Kurzkritik: Vincent N Roxxy

Vincent N Roxxy FilmplakatDrama, USA 2017

Regie: Darsteller: Emile Hirsch, Zoe Kravitz, Zoe Deutch

Vincent (E. Hirsch) eilt Roxxy (Z. Kravitz) zu Hilfe, als diese von einem Gangster verfolgt und bedroht wird. Die beiden flüchten gemeinsam in die Kleinstadt in Louisiana, aus der Vincent stammt. Beide werden dabei von ihrer Vergangenheit eingeholt, während sie – gegen allerlei Widerstände – sich bemühen, eine neue Normalität aufzubauen, und sich dabei verlieben.

Das Außenseiter-Drama punktet mit gutem Gespür für Atmosphäre und Darsteller, ist aber in Sachen Story und Figurenentwicklung wenig überzeugend. Im letzten Drittel mit heftigen Gewaltausbrüchen, kommt „Vincent N Roxxy“ nicht an die souveräne Coolness von „Drive“ (zweifellos ein Vorbild des Films) heran, ohne dies durch erzählerische Qualität kompensieren zu können. Daher insgesamt leider keine Empfehlung.

2/5

 

 

Kurzkritik: Get Out

Get Out FilmplakatMystery/Horror, USA 2017

Regie: Jordan Peele; Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Bradley Whitford

Das erste Treffen mit den Eltern seiner (weissen) Freundin Rose wird für den jungen (schwarzen) Chris Stück für Stück zum Alptraum. Obwohl er oberflächlich freundlich aufgenommen wird merkt er schnell, dass mit der vermeintlichen Idylle auf dem herrschaftlichen Landsitz etwas nicht so ganz stimmt.

Geschickt gelingt es „Get Out“, satirisch und bitterböse das Thema Rassismus in eine recht klassische Horrorstory zu integrieren. Obwohl der Film aus seiner Stoßrichtung keinen Hehl macht erzeugt er viel Spannung aus der ausführlichen Exposition. Regisseur Jordan Peele hat sichtlich Spass daran, immer wieder neue Merkwürdigkeiten zu präsentieren.

Dank der überzeugenden Darsteller und dem starken Timing der Inszenierung wandelt der Film souverän auf dem schmalen Grat zwischen Satire, Horror und Comedy. Wunderbar unterhaltsam treibt er sein überspitztes Spiel bis zum gelungenen Finale. Dass hier zudem ein unbequemes, kontroverses Thema in einem ungewöhnlichen Format behandelt wird, macht den Erfolg des Films in den USA umso verdienter.

4/5

Kurzkritik: Personal Shopper

Personal Shopper FilmplakatDrama/Mystery/Thriller, FR/DE 2016

Regie: Olivier Assayas; Darsteller: Kristen Stewart, Nora von Waldstätten, Lars Eidinger

„Personal Shopper“ ist mit einem Begriff schwer zu beschreiben. Der Film ist eine Geistergeschichte, ein Drama um Verlust und Tod, aber auch ein minimalistischer Thriller. Und obwohl sich die meisten Passagen eher der einen oder anderen Richtung zuschlagen lassen, ist er das doch insgesamt alles gleichzeitig.

Im Zentrum der Handlung (und in fast jeder Einstellung zu sehen) ist Maureen, eine junge Frau, die ihren vor kurzem ihren Zwillingsbruder Lewis verloren hat. Die beiden Geschwister hatten einen Hang zur Parapsychologie, und ihre Abmachung war, sich im Todesfall Botschaften aus dem Jenseits zu schicken. Maureen ist auf der Suche nach Zeichen ihres Bruders aus dem Jenseits, und tatsächlich häufen sich unerklärliche Erscheinungen.

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verdingt sich Maureen in Paris als „Personal Shopper“ einer berühmten Schauspielerin, ist unterwegs in Edelboutiquen und bei Modeschöpfern, besorgt Kleider und Accessoires. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Filmen und Büchern aus dem Bereich des Okkulten.

In gemächlichem Tempo erzählt der Film seine vielschichtige Story, die sich in mehrere Richtungen entwickelt. Die Spannungskurve steigt stetig, oft sind es vordergründig kleinere Ereignisse oder Treffen, die das Geschehen lenken oder doch mindestens dessen Deutung beeinflussen.

