Selten so gelacht!

Inglourious Basterds

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss, Nuck Chorris, Selten so gelacht! on August 25th, 2009 by edzehard – 2 Comments

Wenn Quentin Tarantino einen neuen Film macht ist das immer eine gute Nachricht. Der Hype um seinen jüngsten Film war vor allem hierzulande besonders groß, immerhin war neben Tarantino für die Zeit des Drehs auch das mediale Dauerspektakel “Brangelina” in Berlin zu Gast, mit entsprechendem Rauschen im Blätterwald. Und es ist ja auch kein Zufall, dass Tarantino seinen Film in Deutschland gedreht hat – auch wenn die vielen deutschen Schauspieler, die darin mitspielen, sicher auch mit ihm auf Reisen gegangen wären. Seit Donnerstag ist der Film nun hier im Kino zu bewundern. Und trotz vorheriger großer Skepsis seitens des Autors dieser Zeilen ist ‘bewundern’ wirklich das richtige Wort.

Denn was im Trailer noch wie ein wildes, brutales und schräges Guerilla-Kriegsfilmchen aussieht, in dem ein Horde Soldaten fleißig Nazi-Skalps einsammelt, entpuppt sich als vielfältiger, extrem witziger und subversiver Film. Die “Inglourious Basterds”, also die Bande US-Soldaten, die hinter feindlichen Linien Nazis jagt, ist schon mit drin im Film, bestimmt aber keineswegs voll und ganz das Geschehen oder die Erzählweise. Der Film ist in fünf Kapitel unterteilt, und beginnt mit einer einzigartigen Szene im ländlichen (und besetzten) Frankreich, in der gleich deutlich wird, was den Film über die gesamte Spielzeit ausmachen wird: Das Spiel mit Sprache. Oder besser mit mehreren Sprachen, als da wären Deutsch (sehr viel), Englisch (viel), Französisch (recht viel) und Italienisch (wenig, aber dann brüllend komisch).

Hans Landa, Oberst der SS und gespielt von Christoph Waltz, besucht eine Farm und beginnt die Konversation mit dem Hausherren in feinstem und feierlichem Französisch. Das Gespräch nimmt dann langsam eine dramatische Wendung, nachdem Landa (aus später plausibel werdenden Gründen) ins Englische wechselt. Tarantino spielt nicht nur in dieser Szene virtuos mit den Gefühlen des Publikums, indem er entscheidende Informationen lange zurückhält, um sie dann schleichend preiszugeben. Das Unbehagen im Publikum wächst in dieser Szene beträchtlich, und wäre man in einem Tarantino-Film nicht auf Tarantino-Momente (Stichwort “Bonny Situation) vorbereitet, wer weiss ob man nicht einfach das Weite suchen würde.

Nach der Vorstellung der “Basterds” im zweiten Kapitel nimmt die Story dann richtig Fahrt auf. Im Mittelpunkt der Story steht die bevorstehende Premiere eines deutschen Propagandafilms in Paris. Der junge Kriegsheld und Hauptdarsteller Frederick Zoller (Daniel Brühl) macht einer jungen Französin und Theaterbesitzerin den Hof, und bemüht sich die Premiere in ihr kleines Kino zu verlegen. Was er nicht weiss, ist, dass die junge Dame Jüdin ist, und ihre eigenen Erfahrungen mit den Nazis gesammelt hat (zu sehen in Kapitel 1).

Auch die “Basterds” kriegen Wind von der Veranstaltung, bei der neben Goebbels noch einige andere führende Nazis erwartet werden. Über eine Doppelagentin (Diane Kruger spielt den fiktiven Filmstar Bridget von Hammersmarck) wollen sich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und seine Waffenbrüder Zugang verschaffen und ihre ganz persönlichen Grüße ausrichten. Dagegen hat natürlich Oberst Landa etwas, der bei der ganzen Sache für Sicherheit sorgen soll… Und wie nebenbei sorgt auch der Film im Film “Stolz der Nation” (ebenfalls mit Brühl in der Hauptrolle), eine groteske Ballerorgie um einen deutschen Scharfschützen, noch für ein paar ordentliche Lacher.

Bis hin zum infernalischen Finale des Films reiht Quentin Tarantino einige großartige Szenen aneinander, mischt derben Humor immer wieder mit unterschwelliger Spannung und zieht alle Register, um sein Publikum bei Laune zu halten. Die Erzählfäden laufen scheinbar mühelos auf den denkwürdigen Schluss zu. Tarantino, als Regisseur und Drehbuchautor quasi alleinverantwortlich für die Story, hat von dem 70er-Jahre-Streife des gleichen Namens nur den Titel und die Idee des Einsatzkommandos der besonderen Art übernommen.

Bemerkenswert und einzigartig ist die Darstellung der Nazis, die mit klassischen Historienkino nichts gemein hat. Christoph Waltz spielt den eloquenten mehrsprachigen Oberst und Charmeur Landa jenseits der bekannten “böser Nazi”-Klischees, als schillernden Bösewicht, der auch Überraschungen im Gepäck hat. Goebbels, gespielt von Sylvester Groth, ist eine überdrehte Karikatur seiner selbst. Auch Hitler kommt im Film vor, ebenfalls als Karikatur. Beiden Figuren dichtet der Film keine psychologischen Hintergründe an. Insgesamt hat Tarantino mit den üblichen Darstellungen der Nazis als entweder abgrundtief schlecht oder an der Massenhysterie der Zeit verderbte Schurken nichts am Hut. Den Gefallen, die Nazis verstehen zu wollen und ihren Irrsinn zu erklären tut ihnen der Regisseur wohlweisslich erst gar nicht. Wie schon in “Pulp Fiction” und den “Kill Bill”-Filmen erschafft sich der Regisseur sein eigenes Universum, in dem eigene Regeln gelten.

