Für die beliebten „Recaps“ von Serien, die ich gerade schaue, fehlt mir leider die Zeit. Daher schreibe ich nur sehr unregelmäßig kurze Beiträge über meinen aktuellen Serienspeiseplan, und ob es mir gerade mal wieder geschmeckt hat oder nicht…

Kurzkritik: Hap & Leonard (Staffel 3)

Krimi/Drama, 2018

Showrunners: Nick Damici, Jim Mickle ; Darsteller: Michael Kenneth Williams, James Purefoy, Tiffany Mack

Worum gehts?

Die aus der vorigen Staffel bekannte schöne Anwältin Florida verschwindet, ausgerechnet in der Kleinstadt Grovetown, die einen Ruf als KKK-Hochburg hat. Hap & Leonard machen sich auf die Suche, die Spur führt von einer verschollen geglaubten Blues-Aufnahme zum lokalen Radio-DJ…und dann immer tiefer in die Abgründe von Grovetown.

Was soll das?

Die dritte Staffel ähnelt der zweiten deutlich mehr als der ersten. Derr Ton ist ernst, aber nicht gänzlich hoffnungslos – die zwei namensgebenden Haudegen lassen sich ja bekanntlich sowieso von nichts und niemandem unterkriegen, und sind nie um einen guten Spruch verlegen.

Taugt das was?

Ja, die Serie hält ihr Niveau und kann erneut überzeugen. Ich bin allerdings mal gespannt, ob die Show – sofern es weitergeht – noch einmal frische Impulse setzen kann. Sonst läuft sie Gefahr es sich in ihrer (absoluten bemerkenswerten) Nische allzu bequem zu machen.

Wo kann ich das gucken?

Aktuell nur bei Amazon Prime Video.

4/5

Kurzkritik: Altered Carbon (Serie)

Science Fiction, 2018

Creator: Laeta Kalogridis; Darsteller: Joel Kinnaman, James Purefoy, Martha Higareda, Dichen Lachman

Worum gehts?

In der Zukunft von „Altered Carbon“ sind die Menschen unsterblich geworden. Allerdings nur die reichsten unter ihnen, die munter von einer menschlichen „Hülle“ in die nächste steigen. Als einer der reichsten der Reichen beinahe ermordet wird heuert dieser einen besonderen Ermittler an – den ehemaligen Elite-Cop und aktuellen Gefängnis-Insassen Kovacs, der dafür aus dem Dämmerschlaf geweckt und in einen neuen Körper transferiert wird.

Was soll das?

Das ist mal wieder eine gute Frage. Die Serie hat eine Menge Themen und Motive, in erster Linie den „Fluch“ der Unsterblichkeit und die grundsätzliche Frage, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Der Krimi-Plot ist nur ein Aufhänger, der das Publikum immer tiefer in die Dystopie der Serie und die geschichtlichen Hintergründe ihrer Entstehung führt.

Taugt das was?

Mein Geschmack war es nicht wirklich. „Altered Carbon“ schafft es, gleichzeitig zu viel und zu wenig anzubieten. Der Plot bewegt sich sprunghaft, auch die Figurenentwicklung kann nicht überzeugen. In der Hauptrolle schien mir Joel Kinnaman (der in „The Killing“ absolut großartig war) eher eine Fehlbesetzung zu sein. Ohne echtes Interesse für die Charaktere wird das Ganze dann zu einer temporeichen und stylischen, aber auch ermüdenden Angelegenheit.

Wo kann ich das gucken?

Aktuell nur bei Netflix.

3/5

Kurzkritik: American Crime Story – The Assassination of Gianni Versace (Serie)

Drama, 2018

Showrunner: Tom Rob Smith; Darsteller: Darren Criss, Edgar Ramirez, Ricky Martin, Penelope Cruz

Worum gehts?

Der Name sagt es eigentlich. Wobei mir nicht wirklich klar war, wer Gianni Versace anno 1997 in Miami Beach umgebracht hat, und welche Story sich hinter der Aufklärung des Falles verbirgt.

Was soll das?

