Kurzkritik: Buster’s Mal Heart

Busters Mal Heart FilmplakatDrama/Mystery, 2016

Regie: Sarah Adina Smith; Darsteller: Rami Malek, Kate Lyn Sheil, DJ Qualls

Worum gehts?
Der junge Familienvater Jonah (Malek) arbeitet als Nacht-Portier in einem abgelegenen Hotel, wo er auf einen ominösen Verschwörungstheoretiker trifft. In einem anderen (oder späteren?) Handlungsstrang lebt dieselbe Figur als Outlaw in der Wildnis und sagt der Gesellschaft den Kampf an…

Was soll das?
„Buster’s Mal Heart“ spielt mit Identitäten und Realitäten – ein kniffliger Film, der die Zuschauer herausfordert.

Taugt das was?
Ja. Trotz einiger zäher Momente und Schwächen beim Timing baut der Film ordentlich Spannung auf und bietet viele sehenswerte Szenen und Ideen. Die Auflösungen und Kniffe des Films können nicht alle begeistern, doch es ist im positiven Sinne interessant dabei zuzuschauen.

Sonst noch was?
Die Besetzung der Hauptrolle mit „Mr Robot“ Rami Malek darf durchaus als Wink verstanden werden – wer die Serie mag, der ist hier grundsätzlich nicht ganz falsch.

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie zwei etwas schräge Indie-Dramen in einem Film, mit Elliot aus „Mr Robot“ als gemeinsamer Hauptdarsteller.

3/5

Kurzkritik: Once Upon a Time in Venice

Once Upon a Time in Venice FilmplakatKrimi/Comedy, 2017

Regie: Mark Cullen; Darsteller: Bruce Willis, John Goodman, Jason Momoa,

Worum gehts?
Um einen abgehalfterten Privatdetektiv, bei dem es weder beruflich noch privat so richtig rund läuft. Sein Hund wird gekidnapped, er legt sich mit einem Haufen Drogendealer an – und seinen aktuellen Fall kriegt er auch nicht gelöst…

Was soll das?
„Once Upon a Time in Venice“ will den Erfolg von ähnlichen (ungleich besser gemachten) ruppigen Komödien wie „The Nice Guys“ wiederholen. Das wird wohl eher nichts.

Taugt das was?
Nein. Die Hauptrolle ist Bruce Willis zwar auf den Leib geschrieben, aber insgesamt bietet der Film zu wenige gute Ideen. Ein paar gelungene Gags reichen nicht, und die alberne Inszenierung offenbart letztlich nur die Beliebigkeit der Story.

Sonst noch was?
Nicht wirklich.

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie „The Nice Guys“ in Scheisse.

2/5

Kurzkritik: Song To Song

Filmplakat Song To SongDrama, 2017

Regie: Terrence Malick; Darsteller: Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender, Natalie Portman

Worum gehts?
Um mehrere, sich überschneidende Beziehungs-Dreiecke im Musikermilieu von Austin, Texas.

Was soll das?
Wie schon in „Tree of Life“, „To the Wonder“ und „Knight of Cups“ hat Regisseur Terrence Malick hier weitgehend improvisieren lassen, der Film reiht in sehenswerten Bildern recht willkürlich Szenen aneinander und ist vor allem daran interessiert Stimmungen zu transportieren.

Taugt das was?
Nur für Freunde filmgewordener ‚Meditationen über das Leben‘, die das ganze Geschwurbel – warum auch immer – nicht total hohl finden. Die schicken Bilder und die berühmten Darsteller mit samt den vielen Off-Kommentaren stehen mit wenigen Ausnahmen im luftleeren Raum. Als Experiment wäre das noch ganz interessant, aber für Malick ist es Methode – die ich zunehmend ermüdend und öde finde.

Sonst noch was?
Wer Malicks letzte Filme mochte, kann und wird sicher zugreifen. Alle anderen lassen es besser sein. Ich habe auch nur reingeschaut, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass „Song to Song“ anders wäre als die Vorgänger, was ich definitiv nicht bestätigen kann…

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie die zwei längsten Stunden aller Zeiten (Malick-Fans werden begeistert sein).

