Kurzkritik: „Trapped“ (TV-Serie)

Trapped PlakatDiese isländische Miniserie (vom ZDF mit dem bescheuerten Zusatz „Gefangen in Island“ versehen) erzählt vom Fund einer Wasserleiche in einer durch schlechtes Wetter von der Außenwelt abgeschnittenen Ortschaft im Südosten des Landes.

Die Ermittlungen leitet der bärbeißige Andri, ein Zugezogener, mit seinen beiden einheimischen Kollegen Hinrika und Asgeir. Die Spur führt zur im Hafen liegenden Passagierfähre, doch die Dinge werden bald kompliziert. So laufen im Ort Verhandlungen mit chinesischen Investoren, um einen großen Containerhafen im Ort zu errichten, ein Jahre zurückliegender Unfall (oder war es Mord?) scheint die Bewohner zu verfolgen, Menschenhandel ist auch im Spiel – und ein paar mehr Leichen kommen ebenfalls dazu…

Stimmungsvoll und angenehm frei von großer Action und Effekthascherei nimmt „Trapped“ sich für seine Geschichte und Figuren viel Zeit. Die isländische Natur ist dabei eine heimliche Hauptdarstellerin, die bereits im schicken Vorspann zu glänzen weiss.

Leider kann die Serie ihren Spannungsbogen über die fünf 90-minütigen Folgen nicht so ganz halten. Das Finale ist zwar durchaus logisch entwickelt, krankt aber am selben Problem wie einst die zweite Staffel von „True Detective“: Wer zu viele interessante – aber letztlich falsche – Fährten legt, läuft Gefahr sein Publikum zu enttäuschen. Und genau so ging es mir hier.

[Verfügbar in der ZDF-Mediathek]

Serien-Highlights ab Frühjahr 2017

Twin Peaks

Die späte Fortsetzung der „Mutter aller modernen Fernsehserien“ könnte das große Highlight von 2017 werden. Konjunktiv. Ich bin optimistisch, dass David Lynch tatsächlich weitermacht, weil er etwas erzählen möchte – und nicht weil sein Kontostand ihm dazu rät.

Trotzdem ist die Fallhöhe natürlich beträchtlich, „Twin Peaks“ ist und bleibt ein Meisterwerk. Trotz der holprigen Produktion und des zerfasernden Endes, die zum Mythos der Show ja durchaus beigetragen haben dürften. Nun hat David Lynch seit 2006 keinen Spielfilm mehr gedreht, sollte sein Handwerk aber nicht verlernt und – das wäre noch schlimmer – seine Inspiration nicht verloren haben.

Die Besetzung von einst ist beinahe vollzählig an Bord, auch das ist kein schlechtes Zeichen. Namhafte „Newcomer“ sind ebenfalls dabei, und zwar nicht zu knapp: Michael Cera, Richard Chamberlain, Laura Dern, Robert Forster, Caleb Landry Jones, Ashley Judd, Robert Knepper, Jennifer Jason Leigh, Berenice Marlohe, Amanda Seyfried, Laura Dern, Tom Sizemore, Eddie Vedder, Naomi Watts.

Am 21. Mai werden wir es wissen – dann läuft „Twin Peaks“ in den USA an, kurz darauf wohl in Deutschland bei Sky.

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Game of Thrones Staffel 7

Dieses Jahr nicht im Frühjahr, sondern erst im Herbst, geht es mit „Game of Thrones“ weiter. Das Netz ist voller Spekulationen zum Fortgang der Story, klar ist, dass sich die Dinge in Westeros weiter zuspitzen werden. Reicht mir völlig, um mich sehr auf den Start der siebten Staffel zu freuen. Ein genaues Datum ist bisher nicht bekannt.

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Better Call Saul Staffel 3

Geradezu aufreizend langsam erzählte „Better Call Saul“ in den ersten beiden Staffeln die „Origin“-Story des schmierigen Anwalts aus „Breaking Bad“. Die Show wird sicher nicht komplett das Tempo wechseln, aber ich bin sicher, dass sich die Entwicklungen in Staffel 3 vergleichsweise überschlagen werden – immerhin nähert man sich unaufhaltsam der Zeit an, in der die Ereignisse von „Breaking Bad“ ihren Lauf nahmen. Und wie man hört beehrt ein gewisser ‚Gustavo Fring‘ die neue Staffel mit seiner Anwesenheit. Fortsetzung folgt am 10. März in den USA, hier wohl zeitnah bei Netflix.

