg das Ziel – und das Finale eher enttäuschend. Auf dem Weg dahin gibt es schöne Bilder von Florenz und anderen schönen Städten zu sehen, außerdem die Brown-typischen, wenig elegant integrierten, trotzdem interessanten „Lehrstunden“, in diesem Fall über den Dichter Dante Alighieri. Das ist insgesamt nichts neues (und wurde vor allem im „Da Vinci Code“ schon besser für die Leinwand aufbereitet) und aufregendes, kann aber bei akuter Langeweile – ich denke da vor allem an Langstreckenflüge – durchaus in Erwägung gezogen werden.

2/5

Kurzkritik: Closet Monster

Closet Monster FilmplakatDrama, Canada 2015

Regie: Stephen Dunn; Darsteller: Connor Jessup, Aaron Abrams, Aliocha Schneider, Joanne Kelly

Coming-of-Age Drama um einen Teenager in einer kanadischen Kleinstadt. Oscar hat in seiner Kindheit eine traumatische Entdeckung gemacht, die ihn – eben so wie die frühe Scheidung seiner Eltern – eindringlich geprägt hat. Beseelt vom Wunsch seine Heimatstadt zu verlassen muss sich Oscar den Dämonen von Vergangenheit und Gegenwart stellen.

„Closet Monster“ ist ein sehr gelungener Beitrag zu einem schwierigen Genre. Die „magische“ Komponente des Films (u. a. kann hier ein Hamster sprechen) ist mit einfachen Mitteln auf kreative Art integriert, Darsteller und die Story können überzeugen. Die thematisierten Motive sind nicht neu, werden aber glaubwürdig und intensiv erlebbar gemacht – ohne dass es plakativ oder sonst wie ärgerlich würde.

4/5

Nebenbei bemerkt: Sherlock – The Six Thatchers (Staffel 4, Episode 1)

Nachdem es letztes Jahr mit „The Abominable Bride“ nur eine „Appetizer“-Folge gab ist „Sherlock“ nun mit einer kompletten Staffel zurück. Komplett im Sinne von drei Folgen, versteht sich. Die erste Folge davon hält das bekannte Niveau, verbindet souverän Witz und hemmungslos zur Schau gestellte Cleverness (die zum Glück weiterhin nur bedingt ernst gemeint ist – was Kritiker der Show gerne übersehen).

Aufgefallen ist mir, dass die ohnehin immer temporeiche Reihe hier in knapp 90 Minuten extrem viel Handlung unterbringt. Damit ist sie eine Art Antipol zu „Better Call Saul“, der wohl im gemächlichsten Tempo erzählten (und dabei großartigen) Serie der Gegenwart. Ich freue mich auf die beiden kommenden Folgen, in der Hoffnung dass die Beteiligten ein angemessenes Ende finden – angeblich gestaltet sich eine Fortsetzung angesichts der vollen Terminpläne aller Beteiligten ja schwierig.

 

Kurzkritik: Sully

Sully FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Tom Hanks, Aaron Eckhart

Die berühmte „Bruchlandung“ auf dem Hudson River in NYC im Jahre 2009 – in den USA ‚Miracle on the Hudson‘ genannt – hat Clint Eastwood hier zum Kinostoff gemacht. Die Eckdaten sind ja weitgehend bekannt: kurz nach dem Start fallen beide Triebwerke eines Passagierfliegers aus, weil Gänse hineingeflogen sind. Kurz danach landet Pilot Chesley „Sully“ Sullenberger die Kiste im Hudson, Passagiere und Crew können weitgehend unverletzt gerettet werden.

Das zentrale Drama des Films ist die Frage, ob der Pilot richtig gehandelt hat und als Held gefeiert werden sollte, oder ob er waghalsig handelte und eine normale Notlandung an einem nahe gelegenen Flughafen die bessere Option gewesen wäre. „Sully“ erinnert zuweilen an „United 93“, stellt detailliert und dokumentarisch die Szenerie nach (vom Start bis zur Rettung vergehen nur wenige Minuten). Die Rahmenhandlung zeigt wie Sullenberger und sein Co-Pilot versuchen mit dem Medienrummel zurecht zu kommen und der kritischen Kommission der Verkehrsbehörde Rede und Antwort stehen müssen.