2/5

Kurzkritik: Kong – Skull Island

Filmplakat: Kong Skull IslandFantasy/Action, 2017

Regie: Jordan Vogt-Roberts; Darsteller: Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, Brie Larson, John Goodman

Worum gehts?
Ein Team von Wissenschaftlern und Soldaten (plus eine schicke Fotografin) erforscht anno 1973 eine abgelegene Insel im Süd-Pazifik. Es tritt dann auf und trommelt sich auf die Brust: King Kong.

Was soll das?
Nach der 2014er-Neuauflage von „Godzilla“ ist nun der Riesenaffe dran, die beiden teilen sich ja bekanntlich ein ‚Universum‘. Fortsetzungen sind zwingend zu erwarten…

Taugt das was?
Ja, sofern man nicht mehr erwartet als eine solide Abenteuer-Story und unterhaltsame Schauwerte. Es gibt einige schöne Bildkompositionen, die Tricks sind nicht so der Wahnsinn, aber solide.

Sonst noch was?
Die Idee, die Handlung in den 70ern spielen zu lassen, war keine schlechte. Es macht „Kong: Skull Island“ aber auch nicht gleich zu einem gehaltvollen Drama, dass der Vietnam-Krieg ‚thematisiert‘ wird….

Wie muss ich mir das vorstellen?
„KingKong“ meets „Jurassic Park“ meets „Apocalypse Now“

3/5

Kurzkritik: The Fate of the Furious

The Fate of the Furious FilmplakatAction, USA 2017

Regie: F. Gary Gray; Darsteller: Vin Diesel, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Charlize Theron, Jason Statham

Es verwundert nicht wirklich, dass es mit dieser höchst erfolgreichen Reihe auch nach dem Tod von Hauptdarsteller Paul Walker weitergeht. Dessen Figur Brian wurde schließlich in dem (vor seinem Ableben erst halb fertig gedrehten) siebten Teil sehr gelungenen verabschiedet, und nun muss die Show weitergehen.

Mit Vin Diesel, Dwayne Johnson, Jason Statham, Ludacris und Michelle Rodriguez sind große Teile der bekannten Crew wieder an Bord, neu hinzu kommt unter anderem Charlize Theron. Obwohl sich der inzwischen achte Teil wenig von seinen letzten drei Vorgängern unterscheidet fällt doch auf, dass Paul Walker fehlt. Und dass Scott Eastwood (ebenfalls neu dabei) kein Ersatz ist, wobei der sicher auch nicht als solcher eingeplant war.

Insgesamt kann „The Fate of the Furious“ die Fans der Reihe – wer sonst zieht sich den 8. Teil der einer Action-Filmreihe rein – sicher gut bei Laune halten. Die Story ist ausreichend, die Action kracht höchst ordentlich, alles wird fürchterlich übertrieben, ist aber auch nicht ganz ernst gemeint, und der bunte Figuren-Mix funktioniert weiterhin.

Doch ihren Zenit hat die Reihe, die 2009 mit dem vierten Teil quasi neu gestartet wurde, nun doch merklich überschritten (ich würde rückblickend die Teile 5 und 6 zum Zenit erklären). Den Produzenten und auch den Stars dürfte das herzlich egal sein, solange der Rubel rollt. Und wer Lust auf blödsinnige, laute, auf Hochglanz gebürstete Action-Unterhaltung hat, der wird nicht enttäuscht werden. Nur auf das bisschen echten ‚Spirit‘, den die „Fast & Furious“ mal hatten, muss man mittlerweile getrost verzichten können. Oder eben gleich auf den ganzen Film.

3/5

 

Kurzkritik: Colossal

Filmplakat ColossalDrama/Sci-Fi, USA 2016

Regie: Nacho Vigalondo; Darsteller: Anne Hathaway, Jason Sudeikis, Tim Blake Nelson

Nachdem ihr versnobbter Freund sie aus seinem New Yorker Apartment geworfen hat, macht sich Gloria (A. Hathaway) auf den Weg in die heimische Provinz. Es ist für das dauertrinkende Partygirl Zeit für eine schmerzliche Neubewertung der Gesamtsituation.