Die zweite Staffel „American Crime Story“ ist weniger Gesellschaftsporträt als die erste, und insgesamt mehr das Psychogramm eines Killers als ein Krimi. Geschickt hebt sich der Film die Backstory seiner Hauptfiguren für den Mittelteil auf, und baut so Spannung auf zwischen dem Beginn (der Ermordung Versaces) und dem Finale (der Jagd der Behörden auf den Täter, Andrew Cunanan).

Taugt das was?

Die größte Qualität der Serie (bzw. dieser Staffel) sind die großartigen Darsteller, allen voran Darren Criss als langsam vom Sonderbaren ins Psychopathische verwandelnde Andrew Cunanan. Aber auch visuell und erzählerisch überzeugt „American Crime Story“.

Wo kann ich das gucken?

Kann man z. B. hier prüfen.

4/5

Kurzkritik: American Crime Story – The People vs O.J. Simpson

Drama, 2016

Darsteller: Sarah Paulson, Courtney B. Vance, Sterling K. Brown, John Travolta, Cuba Gooding, Jr.

Worum gehts?

Um den (ersten) Gerichtsprozess gegen den schwarzen Ex-Footballstar O.J. Simpson wegen Mordes an seiner Ex-Frau und ihrem Partner, der Mitte der 90er zur Mediensensation in den USA wurde.

Was soll das?

„The People vs O.J. Simpson“ befasst sich nicht ernsthaft mit der Schuldfrage, sondern zeichnet die Besonderheiten und den Einfluss des Falls nach. Gleichzeitig gelingt es den Darstellern und dem Drehbuch, die beteiligten Anwälte und Betroffenen als interessante dreidimensionale Charakter zu entwickeln, deren Persönlichkeiten und Motive die Verhandlung geprägt haben.

Taugt das was?

Aber sowas von. Obwohl der Ausgang der Story gemeinhin bekannt ist (oder leicht nachgelesen werden kann) fesselt die Serie durch ihre Haltung zum Geschehen, die vielen faszinierenden Nuancen und erstklassige Darsteller. Ich hoffe, dass auch die zweite Staffel der Reihe (die sich mit der mir deutlich weniger geläufigen Ermordung von Gianni Versace im Jahr 1997 beschäftigt) dieses Niveau halten kann…

Wo kann ich das gucken?

Gute Frage. Hier prüfen.

4/5

Mein Serien-Fahrplan für 2018

Ein so derber Serien-Nerd, dass ich mir tatsächlich einen detaillierten Plan für das Jahr mache, bin ich dann doch nicht. Aber genug Interesse für das, was dieses Jahr so kommen wird, ist doch vorhanden, um einen hier kleinen Beitrag zu schreiben. Wer wissen möchte, welche Show wo aktuell läuft, dem sei die Seite werstreamt.es empfohlen.

Hier und jetzt

Aktuell hole ich „American Crime Story“ Staffel 1 nach, eine großartige Serie – spannend, witzig, stark gespielt und thematisch (O.J. Simpsons Prozess und die Spaltung der US-Gesellschaft) hochinteressant. Vielleicht mache ich direkt mit Staffel 2 (Mord an Gianni Versace) weiter.

Dazu gibt es „The End of the Fucking World“ und „Altered Carbon„, zu beiden Serien kann ich aktuell nur sagen dass ich sie wohl bis zu Ende schauen werde.

Und auch „The Marvelous Mrs. Maisel“ steht gerade auf dem Programm. Die Show macht definitiv Laune, sollte aber (so etwa nach der Hälfte) nun auch langsam Fahrt aufnehmen.

Das Pflichtprogramm

Die dritte Staffel von „Hap & Leonard“ beginnt am 7. März. Angesichts der wunderbaren zweiten Staffel sind die Erwartungen natürlich gestiegen, aber ich habe hier Hoffnung, dass sie nicht enttäuscht werden.

HBO’s neue Prestige-Serie „Westworld“ hat sich über ein Jahr Zeit genommen für Staffel 2, die am 22. April anlaufen wird. Ich will mal glauben, dass das Jahr ‚Pause‘ dafür genutzt wurde, sich genau zu überlegen wohin die Reise gehen soll, und freue mich drauf…

Von den aktuellen Superhelden-Serien verfolge ich nur „Legion„. Staffel 2 läuft am 3. April an, und wird seinen erfrischend anderen Weg hoffentlich weitergehen.

