Kurzkritik: The Dark Tower

The Dark Tower FilmplakatFantasy, 2017

Regie: Nikolaj Arcel; Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor

Worum gehts?

In mehreren Parallelwelten, deren Überleben von einem ominösen „Dark Tower“ garantiert wird, kämpfen das Gute (in Person des ‚Gunslingers‘ Roland) und das Böse (‚Man in Black‘ Walter) um die Vorherrschaft.

Was soll das?

„The Dark Tower“ erzählt soweit ich das verstanden habe erste Bruchstücke, vor allem das grundsätzliche Szenario, von Stephen Kings achtbändiger Fantasy-Saga. Der Film soll einen Einstieg in den Stoff geben, eine Serie und weitere Filme sollten folgen.

Taugt das was?

Nein. „The Dark Tower“ wirkt eher wie die Verfilmung einer Kurzgeschichte, in den knapp 90 Minuten lässt sich nur ganz selten erahnen, worin die Faszination der Vorlage bestehen könnte. McConaugheys Bösewicht kommt besonders ansatzlos (und dabei auch nicht im Ansatz überzeugend) daher, bei Elbas ‚Gunslinger‘ ist es nur etwas besser.

Sonst noch was?

Ob aus der Serie und den weiteren Kinofilmen was wird ist wohl eher unklar, weil der Film die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Als Nicht-Fan der Reihe ist mir das relativ egal (ich hab mir den Film angesichts der miesen Kritiken eher aus mitleidigem Interesse angesehen), und ich könnte wetten dass sich die Fans der Bücher insgesamt auch eher über einen komplett neuen Anlauf in ein paar Jahren freuen würden..

2/5

Kurzkritik: Blade Runner 2049

Blade Runner 2049 Filmplakat - Ryan Gosling VersionSci-Fi, 2017

Regie: Denis Villeneuve; Darsteller: Ryan Gosling, Ana de Armas, Robin Wright, Sylvia Hoeks, Jared Leto, Harrison Ford

Worum gehts?

In der Fortsetzung von Ridley Scotts Klassiker von 1982 stösst Blade Runner ‚K‘ (Gosling) auf ein gefährliches Geheimnis mit dem Potential, die postapokalyptische Welt von Menschen und (neu aufgelegten) Androiden anno 2049 kräftig durcheinander zu wirbeln.

Was soll das?

Als Fan des Originals habe ich mir eher keine Fortsetzung gewünscht, doch offenbar waren sowohl das Studio als auch die Kreativen (neben Ridley Scott als Produzent ist mit Hampton Fancher auch einer der Original-Drehbuchautoren wieder dabei) überzeugt davon, dass es hier noch weitergehen soll.

Taugt das was?

Absolut. In Sachen Ästhetik und Bildgewalt lässt „Blade Runner 2049“ nichts zu wünschen übrig. Die Weiterentwicklung des Szenarios ist glaubhaft und aus einem Guss, die Darsteller (inklusive der ‚Rückkehrer‘) überzeugen. Die visuellen Effekte in Kombination mit dem mächtigen Soundtrack sowie den eindrucksvollen Soundeffekten sind allein den Gang ins Kino wert. Die vom Original in den Raum gestellten Fragen nach Natur, Verhältnis sowie Bestimmung von und zwischen Mensch und Maschine verhandelt der Film souverän weiter, ohne diese (nur) zu wiederholen. Regisseur Denis Villeneuve („Sicario„, „Arrival„) erzählt mit einer betonten Langsamkeit, die zum Fallenlassen in die düstere Welt des Film einlädt.

Sonst noch was?

„Blade Runner 2049“ sieht so verdammt cool aus und verneigt sich an so vielen Stellen vor dem Original, dass es schon fast übertrieben wirkt. Doch angesichts der grandiosen Opulenz und dem unglaublich wohltuenden Verzicht auf hektisch geschnittene moderne Blockbuster-Action (Kein einziger Energiestrahl ins Weltall! KEINER!) will man da nicht wirklich meckern. Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich die arg konstruierte Story, die trotzdem gut funktioniert, vielleicht jedoch einen Tick zu sehr nach einer weiteren Fortsetzung verlangt.. Gut möglich auch, dass man bei erneutem Betrachten neue Facetten findet und dieser Kritikpunkt relativiert werden muss.

5/5

Wer sich mit der Story und ihrer Bedeutung genauer auseinandersetzen möchte, dem sei dieser Artikel von Screenrant empfohlen.

Kurzkritik: The Beguiled

The Beguiled FilmplakatDrama, 2017

Regie: Sofia Coppola; Darsteller: Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Colin Farrell, Elle Fanning

Worum gehts?

Während des US-Bürgerkriegs pflegen Lehrerinnen und Schülerinnen einer kleinen Mädchenschule in Virginia einen verwundeten Soldaten der Union gesund. Als der wieder zu Kräften kommt entstehen Spannungen und Konflikte.

Was soll das?

„The Beguiled“ ist eine offensichtliche Versuchsanordnung, ein ambivalentes Kammerspiel um Geschlechterrollen, sexuelle Anziehung, Verrat und Vertrauen.

Taugt das was?

Es ist zumindest nichts verkehrt an „The Beguiled“, die Figuren sind gut entwickelt, die Handlung ist plausibel, und wie immer bei Sofia Coppola sind Atmosphäre und Stimmung ein große Stärke des Films. In dem eng gesteckten Korsett der Handlung fehlt mir jedoch ein überraschendes Moment, ebenso wie die erzählerische Leichtigkeit von Coppolas besten Filmen.