Es dauert nicht lange, bis Gloria ein paar alte Schulfreunde wieder trifft und – ausgerechnet – einen Job in einer Bar annimmt. Vom anderen Ende der Welt, aus Südkorea, kommen derweil finstere News. Dort treibt ein Godzilla-ähnliches Riesenmonster sein Unwesen. Der Witz bei der Sache ist, dass zwischen Glorias nächtlichen Sauf-Eskapaden und dem Auftreten des Monsters eine Verbindung besteht…

Man muss, um den Film genießen zu können, Gefallen an der wahrlich ausgefallenen Prämisse des Films finden (über die man definitiv nicht mehr als das oben stehende wissen sollte). Zum Glück macht „Colossal“ einem das sehr leicht, denn trotz des fantastischen Elements funktioniert die Story auch als klassisches Drama.

Nacho Vigalondo, der hier für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet, hat mit bescheidenen Mitteln, viel Einfallsreichtum und einem beeindruckenden Gespür für die Qualitäten (und Grenzen) seiner Geschichte einen absolut ungewöhnlichen, dabei aber in keiner Weise sperrigen Film geschaffen. Sicherlich der kreativste Monster-Film des Jahres – aber für ein ganz anderes Publikum gemacht.

4/5

 

 

 

Kurzkritik: A Cure For Wellness

Filmplakat: A Cure For WellnessHorror/Thriller, USA 2017

Regie: Gore Verbinski; Darsteller: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Gore

Lockhart (D. DeHaan), ein junger, aufstrebender Manager einer Wall-Street-Firma, soll deren CEO Pembroke aus einer Heilanstalt in den Schweizer Alpen zurück nach New York bringen. Kaum angekommen mehren sich die Anzeichen dafür, dass es in dem Sanatorium nicht mit rechten Dingen zugeht. Und es dauert auch nicht lange, bis Lockhart sich selbst in der ‚Obhut‘ des ominösen Dr. Volmer (J. Isaacs) wiederfindet.

„A Cure For Wellness“ ist eine krude Mischung, bedient sich etwa bei Thomas Manns „Zauberberg“ und Scorseses „Shutter Island“, sowie unzähligen anderen Vorbildern, vorwiegend aus dem Horrorgenre (nicht wenige gemeinsame „Eckdaten“ gibt es auch mit „Get Out“, der jedoch in allen Belangen deutlich besser ist). Punkten kann der Film zu Beginn mit ein paar stylishen Bildern; insgesamt ist das visuelle Niveau auf einem höheren Level als die Story und Figuren.

Weder die Horror- noch die Thriller-Elemente der Story wissen zu überzeugen, das große Finale ist gar denkwürdig bescheuert geraten. Den Darstellern ist dabei nicht wirklich ein Vorwurf zu machen, die mangelnde Glaubwürdigkeit des Geschehens ist vor allem Drehbuch und Regie geschuldet.

Mit zunehmender Laufzeit langweilt der wirre Plot, größtes Ärgernis sind einige vollkommen unsinnige Szenen (deren unfreiwillige Komik immerhin unterhält) und die deutlich überzogene Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden. Mit etwas Humor und besserem Timing hätte der Film das Zeug zum unterhaltsamen „guilty pleasure“ gehabt.

2/5

 

Kurzkritik: John Wick – Chapter 2

Filmplakat: John Wick Chapter 2Action/Thriller, USA/HK/IT/CN 2017

Regie: Chad Stahelski; Darsteller: Keanu Reeves, Common, Ricardo Scarmacio, Ruby Rose, Ian McShane

Selten hat sich eine Fortsetzung so wenig vom Original unterschieden wie „John Wick: Chapter 2“ – und dabei so viel Spaß gemacht.

Das liegt vor allem daran, dass die Reihe in erster Linie von den Schauwerten, der Atmosphäre und ihrem Hauptdarsteller lebt. Story oder Figurenentwicklung sind bestenfalls nebensächlich. Und so geht es in „Chapter 2“ storytechnisch ziemlich genau wieder von vorne los, ohne dass das störend auffallen würde.