Die Rolle des routinierten, bescheidenen Piloten ist Tom Hanks quasi auf den Leib geschrieben, was dem Film ein solides emotionales Fundament gibt. Doch trotz der soliden und unaufgeregten Inszenierung ist „Sully“ letztlich nicht mehr als eine Nacherzählung, die ihren Stoff zwar wunderbar aufzubereiten versteht, aber ohne echten Stimmungsbogen auskommen muss. Man kann sich das gut ansehen, es führt aber letztlich zu nichts. Womöglich wollte Eastwood einfach einen unterhaltsamen Anti-Katastrophenfilm drehen – das ist ihm sehr gut gelungen.

3/5

Die Top 10 Filme des Jahres 2016 [Update]

Alle Jahre wieder hier meine Top 10 Filme des just zu Ende gegangenen Jahres. Wie immer habe ich viel verpasst und werde gegebenenfalls nachbessern.

1. Everybody Wants Some!!
2. The Big Short
3. Paterson
4. Where To Invade Next
5. Toni Erdmann
6. Captain Fantastic
7. Doctor Strange
8. Hail, Caesar!
9. Midnight Special
10. The Revenant

Knapp dahinter:
A Bigger Splash, Arrival (NEU), Der Staat gegen Fritz Bauer, Eye in the Sky, The Hateful Eight, The Nice Guys

Kurzkritik: Toni Erdmann

Toni Erdmann FilmplakatDrama/Comedy, DE 2016

Regie: Maren Ade; Darsteller: Peter Simonischek, Sandra Hüller

Ines (Sandra Hüller) ist Unternehmensberaterin in Bukarest, ein totaler Workaholic ohne wirkliches Privatleben. Ihr Vater Winfried (Peter Simonischek) führt daheim in Deutschland das Leben eines verschrobenen Pensionärs mit einem ausgeprägten Faible für falsche Zähne und alberne Scherze. Als Winfrieds Hund stirbt macht er sich auf nach Bukarest, um seine Tochter zu sehen.

Diese Wiederannäherung von Vater und Tochter ist das erzählerische Herz von „Toni Erdmann“. Während Ines ein wichtiges Projekt zu Ende bringen will, mischt sich Winfried zunächst vorsichtig, später dreist und recht grotesk in ihr Leben ein. Er erfindet sich als kauziger „Coach“ namens Toni Erdmann neu, zum Erstaunen, Entsetzen, aber auch zur Erheiterung und Bewunderung seiner Tochter.

Dass die waghalsige Gradwanderung zwischen einer Farce mit fast schon Helge-Schneider-artigen Szenen und echtem emotionalem Drama funktioniert liegt an den großartigen Hauptdarstellern. Egal wie hoch der Fremdschäm-Faktor einzelner Situationen ausfällt (und er ist definitiv beträchtlich), die beiden sind als Figuren immer glaubwürdig. Auch das unsichtbare Band einer komplizierten Vater-Tochter-Beziehung wird, gemeinsam mit einigen geteilten Charakterzügen, langsam offenkundig.   

In den weit über zwei Stunden Laufzeit finden sich viele komödiantische und dramatische Höhepunkte – meist fallen sie gleich zusammen. Nicht selten überrascht „Toni Erdmann“ mit bizarren Momenten, die den Film prägen, ohne ihn komplett zu beherrschen. Hier geht es nicht um Schock-Effekte oder das Ausloten von Grenzen, diese Momente kommen aus dem Innenleben der Charaktere. Vor Regisseurin und Drehbuchautorin Maren Ade kann man nur den Hut ziehen, ihr Film ist ungewöhnlich, ideenreich, witzig und ergreifend.