Wie oben erwähnt ist „Personal Shopper“ inhaltlich und formell ein Genre-Mix. Dass er so gut funktioniert liegt an der Konzentration auf seine stimmig entwickelte Hauptfigur, an Kristen Stewart, die diese mit natürlich wirkender Glaubwürdigkeit verkörpert und an der gelungenen Kombination der unterschiedlichen Themen und Motive.

Ohne hier zu viel verraten zu wollen kann doch gesagt werden, dass die innere Reise von Maureen mindestens so wichtig für die Handlung ist wie die äußere. Nicht wenige werden mit dem Ende und einigen Szenen auf dem Weg dahin so ihre Schwierigkeiten haben, denn der Film liefert keine ‚einfachen‘ Erklärungen für seine Handlung. Was er liefert ist Suspense auf hohem Niveau – zwischen den Stühlen vieler Genres, dabei stimmig und kurzweilig inszeniert.

4/5

 

Kurzkritik: Ghost in the Shell (3D)

Ghost in the Shell FilmplakatSci-Fi, USA 2017

Regie: Rupert Sanders; Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbaek, Takeshi Kitano, Juliette Binoche

Vor lauter Aufregung um die Tatsache, dass die Hauptrolle dieser ersten Realfilm-Adaption von „Ghost in the Shell“ nicht von einer Asiatin gespielt wird, sondern von Scarlett Johansson, ging der Film selbst in der Diskussion fast ein wenig unter.

Über weite Strecken ist das Ganze eine Verneigung vor der bekannten animierten Verfilmung von 1995. Viele Szenen sind recht komplett übernommen, was angesichts der visuellen Kraft des Originals auch Sinn ergibt. Mit den heutigen Mitteln ist es problemlos möglich, die Effekte und Tricks in makelloser Qualität ‚fotorealistisch‘ auf die Leinwand zu bringen. Und so ist die Optik auch die größte Stärke von „Ghost in the Shell“ – wenngleich man sich das 3D wie so oft hätte sparen können.

Die Diskussion um die Besetzung der Hauptrolle will ich hier nicht weiterführen, dazu ist eigentlich alles gesagt worden. Johansson hat mehrfach bewiesen, dass sie sich auf das Action-Genre versteht, an ihrer Leistung hier als „Mensch-Maschine“ Major ist nichts auszusetzen. Dasselbe gilt für die restlichen Darsteller.

Ein paar Abweichungen zum Vorgänger leistet sich der neue Film, die meisten hängen mit Majors innerer Entwicklung zusammen. Für Puristen sind diese neuen Elemente sicher nichts (wobei ich auch keine Ahnung habe, was genau in der Manga-Vorlage steht…), insgesamt verleihen sie dem Film eine etwas leichter zu verstehende Story. Die kreist wie gehabt um einen Hacker/Virus namens Kuze, dunkle Machenschaften einer großen Technologie-Firma und einen Konflikt zwischen zwei Abteilungen der Regierung.

„Ghost in the Shell“ ist kein schlechter Film geworden. Allerdings ist viel passiert, seit das zugrunde liegende Material zur Inspiration für viele bekannte Filme wurde. So kommt der Film gefühlt irgendwie zu spät, weil seine Ideen und Motive in der Popkultur zuletzt so oft verwendet und weiter entwickelt wurden, dass sie hier fast etwas angestaubt daherkommen – trotz der famosen Optik. Ein Gang ins Kino lohnt sich für Genre-Fans trotzdem auf jeden Fall.

3/5

Kurzkritik: Elvis & Nixon

Elvis & Nixon FilmplakatComedy/Drama, USA 2016

Regie: Liza Johnson; Darsteller: Michael Shannon, Kevin Spacey, Johnny Knoxville, Colin Hanks

Ende 1970 gab es ein Treffen im Weissen Haus zwischen Präsident Richard Nixon und Elvis Presley, bei dem ein berühmt gewordenes Foto entstand. Worüber die beiden geredet haben, und warum Elvis das Treffen initiiert hat, darum geht es in „Elvis & Nixon“, wohl basierend auf einigen zuverlässigen Quellen – gleichzeitig aber natürlich frei erfunden. Denn „Tricky Dick“ fing erst kurz nach dem Treffen an, alle Gespräche im Weissen Haus aufnehmen zulassen…

Michael Shannon sieht Elvis nicht sonderlich ähnlich, gleiches gilt für Kevin Spacey hinsichtlich Nixon. Dass der Film trotzdem unterhalten kann liegt an der Spielkunst der beiden Schauspieler, denen das ja ebenfalls klar ist – und die sich die historischen Figuren auf ihre spezielle Art zu eigen machen.