John Wick (K. Reeves) holt sich in den ersten Minuten des Films spektakulär sein geliebtes Auto zurück. Seine Rückkehr in die Unterwelt ist beendet, seine Waffen verbuddelt er im Keller, um seine friedliche, trauernde Existenz als Herrchen eines namenlosen Pitbulls weiter zu führen.

Doch dann klingelt der Mafia-Boss Santino D’Antonio an seiner Tür, dem John aus alten Zeiten einen Gefallen schuldet. Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, was es mit dem „Gefallen“ auf sich hat. Die Fäden des Geschehens laufen im aus dem ersten Teil bekannten Hotel der besonderen Art zusammen, der Plot ist dabei so simpel wie das Szenario schwachsinnig.

„Chapter 2“ ist mindestens genau so stylish wie der Vorgänger geraten, die ultra-brutalen Prügeleien und Kopfschuss-Orgien sind erneut großartig inszeniert. Keanu Reeves spielt John Wick in mitten dieser vollkommen grotesken Dauer-Action erneut als stoischen, in sich ruhenden Antihelden.

Die ein oder andere neue Idee (kugelsichere Maßanzüge), ein temporärer Wechsel des Schauplatzes (nach Rom) sowie einige gute neue Darsteller (z. B. Lawrence Fishburne) sind alles, was es dann noch braucht, um „John Wick: Chapter 2“ zu einem nahezu perfekten Genrefilm zu machen. Einziges kleines Manko ist die Laufzeit, die mit genau zwei Stunden für meinen Geschmack einen Tick zu großzügig bemessen wurde. Einen dritten Teil wird es sicher auch bald geben, dafür spricht schon das – trotzdem sehr gelungene – Ende dieses zweiten Kapitels…

4/5

Kurzkritik: Vincent N Roxxy

Vincent N Roxxy FilmplakatDrama, USA 2017

Regie: Darsteller: Emile Hirsch, Zoe Kravitz, Zoe Deutch

Vincent (E. Hirsch) eilt Roxxy (Z. Kravitz) zu Hilfe, als diese von einem Gangster verfolgt und bedroht wird. Die beiden flüchten gemeinsam in die Kleinstadt in Louisiana, aus der Vincent stammt. Beide werden dabei von ihrer Vergangenheit eingeholt, während sie – gegen allerlei Widerstände – sich bemühen, eine neue Normalität aufzubauen, und sich dabei verlieben.

Das Außenseiter-Drama punktet mit gutem Gespür für Atmosphäre und Darsteller, ist aber in Sachen Story und Figurenentwicklung wenig überzeugend. Im letzten Drittel mit heftigen Gewaltausbrüchen, kommt „Vincent N Roxxy“ nicht an die souveräne Coolness von „Drive“ (zweifellos ein Vorbild des Films) heran, ohne dies durch erzählerische Qualität kompensieren zu können. Daher insgesamt leider keine Empfehlung.

2/5

 

 

Kurzkritik: Get Out

Get Out FilmplakatMystery/Horror, USA 2017

Regie: Jordan Peele; Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Bradley Whitford

Das erste Treffen mit den Eltern seiner (weissen) Freundin Rose wird für den jungen (schwarzen) Chris Stück für Stück zum Alptraum. Obwohl er oberflächlich freundlich aufgenommen wird merkt er schnell, dass mit der vermeintlichen Idylle auf dem herrschaftlichen Landsitz etwas nicht so ganz stimmt.

Geschickt gelingt es „Get Out“, satirisch und bitterböse das Thema Rassismus in eine recht klassische Horrorstory zu integrieren. Obwohl der Film aus seiner Stoßrichtung keinen Hehl macht erzeugt er viel Spannung aus der ausführlichen Exposition. Regisseur Jordan Peele hat sichtlich Spass daran, immer wieder neue Merkwürdigkeiten zu präsentieren.

