Für die beliebten „Recaps“ von Serien, die ich gerade schaue, fehlt mir leider die Zeit. Daher schreibe ich nur sehr unregelmäßig kurze Beiträge über meinen aktuellen Serienspeiseplan, und ob es mir gerade mal wieder geschmeckt hat oder nicht…

Kurzkritik: 4 Blocks (Serie, TNT)

4 Blocks PosterEine Gangsterserie, die direkt vor meiner Haustür spielt – da musste ich natürlich zugreifen. Und es hat sich durchaus gelohnt, „4Blocks“ ist spannende Fernseh-Unterhaltung, wenn auch nicht ohne Schwächen.

Im Zentrum der Handlung steht der libanesische Clan der Hamadis, der das Drogengeschäft in Neukölln und Kreuzberg beherrscht. Als ein alter Bekannter wieder auftaucht und es Ärger mit der Konkurrenz aus dem Wedding gibt, spitzen sich die Dinge für Ali „Tony“ Hamadi und seinen jähzornigen Bruder Abbas zu…

Ich kann nicht beurteilen, wie glaubwürdig die Darstellung der Berliner Unterwelt ist, aber darum geht es auch nicht. „4 Blocks“ variiert recht gekonnt die Konventionen des Genres (etwa den Konflikt zwischen den „zwei Familien“ eines echten Gangsters), lässt es auch mal krachen und setzt vor allem auf Spannung. Die Darsteller haben mir gefallen, auch wenn man vielen anhören konnte, dass sie nicht aus dem gezeigten Milieu stammen (sie geben sich aber alle Mühe, und das zählt…).

Für meinen Geschmack ist die Handlung einen Tick zu krass auf Krawall gebürstet, während einige Figuren (und ihre Beziehungen untereinander) etwas am Reißbrett entworfen wurden. Unter dem Strich aber absolut lohnenswert für alle, die deutsche Krimi-Stories außerhalb des Tatort-Formats zu schätzen wissen. Vielleicht schafft es ja die bereits beschlossene zweite Staffel Handlung und Figuren noch etwas feiner auszugestalten…

 

 

 

Kurzkritik: The Sinner (Serie, Netflix)

The Sinner PlakatDie junge Ehefrau und Mutter Cora (Jessica Biel) begeht aus heiterem Himmel einen grausamen Mord. Niemand kann sich erklären, was sie dazu gebracht haben könnte. Der Schlüssel scheint in einem dunklen Kapitel ihrer Vergangenheit zu liegen. Detective Ambrose (Bill Pullman) ist – im Gegensatz zum Rest der Strafbehörden – fest entschlossen, das Rätsel zu lösen, hat dabei aber auch mit eigenen Dämonen zu kämpfen.

„The Sinner“ kombiniert viele bekannte Motive von Krimis und Gerichtsdramen zu einem sehr spannenden, temporeichen TV-Thriller. Die innere Logik der mit vielen falschen Fährten gespickten Handlung (oft in Rückblenden von unzuverlässigen Erzählern geschildert) hält auch dank der guten Darsteller kritischer Betrachtung stand. Einzelne Ungereimtheiten fallen nur selten auf, weil die Wendungen und Überraschungen überzeugen können. Die richtige Wahl für alle Krimi- und Thriller-Fans.

Kurzkritik: Mindhunter (Serie, Netflix)

Mindhunter PosterQuantico, Mitte der Siebziger Jahre. Der junge FBI-Agent Holden bezweifelt, dass man Serienmördern mit den selben psychologischen Kniffen auf die Schliche kommt wie anderen Verbrechern. Bald reist er mit seinem älteren Kollegen Bill durch die USA um seine Kollegen zu schulen, und nebenbei Interviews mit inhaftierten Serienkillern zu führen – um die Erkenntnisse direkt in aktuelle Ermittlungen einbringen zu können.

Die Serie von David Fincher (Produzent und Regisseur von 4 Folge) und Joe Penhall (Drehbuch) ist stylisch, düster und spannend. Die großartigen, weitgehend unbekannten Darsteller sorgen für einen unverstellten Blick auf die interessant gezeichneten Figuren. Die verschiedenen Handlungsstränge entwickeln schnell einen hohen Suchtfaktor – keine andere Serienstaffel habe ich dieses Jahr so schnell durchgeguckt wie diese. David Fincher hat bereits mit „Se7en“ und „Zodiac“ gezeigt, dass er sich auf dieses Sub-Genre versteht, „Mindhunter“ braucht sich vor diesen nicht zu verstecken.

Kurzkritik: The Deuce (TV-Serie)

The Deuce PosterGute Nachrichten für alle Fans von „The Wire“: David Simons neue Serie „The Deuce“, in Deutschland zu sehen bei Sky.

Wie schon bei „The Wire“ erzählt die Serie in aller Ruhe von einem gesellschaftlichen Mikrokosmos. Am heruntergekommenen Times Square in Manhattan anno 1971 bestimmen Prostitution, Bars, Drogen und Porno-Kinos die Szenerie, die Mafia hat ihre Finger fast überall drin.

Die Serie folgt einer Reihe von Figuren, unter ihnen Maggie Gyllenhaal als desillusionierte, ambitionierte Prostituierte, und James Franco in einer Doppelrolle als Barbesitzer und Kleinganove.

Das Geschehen entwickelt sich langsam, und nimmt sein Milieu ganz genau unter die Lupe – mit genau dem Ansatz, der schon bei „The Wire“ überzeugen konnte. Für ungeduldige Serien-Fans ist „The Deuce“ daher definitiv nicht geeignet. Mir hat es sehr gut gefallen, Staffel 2 steht fest auf dem Plan für 2018.

Kurzkritik: Legion (Serie)

Legion PosterEine der besten neuen Serien der letzten Zeit ist definitiv „Legion“, in Deutschland auf dem  Fox Channel zu sehen. Die Serie ist ein Ableger aus dem „X-Men“-Universum, und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens David, der an Schizophrenie leidet. Zumindest denkt er das, bis sich in der geschlossenen Psychatrie einige mehr als nur merkwürdige Dinge abspielen. Plötzlich findet sich David im Kreise einer Gruppe von Mutanten wieder, die ihn als einen der ihren erkannt haben.