3/5

Kurzkritik: Baby Driver

Baby Driver FilmplakatThriller, 2017

Regie: Edgar Wright; Darsteller: Ansel Elgort, Jon Hamm, Kevin Spacey

Worum gehts?

Ein ungewöhnlicher junger Mann mit mysteriöser Vergangenheit verdingt sich als genialer Fluchtauto-Fahrer bei einem Boss der Unterwelt. Wie es sich für so ein Gangster-Setting gehört, gehen dann zunehmend viele Dinge fürchterlich schief…

Was soll das?

„Baby Driver“ ist ein postmodernes Verbrecher-Märchen mit unzähligen Schießereien und Verfolgungsfahrten sowie (quasi als Alleinstellungsmerkmal) vielen Anleihen beim Musical-Genre.

Taugt das was?

Ja, „Baby Driver“ ist unterhaltsam, witzig und sogar ein bißchen spannend. Seine vielen Vorbildern verhehlt der Film nicht, ist mir persönlich jedoch insgesamt einen Tick zu selbstverliebt geraten.

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Drive“ meets „Reservoir Dogs“ meets „The Italian Job“

3/5

Kurzkritik: Magical Mystery (oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt)

Magical Mystery FilmplakatComedy/Drama, 2017

Regie: Arne Feldhusen; Darsteller: Charlie Hübner, Detlev Buck, Annika Meier

Worum gehts?

Ein ehemaliger Künstler (und Insasse einer psychiatrischen Klinik) geht mit seinen alten Kumpels – inzwischen erfolgreiche Techno-DJ’s – Anfang der 90er auf Deutschland-Tournee durch die Clubs von Bremen, München, Hamburg, usw.

Was soll das?

Verfilmung eines Romans von Sven Regener (in dem einige Bekannte aus „Herr Lehmann“ erneut auftauchen), gleichermaßen Road Movie, Komödie und Drama.

Taugt das was?

Unbedingt. Der Film feiert seine wenig heldenhaften Figuren auf mitfühlende Art und ist mit herrlichen Dialogen ein brüllend komisches Porträt einer Ära. Charlie Hübners unkonventionelles Spiel in der Hauptrolle des Karl Schmidt erdet den bunten, temporeichen Film ganz entscheidend.

Sonst noch was?

Ich weiss gar nicht so richtig, welche Figuren des schrillen Ensembles mir am besten gefallen haben – enttäuscht hat definitiv niemand. Der Film wird der Vorlage absolut gerecht.

Wie muss ich mir das vorstellen?

Wie „Herr Lehmann“, als Road Movie auf Speed/Koks/MDMA, mit viel (aber nicht nur) Techno im Soundtrack…

5/5

Kurzkritik: The Big Sick

The Big Sick FilmplakatComedy/Drama, 2017

Regie: Michael Showalter; Darsteller: Kumail Nanjiani, Zoe Kazan, Holly Hunter

Worum gehts?

Der Pakistan stammende Kumail aus der Stand-Up Comedy-Szene von Chicago verliebt sich in die „weisse“ Amerikanerin Emily. Schlimm genug, dass Kumails Familie von der Beziehung nichts wissen darf – doch das Schicksal stellt die beiden noch vor eine ganz andere Probe…

Was soll das?

Humorvoll, mit Niveau und ohne Rücksicht auf ‚political correctness‘ erzählt der Film (basierend auf einer wahren Begebenheit) vom ganz alltäglichen Zusammenprall von Kulturen und Menschen im Schmelztiegel USA.

Taugt das was?

Auf jeden Fall. „The Big Sick“ hat ein großes Herz, scharfe Zungen und ein gutes Gespür für die Balance von Drama und Komödie. Der Blick auf die Figuren ist ehrlich, aber mitfühlend.

Sonst noch was?

Stand-Up Comedy war nie so ganz mein Fall – wem das ähnlich geht sei gesagt: das muss einen hier nicht abschrecken…

4/5

Serien-Kritik: Twin Peaks – The Return

Twin Peaks The Return PosterIch war gleichermaßen erfreut wie skeptisch, als ich erfuhr, dass David Lynch eine Fortsetzung von“Twin Peaks“ dreht. Von der Serie, ohne die die heutige ‚goldene Ära‘ der Fernsehserien nicht vorstellbar wäre. Würde Lynch in der Lage sein, die eigene Legende fortzuführen, ohne sich zu wiederholen?

Obwohl „The Return“ nicht ohne Macken ist waren alle Zweifel unbegründet. Die Serie ist – mindestens für Lynch-Fans – das mit Abstand Beste und Spannendste, was in diesem Jahr bisher über die Bildschirme geflimmert ist.

Schon in den ersten Folgen von „Twin Peaks – The Return“ wird deutlich, dass Lynch und Autor Mark Frost definitiv nicht vor haben, die Story im Stile des Originals fortzuführen. Spätestens mit der schon jetzt legendären achten Episode „White Light White Heat“ (eher Experimentalfilm als Serienfolge) ist klar, dass der Publikumserfolg kein wichtiger Faktor für die Macher war.

Das Unterbewusste, Träume, die Entstehung und Ausübung von Gewalt, das Doppelgänger-Motiv, non-lineare Erzählungen, surreale Sequenzen und Effekte – Lynch feuert in „The Return“ aus allen Rohren. Die Story der Serie ist nicht kompliziert im klassischen Sinne, sie entzieht sich (zumindest auf den ersten Blick) jeder klassischen Handlungslogik.