Dank der überzeugenden Darsteller und dem starken Timing der Inszenierung wandelt der Film souverän auf dem schmalen Grat zwischen Satire, Horror und Comedy. Wunderbar unterhaltsam treibt er sein überspitztes Spiel bis zum gelungenen Finale. Dass hier zudem ein unbequemes, kontroverses Thema in einem ungewöhnlichen Format behandelt wird, macht den Erfolg des Films in den USA umso verdienter.

4/5

Kurzkritik: Personal Shopper

Personal Shopper FilmplakatDrama/Mystery/Thriller, FR/DE 2016

Regie: Olivier Assayas; Darsteller: Kristen Stewart, Nora von Waldstätten, Lars Eidinger

„Personal Shopper“ ist mit einem Begriff schwer zu beschreiben. Der Film ist eine Geistergeschichte, ein Drama um Verlust und Tod, aber auch ein minimalistischer Thriller. Und obwohl sich die meisten Passagen eher der einen oder anderen Richtung zuschlagen lassen, ist er das doch insgesamt alles gleichzeitig.

Im Zentrum der Handlung (und in fast jeder Einstellung zu sehen) ist Maureen, eine junge Frau, die ihren vor kurzem ihren Zwillingsbruder Lewis verloren hat. Die beiden Geschwister hatten einen Hang zur Parapsychologie, und ihre Abmachung war, sich im Todesfall Botschaften aus dem Jenseits zu schicken. Maureen ist auf der Suche nach Zeichen ihres Bruders aus dem Jenseits, und tatsächlich häufen sich unerklärliche Erscheinungen.

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verdingt sich Maureen in Paris als „Personal Shopper“ einer berühmten Schauspielerin, ist unterwegs in Edelboutiquen und bei Modeschöpfern, besorgt Kleider und Accessoires. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Filmen und Büchern aus dem Bereich des Okkulten.

In gemächlichem Tempo erzählt der Film seine vielschichtige Story, die sich in mehrere Richtungen entwickelt. Die Spannungskurve steigt stetig, oft sind es vordergründig kleinere Ereignisse oder Treffen, die das Geschehen lenken oder doch mindestens dessen Deutung beeinflussen.

Wie oben erwähnt ist „Personal Shopper“ inhaltlich und formell ein Genre-Mix. Dass er so gut funktioniert liegt an der Konzentration auf seine stimmig entwickelte Hauptfigur, an Kristen Stewart, die diese mit natürlich wirkender Glaubwürdigkeit verkörpert und an der gelungenen Kombination der unterschiedlichen Themen und Motive.

Ohne hier zu viel verraten zu wollen kann doch gesagt werden, dass die innere Reise von Maureen mindestens so wichtig für die Handlung ist wie die äußere. Nicht wenige werden mit dem Ende und einigen Szenen auf dem Weg dahin so ihre Schwierigkeiten haben, denn der Film liefert keine ‚einfachen‘ Erklärungen für seine Handlung. Was er liefert ist Suspense auf hohem Niveau – zwischen den Stühlen vieler Genres, dabei stimmig und kurzweilig inszeniert.

4/5

 

Kurzkritik: Ghost in the Shell (3D)

Ghost in the Shell FilmplakatSci-Fi, USA 2017

Regie: Rupert Sanders; Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbaek, Takeshi Kitano, Juliette Binoche

Vor lauter Aufregung um die Tatsache, dass die Hauptrolle dieser ersten Realfilm-Adaption von „Ghost in the Shell“ nicht von einer Asiatin gespielt wird, sondern von Scarlett Johansson, ging der Film selbst in der Diskussion fast ein wenig unter.

Über weite Strecken ist das Ganze eine Verneigung vor der bekannten animierten Verfilmung von 1995. Viele Szenen sind recht komplett übernommen, was angesichts der visuellen Kraft des Originals auch Sinn ergibt. Mit den heutigen Mitteln ist es problemlos möglich, die Effekte und Tricks in makelloser Qualität ‚fotorealistisch‘ auf die Leinwand zu bringen. Und so ist die Optik auch die größte Stärke von „Ghost in the Shell“ – wenngleich man sich das 3D wie so oft hätte sparen können.