4/5

Kurzkritik: Jack Reacher – Never Go Back

Jack Reacher Never Go Back FilmplakatThriller, USA/China 2016

Regie: Edward Zwick; Darsteller: Tom Cruise, Cobie Smulders, Robert Knepper

Tom Cruise spielt den kompromisslosen Ex-Major Jack Reacher hier bereits zum zweiten Mal, baut sich somit quasi ein zweites Action-Franchise neben der deutlich erfolgreicheren (und besseren) „Mission:Impossible“.Reihe auf.

Die Story von „Never Go Back“ führt Reacher zurück in die Army, denn eine befreundete Ex-Kollegin steckt in Schwierigkeiten, die in einer geheimen Mission in Afghanistan ihren Ursprung zu haben scheinen. Flott erzählt und handwerklich solide ist der Film gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Armee und ihren Ehrenkodex wie auch eine Kritik am „militärisch-industriellen Komplex“. Die Bösewichter selbst bedienen sich der Armee, kommen aber von außerhalb.

Das Ganze ist ziemlich schnell vorbeiziehende Unterhaltung ohne große Längen. Insgesamt wäre mehr Sorgfalt bei der Entfaltung der Story schön gewesen, doch Regisseur Zwick inszeniert hier routiniert und ohne irgendwelche Gimmicks. Ein schnurgerader Thriller ohne Ecken und Kanten, genießbar aber komplett unnötig.

2/5

Kurzkritik: The Accountant

The Accountant FilmplakatDrama/Thriller, USA 2016

Regie: Gavin O’Connor; Darsteller: Ben Affleck, Anna Kendrick, J.K. Simmons, Jon Bernthal

Aus dem autistischen Jungen Christian wird ein Mathegenie, das sich als Buchhalter für diverse kriminelle Organisationen verdingt. Zudem versiert in Kampfkunst und im Umgang mit Schusswaffen gerät Christian im Laufe des Films ins Fadenkreuz eines ehemaligen Auftraggebers sowie der Behörden.

Glaubwürdigkeit ist ja bekanntlich relativ. „The Accountant“ ist grundsätzlich wenig glaubwürdig, erarbeitet sich aber über die gut erzählte und gespielte Story die nötige Dosis, die es braucht, um das Publikum für seine Geschichte einnehmen zu können. Einfache, aber gekonnt inszenierte Actionsequenzen und von den guten Nebendarstellern getragene dramatische Anteile ergeben ein stimmiges Ganzes. Heraus kommt ein unterhaltsames Thriller-Märchen, das Genre-Freunden gefallen dürfte.

3/5

Fernsehserien 2016 – Rückblick

Rectify Season 4Hier zum Jahresende ein kurzer Überblick mit allen Serien, die ich dieses Jahr gesehen habe – in Verbindung mit einer äußerst kurz gefassten Einschätzung.

Aktuelle schaue ich “Mozart in the Jungle” (Staffel 3), „The Red Road“ und “The Young Pope”, die seien deshalb hier noch erwähnt. Für eine noch so kurze Bewertung ist es da aber definitiv zu früh. Eine neue Staffel von „Fargo“ habe ich sehr vermisst, da geht es aber offenbar 2017 dann wieder weiter…

Die Kurzfassung für die Ungeduldigen: Die für mich besten drei Serien(staffeln) 2016 sind “Rectify”, “Better Call Saul” & “Game of Thrones”

Knapp dahinter: “Westworld”

Alphabetisch geordnet: Mein Serien-“Speiseplan” des Jahres 2016

„112263“ (gibt nur eine Staffel)
Gute Idee, starker Beginn, am Ende aber eine Enttäuschung. Schade.

„Better Call Saul“ (Staffel 2)
Schlicht großartig, Cast & Crew halten scheinbar mühelos ihr hohes Niveau. So darf es gerne weitergehen (und wird es sicher auch).

„Bosch“ (Staffel 2)
Solide Genre-Kost für Freunde härterer Krimis. Trotzdem unklar ob ich bei Staffel 3 einschalten werde.