Es ist allein oft nicht auszumachen, welche Handlungsstränge und Personen eigentlich „dazu“ gehören. Da passieren Dinge, die allem Anschein nach zentral für den Plot sind, sich aber später als reine Randerscheinungen entpuppen. Und denen Lynch nicht mal den Versuch einer Erklärung hinterher schickt. Unzählige völlig groteske Dinge passieren einfach so. Man kennt das vom Regisseur, zum ‚Mainstream‘ aber taugt die Serie schon deshalb nicht.

Nun hat man in den letzten Jahren viele gute Serien gesehen, die sich etwas getraut haben, die mit Konventionen gebrochen haben, und ihr Publikum nicht nur unterhalten, sondern fordern wollten. „Twin Peaks – The Return“ geht einen Schritt weiter. Die Show unterläuft ständig die Erwartungen des Publikums, setzt dabei auf visuelle Effekte, die völlig außerhalb jeder etablierten Ästhetik liegen – ohne bemüht ‚hip‘ zu wirken. Sie lässt sich zudem an vielen Stellen als süffisanter bis bissiger Kommentar auf die Form der Unterhaltung verstehen, der sie selbst angehört.

An vielen Stellen könnte die Serie in völlig andere Richtungen gehen als sie es dann tut. Überall an ihren Rändern liegen potentielle Welten und Geschichten. Den einen, vermeintlich „stimmigen“ oder gar „logischen“ Weg, den die (eine) Story gehen muss, gibt es schlicht nicht.

Die vielen ins Leere laufenden Handlungsstränge muss man nicht mögen, aber sie sind definitiv nicht zufällig da. Ihr ’nicht-weitergeführt-werden‘ ist ein wichtiger Teil des Plans, denn Lynch ist an einer linearen Erzählung, bei der am Ende alle Stränge zusammen laufen, nicht interessiert. Die Story von „Twin Peaks“ – so verstehe ich auch das Ende – hat keinen Anfang und kein Ende. Sie steht eher zeitlos im Raum.

(Hier klicken alle, die es genauer wissen und verstehen wollen.)

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Lynch den Fans einige echte „Geschenke“ macht (Norma und Eds großer Moment, Dale Coopers „Rückkehr“, das ‚kleine Finale‘ im Büro des Sheriffs, alle Szenen mit Lucy, Andy, Hawk und der Log Lady, um nur einige zu nennen), und er die Geschichte um die dunkle Macht aus der Black Lodge tatsächlich weiterführt (oder zumindest fortsetzt).

Wie fast alle Fans der Serie finde ich es äußerst schade, dass einige der alten Figuren nur als rätselhafte Randerscheinungen auftauchen. Auch dass Agent Cooper über weite Strecken nur als grenzdebile Reinkarnation Dougie Jones in einem unterhaltsamen, aber wenig weiterführenden Subplot zu sehen ist, ging mir mit zunehmender Dauer auf die Nerven (auch wenn Kyle MacLachlan das großartig spielt, und ja zusätzlich als „Evil Cooper“ zu sehen ist).

Nicht zuletzt ist der Ton kühler geworden, denn die ‚Neuzugänge‘ von „The Return“ sind keine liebevoll entworfenen Charaktere wie der Großteil der alten Garde – und auch weit weniger sympathisch.

Und doch bin ich von „Twin Peaks – The Return“ äußerst begeistert. Es gab kaum eine Folge ohne großartigen „WTF?!“-Moment, immer wieder schien wunderbar warmer, leiser Humor durch. Visuell außergewöhnlich und oft unvorhersehbar hat die Serie gezeigt, was wahrhaft kreative Unterhaltung sein kann, wenn man es versteht ihre Kräfte zu entfesseln.

 

 

 

Kurzkritik: Game of Thrones Staffel 7

Game of Thrones Season 7 PosterIch war wie viele Zuschauer der Serie überrascht ob des neuerdings immens hohen Tempos der Serie, und enttäuscht über die damit einhergehenden Abstriche bei der Figurenentwicklung, sowie der gesunkenen Qualität der Dialoge. Es scheint leider, als könnten die Macher das erzählerische Niveau der bisherigen sechs Staffeln nicht halten.

Stattdessen ist nun Action angesagt, es gibt Schlachten, Gipfeltreffen, Verhandlungen, Allianzen und eine zentrale Love-Story, die unausweichlich war, aber doch nicht so richtig überzeugen kann. Schade.

Andererseits musste die längste Exposition der Fernsehgesichte auch irgendwann mal ein Ende finden. Dass es am Ende krachen würde war klar, und nun ist es eben soweit. Warum es nicht möglich war, sich dafür zumindest drei Folgen mehr Zeit zu nehmen, bleibt allerdings unklar.

So hetzt „Game of Thrones“ hier fast schon auf das Ende zu, Entwicklungen und Entfernungen, die in früheren Staffeln Stoff für mehrere Folgen gewesen wären, werden nun oft direkt in einer einzigen Folge abgefrühstückt.

Doch zum Glück hat die Serie großartige Vorarbeit geleistet, Spannung und Konflikte aufgebaut, dass es immer noch eine Freude ist, das Pulverfass Westeros nun (gefühlt im Zeitraffer) explodieren zu sehen. Einige Handlungsstränge und Figuren (Sansa und Arya in Winterfell, Sam in der Zitadelle, Jamies innerer Kampf) haben mehr Spaß gemacht, andere weniger, auch weil die Logik oft auf der Strecke blieb.

Die letzten sechs Folgen können anno 2018 kommen, ich freu mich drauf. Und dann darf es auch vorbei sein.