Better Call Saul“ ist bekannt dafür, dass es in gemächlichem Tempo voran geht. Meintwegen kann Staffel 4 (läuft wohl im Frühjahr an) jetzt tatsächlich mal einen Zahn zulegen, ein Vorstoß ins (zeitliche) Territorium von „Breaking Bad“ wäre langsam angebracht.

Mit „Mr. Robot“ hatte ich ja fast schon abgeschlossen, doch die großartige letzte Staffel hat Überzeugungsarbeit geleistet. Auch hier geht es weiter, Staffel 4 wird wohl wie üblich im Herbst anlaufen.

Großes Fernsehen lieferte David Fincher mit dem Serienkiller-Stoff „Mindhunter„, es wird also nicht leicht das Niveau zu halten. Im Herbst werden wir sehen ob es gelingt.

Mit „The Deuce“ verfolgt David Simon („The Wire“, „Treme“) den für ihn typischen Erzählansatz, und entwirft ein ausschweifendes Gesellschaftsporträt der entstehenden New Yorker Hardcore-Szene in den frühen Siebzigern. Staffel 1 hat viele interessante Entwicklungen skizziert, auf deren weitere Ausgestaltung in der kommenden Staffel ich mich sehr freue. Weiter geht es wohl im Spätsommer/Herbst.

Schaun‘ mer mal..

13 Reasons Why“ war absolut sehenswert, aber aus meiner Sicht auch in sich geschlossen – und also vorbei. Nun sind erfolgreiche Serien nur vorbei, wenn die Produzenten das so wollen, Netflix lässt hier Staffel 2 folgen. Wenn ich Gutes höre bin ich vielleicht gewillt reinzuschauen, sicher ist das aber nicht.

Viel Lob bekam letztes Jahr „The Handmaids Tale„, und das durchaus zurecht. So begeistert wie viele Kritiker war ich allerdings nicht. Ob Staffel 2, die am 25. April beginnt, sich lohnen wird, hängt auch davon ab, ob die Autoren in der Lage sind, die Story (deren Romanvorlage auserzählt ist) einen interessanten neuen Dreh zu verleihen…

PS: „Game of Thrones“ werden viele hier erwartet haben, aber die finale Staffel wird erst 2019 ausgestrahlt. Selbiges gilt für die dritte Staffel von „Stranger Things„, bei der ich aber nicht sicher bin ob ich noch mal dabei bin…

Kurzkritik: McMafia (Serie)

Thriller/Drama, 2018

Regie: James Watkins ; Darsteller: James Norton, Juliet Rylance, David Strathairn

Worum gehts?

Alex Godman, Sohn russischer Emigranten in London, betreibt einen Investmentfonds. Als dieser in Schieflage gerät holt er sich Rat von seinem Onkel Boris – und hat bald nicht nur Kontakte in die Unterwelt, sondern auch einige neue Verpflichtungen…

Was soll das?

„McMafia“ ist ein Familiendrama, dass im „Milieu“ der multinationalen Verbrechersyndikate spielt. Eine interessante Mischung, der auch die vielen verschiedenen Schauplätze (London, Tel Aviv, Mumbai, Moskau, Prag) geschuldet sind.

Taugt das was?

Auch wenn der Titel krass bescheuert ist: ja. „McMafia“ ist temporeich und mit starken Darstellern inszeniert. Die Story (insbesondere die Entwicklung der Hauptfigur) ist arg überspitzt, dabei aber pointiert und fast immer spannend.

Wo kann ich das sehen?

Amazon Prime

4/5

Kurzkritik: Mosaic (Serie)

Krimi/Drama, 2018

Regie: Steven Soderbergh; Darsteller: Garrett Hedlund, Sharon Stone, Frederick Weller, Jennifer Ferrin

Worum gehts?

Eine bekannte Kinderbuch-Autorin wird in ihrem luxuriösen Anwesen in den Bergen von Utah tot aufgefunden. An Verdächtigen mangelt es nicht, einer von ihne wird schnell verurteilt. Doch dann beginnen zwei Beteiligte, den Fall noch einmal neu aufzurollen…

Was soll das?