Wie der „King“ hier, völlig in seiner eigenen Welt lebend und dabei doch weitgehend ‚funktionstüchtig‘, mit der Idee um die Ecke biegt, er könnte der Regierung als „Federal Agent at Large“ helfen, die Jugend vom Pfad der Drogen und Rebellionen abzubringen, ist schon köstlich (wenn auch etwas tragisch…). Sowohl Nixon als auch Elvis hatten Anfang der 70er ja in der Tat den Kontakt zur Welt der jungen Menschen Amerikas eher verloren.

In knapp 90 Minuten kann der Film genug starke Dialoge und witzige Szenen unterbringen, um das (pop-historisch oder allgemein geschichtlich interessierte) Publikum bei Laune zu halten. Sicher kein ‚must see‘, aber ein gelungenes Stück Kino über eine bemerkenswerte Begegnung.

3/5

Kurzkritik: Silence

Silence FilmplakatDrama, USA/Taiwan/Mexico 2016

Regie: Martin Scorsese; Darsteller: Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson

Der neue Film von Martin Scorsese ist kein leichte Kost. Von den ausladenden 160 Minuten Laufzeit über das Thema (Erlebnisse von christlichen Missionaren im Japan des 17. Jahrhunderts) bis zu einigen schwer verdaulichen Szenen von Leiden und Gewalt – „Silence“ gibt sich keine Mühe, leicht verdaulich zu sein.

Die zwei jungen katholischen Priester Rodrigues (A. Garfield) und Garupe (A. Driver) machen sich von Macao aus auf den Weg nach Japan, wo ihr Mentor angeblich vom Glauben abgefallen ist, was die beiden nicht wahrhaben wollen. In Japan ist das Christentum verboten, Missionaren und Gläubigen drohen grausame Strafen. Der Film ist somit auch eine Geschichtsstunde, den wenigsten Zuschauern (mich eingeschlossen) dürfte dieser Teil der Geschichte – das Ganze fußt weitgehend auf wahren Begebenheiten – ein Begriff gewesen sein…

Wie man es von Scorsese nicht anderes erwartet bietet „Silence“ großartige Bilder, die sich durch den Kontrast zwischen wunderbaren Landschaften (gefilmt wurde nicht in Japan, sondern in Taiwan) und den ausgemergelten Körpern der Hauptdarsteller auszeichnen. Einen klassischen Soundtrack gibt es nicht, eher eine sehr gut passende Geräuschkulisse.

Die Story lässt sich viel Zeit, gerade in der ersten Hälfte des Films, die man sicher etwas hätte straffen können – auch wenn die kontemplative Stimmung (keine Sorge, so arg wie bei “Tree of Life” ist es nicht) natürlich nicht im Zeitraffer erzeugt werden kann.

Die ‚innere Reise‘ von Pater Rodrigues ist das Zentrum der Handlung und wird bestimmt durch Gedanken und Dialoge über die Stärke des Glaubens, persönliche Freiheit und politische Macht. “Silence” ist zwar das Werk eines vom Christentum geprägten Regisseurs (der Priester werden wollte), schafft es aber, die zwei hier aufeinander treffenden, sehr unterschiedlichen Kulturen differenziert zu betrachten.

Im letzten Teil des Films verdichten sich alle Motive in faszinerenden Szenen und Dialogen. Das Ende kann man als „offen“ bezeichnen, zumindest lässt es sich nicht einfach deuten. Doch es trägt definitiv eher zur Faszination des Stoffes bei, als das es einen frustriert zurück lassen würde.

