Kurzkritik: The Nice Guys

The Nice Guys FilmplakatRegisseur Shane Black wiederholt in der Krimi-Komödie „The Nice Guys“ weitgehend die Erfolgsformel von „Kiss Kiss Bang Bang“. Ein verworrener Plot, der wenig Sinn, dafür eine Menge Spaß macht, ein ungewöhnliches Detektiv-Duo, viele gute Sprüche, slapstickhafte Gewaltausbrüche, vorgetragen von gut gelaunten Darstellern. Angesiedelt ist die Handlung diesmal Ende der 70er Jahre.

Russell Crowe spielt Healey, einen kantigen Brutalinski, der als inoffizieller Privatdetektiv sein Geld mit der Einschüchterung von vermeintlichen Bösewichtern verdient. Sein Weg kreuzt sich mit dem von March (Ryan Gosling), einem tölpelhaften „echten“ Privatdetektiv und alleinerziehenden Vater. In was für einen Plot die beiden geraten ist müßig zusammenzufassen – es geht um eine oder zwei verschwundene junge Frauen, die Pornoszene und Politik. Das ist aber auch egal, der Weg ist das Ziel.

Was den Film trägt sind die beiden Hauptdarsteller, die weitgehend gelungenen – oftmals reichlich albernen – Dialoge, das stimmungsvolle Setting und das hohe Tempo. Glaubwürdigkeit und Kohärenz sind nicht die Stärke von „The Nice Guys“, als Comedy funktioniert der Film ausgezeichnet. Vorausgesetzt, man kann über derbe Sprüche und „witzig“ inszenierte, drastische Gewaltszenen lachen.

Wie schon in „Kiss Kiss Bang Bang“ wird Los Angeles zum heimlichen Hauptdarsteller, kreuz und quer fahren die Protagonisten in schicken „Vintage“-Kisten durch den hügeligen Teil der Stadt, ohne je wirklich ein Ziel zu erreichen. Ihnen dabei zuzusehen ist äußerst unterhaltsam – sofern man nur nicht das Niveau des großartigen (und nicht unähnlichen) „Inherent Vice“ erwartet.

4/5

 

Filmkritik: What We Do in the Shadows (5 Zimmer, Küche, Sarg)

What We Do in the Shadows FilmplakatKomödie, Neuseeland 2014

Regie: Jemaine Clement, Taika Waititi; Darsteller: Jemaine Clement, Taika Waititi, Jonathan Brugh

Auf die Idee, eine Mockumentary über eine Vampir-WG in Wellington, Neuseeland, zu drehen, muss man erst einmal kommen. Wer mit „Flight of the Conchords“ vertraut ist, der ahnt vielleicht schon, dass das Ergebnis eine ziemliche Farce sein würde. Jemaine Clement, die bebrillte Hälfte der Slacker-Band aus der gleichnamigen Serie, stand hier vor und hinter der Kamera, und seine Handschrift ist klar zu erkennen.

Die Vampir-WG besteht aus vier Männern im Alter zwischen knapp 200 bis 8000 Jahren und schlägt sich zum Großteil mit alltäglichen Problemen herum. Deacon hat sein 5 Jahren keinen Abwasch mehr gemacht und fühlt sich auch nicht zuständig. Vladislav hat seit seinem legendären Kampf mit „The Beast“ seine Superkräfte verloren, der herrlich bescheuert dreinblickende Viago (rechts oben auf dem Poster) ist der gute Geist im Haus. Peter, der schon das Mittelalter miterlebt hat, fristet sein Dasein in einem steinernen Sarg im Keller.

Die Runde erweitert und dezimiert sich im Laufe der Zeit, denn die Vampire sind keine ganz großen Strategen in Sachen „Geheimhaltung“. So gesellen sich einige Kandidaten zu ihnen, die selbst gern unsterblich wären. „What We Do in the Shadows“ nimmt seine Helden in gewisser Hinsicht ernster, als das andere Vampirfilme tun, stellt sie aber auch auf liebevolle Art und Weise als Kinder-im-Geiste dar. Auch ein Treffen mit Werwölfen ist an einer Stelle nicht zu vermeiden, nur gut, dass Neuseeländer einfach immer so nette Charaktere sind.

„What We Do in the Shadows“ lässt sich am ehesten als eine Mischung aus „Only Lovers Left Alive“ und „Flight of the Conchords“ beschreiben. Schrullige Typen, anarchischer und oft alberner Humor, sowie die Lust an liebevoll inszenierten, völlig dämlichen Situationen zeichnen den Film aus. Die Idee, das ganze als Fake-Dokumentation zu präsentieren, passt sehr gut zur Selbstironie der Sache. Nicht jeder wird den speziellen Humor mögen und an den ‚Kiwi-Vampiren‘ seinen Spaß haben – mir hat es jedenfalls hervorragend gefallen.

4/5

Filmkritik: 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse

Filmposter: 00 Schneider – Im Wendekreis der EidechseKomödie/Krimi, Deutschland 2013

Regie: Helge Schneider; Darsteller: Helge Schneider, Peter Thoms, Rocko Schamoni

Für die längere Sendepause hier muss ich mich entschuldigen – ich hatte zuletzt bei wenigen Filmen das Bedürfnis, etwas darüber zu schreiben. Und dann fehlte einfach die Zeit. Bei „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ ist das nun anders. Denn Helge Schneider hat sich mit der Fortsetzung von „Jagd auf Nihil Baxter“ beinahe selbst übertroffen und liefert einen unfassbar witzigen, charmanten Anarcho-Klamauk.