Kurzkritik: Guardians of the Galaxy Vol. 2

Guardians of the Galaxy Vol. 2 – FilmplakatFantasy/Action, 2017

Regie: James Gunn; Darsteller: Christ Pratt, Zoe Saldana, Kurt Russell

Worum gehts?

Die bunte Chaos-Truppe der „Guardians“ muss die Welt erneut vor der ultimativen Zerstörung bewahren, der extrem klamaukige Abenteuer-Spaß aus dem Marvel-Universum geht weiter. Eine Handlung gibt es auch, hier sollte man allerdings nicht zu viel erwarten…

Was soll das?

Siehe „Worum gehts?

Taugt das was?

Für Fans des ersten Teils, die „more of the same“ sehen wollen und die Figuren ins Herz geschlossen haben – ja. Für alle anderen gibt es abgesehen von ein paar gelungenen Effekten und Jokes nichts zu sehen.

Sonst noch was?

Ich werde wohl keine weiteren „Guardians of the Galaxy“-Filme mehr ansehen, weil ich von dieser Art Film schlicht genug gesehen habe. Das heisst aber nicht, dass die Reihe das, was sie macht, nicht gut macht.

Wie muss ich mir das vorstellen?

Wie den ersten Teil, nur dass man alle witzigen Charaktere bereits kennt.

3/5

‚Serien vs. Filme‘ – Unspektakuläre Beobachtungen

Es wird niemanden groß überraschen, wenn ich zu Protokoll gebe, dass ich in den letzten 10 Jahren eine ganze Menge Fernsehserien gesehen habe. Mit dem Start von „Weeds“ (2005), „Dexter“ (2006), „Mad Men“ (2007), „Californication“ (2007) und „Breaking Bad“ (2008) begann sich in meinem persönlichen Konsumverhalten das Verhältnis zwischen Spielfilmen und Kino langsam zu drehen.

Spätestens seit dem Start von „Game of Thrones“, „Homeland“ oder „House of Cards“ (um nur die bekanntesten zu nennen) einige Jahre später gucke ich mehr Serien als Filme. Je mehr gute Shows es plötzlich gab, desto weniger sehenswerte Filme erschienen. Was so nicht ganz stimmt, denn es gab und gibt auch andere (unspektakuläre persönliche) Gründe, warum ich seltener ins Kino gehe.

Wenn ich mich im Bekanntenkreis umschaue, bin ich alles andere als ein Einzel- oder Sonderfall. Ohne einen besonderen Aufhänger beschäftige ich in diesem Beitrag mal mit der Frage, was sich für Film- und Serienfreunde in den letzten Jahren eigentlich geändert hat.


Bequemlichkeit vs. „Erlebnis Kino“

Der Konsum einer Serienfolge hat viele praktische Vorteile gegenüber dem Kinobesuch. Der Spaß dauert insgesamt maximal eine Stunde, ist (meist) günstiger, zudem auch spontan und alleine möglich. Je nach Anbieter und Serie kann man einfach mal zwei Folgen am Stück gucken (oder gleich die ganze Staffel), oder auch „STOP“ drücken, wenn das Telefon klingelt oder man müde ist.

Für den Alltag von berufstätigen Menschen sind das alles wichtige Argumente. Denn ins Kino zu gehen ist – selbst für einen verwöhnten Großstädter – mit vielen nervigen Zugeständnissen verbunden. Da laufen die Filme gerne eher zu spät (alles nach 20:00 Uhr). Denn weil ja erst noch mindestens eine halbe Stunde Werbung läuft, ist ein gut zwei Stunden langer Film (eher die Regel als die Ausnahme) dann erst gegen 23:00 Uhr vorbei, man selbst kurz vor Mitternacht zuhause. Das ist kein wirkliches Problem, aber je nach (kommendem) Arbeitstag eben auch oft nicht ideal. Will sagen, nicht bequem.

Immer mehr Menschen haben zudem keine Lust mehr, im Kino ihr Smartphone wegzulegen, oder unterhalten sich während des Films. Außerdem riecht es gerne mal nach Popcorn und diesen widerlichen „Käse“-Nachos. Die Preise sind hierzulande noch im Rahmen, trotzdem kostet ein Ticket im Vergleich oft mehr als ein Monat Netflix.


Konzentration im Kino vs. „Second Screen“ zuhause

Ein deutlicher Vorteil des Kinos wiederum liegt in der Qualität von Bild und Ton. Selbst im Nebensaal eines Neuköllner Indie-Kinos ist die Leinwand 5 mal größer und der Sound satter als auf dem gut ausgestatteten Heimkino. Diesen „Larger-than-Life“-Effekt wird man zuhause auch mit einem Beamer nicht erreichen. Ganz zu schweigen von dem gemeinsamen Erlebnis, mit vielen fremden Leuten gemeinsam einen Film zu schauen – mit den entsprechenden Reaktionen von kollektivem Staunen, Gelächter oder Tränen.

Sofern man selbst nicht zu den totalen Smartphone-Junkies gehört (und sich alle im Saal einigermaßen benehmen) bietet das Kino auch mehr Ruhe, sich auf einen Film einzulassen. Da kann auch ein Drama mal gemächlich starten und seine erzählerischen Stärken ausspielen, ohne dass man nach maximal 10 Minuten beginnt, Nachrichten zu schreiben oder die News zu checken.