4/5

Kurzkritik: Live By Night

Live By Night FilmplakatGangsterdrama, USA 2016

Regie: Ben Affleck; Darsteller: Ben Affleck, Zoe Saldana, Sienna Miller, Chris Cooper

Desillusionierter Veteran des Ersten Weltkriegs, Sohn eines einflussreichen Polizisten mit irischen Wurzeln, und selbst ernannter „Outlaw“ – das ist Joe Coughlin, die Hauptfigur von „Live By Night“. Der Film folgt Joe auf seinem Weg durch die Unterwelt von Boston, ins Gefängnis und schließlich in den Süden Floridas. Die Prohibition ist anno 1926 ein Riesengeschäft für das organisierte Verbrechen, ihr Ende aber jedoch schon abzusehen. Es braucht also neue Verdienstquellen.

Ben Affleck hat als Schauspieler definitiv schon bessere Leistungen abgeliefert, doch dem Film wird hier eher seine Leistung hinter der Kamera bzw. bei der Adaption des Drehbuchs (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane) zum Verhängnis. Denn obwohl „Live By Night“ eigentlich alles hat, was ein stimmungsvolles, spannendes Gangsterdrama braucht (eine hochkarätige Besetzung, ein interessantes Setting, gelungene Bilder) kommt der Film nie richtig in Gang.

An kaum einer Szene ist per se etwas größeres auszusetzen, es fehlt jedoch ein roter Faden, das Gefühl, dass sich eine Geschichte entfaltet. Der ziemlich uninspirierte Off-Kommentar ist keine Hilfe, aber auch nicht Schuld daran. Weder die Handlung selbst noch die Darsteller sind schwach, es fehlt dem Film schlicht eine schlüssige Dramaturgie. So vergehen die zwei Stunden Laufzeit eher zäh und ohne echte Höhepunkte. Schade.

3/5

Kurzkritik: Logan

Logan FilmplakatFantasy/Action, USA 2017

Regie: James Mangold; Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Steward, Boyd Holbrook, Dafne Keen

Ich habe in diesem Blog gefühlt in den letzten Jahren nichts häufiger getan, als mich über die Beliebigkeit der Fortsetzungen von Comic-Verfilmungen zu beschweren. Die „X-Men“-Reihe war da genau so schuldig im Sinne der Anklage wie die anderen Marvel-Filme, schlug sich allerdings insgesamt etwas besser. Nun ist es diese Filmreihe, die mit „Logan“ die ausgetretenen Pfade der austauschbaren Sequels verlässt.

Man muss „Logan“ nicht mögen (ich war insgesamt mehr als zufrieden, aber auch nicht begeistert) um anzuerkennen, dass es höchste Zeit dafür war. Die immer gleichen großen Spektakel mit immer mehr Figuren, die nur wieder mit dem größtmöglichen Cliffhanger enden, damit das ganze entweder weiter oder einfach von vorne losgehen kann, führen das Genre in eine Sackgasse.

Wolverine aka Logan (H. Jackman) lebt hier irgendwann in der nahen Zukunft im Süden der USA ein recht erbärmliches Leben. Er verdingt sich als Chauffeur einer Stretch-Limousine, trinkt zu viel und kümmert sich um Professor X (P. Steward), dessen Zustand ähnlich jämmerlich ist. Die Story ist dann recht simpel. Gegen seinen Willen muss sich Logan um eine junge Mutantin kümmern, die aus einem Labor geflohen ist. Ein Heer von Söldnern ist bald im Auftrag des fiesen Bio-Tech-Unternehmens hinter den beiden (die auch den Professor noch im Gepäck haben) her.

„Logan“ ist deutlich brutaler als die meisten Comic-Verfilmungen, die Macher des Films setzen dies als Stilmittel ein, um ihn als ‚Kost für Erwachsene“ zu platzieren. Inhaltlich hätte man darauf durchaus verzichten können. Sci-Fi-Elemente wie Zeitreisen (zuletzt ja sehr angesagt im „X-Men“-Universum) sind hier nicht zu finden, auch die Auftritte von Mutanten mit fantastischen Superkräften sind sehr begrenzt, was zum „down to earth“-Feeling des Geschehens beiträgt (es gibt auch keinen Endkampf mit ins All gerichteten Energiestrählen).

