Kurzkritik: Collateral Beauty

Collateral Beauty FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: David Frankel; Darsteller: Will Smith, Kate Winslet, Edward Norton, Helen Mirren, Keira Knightley, Michael Pena, Jacob Latimore

Nach dem Tod seiner jungen Tochter fällt Howard (W. Smith), Chef einer Werbeagentur, in ein so tiefes Trauerloch, dass seine Kollegen (E. Norton, K. Winslet, M. Pena) sich was ganz besonderes einfallen lassen, um ihn wieder ins Leben zurück zu holen. Sie tun das aber nicht nur, weil sie Howard so gern haben – sie wollen auch zu ihrem eigenen „Vorteil“ die Firma retten, um die sich der Trauernde nicht mehr richtig kümmert.

Drei Theaterschauspieler (H. Mirren, K. Knightley, J. Latimore) sollen Howard als Verkörperungen von „Tod“, „Zeit“ und „Liebe“ – denen Howard in seiner Verzweiflung Briefe geschrieben hat – entgegen treten, und ihm die Kraft zum Leben wiedergeben. Während die Aktion in vollem Gange ist offenbart sich, dass auch Howards Kollegen so ihre Probleme mit sich rumschleppen und ebenfalls Hilfe gebrauchen könnten…

„Collateral Beauty“ ist so übervoll von großen Trauergesten, tiefster Verzweiflung und wütender Hoffnungslosigkeit, dass vor allem die Hauptfigur nicht sehr menschlich rüberkommt, sondern wie ein überlebensgroße tragische Fantasiefigur. Die wird dazu noch von Will Smith gespielt, der nicht eben dafür bekannt ist Durchschnittsbürger zu spielen, und hier auch keine subtile Vorstellung gibt.

Einige erzählerische Ideen und Kniffe des Films sind durchaus gelungen (wenn auch zum Teil leicht zu erahnen), doch weil das Ganze so eindeutig ein Versuchsaufbau ist und sich – trotz der vielen hochkarätigen Darsteller – aus dem selbstgebauten Korsett eines Tränen-Pornos nicht befreien kann, funktioniert „Collateral Beauty“ allenfalls als Trauer-Märchen, nicht aber als Drama.

2/5

PS: Eine Analyse der Kontraste/Unterschiede zwischen “Collateral Beauty” und “Manchester by the Sea” (beide Filme handeln von um ihr Kind trauernde Väter) ergäbe sicher einen interessanten Essay….

Kurzkritik: Moonlight

Moonlight FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Barry Jenkins; Darsteller: Trevante Rhodes, Naomie Harris, Mahershala Ali

Chiron lebt in einem Armenbezirk von Miami, mit seiner drogensüchtigen Mutter (N. Harris) aber, das versteht sich fast von selbst, ohne Vater. Seine Mitschüler hänseln den sensiblen Jungen, der zudem langsam begreift, dass er schwul ist – was seine soziale Stellung in dem schwierigen Milieu ebenso wenig fördert wie sein Selbstwertgefühl. Als der Drogendealer Juan (M. Ali) eine Art Ziehvater für ihn wird, scheinen sich die Dinge zum Guten zu wenden.

In drei Teilen und mit drei verschiedenen Hauptdarstellern (alle im Cover zu sehen, wenn man nur genauer hinsieht…) erzählt „Moonlight“ Chirons Geschichte. Das ‚Coming-of-Age“-Drama besticht durch die starken Darsteller und die lebensechte Inszenierung mit glaubwürdigen Dialogen. Ob das „lebensecht“ ist kann ich natürlich nicht wirklich beurteilen – aber das ist beim Thema „Authentizität in Spielfilmen“ ja immer eher eine Frage des Gefühls.

Durch die Schilderung einer – vorsichtig ausgedrückt – schwierigen Kindheit und Jugend eines Vertreters zweier Minderheiten wird „Moonlight“ zwangsläufig auch zum politischen Statement. Doch er ist deutlich stärker ein ergreifendes Drama um individuelle Figuren, als eine Anklage oder ein Gesellschaftsportrait.

4/5

PS: Die gestern gewonnenen Oscars („Bester Film“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und den „Bester Nebendarsteller“) sind sicherlich verdient, wobei es natürlich in allen Kategorien auch andere würdige Preisträger gegeben hätte.