Dass der Film an seinem Startwochenende u. a. in Deutschland und den USA mehr Geld eingespielt hat als jeder andere Film von Tarantino ist ihm zu gönnen, überrascht aber ein wenig. Immerhin müssen sich die Amerikaner zu rund zwei Dritteln mit Untertiteln herumplagen, was sie traditionell nicht gerne tun. Und mit gut zweieinhalb Stunden ist der Film auch recht lang geworden. Vielleicht war es die Starpower von Brad Pitt, die ein wenig nachgeholfen hat, vielleicht der seit der Premiere in Cannes bestehende Medienrummel. Vielleicht ist aber auch das Publikum von “Inglourious Basterds” schlicht begeistert, und die Mund-und-Twitter-Propaganda tat ihr übriges. Dafür späche z. B., dass die IMDB-User den Film mit einer durchschnittlichen Bewertung von 8,7 bereits unter die Top 50 aller Zeiten gewählt haben.

5/5

Zerrissene Umarmungen (Los abrazos rotos)

Posted in Großes Kino!, Selten so gelacht! on August 11th, 2009 by edzehard – 1 Comment

Der spanische Regisseur Pedro Almodovar ist seit fast 20 Jahren eine der wenigen festen Größen des europäischen Films, dessen Filme konstant ein größeres Publikum finden. Seine Geschichten drehen sich gerne um Familiengeheimnisse, falsche Identitäten und ungewöhnliche Beziehungen schillernder Figuren. Auch in seinem neuesten Film “Zerrissene Umarmungen” sind all diese Zutaten zu finden.

Die Story beginnt mit einem Off-Kommentar von Matteo Blanco (Lluis Homar), einem ehemaligen Regisseur und Drehbuchautor, der den Künstlernamen Harry Caine angenommen hat. Caine ist vor Jahren erblindet – woran, das erfährt das Publikum erst nach und nach in Rückblenden. Caines Produzentin Judit und ihr Sohn Diego stehen Caine im Alltag bei und fungieren als Ersatzfamilie. Bald steht in Person eines jungen Mannes ein fast vergessenes Kapitel aus Caines Vergangenheit vor der Tür, und seine Errinnerungen an den schwerreichen Finanzier Ernesto Martel und seine schöne Geliebte, die Schauspielerin Lena (Penelope Cruz) bestimmen das Geschehen.

Mit vielen Rückblenden und einem doppelten ‘Film im Film’ (einer Komödie namens “Frauen und Koffer” und einem Dokumentarfilm zu den Dreharbeiten, holt “Zerrissene Umarmungen” erzählerisch weit aus. Die Geschichte dahinter bekommt, typisch für Almodovar, erst langsam schärfere Konturen, bietet aber auf dem Weg dahin einige wunderbare Szenen, die allein den Gang ins Kino lohnen. Neben den beiden großartigen Hauptdarstellern Penelope Cruz (hier wäre locker gleich der nächste Oscar verdient) und Lluis Homar sind auch die anderen Figuren des Films wunderbar gezeichnet, sind zuweilen skurril und witzig, aber im Kern immer zutiefst menschlich.

Vom komödiantischen Beginn über viele tragische und dramatische Momente bis hin zum alle Erzählstränge vereinenden Ende ist “Zerrissene Umarmungen” großartiges Erzählkino, vom Regisseur meisterhaft und souverän inszeniert. Almodovar, der hier wie für die meisten seiner Filme auch das Drehbuch geschrieben hat, versteht es wie kein anderer Anspruch und Ernst mit Unterhaltung und herrlichem Witz zu verbinden, und dabei die Glaubwürdigkeit seiner Figuren zu wahren. Neben seinen übrigen, großartigen Filmen wie “Alles über meine Mutter”, “Sprich mit ihr” oder “Volver” braucht sich “Zerrissene Umarmungen” nicht zu verstecken, und fügt dem ohnehin beeindruckenden Schaffen Almodovars eine weitere Perle hinzu.

5/5

The Hangover

Posted in Selten so gelacht! on Juli 22nd, 2009 by edzehard – 2 Comments

“The Hangover” ist der bisher größte Überraschungshit diesen Jahres aus den USA, mal abgesehen von “Slumdog Millionaire”. Anders als letzterer wird er sicherlich keine Oscars abräumen, denn der Film ist eine überzogene, zuweilen unappetitliche Komödie, die sich nicht eben dem guten Geschmack verpflichtet hat. Das Grundgerüst der Story ist nichts neues. Vier junge Herren begeben sich von Los Angeles nach Las Vegas, um dort einen Junggesellenabschied zu feiern.

Bräutigam Doug (Justin Bartha) hat dazu seine beiden besten Freunde geladen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Stu (Ed Helms) ist ein unterwürfig-verklemmter Zahnarzt, Phil (Bradley Cooper) ein gutaussehender Hedonist. Der verschrobene Zausel Alan (Zach Galifianakis), Bruder der zukünftigen Braut, ist ebenfalls an Bord. Kaum angekommen macht sich die Feiergesellschafft ans Werk und leert auf dem Dach des ‘Caesar’s Palace’ eine Buddel Jägermeister. Mehr bekommt das Publikum vom Saufgelage erstmal nicht zu sehen.

Am nächsten Morgen wachen Stu, Phil und Alan in ihrer Suite auf, die aussieht, als hätten Raoul Duke und Dr. Gonzo sich darin gehen lassen. Monströs verkatert und ohne Erinerungen an die letzte Nacht machen die drei einige überraschende Feststellungen. Im Badezimmer gastiert ein (echter und lebender) Tiger, in einem Schrank findet sich ein (echtes und lebendes) Baby, und Doug ist verschwunden. Was bleibt also anderes übrig als die Spur der eigenen Verwüstung aufzunehmen?