Der Film macht die Andeutung einer Kriminalhandlung, bzw. schafft einen erzählerischen Rahmen, in dem eine stattfinden könnte. Dass eine echte Handlung dann in bester Helge-Manier ausbleibt stört da nur die Kostverächter, die mit Schneiders Filmen sowieso nie etwas anfangen konnten. Kommissar Schneider (der nicht mehr „00“ genannt werden mag) ermittelt in Mühlheim an der Ruhr in einigen Kriminalfällen, gemeinsam mit einem Haufen schräger, kettenrauchender Kollegen. Ein Verbrecher mit dem Decknamen Eidechse (Schamoni) ist in Frankreich aus dem Knast geflohen und wird in der Stadt gesichtet – doch das ist längst nicht alles, was Schneider zu überstehen hat.

Eine Waschmaschine will gekauft und heimgebracht werden, die plötzlich zu Besuch gekommene Tante aus den USA muss umsorgt werden (nicht des Kommissars ganz große Stärke), ein Sittenstrolch treibt sein Unwesen und dann geht auch noch der geliebte Spitz Zorro verloren. Skurril wie eh und je, gespickt mit vielen guten Ideen – die Nachrichten im Radio, die an den absurdesten Stellen aufgestellten Briefkästen, die reibungslose Einbindung des Schauplatzes Almeria als „spanischer Teil der Stadt“ – schießt Helge Schneider aus allen Rohren.

Nur ganz wenige Szenen sind nicht witzig, viele Running Gags zünden tatsächlich mehrfach und die Darsteller bilden ein überzeugendes Ensemble, das nicht ohne Grund weitgehend aus (Halb-)Laien zusammengesetzt ist. Die Innenausstattung erinnert durchaus an den Vorgänger, nicht nur weil der „Le Corbusier-Sessel“ wieder dabei ist, der Ledermantel des Kommissars ist ein Wink an die 70er, ebenso wie das allgegenwärtige Zigarettenrauchen.

Es war wirklich nicht einfach für Schneider, die Fans des ersten Films hier nicht zu enttäuschen; und ich bin ehrlich überrascht wie scheinbar mühelos, souverän und geistreich (wenn man es denn so nennen kann/darf) das im „Wendekreis Eidechse“ gelingt. Hut ab, Herr Kommissar!

5/5

PS: [Spoiler] Meine momentane Lieblingsszene ist die, in der der von Helge gespielte Psychiater Dr. Henry anhand eines in Gips gegossenen Fußabdrucks feststellt, dieser stamme von einem „starken Raucher“. Ich fang schon wieder an zu schallern, wenn ich dran denke….

Filmkritik: The Dictator

The DictatorComedy, USA 2012

Regie: Larry Charles; Darsteller: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley

Mit „The Dictator“ verlässt Comedy-Star Sacha Baron Cohen den Pfad von „Borat“ und „Brüno“, in denen er seine Kunstfiguren auf eine weitestgehend unwissende Öffentlichkeit losließ. Sein neuer Film ist eher eine klassische Satire, wobei die Figur von Admiral General Aladeen, dem Diktator des fiktiven Nahost-Staates Wadiya, durchaus in die Tradition von Figuren wie Borat oder Ali G. passt. Aladeen (Cohen) herrscht in absolutistischer Weise über sein Volk und plant den Bau der Atombombe – natürlich, um Israel zu zerstören, Ehrensache.

Weil die Weltgemeinschaft dem Diktator eine Frist setzt reist Aladeen nach New York, um vor der UNO eine Rede zu halten. Kaum angekommen wird er von seinem Onkel Tamir (Kingsley) verraten, der ihn durch ein Double ersetzt und Aladeen umbringen lässt. Weil sich der zuständige Folterknecht aber zu blöd anstellt entkommt Aladeen – allerdings ohne sein Markenzeichen, den mächtigen Rauschebart. Und so muss er sich erst einmal auf eigene Faust durchschlagen, nicht leicht für ihn, der mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde.

„The Dictator“ ist in seinen besten Momenten eine brüllend komische Satire, die der Weltpolitik und ihren Akteuren gnadenlos den Spiegel vorhält. In den immer noch guten Momenten kaspert sich Cohen mit seinem großen Talent für Timing und Sprache durch den ziemlich bekloppten Plot (Aladeen verliebt sich in eine vegane Politaktivistin und trifft einen Landsmann, der ihm wieder an die Macht verhelfen will). In den schlechten Momenten wähnt man sich in einer typischen Adam-Sandler-Komödie, in der ein wahres Feuerwerk von Fäkal- und Sex-Witzchen abgefackelt wird. Insgesamt überwiegen zum Glück die lustigen Momente, es darf viel gelacht werden, und genau das (und nicht viel mehr) soll eine Komödie ja schließlich bieten.

4/5

Filmkritik: The Artist

The ArtistEs gibt fast jedes Jahr zur Oscar-Saison einen Film, der irgendwie anders ist und den deshalb (oder trotzdem) alle mögen. Vor ein paar Jahren war das „Slumdog Millionaire“, letztes Jahr „The King’s Speech“, dieses Jahr ist es „The Artist“. Und das verwundert auch nicht wirklich, als Stummfilm anno 2012 hat er ein Alleinstellungsmerkmal, dass anderen Filmen abgeht.

Der Film des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius erzählt die (fiktive) Geschichte des Stummfilm-Stars George Valentin (Jean Dujardin). Man schreibt das Jahr 1927, in dem Valentin auf dem Höhepunkt seines Erfolgs ist. Zufällig lernt er die junge Schauspielerin Peppy Miller (Bérénice Bejo) kennen, die beiden flirten intensiv miteinander – aber Valentin ist (unglücklich) verheiratet. Die beiden verlieren sich wieder aus den Augen. Peppy arbeitet sich zum neuen Star in Hollywood empor, für Valentin geht es bergab. Der Tonfilm ist groß im Kommen, doch der Star will von den Talkies nichts wissen.