Ich war wie oben bereits erwähnt nicht durchweg begeistert von „Logan“. Der Film ist aus einem Guss und mit den (aus meiner Sicht) richtigen Absichten inszeniert, bietet dazu eine Menge Action. Für sich stehen kann er aber natürlich auch nicht wirklich – ein Makel in der DNA jeder Fortsetzung, die nicht das Ende einer Filmreihe bedeutet.

Man könnte hier, um die Stärken und Schwächen des Films genauer auszuloten, noch eine Menge Szenen und Entwicklungen diskutieren. Das aber würde einige Spoiler mit sich bringen, die ich wie üblich lieber vermeiden will. Absolut positiv ist die unübersehbare Erkenntnis zu bewerten, dass die inhaltliche Langeweile von Comic-Blockbustern mit dem heraufbeschwören immer neuer Mega-Showdowns um die Zukunft der Menschheit nicht wirkungsvoll bekämpft werden kann. Ich bin gespannt, dabei aber äußerst skeptisch, ob und wie sich dies in den -zig anderen Filmen des Genres der nächsten Jahre auswirken wird.

4/5

Kurzkritik: Passengers

Passengers FilmplakatSci-Fi/Drama, USA 2016

Regie: Morton Tyldum; Darsteller: Chris Pratt, Jennifer Lawrence

Ein riesiges Raumschiff ist auf Autopilot unterwegs zu einer neuen Kolonie der Menschheit. 120 Jahre soll die Reise dauern, die Passagiere und Crew bis zur vor der Ankunft in künstlichem Schlaf verbringen. Alle Passagiere? Nicht ganz. Denn Jim (C. Pratt) läuft alleine durch die Gänge des kolossalen Gefährts, und auch Aurora (J. Lawrence) gesellt sich bald dazu. Die Reise wird aber noch 90 Jahre dauern – was genau ist schief gegangen, und wie sollen die beiden „Passengers“ mit ihrer Situation umgehen?

Ich denke es hat am Trailer gelegen, dass ich hier einen ganz anderen Film erwartet habe. Es sah da nach Action aus, nach Aliens irgendwie, jedenfalls nach Spektakel. Was „Passengers“ jedoch nur in recht geringen Dosen liefert. Stattdessen ist der Film eher die Hollywood-Variante von „Moon“, angereichert mit einer Prise „Gravity“ und mit deutlichen Anleihen bei der TV-Show „The Last Man on Earth“.

Visuell ist das Unterfangen äußerst gelungen, die Tricks und Set Designs sind überzeugend. Auch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt, wenngleich hier der oben beschriebene Hollywood-Faktor in der Figurenzeichnung deutlich sichtbar ist. Über den Verlauf der Story kann man nicht viel sagen, ohne Spoiler unters Lesevolk zu bringen. Wer der Prämisse grundsätzlich etwas abgewinnen kann, darf hier auf jeden Fall zugreifen. Wer SciFi-Action und Aliens erwartet sollte lieber auf „Life“ warten (der dem Trailer nach tatsächlich sehr stumpf „Alien“ mit „Gravity“ mixt).

3/5

 

Kurzkritik: „Trapped“ (TV-Serie)

Trapped PlakatDiese isländische Miniserie (vom ZDF mit dem bescheuerten Zusatz „Gefangen in Island“ versehen) erzählt vom Fund einer Wasserleiche in einer durch schlechtes Wetter von der Außenwelt abgeschnittenen Ortschaft im Südosten des Landes.

Die Ermittlungen leitet der bärbeißige Andri, ein Zugezogener, mit seinen beiden einheimischen Kollegen Hinrika und Asgeir. Die Spur führt zur im Hafen liegenden Passagierfähre, doch die Dinge werden bald kompliziert. So laufen im Ort Verhandlungen mit chinesischen Investoren, um einen großen Containerhafen im Ort zu errichten, ein Jahre zurückliegender Unfall (oder war es Mord?) scheint die Bewohner zu verfolgen, Menschenhandel ist auch im Spiel – und ein paar mehr Leichen kommen ebenfalls dazu…

Stimmungsvoll und angenehm frei von großer Action und Effekthascherei nimmt „Trapped“ sich für seine Geschichte und Figuren viel Zeit. Die isländische Natur ist dabei eine heimliche Hauptdarstellerin, die bereits im schicken Vorspann zu glänzen weiss.