“The Hangover” bietet keine Kost für Feingeister, sondern reißt gerne und fast ausschließlich derbe Zoten. Ohne sich sonderlich ernst zu nehmen fährt der Film einen Haufen Las Vegas-Klischees auf (besoffene Spontan-Hochzeit, Casino-Besuch, Stripperinnen), mischt ein paar übertriebene Nebenstories mit rein (was u.a. Mike Tyson zu einem Cameo-Auftritt verhilft) und frönt ausgiebig dem Klamauk. Die überzeichneten Figuren sorgen ihrerseits für einige gelungene (running) Gags, der Rest ist Slapstick oder schlichtweg albern. Nicht jeder Witz zündet, insgesamt aber stimmt die Quote – “The Hangover” ist unterhaltsam und witzig, was ja leider für die meisten Hollywood-Komödien nicht zutrifft. Die Formel ist denkbar einfach, wird aber vergnüglich variiert und leidet auch nicht an Überlänge oder Selbstüberschätzung.

“Ein guter Plan muss einfach sein, sonst kann zuviel schief gehen” – diese Lebensweisheit von Walter Sobchak (aka John Goodman in ‘The Big Lebowski’) fasst den Film ganz gut zusammen. Sicher kein modernes Meisterwerk, aber ein lustiger Film, der ohne große Stars und Effekte eine überdrehte Story erzählt. Nicht Glaubwürdigkeit zählt hier, sonder das Gelächter im Saal. Und (mehrmals, und laut) gelacht haben in der Vorstellung die allermeisten im Publikum – und dass obwohl es eine Sneak-Preview war und sicher nicht wenige (inklusive des Autors dieser Zeilen) gehofft hatten, es könnte vielleicht “Public Enemies” laufen…

4/5

Far Cry (DVD)

Posted in Großes Kino!, Müllhaufen, Nuck Chorris, Selten so gelacht! on März 17th, 2009 by edzehard – Be the first to comment

Wenn man schon mal bei schlechten Actionfilmen gelandet ist, dann doch bitte richtig. So folgt auf “Punisher – War Zone” nun die deutsch-kanadische Verfilmung des Computerspiels “Far Cry”. Regie führt Uwe Boll, der in den USA als einer der schlechtesten Regisseure ALLER Zeiten gilt, und sich diesen Ruf mit Filmen wie “House of the Dead”, “Alone in the Dark” und “Bloodrayne” erarbeitet hat. Die Durchschnittswertung dieser Streifen bei IMDB.com liegt in etwa bei 2,1 – nur zum Vergleich: der Kevin Costner-Langweiler “Postman” kommt immerhin auf 5,4…

Genug der Vorschusslorbeeren, mehr zum Film. Udo Kier gibt den “Mad Scientist”, der auf einer Insel menschliche Killermaschinen züchtet. Unter seinen “Opfern” ist Soldat Max (unglaublich aber wahr: Ralf Möller), was dessen Nichte (natürlich eine Journalistin) dazu bringt, ihn auf der Insel aufzuspüren. Hier kommt Ex-Elite-Soldat Jack (Til Schweiger) ins Spiel, denn der hat das passende Boot zum rübermachen. Kaum angekommen geht dann die Action los, es wird geballert und geprügelt, auch an Verfolgungsjagden und sogar einer richtig miesen Bettszene mangelt es nicht.

Ist der Film also schlecht? Ja und nein. Angesichts der unterirdischen Dialoge, der sinnlosen Story, des omnipräsenten C-Movie-Feelings und der miesen Schauspielerleistungen ließe sich schon sagen, dass der Film zu den grottigsten überhaupt gehört. Andererseits scheint mir niemand der Beteiligten das Geschehen bzw. den Film an sich richtig ernst zu nehmen, weshalb man ihn – am besten in Gesellschaft – auch richtig genießen kann, sofern man Spaß an schlechten Filmen hat. Und schlechte Szenen bietet “Far Cry” wahrlich am Fließband. Fraglich ist eigentlich nur, wer die geschätzten (IMDB) 30 Mio. Dollar für den Mist zur Verfügung gestellt hat – denn ein Publikum jenseits sich beömmelnder junger Männer (die bestenfalls EINMAL die DVD ausleihen) dürfte es auf dieser Erde nicht geben..

1/5

Vicky Christina Barcelona

Posted in Großes Kino!, Selten so gelacht! on Dezember 18th, 2008 by edzehard – 3 Comments

Viel war zu lesen von “Woody Allen’s return to form” und “Javier Bardem und Penelope Cruz sind einfach nur herrlich”, davon dass der Film lebensfroh-witzig sei und niveauvoll zu unterhalten wisse. Und all das stimmt auch. Die Schauspieler, die Dialoge, die Schauplätze, die Story – alles großes Kino. Ich habe dieses Jahr kaum was besseres gesehen. Woody Allen hat viel Mittelmaß fabriziert die letzten Jahre, aber wie schon mit “Match Point” vor gut zwei Jahren kommt er hier mit einem Film um die Ecke gebogen, der all das verbindet, was das Publikum von einem Kinobesuch gern öfter mit nach Hause nehmen würde. Wer da keinen Spaß dran hat, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

9/10

Burn after Reading

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss, Selten so gelacht! on Oktober 26th, 2008 by edzehard – 1 Comment

“Jesus, what a clusterfuck.” Besser als J.K. Simmons, in der Rolle eines CIA-Abteilungsleiters, kann man es nicht zusammenfassen. Die Coen-Brüder sind nach ihrer Oscar-prämierten Literaturverfilmung “No Country For Old Men” zum Nihilismus zurückgekehrt, oder doch mindestens zu ihrer Vorliebe für turbulente, aber sinnfreie Plots. “Burn after Reading” handelt von zwei Angestellten eines Fitnessstudios, die in den Besitz einer brisanten Daten-CD gelangen, und versuchen daraus erpresserisch Kapital zu schlagen. Eine Reihe von Agenten und weitere Staatsdiener sind bald (unfreiwillig) in die Sache verwickelt, hinzu kommen zahlreiche Seitensprünge und Zufälle, die dann zum oben erwähnten “clusterfuck” führen.