Kurzkritik: T2 Trainspotting

T2 Trainspotting FilmplakatDrama/Komödie, UK 2017

Regie: Danny Boyle; Darsteller: Ewan McGregor, Jonny Lee Miller, Robert Carlisle, Ewen Bremner

Die Fortsetzung von Danny Boyles Kultfilm von 1996 kommt irgendwie überraschend. Andererseits hat Irvine Welsh, Autor der Romanvorlage, die Story bereits 2002 mit „Porno“ fortgesetzt. Da ich dieses Buch nie gelesen habe kann ich nur vermelden, was ich darüber gelesen habe – die Handlung um Renton, Sick Boy, Spud & Begby wird zehn Jahre nach „Trainspotting“ weitergeführt.

Allerdings ist „T2 Trainspotting“ wie man liest keine Adaption dieser Fortsetzung, sondern basiert nur sehr vage darauf. Die ‚Neuen Helden‘ (na, erinnert sich noch jemand an den beknackten Untertitel des Originals?) sind hier nicht 10, sondern 20 Jahre älter geworden, leben noch (bzw. in Rentons Fall wieder) in Edinburgh und sind recht leicht wiederzuerkennen.

Im Vergleich zum Vorgänger gibt es relativ viel Handlung, was aber ja nur bedeutet, dass überhaupt eine solche erkennbar ist. Diese wiederum gehört nicht zu den Stärken des Films, was aber kein großes Problem darstellt – wegen eines ausgefeilten Plots geht hier sicher kaum jemand ins Kino.

Im Vordergrund steht aber ganz wie im Original das Interesse für die Figuren und alles, was sie den lieben langen Tag lang so tun. Dazu gehören wieder einige absurd zugespitzte Situationen, und auch das erste Wiedersehen (man ging ja damals nicht gerade in Freundschaft auseinander) bringt ordentlich Konfliktpotential mit sich.

Der Soundtrack ist noch ein wenig lauter und wilder geworden (sie haben im Kino International vielleicht auch einfach ungewöhnlich laut aufgedreht), das Tempo ist hoch, auch wenn „T2 Trainspotting“ gegen Ende recht ungehemmt die eigene ‚Vergangenheit“ abfeiert und sogar einige Szenen des Originals zeigt.

Es darf, soll und wird viel gelacht werden, wobei es Boyle und seine gut aufgelegten Darsteller (es sind alle wichtigen wieder dabei) hier insgesamt fast ein bißchen übertreiben, zumal nicht alle Tumulte überzeugen. Der Ton bzw. die Stimmung des Originals war ernster, doch das hatte auch mit dem Zeitgeist und dem erzählerischen Ansatz zu tun. Beides hat sich ganz offensichtlich gewandelt.

Unter dem Strich ist „T2 Trainspotting“ eine würdige und gelungene Fortsetzung, die den Faden auf hohem Niveau weiterspinnt. Ein Wiedersehen, das tatsächlich Freude macht. Ob man darauf euphorisiert gewartet hat, den Film eher wohlwollend und amüsiert zur Kenntnis nimmt, oder – aus Prinzip – als kommerzielle Ausschlachtung komplett ablehnt, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

4/5

Kurzkritik: Hacksaw Ridge

Hacksaw Ridge FilmplakatKriegsdrama, USA/Australien 2016

Regie: Mel Gibson; Darsteller: Andrew Garfield, Sam Worthington, Vince Vaughn, Teresa Palmer

Mel Gibson ist als Regisseur nicht eben bekannt für vornehme Kost. Sei es in „Braveheart“, „The Passion of the Christ“ oder „Apocalypto“, es wird meist eine blutige Angelegenheit. Nun hat Gibson einen Kriegsfilm gedreht, und weil hier also ein ‚blutrünstiger‘ Regisseur in einem äußerst blutigen Genre arbeitet, ist „Hacksaw Ridge“ ein in dieser Hinsicht extremer Film geworden.

Der Film erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Desmond Doss (A. Garfield), einem jungen Mann aus ärmlichen Verhältnissen, der in der Schlacht um Okinawa zum überraschenden Helden wird. Aus religiösen Gründen lehnt Doss Gewalt ab – wodurch er im ‚Boot Camp‘ zum Außenseiter wird, der sich von seinen Kameraden viel Spott anhören muss. Als Sanitäter begleitet er seine Einheit in eine der entscheidenden Schlachten des Kriegs im Pafizik.