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Hap & Leonard Staffel 2

Eine kleine, wenig spektakuläre Show, die eine Menge Potential hat. So ist mir die erste Staffel dieser vom Sundance Channel produzierten Serie in Erinnerung geblieben. angesiedelt irgendwo zwischen „Justified“, „Breaking Bad“ und „Rectify“ – witzig, niveauvoll und unterhaltsam. Mitte März geht es weiter, zu sehen bei Amazon Prime.

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Hand of God Staffel 2

Ich muss ehrlich gestehen, dass meine Erinnerung an die erste Staffel sehr lückenhaft ist. Kein Wunder, immerhin wurde die von Amazon Prime im Herbst 2015 veröffentlicht. Trotz einiger Schwächen hatte die Serie einige faszinierende Aspekte, nicht zuletzt Ron Perlman in der Hauptrolle eines vom Glauben abgefallenen Richters. Bis Mitte März gilt es hier, die Erinnerung aufzufrischen, dann geht es weiter…

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Fargo Staffel 3

Nach einem Jahr Pause kommt auch „Fargo“ zurück. Die dritte Staffel wird erneut eine neue Geschichte im bekannten, dem Film der Coen-Brüder entlehnten ‚Universum‘ im Nordwesten der USA spielen. Mit dabei sind unter anderem Ewan McGregor, Carrie Coon und Michael Stuhlbarg. Worum es geht ist mir erstmal völlig egal, solange die Produzenten nur das Niveau der ersten Staffeln halten können bin ich mit großer Freude dabei. Weiter geht es Mitte April, hierzulande wohl bei Netflix.

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The Leftovers Staffel 3

Nach dem „Neustart“ in der letzten Staffel wird die kommende Staffel von „The Leftovers“ die letzte sein. Man hat also die Chance, die Story geplant zu Ende zu bringen. Allerdings bin ich nur mäßig zuversichtlich, dass die Autoren der Show einen Weg finden, die vielen Mysterien aufzulösen – ohne der Show den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Interessant im besten Sinne war die Serie ja aber immer, daher werde ich es mir definitiv ansehen. Das Ende beginnt Mitte April, hierzulande wohl auf Sky Atlantic HD.

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Taboo Staffel 1

Tom Hardy spielt einen mysteriösen Erben, der sich anno 1814 nicht nur mit der mächtigen British East India Company, sondern auch mit dem Königshaus anlegt. Es geht um ein Stück Land im Westen Kanadas – und viel Geld. Die Serie sieht mir vielversprechend aus, einen Sender oder Starttermin für Deutschland habe ich bisher nicht gefunden. Aber allein aufgrund der Besetzung (und der Tatsache, dass sich Amazon, Netflix, Sky und Co mächtig um attraktiven ‚Content‘ battlen) ist damit zu rechnen, dass „Taboo“ auch hierzulande einen Abnehmer findet.

Sherlock – The Final Problem: Gedanken zum Finale der 4. Staffel

Es ist nun wahrlich nicht so, dass „Sherlock“-Folgen dafür bekannt wären, dass sie sich Zeit nehmen, wenig passiert und immer alles total plausibel ist. Doch das Finale der aktuellen Staffel (und die vielleicht letzte Folge der Reihe) setzt wahrlich neue Maßstäbe – wenn auch nicht nur im positiven Sinne.

„The Final Problem“ führt Sherlock und seinen Bruder Mycroft mit ihrer mysteriösen, verschollenen Schwester zusammen, der Dasein in den letzten Folgen bereits anklang. Natürlich ist auch Watson mit von der Party, und auch Moriarty hat seine Auftritte.

In rasendem Tempo, mit vielen Ideen und noch mehr Sperenzchen wird hier alles daran gesetzt, „Sherlock“ einen glamourösen und würdigen Abgang zu bescheren. Das funktioniert auch, schießt aber – selbst für meinen Geschmack – doch sehr oft über das Ziel hinaus.

Die Serie war nie wirklich ernst gemeint, wirkt hier aber manchmal wie eine Persiflage ihrer selbst. Zumal es im Vergleich mit frühreren Folgen auch an Humor, der ohne das Prädikat „unfreiwillig“ daherkommt.