Die Darsteller (u. a. George Clooney, Tilda Swinton, John Malkovich und Brad Pitt als trotteliger Fitness-Geek) sind sichtbar gut gelaunt bei der Arbeit, und die Coens erzählen ihre Geschichte so trocken wie es eben geht, mischen Slapstick mit Ironie und blicken mitfühlend, aber ohne allzu große Nachsicht auf ihre Figuren (von denen eigentlich keine je versteht was eigentlich genau passiert, geschweige denn warum). Wie schon häufiger  zuvor (bei “Lebowski” oder “Barton Fink”) haben die Coens die Schauspieler bereits genau im Kopf gehabt, als sie sich ans Drehbuch setzten, und wieder einmal ist ihre Rechnung aufgegangen, weil sie witzige und einmalige Charaktere geschaffen haben, denen man einfach gerne zusieht. “Burn after Reading” wird eher keinen Oscar bekommen, aber es wird auch niemand, der halbwegs wusste worauf er sich einlässt,  sein Geld zurückverlangen.

8/10

Outlander

Posted in Müllhaufen, Nuck Chorris, Selten so gelacht! on August 19th, 2008 by edzehard – Be the first to comment

Ein Angehöriger einer fernen Zivilisation kracht mit seinem Raumschiff mitten in die Wikingerzeit Norwegens. Kainan (Jim Caviezel) wird bald vom heimischen Wikinger-Stamm gefangen genommen und verliert dabei auch noch seine Hightech-Wumme. Mit im Gepäck hatte der gute Mann bei seiner Bruchlandung ein fieses Alien, von dessen Existenz er die rauen Wikinger (allen voran den von John Hurt gespielten König Rothgar), die mitten in Stammesfehden stecken, aber erstmal überzeugen muss. Nach einigen Auftritten des mit überschaubaren Mitteln am Computer generierten Viechs ist das zwar geschafft, aber gewonnen ist der Kampf noch nicht. Für Freunde des gepflegten Fantasy-Gemetzels könnte der Film Spaß machen, so man denn gewillt ist über die dämlichen Dialoge und die uninspirierte, entsetzlich stereotype Handlung hinwegzusehen. Die Charaktere sind allesamt am Reißbrett entworfen, es mangelt an Ideen jedweder Art. Zwischen der unfreiwilligen Komik und dem ewigen Gebrüll und Gefeier der Wikinger haben sich ein paar anständige Szenen versteckt, aber letztlich ist “Outlander” nicht Fisch und nicht Fleisch. Für einen neuen “Conan” wurde zuviel Klimbim mitreingepackt, für eine seriöse Fantasy-Produktion ist der Anspruch zu gering. Wer trotzdem gern bärtige Männer und wilde Bestien in Wäldern und Höhlen kämpfen sehen möchte (aber immer nur nachts bzw. bei wenig Licht!), der darf zugreifen. Ich habe mehr als diesen Streifen auf dem FantasyFilmFest nicht gesehen, aber da waren hoffentlich auch ein paar richtige Perlen im Programm.
3/10

Juno

Posted in Großes Kino!, Selten so gelacht! on März 12th, 2008 by edzehard – 1 Comment

DER Überraschungserfolg des Jahres in den USA ist die Geschichte einer Teenagerin, die ungewollt schwanger wird. Was in Europa häufiger zum Stoff für Sozialkritik taugt entwickelt Regisseur Jason Reitman souverän zu einer feinfühligen, immens witzigen und glänzend gespielten Komödie. Juno (Ellen Page) hat für ihre prekäre Lage schnell eine Lösung parat: sie sucht kurzerhand das junge Vorzeige-Ehepaar Loring (Jason Bateman und Jennifer Garner) auf, die per Annonce nach einem Adoptivkind suchen. Schnell ist die Sache geklärt, Juno ist ihr Kind los – nur bekommen muss sie es natürlich noch, und so gibt es für sie in dieser und auch in anderen Richtungen einige Prüfungen zu bestehen. Neben der wahrlich Oscar-würdigen Darstellung von Ellen Page spielen auch die anderen Schauspieler groß auf und erwecken jene herrlichen Charaktere zum Leben, die das Drehbuch zu bieten hat. Von Anfang bis Ende stimmig und überzeugend ist „Juno“ ein wunderbarer Film, der völlig zu Recht in allen Top-10 Listen der US-Kritiker ganz weit oben steht. Großes Kino.
9/10

Planet Terror

Posted in Kranker Scheiss, Nuck Chorris, Selten so gelacht! on Oktober 5th, 2007 by edzehard – 1 Comment