„Hacksaw Ridge“ nimmt sich viel Zeit für die Entwicklung seiner Hauptfigur. Szenen aus Kindheit und Jugend, der Konflikt mit dem Vater, das Finden seiner großen Liebe, schließlich die freiwillige Meldung zum Militär – als Desmond im Ausbildungslager ankommt, hat das Publikum ihn schon recht gut kennengelernt.

Weil das so, ist funktioniert der Film in der Folge – trotz der vollkommen vorhersehbaren Story – erstaunlich gut. Andrew Garfields große Leistung ist es, seine Figur innerhalb des mit mächtig Pathos aufgeblasenen, in der zweiten Hälfte unfassbar brutalen Spektakels mit großer Glaubwürdigkeit zu spielen. Seine bescheidene Entschlossenheit, mit der er Unglaubliches vollbringt (er rettet auf eigene Faust mehrere Dutzend Kameraden aus einem aufgegebenen Schlachtfeld), wirkt authentisch – aller offensichtlichen Formelhaftigkeit des Geschehens zum Trotz.

Gibson geht es in „Hacksaw Ridge“ nicht um eine differenzierte Darstellung der Schlacht selbst. Die Japaner sind in seinem Film zwar keine Monster, aber reine Statisten, deren Geschichte nicht erzählt wird. Sein wundersames Heldenepos über Desmond Doss feiert dessen christlich motivierte Gewaltlosigkeit, vor allem aber seine mutigen Taten inmitten eines ultrabrutalen Gemetzels – dessen militärische Notwendigkeit nicht in Frage gestellt wird. Als Aufruf zum Gewaltverzicht lässt sich der Film daher nicht verstehen.

Insgesamt ist der Film vor allem für Fans des Regisseurs oder des Genres interessant.

3/5

PS: „Hacksaw Ridge“ wurde für mehrere Oscars nominiert (u.a. „Bester Film, „Beste Regie“ und „Bester Hauptdarsteller“), was von vielen als Beweis gewertet wird, dass das Hollywood-Establishment den in Ungnade gefallenen Mel Gibson wieder gern hat.

 

Kurzkritik: Allied – Vertraute Fremde

Allied - FilmplakatDrama/Action/Romanze, UK/USA 2016

Regie: Robert Zemeckis; Darsteller: Brad Pitt, Marion Cotillard, Jared Harris, August Diehl

Der kanadische Fallschirmspringer Max (B. Pitt) und die französische Widerstandskämpferin Marianne (M. Cotillard) lernen sich bei einer gemeinsamen Sabotage-Mission 1942 in Casablanca kennen und lieben. Sie beginnen ein gemeinsames Leben und gründen eine Familie – und können doch weder dem Krieg noch der Vergangenheit entkommen…

Ich habe hier mal bewusst die eigentliche Handlung weitgehend weggelassen, je weniger man darüber weiss desto besser, weil spannender ist „Allied“. Richtig gut ist der Film leider auch so nicht. Zwar ist er souverän inszeniert, gut gespielt und verneigt sich geschickt vor einigen Klassikern der Filmgeschichte.

Doch er erreicht eben selbst nicht deren Klasse, will gleichzeitig Agentenfilm und Kriegsromanze sein, scheitert aber – auf hohem Niveau – an genau diesem Anspruch. Hinter all dem hochwertigen Handwerk fehlt irgendwie ein Herz. Es bleibt gut gemachte, durchaus anspruchsvolle Unterhaltung, die jedoch nicht zu fesseln vermag.

3/5

Kurzkritik: Bad Santa 2

Filmplakat Bad Santa 2Comedy, USA 2016

Regie: Mark Waters; Darsteller: Billy Bob Thornton, Kathy Bates, Tony Cox, Christina Hendricks

Fortsetzungen haben keinen sonderlich guten Ruf, und Filme wie „Bad Santa 2“ sind schuld daran. Der etwas überraschende Erfolg des Originals von 2003 ist der einzige Grund, warum es nun einen späten zweiten Aufguss der „Grumpy Santa Claus“-Story gibt.

Weil es an erzählerischen Ideen mangelt (ein Wort über die Story zu verlieren wäre pure Zeitverschwendung) hat man sich dafür entschieden, den Film noch deutlich vulgärer und politisch unkorrekter zu machen als den Vorgänger (in dem diese Mittel allerdings nicht wie hier als Selbstzweck eingesetzt wurden).