Vielleicht war es den Machern der Show auch egal. Sie haben in einem Höllenritt noch einmal alles gegeben, und vermeiden es mit der Story auch, sich zu wiederholen. Der x-te „Moriarty/Mary/Sherlock sind tot/nicht tot“–Cliffhanger – soviel darf ich hier verraten – steht nicht am Ende dieser äußerst unterhaltsamen, grenzwertig trashigen und bemerkenswerten Folge…

Nebenbei bemerkt: Sherlock – The Six Thatchers (Staffel 4, Episode 1)

Nachdem es letztes Jahr mit „The Abominable Bride“ nur eine „Appetizer“-Folge gab ist „Sherlock“ nun mit einer kompletten Staffel zurück. Komplett im Sinne von drei Folgen, versteht sich. Die erste Folge davon hält das bekannte Niveau, verbindet souverän Witz und hemmungslos zur Schau gestellte Cleverness (die zum Glück weiterhin nur bedingt ernst gemeint ist – was Kritiker der Show gerne übersehen).

Aufgefallen ist mir, dass die ohnehin immer temporeiche Reihe hier in knapp 90 Minuten extrem viel Handlung unterbringt. Damit ist sie eine Art Antipol zu „Better Call Saul“, der wohl im gemächlichsten Tempo erzählten (und dabei großartigen) Serie der Gegenwart. Ich freue mich auf die beiden kommenden Folgen, in der Hoffnung dass die Beteiligten ein angemessenes Ende finden – angeblich gestaltet sich eine Fortsetzung angesichts der vollen Terminpläne aller Beteiligten ja schwierig.

 

Fernsehserien 2016 – Rückblick

Rectify Season 4Hier zum Jahresende ein kurzer Überblick mit allen Serien, die ich dieses Jahr gesehen habe – in Verbindung mit einer äußerst kurz gefassten Einschätzung.

Aktuelle schaue ich “Mozart in the Jungle” (Staffel 3), „The Red Road“ und “The Young Pope”, die seien deshalb hier noch erwähnt. Für eine noch so kurze Bewertung ist es da aber definitiv zu früh. Eine neue Staffel von „Fargo“ habe ich sehr vermisst, da geht es aber offenbar 2017 dann wieder weiter…

Die Kurzfassung für die Ungeduldigen: Die für mich besten drei Serien(staffeln) 2016 sind “Rectify”, “Better Call Saul” & “Game of Thrones”

Knapp dahinter: “Westworld”

Alphabetisch geordnet: Mein Serien-“Speiseplan” des Jahres 2016

„112263“ (gibt nur eine Staffel)
Gute Idee, starker Beginn, am Ende aber eine Enttäuschung. Schade.

„Better Call Saul“ (Staffel 2)
Schlicht großartig, Cast & Crew halten scheinbar mühelos ihr hohes Niveau. So darf es gerne weitergehen (und wird es sicher auch).

„Bosch“ (Staffel 2)
Solide Genre-Kost für Freunde härterer Krimis. Trotzdem unklar ob ich bei Staffel 3 einschalten werde.

„Crisis in 6 Scenes“ (gibt nur eine Staffel)
Woody Allen kann mit dem Prinzip einer kurzen Comedy-Serie offensichtlich nicht viel anfangen und liefert guckbare, aber eher blutleere Kost ab.

„Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ (Staffel 1)
Adaption zweier Bücher von Douglas Adams. Sehr wild und chaotisch, dabei unterhaltsam und durchaus kreativ.

„Game of Thrones“ (Staffel 6)
Starke neue Staffel mit einigen Highlights, wobei es mir auch (weiterhin) egal ist, inwiefern das ganze auf der – noch nicht fertig gestellten – Romanvorlage basiert.

„Goliath“ (gibt nur eine Staffel)
Nach sehr starkem Beginn lässt diese Anwaltsserie gegen Ende leider etwas nach. Dennoch einen Blick wert, nicht nur wegen der guten Darsteller.

„Hap & Leonard“ (Staffel 1)
Sympathische Außenseiter-Story, die wenig spektakulär aber sehr gut gespielt daher kommt. Ich freue mich auf die nächste Staffel…

„Mad Dogs“ (Staffel 1)
Nach guter erster Folge rutscht die Serie in ein heilloses Chaos ab, wobei vor allem die Glaubwürdigkeit von Plot und Story derbe unter die Räder geraten. Kurz vor der Ende der Staffel abgeschenkt – das sagt alles.

„Narcos“ (Staffel 2)
Gute Fortsetzung mit überraschendem Ende. Hier wird es weitergehen, und ich tendiere dazu das gut zu finden…

„Ray Donovan“ (Staffel 4)
Die Serie beweist weiter Stehvermögen und schafft den Spagat zwischen Drama und Entertainment – auch dank des starken Darsteller-Ensembles.