Robert Rodriguez als Teil des “Grindhouse”-Doublefeatures geplanter Trash-Splatter-B-Film ist nun endlich auch in Deutschland zu sehen. Aufmachen ins Kino sollten sich jedoch nur die Hartgesottenen – zerfetzte (Teil-)Zombies, eitrige Wunden und ein Einmachglas voller Familienjuwelen sind sicher nicht jedermans Sache. Ein Unfall mit chemischen Waffen lässt in seinem Film die Bevölkerung einer texanischen Kleinstadt zu Zombies werden. Bevölkert wird die Szenerie neben den Zombies von wenigen verschont gebliebenen Charakteren. Ein paar großartige, überdreht-irre Momente sind da zu bewundern, etwa eine fachmännisch angebrachte Maschinengewehr-Bein-Prothese oder groteske Splatter-Arien mit Hang zur übersteigerten Unapettitlichkeit. Während Tarantino “Death Proof” wie üblich dialoglastig inszenierte, gibt Rodriguez seinen Figuren selten Gelegeheit, mehr als zwei Sätze am Stück zu sagen. Wenn es dann doch mal ernst (und sogar romantisch) wird, blendet er “Missing Reel” (Fehlende Filmrolle) ein – eine Hommage an die mülligen B- oder C-Filme der sechziger und siebziger Jahre, bei denen solche Mängel auch niemanden gestört haben. Dass am Ende gar noch der Bogen zu 9/11 und Bin Laden gespannt wird, kann man dann wahlweise als augenzwingernde Ironie oder ernsthafte Kritik auffassen. Die wohl unbestritten größte Qualität des ganzen liegt darin, eine vergessene Filmkultur noch einmal vor einem größeren Publikum aufleben zu lassen. Für ein Revival wird das aber wohl nicht reichen, auch wenn – streng genommen – zuletzt mit “Crank”, “Snakes on a Plane” und eben den “Grindhouse”-Filmen ein paar wahrhaft trashige Filme den Sprung auf die große Leinwand “geschafft” haben. 8/10

Borat

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss, Selten so gelacht! on November 10th, 2006 by edzehard – 2 Comments

Kaum ein Film hat in letzter Zeit so einen Hype kreiert wie diese Fake-Dokumentation von Sacha Baron Cohen, besser bekannt als Ali G. In seiner Fernsehshow nahm Cohen als selbst ernannter farbiger Slumbewohner (Cohen ist weiß und jüdischer Abstammung) das britische Establishment auseinander. Er stellte sich blöd, entlockte den Leuten ein paar überdeutliche Sätze und machte sich gemeinsam mit seinem Publikum gleichzeitig drüber lustig. Dieses mal ist Cohen ganz zu seiner Kunstfigur geworden. Als vermeintlicher kasachischer TV-Reporter Borat reist er in die USA, um für sein Land zu werben und die Vorzüge Amerikas kennenzulernen. Die Regierung Kasachstans hat gegen “Borat” protestiert, wo immer es ging. Man sieht sich in den Dreck gezogen, und hat dabei auch noch recht. Allerdings, auch wenn das den Kasachen wohl egal ist, spielt Borats angebliche Herkunft bei seiner Reise eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, dass sich Borat exakt so verhält, dass man sich ihm instinktiv intellektuell und kulturell überlegen fühlt. Und genau das nutzt er dann aus, um die dunklen Geheimnisse von Menschen auszuloten, die meinen, sie könnten ganz sie selbst sein. Dieses perfide Spiel beherrscht Cohen wie kein zweiter, und das sorgt für ein paar wirklich unvergessliche Lacher.

Borat reist in einem Eiswagen von New York nach Kalifornien, wo er seine vollbusige Traumfrau CJ treffen will. Bereitwillig erteilt ihm auf dem Weg dahin ein Autoverkäufer Auskunft, mit viel km/h er mit seinem “Hummer” in eine Gruppe Zigeuner rasen müsste, um sie sicher totzufahren. Da erklärt ihm ein Waffenhändler, welches die beste Knarre zum Erschießen von Juden ist. Am übelsten outet sich ein Rodeo-Organisator im Mittleren Westen. Als Borat ihm erzählt, dass Homosexuelle in Kasachstan von der Polizei exikutiert würden, erwidert der Hutträger, dass wünsche er sich auch für die USA. Land of the Free? Danke der Nachfrage, Borat.

Eine herrkömmliche Kritik zu diesem Film wäre komplett unangemessen. Wie lustig sind schon nacherzählte Witze? Wer mal wieder ordentlich ablachen will und kein Problem mit dem extrem hohen Fremdschämfaktor des Films hat, der sollte sich das Spektakel selbst im Kino ansehen. Ein paar gestellte Szenen und Längen sind zwar auch dabei, und ich denke niemand will Borats Nackt-Wrestlingeinlage mit seinem vollschlanken Produzenten sehen (schon aus rein ästhetischen Gründen), aber was zur Hölle? Es darf schallend gelacht werden. Wer kann da schon nein sagen.

8/10

Crank

Posted in Kranker Scheiss, Nuck Chorris, Selten so gelacht! on Oktober 4th, 2006 by edzehard – Be the first to comment