Regisseur Soderbergh hat „Mosaic“ als Smartphone-App konzipiert, in der die Nutzer selbst steuern können, welchen Hinweisen und Storylines sie folgen können. Fürs Fernsehen haben Soderbergh und sein Drehbuchautor eine lineare Fassung geschaffen, in der die Reihenfolge vorbestimmt ist.

Taugt das was?

Jawohl. Großartig gespielt, messerscharf beobachtet und geschrieben ist „Mosaic“ eine spannende und unterhaltsame Angelegenheit, den vielen Fährten, Personen und Motiven der Serie zu folgen. Wie bei Soderbergh üblich ist das Ganze eine kühle, analytische Angelegenheit geworden, aber sicherlich keine herzlose.

4/5

TV-Serie: Ozark (Netflix)

Letzten Sommer ist „Ozark“ an mir vorbei gegangen, nun aber war Platz auf dem Serien-Speiseplan. Die Show dreht sich um einen „Finanzberater“ aus Chicago, der bei der Mafia (deren Geld er wäscht) in Ungnade fällt und mit seiner Familie im Hinterland der ‚Ozark Mountains‘ einen Neuanfang startet.

Einige Vorbilder bzw. Inspirationen sind „Ozark“ auf den ersten Blick anzusehen. Ein bisschen „Breaking Bad“ und „Sopranos“, dazu eine Prise „Weeds“ – doch zum Glück kann die Serie gut auf eigenen Beinen stehen. Das Szenario ist zwar wenig glaubwürdig, doch Handlung und Figuren sind stimmig entwickelt.

Zwischen Drama, Krimi und schwarzer Komödie angesiedelt ist „Ozark“ nicht nur unterhaltsam, sondern bietet auch einige bissige Kommentare zur generellen Lage der Dinge in den USA (und somit der westlichen Welt). In erster Linie aber ist den Machern gelungen, was für Netflix wohl das allerwichtigste ist – die Serie ist spannend und nimmt das Publikum schnell für sich ein.

Die besten Serien des Jahres 2017

Mittlerweile gehört diese Liste ebenso zum Pflichtprogramm des Blogs wie die „Top 10 Filme“. Ich habe mal wieder eine Menge Serien gesehen, mehr als ich eigentlich wollte. Hier sind nun die „Top 5“, in Kategorien eingeteilt – einerseits die „Neuerscheinungen“ (sowohl Mini-Serien als auch erste Staffeln), andererseits die Fortsetzungen … und ein seltener „Sonderpreis“.

Die 5 besten neuen Serien des Jahres 2017

Twin Peaks The Return PosterTwin Peaks – The Return
Man muss David Lynchs Art und Weise, Geschichten zu erzählen schon mögen. Sonst wird man mit seiner „Twin Peaks“-Fortsetzung wenig anfangen können.

Ich war und bin begeistert, trotz aller losen Handlungsstränge und ungelösten Rätsel – eine unvergleichliche Serie, ein spätes Meisterwerk. [Gilt mir als „neu“, weil es keine klassische „nächste Staffel“ ist…]


Legion PosterLegion
Aus dem Superhelden-Genre habe ich keine große Serien-Unterhaltung erwartet, und doch gibt es sie mit „Legion“. Die Geschichte einer Untergrundtruppe von Mutanten, die in einem schizophrenen Insassen einer Psychiatrie einer der ihren erkennt, ist spannend, einfallsreich und visuell top.

Lohnt sich auch für Menschen, die mit Action à la „Avengers“ nix anfangen können.

 


The Deuce PosterThe Deuce
Die neue Serie von David Simon funktioniert nach einem ähnlichen Muster wie dessen „The Wire“. Schauplatz ist New York, genauer die Straßen um den damals heruntergekommenen Times Square. Prostitution, Drogen und schäbige Bars bestimmen die Szenerie, als die Handlung der Serie 1971 einsetzt. Mittendrin entwickelt sich die Schmuddelfilm-Branche zur Pornoindustrie.

Wie das ganze zusammenhängt, und wer die treibenden Kräfte sind, das rückt langsam, aber sicher in den Fokus der Erzählung. Wie schon „The Wire“ nichts für Ungeduldige, aber für alle anderen äußerst sehenswert.