Genau diese Freiheiten, die man auf dem Sofa durchaus geniesst, sorgen dafür, dass es kleinere, ruhige Filme schwerer haben als früher. Sie sind zwar überall verfügbar, doch erfordern ein Maß der Konzentration und (ein großes Wort, ich weiss) Hingabe, das kaum jemand aufbringt, der zuhause – am besten auf dem Laptop – einen Film anschmeisst. Das Ablenkungspotential von Smartphone oder Tablet ist oft zu groß, es fühlt sich auch nicht nach „großem Kino“ an. Viele gucken auch ganz absichtlich nur „nebenbei“. Das kann bei „The Waking Dead“ noch einigermaßen funktionieren, bei „Rectify“ braucht man so gar nicht erst anfangen.

Das kann ich auch wunderbar bei mir selbst beobachten, denn ich versuche mich deutlich seltener an kleineren Dramen als noch vor ein paar Jahren. Und bis zu dreistündige Schinken wie zuletzt etwa Martina Scorseses „Silence“ oder auch „Manchester by the Sea“ gucke ich oft in zwei Etappen – mache also quasi selbst eine Miniserie draus.


Markt & Angebot

Während es im Kino oft über Wochen und Monate keinen Film gibt, den ich dringend sehen möchte (zumindest nicht dringend genug, wenn ich die dazugehörigen „Hürden“ bedenke) ist das Angebot bei den Serien immens gewachsen. Aktuell sind bei mir etwa „Game of Thrones“ und die Fortführung von „Twin Peaks“ im Rennen um den Titel ‚Serie des Jahres‘, weiter geht es demnächst mit so unterschiedlichen Stoffen wie „Mr. Robot“, „Top of the Lake“ und „Westworld“. Zudem liefen 2017 bereits neue Staffeln von „Better Call Saul“, „Fargo“, „Hap & Leonard“ und „The Leftovers“, mit „Taboo“, „13 Reasons Why“ oder „The Handmaids Tale“ liefen auch spannende neue Serien an.

Zum Vergleich: ich war bisher dieses Jahr dreimal im Kino („Ghost in the Shell“, „Trainspotting 2“, „Logan“), ein Ausblick bis Weihnachten lässt darauf schließen dass noch etwa vier Besuche dazukommen. Das bestätigt den Abwärts-Trend der letzten Jahre, und meine persönliche Faulheit kann nicht allein Schuld sein.

Schließlich schaue ich die neuen Werke einer Reihe von Regisseuren weiterhin fast immer im Kino. Doch auch die sind zum Teil eher mit Serien beschäftigt (Steven Soderbergh hat „The Knick“ gedreht, Woody Allen „Crisis in 6 Scenes“, die Coens drehen aktuell eine Western-Miniserie für Netflix).


Hollywood und der „Mega-Blockbuster“

Eine Folge dieser Entwicklungen ist sicherlich Hollywoods Besessenheit mit unfassbar teuren Blockbustern und dem Recycling bekannter Stoffe. Neu ist das ist nicht wirklich, es wird aber extremer. Dass man eine erfolgreiche Filmreihe mal 5 Jahre liegen lässt, bevor ein neuer Teil erscheint, war früher üblich (zwischen „Stirb langsam 2“ und dem Nachfolger liegen fünf Jahre, zwischen den ersten beiden „Terminator“-Filmen gar sieben).

Neuerdings läuft es eher wie bei „Spider-Man“, da folgte auf die erste (neuere) Trilogie von 2002 bis 2007 gleich ein Reboot mit zwei Filmen (2012 und 2014), und dieses Jahr geht bereits der dritte Darsteller mit der dritten Filmreihe („Spider-Man – Homecoming“ als Teil der „Avengers“-Filme) innerhalb von 15 Jahren ins Rennen.

Disney schlachtet derweil das „Star Wars“-Franchise aus, und ist damit kommerziell unfassbar erfolgreich. Die Filme haben jedoch eher nostalgische Qualitäten, als dass sie irgendwie als „Zukunft des Kinos“ gelten könnten.

Produktionen mit kleinen und mittleren Budgets sind dagegen seltener geworden, weil die großen Studios darin kein Geschäft mehr sehen (bzw. keines mehr damit machen können), was definitiv schade ist. Andererseits werden Netflix, Amazon und Co diese Lücke vielleicht schon bald schließen, denn sie brauchen gute Inhalte, um Abonnenten zu halten/werben. Das schmeckt zwar den Kinobetreibern nicht (weil eine Auswertung dort nur noch eine untergeordnete Rolle spielt), hat aber auch Vorteile.

So müssen sich beim Geschäftsmodell mit Streaming-Abos nicht alle selbst produzierten Filme und Serien einzeln rechnen. Es geht auch ums Prestige, als Filmproduzent ernst genommen zu werden. Gerade bei Amazon geht es zudem darum, Konsumenten ins eigene Ökosystem zu ziehen und insgesamt mit Gewinn herauszugehen. Einzelne Sparten als „Lockvögel“ einzusetzen ist durchaus denkbar.

Es ist also durchaus möglich, dass so einige spannende Filme entstehen, bei denen sich talentierte Regisseure ohne großen kommerziellen Druck ausprobieren können. Oft sind die beiden Dienste aber auch nur als Produzenten dabei, um sich früh die weltweiten Streaming-Rechte von interessanten Stoffen zu sichern.


Schöne neue Serien-Welt

Was zunächst bei Kabelsendern wie HBO oder Showtime, inzwischen auch bei Netflix, Amazon und vielen anderen in den letzten Jahren an Serien produziert wurde, ist wiederum definitiv eine Bereicherung für die Zuschauer. Die Erzählform wurde mit den „Sopranos“ oder „The Wire“ ernster und anspruchsvoller, hat sich dabei u. a. vom Prinzip der ‚inneren Geschlossenheit‘ der einzelnen Folgen freigemacht (wie vorher nur „Twin Peaks“, der Mutter aller modernen Fernsehserien). Und damit auch neue Zielgruppen erschlossen. Nämlich den Teil des Publikums, der über Serien wie „Akte X“ oder „Ally McBeal“ nur verächtlich die Nase gerümpft hat und lieber ins Kino gegangen ist.