„Legion“ erzählt von Parallel-Universen, persönlichen Dämonen, fährt ‚Mindfucks‘ aller Art auf, sowie eine Task Force der Menschheit, die sich verzweifelt bemüht die Mutanten im Zaum zu halten. Es ist nicht ganz leicht, dabei den Überblick zu behalten – aber es ist anders als a  „Twin Peaks“ möglich. Man muss ohnehin nicht jede Szene verstehen, um die Stärken der Serie würdigen zu können.

Optisch im Stile der 70er Jahre gehalten, mit starken Effekten, die im Dienste der Story stehen, und dazu hervorragend gespielt überzeugt „Legion“ vor allem durch den Mut, das Publikum herauszufordern, mit phantasievollen Bildern und überraschenden Entwicklungen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, darf aber durchaus ’speziell‘ genannt werden. Mit verantwortlich für diesen Humor ist eine von Jermaine Clement („Flight of the Conchords“) gespielte und für die Kreativität der Serie exemplarische Figur, die dem Geschehen spät, aber nachhaltig ihren Stempel aufdrückt.

Wer angesichts der vielen neue Serien nicht so recht weiss, wo er anfangen soll – „Legion“ ist mehr als nur einen Blick wert, und gehört zu den wenigen neuen Shows, auf deren Fortsetzung ich mich tatsächlich freue.

American Gods – Season 1

American Gods PosterWorum gehts?

Um alte und neue Götter, Fabelwesen, ihr Verhältnis zur Menschheit, um ihre Geschichte … und Gegenwart. Aber auch um einen Ex-Häftling und seine (un)tote Frau, die sich plötzlich mitten unter diesen ominösen Gestalten wiederfinden und durch einen recht wirren, mit vielen Rückblenden ausgestatteten Plot jagen.

Taucht das was?

Stylisch ist „American Gods“, produziert vom US-Sender Starz und hierzulande bei Amazon Video zu sehen, allemal. Den künstlichen Hochglanz-Look (irgendwo zwischen „300“ und „Thor“) voller Sex und Gewalt muss man allerdings mögen. Mir hat es durchaus gefallen, aber ob ich da noch eine Staffel von sehen will (es wird eine geben) wage ich zu bezweifeln…

Serien-Kritik: Twin Peaks – The Return

Twin Peaks The Return PosterIch war gleichermaßen erfreut wie skeptisch, als ich erfuhr, dass David Lynch eine Fortsetzung von“Twin Peaks“ dreht. Von der Serie, ohne die die heutige ‚goldene Ära‘ der Fernsehserien nicht vorstellbar wäre. Würde Lynch in der Lage sein, die eigene Legende fortzuführen, ohne sich zu wiederholen?

Obwohl „The Return“ nicht ohne Macken ist waren alle Zweifel unbegründet. Die Serie ist – mindestens für Lynch-Fans – das mit Abstand Beste und Spannendste, was in diesem Jahr bisher über die Bildschirme geflimmert ist.

Schon in den ersten Folgen von „Twin Peaks – The Return“ wird deutlich, dass Lynch und Autor Mark Frost definitiv nicht vor haben, die Story im Stile des Originals fortzuführen. Spätestens mit der schon jetzt legendären achten Episode „White Light White Heat“ (eher Experimentalfilm als Serienfolge) ist klar, dass der Publikumserfolg kein wichtiger Faktor für die Macher war.

Das Unterbewusste, Träume, die Entstehung und Ausübung von Gewalt, das Doppelgänger-Motiv, non-lineare Erzählungen, surreale Sequenzen und Effekte – Lynch feuert in „The Return“ aus allen Rohren. Die Story der Serie ist nicht kompliziert im klassischen Sinne, sie entzieht sich (zumindest auf den ersten Blick) jeder klassischen Handlungslogik.

Es ist allein oft nicht auszumachen, welche Handlungsstränge und Personen eigentlich „dazu“ gehören. Da passieren Dinge, die allem Anschein nach zentral für den Plot sind, sich aber später als reine Randerscheinungen entpuppen. Und denen Lynch nicht mal den Versuch einer Erklärung hinterher schickt. Unzählige völlig groteske Dinge passieren einfach so. Man kennt das vom Regisseur, zum ‚Mainstream‘ aber taugt die Serie schon deshalb nicht.

Nun hat man in den letzten Jahren viele gute Serien gesehen, die sich etwas getraut haben, die mit Konventionen gebrochen haben, und ihr Publikum nicht nur unterhalten, sondern fordern wollten. „Twin Peaks – The Return“ geht einen Schritt weiter. Die Show unterläuft ständig die Erwartungen des Publikums, setzt dabei auf visuelle Effekte, die völlig außerhalb jeder etablierten Ästhetik liegen – ohne bemüht ‚hip‘ zu wirken. Sie lässt sich zudem an vielen Stellen als süffisanter bis bissiger Kommentar auf die Form der Unterhaltung verstehen, der sie selbst angehört.

An vielen Stellen könnte die Serie in völlig andere Richtungen gehen als sie es dann tut. Überall an ihren Rändern liegen potentielle Welten und Geschichten. Den einen, vermeintlich „stimmigen“ oder gar „logischen“ Weg, den die (eine) Story gehen muss, gibt es schlicht nicht.

Die vielen ins Leere laufenden Handlungsstränge muss man nicht mögen, aber sie sind definitiv nicht zufällig da. Ihr ’nicht-weitergeführt-werden‘ ist ein wichtiger Teil des Plans, denn Lynch ist an einer linearen Erzählung, bei der am Ende alle Stränge zusammen laufen, nicht interessiert. Die Story von „Twin Peaks“ – so verstehe ich auch das Ende – hat keinen Anfang und kein Ende. Sie steht eher zeitlos im Raum.