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Filmkritik: Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

Sherlock Holmes - Spiel im SchattenVor zwei Jahren erfand Regisseur Guy Ritchie die populäre Detektiv-Figur Sherlock Holmes neu – als Helden eines Actionfilms. Gespielt von Robert Downey Jr. wandelte sich die Spürnase vom brillanten, spleenigen Denker zum extravaganten Alpha-Tier mit exzellenten Nahkampf-Techniken. Die Rechnung ging auf, der Film war bei Kritik und Publikum ein Erfolg, auch wenn Puristen mit dem „neuen“ Holmes sicher so ihre Probleme hatten. Ganz ähnlich lässt sich das auch für den zweiten Teil sagen, der die Action-Schraube noch ein wenig fester anzieht und vor allem als Spektakel mit viel Klamauk überzeugt.

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Filmkritik: Our Idiot Brother

Our Idiot BrotherPaul Rudd ist hierzulande kein sonderlich bekannter Schauspieler. In Filmen wie „The 40 Year Old Virgin“ spielte er Nebenrollen, im gar nicht so verkehrten (und von ihm selbst geschriebenen) „Role Models“ auch mal eine Hauptrolle. In „Our Idiot Brother“, einer charmanten Independent-Komödie um einen unverbesserlichen Gutmenschen, ist er nun in seiner bisher besten Rolle zu tun – als Idiot.

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Filmkritik: „Der Gott des Gemetzels“

Der Gott des GemetzelsEiner der besten Filme des Jahres 2011 ist gleichzeitig einer der kürzesten. Gerade mal knapp 80 Minuten benötigt Roman Polanski in „Der Gott des Gemetzels“ (Originaltitel „Carnage“) für eine extrem bissige Komödie um den ganz alltäglichen Wahnsinn im Leben zweier Ehepaare. Der Film basiert auf einem Theaterstück und beschränkt sich räumlich komplett auf eine Wohnung New York City, in der die Longstreets die Cowans empfangen um ein Problem aus der Welt zu räumen.

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Komm, süßer Tod (DVD)

Nachdem ich mir vor zwei Jahren bereits mit großem Vergnügen die Wolf-Haas-Verfilmungen „Silentium“ und „Der Knochenmann“ angesehen hatte muss ich irgendwie vergessen haben, dass es ja noch einen weiteren Film um den Ex-Kommissar Simon Brenner gibt. In „Komm, süßer Tod“ ist Brenner (gewohnt genial: Josef Hader) als Sanitäter beschäftigt und wird in einen kniffligen Mordfall verwickelt.

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The Hangover 2

Vor zwei Jahren war „The Hangover“ der Überraschungserfolg des Sommers. Der derbe, in keiner Weise um „political correctness“ bemühte Humor des Films traf den Geschmack des Publikums, obwohl das Setting – ein Junggesellenabschied in Las Vegas – wahrlich kein sonderlich neues war. Wegen des großen Erfolges war ein Sequel nur eine Frage der Zeit, zumal alle Beteiligten offenbar nicht abgeneigt waren. Neben den Hauptdarstellern ist auch Regisseur Todd Phillips mit dabei, der nun auch am Drehbuch mitgeschrieben hat.

„Never change a winning team“ hat sich Phillips wohl gedacht, denn in „The Hangover 2“ sind Stu (Ed Helms), Phil (Bradley Cooper) und Adam (Zach Galifianakis) in ganz ähnlicher Mission unterwegs wie beim letzten mal. Zahnarzt Stu hat die Buddies zu seiner Hochzeit auf eine paradiesische Insel Thailands eingeladen, ein krachender Junggesellenabschied ist nicht vorgesehen. Brav trinken die Jungs gemeinsam mit Stus thailändischem Schwager-in-spe Teddy, einem 16-jährigen Genie, am Strand ein Bier, mehr soll es nicht sein. Trotzdem wachen sie etwa 12 Stunden später in einem heruntergekommenen Hotelzimmer mitten in Bangkok auf – und erleben ein paar böse Überraschungen…

Selten hat es sich eine Fortsetzung so einfach gemacht wie „The Hangover 2“. Das bewährte Prinzip wird mit etwas Exotik aufgepeppt, die Gags und Bilder fallen noch einen Tick drastischer aus, die chaotische Handlung dagegen wird beinahe kopiert. Trotzdem (oder gerade deswegen) funktioniert der Film genau so gut wie der erste. Man bekommt, was man erwartet – und noch etwas mehr.

Die Darsteller sind inzwischen ein eingespieltes Team und beweisen im Zusammenspiel erneut großes komödiantisches Talent. Cooper gibt den lässigen Anführer, Helms den gestressten Jammerlappen, Galifianakis das neurotische und egozentrische Spielkind. Aus dieser recht simplen Konstellation holt der Film eine Menge gelungener Jokes raus. Die Story lebt von ihren guten Einfällen und dem ungewohnten Terrain in Bangkok, bietet dabei immer wieder große und nur selten mal länger als eine Minute gar keine Lacher. Das Ende ist ein wenig zu lahm und brav, doch der brüllend komische Abspann macht das sofort vergessen.

Die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet „The Hangover 2“ einige Male, steht dabei aber (gefühlt) auf höherem Niveau als viele jugendfreie Hollywood-Komödien, die in erster Linie auf Fäkalhumor setzen. Die Eskapaden des selbsternannten „Wolfpacks“ sind ebenso wild wie unwahrscheinlich, in erster Linie aber sind sie lustig. Noch mehr als im ersten Teil mag mancher das Geschehen – rauchende Äffchen, nackte Transvestiten oder prügelnde Mönche – auch anstößig finden, der jungen Zielgruppe jedoch gefallen genau diese vermeintlichen Tabubrüche am besten.

Wenn eine Fortsetzung lediglich „more of the same“ bietet ist das meistens keine gute Nachricht. Neue Entwicklungen und Einfälle sind fast immer unerlässlich, um dem Stoff neues Leben einzuhauchen. Im Falle von „The Hangover 2“ ist das anders. In leicht abgewandelter Form und vor exotischer Kulisse zündet der Film ein sehr ähnliches Gag-Feuerwerk wie vor zwei Jahren, und genau wie damals wird mächtig viel gelacht im Saal. Mehr kann man von einer Komödie nicht erwarten.