Also fluchen die Figuren am laufenden Band, beleidigen sich auf das Übelste und lassen generell komplett die Sau raus. Leider ist das nur selten wirklich witzig, auch wenn sich die Darsteller redlich bemühen. Es führt auch zu nichts, denn „Bad Santa 2“ kommt über eine uninspirierte Nummernrevue mit deutlich mehr Rohrkrepierern als Volltreffern nicht hinaus.

2/5

Kurzkritik: Manchester by the Sea

Filmplakat - Manchester by the SeaDrama, USA 2016

Regie: Kenneth Lonergan; Darsteller: Casey Affleck, Kyle Chandler, Michelle Williams, Lucas Hedges

Als sein großer Bruder plötzlich verstirbt muss sich Lee (C. Affleck) um seinen Neffen Patrick kümmern. Lee ist sichtlich bemüht, wenn auch nicht begeistert dabei, die neue Rolle als „legal guardian“ für den 16-jährigen anzunehmen. Warum das dem als Hausmeister jobbenden, etwas introvertiert wirkenden Onkel so schwer fällt, erzählt „Manchester by the Sea“ Stück für Stück in Rückblenden. Durch die Szenen aus der Vergangenheit erscheint das Geschehen des Films zunehmend in einem anderen Licht.

„Manchester by the Sea“ ist keineswegs ein langsames oder gar ermüdendes Trauerstück geworden – was wiederum nicht zuletzt an Hauptdarsteller Casey Affleck liegt, der für seine ruhige, intensive Darstellung einer komplexen Figur völlig zurecht für einen Oscar nominiert wurde. Genau wie seine Kollegen Michelle Williams, die seine Ex-Frau spielt, und Newcomer Lucas Hedge als Patrick.

Eine große Stärke des Films liegt darin, dass er nicht so sehr auf tränenreiche Dialoge und Reden seiner Figuren setzt, sondern für deren Innenleben und ihre Kommunikation treffende Bilder und Szenen findet. „Manchester by the Sea“ schafft es sein Publikum emotional tief zu berühren, ohne dabei sentimental zu sein – ein seltenes Kunststück.

4/5

Kurzkritik: Nocturnal Animals

Nocturnal Animals FilmplakatDrama/Thriller, USA 2016

Regie: Tom Ford; Darsteller: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon

Die Galeristin Susan (A. Adams) bekommt von ihrem Ex-Mann Edward (J. Gyllenhaal) das Manuskript eines Romans geschickt. Sie vertieft sich in das Buch (in dem Susan und Edward eine tragende Rolle spielen), während sie ein einsames Wochenende in ihrem extrem luxuriösen Anwesen in L.A. verbringt.

Der Film entfaltet seine Story auf drei Ebenen. Neben der oben genannten sind das einige Rückblenden, die Susans und Edwards gemeinsame Vergangenheit beleuchten, sowie die albtraumhafte Handlung des Romans, die als ‚Film im Film‘ große Teile der Spielzeit von „Nocturnal Animals“ einnimmt.

Darin fährt ein Ehepaar mit seiner Tochter durch die nächtliche Einöde von Texas. Bald treffen sie auf dem Highway auf drei aggressive junge Männer – und für die Familie beginnt eine Tour de Force des willkürlichen Schreckens.

„Nocturnal Animals“ hat einige offensichtliche Vorbilder bzw. Inspirationen. Visuell erinnert vieles an die Filme von David Lynch, die Story wiederum macht Anleihen bei „Mindfuck“-Filmen wie etwa „Frailty“ oder „Identity“. Die verschachtelte Erzählweise fordert das Publikum geradezu auf Anspielungen und Verknüpfungen der drei Handlungsebenen zu finden. Weil der Film dazu atmosphärisch dicht und durchweg spannend inszeniert ist fällt es leicht, sich auf die Handlung richtig einzulassen.

Die Darsteller sind bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt, der Vorspann allein ist eine Attraktion (aber Vorsicht – keine leichte Kost!). Natürlich will ich hier wie gewohnt ohne Spoiler auskommen, was nicht so ganz einfach ist. Es darf immerhin gesagt werden, dass „Nocturnal Animals“ erzählerisch ein hohes Niveau erreicht, es am Ende aber sicher nicht allen Zuschauern recht macht. Sicher ist, dass man vorzüglich darüber diskutieren kann, worum es (in) dem Film hier eigentlich geht…

4/5

Serien-Highlights ab Frühjahr 2017

Twin Peaks

Die späte Fortsetzung der „Mutter aller modernen Fernsehserien“ könnte das große Highlight von 2017 werden. Konjunktiv. Ich bin optimistisch, dass David Lynch tatsächlich weitermacht, weil er etwas erzählen möchte – und nicht weil sein Kontostand ihm dazu rät.