„Rectify“ (Staffel 4)
Großartiges Ende einer der besten Drama-Serien überhaupt, die hierzulande kaum jemand kennt (läuft bei Sky Atlantic HD, wird aber vom Sundance Channel in den USA produziert).

„Vinyl“ (Staffel 1, inzwischen gecancelt)
Große Ambitionen und große Namen ergeben nicht immer ein großartiges Ergebnis. “Vinyl” hatte eindeutig Potential, und doch bin ich nicht wirklich traurig, dass HBO hier schnell den Stecker gezogen hat.

„Wayward Pines“ (Staffel 1 – kam bereits 2015 raus)
Mit vielen dämlichen Dialogen und einer grundsätzlich unglaubwürdigen Story bot sich diese Show für erschöpfte Feierabende an – Spannung war durchaus drin. Am Ende aber ein Reinfall, der Beginn von Staffel 2 gar vollkommen erbärmlich…

„Westworld“ (Staffel 1)
Neue ‘Flagship’-Sci-Fi-Serie von HBO, interessant im positiven Sinne. Ein Highlight, wenn auch (zum Teil naturgemäß) sehr verkopft und kühl inszeniert.

Neue Serie: „Goliath“

Goliath PlakatDie neue Krimi- und Anwaltsserie „Goliath“ (8 Folgen, Amazon Prime) beginnt vielversprechend. Ein mysteriöser Todesfall landet bei einem abgehalfterten Ex-Staranwalt Billy McBride (Billy Bob Thornton), der darin eine Chance wittert, einen großen Rüstungskonzern zu verklagen. Dieser wiederum wird vertreten von seiner mächtigen Ex-Kanzlei, bei der Billys ehemaliger Partner – inzwischen sein Erzfeind – Donald Cooperman (William Hurt) die Fäden in der Hand hält. „Goliath“ ist damit im Kern ein Psychoduell dieser beiden Figuren.

Es entwickelt sich ein spannendes und gut gespieltes Drama, in dem sich viele gute Figuren und einige sehenswerte Handlungsbögen finden. Leider geht der Serie nach etwa der Hälfte ein wenig die Luft aus. Das Niveau der äußerst gelungenen Exposition kann nicht gehalten werden, „Goliath“ schleppt sich eher über die Ziellinie, zum Glück ohne dabei allzu viel Schaden anzurichten. Für Fans des gepflegten Gerichtsdramas aber durchaus eine – wenn auch eingeschränkte – Empfehlung.

Serien-Tipp – Stranger Things

Stranger Things PlakatEine ziemlich gelungene Mischung aus Stephen King (Kleinstadt- und Horrormotive), Twin Peaks, Donnie Darko, E.T. und Highschool-Drama serviert Netflix in der neuen Eigenproduktion „Stranger Things“. Atmosphärisch, mit guten Darstellern und einer im positiven Sinne angemessenen Story (ich bin bei Folge sechs von insgesamt acht) kann die Serie überzeugen, wenn sie mich (allein thematisch) auch nicht richtig begeistern kann. Trotzdem sammelt Netflix weiter gute Argumente für die 10 Euro, die ein Abo kostet.

Serien-Tipp: Hap & Leonard

Mir was das was – auch, aber nicht nur, weil Michael Kenneth „Omar“ Williams von „The Wire“ dabei ist. Im Mittelpunkt stehen zwei Ex-Soldaten und Lebenskünstler, die in Texas allerlei „Abenteuer“ durchleben. Die Serie braucht einige ihrer sechs Folgen, um in die Gänge zu kommen, aber das hat Methode. Der produzierende Sundance Channel hat offenbar vor, die Figuren langsam weiter zu entwickeln. Das ganze basiert auf der Roman-Reihe von Joe R. Lansdale, die kurze erste Staffel (6 Folgen) macht Lust auf mehr – und eine zweite Staffel ist auch schon beauftragt.

(Läuft in Deutschland bei Amazon Prime)

TV-Serien – Mehr oder weniger aktuelle Empfehlungen…

Mein persönliches Serienprogramm habe ich zuletzt deutlich heruntergefahren. Wegen zuletzt mieser Staffeln habe ich „Homeland“ und „House of Cards“ abgeschenkt, „The Walking Dead“ wegen allgemeiner Ziellosigkeit und den endlos wiederkehrenden, fürchterlich ermüdenden Zombiegemetzeln, „Halt and Catch Fire“ weil es mir zu öde wurde (auch wenn die Serie durchaus Klasse hat), „Daredevil“, weil mich Look und Story nicht überzeugt haben, mit „Jessica Jones“ habe ich nicht mal mehr angefangen.