“Crank” ist ein wahres Monster von einem Film. Ein Minimum an Handlung, stereotype Charaktere, gepaart mit einer bestialischen Überdosis Action, Gewalt und Humor. Dabei ist der Film so politisch unkorrekt und brutal, dass sich eine Freigabe ab 18 Jahren von selbst versteht. Der Schlüssel zum Verständnis zu dieser cineastischen Höllengeburt des Regisseur-Duos Neveldine/Taylor liegt darin, “Crank” nur an dem zu messen, was er sein will. Überlaute, blutige, übertriebene und keinesfalls ernst zu nehmende Unterhaltung für ein überwiegend männliches Publikum. Dem Mafia-Hitman Chev Chelios (Jason Statham) wird zu Beginn ein tödliches Gift namens Beijing Cocktail injiziert. Seinen unausweichlichen Tod kann Chev durch Adrenalinschübe und die Einnahme von aufputschenden Drogen nur hinauszögern. Diese (völlig hanebüchene) Prämisse bestimmt die komplette Handlung, denn Chev wagt von nun an die halsbrecherischsten Stunts, um Adrenalin zu produzieren. Dass er dabei nicht viel Rücksicht nehmen kann, ist klar – jede Ruhepause würde seinen Tod bedeuten. Den kompletten Film über ist Chev also in Bewegung. Mal rast er mit seinem Auto durch eine Shopping-Mall, dann klaut er einem Polizisten sein Motorrad oder legt sich mit einem Haufen übler Gangster an. Hauptsache Action, nur keinen Gang runterschalten. Um diesen irrsinnigen Kampf gegen die Zeit visuell stimmig umzusetzen, greifen die Regisseure zu Splitscreen-Aufnahmen, Handkameras, und einem rasanten Schnitttempo. Zum passenden Soundtrack gehört z. B. das grandios-lärmende “New Noise” von The Refused.

Dieses wahnwitzige Szenario wird dem Publikum mit einer anständigen Portion Humor serviert, der Film kann gewissermaßen über sich selber lachen. Das Gelächter im Saal war jedenfalls groß, als Chev – zum Zwecke der Adrenalinproduktion versteht sich – in aller Öffentlichkeit seine Freundin (Amy Smart) vögelt, versehentlich einen Wellensittich erschießt oder einem Kontrahenten den Arm abhackt. Das alles ist sicher völlig geschmacklos, aber gerade diese anarchistische Ader macht hier den Reiz aus. Ein weiteres Beispiel: Um sein Taxi zu klauen wirft Chev den dunkelhaarigen Fahrer auf die Straße, zeigt mit dem Finger auf ihn, spricht die Worte “Al Qaida” – und schon fallen die Passanten über ihn her.

Hauptdarsteller Jason Statham trägt den Film fast die komplette Spielzeit auf seinen Schultern. Ohne seine überzeugende Leistung würde “Crank” implodieren, aber Statham bringt die komischen Szenen ebenso gut rüber wie die zahlreichen Stunts. Nebenbei lässt er das Publikum durch ein paar scheele Blicke wissen, dass er sich der Farce, in der er da mitspielt, voll und ganz bewusst ist. Der vergiftete Killer Chev hat über die gesamte Laufzeit nur ein Ziel, und das ist natürlich Rache. Die Schwierigkeit besteht darin, den Obergangster Ricky Verone rechtzeitig ausfindig zu machen, bevor bei Chev für immer die Lampen ausgehen. Es kommt nach wie im Flug vergangenen knapp 80 Minuten zum Showdown auf dem Sonnendach eines Wolkenkratzers, wo sich ein Riesenhaufen verfeindeter Gangster gegenüberstehen.

Schon wegen der dauerpräsenten Gewalt und seiner allgemeinen Mißachtung des guten Geschmacks ist “Crank” sicher nicht jedermans Sache. Für seine konsequente Linie gebührt seinen Machern Respekt. Der Film steht jenseits von Gut und Böse, und wird spätestens auf DVD auch ein größeres Publikum finden.

7/10

The Science of Sleep

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss, Selten so gelacht! on September 4th, 2006 by edzehard – Be the first to comment

In “Eternal Sunshine of the Spotless Mind”, dem vorigen Film des französischen Regisseurs Michel Gondry, spielte sich ein Großteil der Handlung in den Köpfen seiner Hauptdarsteller ab. Jim Carrey hetzte durch seine Erinnerungen, um die komplette Auslöschung seiner Ex-Freundin Kate Winslet doch noch zu verhindern. Auch in seinem neuen Werk “The Science of Sleep” sieht Gondry wieder in die Köpfe seiner Figuren, genauer gesagt in die Träume des jungen Stephane, dargestellt von Gael Garcia Bernal. In der realen Welt ist Stephane gerade nach Paris zurückgekehrt, bezieht eine kleine Wohnung und beginnt einen langweiligen Job. In seinem Herzen jedoch ist er ein kreativer Erfinder, sehr phantasievoll, aber für den Alltag ungeeignet. Stephane findet bald Gefallen an Stephanie (Charlotte Gainsbourg), seiner Nachbarin von gegenüber (oder doch eher an deren Freundin?). Er versucht mit allen möglichen Mitteln ihr Herz zu gewinnen, stellt sich dabei jedoch nicht sonderlich geschickt an und steht sich oft selbst im Weg. Diese Szenen präsentiert Gondry mitfühlend und humorvoll, was seinem Film eine spielende Leichtigkeit verschafft. Dazu trägt auch das charmante Sprachchaos aus Englisch, Französisch und etwas Spanisch bei.

Im Zentrum von “The Science Of Sleep” stehen Stephanes Träume. In ihnen kommentiert sich das Geschehen selbst, werden Stephanes Wünsche und Hoffnungen ebenso deutlich wie seine Ängste. Hier fließen Erinnerungen, Realität und Wunschdenken zusammen und schaffen eine skurille, phantastische Welt, in der alles möglich ist. Regisseur Gondry hat einen wunderschönen Bilderrausch geschaffen, der so vielfältig ist, dass man ihn sicher mehrmals ansehen sollte. Statt moderner Computergraphiken benutzt er die antiquierte Stop-Motion-Technik, was dem Film einen verspielten, altmodischen Look verleiht.

Die beiden Hauptdarsteller Bernal und Gainsbourg sind exzellent besetzt, wobei ihnen Alain Chabat als Stephanes Kollege Guy hin und wieder die Schau stiehlt. Der wahre Star des Films ist jedoch die herrlich phatasievolle Ausstattung der bizarren Traumwelten. Immer häufiger verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, was einige Verwirrung stiftet. So hat “The Science of Sleep” durchaus ein paar narrative Schwächen, die aber von der überwältigenden Optik locker überspielt werden.

