Zum ersten mal seit “Avatar” hat mich ein Film ins IMAX gelockt. Ich bin nun mal kein großer Fan von der 3D-Technik, oder genauer von dem, was dabei an Mehrwert rumkommt. Das Sequel zu “Tron” sah immerhin im Trailer so aus, als würde es sich mindestens visuell lohnen, und tatsächlich sieht der Film richtig gut aus. Den ganz großen Spaß hat die Sache aber nicht gemacht, beim nächsten 3D-Streifen könnte das Pendel also auch wieder in Richtung “lieber ein gutes Buch lesen” ausschlagen.
Die meisten werden den ersten Film der Reihe kennen, anno 1982 gab es da zum (gefühlt) ersten Mal rein am Computer entstandene Szenen, die in 80er-Jahre-Optik und mit einigen guten Einfällen dargeboten wurden. Die Story kreiste um eine Softwarefirma namens Encom und den Kampf des Programmierers Flynn (Jeff Bridges) gegen finstere Programme – alles innerhalb des “Master Control Program”, in einer virtuellen Realität also. Der Faden wird in “Legacy” weiter gesponnen, natürlich mit aktueller Trick-Technik und also mit atemberaubenden Effekten.
Soweit, so gut. Der Anfang des Films hat mir noch am besten gefallen. Flynn ist, wie wir erfahren, 1989 verschwunden und hinterlässt seinen Sohn Sam, der als junger Erwachsener Mehrheitseigner von Encom ist, aber keine wichtige Rolle in der Leitung des Konzerns spielt. Es dauert nicht lange bis Sam (Garrett Hedlund) sich in der “Matrix”-ähnlichen Computerwelt wiederfindet, in der sein Vater (Jeff Bridges) offenbar verschütt gegangen ist. ‘Let the games begin!’ ist hier schnell das Motto, die aus dem Original bekannten Motorradrennen werden werden optisch zeitgemäß in die Gegenwart übersetzt.
Visuell und auch vom Sound her ist “Tron Legacy” schlichtweg beeindruckend, die Effekte machen Spaß und sehen hervorragend aus. Auch das – wie bei 3D üblich – etwas trübe Bild stört nicht, der Film kommt ohne Tageslicht-Szenen aus, und die bunten Anzüge der Figuren geben dem ganzen einen hohen Kontrast. Auch der Schnitt stimmt, es geht weniger hektisch zu als heutzutage üblich, längere Einstellungen sind bei den Actionszenen keine Seltenheit. Der Look ist dem Original weitgehend nachempfunden, es sind aber definitiv auch Einflüsse von den beiden “Matrix”-Fortsetzungen und den letzten “Star Wars”-Teilen zu finden.
Doch der Gesamteindruck wird auch von anderen Faktoren bestimmt, und da schneidet der Film recht bescheiden ab. Hauptdarsteller Garett Hedlund kann als Actionheld nicht überzeugen, und auch seine Figur bleibt blass und uninteressant. Jeff Bridges scheint seinen Spaß zu haben, das Ganze aber nicht sonderlich ernst zu nehmen. Da passen die zwei oder drei Anspielungen auf seine Rolle als “Dude” in “Big Lebowski” ins Bild. Bridges tritt gleich zweimal auf, denn sein selbst geschaffenes digitales alter ego Clu (digital um 30 Jahre verjüngt) ist als Bösewicht mit von der Partie. Die weiteren Figuren sind bis auf eine Ausnahme (Michael Sheen als eine Art “Ziggy Stardust”) auch recht langweilig und aus dem Sci-Fi-Baukasten für Anfänger entliehen, was eine unnötige Verschwendung ist.
Was noch schwerer wiegt als die lahme Story sind die zuweilen grenzdebilen Dialoge. Vor allem im zweiten Teil dominieren sie viele Szenen, was die Darsteller nicht wirklich überspielen können. So saß ich gegen Ende dann schon eher belustigt da als dass mich das Finale noch interessiert hätte. Was aber auch daran liegt, dass “Tron Legacy” sein Pulver zu schnell verschießt und dann in den letzten 30 bis 40 Minuten nicht mehr zulegen kann.
Für den happigen Eintrittspreis vom IMAX bietet der Film letztlich schon genug Schauwerte und Spektakel. In einigen Szenen ist er “larger than life” und holt alles aus der Technik raus – mächtiger Sound und beeindruckende Effekte mit einigen guten 3D-Szenen zaubern einem schon ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Vom technisch-handwerklichen abgesehen hat er aber deutlich zu wenig zu bieten, weshalb ich eigentlich nur 3D- und “Tron”-Fans raten kann sich den Film in dieser Form anzusehen. Deshalb gerade so noch eine
3/5