„Crisis in 6 Scenes“ (gibt nur eine Staffel)
Woody Allen kann mit dem Prinzip einer kurzen Comedy-Serie offensichtlich nicht viel anfangen und liefert guckbare, aber eher blutleere Kost ab.

„Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ (Staffel 1)
Adaption zweier Bücher von Douglas Adams. Sehr wild und chaotisch, dabei unterhaltsam und durchaus kreativ.

„Game of Thrones“ (Staffel 6)
Starke neue Staffel mit einigen Highlights, wobei es mir auch (weiterhin) egal ist, inwiefern das ganze auf der – noch nicht fertig gestellten – Romanvorlage basiert.

„Goliath“ (gibt nur eine Staffel)
Nach sehr starkem Beginn lässt diese Anwaltsserie gegen Ende leider etwas nach. Dennoch einen Blick wert, nicht nur wegen der guten Darsteller.

„Hap & Leonard“ (Staffel 1)
Sympathische Außenseiter-Story, die wenig spektakulär aber sehr gut gespielt daher kommt. Ich freue mich auf die nächste Staffel…

„Mad Dogs“ (Staffel 1)
Nach guter erster Folge rutscht die Serie in ein heilloses Chaos ab, wobei vor allem die Glaubwürdigkeit von Plot und Story derbe unter die Räder geraten. Kurz vor der Ende der Staffel abgeschenkt – das sagt alles.

„Narcos“ (Staffel 2)
Gute Fortsetzung mit überraschendem Ende. Hier wird es weitergehen, und ich tendiere dazu das gut zu finden…

„Ray Donovan“ (Staffel 4)
Die Serie beweist weiter Stehvermögen und schafft den Spagat zwischen Drama und Entertainment – auch dank des starken Darsteller-Ensembles.

„Rectify“ (Staffel 4)
Großartiges Ende einer der besten Drama-Serien überhaupt, die hierzulande kaum jemand kennt (läuft bei Sky Atlantic HD, wird aber vom Sundance Channel in den USA produziert).

„Vinyl“ (Staffel 1, inzwischen gecancelt)
Große Ambitionen und große Namen ergeben nicht immer ein großartiges Ergebnis. “Vinyl” hatte eindeutig Potential, und doch bin ich nicht wirklich traurig, dass HBO hier schnell den Stecker gezogen hat.

„Wayward Pines“ (Staffel 1 – kam bereits 2015 raus)
Mit vielen dämlichen Dialogen und einer grundsätzlich unglaubwürdigen Story bot sich diese Show für erschöpfte Feierabende an – Spannung war durchaus drin. Am Ende aber ein Reinfall, der Beginn von Staffel 2 gar vollkommen erbärmlich…

„Westworld“ (Staffel 1)
Neue ‘Flagship’-Sci-Fi-Serie von HBO, interessant im positiven Sinne. Ein Highlight, wenn auch (zum Teil naturgemäß) sehr verkopft und kühl inszeniert.

Filmkritik: Rogue 1 – A Star Wars Story (3D)

Filmplakat: Rogue 1 (Copyright: Disney)Fantasy/Action, USA 2016

Regie: Gareth Edwards; Darsteller: Felicity Jones, Diego Luna, Riz Ahmed, Mads Mikkelsen

Ein großer „Star Wars“-Fan bin ich nie gewesen, das wissen die meisten regelmäßigen Leser dieser Seite. „Rogue 1“ habe ich mir im Kino auch nur angesehen, weil die Gelegenheit günstig war und der klassische „Event-Film“ kurz vor Weihnachten – mit guten Freunden genossen – seit den „Herr der Ringe“-Filmen zum Fest irgendwie dazugehört.

Vom Look & Feel her ist „Rogue 1“ unverkennbar ein Teil des „Star Wars“-Universums. Zeitlich vor der Handlung der originalen Trilogie angesiedelt kreist die Story um eine Gruppe von Rebellen, die die Fertigstellung des ersten Todessterns verhindern wollen.