Abseits von bekannten Genres hat sich Michel Gondry mit nur zwei Filmen eine Nische geschaffen, in der Erinnerungen, Träume und das Unterbewußtsein die Herrschafft übernommen haben. Bemerkenswert ist dabei, wieviel Witz und Kurzweil seine Filme mitbringen. Man braucht kein besonderes Interesse an Arthaus-Produktionen oder alternativem Kino, um “The Science of Sleep” genießen zu können – sofern man gewillt ist, auf eine herkömmlich dramatisierte Handlung zu verzichten. Entschädigt wird man dafür mit originellen, farbenfrohen Bildern, die eine beeindruckende Vision vom Innenleben seiner Hauptfigur entstehen lassen.

8/10

Das Mädchen aus dem Wasser

Posted in Laaaangweilig!, Müllhaufen, Selten so gelacht! on August 18th, 2006 by edzehard – Be the first to comment

Zu einer ausführlichen Kritik fehlt mir im Falle von “Lady in the Water” (Originaltitel) die Muße, wenn es auch viel zu kritisieren gäbe. Der Film stellt den bisherigen Tiefpunkt im Schaffen von M. Night Shyamalan dar und löst damit den Vorgänger “The Village” ab. Der wird zwar den meisten vor allem ob des beknackten Endes in Erinnerung sein (wenn überhaupt), bewies aber in der ersten Stunde eindrucksvoll, dass Shyamalan ein handwerklich begnadeter Regisseur ist. In seinem neuen Film verstrickt er sich nun vollends in naiv-schauerlichem Humbug. Gedacht als modernes Märchen bietet sein Film vor allem Langeweile und eine Story, die schon zu Beginn zu wünschen übrig lässt – vom weiteren Verlauf ganz zu schweigen. Derlei seichte Gewässer sollte man in der Videothek unbedingt umfahren.

M. Night Shymalan ist erst Mitte 30 und trotzdem schon einer der erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Regisseure Hollywoods. Mit “The 6th Sense” landete er Ende der 90er einen Riesenerfolg, und auch die Nachfolger “Unbreakable” und “Signs” waren äußerst erfolgreich. Shyamalans Filme sind allesamt stimmungsvoll und handwerklich erstklassig inszeniert. Seine Geschichten sind meist von spirituellen Themen bestimmt, Untote, Aliens und merkwürdige Superhelden bevölkern die Szenerie. Mit “The Village” erlitt er dann jedoch zuletzt Schiffbruch, nicht zuletzt weil die Geschichte getrost als Mogelpackung bezeichnet werden kann. Auch “Lady in the Water” (Originaltitel) passt thematisch durchaus in sein bisheriges Schaffen hinein, kann aber in keiner Weise überzeugen.

“Sideways”-Star Paul Giamatti spielt Cleveland, den stotternden Hausmeister eines heruntergekommen Apartement-Komplex in Philadelphia. Als netter Kerl versteht er sich gut mit dem bunten Volk, das dort Quartier bezogen hat, unter ihnen eine chinesische Studentin, eine Gruppe Kiffer, ein Meister des Kreuzworträtsels und ein junger, vom Regisseur selbst gespielter Autor mit seiner Schwester. Eines Tages entsteigt dem Swimming Pool des Hauses eine makelose junge Frau namens Story (Bryce Dallas Howard), die nach eigener Auskunft aus der “blauen Welt” stammt. Cleveland hat nun alle Hände voll zu tun, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen, ihre Mission zu verstehen und ihr eine sichere Rückkehr zu ermöglichen.

Auch an diesem Film werden sich, wohl mehr als je zuvor, die Geister scheiden. Wohlwollende Betrachter sehen vielleicht ein unterhaltsames modernes Märchen. Die Mehrheit jedoch wird sich an den Kopf fassen ob der fast schon dreisten, grenzenlosen Naivität der Geschichte, die niemals Fahrt aufnimmt und auch keinerlei Überraschungen zu bieten hat. Schleppend und ohne Höhepunkte enträtseln Cleveland und die Bewohner Storys wahre Berufung, doch nicht mal die aus ihrer Heimat mitgereisten Urviecher sorgen für echte Spannung.

SPOILERS
Unter diesem Link hat sich jemand die Mühe gemacht, den Film gänzlich zu enträtseln, was mir persönlich nie eingefallen wäre. Und tatsächlich gibt es einiges zu entdecken, sollte der Autor des Artikels recht haben. Leider ändert das nix daran, daß der Film keinen Spaß macht. Und um ehrlich zu sein, hat mich sogar der Artikel, der alles “aufklären” soll, sehr bald nur noch gelangweilt. Wenn Shyamalan einen cleveren Film über innere Dämonen drehen will, sollte er das nächste mal nicht vergessen, dem Publikum etwas davon zu erzählen. Nur zum Vergleich: “Identity” hatte einen durchaus vergleichbaren Plot, schaffte es dabei aber locker, das Publikum bei der Stange zu halten…

2/10

Scary Movie 4

Posted in Selten so gelacht! on April 1st, 2006 by edzehard – Be the first to comment

Seit dem dritten Teil sind nicht mehr die Wayans-Brüder und ihr Teenie-Kiffer-Humor zuständig für die höchstalberne Filmreihe. Mit dem Effekt, dass sie von David Zucker zu einer Art Hollywood-Komplett-Verarsche umgebaut wurde. Im neuesten Teil geht es vor allem “Krieg der Welten”, “The Village”, “The Grudge” und “Saw” an den Kragen, aber auch ernsthaftes Kino wie “Million Dollar Baby” und “Brokeback Mountain” wird kompromisslos umgedeutet. Zur Story braucht man eigentlich nicht viel wissen, vom im positiven Sinne beknackten Vorspann bis zum Schluss gibt es genug zu lachen, alles andere interessiert sowieso nicht. Einige bekannte Gast-Stars wie Mike Tyson und Bill Pullman waren sich nicht zu schade für diese Farce. Es erfordert schon die Bereitschaft des Zuschauers, über jedweden Blödsinn lachen zu können und auch eine (leider zu große) Portion Fäkalhumor auszuhalten. Wer sich das aber zutraut, der sollte sich diese knapp 90-minütige Albernheit nicht entgehen lassen.