4/5

Paul

Zwei englische Comic- und Alien-Nerds fahren mit dem Wohnmobil durch die USA und treffen auf … ein Alien! Klingt albern? Ja, allerdings, doch das ist im Falle von „Paul“ tatsächlich gut so. Denn die Idee stammt von Nick Frost und Simon Pegg, den britischen Komikern, die uns mit „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ schon zwei sehr lustige Streifen geschenkt haben. Mit ihrer neuen Alien-Farce ist ihnen erneut eine Komödie gelungen, bei der tatsächlich gelacht werden darf, kann und muss.

Frost und Pegg spielen die Hauptfiguren Clive und Graeme, die in den USA urlauben. Ihre erste Station ist die Comic Con, jene bunte Nerd-Attraktion, die seit Jahren Scharen von „Batman“, „Star Trek“ und Sci-Fi-Fans anzieht. Danach wollen sie mit dem Wohnmobil die bekannten Pilgerstätten der UFO-Sichtungen ansteuern, angefangen natürlich bei der berüchtigten ‚Area 51‘. Kaum sind die beiden unterwegs werden sie Zeuge eines Autounfalls – nur um dann verdutzt festzustellen dass der Fahrer zwar wohlauf ist, aber eben ein Alien, das sich als Paul vorstellt.

US-Komiker Seth Rogen leiht „Paul“ in der Originalfassung die Stimme, was schon deshalb passt, weil Paul sich ähnlich benimmt wie Rogen in Filmen wie „Knocked Up“ und „Pineapple Express“ – nämlich ausgiebig daneben. Immerhin hat Paul einen Plan, er will sich von Artgenossen per UFO retten lassen, muss allerdings pünktlich am Treffpunkt sein. Nicht ganz einfach, denn der Secret Service hat die Verfolgung längst aufgenommen. Jason Bateman spielt Agent Zoil, der bei seiner Jagd von den rammdösigen Loser-Cops Haggard und O’Reilly „unterstützt“ wird. Die wiederum werden von Bill Hader und Joe Lo Truglio gespielt, die schon in „Superbad“ als Trottel überzeugenen konnten.

Die Grund-Konstellation der Geschichte ist gelungen, und „Paul“ holt fast alles aus ihr raus. Christliche Fundamentalisten und Hillbillies bereichern die Story, der Roadmovie-Charakter sorgt für ordentlich Bewegung und die meisten Gags – etwa über Pauls Einfluss auf die Popkultur – zünden tatsächlich. Auch die Spezial-Effekte überzeugen, der komplett am Computer entworfene Paul wirkt real und greifbar, den Schauspielern ist nicht anzumerken, dass sie faktisch ständig vor dem Bluescreen Faxen machen. Pegg und Frost sind ein eingespieltes Team, das die Sympathien des Publikums nach wenigen Minuten in der Tasche hat – der Rest läuft dann wie von selbst.

Von selbst funktioniert aber natürlich keine Komödie. Es ist also Regisseur Greg Mottola („Adventureland“) und den Drehbuchautoren zu verdanken, dass sie ihre Geschichte so lässig und unterhaltsam weiterspinnen. In Verbindung mit den guten Schauspielern ergibt das eine sehenswerte Komödie – nicht unbedingt der nächste „The Big Lebowski“, aber eine äußerst lohnenswerte Investion in ein Kinoticket.

4/5

Ich sehe den Mann Deiner Träume

Alle Jahre wieder gibt es einen neuen film von Woody Allen, in diesem Jahr ist es „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ (Originaltitel), des Meisters vierter in London spielender Film. Im Zentrum des Geschehens stehen vier Figuren, die wie bei Allen üblich mit ihrer Existenz hadern. Sally (Naomi Watts) etwa arbeitet in einer Kunstgalerie und ist heimlich in ihren Chef (Antonio Banderas) verschossen. Zuhause wartet dann Ehemann Roy (Josh Brolin), der verzweifelt an seinem neuen Roman schreibt und langsam den Glauben an die eigene Berufung verliert.

Sallys Vater Alfie (Anthony Hopkins) ist auf seine alten Tage zum Fitness-Geek geworden, bemüht das Leben eines unbekümmerten Junggesellen zu führen – und reicht die Scheidung von seiner Frau Helena (Gemma Jones) ein. Die nimmt daraufhin erst eine Extraportion Schlaftabletten und anschließend ausgiebige Sitzungen bei einer Wahrsagerin. Die wiederum verrät ihr nicht nur ihre eigene (sehr rosige) Zukunft, sondern auch die von Sally und Roy – was dem Hausfrieden der beiden nicht eben förderlich ist.

Unterlegt von einem Off-Kommentar verfolgt der Film Leben und Leiden seiner Figuren für einige Monate, in der alle eine Menge Veränderungen durchmachen. Wie nicht anders zu erwarten bei Woody Allen dreht sich das Beziehungskarussell, allerdings nicht unbedingt in die Richtung, die man vielleicht erwartet hat. Die gelungenen Nebenfiguren (u. a. eine schöne Nachbarin von Sally und Roy sowie eine junge Teilzeit-Prostituierte) runden das groß aufspielende Ensemble ab, die Schauspieler spielen beschwingt und wie es scheint sehr befreit auf.

Das Drehbuch sieht recht offensichtlich für jede Figur eine unterschiedliche Entwicklung vor, schafft es jedoch, diese glaubwürdig und plausibel erscheinen zu lassen. Nicht der erhobene Zeigefinder diktiert hier den Gang der Dinge, sondern die mit viel Humor vorgetragene Überzeugung, dass das Leben sich nur bedingt in die Karten sehen lässt. Man könnte hier kritisch anmerken, dass „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ keinen großen Erkenntnisgewinn mit sich bringt. Aber darum geht es Allen auch gar nicht, er beschäftigt sich einmal mehr mit seinen Lieblingthemen, dem Leben in der Großstadt, der Kunst, der Angst vor dem Alter/Tod und den Tücken zwischenmenschlicher Beziehungen.