Trotzdem ist die Fallhöhe natürlich beträchtlich, „Twin Peaks“ ist und bleibt ein Meisterwerk. Trotz der holprigen Produktion und des zerfasernden Endes, die zum Mythos der Show ja durchaus beigetragen haben dürften. Nun hat David Lynch seit 2006 keinen Spielfilm mehr gedreht, sollte sein Handwerk aber nicht verlernt und – das wäre noch schlimmer – seine Inspiration nicht verloren haben.

Die Besetzung von einst ist beinahe vollzählig an Bord, auch das ist kein schlechtes Zeichen. Namhafte „Newcomer“ sind ebenfalls dabei, und zwar nicht zu knapp: Michael Cera, Richard Chamberlain, Laura Dern, Robert Forster, Caleb Landry Jones, Ashley Judd, Robert Knepper, Jennifer Jason Leigh, Berenice Marlohe, Amanda Seyfried, Laura Dern, Tom Sizemore, Eddie Vedder, Naomi Watts.

Am 21. Mai werden wir es wissen – dann läuft „Twin Peaks“ in den USA an, kurz darauf wohl in Deutschland bei Sky.

+++

Game of Thrones Staffel 7

Dieses Jahr nicht im Frühjahr, sondern erst im Herbst, geht es mit „Game of Thrones“ weiter. Das Netz ist voller Spekulationen zum Fortgang der Story, klar ist, dass sich die Dinge in Westeros weiter zuspitzen werden. Reicht mir völlig, um mich sehr auf den Start der siebten Staffel zu freuen. Ein genaues Datum ist bisher nicht bekannt.

+++

Better Call Saul Staffel 3

Geradezu aufreizend langsam erzählte „Better Call Saul“ in den ersten beiden Staffeln die „Origin“-Story des schmierigen Anwalts aus „Breaking Bad“. Die Show wird sicher nicht komplett das Tempo wechseln, aber ich bin sicher, dass sich die Entwicklungen in Staffel 3 vergleichsweise überschlagen werden – immerhin nähert man sich unaufhaltsam der Zeit an, in der die Ereignisse von „Breaking Bad“ ihren Lauf nahmen. Und wie man hört beehrt ein gewisser ‚Gustavo Fring‘ die neue Staffel mit seiner Anwesenheit. Fortsetzung folgt am 10. März in den USA, hier wohl zeitnah bei Netflix.

+++

Hap & Leonard Staffel 2

Eine kleine, wenig spektakuläre Show, die eine Menge Potential hat. So ist mir die erste Staffel dieser vom Sundance Channel produzierten Serie in Erinnerung geblieben. angesiedelt irgendwo zwischen „Justified“, „Breaking Bad“ und „Rectify“ – witzig, niveauvoll und unterhaltsam. Mitte März geht es weiter, zu sehen bei Amazon Prime.

+++

Hand of God Staffel 2

Ich muss ehrlich gestehen, dass meine Erinnerung an die erste Staffel sehr lückenhaft ist. Kein Wunder, immerhin wurde die von Amazon Prime im Herbst 2015 veröffentlicht. Trotz einiger Schwächen hatte die Serie einige faszinierende Aspekte, nicht zuletzt Ron Perlman in der Hauptrolle eines vom Glauben abgefallenen Richters. Bis Mitte März gilt es hier, die Erinnerung aufzufrischen, dann geht es weiter…

+++

Fargo Staffel 3

Nach einem Jahr Pause kommt auch „Fargo“ zurück. Die dritte Staffel wird erneut eine neue Geschichte im bekannten, dem Film der Coen-Brüder entlehnten ‚Universum‘ im Nordwesten der USA spielen. Mit dabei sind unter anderem Ewan McGregor, Carrie Coon und Michael Stuhlbarg. Worum es geht ist mir erstmal völlig egal, solange die Produzenten nur das Niveau der ersten Staffeln halten können bin ich mit großer Freude dabei. Weiter geht es Mitte April, hierzulande wohl bei Netflix.