(Hier klicken alle, die es genauer wissen und verstehen wollen.)

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Lynch den Fans einige echte „Geschenke“ macht (Norma und Eds großer Moment, Dale Coopers „Rückkehr“, das ‚kleine Finale‘ im Büro des Sheriffs, alle Szenen mit Lucy, Andy, Hawk und der Log Lady, um nur einige zu nennen), und er die Geschichte um die dunkle Macht aus der Black Lodge tatsächlich weiterführt (oder zumindest fortsetzt).

Wie fast alle Fans der Serie finde ich es äußerst schade, dass einige der alten Figuren nur als rätselhafte Randerscheinungen auftauchen. Auch dass Agent Cooper über weite Strecken nur als grenzdebile Reinkarnation Dougie Jones in einem unterhaltsamen, aber wenig weiterführenden Subplot zu sehen ist, ging mir mit zunehmender Dauer auf die Nerven (auch wenn Kyle MacLachlan das großartig spielt, und ja zusätzlich als „Evil Cooper“ zu sehen ist).

Nicht zuletzt ist der Ton kühler geworden, denn die ‚Neuzugänge‘ von „The Return“ sind keine liebevoll entworfenen Charaktere wie der Großteil der alten Garde – und auch weit weniger sympathisch.

Und doch bin ich von „Twin Peaks – The Return“ äußerst begeistert. Es gab kaum eine Folge ohne großartigen „WTF?!“-Moment, immer wieder schien wunderbar warmer, leiser Humor durch. Visuell außergewöhnlich und oft unvorhersehbar hat die Serie gezeigt, was wahrhaft kreative Unterhaltung sein kann, wenn man es versteht ihre Kräfte zu entfesseln.

 

 

 

Kurzkritik: Game of Thrones Staffel 7

Game of Thrones Season 7 PosterIch war wie viele Zuschauer der Serie überrascht ob des neuerdings immens hohen Tempos der Serie, und enttäuscht über die damit einhergehenden Abstriche bei der Figurenentwicklung, sowie der gesunkenen Qualität der Dialoge. Es scheint leider, als könnten die Macher das erzählerische Niveau der bisherigen sechs Staffeln nicht halten.

Stattdessen ist nun Action angesagt, es gibt Schlachten, Gipfeltreffen, Verhandlungen, Allianzen und eine zentrale Love-Story, die unausweichlich war, aber doch nicht so richtig überzeugen kann. Schade.

Andererseits musste die längste Exposition der Fernsehgesichte auch irgendwann mal ein Ende finden. Dass es am Ende krachen würde war klar, und nun ist es eben soweit. Warum es nicht möglich war, sich dafür zumindest drei Folgen mehr Zeit zu nehmen, bleibt allerdings unklar.

So hetzt „Game of Thrones“ hier fast schon auf das Ende zu, Entwicklungen und Entfernungen, die in früheren Staffeln Stoff für mehrere Folgen gewesen wären, werden nun oft direkt in einer einzigen Folge abgefrühstückt.

Doch zum Glück hat die Serie großartige Vorarbeit geleistet, Spannung und Konflikte aufgebaut, dass es immer noch eine Freude ist, das Pulverfass Westeros nun (gefühlt im Zeitraffer) explodieren zu sehen. Einige Handlungsstränge und Figuren (Sansa und Arya in Winterfell, Sam in der Zitadelle, Jamies innerer Kampf) haben mehr Spaß gemacht, andere weniger, auch weil die Logik oft auf der Strecke blieb.

Die letzten sechs Folgen können anno 2018 kommen, ich freu mich drauf. Und dann darf es auch vorbei sein.

‚Serien vs. Filme‘ – Unspektakuläre Beobachtungen

Es wird niemanden groß überraschen, wenn ich zu Protokoll gebe, dass ich in den letzten 10 Jahren eine ganze Menge Fernsehserien gesehen habe. Mit dem Start von „Weeds“ (2005), „Dexter“ (2006), „Mad Men“ (2007), „Californication“ (2007) und „Breaking Bad“ (2008) begann sich in meinem persönlichen Konsumverhalten das Verhältnis zwischen Spielfilmen und Kino langsam zu drehen.

Spätestens seit dem Start von „Game of Thrones“, „Homeland“ oder „House of Cards“ (um nur die bekanntesten zu nennen) einige Jahre später gucke ich mehr Serien als Filme. Je mehr gute Shows es plötzlich gab, desto weniger sehenswerte Filme erschienen. Was so nicht ganz stimmt, denn es gab und gibt auch andere (unspektakuläre persönliche) Gründe, warum ich seltener ins Kino gehe.

Wenn ich mich im Bekanntenkreis umschaue, bin ich alles andere als ein Einzel- oder Sonderfall. Ohne einen besonderen Aufhänger beschäftige ich in diesem Beitrag mal mit der Frage, was sich für Film- und Serienfreunde in den letzten Jahren eigentlich geändert hat.


Bequemlichkeit vs. „Erlebnis Kino“

Der Konsum einer Serienfolge hat viele praktische Vorteile gegenüber dem Kinobesuch. Der Spaß dauert insgesamt maximal eine Stunde, ist (meist) günstiger, zudem auch spontan und alleine möglich. Je nach Anbieter und Serie kann man einfach mal zwei Folgen am Stück gucken (oder gleich die ganze Staffel), oder auch „STOP“ drücken, wenn das Telefon klingelt oder man müde ist.

Für den Alltag von berufstätigen Menschen sind das alles wichtige Argumente. Denn ins Kino zu gehen ist – selbst für einen verwöhnten Großstädter – mit vielen nervigen Zugeständnissen verbunden. Da laufen die Filme gerne eher zu spät (alles nach 20:00 Uhr). Denn weil ja erst noch mindestens eine halbe Stunde Werbung läuft, ist ein gut zwei Stunden langer Film (eher die Regel als die Ausnahme) dann erst gegen 23:00 Uhr vorbei, man selbst kurz vor Mitternacht zuhause. Das ist kein wirkliches Problem, aber je nach (kommendem) Arbeitstag eben auch oft nicht ideal. Will sagen, nicht bequem.