Der Film gehört wohl nicht zu Allens ganz großen Werken, enthält aber alles, was man von einem guten Film des Regisseurs erwartet. Er unterhält auf hohem Niveau, bietet herrliche Dialoge und süffisant vorgetragene kleine Lebensweisheiten. Für Fans also unbedingt empfehlenswert, alle anderen werden ohnehin die Finger davon lassen und sind wie üblich selbst schuld.

4/5

Die besten Fernsehserien der ‚Neuzeit‘

[Update: Eine aktualisierte Version der Liste vom Oktober 2014 findet sich hier.]

TV-Serien habe ich in meinem Leben schon eine Menge gesehen, aber hier gilt – anders als bei Filmen – eine ganz wichtige Unterscheidung: es gibt die Serien „von früher“, die man als Kind gesehen hat. Und es gibt die Serien „von heute“, die weit mehr Qualität aufweisen, einfach weil sich die Dinge in der Film- und Fernsehwelt so entwickelt haben.

Serienstars wie früher David Hasselhoff („Knight Rider“) oder Richard Dean Anderson („MacGyver“) konnten sich eine Kinokarriere abschminken (bei den beiden kann sich noch drüber freuen….). Man musste sich damals entscheiden – TV oder Kino, es war lediglich der „Abstieg“ vom Kino- zum Filmstar möglich. Serien waren entweder endlos-Seifenopern wie „Dallas“ oder recht alberner Quatsch für Teenager oder Kids. Ein paar Ausnahmen bestätigen die Regel („M.A.S.H.“, „Magnum PI“).

Seit den 90ern ist das anders, David Lynchs „Twin Peaks“ kommt da eine wichtige Rolle zu. Das Niveau der Fernsehserien ist gestiegen, sie folgen nicht mehr zwingend dem alten Gesetz, dass jede Folge in sich geschlossen sein muss. Stars schaffen seitdem häufiger den Sprung ins Kino. Jennifer Aniston („Friends“) und George Clooney („Emergency Room“) sind dafür gute Beispiele, inzwischen wechseln viele Schauspieler zwischen den ‚Welten‘ hin und her, ohne dass es noch jemanden interessiert.

Hier sind also meine Favoriten aus der ‚Neuzeit‘ der Fernsehserien, in chronologischer Reihenfolge, was den US-Start der jeweils ersten Staffel angeht:

1. Twin Peaks (1990)

Angefangen hat alles mit „Twin Peaks“, David Lynchs absurd-surrealer Mystery-Krimiserie von 1990. Die erste Ausstrahlung von RTL habe ich (mit damals 11 Jahren) verpasst, aber ein paar Jahre später wurden alle Folgen bei ‚Tele5‘ wiederholt. Die Mördersuche in einer Kleinstadt in Nordwesten der USA ist weit mehr als nur ein Krimi, sie seziert das Innenleben der Bewohner, genüßlich und mit viel Humor.

Das beste an der Serie sind die einzigartigen Charaktere, allen voran FBI-Agent Cooper – Kyle MacLachlan in der Rolle seines Lebens. Im Zusammenspiel mit den lokalen Cops, den Eltern der Toten, ihren Freunden und Neidern dringt er immer tiefer in die wirren Hintergründe des Verbrechens ein, stösst immer wieder auf neue Abgründe. Zudem ist es vielleicht die erste Serie überhaupt, die Teenager als ernst zu nehmende Menschen mit realen Problemen (und was für welche…) zeigt, und nicht die immer gleichen Klischees aneinander reiht.

Als der eigentliche Fall gelöst ist war das Zuschauerinteresse (zumindest in den USA) immer noch so groß, das noch eine „neue“ Handlung oben drauf gesetzt wurde. Das Finale um Coopers Nemesis Wyndom Earle ist ein Leckerbissen für alle Lynch-Fans, so wie die ganze Serie. Trotz diverser Konflikte beim Dreh und der Entwicklung des Story ist „Twin Peaks“ ein echter Meilenstein des Qualitätsfernsehens.

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2. The Sopranos (1999)

Nach „Twin Peaks“ kam lange nichts mehr. Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht sonderlich gezielt gesucht habe, „Akte X“, „Friends“, „Ally McBeal“ und Konsorten habe ich wohl mal gesehen, aber wirklich interessiert hat mich keine der Serien. Bis Ende der 90er die Sopranos kamen. Sie wurden – genau wie im Kino ein paar Jahre zuvor „Pulp Fiction“ – vom Spiegel angekündigt und dann vom ZDF ins Nachtprogramm verbannt; gut, dass es Videorekorder gibt (oder eher gab – hat noch jemand einen?).

Das Portrait eines Mafia-Clans aus New Jersey – ob der Name „Soprano“ wohl ein Zufall ist? – beleuchtet pointiert die Abgründe des Alltags. Allein die erste Folge, in der Mafia-Boss Tony einer Therapeutin sein Herz ausschüttet, dabei aber nicht die ganze Wahrheit erzählen darf, ist Sinnbild für die Qualität des Stoffes. Die Leistung des Schauspieler-Ensembles ist bemerkenswert, die Charaktere wachsen einem im Verlauf der 6 Staffeln richtig ans Herz.

Eine kleine Schwächephase sind – nach meiner Erinnerung – die beiden mittleren Staffeln, aber vielleicht würde ich das heute auch anders sehen. Die „Sopranos“ beginnen auf relativ kleiner Flamme (mit internen Schwierigkeiten), bevor die Spannungen zwischen den rivalisierenden Gangster-Clans von New York und New Jersey zunehmen. Ein weiterer Volltreffer der Serie: sie läuft nicht einfach aus, sie hört bewusst auf. Das klingt banal, doch Fakt ist, dass die meisten Serien wegen ausbleibendem Erfolg einfach nicht verlängert werden – und dann ist das Ende einer Staffel auch das Ende einer Serie, selbst wenn die Autoren einen anderen Schluss im Sinn hatten oder der gezeigte kein wirkliches Ende ist.