Die Diskussion um die Besetzung der Hauptrolle will ich hier nicht weiterführen, dazu ist eigentlich alles gesagt worden. Johansson hat mehrfach bewiesen, dass sie sich auf das Action-Genre versteht, an ihrer Leistung hier als „Mensch-Maschine“ Major ist nichts auszusetzen. Dasselbe gilt für die restlichen Darsteller.

Ein paar Abweichungen zum Vorgänger leistet sich der neue Film, die meisten hängen mit Majors innerer Entwicklung zusammen. Für Puristen sind diese neuen Elemente sicher nichts (wobei ich auch keine Ahnung habe, was genau in der Manga-Vorlage steht…), insgesamt verleihen sie dem Film eine etwas leichter zu verstehende Story. Die kreist wie gehabt um einen Hacker/Virus namens Kuze, dunkle Machenschaften einer großen Technologie-Firma und einen Konflikt zwischen zwei Abteilungen der Regierung.

„Ghost in the Shell“ ist kein schlechter Film geworden. Allerdings ist viel passiert, seit das zugrunde liegende Material zur Inspiration für viele bekannte Filme wurde. So kommt der Film gefühlt irgendwie zu spät, weil seine Ideen und Motive in der Popkultur zuletzt so oft verwendet und weiter entwickelt wurden, dass sie hier fast etwas angestaubt daherkommen – trotz der famosen Optik. Ein Gang ins Kino lohnt sich für Genre-Fans trotzdem auf jeden Fall.

3/5

Kurzkritik: Elvis & Nixon

Elvis & Nixon FilmplakatComedy/Drama, USA 2016

Regie: Liza Johnson; Darsteller: Michael Shannon, Kevin Spacey, Johnny Knoxville, Colin Hanks

Ende 1970 gab es ein Treffen im Weissen Haus zwischen Präsident Richard Nixon und Elvis Presley, bei dem ein berühmt gewordenes Foto entstand. Worüber die beiden geredet haben, und warum Elvis das Treffen initiiert hat, darum geht es in „Elvis & Nixon“, wohl basierend auf einigen zuverlässigen Quellen – gleichzeitig aber natürlich frei erfunden. Denn „Tricky Dick“ fing erst kurz nach dem Treffen an, alle Gespräche im Weissen Haus aufnehmen zulassen…

Michael Shannon sieht Elvis nicht sonderlich ähnlich, gleiches gilt für Kevin Spacey hinsichtlich Nixon. Dass der Film trotzdem unterhalten kann liegt an der Spielkunst der beiden Schauspieler, denen das ja ebenfalls klar ist – und die sich die historischen Figuren auf ihre spezielle Art zu eigen machen.

Wie der „King“ hier, völlig in seiner eigenen Welt lebend und dabei doch weitgehend ‚funktionstüchtig‘, mit der Idee um die Ecke biegt, er könnte der Regierung als „Federal Agent at Large“ helfen, die Jugend vom Pfad der Drogen und Rebellionen abzubringen, ist schon köstlich (wenn auch etwas tragisch…). Sowohl Nixon als auch Elvis hatten Anfang der 70er ja in der Tat den Kontakt zur Welt der jungen Menschen Amerikas eher verloren.

In knapp 90 Minuten kann der Film genug starke Dialoge und witzige Szenen unterbringen, um das (pop-historisch oder allgemein geschichtlich interessierte) Publikum bei Laune zu halten. Sicher kein ‚must see‘, aber ein gelungenes Stück Kino über eine bemerkenswerte Begegnung.

3/5

Kurzkritik: Silence

Silence FilmplakatDrama, USA/Taiwan/Mexico 2016

Regie: Martin Scorsese; Darsteller: Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson

Der neue Film von Martin Scorsese ist kein leichte Kost. Von den ausladenden 160 Minuten Laufzeit über das Thema (Erlebnisse von christlichen Missionaren im Japan des 17. Jahrhunderts) bis zu einigen schwer verdaulichen Szenen von Leiden und Gewalt – „Silence“ gibt sich keine Mühe, leicht verdaulich zu sein.