Mir scheint, dass ich auch mit den zweiten Staffeln von „Bloodline“ und „Narcos“ eher nicht warm werde, aber das bleibt abzuwarten.

Damit verbleiben die folgenden Kandidaten:

Rectify“ – Die vielleicht beste Drama-Serie zur Zeit geht in diesem Sommer in die vierte Staffel.

Fargo“ – Nach zwei sehr guten Staffeln ist dieses Jahr Pause, bevor es 2017 (wie üblich) komplett von vorne losgeht. Wenn das Niveau gehalten wird wäre das ein große Leistung.

Game of Thrones“ – Die Saga um Westeros und die sieben Königreiche ist als Fantasy-Spektakel eigentlich weit von meinem Geschmack entfernt. Aber es ist eben „Game of Thrones“ und ich ziehe den Hut vor der Leistung aller Beteiligten.

The Knick“ – Ich kann oft genug nicht hinsehen, wenn Clive Owen und seine Kollegen auf dem OP-Tisch losmetzeln, aber die Serie hat Klasse.

The Leftovers“ – Die 180°-Wende der zweiten Staffel war im positiven Sinne interessant, trotz einer gewissen Skepsis, was das eigentlich noch werden soll, bleibe ich erstmal am Ball.

The Fall“ – Die stimmungsvolle Krimiserie aus Nordirland überzeugt durch Spannung und gute Darsteller.

Vinyl“ – Die erste Staffel war tatsächlich eher enttäuschend, ich werde der zweiten aber definitiv eine Chance geben. [UPDATE 15.6.16 – Es wird keine 2. Staffel geben, HBO hat den Stecker gezogen.]

Ray Donovan“ – Obwohl die Serie nicht das ganz große Niveau besitzt stimmt für mich bisher die Mischung aus Spannung, Humor und Entertainment.

Billions“ – Das Duell zwischen Finanz-Milliardär und Staatsanwalt (gespielt von Damian „Homeland“ Lewis und Paul „Sideways“ Giamatti) hat Höhen und tiefen. Ob ich mir das weiter ansehe ist bestenfalls unsicher.

PS: Mit „Masters of Sex“ habe ich angefangen, und bin froher Hoffnung damit weiterzumachen.

PPS: „Making of A Murderer“ und „Show Me A Hero“ hatte ich bereits in älteren Beiträgen empfohlen, die taugen natürlich immer noch…

Serientipp – The Night Manager (Amazon Video)

The Night Manager - MiniserieBasierend auf einem Roman von John le Carré aus dem Jahr 1993 erzählt „The Night Manager“ von einem Ex-Soldaten, der einem internationalen Waffenhändler aus eher persönlichen Gründen das Handwerk legen will. Schauplätze sind u. a. Kairo, Mallorca, London und die Türkei.

In der Hauptrolle glänzt Tom Hiddleston, der hier ein offenkundiges Bewerbungsschreiben als nächster Bond-Darsteller abgibt. Mir wäre es genehm, der neue 007 wäre ’suave‘ und smart – das könnte sehr gut passen.

Hugh Laurie überzeugt als Bösewicht, der – wie in einer eindrucksvollen Szene gegen Ende der Serie deutlich wird – nach bester Joker-Manier „die Welt einfach nur brennen sehen“ will.

Insgesamt erfindet die Serie das Krimi-Genre nicht neu, sorgt aber für niveauvolle Spannung und muss sich bezüglich der Inszenierung nicht vor ähnlichen Kinofilmen verstecken. Ich schreibe das übrigens alles, ohne die letzte Folge gesehen zu haben – das werde ich genau jetzt tun und meine positive Meinung zu „The Night Manager“ hoffentlich danach nicht revidieren oder einschränken müssen….

Serienkalender 2016 – Starttermine

Hier die Starttermine (Quelle: IMDB.com) der Serien, die bei mir fest auf dem ‚Speiseplan‘ stehen, sowie der Vollständigkeit halber weiter unten auch die von einigen Reihen, bei denen mir mittlerweile der Appetit vergangen ist.