Immer mehr Menschen haben zudem keine Lust mehr, im Kino ihr Smartphone wegzulegen, oder unterhalten sich während des Films. Außerdem riecht es gerne mal nach Popcorn und diesen widerlichen „Käse“-Nachos. Die Preise sind hierzulande noch im Rahmen, trotzdem kostet ein Ticket im Vergleich oft mehr als ein Monat Netflix.


Konzentration im Kino vs. „Second Screen“ zuhause

Ein deutlicher Vorteil des Kinos wiederum liegt in der Qualität von Bild und Ton. Selbst im Nebensaal eines Neuköllner Indie-Kinos ist die Leinwand 5 mal größer und der Sound satter als auf dem gut ausgestatteten Heimkino. Diesen „Larger-than-Life“-Effekt wird man zuhause auch mit einem Beamer nicht erreichen. Ganz zu schweigen von dem gemeinsamen Erlebnis, mit vielen fremden Leuten gemeinsam einen Film zu schauen – mit den entsprechenden Reaktionen von kollektivem Staunen, Gelächter oder Tränen.

Sofern man selbst nicht zu den totalen Smartphone-Junkies gehört (und sich alle im Saal einigermaßen benehmen) bietet das Kino auch mehr Ruhe, sich auf einen Film einzulassen. Da kann auch ein Drama mal gemächlich starten und seine erzählerischen Stärken ausspielen, ohne dass man nach maximal 10 Minuten beginnt, Nachrichten zu schreiben oder die News zu checken.

Genau diese Freiheiten, die man auf dem Sofa durchaus geniesst, sorgen dafür, dass es kleinere, ruhige Filme schwerer haben als früher. Sie sind zwar überall verfügbar, doch erfordern ein Maß der Konzentration und (ein großes Wort, ich weiss) Hingabe, das kaum jemand aufbringt, der zuhause – am besten auf dem Laptop – einen Film anschmeisst. Das Ablenkungspotential von Smartphone oder Tablet ist oft zu groß, es fühlt sich auch nicht nach „großem Kino“ an. Viele gucken auch ganz absichtlich nur „nebenbei“. Das kann bei „The Waking Dead“ noch einigermaßen funktionieren, bei „Rectify“ braucht man so gar nicht erst anfangen.

Das kann ich auch wunderbar bei mir selbst beobachten, denn ich versuche mich deutlich seltener an kleineren Dramen als noch vor ein paar Jahren. Und bis zu dreistündige Schinken wie zuletzt etwa Martina Scorseses „Silence“ oder auch „Manchester by the Sea“ gucke ich oft in zwei Etappen – mache also quasi selbst eine Miniserie draus.


Markt & Angebot

Während es im Kino oft über Wochen und Monate keinen Film gibt, den ich dringend sehen möchte (zumindest nicht dringend genug, wenn ich die dazugehörigen „Hürden“ bedenke) ist das Angebot bei den Serien immens gewachsen. Aktuell sind bei mir etwa „Game of Thrones“ und die Fortführung von „Twin Peaks“ im Rennen um den Titel ‚Serie des Jahres‘, weiter geht es demnächst mit so unterschiedlichen Stoffen wie „Mr. Robot“, „Top of the Lake“ und „Westworld“. Zudem liefen 2017 bereits neue Staffeln von „Better Call Saul“, „Fargo“, „Hap & Leonard“ und „The Leftovers“, mit „Taboo“, „13 Reasons Why“ oder „The Handmaids Tale“ liefen auch spannende neue Serien an.

Zum Vergleich: ich war bisher dieses Jahr dreimal im Kino („Ghost in the Shell“, „Trainspotting 2“, „Logan“), ein Ausblick bis Weihnachten lässt darauf schließen dass noch etwa vier Besuche dazukommen. Das bestätigt den Abwärts-Trend der letzten Jahre, und meine persönliche Faulheit kann nicht allein Schuld sein.

Schließlich schaue ich die neuen Werke einer Reihe von Regisseuren weiterhin fast immer im Kino. Doch auch die sind zum Teil eher mit Serien beschäftigt (Steven Soderbergh hat „The Knick“ gedreht, Woody Allen „Crisis in 6 Scenes“, die Coens drehen aktuell eine Western-Miniserie für Netflix).


Hollywood und der „Mega-Blockbuster“

Eine Folge dieser Entwicklungen ist sicherlich Hollywoods Besessenheit mit unfassbar teuren Blockbustern und dem Recycling bekannter Stoffe. Neu ist das ist nicht wirklich, es wird aber extremer. Dass man eine erfolgreiche Filmreihe mal 5 Jahre liegen lässt, bevor ein neuer Teil erscheint, war früher üblich (zwischen „Stirb langsam 2“ und dem Nachfolger liegen fünf Jahre, zwischen den ersten beiden „Terminator“-Filmen gar sieben).

Neuerdings läuft es eher wie bei „Spider-Man“, da folgte auf die erste (neuere) Trilogie von 2002 bis 2007 gleich ein Reboot mit zwei Filmen (2012 und 2014), und dieses Jahr geht bereits der dritte Darsteller mit der dritten Filmreihe („Spider-Man – Homecoming“ als Teil der „Avengers“-Filme) innerhalb von 15 Jahren ins Rennen.

Disney schlachtet derweil das „Star Wars“-Franchise aus, und ist damit kommerziell unfassbar erfolgreich. Die Filme haben jedoch eher nostalgische Qualitäten, als dass sie irgendwie als „Zukunft des Kinos“ gelten könnten.