Die zwei jungen katholischen Priester Rodrigues (A. Garfield) und Garupe (A. Driver) machen sich von Macao aus auf den Weg nach Japan, wo ihr Mentor angeblich vom Glauben abgefallen ist, was die beiden nicht wahrhaben wollen. In Japan ist das Christentum verboten, Missionaren und Gläubigen drohen grausame Strafen. Der Film ist somit auch eine Geschichtsstunde, den wenigsten Zuschauern (mich eingeschlossen) dürfte dieser Teil der Geschichte – das Ganze fußt weitgehend auf wahren Begebenheiten – ein Begriff gewesen sein…

Wie man es von Scorsese nicht anderes erwartet bietet „Silence“ großartige Bilder, die sich durch den Kontrast zwischen wunderbaren Landschaften (gefilmt wurde nicht in Japan, sondern in Taiwan) und den ausgemergelten Körpern der Hauptdarsteller auszeichnen. Einen klassischen Soundtrack gibt es nicht, eher eine sehr gut passende Geräuschkulisse.

Die Story lässt sich viel Zeit, gerade in der ersten Hälfte des Films, die man sicher etwas hätte straffen können – auch wenn die kontemplative Stimmung (keine Sorge, so arg wie bei “Tree of Life” ist es nicht) natürlich nicht im Zeitraffer erzeugt werden kann.

Die ‚innere Reise‘ von Pater Rodrigues ist das Zentrum der Handlung und wird bestimmt durch Gedanken und Dialoge über die Stärke des Glaubens, persönliche Freiheit und politische Macht. “Silence” ist zwar das Werk eines vom Christentum geprägten Regisseurs (der Priester werden wollte), schafft es aber, die zwei hier aufeinander treffenden, sehr unterschiedlichen Kulturen differenziert zu betrachten.

Im letzten Teil des Films verdichten sich alle Motive in faszinerenden Szenen und Dialogen. Das Ende kann man als „offen“ bezeichnen, zumindest lässt es sich nicht einfach deuten. Doch es trägt definitiv eher zur Faszination des Stoffes bei, als das es einen frustriert zurück lassen würde.

4/5

Kurzkritik: Live By Night

Live By Night FilmplakatGangsterdrama, USA 2016

Regie: Ben Affleck; Darsteller: Ben Affleck, Zoe Saldana, Sienna Miller, Chris Cooper

Desillusionierter Veteran des Ersten Weltkriegs, Sohn eines einflussreichen Polizisten mit irischen Wurzeln, und selbst ernannter „Outlaw“ – das ist Joe Coughlin, die Hauptfigur von „Live By Night“. Der Film folgt Joe auf seinem Weg durch die Unterwelt von Boston, ins Gefängnis und schließlich in den Süden Floridas. Die Prohibition ist anno 1926 ein Riesengeschäft für das organisierte Verbrechen, ihr Ende aber jedoch schon abzusehen. Es braucht also neue Verdienstquellen.

Ben Affleck hat als Schauspieler definitiv schon bessere Leistungen abgeliefert, doch dem Film wird hier eher seine Leistung hinter der Kamera bzw. bei der Adaption des Drehbuchs (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane) zum Verhängnis. Denn obwohl „Live By Night“ eigentlich alles hat, was ein stimmungsvolles, spannendes Gangsterdrama braucht (eine hochkarätige Besetzung, ein interessantes Setting, gelungene Bilder) kommt der Film nie richtig in Gang.

An kaum einer Szene ist per se etwas größeres auszusetzen, es fehlt jedoch ein roter Faden, das Gefühl, dass sich eine Geschichte entfaltet. Der ziemlich uninspirierte Off-Kommentar ist keine Hilfe, aber auch nicht Schuld daran. Weder die Handlung selbst noch die Darsteller sind schwach, es fehlt dem Film schlicht eine schlüssige Dramaturgie. So vergehen die zwei Stunden Laufzeit eher zäh und ohne echte Höhepunkte. Schade.

3/5

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