+++

The Leftovers Staffel 3

Nach dem „Neustart“ in der letzten Staffel wird die kommende Staffel von „The Leftovers“ die letzte sein. Man hat also die Chance, die Story geplant zu Ende zu bringen. Allerdings bin ich nur mäßig zuversichtlich, dass die Autoren der Show einen Weg finden, die vielen Mysterien aufzulösen – ohne der Show den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Interessant im besten Sinne war die Serie ja aber immer, daher werde ich es mir definitiv ansehen. Das Ende beginnt Mitte April, hierzulande wohl auf Sky Atlantic HD.

+++

Taboo Staffel 1

Tom Hardy spielt einen mysteriösen Erben, der sich anno 1814 nicht nur mit der mächtigen British East India Company, sondern auch mit dem Königshaus anlegt. Es geht um ein Stück Land im Westen Kanadas – und viel Geld. Die Serie sieht mir vielversprechend aus, einen Sender oder Starttermin für Deutschland habe ich bisher nicht gefunden. Aber allein aufgrund der Besetzung (und der Tatsache, dass sich Amazon, Netflix, Sky und Co mächtig um attraktiven ‚Content‘ battlen) ist damit zu rechnen, dass „Taboo“ auch hierzulande einen Abnehmer findet.

Kurzkritik: War on Everyone

War on Everyone FilmplakatKrimi/Comedy, UK 2016

Regie: John Michael McDonagh; Darsteller: Alexander Skarsgård, Michael Peña, Theo James

Der britische Regisseur John Michael McDonagh wagt sich nach zwei starken Filmen („The Guard“, „Calvary“) nun in die USA – zumindest was den Schauplatz angeht. Im traditionell recht moralinsauren Genre des Cop-Thrillers ist „War on Everyone“ eine recht willkommene Abwechslung. Da prügeln und schießen sich zwei Cops durch New Mexico, ohne sich auch nur im Ansatz für ihren Ruf oder die Vorschriften zu interessieren.

Doch der nach anarchischer Unterhaltung klingende Ansatz allein reicht nicht. „War on Everyone“ konzentriert sich auf die politisch unkorrekten Attituden seiner Hauptfiguren, vernachlässigt es aber, eine richtige Story zu erzählen, sich für seine Figuren zu interessieren, den richtigen Ton zu treffen oder wenigstens großartige Witze unterzubringen.

So vergehen gut 90 Minuten ohne echte Höhepunkte oder Hingucker, auch wenn die Darsteller mit vollem Einsatz dabei sind. Der lieblos zusammengeschusterte Plot in Verbindung mit der bemüht coolen Inszenierung sorgt zwar hier und da für unterhaltsame Sequenzen, ein funktionierendes Ganzes wird aber nie draus. Schade eigentlich.

2/5

Filmkritik: Arrival

Arrival FilmplakatSci-Fi/Drama, USA 2016

Regie: Denis Villeneuve; Darsteller: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker

Die Ankunft von Aliens auf der Erde mal nicht als patriotisch-pathetisches Schlachtenepos – mir schien „Arrival“ eine interessante Idee zu sein, als ich den Trailer (halb) gesehen habe. Tatsächlich ist es ein spannender Film geworden, der sich bemüht, ein realistisches Szenario zu entfalten. Zumindest, was die Reaktionen der Menschheit auf die Landung von 12 UFOs auf der Erde angeht. Im Bezug auf die Aliens – Aussehen, Absichten, Sprache, etc. – beweisen die Autoren Einfallsreichtum, auch wenn sie es definitiv nicht allen damit recht machen werden.

Nach der Landung der Raumschiffe (aus unbekanntem Material, 300 Meter hoch und geformt wie gigantische konkave Gewürzgurken) organisieren die großen Nationen der Erde eine Telko. Gemeinsam diskutieren sie, was die Unbekannten wollen könnten – und wie man das herausfinden kann, ohne die eigene Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Denn natürlich gibt es Stimmen, die nichts lieber täten, als dem ganzen Treiben mit einem gewaltigen Bombenhagel ein jähes Ende zu setzen.