Im Zentrum steht Jyn Erso, die Tochter der Waffen-Ingenieurs Galen Erso, der vom bösen General Orson Krennic entführt und zum Bau der mächtigen Wunderwaffe gezwungenen wird. Ihr Weg kreuzt sich mit dem eines fahnenflüchtigen Piloten des Imperiums, einem Anführer der Rebellen, einem blinden Jedi und weiteren Gefährten.

Es entwickelt sich ein temporeiches intergalaktisches Road-Movie an zahlreichen Schauplätzen, mit Verfolgungsjagden, neuen Androiden, jeder Menge Stormtrooper und mächtig vielen Schießereien. Damit bedient der Film wohl die Erwartungshaltung der meisten Fans – es fehlen zwar die bekannten Figuren (mit Ausnahme von Darth Vader), doch fast jede Einstellung enthält einen Hinweis darauf, dass „Rogue 1“ ein „Star Wars“-Film ist.

Die Effekte sind wie zu erwarten erstklassig, einige Szenen auch richtig beeindruckend. Doch neu ist an alldem wiederum nichts, und auch mit der 3D-Technik weiss Regisseur Gareth Edwards wenig anzufangen. Ein weiteres Problem ist die sehr einfach gestrickte Story, die es gerade so schafft die vielen Sets, Figuren und Schauplätze zu verbinden – aber eben auch ganz offensichtlich genau nur dafür geschrieben wurde. Einen faden Beigeschmack hat auch das arg überstrapazierte Motiv der jungen Heldin, der das Schicksal den Ruf des Abenteuers schickt – da könnte sich die Reihe an zentraler Stelle langsam wirklich mal was anderes ausdenken.

Zwischen der üblichen „Star Wars“-Folklore von heroischen Außenseitern, fiesen Imperialisten, witzig-exotischen Aliens und beeindruckend animierten Raumschiffen entwickelt der Film keine eigenen Ideen, auch keine eigene Handschrift. Die Figuren sind durchaus gelungen, die Dialoge jedoch eher hölzern und die meisten Jokes zünden nicht sonderlich gut – da ist die Marvel-Konkurrenz aus dem eigenen Hause sehr weit enteilt.

Es reicht im Kino unter dem Strich zwar für gut zwei Stunden anständiges Entertainment, doch die Enttäuschung (selbst bei niedriger Erwartungshaltung) überwiegt deutlich. Wenn Disney mit dem weiteren Ausschlachten der Reihe dauerhaft Erfolg haben will bracht es ein bißchen mehr als handwerklich solide verpackte Ideenlosigkeit in „Star Wars“-Optik.

2/5

VORSICHT – SPOILER
Dass sich der Film traut, quasi die gesamte Riege von Hauptdarstellern am Ende den Heldentod sterben zu lassen, finde ich einerseits erfrischend und mutig. Die Story wird sicher an der Stelle fortgesetzt, aber es müssen neue Figuren her. Andererseits nimmt man sich die Chance aus den Figuren im Laufe der nächsten Filme mehr herauszuholen – womit man freilich hier schon hätte anfangen müssen…

Kurzkritik: Paterson

Paterson FilmplakatDrama/Comedy, USA/DE/FR 2016

Regie: Jim Jarmusch; Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani

Nach dem großartigen Vampir-Drama „Only Lovers Left Alive“ geht Jim Jarmuschs neuer Film einen Schritt „back to the roots“. In gemächlichem Tempo, ohne einen wirklichen Plot und mit untrüglichem Gespür für die kleinen, großen Szenen des Alltags folgt „Paterson“ einem Busfahrer namens Paterson in der unweit von NYC gelegenen 150 000-Einwohner-Stadt namens – Paterson.

Paterson (Adam Driver) schreibt in seinen Pausen Gedichte, während er Tag für Tag einen Linienbus durch das Untere-Mittelschicht-Suburbia von New Jersey steuert. Seine Freundin Laura arbeitet derweil in ihrem kleinen gemeinsamen Haus an der Inneneinrichtung (sie hat mehr als nur ein Faible für schwarz-weisse Dinge…), perfektioniert ihre selbstgebackenen Cupcakes und entdeckt ihre Liebe zur Gitarre (und Country-Musik).