Leider kann die Serie ihren Spannungsbogen über die fünf 90-minütigen Folgen nicht so ganz halten. Das Finale ist zwar durchaus logisch entwickelt, krankt aber am selben Problem wie einst die zweite Staffel von „True Detective“: Wer zu viele interessante – aber letztlich falsche – Fährten legt, läuft Gefahr sein Publikum zu enttäuschen. Und genau so ging es mir hier.

[Verfügbar in der ZDF-Mediathek]

Kurzkritik: Collateral Beauty

Collateral Beauty FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: David Frankel; Darsteller: Will Smith, Kate Winslet, Edward Norton, Helen Mirren, Keira Knightley, Michael Pena, Jacob Latimore

Nach dem Tod seiner jungen Tochter fällt Howard (W. Smith), Chef einer Werbeagentur, in ein so tiefes Trauerloch, dass seine Kollegen (E. Norton, K. Winslet, M. Pena) sich was ganz besonderes einfallen lassen, um ihn wieder ins Leben zurück zu holen. Sie tun das aber nicht nur, weil sie Howard so gern haben – sie wollen auch zu ihrem eigenen „Vorteil“ die Firma retten, um die sich der Trauernde nicht mehr richtig kümmert.

Drei Theaterschauspieler (H. Mirren, K. Knightley, J. Latimore) sollen Howard als Verkörperungen von „Tod“, „Zeit“ und „Liebe“ – denen Howard in seiner Verzweiflung Briefe geschrieben hat – entgegen treten, und ihm die Kraft zum Leben wiedergeben. Während die Aktion in vollem Gange ist offenbart sich, dass auch Howards Kollegen so ihre Probleme mit sich rumschleppen und ebenfalls Hilfe gebrauchen könnten…

„Collateral Beauty“ ist so übervoll von großen Trauergesten, tiefster Verzweiflung und wütender Hoffnungslosigkeit, dass vor allem die Hauptfigur nicht sehr menschlich rüberkommt, sondern wie ein überlebensgroße tragische Fantasiefigur. Die wird dazu noch von Will Smith gespielt, der nicht eben dafür bekannt ist Durchschnittsbürger zu spielen, und hier auch keine subtile Vorstellung gibt.

Einige erzählerische Ideen und Kniffe des Films sind durchaus gelungen (wenn auch zum Teil leicht zu erahnen), doch weil das Ganze so eindeutig ein Versuchsaufbau ist und sich – trotz der vielen hochkarätigen Darsteller – aus dem selbstgebauten Korsett eines Tränen-Pornos nicht befreien kann, funktioniert „Collateral Beauty“ allenfalls als Trauer-Märchen, nicht aber als Drama.

2/5

PS: Eine Analyse der Kontraste/Unterschiede zwischen “Collateral Beauty” und “Manchester by the Sea” (beide Filme handeln von um ihr Kind trauernde Väter) ergäbe sicher einen interessanten Essay….

Kurzkritik: Moonlight

Moonlight FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Barry Jenkins; Darsteller: Trevante Rhodes, Naomie Harris, Mahershala Ali

Chiron lebt in einem Armenbezirk von Miami, mit seiner drogensüchtigen Mutter (N. Harris) aber, das versteht sich fast von selbst, ohne Vater. Seine Mitschüler hänseln den sensiblen Jungen, der zudem langsam begreift, dass er schwul ist – was seine soziale Stellung in dem schwierigen Milieu ebenso wenig fördert wie sein Selbstwertgefühl. Als der Drogendealer Juan (M. Ali) eine Art Ziehvater für ihn wird, scheinen sich die Dinge zum Guten zu wenden.

In drei Teilen und mit drei verschiedenen Hauptdarstellern (alle im Cover zu sehen, wenn man nur genauer hinsieht…) erzählt „Moonlight“ Chirons Geschichte. Das ‚Coming-of-Age“-Drama besticht durch die starken Darsteller und die lebensechte Inszenierung mit glaubwürdigen Dialogen. Ob das „lebensecht“ ist kann ich natürlich nicht wirklich beurteilen – aber das ist beim Thema „Authentizität in Spielfilmen“ ja immer eher eine Frage des Gefühls.