Produktionen mit kleinen und mittleren Budgets sind dagegen seltener geworden, weil die großen Studios darin kein Geschäft mehr sehen (bzw. keines mehr damit machen können), was definitiv schade ist. Andererseits werden Netflix, Amazon und Co diese Lücke vielleicht schon bald schließen, denn sie brauchen gute Inhalte, um Abonnenten zu halten/werben. Das schmeckt zwar den Kinobetreibern nicht (weil eine Auswertung dort nur noch eine untergeordnete Rolle spielt), hat aber auch Vorteile.

So müssen sich beim Geschäftsmodell mit Streaming-Abos nicht alle selbst produzierten Filme und Serien einzeln rechnen. Es geht auch ums Prestige, als Filmproduzent ernst genommen zu werden. Gerade bei Amazon geht es zudem darum, Konsumenten ins eigene Ökosystem zu ziehen und insgesamt mit Gewinn herauszugehen. Einzelne Sparten als „Lockvögel“ einzusetzen ist durchaus denkbar.

Es ist also durchaus möglich, dass so einige spannende Filme entstehen, bei denen sich talentierte Regisseure ohne großen kommerziellen Druck ausprobieren können. Oft sind die beiden Dienste aber auch nur als Produzenten dabei, um sich früh die weltweiten Streaming-Rechte von interessanten Stoffen zu sichern.


Schöne neue Serien-Welt

Was zunächst bei Kabelsendern wie HBO oder Showtime, inzwischen auch bei Netflix, Amazon und vielen anderen in den letzten Jahren an Serien produziert wurde, ist wiederum definitiv eine Bereicherung für die Zuschauer. Die Erzählform wurde mit den „Sopranos“ oder „The Wire“ ernster und anspruchsvoller, hat sich dabei u. a. vom Prinzip der ‚inneren Geschlossenheit‘ der einzelnen Folgen freigemacht (wie vorher nur „Twin Peaks“, der Mutter aller modernen Fernsehserien). Und damit auch neue Zielgruppen erschlossen. Nämlich den Teil des Publikums, der über Serien wie „Akte X“ oder „Ally McBeal“ nur verächtlich die Nase gerümpft hat und lieber ins Kino gegangen ist.

Ein unbestreitbarer Vorteil von Serien im Vergleich zu Filmen ist die größere Tiefe, mit der sie in ihre Stoffe und Figuren einsteigen können. „Mad Men“ porträtiert ein ganzes Jahrzehnt, „Game of Thrones“ leistet sich gut zwei Dutzend Hauptfiguren – in Filmen ist sowas schlicht nicht möglich.

Dass Kabelsender und Streaming-Dienste keine einzelnen Eintrittskarten verkaufen macht es wiederum leichter, auch mal ein Risiko einzugehen. Auf ein „Game of Thrones“ kommen bei HBO auch vier weniger erfolgreiche Shows, aber solange das Publikum insgesamt dabei bleibt geht die Rechnung auf.

Doch das Modell hat auch Nachteile. Etwa wenn Stoffe über Jahre weiter entwickelt werden, weil das Publikum begeistert ist – und die Serie dann kein passendes Ende findet, weil den Produzenten und Autoren die Ideen ausgehen. Oder sie sich nicht einig sind. So ging es mir zum Beispiel mit „Dexter“, einer herrlichen Serie, die etwa um die 5. oder 6. Staffel herum ein Ende hätte finden müssen. Stattdessen gab es noch weitere unbefriedigende Staffeln und schliesslich ein verkorkstes Finale. Bei „Weeds“ und „Californiation“ nahm die Qualität so stetig ab, dass ich das Ende jeweils nicht mal mehr erlebt habe.

Die Gefahr, dass eine Serie grandios beginnt, sich dann bei Erfolg schier endlos verlängert, nur um dann im erzählerischen Sande zu verlaufen, ist also immer gegeben. Ebenso können Shows, die einen begeistern, nach der ersten Staffel direkt wieder vorbei sein. Und dann ohne ordentliches Ende, weil die Produzenten gehofft hatten, sie könnten weitermachen. Die besten Serien der letzten Jahre zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie die Spannung (bzw. das Niveau) bis zum Finale halten konnten. So war es bei „Mad Men“, „Breaking Bad“, auch bei „Rectify“ oder „The Leftovers“.


Rezensionen sind Mangelware

Eine Schwierigkeit bei Serien ist es, diejenigen zu entdecken, die sich wirklich lohnen. Zwar gibt es Indikatoren wie die IMDb-Ratings, nicht jedoch eine mit der Filmkritik vergleichbare Rezensionskultur. Zwar geben sich die Journalisten alle Mühe, doch ihr Sujet macht es ihnen nicht gerade einfach. Einen Film hat man in zwei Stunden gesehen und kann ihn (relativ) abschließend bewerten.

Aber wie soll man das bei einer Serie tun, von der man nur vorab vier Folgen zur Kritik vorgelegt bekommt? Bis zum Ende der Staffel kann man mit der Kritik wiederum nicht warten, weil die Information dann veraltet ist (was nicht so ganz stimmt). So gibt es relativ wenige Websites, die vernünftige Orientierung bieten. Für Tipps zu diesem Thema bin ich dankbar, ab in die Comments damit. Selbst habe ich aktuell nur diesen hier.

Stattdessen haben sich die „Recaps“ zu einzelnen Folgen durchgesetzt, die am Tag nach der Ausstrahlung das Geschehen zusammenfassen und interpretieren, inzwischen auch oft mit einer Bewertung (ziemlich sinnlos, da man ja schlecht bewertete Folgen kaum weglassen kann und wird). Das sind oft lesenswerte Beiträge, aber sie helfen einem nicht dabei zu entscheiden, ob man eine Serie sehen will oder nicht.

Netflix oder Amazon wollen ihre Kunden verständlicherweise ohnehin lieber nach dem „Wer X mochte wird auch Y mögen“-Prinzip durch das eigene Programm lotsen. Die dafür verwendeten Algorithmen sind schon ziemlich gut, aber fischen eben nur im eigenen Teich.