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3. 24 (2001)

Inzwischen ist in den USA die achte Staffel gelaufen, ich selber habe nur die ersten drei gesehen. Und trotzdem steht die Serie in dieser Liste, denn sie hat es geschafft, innovativ, mutig und erfolgreich zu sein. Dass fiktive Zeit und echte Zeit mal deckungsgleich sind in Filmen oder Serien hat es schon immer gegeben, aber daraus eine komplette Dramaturgie zu machen war neu – und nicht ohne Risiko.

Doch den Machern von „24“ ist es gelungen, dieses Prinzip zu etablieren, das Publikum zu begeistern und dabei eine gute Geschichte abzuliefern. Sicher, ein paar Löcher und Fehler sind schon drin im Plot – die gewollte Atemlosigkeit des Geschehens fordert ihren Tribut. Doch die Schauspieler, allen voran Kiefer Sutherland als Agent Jack Bauer, und der spannende Terrorplot (der ersten beiden Staffeln) können dennoch überzeugen.

Wie ich höre ist der gute Jack Bauer in den späteren Staffeln – er war schon zu Beginn kein Kind von Traurigkeit – zu Amerikas TV-Folterknecht Nummer 1 geworden, was natürlich keine schöne Entwicklung wäre. Ich habe von dem Format nach 72 Folgen einfach mal genug gehabt, und werde die fehlenden Staffeln eher nicht mehr nachholen. Doch den Platz in dieser Liste hat „24“ sich verdient…

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4. Weeds (2005)

Die moderne Idylle wohlhabender US-Vorstädte hat schon anno 1999 „American Beauty“ satirisch auseinander genommen. In „Weeds“ ist diese Idylle von Anfang an dahin, nach dem Tod ihres Mannes muss sich eine Hausfrau alleine durchschlagen. Doch den Lebensstandard zu halten ist gar nicht so einfach, wie Nancy Botwin (Mary-Louise Parker) feststellen muss, weshalb sie es mit dem Verkauf von Gras versucht.

Ersten Erfolgen stehen zunehmend größere Probleme im Wege, mit Rivalen, den Gesetzeshütern und den eigenen Kids – vor denen sie ihren neuen Brötchenbezahl-Plan nicht lange geheim halten kann. „Weeds“ wechselt zwischen Satire und reiner Comedy hin und her, ist auch mal sozialkritisch oder politisch unkorrekt, dabei aber in erster Linie immer eines: unterhaltsam. In den besten Folgen sind die Dialoge (im Original) so witzig dass man hin und wieder Pause drücken sollte, damit einem nichts entgeht.

Wohin die Reise der Botwins noch gehen wird ist am Ende der ersten Staffeln keinesfalls abzulesen, die Drehbuchautoren treiben es in jeder neuen Staffel (scheinbar) wieder von neuem auf die Spitze. Inzwischen ist die sechste Staffel gelaufen, wie man hört wird nach der siebten Schluss sein. Ich bin mal gespannt und hoffe darauf, dass die Autoren einen ECHTEN Schluss schreiben, keinen Kompromiss, der irgendwann doch noch fortgesetzt werden könnte…

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5. Dexter (2006)

Fast jede Serie in dieser Liste ist nicht unbedingt sehr fest in der Realität verwurzelt – im dem Sinne, dass die gezeigte Handlung besonders realistisch wäre. „Dexter“ schießt aber eindeutig den Vogel ab, denn es geht um einen Kriminal-Mediziner, der gleichzeitig Serienkiller ist. Aber ein guter Serienkiller. Der es in Miami in jeder Staffel mit einem neuen, bösen Serienkiller zu tun bekommt, der jedes mal HAARSCHARF davor steht, mit einem Riesenknall aufzufliegen, dann aber doch davon kommt.

Doch dazu zweierlei: Erstens ist die „Bedrohung“ durchaus real, es erscheint nicht unmöglich, dass Dexter Morgan (Michael C. Hall) irgendwann doch noch in Handschellen abgeführt wird. „Dexter“ ist schließlich nicht das „A-Team“ auf der Flucht vor Colonel Decker. Zweitens ist es den Stärken von Drehbuch, Schauspielern und Inszenierung zu verdanken, dass einem nur selten bewusst wird, wie UNGLAUBLICH die Handlung eigentlich ist.

Tatsächlich ist die Serie kontinuierlich mit (fast) jeder Staffel besser geworden, noch spannender, noch zynischer, noch grenzwertiger. Die extrem blutige Angelegenheit (FSK 18) ist sicher nicht jedermanns Feierabende-Vergnügen, ich freue mich trotzdem schon auf Staffel Nummer sechs im nächsten Jahr!

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6. Californication (2007)

Wer bisher geglaubt hatte, Dave Duchovny hätte mit Agent Fox Mulder schon die Rolle seines Lebens gespielt muss seit 2007 umdenken. Denn der ist als turbo-hedonistischer, zynischer Schriftsteller Hank Moody in „Californication“ zu gut um wahr zu sein. Mit charmantem Blick im Porsche-Cabrio durch Los Angeles fahrend fängt er dutzendweise Frauengeschichten an, was seine schöne Ehefrau Karen (Natasha McElhone) ihm irgendwann nicht mehr verzeihen kann.