Durch die Schilderung einer – vorsichtig ausgedrückt – schwierigen Kindheit und Jugend eines Vertreters zweier Minderheiten wird „Moonlight“ zwangsläufig auch zum politischen Statement. Doch er ist deutlich stärker ein ergreifendes Drama um individuelle Figuren, als eine Anklage oder ein Gesellschaftsportrait.

4/5

PS: Die gestern gewonnenen Oscars („Bester Film“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und den „Bester Nebendarsteller“) sind sicherlich verdient, wobei es natürlich in allen Kategorien auch andere würdige Preisträger gegeben hätte.

Kurzkritik: T2 Trainspotting

T2 Trainspotting FilmplakatDrama/Komödie, UK 2017

Regie: Danny Boyle; Darsteller: Ewan McGregor, Jonny Lee Miller, Robert Carlisle, Ewen Bremner

Die Fortsetzung von Danny Boyles Kultfilm von 1996 kommt irgendwie überraschend. Andererseits hat Irvine Welsh, Autor der Romanvorlage, die Story bereits 2002 mit „Porno“ fortgesetzt. Da ich dieses Buch nie gelesen habe kann ich nur vermelden, was ich darüber gelesen habe – die Handlung um Renton, Sick Boy, Spud & Begby wird zehn Jahre nach „Trainspotting“ weitergeführt.

Allerdings ist „T2 Trainspotting“ wie man liest keine Adaption dieser Fortsetzung, sondern basiert nur sehr vage darauf. Die ‚Neuen Helden‘ (na, erinnert sich noch jemand an den beknackten Untertitel des Originals?) sind hier nicht 10, sondern 20 Jahre älter geworden, leben noch (bzw. in Rentons Fall wieder) in Edinburgh und sind recht leicht wiederzuerkennen.

Im Vergleich zum Vorgänger gibt es relativ viel Handlung, was aber ja nur bedeutet, dass überhaupt eine solche erkennbar ist. Diese wiederum gehört nicht zu den Stärken des Films, was aber kein großes Problem darstellt – wegen eines ausgefeilten Plots geht hier sicher kaum jemand ins Kino.

Im Vordergrund steht aber ganz wie im Original das Interesse für die Figuren und alles, was sie den lieben langen Tag lang so tun. Dazu gehören wieder einige absurd zugespitzte Situationen, und auch das erste Wiedersehen (man ging ja damals nicht gerade in Freundschaft auseinander) bringt ordentlich Konfliktpotential mit sich.

Der Soundtrack ist noch ein wenig lauter und wilder geworden (sie haben im Kino International vielleicht auch einfach ungewöhnlich laut aufgedreht), das Tempo ist hoch, auch wenn „T2 Trainspotting“ gegen Ende recht ungehemmt die eigene ‚Vergangenheit“ abfeiert und sogar einige Szenen des Originals zeigt.

Es darf, soll und wird viel gelacht werden, wobei es Boyle und seine gut aufgelegten Darsteller (es sind alle wichtigen wieder dabei) hier insgesamt fast ein bißchen übertreiben, zumal nicht alle Tumulte überzeugen. Der Ton bzw. die Stimmung des Originals war ernster, doch das hatte auch mit dem Zeitgeist und dem erzählerischen Ansatz zu tun. Beides hat sich ganz offensichtlich gewandelt.

Unter dem Strich ist „T2 Trainspotting“ eine würdige und gelungene Fortsetzung, die den Faden auf hohem Niveau weiterspinnt. Ein Wiedersehen, das tatsächlich Freude macht. Ob man darauf euphorisiert gewartet hat, den Film eher wohlwollend und amüsiert zur Kenntnis nimmt, oder – aus Prinzip – als kommerzielle Ausschlachtung komplett ablehnt, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

4/5

Kurzkritik: Hacksaw Ridge

Hacksaw Ridge FilmplakatKriegsdrama, USA/Australien 2016

Regie: Mel Gibson; Darsteller: Andrew Garfield, Sam Worthington, Vince Vaughn, Teresa Palmer

Mel Gibson ist als Regisseur nicht eben bekannt für vornehme Kost. Sei es in „Braveheart“, „The Passion of the Christ“ oder „Apocalypto“, es wird meist eine blutige Angelegenheit. Nun hat Gibson einen Kriegsfilm gedreht, und weil hier also ein ‚blutrünstiger‘ Regisseur in einem äußerst blutigen Genre arbeitet, ist „Hacksaw Ridge“ ein in dieser Hinsicht extremer Film geworden.