Bock drauf:

  • Better Call Saul Season 2 – 15. Februar
  • 11.22.63 Season 1 – 15. Februar
  • Game of Thrones Season 6 – April 2016
  • Rectify Season 4 – Sommer 2016
  • The Leftovers Season 3 – August 2016
  • Ray Donovan Season 4 – September 2016
  • The Fall Season 3 – irgendwann in 2016
  • The Affair Season 3 – irgendwann in 2016
  • Fargo Season 3 – (leider erst) 2017

„Ferner laufen“:

  • House of Cards Season – 4. März
  • Homeland – September 2016

 

Aktuelle Serien im Schnelldurchlauf

Der geile Scheiss

Game of Thrones Staffel 5
Nicht dass in Westeros bisher wenig los gewesen wäre. Aber das Gefühl, dass sich hier eine große Story auf ihr Finale zu bewegt ist in der fünften Staffel in jeder Folge zu spüren – nicht erst, wenn am Ende eine Menge lieb gewonnener Figuren das Zeitliche segnen.

Mad Men Staffel 7, Teil 2
Aus und vorbei. Don Drapers Zeit im Rampenlicht ist abgelaufen. Bis auf wenige Ausnahmen hat Showrunner Matthew Weiner alle Figuren und gleichzeitig die Serie als ganzes zu einem großartigen Ende geführt. Ich habe das zum Anlass genommen, die ersten vier Staffeln noch einmal zu schauen, und was soll ich sagen – sie sind quasi noch besser geworden. Vor allem die ersten beiden fand ich ursprünglich beinahe langweilig, eine Einschätzung die ich ca. 7 Jahre später überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann…

Show Me a Hero (Miniserie)
Lokalpolitik in der mittelgroßen Stadt Yonkers, New York. Ein ambitionierter junger Politiker wird zur Schlüsselfigur in einem Machtkampf zwischen der Regierung in Washington und der Lokalpolitik um die Frage ob und wo sozialer Wohnungsbau entstehen soll. “Show me a Hero” erzählt dabei (fast) immer glaubwürdig nicht nur von den politischen Akteuren, sondern auch von den Bürgern und Wählern, die von dem zentralen Konflik konkret betroffen sind.

Better Call Saul Staffel 1
Eine ganze Staffel ohne nennenswerten Plot – „Better Call Saul“ traut sich was. In den 10 Episoden ging es vornehmlich darum, den Werdegang der Hauptfigur glaubwürdig darzustellen. Das ist gelungen, nun bin ich einerseits gespannt auf die weitere Entwicklung von Saul und andererseits auf eine ‚richtige‘ Story in Season 2.

Rectify Staffel 3
Obwohl gewohnt unaufgeregt inszeniert und weiterhin großartig gespielt kommt in der dritten Staffel von „Rectify“ richtig Bewegung in die Story. In sechs starken Episoden erfahren wir schließlich ziemlich genau, was wirklich geschah in jener schicksalhaften Nacht, die Daniel für 20 Jahre hinter Gitter brachte. Und bei vielen Figuren deuten sich größere Veränderungen an.

The Newsroom Staffel 1 (ja, ich bin spät dran, ich weiss..)
Weil Quentin Tarantino diese Serie in einem Interview als persönlichen Favoriten bezeichnet hat (und der Mann in der Regel gute Tipps parat hat) habe ich angefangen „The Newsroom“ zu schauen. Bisher lohnt es sich, die erste Folge der ersten Staffel ist ganz sicher eine Sternstunde des Fernsehens – und auch danach geht es auf hohem Niveau weiter, insbesondere die Dialoge sind ein Fest. Realistisch ist “The Newsroom” eher nicht, aber großes Entertainment.

Ray Donovan Staffel 3
Die dritte Staffel läuft noch, ist aber definitiv gelungen – die Serie entwickelt sich zu einem sehenswerten Gangster- und Familiendrama.

Der okay-ische Scheiss

House of Cards Staffel 3
Die erste Folge beginnt mit einer großartigen Szene, doch dann entwickelt sich House of Cards aus meiner Sicht in die falsche Richtung. Die Storyline mit Russlands rüpelhaften Präsidenten, dem Frieden im Nahen Osten und Mrs. Underwoods UN-Ambitionen ist bestenfalls unglaubwürdig und teilweise einfach totaler Quatsch. Ähnliches gilt für die „America Works“-Idee. Sicher, Realismus ist hier nie die einzige oder wichtigste Zutat gewesen, aber es gibt eben doch einen wichtigen Unterschied zwischen Verdichtung/Übertreibung und völligem Schwachsinn. Schade eigentlich, vielleicht besinnt sich die Show ja noch mal, wenn es in Season 4 in die heiße Phase des Wahlkampfs geht…

True Detective Staffel 2
Großartige Bilder, starke Darsteller, eine betörend-schreckliche Stimmung – die zweite Staffel hat was zu bieten. Leider ist die Story ziemlich dünne. Und, was viel schlimmer ist, sie wird auf eine verwirrende und enttäuschende Art und Weise erzählt. Gegen falsche Fährten habe ich ja nichts, aber wenn locker zwei Drittel aller Handlungsfäden und Informationen (sowie eine Hauptfigur) für die zentrale Story eigentlich keine Bedeutung haben, dann entsteht eine Schieflage – und aus der kommt „True Detective“ nicht mehr raus. Trotzdem macht die Staffel durchaus Spaß (zumindest mehr als “House of Cards”).