Doch das Ende ist im Hause Moody immer wieder ein neuer Anfang, als (relativ) konstante Stütze bleibt ihm dabei seine Tochter Becca treu. Die durchlebt ihrerseits Höhen und Tiefen des Teenagerdaseins und hat mit ihrem Dad jemanden im Gepäck, der als Vorbild nur bedingt tauglich ist. Ein echtes Highlight der Serie sind zudem Hanks Agent, der Glatzkopf Charlie Runkle samt koksnasiger Gattin Marcy. Nicht zu vergessen Kathleen Turner (jawoll, die aus den 80ern), mit Mut zum Übergewicht und einer Stimme, die auch Joe Cocker gehören könnte.

„Californication“ ist in erster Linie Comedy, und vielleicht die lustigste Show die ich je gesehen habe. Bei allem Slapstick und aller Übertreibung lassen die Figuren aber hin und wieder durchscheinen, dass sie der Realität noch nicht endgültig entfleucht sind. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie nur alle zu egoistisch, triebgesteuert und unreif um sich wie erwachsene Menschen aufzuführen.

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7. John from Cincinnati (2007)

Die „Sopranos“ verließen im Herbst 2007 die Fernseher dieser Welt, und halb Amerika schaute zu. Sender HBO wollte das Publikum gleich mit der nächste Serie ködern und startete „John From Cincinnati“ auf dem „Sopranos“-Sendeplatz am Sonntagabend. Doch die Mystery-Surfer-Sage erwies sich als nicht massentauglich, und wurde nach der ersten Staffel wieder eingestellt. Schade, schade.

Aber diese eine Staffel immerhin ist großes Fernsehen geworden. Der Titelheld erscheint aus dem Nichts auf der Bildfläche in Südkalifornien und lernt eine Reihe von mehr oder minder merkwürdigen Gestalten kennen. Im Mittelpunkt steht dabei die Familie Yost, aus deren Reihen schon in der dritten Generation Ausnahmekönner des Surfsports kommen.

Den Plot wiedergeben zu wollen wäre sinnlos und unmöglich, die Serie verweigert sich einer konventionellen Erzählweise und gibt sich verschroben und geheimnisvoll – genau wie ihre Charaktere. Etwas ist faul bei den Yosts und den meisten ihrer Freunde und Bekannten. Ein abgewrackter Rocker, ein Ex-Bulle (gespielt von Ed O’Neill ala Al Bundy), und ein abtrünniger Mediziner bevölkern die Szenerie, Themen wie Drogensucht, Wunderheilung und eiskalte Geschäftspraktiken unter Surfsport-Größen ergeben ein wirres, von großartigen Momenten und hintergründigem Witz geprägtes Gesamtbild. Die Nähe zwischen Genie und Wahnsinn war nie besser auf der Leinwand zu beobachten als in „John From Cincinnati“ – und natürlich „Twin Peaks“.

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8. Bored to Death (2009)

Diese kleine Comedyserie von HBO ist sicher nicht jedermanns Sache, trifft aber sehr genau meinen Geschmack. Drei mit dem Leben hadernde Männer kämpfen sich in Manhattan durch den Alltag. Schriftsteller Jonathan (Jason Schwartzman) wird am Anfang von seiner Freundin verlassen (weil er zuviel Weißwein trinkt und zuviel kifft) und versucht sich auf der Suche nach Ablenkung daraufhin als Hobby-Privatdetektiv.

Comic-Zeichner Ray (Zach Galifianakis) kommt ebenfalls nicht recht voran, während Publizist George (Ted Danson) das Leben geniesst als wäre er keine 60, sondern 25 Jahre alt. Die Mischung aus Neo-Noir (u. a. ein lakonischer Off-Kommentar), Großstadthumor mit Anleihen bei Woody Allen und niveauvollem Kiffer-Slapstick (ja, sowas gibt es hier!) ist feinste Unterhaltung. Es gibt in dem bunten Treiben auch mal Tiefgang, doch die Hauptfiguren sind äußerst geschickt darin diesen mit viel Humor zu übersehen…

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9. Boardwalk Empire (2010)

Diese Serie ist noch nicht mal am Ende der ersten Staffel – wenn auch knapp, es fehlt nur eine Folge – und darf hier trotzdem nicht fehlen. Die Erwartungen an „Boardwalk Empire“ waren hoch, schließlich inszenierte Martin Scorsese den Pilotfilm (und ist Produzent der Serie), zudem ist die Besetzung recht prominent (Steve Buscemi, Kelly MacDonald, Michael Shannon) und der Sendeplatz ist der oben bereits erwähnte „Sopranos“-Sonntagabend.

Buscemi spielt Nucky Thompson, der Anfang der 1920er Jahre in Atlantic City die Fäden zieht. Die Prohibition guckt um die Ecke, ebenso das Wahlrecht für Frauen – die Zeit ist eine andere als die moderner Gangster. Doch die Methoden sind die gleichen. Nucky und seine Männer haben die Stadt fest im Griff, verdienen überall mit und lassen fröhlich die Puppen tanzen. Doch aus New York kommt Konkurrenz, ein paar lokale Gauner machen Stunk und überhaupt artet das Strippenziehen auf politischem, gesellschaftlichem und geschäftlichem Parkett zunehmend in harte Arbeit aus.

Die Figuren entwickeln sich langsam, aber stetig, man hat offenbar damit gerechnet eine zweite Staffel drehen zu dürfen, die den Pfaden weiterspinnt. Die ist tatsächlich gleich nach dem Start der Serie genehmigt worden, man kann sich schon drauf freuen. In Deutschland soll „Boardwalk Empire“ beim Pay-TV-Sender ‚TNT Serie‘ laufen, laut WELT Online. Allerdings habe ich von dem Sender nie gehört, wohl weil ich noch nie Pay-TV-Kunde war..