Der Film erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Desmond Doss (A. Garfield), einem jungen Mann aus ärmlichen Verhältnissen, der in der Schlacht um Okinawa zum überraschenden Helden wird. Aus religiösen Gründen lehnt Doss Gewalt ab – wodurch er im ‚Boot Camp‘ zum Außenseiter wird, der sich von seinen Kameraden viel Spott anhören muss. Als Sanitäter begleitet er seine Einheit in eine der entscheidenden Schlachten des Kriegs im Pafizik.

„Hacksaw Ridge“ nimmt sich viel Zeit für die Entwicklung seiner Hauptfigur. Szenen aus Kindheit und Jugend, der Konflikt mit dem Vater, das Finden seiner großen Liebe, schließlich die freiwillige Meldung zum Militär – als Desmond im Ausbildungslager ankommt, hat das Publikum ihn schon recht gut kennengelernt.

Weil das so, ist funktioniert der Film in der Folge – trotz der vollkommen vorhersehbaren Story – erstaunlich gut. Andrew Garfields große Leistung ist es, seine Figur innerhalb des mit mächtig Pathos aufgeblasenen, in der zweiten Hälfte unfassbar brutalen Spektakels mit großer Glaubwürdigkeit zu spielen. Seine bescheidene Entschlossenheit, mit der er Unglaubliches vollbringt (er rettet auf eigene Faust mehrere Dutzend Kameraden aus einem aufgegebenen Schlachtfeld), wirkt authentisch – aller offensichtlichen Formelhaftigkeit des Geschehens zum Trotz.

Gibson geht es in „Hacksaw Ridge“ nicht um eine differenzierte Darstellung der Schlacht selbst. Die Japaner sind in seinem Film zwar keine Monster, aber reine Statisten, deren Geschichte nicht erzählt wird. Sein wundersames Heldenepos über Desmond Doss feiert dessen christlich motivierte Gewaltlosigkeit, vor allem aber seine mutigen Taten inmitten eines ultrabrutalen Gemetzels – dessen militärische Notwendigkeit nicht in Frage gestellt wird. Als Aufruf zum Gewaltverzicht lässt sich der Film daher nicht verstehen.

Insgesamt ist der Film vor allem für Fans des Regisseurs oder des Genres interessant.

3/5

PS: „Hacksaw Ridge“ wurde für mehrere Oscars nominiert (u.a. „Bester Film, „Beste Regie“ und „Bester Hauptdarsteller“), was von vielen als Beweis gewertet wird, dass das Hollywood-Establishment den in Ungnade gefallenen Mel Gibson wieder gern hat.

 

Kurzkritik: Allied – Vertraute Fremde

Allied - FilmplakatDrama/Action/Romanze, UK/USA 2016

Regie: Robert Zemeckis; Darsteller: Brad Pitt, Marion Cotillard, Jared Harris, August Diehl

Der kanadische Fallschirmspringer Max (B. Pitt) und die französische Widerstandskämpferin Marianne (M. Cotillard) lernen sich bei einer gemeinsamen Sabotage-Mission 1942 in Casablanca kennen und lieben. Sie beginnen ein gemeinsames Leben und gründen eine Familie – und können doch weder dem Krieg noch der Vergangenheit entkommen…

Ich habe hier mal bewusst die eigentliche Handlung weitgehend weggelassen, je weniger man darüber weiss desto besser, weil spannender ist „Allied“. Richtig gut ist der Film leider auch so nicht. Zwar ist er souverän inszeniert, gut gespielt und verneigt sich geschickt vor einigen Klassikern der Filmgeschichte.

Doch er erreicht eben selbst nicht deren Klasse, will gleichzeitig Agentenfilm und Kriegsromanze sein, scheitert aber – auf hohem Niveau – an genau diesem Anspruch. Hinter all dem hochwertigen Handwerk fehlt irgendwie ein Herz. Es bleibt gut gemachte, durchaus anspruchsvolle Unterhaltung, die jedoch nicht zu fesseln vermag.

3/5

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