7/10

Basic Instinct 2

Posted in Müllhaufen, Selten so gelacht! on März 16th, 2006 by edzehard – Be the first to comment

Mit “Basic Instinct 2″ geht es mir ähnlich wie mit “Gigli”, jenem grandiosen Flop mit Ben Affleck und Jennifer Lopez, als die noch gemeinsam als “Bennifer” um die Häuser zogen. Was so herbe Schiffbruch erleidet, muss ich gesehen haben. Auch dieser Film ist ein ganz finsteres Desaster, gerade mal 3,2 Mio. Dollar spielte er am Startwochenende in den USA ein. Das ist nicht etwa nur ein mageres Ergebnis, das ist ein Witz. Allerdings keiner, über den die Produzenten laut lachen können. Dabei erklärt es sich ziemlich einfach, wenn man den Film erstmal gesehen hat und etwas mit der Vorgeschichte vertraut ist.Anno 1992 wurde “Basic Instinct” zum Skandal- und Erfolgsfilm. Clever mit großen Stars besetzt konnte der handwerklich solide, aber keinesfalls herausragende Thriller kräftig Kasse machen, eben weil er auch für Gesprächsstoff sorgte. Das etwas lose Ende des Films war eigentlich eine Schwäche, ließ aber die Tür für eine Fortsetzung offen, von der sich Michael Douglas früh und endgültig verabschiedete. Übrig blieb Sharon Stone, die jahrelang mit den Produzenten Mario Kassar und Andrew Vajnar (“Terminator 3″ und gerüchteweise gar “Terminator 4″) um mehr Gage, andere Co-Stars und ein neues Drehbuch stritt. Nicht zu Unrecht beklagte sich die Actrice, dass Frauen jenseits von 40 Jahren in Hollywood keine Hauprollen mehr spielen könnten, und wollte partout noch einmal in ihre bekannteste Rolle schlüpfen.

Problem Nr. 1: Sharon Stones Karriere ist seit einigen Jahren vorbei, ob das nun fair ist oder nicht. Ihre Zugkraft tendiert gegen Null, wenn es um große Zuschauerzahlen geht. Problem Nr. 2: In der männlichen Hauptrolle ist ein gänzlich unbekannter Brite zu sehen, den man als Publikumsmagneten auch vergessen kann. Problem Nr. 3: Der Film ist einfach schlecht. Man sollte ihn nur Leuten empfehlen, die man SO RICHTIG WENIG leiden kann.

Die Handlung wurde von San Francisco nach London verlegt, wo sich Catherine Tremell (Stone) bald unter Anklage befindet. Sie hatte sich am Steuer ihres Sportwagens von einem Fußball-Star mit der Hand befriedigen lassen, die Fahrt endete in der Themse. Ihr Beifahrer hat das nicht überlebt, und so setzt die Staatsanwaltschaft den Psychologen Dr. Glass auf sie an. Es beginnt ein wirrer Plot, der um Glass’ und Tremells Vergangenheit und einen hartnäckigen Polizisten kreist. Immer neue Todesfälle weisen auf die umtriebige Schundroman-Autorin hin. Der Psychokrieg der beiden wird selbstverständlich auch im Bett geführt, aber diese Szenen sind genauso daneben wie der ganze Rest. Catherine hört sich zu gern reden und beantwortet jede Frage mit einer dämlichen Gegenfrage, Dr. Glass verhält sich so wenig wie Psychiater, dass es schon wieder lustig ist.

So ist “Basic Instinct 2″ einer der schlechtesten “Neo-Noir”-Streifen überhaupt geworden (die meiner Ansicht nach besten gibt?s hier). Vom Niveau her kann man ihn wohl mit lahmen Erotikthrillern vergleichen, die endlos auf Vox und RTL 2 wiederholt werden. Die Story ist unnötig zerfahren und ergibt wenig Sinn. Regisseur Michael Caton-Jones scheint mit seinem Material zu kämpfen, viele Szenen wirken angestrengt und setzen auf laue Effekthascherei. David Morrissey ist schlicht fehlbesetzt, er und seine Figur können es mit Sharon Stone nicht aufnehmen. Was nicht heisst, dass die sich mit Ruhm bekleckern würde. In bereits bekannten Posen zieht sie bekannte Register, und sieht dabei für ihr Alter von 48 Jahren wirklich recht knackig aus. Den selten dämlichen Dialogen hilft das aber auch nicht weiter.

Immerhin, den Film auf so vielen Ebenen scheitern zu sehen, ist recht amüsant und alles andere als langweilig. Wer aber grundsätzlich von diesem mißratenen Film Abstand zu nehmen gedenkt, der geht den Pfad der Gerechten. Wie zu befürchten war, ist “Basic Instinct 2″ eine schlechte Fortsetzung geworden, die ihr Dasein schon sehr bald in den hintersten Regalen der Videotheken fristen wird. Neben “Showgirls”, “Striptease” und Konsorten ist hoffentlich noch Platz.

2/10