Der befehlshabende General der USA (F. Whitaker) holt sich zwei Wissenschaftler zu Hilfe, die Linguistik-Expertin Louise (A. Adams) und den Physiker Ian (J. Renner). Die beiden dürfen ein Team von Soldaten ins Innere des in Montana gelandeten Raumschiffs begleiten. Dass dort die Gesetze der Schwerkraft nicht zu gelten scheinen, ist eine Überraschung – der Verlauf der Zusammentreffen mit den Aliens die andere, weitaus folgenreichere…

Den weiteren Handlungsverlauf werde ich hier nicht weiter beschreiben, „Arrival“ lebt davon, dass man sich auf das Szenario und seine Überraschungen einlässt. Dabei setzt Regisseur Villeneuve („Prisoners“, „Sicario“) auf einen inneren und einen äußeren Spannungsbogen, die früher oder später zusammen geführt werden. Das „guessing game“ des „Wie?“ und „Warum?“ ist Teil des Plans und beginnt bereits sehr früh.

Zu den Stärken des Films zählt die sorgfältige Entwicklung des Szenarios, welches als erzählerisches Fundament von entscheidender Bedeutung ist. Auch die Hauptdarsteller überzeugen und harmonieren. In beinahe vollkommener Abwesenheit von Actionsequenzen baut „Arrival“ seine Spannung um die Frage auf, wie man mit den unerwarteten Gästen kommunizieren kann.

Die Story ist clever und verdient es, entdeckt zu werden. Ob ihre Logik kritischen (oder gar wissenschaftlichen) Blicken wirklich standhalten kann, wage ich zu bezweifeln. Doch spielt das letztlich auch keine große Rolle, weil es „Arrival“ nicht um das stolze Herausposaunen bisher unbekannter Wahrheiten geht, sondern um eine faszinierende und fantastische Geschichte, die als Film wunderbar funktioniert. Die Art und Weise der Auflösung am Ende hat mir nicht so sehr gefallen, und zuweilen erscheint der Film (bzw. die Attitude seiner Macher) einen Tick zu überzeugt von sich und seinen Tricks. Dennoch werden Sci-Fi-Fans an „Arrival“ sicherlich großen Gefallen finden.

4/5

Kurzkritik: The Edge of Seventeen

Filmplakat - The Edge of SeventeenDrama, USA 2016

Regie: Kelly Fremon Craig; Darsteller: Hailee Steinfeld, Blake Jenner, Kyra Sedgwick, Woody Harrelson

Teenagerin Nadine durchlebt eine turbulente Zeit, in der sie viele Weichen für ihr Leben neu stellen muss. Familie, Freunde, Liebesleben, überall kriselt es gewaltig. Rotzfrech, clever, voller Selbstzweifel und verletzlich navigiert sich Nadine durch ihren Alltag, der immer noch bestimmt wird durch den plötzlichen Tod ihres Vaters einige Jahre zuvor.

Nichts an „The Edge of Seventeen“ ist neu, doch darum geht es dem Film (und auch dem Genre selbst) gar nicht. Glaubwürdigkeit, Witz und überzeugende Figuren sind gefragt, und die liefern Autorin/Regisseurin Kelly Fremon Craig und ihre Darsteller. Der Film verpackt seine Themen und Konflikte in eine schlüssige, witzige Story, und vermeidet Plattitüden (die ein oder andere ist aber wohl unvermeidlich). Erfreulich auch, dass mal eine weibliche Perspektive im Zentrum des Highschool-Geschehens steht.

4/5

Kurzkritik – Hell Or High Water

Filmplakat: Hell or High WaterDrama/Thriller, USA 2016

Regie: Scott Mackenzie; Darsteller: Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges

Zwei Brüder (C. Pines und B. Foster) begehen eine Reihe von Banküberfällen in texanischen Kleinstädten, bei denen sie jeweils nur das „Kleingeld“ abstauben – nicht die großen Scheine, die die Banken nachverfolgen können. Ein kurz vor der Pensionierung stehender Texas Ranger (J. Bridges) nimmt sich des Falles an. So unspektakulär lässt sich das grobe Handlungsgerüst von „Hell Or High Water“ beschreiben.

Regisseur Scott Mackenzie („Perfect Sense„) gelingt es, aus dieser einfachen Konstellation einen erstaunlich guten Film zu machen. Die atmosphärisch dichte Inszenierung fesselt das Interesse des Publikums, die pointierten und doch realistischen Dialoge kommen vor allem der Glaubwürdigkeit der (großartig gespielten) Figuren zugute. Die beeindruckenden Bilder und der passende Soundtrack überzeugen ebenso wie die einfache, dabei spannende und in sich schlüssige Story.