Ein unbestreitbarer Vorteil von Serien im Vergleich zu Filmen ist die größere Tiefe, mit der sie in ihre Stoffe und Figuren einsteigen können. „Mad Men“ porträtiert ein ganzes Jahrzehnt, „Game of Thrones“ leistet sich gut zwei Dutzend Hauptfiguren – in Filmen ist sowas schlicht nicht möglich.

Dass Kabelsender und Streaming-Dienste keine einzelnen Eintrittskarten verkaufen macht es wiederum leichter, auch mal ein Risiko einzugehen. Auf ein „Game of Thrones“ kommen bei HBO auch vier weniger erfolgreiche Shows, aber solange das Publikum insgesamt dabei bleibt geht die Rechnung auf.

Doch das Modell hat auch Nachteile. Etwa wenn Stoffe über Jahre weiter entwickelt werden, weil das Publikum begeistert ist – und die Serie dann kein passendes Ende findet, weil den Produzenten und Autoren die Ideen ausgehen. Oder sie sich nicht einig sind. So ging es mir zum Beispiel mit „Dexter“, einer herrlichen Serie, die etwa um die 5. oder 6. Staffel herum ein Ende hätte finden müssen. Stattdessen gab es noch weitere unbefriedigende Staffeln und schliesslich ein verkorkstes Finale. Bei „Weeds“ und „Californiation“ nahm die Qualität so stetig ab, dass ich das Ende jeweils nicht mal mehr erlebt habe.

Die Gefahr, dass eine Serie grandios beginnt, sich dann bei Erfolg schier endlos verlängert, nur um dann im erzählerischen Sande zu verlaufen, ist also immer gegeben. Ebenso können Shows, die einen begeistern, nach der ersten Staffel direkt wieder vorbei sein. Und dann ohne ordentliches Ende, weil die Produzenten gehofft hatten, sie könnten weitermachen. Die besten Serien der letzten Jahre zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie die Spannung (bzw. das Niveau) bis zum Finale halten konnten. So war es bei „Mad Men“, „Breaking Bad“, auch bei „Rectify“ oder „The Leftovers“.


Rezensionen sind Mangelware

Eine Schwierigkeit bei Serien ist es, diejenigen zu entdecken, die sich wirklich lohnen. Zwar gibt es Indikatoren wie die IMDb-Ratings, nicht jedoch eine mit der Filmkritik vergleichbare Rezensionskultur. Zwar geben sich die Journalisten alle Mühe, doch ihr Sujet macht es ihnen nicht gerade einfach. Einen Film hat man in zwei Stunden gesehen und kann ihn (relativ) abschließend bewerten.

Aber wie soll man das bei einer Serie tun, von der man nur vorab vier Folgen zur Kritik vorgelegt bekommt? Bis zum Ende der Staffel kann man mit der Kritik wiederum nicht warten, weil die Information dann veraltet ist (was nicht so ganz stimmt). So gibt es relativ wenige Websites, die vernünftige Orientierung bieten. Für Tipps zu diesem Thema bin ich dankbar, ab in die Comments damit. Selbst habe ich aktuell nur diesen hier.

Stattdessen haben sich die „Recaps“ zu einzelnen Folgen durchgesetzt, die am Tag nach der Ausstrahlung das Geschehen zusammenfassen und interpretieren, inzwischen auch oft mit einer Bewertung (ziemlich sinnlos, da man ja schlecht bewertete Folgen kaum weglassen kann und wird). Das sind oft lesenswerte Beiträge, aber sie helfen einem nicht dabei zu entscheiden, ob man eine Serie sehen will oder nicht.

Netflix oder Amazon wollen ihre Kunden verständlicherweise ohnehin lieber nach dem „Wer X mochte wird auch Y mögen“-Prinzip durch das eigene Programm lotsen. Die dafür verwendeten Algorithmen sind schon ziemlich gut, aber fischen eben nur im eigenen Teich.

Es bleibt also oft nur ausprobieren. Wer wissen will, welche Shows mir zuletzt besonders gefallen haben, der kann das hier nachlesen:

 

Kurzkritik: Alien – Covenant

Filmplakat - Alien CovenantSci-Fi, 2017

Regie: Ridley Scott; Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup

Worum gehts?

Ein Raumschiff auf Kolonial-Mission landet außerplanmäßig auf einem vielversprechenden, weil lebensfreundlichen Planeten. Doch die Crew muss schnell feststellen, dass sie nicht allein ist…

Was soll das?

Der Nachfolger von „Prometheus“ soll soweit ich weiss die Brücke zur klassischen „Alien“-Reihe schlagen (oder doch zumindest den Brückenschlag beginnen).

Taugt das was?

Nur für Fans der Reihe bzw. des Genres. Ridley Scott verfolgt zwar einige interessante (pseudo-)wissenschaftliche und philosophische Ansätze weiter, kann aber nichts wirklich Neues anbieten. Handwerklich und visuell taugt „Covenant“ auf jeden Fall, am Ende jedoch steht wie bei so ziemlich jeder anderen Filmreihe nur wieder ein recht vorhersehbarer Cliffhanger.

Sonst noch was?