Jarmusch erzählt ihre Geschichte gewohnt lakonisch, ohne Eile, und mit großem Interesse an den Gedichten der Hauptfigur, die immer wieder per Off-Kommentar eingesprochen werden. Es bleibt lange offen wie der Film eigentlich zu seinen Hauptfiguren und deren Beziehung steht, die gleichzeitig wunderbar schräg und total normal daher kommen.

Der Humor ist mal hintersinnig und mal an der Grenze zum Slapstick, dabei aber nie platt. Patersons Alltag besteht fast ausschliesslich aus Ritualen (eine Katastrophe passiert sich nicht zufällig in einem seltenen Moment der Spontanität), vom morgendlichen Aufstehen über die Arbeit, bei der die Gespräche der Fahrgäste in den Fokus rücken, bis zur abendlichen Gassi-Runde mit dem kauzigen Hund – die immer über eine gemütliche Bar führt, in der sich Paterson ein Bierchen gönnt.

Für Fans des Regisseurs (zu denen ich mich definitiv zähle) ist „Paterson“ eine zutiefst zufrieden stellende Variation bekannter Jarmusch-Themen und -Szenarien. Man fühlt sich schnell heimisch in dem Mikrokosmos, nicht zuletzt weil die Darsteller es hervorragend verstehen, ihren Figuren eine emotionale Aufrichtigkeit zu verleihen, die selten geworden ist im Kino. Wer jedoch bei Jarmusch nur an „Ghost Dog“ oder „Broken Flowers“ denkt könnte (leicht) enttäuscht werden.

4/5

Filmkritik: Die Glorreichen Sieben

The Magnificent Seven 2016Western, USA 2016 (Originaltitel: The Magnificent Seven)

Regie: Antoine Fuqua; Darsteller: Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Haley Bennett, Peter Sarsgaard

Fangen wir mal mit den positiven Aspekten dieses ‚zweifachen‘ Remakes (John Sturges Original war seinerseits ein Western-Remake von Kurosawas „Sieben Samurai“) an. „Die Glorreichen Sieben“ sieht stylisch aus, bietet ein beachtliches Darsteller-Ensemble auf und hat trotz gut zwei Stunden Laufzeit keine echten Längen.

Es ist auch schön zu sehen, dass in der ethnischen Zusammensetzung der Hauptfiguren ein Fortschritt zu erkennen ist. Nicht nur führt ein Schwarzer die Truppe an, es kämpfen gar ein Comanche und ein Asiate an seiner Seite. Auch ein Mexikaner ist dabei, was allerdings auch für das Original us dem Jahr 1960 gilt (damals gespielt von Horst Buchholz – diesmal wird die Rolle auch von einem echten Mexikaner gespielt).

Meine Erinnerung an die genaue Handlung der Vorlage ist recht dünn, der Rahmen ist allerding gleich geblieben. Eine von raffgierigen Gewalttätern bedrohte Gemeinde ersucht einen einsamen Revolver-Helden um Hilfe. Dieser formiert eine Truppe von mehr oder minder professionellen Abenteurern, die das Problem mit Waffengewalt lösen sollen.

Auch wenn meine Erinnerung dünn ist, es darf doch als sicher gelten – so ein Gemetzel wie in Antoine Fuquas Film hat es in der Vorlage nicht gegeben. Nicht nur im letzten Akt – einem halbstündigen Mega-Shootout – wird geballert, was das Zeug hält. Der Bodycount ist locker auf einem Level mit den Schwarzenegger- oder Stallone-Filmen der 80er.

Grundsätzlich funktioniert die einfache Story aber sehr gut, die Formel hat sich schließlich nicht umsonst über Jahre bewährt. Der Kampf der tapferen Außenseiter gegen die zahlenmäßig krass überlegenen Bösewichter, die aufrichtige Dankbarkeit der „kleinen Leute“, die ‚Bromance‘ zwischen den Figuren, und nicht zuletzt hier auch der Humor sorgen für einen anständigen Unterhaltungsfaktor.