Es bleibt also oft nur ausprobieren. Wer wissen will, welche Shows mir zuletzt besonders gefallen haben, der kann das hier nachlesen:

 

Neue Miniserie: Seven Types of Ambiguity

Solide Verfilmung eines aus mehreren Perspektiven erzählten psychologischen Thrillers des australischen Autors Elliot Perlman. Weil ein paar brisante Aspekte der Handlung (sowie ein ganzes Kapitel) wegfallen, ist die Serie deutlich zahmer als das Buch – was schade ist. Es bleibt aber eine interessante, spannende und gut gespielte Serie, wenn auch nicht alle Darsteller das Format von Hugo Weaving („Matrix“, „Herr der Ringe“) haben. Wo und ob die Serie in Deutschland laufen wird konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

TV-Serien – Aktuelle Kurzkritiken

Hap and Leonard Season 2

Bevor am Sonntag mit „Game of Thrones“ der Platzhirsch unter den TV-Serien weitergeht, hier eine kleine Übersicht aller Serien, die mir dieses Jahr vor die Flinte gelaufen sind. „House of Cards“, „The Walking Dead“ und „Homeland“ habe ich allesamt nicht weiter gesehen, falls die jemand vermisst…

Zu den aktuell laufenden und noch kommenden Serien („Game of Thrones“, „Twin Peaks“, usw.) schreibe ich dann voraussichtlich im Herbst ein paar Zeilen.

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13 Reasons Why [Tote Mädchen Lügen Nicht] (Staffel 1 /Netflix)

Die Serie erzählt vom Suizid einer Schülerin, mischt dabei ausgiebige Rückblenden mit den Entwicklungen in der Gegenwart. Das große Ensemble der Jungdarsteller überzeugt ebenso wie die spannende, unterhaltsame und doch immer niveauvolle Art der Erzählung und das präzise Timing.

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Better Call Saul (Staffel 3 / Netflix)

Nach dreieinhalb Staffeln kommt er, fast wie nebenbei – der Moment, in dem aus Jimmy McGill Saul Goodman wird. Allein deshalb lohnenswert, aber auch ansonsten kann Staffel 3 das Niveau halten.

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Big Little Lies (Staffel 1 / Sky)

Ein interessanter erzählerischer Ansatz (ein vorweg genommener Mord, über den das Publikum bis zum Ende rätseln muss) und ein spannendes Thema (häusliche Gewalt), doch der Funke springt nicht so recht über. Überzeugen tun jedoch die Darsteller.

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Billions (Staffel 2 / Sky)

Die zweite Staffel bot weitgehend „more of the same“ (niveauvolle Finanz-Thriller-Seifenoper), konnte jedoch mit einem unterhaltsamen Plot und den insgesamt gelungenen Figuren überzeugen.

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Fargo (3. Staffel / Netflix)

Auch beim dritten „Neubeginn“ macht diese Serie fast alles richtig, wieder glänzt ein starkes Darsteller-Ensemble in einer etwas skurrilen Story. Wenige Serien haben so eine unverkennbare erzählerische Handschrift wie „Fargo“, und das liegt längst nicht nur an den vielen Querverweisen ins filmische Universum der Coen-Brüder.

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Hand of God (Staffel 2 / amazon)

Insgesamt eine eher enttäuschende Staffel, weil keiner der weiterentwickelten Handlungsstränge wirklich zu fesseln vermag. Immerhin wussten die Macher, dass es die letzte Staffel sein würde und konnten die Sache insgesamt noch zufriedenstellend beenden.

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Hap & Leonard (Staffel 2 / amazon)

Lässig & witzig, dabei aber nicht albern und tatsächlich spannend. Die zweite Staffel von „Hap & Leonard“ war noch besser als die erste – hier geht es hoffentlich auf diesem Niveau weiter...

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Sherlock (Staffel 4 / iTunes, amazon, ARD)

Am Ende der drei Folgen hat „Sherlock“ die Grenze zur Selbstparodie mehr als eindeutig überschritten, trotzdem gehört die Serie weiterhin zum unterhaltsamsten Stoff, den das Fernsehen je produziert hat.

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Sneaky Pete (Staffel 1 / amazon)

Einen Versuch war es wert, aber mehr auch nicht. „Sneaky Pete“ ist – sofern man das nach drei Folgen beurteilen kann – keine schlechte Serie. Angesichts der großen Konkurrenz fühlte sich die Show trotzdem ein bißchen wie Zeitverschwendung an, daher habe ich hier früh die Reißleine gezogen…

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Taboo (Staffel 1 / amazon)

Historische Serien umfahre ich meist weiträumig, für „Taboo“ habe ich aber gerne eine Ausnahme gemacht. Die Story um den Erben eines reichen Reeders ist spannend, die Inszenierung nichts für schwache Mägen, und auch die Abstecher ins Übernatürliche passen hier gut rein.

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The Affair (Staffel 3 / amazon)

Die Unbeständigkeit ist wohl die größte Konstante dieser Serie, und sorgt auch in Staffel 3 für einige großartige und einige merkwürdig unpassende Entwicklungen der Story. Insgesamt aber weiterhin auf einem hohen Niveau und psychologisch interessant, dazu grandios gespielt – ich werde dabei bleiben…

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The Handmaid’s Tale (Staffel 1 / unklar)

Auch wenn ich die zugrunde liegende Dystopie nicht ganz schlüssig finde, war die Adaption von Margaret Atwoods gleichnamigen Roman durchaus sehenswert. Es bleibt abzuwarten, ob die Serie in der zweiten Staffel einen überzeugenden Weg findet, die Story fortzusetzen – der Roman wird, soweit ich das verstanden habe, in Staffel eins bereits zu Ende erzählt.