Ich frage mich, ob es eine echte Chance gibt, dass Scott die Reihe zu einem irgendwie schlüssigen, zufriedenstellenden Ende bringt (oder überhaupt bringen will). Geld würde ich aktuell nicht darauf setzen…

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Alien“ meets „Prometheus“, mit Michael Fassbender in der einzig interessanten  (Doppel-)Rolle.

3/5

Kurzkritik: King Arthur – Legend of the Sword

King Arthur Legend of the Sword FimplakatFantasy/Action, 2017

Regie: Guy Ritchie; Darsteller: Charlie Hunnam, Jude Law, Eric Bana

Worum gehts?
Um die Artussage, allerdings eher vage (ich konnte auf den ersten Blick wenig Übereinstimmungen der Handlung hiermit finden…).

Was soll das?
Guy Ritchie macht aus der britischen Sage modernes Blockbuster-Kino, ohne dabei auf seine ‚Trademarks‘ als Regisseur (u. a. Montagen, brachiale Musik & lustige Wadenbeißer-Dialoge) zu verzichten – so ist sein „Arthur“ auch ein wahres Kind der Gosse.

Taugt das was?
Nicht so richtig, wobei ich als Fantasy-Muffel hier auch nicht Zielgruppe bin. Tricks und Darsteller können sich sehen lassen, die Story besteht aus den üblichen Versatzstücken, eine runde Sache (oder gar ein interessanter Film) ist „King Arthur“ trotz einiger gelungener Szenen nicht geworden.

Sonst noch was?
Der Film soll wohl den Auftakt einer ganzen Reihe von Artus-Filmen sein, die dann hier eher nicht mehr besprochen werden dürften…

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie einen zweistündigen Trailer für einen Film, von dem man sich ziemlich sicher ist, dass man ihn nicht sehen will.

2/5

Neue Miniserie: Seven Types of Ambiguity

Solide Verfilmung eines aus mehreren Perspektiven erzählten psychologischen Thrillers des australischen Autors Elliot Perlman. Weil ein paar brisante Aspekte der Handlung (sowie ein ganzes Kapitel) wegfallen, ist die Serie deutlich zahmer als das Buch – was schade ist. Es bleibt aber eine interessante, spannende und gut gespielte Serie, wenn auch nicht alle Darsteller das Format von Hugo Weaving („Matrix“, „Herr der Ringe“) haben. Wo und ob die Serie in Deutschland laufen wird konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

TV-Serien – Aktuelle Kurzkritiken

Hap and Leonard Season 2

Bevor am Sonntag mit „Game of Thrones“ der Platzhirsch unter den TV-Serien weitergeht, hier eine kleine Übersicht aller Serien, die mir dieses Jahr vor die Flinte gelaufen sind. „House of Cards“, „The Walking Dead“ und „Homeland“ habe ich allesamt nicht weiter gesehen, falls die jemand vermisst…

Zu den aktuell laufenden und noch kommenden Serien („Game of Thrones“, „Twin Peaks“, usw.) schreibe ich dann voraussichtlich im Herbst ein paar Zeilen.

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13 Reasons Why [Tote Mädchen Lügen Nicht] (Staffel 1 /Netflix)

Die Serie erzählt vom Suizid einer Schülerin, mischt dabei ausgiebige Rückblenden mit den Entwicklungen in der Gegenwart. Das große Ensemble der Jungdarsteller überzeugt ebenso wie die spannende, unterhaltsame und doch immer niveauvolle Art der Erzählung und das präzise Timing.

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Better Call Saul (Staffel 3 / Netflix)

Nach dreieinhalb Staffeln kommt er, fast wie nebenbei – der Moment, in dem aus Jimmy McGill Saul Goodman wird. Allein deshalb lohnenswert, aber auch ansonsten kann Staffel 3 das Niveau halten.

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Big Little Lies (Staffel 1 / Sky)

Ein interessanter erzählerischer Ansatz (ein vorweg genommener Mord, über den das Publikum bis zum Ende rätseln muss) und ein spannendes Thema (häusliche Gewalt), doch der Funke springt nicht so recht über. Überzeugen tun jedoch die Darsteller.

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Billions (Staffel 2 / Sky)

Die zweite Staffel bot weitgehend „more of the same“ (niveauvolle Finanz-Thriller-Seifenoper), konnte jedoch mit einem unterhaltsamen Plot und den insgesamt gelungenen Figuren überzeugen.

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Fargo (3. Staffel / Netflix)

Auch beim dritten „Neubeginn“ macht diese Serie fast alles richtig, wieder glänzt ein starkes Darsteller-Ensemble in einer etwas skurrilen Story. Wenige Serien haben so eine unverkennbare erzählerische Handschrift wie „Fargo“, und das liegt längst nicht nur an den vielen Querverweisen ins filmische Universum der Coen-Brüder.

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Hand of God (Staffel 2 / amazon)

Insgesamt eine eher enttäuschende Staffel, weil keiner der weiterentwickelten Handlungsstränge wirklich zu fesseln vermag. Immerhin wussten die Macher, dass es die letzte Staffel sein würde und konnten die Sache insgesamt noch zufriedenstellend beenden.

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Hap & Leonard (Staffel 2 / amazon)

Lässig & witzig, dabei aber nicht albern und tatsächlich spannend. Die zweite Staffel von „Hap & Leonard“ war noch besser als die erste – hier geht es hoffentlich auf diesem Niveau weiter...