Was den neuen „Glorreichen Sieben“ fehlt ist letztlich eine echte Daseinsberechtigung. Der Film ist keineswegs schlecht geworden, hat aber keine Qualitäten jenseits des Prädikats „zeitgemäßer Neuverfilmung“ zu bieten. Die Darsteller schlagen sich wacker, doch werden die Figuren hier nicht den Status der von Steve McQueen, Yul Brunner oder Charles Bronson gespielten Vorbilder erreichen. Aber das hat wohl auch keiner im Vorfeld erwartet – weder auf Seiten der Filmschaffenden noch das Publikum.

3/5

Kurzkritik: Suicide Squad (2D)

Suicide Squad FilmplakatFantasy/Action, USA 2016

Regie: David Ayer; Darsteller: Will Smith, Margot Robbie, Viola Davis, Jared Leto

Im Kino habe ich mir „Suicide Squad“ geschenkt, weil ich erstens die Nase weitgehend voll von Superhelden-Gedöns habe und zweitens der Trailer ziemlich mies war. Immerhin passt der Trailer zum kompletten Film, der ist auch ziemlich mies.

Im DC-Universum nach Supermans ‚Tod‘ suchen die Behörden nach Möglichkeiten, zukünftigen Bedrohungen durch „besondere Spezies“ etwas entgegen setzen zu können. Ihre Wahl fällt auf eine Horde einander bis dahin unbekannter Super-Verbrecher (Serienkiller, Brandschätzer, Bankräuber, Verrückte, Mutanten), die bis dahin in getrennten Hochsicherheitszellen verwahrt wurde.

Unter der Führung von der US-Agentin Waller (V. Davis) und dem Vorzeige-Major Flag (Joel Kinnaman) soll der wilde und widerspenstige Haufen eine tausende Jahre alte Hexe und ihren Bruder unschädlich machen. Klingt nicht nur bescheuert, ist es auch. Selbst für das Superhelden-Genre. Und dazu wird das alles recht ungeschickt und verwirrend erzählt.

„Suicide Squad“ ist der mißratene Versuch, aus den gigantischen Erfolgen von „Guardians of the Galaxy“ (und mit Abstrichen auch „Deadpool“) Kapital zu schlagen. Finanziell scheint das sogar zu klappen. Doch für das Publikum ist es eine recht zähe Veranstaltung geworden. Weder zünden die Witze (Ausnahmen bestätigen die Regel), noch beeindrucken die Effekte oder der immerhin etwas mutige trashige Neon-Style.

Die ‚Rückkehr‘ des Jokers (J. Leto) ist auch eher enttäuschend, die Figur hätte – nach Heath Ledgers großartiger Darstellung – noch ein paar Jahre Schonzeit vertragen. Und sie ist hier auch letztlich überflüssig. Die Mitglieder des „Suicide Squad“ sind nicht alle gänzlich daneben, Hailey Quinn (Margot Robbie) etwa macht durchaus Laune, Diablo, Captain Boomerang und Slipknot könnten taugen, wenn man ihren Figuren Platz gegeben hätte. Den bekommt allerdings stattdessen Will Smiths „Deadshot“, der als konventionellste Figur wiederum wenig spannend ist. Zudem spielt Smith hier in erster Linie eine klassische Will-Smith-Figur.

Zum davonlaufen ist der Film nun auch nicht, Schauwerte und Tempo reichen aus, um die zwei Stunden Laufzeit schnell vergehen zu lassen. Unter dem Strich aber ist „Suicide Squad“ ein gutes Beispiel, in welche Richtung dieses millardenschwere Genre besser nicht gehen sollte, wenn die Studios ihre “’Cash Cow“ noch ein paar Jahre länger auszuschlachten gedenken. Und davon gab es dieses Jahr bereits mehr als genug…

2/5

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