Der lahme Scheiss (alles erste Staffeln)

Gotham
Knallbunter Trash für die “Generation ADS” unter den Fernsehzuschauern – nach einer Folge hatte ich von diesem Mummenschanz trotz der prominenten Besetzung bereits genug. Ist aber bestimmt super, wenn man nebenbei bügelt oder so…

Daredevil
Hier fehlte es offensichtlich an Budget und Ideen, zumindest wirkt „Daredevil“ wie ein Serie-gewordenes B-Movie. Nicht ohne Reiz, aber gerade in der Figurenzeichnung fahrig und unfokussiert.

Mr Robot
Großartige erste Folge, dann ein herber Absturz. Viel zu viel lahmes Gesülze im Off-Kommentar, eine ziellose bis blödsinnige Story – vielleicht bin ich zu früh ausgestiegen, aber mir war das nix…

Serien-Vorschau 2015

Mad Men, Final Season PlakatWas es in den nächsten Monaten so im Kino geben wird, hatte ich hier neulich schon einmal nach bestem Wissen zusammengetragen. Nicht weniger interessant ist natürlich, mit welchen Serien es wann los oder weiter geht. Ich orientiere mich hier am US-Zeitplan, da ich keine Lust habe zu prüfen, welcher Sender was wann in der Übersetzung zeigen wird. Das bitte bei Bedarf einfach selber googlen!

12 Monkeys“ hatte letzte Woche einen anständigen Start. Aber die Messlatte liegt angesichts der Genialität von Terry Gilliams Film 1995 sehr hoch, daher bin ich noch nicht sicher, ob ich die erste Staffel zu ende gucken werden (und also mindestens halbherzig empfehlen kann.
[1. Staffel seit 16.1., 13 Folgen]

Erst spät habe ich mit „Justified“ angefangen, der Show um einen schießwütig-charmanten US-Marshall in Kentucky. Hier ist allerdings langsam ein echter und finaler Showdown nötig. Die Serie hat großen Spaß gemacht und darf gern noch ein letztes mal Raylan Givens und seinen Erzfeind aus Kindertagen Boyd Crowder zum Duell antreten lassen – dann ist es meines Erachtens aber auch mal gut…
[6. Staffel seit 20.1., 13 Folgen]

Mit dem Prequel und Spin-Off „Better Call Saul“ kehrt das Universum von „Breaking Bad“ zurück ins Fernsehen. Die Besetzung vor und hinter der Kamera besteht weitgehend aus der alten Crew und die ersten Kritiken (die Previews sind vor ein paar Tagen gelaufen) sind überwiegend positiv. Ich nehme die Show erstmal vorbehaltlos in meinen ‚Stundenplan‘ mit auf.
[1. Staffel ab 8.2.,10 Folgen]

Wie üblich an einem Tag veröffentlichen wird Showtime die dritte Staffel von „House of Cards„. Man kann bezüglich des Realitätsgehalts der Show sicher einige Einwände haben, was den Plot, die Dialoge und Figuren angeht ist die Serie aber ganz sicher weit vorne dabei – ich habe den März dafür ‚freigeräumt‘.
[3. Staffel am 27.2., 13 Folgen]

Zu „Game of Thrones“ ist eigentlich alles und noch mehr schon geschrieben worden. Ich gehöre zur Fraktion derer, die nicht die Bücher lesen, und habe daher keinen Plan, was mich in der kommenden Staffel erwartet. Obwohl: der Spitzname ‚Tits & Horses‘ ist ja nicht aus der Luft gegriffen…
[5. Staffel ab 12.4., 10 Folgen]

Eine Ära geht zu ende, wenn „Mad Men“ sich im Frühjahr mit den finalen Folgen für immer aus dem Sendeplan verabschiedet. Ich bin sehr gespannt, wie es für die vielen herrlichen Figuren enden wird. Möge Serien-Mastermind Matthew Weiner uns und seiner Crew ein (denk-)würdiges Finale bescheren.
[Zweite Hälfte der 7. Staffel ab 5.4., 7 Folgen]