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Sherlock (Staffel 4 / iTunes, amazon, ARD)

Am Ende der drei Folgen hat „Sherlock“ die Grenze zur Selbstparodie mehr als eindeutig überschritten, trotzdem gehört die Serie weiterhin zum unterhaltsamsten Stoff, den das Fernsehen je produziert hat.

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Sneaky Pete (Staffel 1 / amazon)

Einen Versuch war es wert, aber mehr auch nicht. „Sneaky Pete“ ist – sofern man das nach drei Folgen beurteilen kann – keine schlechte Serie. Angesichts der großen Konkurrenz fühlte sich die Show trotzdem ein bißchen wie Zeitverschwendung an, daher habe ich hier früh die Reißleine gezogen…

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Taboo (Staffel 1 / amazon)

Historische Serien umfahre ich meist weiträumig, für „Taboo“ habe ich aber gerne eine Ausnahme gemacht. Die Story um den Erben eines reichen Reeders ist spannend, die Inszenierung nichts für schwache Mägen, und auch die Abstecher ins Übernatürliche passen hier gut rein.

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The Affair (Staffel 3 / amazon)

Die Unbeständigkeit ist wohl die größte Konstante dieser Serie, und sorgt auch in Staffel 3 für einige großartige und einige merkwürdig unpassende Entwicklungen der Story. Insgesamt aber weiterhin auf einem hohen Niveau und psychologisch interessant, dazu grandios gespielt – ich werde dabei bleiben…

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The Handmaid’s Tale (Staffel 1 / unklar)

Auch wenn ich die zugrunde liegende Dystopie nicht ganz schlüssig finde, war die Adaption von Margaret Atwoods gleichnamigen Roman durchaus sehenswert. Es bleibt abzuwarten, ob die Serie in der zweiten Staffel einen überzeugenden Weg findet, die Story fortzusetzen – der Roman wird, soweit ich das verstanden habe, in Staffel eins bereits zu Ende erzählt.

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The Leftovers (Staffel 3 / Sky)

Die finale Staffel von „The Leftovers“ ist für mich eine positive Überraschung. Denn es gelingt tatsächlich, die an Sprüngen, Verwirrungen und offenen Fragen nicht arme Story zu einem absolut befriedigenden Ende zu bringen. Die Stärke der Show waren immer die Figuren, und genau diese stehen im Mittelpunkt der finalen acht Folgen. Was nicht heisst, dass es im Universum von „The Leftovers“ langweilig geworden wäre. Doch die wilde Fahrt um die halbe Welt (und in einige andere „Welten“) endet auf einer zutiefst menschlichen und vortrefflich passenden Note.

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The Man in the High Castle (Staffel 2 / amazon)

So richtig war mir nicht nach weitergucken, denn die erste Staffel war mir irgendwie zu unfokussiert und fahrig. Ich habe dann doch weitergeschaut, und bin zufrieden mit meiner Entscheidung. Die Richtung stimmt in Staffel 2, das Geschehen nimmt ordentlich Fahrt auf…

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The Red Road (Staffel 1 & 2 / amazon)

Eine mutige Mischung aus Krimi-Drama und Gesellschaftskritik, in der eine bürgerliche Kleinstadt und die Bewohner eines nahegelegenen Reservats aneinander geraten. Nicht ohne Schwächen bei Timing und Inszenierung, aber durchaus sehenswert.

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The Young Pope (Staffel 1 / Sky)

Ein junger US-Amerikaner wird überraschend zum neuen Papst gewählt – und entpuppt sich schnell als Albtraum der alten Kirchen-Eliten. Das interessante Gedanken-Experiment (es wird wohl so schnell kein so junger Papst gewählt werden…) bietet einige große Momente, kann sich aber nicht so recht entscheiden, ob es Drama, Satire oder Gesellschafts- bzw. Kirchenkritik sein will. Vielleicht bekommen die Macher das in der geplanten zweiten Staffel besser hin – ansonsten steige ich hier wohl aus…

Kurzkritik: The Circle

The Circle FilmplakatDrama, 2017

Regie: James Ponsoldt; Darsteller: Emma Watson, Tom Hanks, Karen Gillan

Worum gehts?
Eine junge Frau ergattert einen Job beim Tech-Giganten ‚The Circle‘. Zunächst schwer beeindruckt vom luxuriösen Campus und den scheinbar paradiesischen Zuständen muss sie langsam erkennen, dass ihr Arbeitgeber und seine schöne neue Produktwelt auch Schattenseiten haben.

Was soll das?
Die Apples, Googles, Amazons und Facebooks dieser Welt („‚The Circle‘ vereint in sich in etwa die Marktmacht von allen zusammen), genauer gesagt ihre Gier nach Daten und deren ‚Monetarisierung‘, wird an den Pranger gestellt, wobei vermeintliche Utopien  sich in ihr absehbares Gegenteil verkehren.

Taugt das was?
Nein. Zwar versteht der Film (und also die Romanvorlage) etwas von seinem Thema und bringt berechtigte Kritik zum Ausdruck. Er ist aber zu nah dran an der Wirklichkeit, als dass es Science-Fiction wäre. Gleichzeitig ist er davon zu weit weg (im Sinne von übertrieben) und somit auch kein überzeugendes Drama. Für eine Satire wiederum ist „The Circle“ nicht bissig genug.

Sonst noch was?
Schon die Vorlage war etwas oberlehrerhaft, konnte aber mit einigen Details überzeugen. Die Filmversion hingegen ist oft schon unfreiwillig komisch und nimmt sich selbst deutlich zu ernst (oder eben nicht ernst genug).

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie einen mahnenden Leitartikel, dessen Autor recht hat – was man aber schon längst weiss.

2/5

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