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The Leftovers (Staffel 3 / Sky)

Die finale Staffel von „The Leftovers“ ist für mich eine positive Überraschung. Denn es gelingt tatsächlich, die an Sprüngen, Verwirrungen und offenen Fragen nicht arme Story zu einem absolut befriedigenden Ende zu bringen. Die Stärke der Show waren immer die Figuren, und genau diese stehen im Mittelpunkt der finalen acht Folgen. Was nicht heisst, dass es im Universum von „The Leftovers“ langweilig geworden wäre. Doch die wilde Fahrt um die halbe Welt (und in einige andere „Welten“) endet auf einer zutiefst menschlichen und vortrefflich passenden Note.

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The Man in the High Castle (Staffel 2 / amazon)

So richtig war mir nicht nach weitergucken, denn die erste Staffel war mir irgendwie zu unfokussiert und fahrig. Ich habe dann doch weitergeschaut, und bin zufrieden mit meiner Entscheidung. Die Richtung stimmt in Staffel 2, das Geschehen nimmt ordentlich Fahrt auf…

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The Red Road (Staffel 1 & 2 / amazon)

Eine mutige Mischung aus Krimi-Drama und Gesellschaftskritik, in der eine bürgerliche Kleinstadt und die Bewohner eines nahegelegenen Reservats aneinander geraten. Nicht ohne Schwächen bei Timing und Inszenierung, aber durchaus sehenswert.

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The Young Pope (Staffel 1 / Sky)

Ein junger US-Amerikaner wird überraschend zum neuen Papst gewählt – und entpuppt sich schnell als Albtraum der alten Kirchen-Eliten. Das interessante Gedanken-Experiment (es wird wohl so schnell kein so junger Papst gewählt werden…) bietet einige große Momente, kann sich aber nicht so recht entscheiden, ob es Drama, Satire oder Gesellschafts- bzw. Kirchenkritik sein will. Vielleicht bekommen die Macher das in der geplanten zweiten Staffel besser hin – ansonsten steige ich hier wohl aus…

Kurzkritik: „Trapped“ (TV-Serie)

Trapped PlakatDiese isländische Miniserie (vom ZDF mit dem bescheuerten Zusatz „Gefangen in Island“ versehen) erzählt vom Fund einer Wasserleiche in einer durch schlechtes Wetter von der Außenwelt abgeschnittenen Ortschaft im Südosten des Landes.

Die Ermittlungen leitet der bärbeißige Andri, ein Zugezogener, mit seinen beiden einheimischen Kollegen Hinrika und Asgeir. Die Spur führt zur im Hafen liegenden Passagierfähre, doch die Dinge werden bald kompliziert. So laufen im Ort Verhandlungen mit chinesischen Investoren, um einen großen Containerhafen im Ort zu errichten, ein Jahre zurückliegender Unfall (oder war es Mord?) scheint die Bewohner zu verfolgen, Menschenhandel ist auch im Spiel – und ein paar mehr Leichen kommen ebenfalls dazu…

Stimmungsvoll und angenehm frei von großer Action und Effekthascherei nimmt „Trapped“ sich für seine Geschichte und Figuren viel Zeit. Die isländische Natur ist dabei eine heimliche Hauptdarstellerin, die bereits im schicken Vorspann zu glänzen weiss.

Leider kann die Serie ihren Spannungsbogen über die fünf 90-minütigen Folgen nicht so ganz halten. Das Finale ist zwar durchaus logisch entwickelt, krankt aber am selben Problem wie einst die zweite Staffel von „True Detective“: Wer zu viele interessante – aber letztlich falsche – Fährten legt, läuft Gefahr sein Publikum zu enttäuschen. Und genau so ging es mir hier.

[Verfügbar in der ZDF-Mediathek]

Serien-Highlights ab Frühjahr 2017

Twin Peaks

Die späte Fortsetzung der „Mutter aller modernen Fernsehserien“ könnte das große Highlight von 2017 werden. Konjunktiv. Ich bin optimistisch, dass David Lynch tatsächlich weitermacht, weil er etwas erzählen möchte – und nicht weil sein Kontostand ihm dazu rät.

Trotzdem ist die Fallhöhe natürlich beträchtlich, „Twin Peaks“ ist und bleibt ein Meisterwerk. Trotz der holprigen Produktion und des zerfasernden Endes, die zum Mythos der Show ja durchaus beigetragen haben dürften. Nun hat David Lynch seit 2006 keinen Spielfilm mehr gedreht, sollte sein Handwerk aber nicht verlernt und – das wäre noch schlimmer – seine Inspiration nicht verloren haben.

Die Besetzung von einst ist beinahe vollzählig an Bord, auch das ist kein schlechtes Zeichen. Namhafte „Newcomer“ sind ebenfalls dabei, und zwar nicht zu knapp: Michael Cera, Richard Chamberlain, Laura Dern, Robert Forster, Caleb Landry Jones, Ashley Judd, Robert Knepper, Jennifer Jason Leigh, Berenice Marlohe, Amanda Seyfried, Laura Dern, Tom Sizemore, Eddie Vedder, Naomi Watts.

Am 21. Mai werden wir es wissen – dann läuft „Twin Peaks“ in den USA an, kurz darauf wohl in Deutschland bei Sky.

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Game of Thrones Staffel 7

Dieses Jahr nicht im Frühjahr, sondern erst im Herbst, geht es mit „Game of Thrones“ weiter. Das Netz ist voller Spekulationen zum Fortgang der Story, klar ist, dass sich die Dinge in Westeros weiter zuspitzen werden. Reicht mir völlig, um mich sehr auf den Start der siebten Staffel zu freuen. Ein genaues Datum ist bisher nicht bekannt.

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Better Call Saul Staffel 3

Geradezu aufreizend langsam erzählte „Better Call Saul“ in den ersten beiden Staffeln die „Origin“-Story des schmierigen Anwalts aus „Breaking Bad“. Die Show wird sicher nicht komplett das Tempo wechseln, aber ich bin sicher, dass sich die Entwicklungen in Staffel 3 vergleichsweise überschlagen werden – immerhin nähert man sich unaufhaltsam der Zeit an, in der die Ereignisse von „Breaking Bad“ ihren Lauf nahmen. Und wie man hört beehrt ein gewisser ‚Gustavo Fring‘ die neue Staffel mit seiner Anwesenheit. Fortsetzung folgt am 10. März in den USA, hier wohl zeitnah bei Netflix.