Mindhunter PosterMindhunter
Mitte der 70er Jahre kommen zwei FBI-Agenten auf die Idee, Serienkiller als gesonderte Verbrecher-Spezies zu klassifizieren. Gegen einige interne Widerstände machen sie sich daran, deren Verhaltensmuster und Handlungen zu erforschen. David Fincher (als Produzent und Regisseur von 4 Folgen) und seine Kollegen machen aus dem Stoff ein fesselnde Serie, die glaubwürdige Figuren entwickelt.

„Mindhunter“ ist stylisch, aber nicht oberflächlich, und setzt eher auf psychologische Tiefenschärfe als auf Schockeffekte, um die Faszination und den Schrecken ihres Sujets sichtbar zu machen.


Taboo
London, anno 1812. Der aus dem Militärdienst zurückgekehrte Erbe eines reichen Reeders gerät zwischen die Fronten von Regierung und der mächtigen ‚East India Company‘.

Die düstere und brutale Serie mischt dabei politisches und soziales Drama mit einer Portion dunkler Magie.


  • Außerdem empfehlenswert:13 Reasons Why, The Handmaid’s Tale, Dark, The Sinner, 4 Blocks
  • Noch nicht gesehen: Babylon Berlin

Die 5 besten fortgesetzten Serien des Jahres 2017

Mr. Robot
Durch die zweite Staffel habe ich mich ziemlich durch gequält, mit der dritten dann einfach mal angefangen. Und siehe da, „Mr. Robot“ hat das Comeback des Jahres hingelegt. Die Sache hat neuen Schwung bekommen, insbesondere die Story ist wieder fesselnd statt verwirrend, und die Zukunftsvision der Show ist beängstigend nah an der Realität.

Vergleichsweise düster ist „Mr. Robot“ dabei geblieben, einige Folgen der dritten Staffel gehörten zum Besten, was das „TV-„Jahr 2017 zu bieten hatte.


The Leftovers
Wer die ersten Staffeln kennt, der weiss, dass es definitiv keine leichte Aufgabe war, diese Show sauber zu „landen“. „The Leftovers“ hat es geschafft, die dritte Staffel ist ein sehenswerter Abschluss einer ungewöhnlichen Show.

Am Ende überwiegt ganz deutlich die Faszination gegenüber der (befürchteten) Frustration, weil die Macher sich und ihren Figuren treu geblieben sind.


Hap and Leonard Season 2Hap & Leonard
Hierzulande weitgehend unbekannt (läuft bei Amazon „Prime“) hat sich „Hap & Leonard“ in seiner zweiten Staffel noch einmal kräftig gesteigert. Die Show ist ernster geworden, und verpackt ihre deutlicher hervortretende Gesellschaftskritik im Gewand einer düsteren Krimi-Story.

Geblieben ist dagegen der Charme der beiden Hauptfiguren und das Setting im Osten von Texas in den 80er Jahren.


Fargo
Zum dritten und vorerst letzten Mal erzählt „Fargo“ eine krude Geschichte von mehr oder weniger durchschnittlichen Menschen, die in einen verbrecherischen Plot geraten, und sich darin ziemlich derbe darin verirren.

Auf dem schmalen Grad zwischen fesselndem Thriller/Drama und absurder Komik wandelt Staffel 3 souverän bis ins Ziel.


Stranger Things
Wie schon die erste Staffel überzeugt „Stranger Things“ auch dieses Jahr mit Atmosphäre und Spannung, nimmt sich dabei recht viel Zeit für die Figuren (vor allem in den ersten 6 Folgen), bevor die Story am Ende mächtig Fahrt aufnimmt.


Knapp dahinter: Better Call Saul, Sherlock

Sonderpreis: Beste (und einzige von mir gesehene) Doku-Serie des Jahres 2017

The Vietnam War
Ich bin nicht so der Doku-Fan, aber hier mache ich gerne eine Ausnahme. 18 Stunden lang erzählt die Serie die Vorgeschichte, den Verlauf, die Hintergründe und nicht zuletzt auch die Geschehnisse innerhalb der USA – ohne Vietnamkrieg keine Hippie-Kultur. Nicht alle Originalaufnahmen und -aussagen sind neu, trotzdem liefert „The Vietnam War“ nicht nur interessante Informationen, sondern stellt auch die vielen kleinen Tragödien des Konflikts heraus. Hierzulande bei arte nur in einer gekürzten Version zu sehen.