Knapp nicht dabei:

Zwei Serien sind noch zu nennen, die es beinahe, aber eben nicht ganz in diese Liste geschafft haben. Zum einen „Mad Men“, weil ich zwar von Witz, Dialogen und vielem mehr begeistert war, aber Ende der zweiten Staffel trotzdem aufgehört habe zu gucken. Ein bisschen viel Show, ein bisschen zu wenig Story. Kann aber gut sein, dass ich die übrigen Folgen noch nachhole und mein Urteil revidiere…

„Lost“ ist auch draußen geblieben, schon weil ich noch in der vierten Staffel stecke und also noch gar nicht weiss was zur Hölle denn nun eigentlich los ist auf der Insel. Aber ehrlich gesagt habe ich nicht (mehr) die Hoffnung, dass es da noch eine überzeugende Erklärung jenseits von „Ist alles Traum/Sind alle tot/etc.“ geben wird. Die Serie zelebriert das Erzählen von Geschichten und macht eine Menge Spaß – sollte am Ende doch noch alles wirklich zusammenpassen werde ich sie gerne hier ergänzen…

Machete

Der kommerzielle Erfolg des „Grindhouse“-Projekts von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez war anno 2007 recht bescheiden. Hierzulande wollten immerhin 600 000 Besucher Tarantinos „Death Proof“ sehen, Rodriguez‘ „Planet Terror“ hingegen nur 150 000. Doch offenbar hat der Regisseur aus Texas noch Spaß am B-Movie-Genre, denn „Machete“ ist feinstes Trash-Kino geworden. Der gewöhnlich eher als Bösewicht besetzte Danny Trejo („From Dusk Till Dawn“) spielt den Titelhelden, einen mexikanischen Bundespolizisten im Kampf gegen die Drogenkartelle.

Gleich zu Beginn wird Machete von Drogenboss Torrez (Steven Seagal!) übel zugerichtet, bevor er dann auch noch mitansehen muss, wie seine Frau einen Kopf kürzer gemacht wird. Womit auch schon die Tatsache etabliert wäre, dass „Machete“ nichts für Menschen ist, denen graphische Gewalt im Kino unangenehm ist. Es wird verdammt blutig gemetzelt in dem Streifen, Kopfschüsse, Hinrichtungen, abbgetrennte Gliedmaßen und sogar eine Kreuzigung sind Teil des Programms.

Der Plot, der sich nach der Exposition entfaltet, kreist um die Thematik illegale Einwanderer an der grenze von Texas. Ein korrupter Senator (Robert De Niro) und seine fiesen Schergen wollen einen Zaun errichten, mit dem sie die Grenze kontrollieren wollen. Mitmischen tun in dem gewalttätigen Treiben außerdem Michelle Rodriguez als Käpferin für die Rechte der Illegalen, Jessica Alba vertritt die US-Einwanderungsbehörde im Außendienst, Cheech Marin ist als Priester dabei, Don Johnston als Anführer einer schießwütigen Bürgerwehr und Lindsay Lohan gibt die aufmüpfige Tochter von Torrez‘ rechter Hand Booth.

Mit viel schwarzem Humor, sehr gutem Timing und ganz den ungeschriebenen Regeln des Genres folgend ist „Machete“ ein äußerst vergnüglicher, temporeicher Trash-Film geworden. Die prominente Besetzung spielt durch die Bank groß auf, wobei ironischerweise hier der ewige Nebendarsteller Trejo endlich mal die erste Geige spielen darf. Inzwischen 66 Jahre alt und mit einem Gesicht, das man getrost als „vom Leben gezeichnet“ umschreiben darf, spielt Trejo als „Machete“ groß auf. Er ist ein Mann der Tat, nicht der großen Worte, oder wie er selbst sagt: „Machete don’t text.“

Natürlich nimmt der Film sich nicht sonderlich ernst, die Neigung zur Übertreibungen zieht sich durch den die gesamte Handlung. Die politischen „Untertöne“ sind ebenfalls überspitzt, auch wenn Robert Rodriguez keine Zweifel aufkommen lässt, auf wessen Seite seine Sympathien liegen. Wie schon bei „Planet Terror“ hat er seinem Film einen gebrauchten Look gegeben, es findet sich Schmutz auf der Leinwand als wäre er mindestens 30 Jahre alt, und auch der Sound ist zuweilen gewollt mies abgemischt. Als Gesamtpaket funktioniert „Machete“ sehr gut, es gibt einiges zu lachen und großes Actionkino der ganz alten Schule. Man muss nur ein Faible für B-Movie-Reißer haben, um das auch genießen zu können.

4/5

PS: Das B-Movie-Duell mit Stallones „Expendables“ gewinnt „Machete“ deutlich, schon weil es kaum langweilige oder unnötige Szenen gibt.

Bored to Death (DVD-Import)

Eine kleine, aber feine Comedy-Serie von HBO, die hier leider nicht läuft, ist „Bored to Death“. Die erste Staffel (acht halbstündige Folgen) ist aber über amazon.co.uk zu bekommen. Im Zentrum des Geschehen steht der New Yorker Schriftsteller und Journalist Jonathan Ames (Jason Schwartzman), dessen Freundin ihn zu Beginn wegen seines erhöhten Weißwein- und Pot-Konsums verlässt. Unfähig sich auf seinen nächsten Roman zu konzentrieren startet er per Anzeige auf craigslist.com eine Karriere als Hobby-Privatdetektiv.

Ames‘ beste Freunde sind Comiczeichner Ray (Zach Galifianakis aus „The Hangover“) und der Zeitschriftenverleger George (Ted Danson), die beide genau wie er leidenschaftliche Kiffer sind. Die Serie ist aber von stumpfen Kiffer-Schwachsinn weit entfernt, wenn auch nicht ohne Albernheiten. Der verträumte Softie Ames gerät in den ein oder anderen Schlamassel, ihm dabei zuzusehen ist ein großes Vergnügen, selbiges gilt für die zwei anderen Hauptfiguren. „Bored to Death“ lebt in erster Linie von den guten Darstellern und Dialogen. Die Taglines sind recht treffend, sie lauten „A noir-otic comedy“ und „How he solves anything is a mystery.“. Die zweite Staffel wiederum wird mit „New Cases. No clues.“ angekündigt…

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