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Hap & Leonard Staffel 2

Eine kleine, wenig spektakuläre Show, die eine Menge Potential hat. So ist mir die erste Staffel dieser vom Sundance Channel produzierten Serie in Erinnerung geblieben. angesiedelt irgendwo zwischen „Justified“, „Breaking Bad“ und „Rectify“ – witzig, niveauvoll und unterhaltsam. Mitte März geht es weiter, zu sehen bei Amazon Prime.

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Hand of God Staffel 2

Ich muss ehrlich gestehen, dass meine Erinnerung an die erste Staffel sehr lückenhaft ist. Kein Wunder, immerhin wurde die von Amazon Prime im Herbst 2015 veröffentlicht. Trotz einiger Schwächen hatte die Serie einige faszinierende Aspekte, nicht zuletzt Ron Perlman in der Hauptrolle eines vom Glauben abgefallenen Richters. Bis Mitte März gilt es hier, die Erinnerung aufzufrischen, dann geht es weiter…

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Fargo Staffel 3

Nach einem Jahr Pause kommt auch „Fargo“ zurück. Die dritte Staffel wird erneut eine neue Geschichte im bekannten, dem Film der Coen-Brüder entlehnten ‚Universum‘ im Nordwesten der USA spielen. Mit dabei sind unter anderem Ewan McGregor, Carrie Coon und Michael Stuhlbarg. Worum es geht ist mir erstmal völlig egal, solange die Produzenten nur das Niveau der ersten Staffeln halten können bin ich mit großer Freude dabei. Weiter geht es Mitte April, hierzulande wohl bei Netflix.

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The Leftovers Staffel 3

Nach dem „Neustart“ in der letzten Staffel wird die kommende Staffel von „The Leftovers“ die letzte sein. Man hat also die Chance, die Story geplant zu Ende zu bringen. Allerdings bin ich nur mäßig zuversichtlich, dass die Autoren der Show einen Weg finden, die vielen Mysterien aufzulösen – ohne der Show den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Interessant im besten Sinne war die Serie ja aber immer, daher werde ich es mir definitiv ansehen. Das Ende beginnt Mitte April, hierzulande wohl auf Sky Atlantic HD.

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Taboo Staffel 1

Tom Hardy spielt einen mysteriösen Erben, der sich anno 1814 nicht nur mit der mächtigen British East India Company, sondern auch mit dem Königshaus anlegt. Es geht um ein Stück Land im Westen Kanadas – und viel Geld. Die Serie sieht mir vielversprechend aus, einen Sender oder Starttermin für Deutschland habe ich bisher nicht gefunden. Aber allein aufgrund der Besetzung (und der Tatsache, dass sich Amazon, Netflix, Sky und Co mächtig um attraktiven ‚Content‘ battlen) ist damit zu rechnen, dass „Taboo“ auch hierzulande einen Abnehmer findet.

Sherlock – The Final Problem: Gedanken zum Finale der 4. Staffel

Es ist nun wahrlich nicht so, dass „Sherlock“-Folgen dafür bekannt wären, dass sie sich Zeit nehmen, wenig passiert und immer alles total plausibel ist. Doch das Finale der aktuellen Staffel (und die vielleicht letzte Folge der Reihe) setzt wahrlich neue Maßstäbe – wenn auch nicht nur im positiven Sinne.

„The Final Problem“ führt Sherlock und seinen Bruder Mycroft mit ihrer mysteriösen, verschollenen Schwester zusammen, der Dasein in den letzten Folgen bereits anklang. Natürlich ist auch Watson mit von der Party, und auch Moriarty hat seine Auftritte.

In rasendem Tempo, mit vielen Ideen und noch mehr Sperenzchen wird hier alles daran gesetzt, „Sherlock“ einen glamourösen und würdigen Abgang zu bescheren. Das funktioniert auch, schießt aber – selbst für meinen Geschmack – doch sehr oft über das Ziel hinaus.

Die Serie war nie wirklich ernst gemeint, wirkt hier aber manchmal wie eine Persiflage ihrer selbst. Zumal es im Vergleich mit frühreren Folgen auch an Humor, der ohne das Prädikat „unfreiwillig“ daherkommt.

Vielleicht war es den Machern der Show auch egal. Sie haben in einem Höllenritt noch einmal alles gegeben, und vermeiden es mit der Story auch, sich zu wiederholen. Der x-te „Moriarty/Mary/Sherlock sind tot/nicht tot“–Cliffhanger – soviel darf ich hier verraten – steht nicht am Ende dieser äußerst unterhaltsamen, grenzwertig trashigen und bemerkenswerten Folge…

Nebenbei bemerkt: Sherlock – The Six Thatchers (Staffel 4, Episode 1)

Nachdem es letztes Jahr mit „The Abominable Bride“ nur eine „Appetizer“-Folge gab ist „Sherlock“ nun mit einer kompletten Staffel zurück. Komplett im Sinne von drei Folgen, versteht sich. Die erste Folge davon hält das bekannte Niveau, verbindet souverän Witz und hemmungslos zur Schau gestellte Cleverness (die zum Glück weiterhin nur bedingt ernst gemeint ist – was Kritiker der Show gerne übersehen).

Aufgefallen ist mir, dass die ohnehin immer temporeiche Reihe hier in knapp 90 Minuten extrem viel Handlung unterbringt. Damit ist sie eine Art Antipol zu „Better Call Saul“, der wohl im gemächlichsten Tempo erzählten (und dabei großartigen) Serie der Gegenwart. Ich freue mich auf die beiden kommenden Folgen, in der Hoffnung dass die Beteiligten ein angemessenes Ende finden – angeblich gestaltet sich eine Fortsetzung angesichts der vollen Terminpläne aller Beteiligten ja schwierig.

 

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