Kurzkritik: 4 Blocks (Serie, TNT)

4 Blocks PosterEine Gangsterserie, die direkt vor meiner Haustür spielt – da musste ich natürlich zugreifen. Und es hat sich durchaus gelohnt, „4Blocks“ ist spannende Fernseh-Unterhaltung, wenn auch nicht ohne Schwächen.

Im Zentrum der Handlung steht der libanesische Clan der Hamadis, der das Drogengeschäft in Neukölln und Kreuzberg beherrscht. Als ein alter Bekannter wieder auftaucht und es Ärger mit der Konkurrenz aus dem Wedding gibt, spitzen sich die Dinge für Ali „Tony“ Hamadi und seinen jähzornigen Bruder Abbas zu…

Ich kann nicht beurteilen, wie glaubwürdig die Darstellung der Berliner Unterwelt ist, aber darum geht es auch nicht. „4 Blocks“ variiert recht gekonnt die Konventionen des Genres (etwa den Konflikt zwischen den „zwei Familien“ eines echten Gangsters), lässt es auch mal krachen und setzt vor allem auf Spannung. Die Darsteller haben mir gefallen, auch wenn man vielen anhören konnte, dass sie nicht aus dem gezeigten Milieu stammen (sie geben sich aber alle Mühe, und das zählt…).

Für meinen Geschmack ist die Handlung einen Tick zu krass auf Krawall gebürstet, während einige Figuren (und ihre Beziehungen untereinander) etwas am Reißbrett entworfen wurden. Unter dem Strich aber absolut lohnenswert für alle, die deutsche Krimi-Stories außerhalb des Tatort-Formats zu schätzen wissen. Vielleicht schafft es ja die bereits beschlossene zweite Staffel Handlung und Figuren noch etwas feiner auszugestalten…

Kurzkritik: The Sinner (Serie, Netflix)

The Sinner PlakatDie junge Ehefrau und Mutter Cora (Jessica Biel) begeht aus heiterem Himmel einen grausamen Mord. Niemand kann sich erklären, was sie dazu gebracht haben könnte. Der Schlüssel scheint in einem dunklen Kapitel ihrer Vergangenheit zu liegen. Detective Ambrose (Bill Pullman) ist – im Gegensatz zum Rest der Strafbehörden – fest entschlossen, das Rätsel zu lösen, hat dabei aber auch mit eigenen Dämonen zu kämpfen.

„The Sinner“ kombiniert viele bekannte Motive von Krimis und Gerichtsdramen zu einem sehr spannenden, temporeichen TV-Thriller. Die innere Logik der mit vielen falschen Fährten gespickten Handlung (oft in Rückblenden von unzuverlässigen Erzählern geschildert) hält auch dank der guten Darsteller kritischer Betrachtung stand. Einzelne Ungereimtheiten fallen nur selten auf, weil die Wendungen und Überraschungen überzeugen können. Die richtige Wahl für alle Krimi- und Thriller-Fans.

Kurzkritik: Mindhunter (Serie, Netflix)

Mindhunter PosterQuantico, Mitte der Siebziger Jahre. Der junge FBI-Agent Holden bezweifelt, dass man Serienmördern mit den selben psychologischen Kniffen auf die Schliche kommt wie anderen Verbrechern. Bald reist er mit seinem älteren Kollegen Bill durch die USA um seine Kollegen zu schulen, und nebenbei Interviews mit inhaftierten Serienkillern zu führen – um die Erkenntnisse direkt in aktuelle Ermittlungen einbringen zu können.

Die Serie von David Fincher (Produzent und Regisseur von 4 Folge) und Joe Penhall (Drehbuch) ist stylisch, düster und spannend. Die großartigen, weitgehend unbekannten Darsteller sorgen für einen unverstellten Blick auf die interessant gezeichneten Figuren. Die verschiedenen Handlungsstränge entwickeln schnell einen hohen Suchtfaktor – keine andere Serienstaffel habe ich dieses Jahr so schnell durchgeguckt wie diese. David Fincher hat bereits mit „Se7en“ und „Zodiac“ gezeigt, dass er sich auf dieses Sub-Genre versteht, „Mindhunter“ braucht sich vor diesen nicht zu verstecken.