Nachdem mir die erste Staffel von „Hannibal“ nicht so sehr zugesagt hat, habe ich mich nur wegen einer ‚Lücke im Spieplan‘ auf die zweite Staffel eingelassen. Das wiederum hat sich sehr gelohnt. Extrem düster, brutal, blutig und krank ist diese Serie, dabei doch stets faszinierend und nie vulgär. Mads Mikkelsen spielt die berühmte Figur mit Intensität und Selbstverständlichkeit – weshalb die Show tatsächlich funktioniert, ohne das Original zu kopieren oder zu beleidigen.
[3. Staffel ab Juni 2015, 13 Folgen]

Weitgehend unbekannt (lief glaube ich bei Sky) ist hierzulande „Rectify„, die Geschichte eines Mannes, der nach Verfahrensfehlern über 10 Jahre nach seiner Verurteilung zum Tode aus dem Gefängnis entlassen wird. Das großartige Drama geht in die dritte Runde, es ist noch Zeit genug, sich vorher die 16 Folgen der ersten beiden Seasons anzusehen.
[3. Staffel ab Sommer 2015, 6 Folgen]

P.S.: Wer hier vergeblich auf einen Termin für „The Walking Dead“ gesucht hat: diese Show habe ich abgeschenkt. Immer wieder die gleichen Splatterszenen und viel zu wenig Drive in der Story, das ist mir nix.

Sherlock Season 3 – es geht auf höchstem Niveau weiter…

Nachdem die zweite Staffel mit einem Cliffhanger zuende ging nimmt die aktuelle Staffel den Faden geschickt wieder auf. Die drei Folgen sind allesamt keine klassischen, in sich geschlossenen Kriminalfälle, die Serie beschäftigt sich eingehend mit ihren Figuren. Was „Sherlock“ sehr gut tut, denn die Autoren haben eine Menge Ideen, die das Publikum zuweilen gar richtig schockieren können. Hut ab und bitte unbedingt weiter machen!

Serie: Top of the Lake

Top of the Lake PosterKrimi/Drama/Mystery, Neuseeland 2013 (ca. 360 Minuten)

Regie: Jane Campion, Garth Davis

Nach all den Lobhudeleien, die Anfang November durch die hiesigen Feuilletons rauschten, habe ich mir die Miniserie der „Das Piano“-Regisseurin Jane Campion nun auch mal angesehen. Die vielen Vergleiche mit David Lynchs „Twin Peaks“ hinken meiner Ansicht schon gewaltig, aber zumindest eines lässt sich über „Top of the Lake“ sagen: es ist die visuell beeindruckendste, schönste Serie, die ich bisher gesehen habe.

Der Süden Neuseelands ist der faszinierende Schauplatz des Geschehens. Polizistin Robin (Elizabeth Moss aus „Mad Men“) kehrt in ihre Heimat zurück, wo sie es mit einem bitteren Fall zu tun bekommt. Die 12-jährige Tui hat versucht sich das Leben zu nehmen. Sie ist schwanger, doch niemand weiß, von wem.

Das Szenario ist von merkwürdigen Gestalten bevölkert. Da ist Tuis Vater Matt, ein gefährlicher Drogendealer, der die Gegend scheinbar fest im Griff hat, eine Enklave von Frauen in einem abgelegenen Container-Dorf am See, deren Anführerin die charismatisch-schroffe CG (Holly Hunter) ist. Während Robin bei den Ermittlungen nur schwer voran kommt, muss sie sich zunehmend den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen, die an vielen Ecken (und verkörpert durch eine Vielzahl von Figuren) auf sie lauern.

In den besten Momenten ist „Top of the Lake“ stark gespieltes, spannendes und in großartigen, cineastischen Bildern gefilmtes Drama. Dramaturgisch allerdings übertreibt man es mit dem „Understatement“. Dass die Story erst sich nach und nach ihre wahre Seele offenbart finde ich passend – dass die Serie aber an vielen Höhepunkten holprig erzählt ist störend. Ebenso wie die (zu) kurzen Rückblenden, die es nicht schaffen, Vergangenheit und Gegenwart ausreichend in Einklang zu bringen. Man kann sich natürlich an vielen Stellen seinen Teil einfach denken, aber ein bißchen mehr Erklärung, mehr richtige Aufklärung hätte dem Ganzen schon gut getan.

Fazit: Bildgewaltige, stark gespielte Serie, leider mit Mängeln in der dramaturgischen Bauausführung. Für geduldige Zuschauer auf jeden Fall einen genauen Blick wert, weniger geduldige werden sich frustriert abwenden.