Jeff Bridges ist die Rolle als knarziger Ranger quasi auf den Leib geschrieben, er wandelt hier aber nicht im Autopilot durch den Film, sondern hat sich seine erneute Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller redlich verdient. Chris Pine überrascht positiv, schön ihn mal in einem anspruchsvollen und gut geschriebenen Film zu sehen. Ben Foster, zuletzt noch im miesen „Inferno“ in einer Nebenrolle, ist ebenfalls überzeugend.

„Hell Or High Water“ verbindet Elemente von bekannten Filmen wie Eastwoods „Perfect World“ und „No Country For Old Men“, besteht aber als eingeständiges Werk. Es geht hier nur vordergründig um Banküberfälle und Verbrecherjagd – die Taten, Worte und Motive der Figuren bringen eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik mit. Nur wer hier einen Action-Thriller erwartet, wird unweigerlich enttäuscht werden.

4/5

 

Kurzkritik: Come And Find Me

Come and find me FilmplakatDrama/Thriller, UK 2016

Regie: Zack Whedon; Darsteller: Aaron Paul, Annabelle Wallis, Garret Dillahunt

Claire (A. Wallis) und David (A. Paul) leben in Los Angeles und führen eine – soweit der Zuschauer das in den ersten Minuten erkennen kann – glückliche Beziehung. Bis Claire eines Tages plötzlich verschwindet. Ohnmächtig und verzweifelt beginnt David, sich mit ihrer Abwesenheit zu arrangieren, bis der Besuch eines alten College-Buddys von Claire der Story eine neue Wendung gibt.

„Come and Find Me“ ist kein sonderlich plausibler Film, wer Lücken oder offene Fragen in der Story sucht, wird zahlreiche finden. Dass der Film trotzdem Spannung aufbauen kann und auch Spaß macht, liegt an der gekonnten Inszenierung und den guten Darstellern.

Davids langsame Wandlung vom braven Bürger zum furchtlosen (wenn auch im Zweikampf recht unbegabten) Privatdetektiv, der Auftritt von fadenscheinigen Charakteren aus Claires mysteriöser Vergangenheit, die (wenig einfallsreichen, aber gut getimten) Rückblenden und auch das recht explosive Finale – das alles ergibt einen erstaunlich effektiven Film.

Die Schwächen liegen vor allem in der nicht sonderlich schlüssigen Story, wobei es scheint, als wäre Regisseur und Autor Zack Whedon das bewusst und schlicht egal. Das Ende des Films zitiert filmgeschichtlich berühmte Vorgänger, ergibt sich aber nicht sehr überzeugend aus dem Handlungsverlauf. In seinen besten Momenten erinnert der Film an die Thriller von David Mamet („Spartan“, „The Spanish Prisoner). Wer die mochte darf hier getrost zugreifen.

3/5

Sherlock – The Final Problem: Gedanken zum Finale der 4. Staffel

Es ist nun wahrlich nicht so, dass „Sherlock“-Folgen dafür bekannt wären, dass sie sich Zeit nehmen, wenig passiert und immer alles total plausibel ist. Doch das Finale der aktuellen Staffel (und die vielleicht letzte Folge der Reihe) setzt wahrlich neue Maßstäbe – wenn auch nicht nur im positiven Sinne.

„The Final Problem“ führt Sherlock und seinen Bruder Mycroft mit ihrer mysteriösen, verschollenen Schwester zusammen, der Dasein in den letzten Folgen bereits anklang. Natürlich ist auch Watson mit von der Party, und auch Moriarty hat seine Auftritte.

In rasendem Tempo, mit vielen Ideen und noch mehr Sperenzchen wird hier alles daran gesetzt, „Sherlock“ einen glamourösen und würdigen Abgang zu bescheren. Das funktioniert auch, schießt aber – selbst für meinen Geschmack – doch sehr oft über das Ziel hinaus.

Die Serie war nie wirklich ernst gemeint, wirkt hier aber manchmal wie eine Persiflage ihrer selbst. Zumal es im Vergleich mit frühreren Folgen auch an Humor, der ohne das Prädikat „unfreiwillig“ daherkommt.

Vielleicht war es den Machern der Show auch egal. Sie haben in einem Höllenritt noch einmal alles gegeben, und vermeiden es mit der Story auch, sich zu wiederholen. Der x-te „Moriarty/Mary/Sherlock sind tot/nicht tot“–Cliffhanger – soviel darf ich hier verraten – steht nicht am Ende dieser äußerst unterhaltsamen, grenzwertig trashigen und bemerkenswerten Folge…

1 2 3 4 95