Kurzkritik: The Deuce (TV-Serie)

The Deuce PosterGute Nachrichten für alle Fans von „The Wire“: David Simons neue Serie „The Deuce“, in Deutschland zu sehen bei Sky.

Wie schon bei „The Wire“ erzählt die Serie in aller Ruhe von einem gesellschaftlichen Mikrokosmos. Am heruntergekommenen Times Square in Manhattan anno 1971 bestimmen Prostitution, Bars, Drogen und Porno-Kinos die Szenerie, die Mafia hat ihre Finger fast überall drin.

Die Serie folgt einer Reihe von Figuren, unter ihnen Maggie Gyllenhaal als desillusionierte, ambitionierte Prostituierte, und James Franco in einer Doppelrolle als Barbesitzer und Kleinganove.

Das Geschehen entwickelt sich langsam, und nimmt sein Milieu ganz genau unter die Lupe – mit genau dem Ansatz, der schon bei „The Wire“ überzeugen konnte. Für ungeduldige Serien-Fans ist „The Deuce“ daher definitiv nicht geeignet. Mir hat es sehr gut gefallen, Staffel 2 steht fest auf dem Plan für 2018.

Kurzkritik: Legion (Serie)

Legion PosterEine der besten neuen Serien der letzten Zeit ist definitiv „Legion“, in Deutschland auf dem  Fox Channel zu sehen. Die Serie ist ein Ableger aus dem „X-Men“-Universum, und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens David, der an Schizophrenie leidet. Zumindest denkt er das, bis sich in der geschlossenen Psychatrie einige mehr als nur merkwürdige Dinge abspielen. Plötzlich findet sich David im Kreise einer Gruppe von Mutanten wieder, die ihn als einen der ihren erkannt haben.

„Legion“ erzählt von Parallel-Universen, persönlichen Dämonen, fährt ‚Mindfucks‘ aller Art auf, sowie eine Task Force der Menschheit, die sich verzweifelt bemüht die Mutanten im Zaum zu halten. Es ist nicht ganz leicht, dabei den Überblick zu behalten – aber es ist anders als a  „Twin Peaks“ möglich. Man muss ohnehin nicht jede Szene verstehen, um die Stärken der Serie würdigen zu können.

Optisch im Stile der 70er Jahre gehalten, mit starken Effekten, die im Dienste der Story stehen, und dazu hervorragend gespielt überzeugt „Legion“ vor allem durch den Mut, das Publikum herauszufordern, mit phantasievollen Bildern und überraschenden Entwicklungen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, darf aber durchaus ’speziell‘ genannt werden. Mit verantwortlich für diesen Humor ist eine von Jermaine Clement („Flight of the Conchords“) gespielte und für die Kreativität der Serie exemplarische Figur, die dem Geschehen spät, aber nachhaltig ihren Stempel aufdrückt.

Wer angesichts der vielen neue Serien nicht so recht weiss, wo er anfangen soll – „Legion“ ist mehr als nur einen Blick wert, und gehört zu den wenigen neuen Shows, auf deren Fortsetzung ich mich tatsächlich freue.

American Gods – Season 1

American Gods PosterWorum gehts?

Um alte und neue Götter, Fabelwesen, ihr Verhältnis zur Menschheit, um ihre Geschichte … und Gegenwart. Aber auch um einen Ex-Häftling und seine (un)tote Frau, die sich plötzlich mitten unter diesen ominösen Gestalten wiederfinden und durch einen recht wirren, mit vielen Rückblenden ausgestatteten Plot jagen.

Taucht das was?

Stylisch ist „American Gods“, produziert vom US-Sender Starz und hierzulande bei Amazon Video zu sehen, allemal. Den künstlichen Hochglanz-Look (irgendwo zwischen „300“ und „Thor“) voller Sex und Gewalt muss man allerdings mögen. Mir hat es durchaus gefallen, aber ob ich da noch eine Staffel von sehen will (es wird eine geben) wage ich zu bezweifeln…

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